Hermann Bollnow
"Die Grafen von Werl" Greifswald 1930

Genealogischen Untersuchungen zur Geschichte des 10. bis 12. Jahrhunderts

A. DER ZUSAMMENHANG DER FAMILIEN WERL UND ARNSBERG
 

1. Die Grafen von Werl
------------------------------
Wenn wir vom Sächsischen Annalisten, den wir in anderem Zusammenhange besonders betrachten wollen, absehen, finden wir folgende vier Erwähnungen von Grafen von Werl:

     1.  1024               Graf Hermann
     2.  1084               Bischof Heinrich von Paderborn, Sohn des Grafen Bernhard
     3.  1092               Graf Konrad und sein Sohn Hermann
     4.  vor 1100        spätestens 1100/31 Graf Luotpold

1. Am 13. September 1024 fand in Herzfeld eine Fürstenversammlung statt "in presentia Bernhardi
    ducis Saxonie, Herimanni comitis et filiorum eius Heinrici, Counradi, Athelberti, Bernhardi" und
    anderer. Falls es sich hier um denselben, unter ersten genannten, Grafen Hermann handelt,
    könnten wir in seinem letztgenannten Sohne Bernhard den Vater des Bischofs Heinrich sehen;
    doch müssen wir diese Frage vorläufig offenlassen.
2. Im Jahre 1084 war Heinrich von Werl von HEINRICH IV. als Gegen-Bischof Heinrichs von
    Assel, der später Erzbischof von Magdeburg wurde, für Paderborn aufgestellt und durchgesetzt
    worden. Graf Konrad von Werl, Heinrichs Bruder, verwandte sich für ihn beim Kaiser. Für diese
    Unterstützung vermachte Heinrich von Werl seinem Bruder sein Erbe.
3. Konrad, vermutlich älter als Heinrich, wird der Vater Hermanns sein, mit dem zusammen er im
    Jahre 1092 fiel.
4. Erzbischof Arnold II. von Köln schlichtete 1152 einen Streit um den Hof Hemmerde, der zu den
    Gütern gehörte, die Luotpold von Werlunter Arnolds Vorgängern der Kölner Domkirche
    geschenkt hatte. Erzbischof Friedrich (1100-1131) hatte diesen Hof schon weiterverschenkt.
    Spätestens zu dieser Zeit ist also die Schenkung erfolgt; vielleicht aber dürfen wir auch annehmen,
    dass dies schon vor Friedrich, also vor 1100, erfolgte.
Hierzu ist folgende Nachricht aus einem Kölner Traditionsverzeichnis heranzuziehen: "Ludolphus comes dedit Werle et quicquid proprietatis habuit in episcopatu Coloniensi et insuper tantum de sylvar Lur, quantum remansit fratri suo Conrado". Das in der Urkunde Arnolds II. erwähnte Hemmerde liegt 7 km westlich von Werl und kann daher gut unter "Werle et quicquid proprietatis habuit" fallen. An den verschiedenen Namensformen Luotpoldus und Ludolphus dürfen wir wohl kaum Anstoß nehmen. Aus der Art der Schenkung können wir schließen, dass Luotpold ohne Nachkommen gestorben ist. Wir erhalten also bisher an Grafen von Werl:
 

           Bernhard Graf von Werl

  ------------------+---------------------------------------------
 Konrad                 Heinrich                                Luotpold
 Graf von Werl      Bischof von Paderborn          Graf von Werl
      +   1092         (1084-14.10.1127)                  vor 1100 ?
 

  Hermann
      +   1092
 

2. Die Grafen von Westfalen
------------------------------------
Es erhebt sich die Frage, in welchem Gebiete die Grafen von Werl Grafenrechte ausübten und ob wir durch diese Feststellung zu neuen sicheren Erwähnungen der Grafen von Werl kommen können. Zu erwarten haben wir ihre Grafschaft sicherlich wohl in der Gegend ihres Stammsitzes, also kaum außerhalb von Westfalen. Aus Nachrichten in der Chronik Thietmars von Merseburg und einigen Urkunden läßt sich ein einigermaßen gesicherter Ansatzpunkt gewinnen.
Thietmar berichtet von einem Grafen Hermann, dem Sohne einer Gerberga, der in Fehde mit Bischof Thiedrich von Münster und dem Erzbischof Heribert von Köln lebte:
"In hoc autem anno (sc. 1016) Thiedricus antistes et Hirimannus comes Gerbergae filius --- certantes sua vastabant". "(1011/18) Thiedricus  --- magnum dedecus ab Heinrico, Hirimanni comitis filio, ut predixi, perpessus est. --- Heribertus archiepiscopus a predicto comite multa diu sustinuit incommoda, nec mirum, is matrem suam diutina teneret custodia".
Das "ut predixi" bezieht sich sicherlich auf obigen Bericht zum Jahre 1016, wenn auch Heinrich dort nicht genannt ist. Die Kämpfe Heinrichs können spätestens aus den Jahre 1018 sein, da Thietmar von Merseburg am 1. Dezember 1018 starb. Mit "predicto comite" kann nur Hermann, der Sohn der Gerberga, gemeint sein. Heinrich wird noch nicht comes genannt, und der davor letzterwähnte comes ist Ekkehard von Meißen, der natürlich nicht in Frage kommt.
Die Folge Gerberga-Hermann-Heinrich ist also gesichert. Der am 13. September 1024 in der Vita Meinwerci genannte Graf Hermann hatte, wie wir sahen, die Söhne Heinrich, Konrad, Adalbert und Bernhard. Der älteste, Heinrich, könnte mit obigen Heinrich, dem Sohne Hermanns und Enkel der Gerberga identisch sein. Der jüngste Sohn, Bernhard, wäre dann der Vater Konrads und Heinrichs von Werl. Gestützt wird diese Annahme noch durch das wiederholte Vorkommen der Namen Heinrich und Konrad in der Familie. Diese Kombination ist aber nur berechtigt, wenn sich eine dazu passende Grafenfolge in Westfalen findet.
Für Hermann, den Sohn der Gerberga, läßt sich mit Sicherheit eine Grafschaft ermitteln, im Lochtropgau:
18. Mai 1005 "Matrona nomine Gerberga --- in loco Odingi nomine in pago Lohtorp in comitatu Herimanni eius filii et cum illius licentia et consilio qui eius heres fuit. --- Signum Heriberti episcopi, --- Gerberge comitissae er filii eius Herimanni iussu OTTONIS imperatoris augusti."
Im Lochtropgau sind urkundlich die beiden Dörfer Stockhausen und Oedingen überliefert, aus den Werdener Urbaren noch Hellefeld; ferner dürfen wir Lochtrop selbst wohl zum gleichnamigen Gau rechnen.
Hellefeld und Lochtrop gehören nun dem Vogte Hermann von Werden, dessen übrige Besitzungen, die er vom Kloster Werden erwarb, 5 bis 10 Kilometer südlich von Werl liegen, außer Stockum (10 km östlich) und einigen Orten südlich der Ruhr. Diese Besitzverhältnisse beweisen, dass der Vogt von Werden Hermann von Werl, Graf im Lochtropgau, ist. Seine Besitzungen liegen im Westfalen- und Lochtropgau und in Angeron, womit nicht gesagt ist, dass er auch in allen diesen Gauen Grafenrechte ausübte. Im Westfalengau wird zwar in den Jahren 1017,1019 und 1020 ein Graf Hermann genannt - 1017 übrigens auch in der Gegend von Haltern nördlich der Lippe und 1019 im Dreingau -, es ist aber zweifelhaft, ob es sich hier ebenfalls um Hermann von Werl handelt; es bestehen nämlich folgende Schwierigkeiten:
Hermann wird von 1017 bis 1020 als Graf von Westfalen genannt, von 1023 bis 1063 Bernhard. Hermann von Werl begegnet aber noch urkundlich im Jahre 1024. Handelt es sich 1023 in Westfalen um Bernhard von Werl, so fällt auf, dass gerade der jüngste Sohn Nachfolger seines Vaters ist, während der Vater und die drei älteren Brüder noch leben; es müßten die Amtsbefugnisse also noch zu Lebzeiten des Vaters geteilt sein. Ferner gelangt Bernhards Grafschaft im Jahre 1063 an Erzbischof Adalbert von Bremen, woraus sich schließen ließe, dass Bernhard ohne männliche Erben gestorben sei, was aber schon den bisherigen Ergebnissen widersprechen würde. Allerdings läßt sich aus dieser Schenkung nicht zu viel schließen, wie ein Vergleich mit der Grafschaft Stade ergibt, die damals ebenfalls an die Hamburger Kirche übertragen wurde, aber dennoch den Grafen von Stade verblieb.
Es ist also nicht ohne weiteres angängig, in den Grafen im Westfalengau die Grafen von Werl zu sehen, eine Voraussetzung, die seit Seibertz ständig gemacht ist.
Über den Gemahl der Gerberga läßt sich nichts aussagen. Es wäre möglich, dass es der 978 genannte Graf Hermann in Angeron sein könnte, wie allgemein angenommen wird, doch bleibt das reine Vermutung. In diesem Hermann einen Grafen von Westfalen zu sehen, ist kaum möglich, da 980 in Brackel in Westfalen ein Graf Bernhard genannt wird, der dann noch eher Gerbergas Gatte sein könnte.

3. Die Grafen von Arnsberg
----------------------------------
Seit 1063 werden im 11. Jahrhundert in Westfalen keine Grafen mehr genannt. Erst in den ersten Jahren des 12. Jahrhunderts tritt ein comes Westvaliae auf, nämlich Friedrich von Arnsberg, der 1102 in Fehde mit Erzbischof Friedrich von Köln steht. Er ist ein ARNSBERGER, da der Erzbischof ihn in dieser seiner Burg belagert. Nach dem Sächsischen Annalisten ist er ein Sohn Konrads von Arnsberg und der dritten Tochter Ottos von Northeim.
Die Frage ist nun, ob dieser Konrad von Arnsberg mit Konrad von Werl identisch ist. Der Grund, dass die ARNSBERGER die Nachfolger der WERLER in der Grafschaft Westfalen sein, scheidet als Beweis aus. Der Namenswechsel von Werl zu Arnsberg ist leicht erklärt, da ja Luotpold von Werl diesen Ort an Köln geschenkt hat und es in dieser Zeit noch keine festen Familiennamen gibt, sondern die Namen Bezeichnungen nach Besitz oder Wohnsitz sind.
Dass Konrad von Werl mit dem ARNSBERGER identisch ist, läßt sich nicht beweisen; man kann es auch nicht widerlegen; Anhaltspunkte dafür oder dagegen kann hier nur noch der chronologische Zusammenhang bringen.
Hermann, der Sohn Konrads von Werl, wurde im Jahre 1092 zusammen mit seinem Vater erschlagen. Unter der Voraussetzung, dass er damals noch sehr jung - vielleicht 17 Jahre alt - war, könnte seine Mutter in den Jahren 1050-60 geboren sein; seine Geburtszeit würde sich so den übrigen Daten der Familie Ottos von Northeim gut einfügen.
Friedrich von Arnsberg und sein Bruder Heinrich könnten dann etwa 1080 geboren sein, wozu auch ihre sonst überlieferten Daten und ihre Ehen, die sich aber zeitlich nicht genauer festlegen lassen, in keinem Widerspruch stehen. Konrad ist unter diesen Voraussetzungen spätestens 1050/55 geboren, sein Vater Bernhard also mindestens 1030/35. Dieser ist wahrscheinlich der 4. Sohn Hermanns und tritt 1024 urkundlich auf. Sein ältester Bruder begegnet 1018 - vielleicht auch schon 1016 - in Kämpfen: er wird also spätestens wohl im Jahre 1000 geboren sein, Bernhard also vielleicht einige Jahre später. Wir erhalten dann aber eine sehr langsame Generationsfolge; Konrad kann nach obiger Voraussetzung nur um 1075 geheiratet haben. Bernhard wäre dann in dem für damalige Zeit doch schon hohen Alter von etwa 65 Jahren Großvater geworden.
Also auch die chronologische Betrachtung ist nicht ganz frei von Bedenken, so dass uns die Abstammung der Grafen von Arnsberg von denen von Werl keineswegs sichere Tatsache ist, sondern lediglich eine Wahrscheinlichkeit. Diese ist aber immerhin so groß, dass wir dennoch mit einem Zusammenhang rechnen dürfen.
Hermann von Werl, der Sohn der Gerberga, muß, da sein Sohn Heinrich wohl um 1000 geboren ist, selbst also spätestens 980/85 geboren sein. Als spätestes Datum erhalten wir so für Gerberga das Jahr 965, im äußersten Falle noch 968.
Die weitere Frage ist nun, ob diese Gerberga mit der Gerberga von Burgund identisch ist, zu welcher Annahme die Behauptung des Sächsischen Annalisten geführt hat, dass auch die Kaiserin Gisela in Werl geboren sei. Es handelt sich also um die Frage, ob Gerberga von Werl die Mutter Giselas und der vom Sächsischen Annalisten genannten Geschwister sein kann.
Erwägungen der Art, wie eine Ehe des Grafen von Werl mit einer burgundischen Königs-Tochter zustande gekommen sein könnte, warum die Herzogin von Schwaben sich in Urkunden comitissa nennt, wie sie in Gefangenschaft des Kölner Erzbischofs gerät und nur Hermann und Heinrich sich für sie einsetzten, wollen wir hintenansetzen und die gestellte Frage zunächst nur durch Ermittlung und Vergleich der Geburtsdaten zu lösen versuchen.

B. DIE WERLER GESCHWISTER BEIM SÄCHSISCHEN ANNALISTEN

Weitere Nachrichten über die Familie der Grafen von Werl erhalten wir aus dem Sächsischen Annalisten: "Gisela et soror eius Mathildis fratresque Rodulfus et Bernhardus nati erant in Westphalia de loco qui dicitur Werla". Über die Nachkommen dieser Geschwister berichtet er ausführlich, doch erwähnt er nichts von ihren Eltern und ihrer Abstammung überhaupt. Wir wollen versuchen, aus der Nachkommenschaft die Geburtszeit dieser Geschwister zu bestimmen, dabei aber von der Kaiserin Gisela vorläufig absehen, die unten in anderem Zusammenhange behandelt werden soll.

I. Rudolf von Werl und seine Nachkommen
-----------------------------------------------------
Rudolf von Werl hatte einen Sohn Hermann, der eine Richenza unbekannter Herkunft heiratete. Nach seinem Tode vermählte sie sich mit Otto von Northeim. Aus ihrer Ehe mit Hermann stammte Oda, die Gemahlin des Markgrafen Udo von der sächsischen Nordmark aus dem Hause STADE. Von Richenza stammten also sowohl die Markgrafen von Stade als auch die späteren Grafen von Northeim ab.

1. Die Markgrafen von Stade
-----------------------------------
Als Siegfried von Stade im Jahre 994 in normannische Gefangenschaft geriet, hatte er noch keinen Sohn und bat daher seine Schwester Kunigunde, die Mutter Thietmars von Merseburg, sie möchte einen ihrer Söhne für ihn als Geisel stellen. Liutger-Udo, Siegfrieds Sohn, ist also erst nach 995, dessen Sohn Udo dann kaum vor 1020 geboren. Da letzterer in den siebziger Jahren noch an den Sachsenkriegen teilnimmt, so mag er auch erst gegen 1030 geboren sein.
Zum Jahre 1076 schreibt Lampert von Hersfeld: "Filius Uotonis marchionis et filius Adelae, derelictae Dedi marchionis, ambo tenerae aetatis et longe adhuc infra pubertatos annos pueruli --- propter aetatis infirmae compassionem, ut eos indulgentissime nutriret. --- sineret eos interdum cum aequalibus suis ludicris puerilibus exerceri --- in aetate simplici et fraudis nescia ---. Interdum --- impositis equis, cuius rei vixdum aetas patiens erat, secum ire permittebat". Hieraus können wir annehmen, dass beide Knaben etwa 6 bis 10 Jahre alt waren .
Fraglich ist, um welchen Sohn Udos es sich hier handelt, ob um Heinrich, den ältesten, oder einen seiner jüngeren Brüder. Heinrich war mit Eupraxia von Rußland, der späteren zweiten Gemahlin HEINRICHS IV., vermählt. Er starb im Jahre 1087 kinderlos.
Sein Nachfolger war sein Bruder Liutger-Udo, der 1106 plötzlich erkrankte und starb, nachdem er 1101 Braunschweig erobert und im Jahre 1103 mit den sächsischen Fürsten in Fehde gestanden hatte. Sein Sohn Heinrich war damals noch nicht mündig, so dass sein Bruder Rudolf die Nachfolge für 8 Jahre antrat. Erst 1114 wurde Heinrich Markgraf. Er wird also, da wir wohl mit dem lehnsrechtlichen Mündigkeitstermin von 12 Jahren hier rechnen können, etwa 1102 geboren sein und sein Vater 1070 oder etwas früher.
Udos und Odas Tochter Adelheid war mit Pfalzgraf Friedrich von Putelendorf, nach dessen Ermordung (5. Februar 1085) mit Ludwig von Thüringen vermählt. Im Jahre 1081 hat sie geheiratet; sie müßte nach kanonischem Rechte dann mindestens im Jahre 1069 geboren sein, was dazu paßt, dass sie ihren ersten Sohn Friedrich im Jahre 1085 gebar.
Als Geburtsdatum für die Kinder Udos und Odas erhalten wir so etwa die Jahre 1065/70, so dass Oda spätestens 1050 geboren ist.

2. Die Grafen von Northeim
-----------------------------------
Heinrich der Fette, Ottos ältester Sohn, wurde 1101 in Friesland erschlagen. Er war vermählt mit Gertrud, der Tochter Egberts I., Markgrafen von Meißen, die zwischen 1058 und 1068 geboren ist. Aus ihrer 1. Ehe mit Dietrich von Katlenburg, der 1085 erschlagen wurde, stammte ein gleichnamiger Sohn. Von ihrem zweitem Gemahl, Heinrich dem Fetten, - die Ehe kann also frühestens 1085 geschlossen sein - hatte sie drei Kinder, Otto, Richenza und Gertrud.
Otto begegnet zuerst an der Seite seines Vaters in einer undatierten, nach der Zeugenreihe aus den Jahren 1099/1101 stammenden Urkunde für das Benediktinerkloster Lippoldsberg. Er ist sonst noch bekannt durch eine Schenkung an das Kloster Helmarshausen, wohl aus den Jahren 1103/08 (?), und durch eine Urkunde LOTHARS für das im Jahre 1115 von seiner Schwiegermutter, der Markgräfin Gertrud, gestiftete Marienkloster in Braunschweig. Wir können so nun schließen, dass Heinrich der Fette spätestens in den 90-er Jahren geheiratet hat.
Da Otto von Northeims Vater Benno im Jahre 1002 schon erwachsen war, könnte Heinrich schon in den Jahren 1020/30 geboren sein; da seine eigenen Kinder aber wohl erst aus den 90-er Jahren stammen, wird er selbst wohl erst um oder nicht vor 1050 geboren sein. Wenn wir bedenken, dass Heinrich 1101 erschlagen wird, also noch rüstig gewesen sein muß, erhalten wir als Spielraum etwa 1050 bis 1070.
Sein Bruder Kuno wird 1088 zuerst als Graf von Beichlingen erwähnt. Kuno übertrug damals dem Abte von Goseck die Abtei Oldisleben. Dieser Ort und Beichlingen sind alter Orlamünder Besitz. Im Jahre 1069 hatte Markgraf Dedi der Jüngere, der zweite Gemahl Adelas von Brabant, der Witwe Ottos von Orlamünde, Beichlingen und einige andere Orte in Besitz. Diesen erwarb nun Kuno durch seine Gemahlin Kunigunde, die Tochter Ottos von Orlamünde und der Adela. Kuno muß 1088 also schon verheiratet gewesen sein.
Kunigunde war in 1. Ehe mit einem russischen Könige verheiratet gewesen. Aus der Familie Jaroslaws von Kiew, um die es sich dabei handeln muß, kommen nur Swjatoslaw (+ 1076), Isjaslaw (+ 1078), Boris (+ 1078), Gljeb (+ 1078), Roman (+ 1079) und Jaropolk (+ 1086) in Betracht. Wir müssen also damit rechnen, dass Kunigundes erster Gemahl zwischen 1076 und 1086 starb, und beide Daten passen durchaus zu Kuno von Beichlingen. Im Jahre 1110 ging Kunigunde ihre 3. Ehe mit Wipert dem Älteren von Groitzsch ein; am selben Tage vermählte sich ihre gleichnamige Tochter mit Wiprechts gleichnamigen Sohne. Im Jahre 1140 starb eine "domna Cuonegund de Aleslove". Mit Sicherheit läßt sich doch nicht behaupten, dass es die ältere Kunigunde ist, die hier ihren Namen nach dem Orlamünder Erbe trägt; es könnte auch - und zwar mit größerer Wahrscheinlichkeit - die jüngere sein. Die Grenzen, innerhalb derer Kuno von Beichlingen geboren sein muß, sind also, wie bei seinem Bruder Heinrich, die Jahre etwa um 1050 und 1070.
Als Otto von Northeim im Jahre 1070 als Herzog von Bayern abgesetzt wurde, schickte sein Schwiegersohn Welf IV., der als Herzog jetzt sein Nachfolger wurde, ihm seine Tochter Ethilinde zurück. War sie damals schon erwachsen, was wir wohl aber nicht anzunehmen brauchen, so müßte sie spätestens im Jahre 1055 geboren sein. Eine zweite Tochter Ottos von Northeim war, wie wir schon sahen, mit Konrad von Arnsberg vermählt. Wenn Hermann von Werl (+ 1092) ein Kind dieser Ehe ist, so muß seine Mutter vor oder spätestens um 1060 geboren sein.
Wahrscheinlich sind also die Kinder Ottos von Northeim etwa zwischen 1050 und 1060 geboren.
Oben kamen wir zu dem Ergebnis, dass Oda, Richenzas Tochter aus 1. Ehe, spätestens 1050 geboren ist. Das führt jetzt zu dem Schluß, dass Hermann von Werl, der Vater der Oda, spätestens um 1030 gestorben ist und seine Witwe um diese Zeit ihre 2. Ehe mit Otto von Northeim einging. Die 1. Ehe, der, soweit bekannt, nur ein Kind entstammte, wird also nur kurz gewesen sein. Da Richenza in ihrer 2. Ehe noch acht Kindern das Leben schenkte, ist sie beim Tode ihres ersten Gatten sicherlich noch jung gewesen, und es wird Hermann von Werl selber jung gestorben sein; er dürfte dann spätestens 1030, frühestens wohl 1020, sein Vater, Rudolf von Werl, demnach um 1000 geboren sein.

II. Bernhard von Werl und seine Nachkommen
---------------------------------------------------------
Über die Familie Bernhards schreibt der Sächsische Annlist zum Jahre 1026: "Bernhardus comes, alter frater eiusdem regine (sc Giselae), habuit filias, quarum unam nomine Idam duxit Heinricus de castro Loufe dicitur, Brunonis Treverenis episcopi et Poponis comitis rater. Quem cum mures corrosissent usque ad mortem, viduam illius Idam quidam nobilis de Saxonia accepit uxorem, habuitque ex illa comitem Sifridum de Ertiniburh. Filiam eiusdem Ide ex comite eodem Heinrico, nomine Adelheidham, duxit Adulfus de Huvili, genuitque Adullfum iuniorem er fratres eius. Post cuius mortem sociavit eam sibi comes palatinus Fridericus de Summersenburch, genuitque palatinum comitem Fridericum iuniorem". Über Bernhard selbst ist nichts weiter bekannt.

1. Heinrich von Lauffen
------------------------------
Für Heinrich erhalten wir einige Anhaltspunkte durch seinen Bruder, den Erzbischof Bruno von Trier. "Bruno - Francus natione, insignis nobilitate, utpote quem pater Arnold comes ex nobilissima Adelheida matre genuerat". Bruno begegnet seit 1070 als Archidiakon, seit 1084 als Dompropst zu Trier, Köln und Speyer; Weihnachten 1101 wurde er Erzbischof von Trier und starb am 25. April 1124.
Da ein Archidiakon mindestens 20-25 Jahre alt sein soll, muß Bruno um 1040/50 geboren sein, sein vermutlich älterer Bruder dann also etwas früher. Die sonstigen Nachrichten über die Familie Lauffen erlauben keine sicheren Rückschlüsse auf Heinrichs Alter.

2. Siegfried von Artlenburg
---------------------------------
Über den zweiten Gatten der Ida, von dem sie einen Sohn Siegfried von Artlenburg hatte, ist nichts bekannt, nicht einmal der Name. Der Sächsische Annalist nennt ihn nur "quidam nobilis de Saxonia": Allerdings nennt Albert von Stade einen Siegfried von Artlenburg, ohne aber seine Abstammung anzugeben: "Item mortuo Udone, et filio suo Hinrico, Ermengardis nupsit Gherardo de Heinsberche, fratri Gozwini, ex quo habuit filium Sifridi ---; insuper filiam Ude, quam duxit Sifridus de Erteneburg, qui vocatur cum sue; ex qua genuit tres filias, Alheidam, quam duxit burggravius de Groche Luder, qui sine herede obiit, Odam, quam duxit Albertus de Osterburg, et genuit multam prolem".
Ermengardis ist die Schwester Helperichs von Plötzkau, die in 1. Ehe mit Markgraf Udo dem Jüngeren von Stade, dem Sohne der Oda von Werl, vermählt war. Heinrich von Stade, ein Kind dieser Ehe, starb im Jahre 1128. Dann müßte sich also seine Mutter Ermengardis noch 1128 mit Gerhard verheiratet haben und Uda könnte frühestens 1130 geboren sein. Heinrich nun ist wahrscheinlich im Jahre 1102 geboren; seine Mutter wäre dann bei der Geburt Udas mindestens schon 45 bis 50 Jahre alt gewesen! Außerdem ist ihr Sohn Siegfried aus ihrer zweiten Ehe auf dem 2. Italienzuge LOTHARS bei Bari in Apulien zu Pfingsten 1137 durch einen Pfeilschuß getötet worden. Die Angabe, dass Ermengardis erst nach dem Tode Heinrichs sich vermählt habe, kann also nicht stimmen; ihre zweite Heirat muß wesentlich früher liegen. Udo, ihr erster Gemahl, starb 1106; Uda, ihre Tochter aus zweiter Ehe, kann also 1108 geboren sein und um 1125 geheiratet haben.
Ein Siegfried von Artlenburg kommt als Zeuge in einer Urkunde LOTHARS am 17. Februar 1137 und in einer Fälschung zum 13. November 1130 vor, deren Zeugenliste teilweise echt und aus dem Jahre 1123 bis 1127 stammen muß.
Siegfried von Artlenburg, der Sohn der Ida von Werl, muß, da seine Mutter um 1040/45 geboren sein wird, um - eher nach - 1060, spätestens aber 1080/85 geboren sein. Ist er zugleich der Gemahl der Uda, so müßte er bei seiner Vermählung - frühestens 1125 - mindestens 40 Jahre alt gewesen sein. Das ist wohl möglich, zumal er ja auch schon früher verheiratet gewesen sein könnte, aber wenig wahrscheinlich. Zeitlich würde es sehr gut passen, wenn der Gemahl der Uda ein Sohn dieses Siegfried und somit Enkel der Ida vonWerlwäre, doch ist das reine Vermutung.

3. Adolf von Huvili
------------------------
Adelheid, die Tochter Heinrichs von Laufen und der Ida, heiratete Adolf von Huvili. Näheres über seine Familie läßt sich durch die Erzbischöfe von Köln ermitteln: "Treveri Brunonem, ecclesie Treverensis canonicum, Brunonis quondam archiepiscopi nepotem elegerunt (7. Dezember 1130). Dieser Bruno nahm die Wahl nicht an, vermutlich weil er schon das Erzbistum Köln in Aussicht hatte, wo er im nächsten Jahre gewählt wurde. Er war also nepos Brunos von Laufen. Ein Neffe Brunos von Köln mit Namen Friedrich war 1156-1158 Erzbischof von Köln. Dieser wird "filius fratris Brunonis" und "Adolfi comitis filius" genannt. Vorher war er Propst an der St. Gereons-Kirche in Köln.
Aus einem Brief Wibalds von Stablo geht hervor, dass Friedrich von Köln identisch ist mit dem Friedrich "filius Adolfi comitis de Huovele", der von einer Partei 1150 zum Bischof von Utrecht gewählt wurde. Dieser Bischofsstreit sollte 1151 in Nimwegen endgültig geschlichtet werden; das hatte Adolf, der Vater Friedrichs, der die Partei seines Sohnes schon vorher in Nürnberg vertreten hatte, beim Kaiser erreicht. In einer 1151 in Nimwegen ausgestellten Urkunde begegnet nun ein "Adolfus comes de Montibus"; und da tatsächlich der Utrechter Streit hier entschieden wurde, liegt die Vermutung nahe, dass dieser Adolf von Berg der Vater Friedrichs ist.
Ein "Arnoldus comes de Huvele" kommt in einer Urkunde des Erzbischofs Philipp von Köln für das Walburgis-Kloster in Soest vor. Die Zeugenreihe hat auffallende Ähnlichkeit mit denen der Urkunden Philipps, die am 9., 10. und 12. März 1179 in Soest ausgestellt sind, so dass wohl auch obige undatierte Urkunde in dieser Zeit in Soest erlassen sein wird. An der Stelle Arnolds von Huvele steht in der Urkunde vom 10. März 1179 Arnold von Altena. Nach dem ganzen Aufbau beider Zeugenreihen müssen beide identisch sein. Dieser Arnold von Altena ist nun ein Enkel Adolfs von Berg, so dass der Name Huvele hier abermals in Beziehungen zu den Grafen von Berg auftaucht. Der Hof Huvele befindet sich übrigens, wie Schnettler nachweist, im 13. Jahrhundert im Besitz Dietrichs von Limburg, des Sohnes Friedrichs von Isenburg, der wieder ein Enkel Arnolds von Altena ist.
Zwischen 1198 und 1217 gibt es einen Lambert von Huvele, einen Dienstmann Arnolds von Altena, der mit ihm gleichzeitig in Urkunden erscheint. Hieraus geht hervor, dass Arnold von Altena damals ein Gut Huvele besessen haben muß.
Wo also der Name de Huvele vorkommt, steht er stets in Zusammenhang mit den Grafen von Berg. Die Identität beider Familien, so wahrscheinlich sie auch schon ist, steht aber erst außer Zweifel, wenn wir bei den Grafen von Berg einen Vater und Sohn mit dem Namen Adolf wiederfinden und wir sie ohne ein "chronologisches Taschenspielerkunststück" einordnen können.

4. Die Grafen von Berg
-----------------------------
100 Jahre lang begegnet also fortlaufend der Name Adolf, Melchers scheidet hier überzeugend vier Träger dieses Namens.

a) Adolf I. und II.
----------------------
Im Jahre 1059 ist Adolf I. nachweislich als erster seiner Familie Vogt von Werden.  Da er die Vogtei nicht, wie später Adolf III. (1093 puer) ererbt hat, kann er damals nicht mehr ganz jung gewesen sein; er wird also wohl spätestens um 1035 geboren sein. Wäre Adolf III. sein Sohn, so müßte Adolf I. ihn mit etwa 50 Jahren gezeugt haben, was ja möglich, aber doch nicht das Nächstliegende ist. Außerdem kann Everhard, der Sohn Adolfs, der zwischen 1078 und 1089 in einer Schenkungsurkunde für St. Gereon in Köln als Zeuge neben seinem Vater vorkommt, weder Bruder noch Vater Adolfs III. sein; denn dieser Everhard ist 1092, wo er mit Dietrich von Kleve zusammen als Zeuge genannt ist, und noch 1098 einer der Nebenvögte von Werden. Man könnte allenfalls meinen, dass dieser Nebenvogt nicht zur Familie gehört, also mit dem Sohne Adolfs nicht identisch ist; sieht man in ihm aber ein Glied der Familie, so kann er nur ein Onkel Adolfs III. sein, und wir kommen so für die Zeit von 1050 bis 1090 zu zwei Grafen namens Adolf; Everhard ist dann ein Bruder Adolfs II. Ilgen sieht in ihm den Vater Adolfs III. das ist nur möglich, wenn er nicht mit dem Nebenvogte, der ja noch 1098 lebt, identisch ist. Ilgen stützt diese seine Annahme durch den gebräuchlichen Wechsel der Vornamen. Ein klares System ist bei ihm nicht erkennbar, wohl aber bei Melchers, wenn wir den 1148 vor Damaskus gefallenen Adolf als den ältesten Sohn Adolfs IV. ausgeben.

b) Adolf III. und IV.
-------------------------
Adolf III. ist nach seiner Grabschrift am 12. Oktober 1152 gestorben. Da der Vater Friedrichs von Köln, Adolf von Huvele, im Jahre 1151 genannt wird, könnte er mit obigem Adolf von Berg identisch sein. Nach der Grabschrift hat aber Adolf III. seine letzten Lebensjahre als Mönch im Kloster zugebracht. Aus den Urkunden ersehen wir, dass 1144 und 1145 ein Graf Adolf mit seinem Sohne Everhard auftritt. da es sich hier schon um Adolf IV. handelt, werden wir in ihm den Vater Friedrichs, des Erzbischofs von Köln, Adolf von Huvele, zu sehen haben.
Adolf, Friedrich und Everhard werden etwa 1120 bis 1130 geboren sein; denn Adolf fällt 1148 als adolescens, Friedrich ist 1150 Propst an St. Gereon in Köln und wird in diesem Jahre zum Bischof von Utrecht, 1156 zum Erzbischof von Köln gewählt. Everhard kommt seit 1140 urkundlich vor.
Bruno, ebenfalls schon Propst an St. Gereon, wird 1131 zum Erzbischof gewählt, ist also wohl, wie auch sein vermutlich älterer Bruder Adolf IV., um 110 geboren. Da ihr Vater Adolf III. 1093 puer genannt wird und noch nicht mündig ist, also spätestens um 1100 geheiratet haben muß, ist er wohl um 1080 - eher aber wohl einige Jahre später, als früher - geboren .
Eine völlig einwandfreie Folge des Namens Adolf bei Vater und Sohn haben wir bei den Grafen von Berg nicht gefunden. Es läßt sich die Möglichkeit, dass doch Everhard (1078-1089), falls er nicht Nebenvogt von Werden ist, dann der Vater Adolfs III. sein könnte, nicht völlig ausschalten. Aber nur, wenn Adolf III., der Sohn Adolfs II. ist, sind die Grafen von Huvele mit denen von Berg identisch, nur dann könnte man Adolf den Älteren von Huveli mit Adolf II. von Berg gleichsetzen; aber gerade wieder in Hinblick auf den Sächsischen Annalisten wird diese Möglichkeit zur Wahrscheinlichkeit. Nur Adolf II. käme zeitlich als der Gemahl der Adelheid von Laufen in Frage, da sie frühestens 11070/80 heiratsfähig gewesen sein kann. Dann wäre also Adelheid die Mutter Adolfs III. von Berg, was zu seinen Lebensdaten sehr gut paßt.

5. Friedrich von Sommerschenburg
-------------------------------------------
Nach dem Tode Adolfs von Huvili vermählte sich Adelheid mit dem Pfalzgrafen von Sommerschenburg. Er starb 1120 "iam provectus aetate", sein gleichnamiger Sohn im Jahre 1162. Letzterer geriet 1113 in Gefangenschaft und wurde 1114 zusammen mit Friedrich von Putelendorf freigelassen. Dann dürfte er also spätestens 1095 geboren sein, was mit den Lebensdaten Adolfs von Berg in Einklang stehen würde, der ja zwischen 1090 und 1093 gestorben sein muß; Adelheid, seine Witwe, kann also 1093 schon wieder geheiratet haben. Sie muß also spätstens 1065 - frühestens 1055 - geboren sein. Ida, ihre Mutter, also vor 1050, spätestens aber wohl um 1045. Ihr Vater Bernhard von Werl mag dann zwischen 1000 und 1025 geboren sein.

Anhang: Eine weiter Tochter Bernhards von Werl?
--------------------------------------------------------------
Ida war nicht Bernhards einzige Tochter: "Bernhardus --- habuit filias, quarum unam nomine Idam". Von einer anderen ist aber beim Annalista Saxo nicht mehr die Rede. Diese glaubt nun Seibertz durch folgende, an sich scharfsinnige, Untersuchung gefunden zu haben.
Im Jahre 1030 schenkt KONRAD II. der Paderborner Kirche "quoddam Berenhardi comitis predium Badperch dictum --- in pago Nichterga et in comitatu Haoldi comitis situm ---, idem ipse Berenhardus comes spurius erat, quod vulgo wanburtich dicunt". Die Vita Meinwerci erzählt, dass der Edle Hathamar "seniori suo" Haold sein Erbgut ohne Zustimmung seiner Erben schenkte. Er starb dann, und Haold schenkte das Gut "sue concubine - filie Bernhardi comitis quasi pro dotis causa". Seibertz sucht nun wahrscheinlich zu machen, dass Bernhard von Padberg ein Sohn Haolds aus diesem seinem Konkubinat sei, was sich nicht von der Hand weisen läßt. In der Konkubine sieht Seibertz nun die andere Tochter Bernhards von Werl, deren Name der Annalist wegen ihrer ungesetzlichen Verbindung und da sie daher keine legitime Nachkommenschaft hinterließ, verschweige.
Schon andere Gründe sprechen gegen einen derartigen Zusammenhang; aber auch rein zeitlich ist er unmöglich. Denn Bernhard von Padberg ist 1030 schon tot, er wird 1018 und 1022 vermutlich als Graf genannt. So wäre er also mindestens gleichaltrig mit seinem angeblichen Großvater Bernhard von Werl, wenn nicht noch älter. Seine Mutter kann also keine Schwester Idas sein.

III. Mathilde von Werl und die Ballenstedter
------------------------------------------------------
Mathilde war vermählt mit dem Grafen Esiko von Ballenstedt, dessen Vater die Tochter des Markgrafen Hodo von der sächsischen Ostmark geheiratet hatte. Urkundlich begegnet Esiko von 1036 bis 1046; seit 1049 wird ein Graf Udo genannt, so dass wir annehmen möchten, dass Esiko zwischen 1046 und 1049 gestorben ist.
Sein Sohn Adalbert kommt urkundlich schon 1063 als Nachfolger des Grafen Udo vor. Gestorben wird er vor 1083 sein, wo seine Söhne Otto und Siegfried als Grafen im Schwaben- und Nordthüringgau erwähnt werden. Adalbert wird bei seinem Tode in nicht zu hohem Alter gestanden haben, da seine Gemahlin, Adelheid von Orlamünde, noch zweimal geheiratet hat. Ihre Söhne sind 1083 Grafen, werden also vor 1070 geboren sein, was auch dazu paßt, dass Albrecht der Bär, Ottos Sohn, wohl kurz nach 1100 geboren ist. Adalbert, der in den siebziger Jahren wahrscheinlich noch an den Sachsenkriegen teilnahm, wird damals also im rüstigen Alter gestanden haben und frühestens in den zwanziger Jahren geboren sein, seine Mutter Mathilde dementsprechend frühestens etwa in den ersten Jahren des 11. Jahrhunderts.

ZUSAMMENFASSUNG
-------------------------------
Wir sahen, dass Hermann, der Sohn Rudolfs von Werl, wohl etwa in den Jahren 1020 bis 1030, Ida, die Tochter Bernhards, 1030 bis 1050 und Adalbert, der Sohn der Mathilde, etwa um 1025 bis 1045 geboren sein müssen.
Daraus ergeben sich als Grenzwerte für Rudolf die Jahre 970 und 1010, für Bernhard 965 und 1030, für Mathilde 985 und 1030. Nehmen wir daraus das Mittel, so erhalten wir für Rudolf etwa 990, für Bernhard etwa 1000, für Mathilde etwa 1005/10 als Geburtsjahr. Allgemein können wir also sagen, dass diese drei Geschwister um das Jahr 1000 geboren sind.
Weiterhin haben wir jetzt zu untersuchen, wie sich die Lebensdaten der Kaiserin Gisela und ihrer Mutter Gerberga zu den soeben gewonnenen verhalten.
 

C. DIE FAMILIE GERBERGAS VON BURGUND
---------------------------------------------------------------

1. Gerberga von Burgund
-------------------------------
Die Mutter der Kaiserin Gisela ist Gerberga, die Tochter König Konrads von Burgund. Sie stammt aus seiner zweiten Ehe mit Mathilde, einer Tochter Ludwigs IV. Ultramarinus von Frankreich. Konrads erste Gemahlin war Adelania, die nach dem 23. März 963 gestorben ist, da er an diesem Tage eine Schenkung zu seinem eigenen, seiner Gattin und seiner Kinder Seelenheil an das Kloster Cluny macht. Am 10. August 966 war Konrad bereits mit Mathilde, der Tochter Ludwigs IV., vermählt. Gerberga kann also frühestens um 965 geboren sein. Ihre Tochter Berta war 984 bereits mit Odo I. von der Champagne verheiratet. Aus dieser Ehe stammen drei Kinder, Theobald, Odo II. und Agnes. Der Vater starb im Jahre 995. Die Söhne waren damals noch nicht mündig, wurden es aber sicherlich bald. Sie sind also wohl in den 80-er Jahren - spätestens um 985/90 - geboren, ihre Mutter sicherlich vor 970.
Die Reihenfolge der Kinder Konrads aus seiner zweiten Ehe ist unsicher, so dass Gerberga im günstigsten Falle 965 (967 bis 970) geboren sein kann. Vermählt war Gerberga mit Herzog Hermann II. von Schwaben. Dass diese Ehe um 985 geschlossen wurde, zeigt die folgende Erörterung.

2. Hermann III. von Schwaben
--------------------------------------
Als Hermann II. am 4.5.1003 starb, folgte ihm sein Sohn Hermann III. als Herzog: "parvulus filius eius et consobrinus regis dux populi ordinatus est". Thietmar nennt ihn 1004 "adhuc puerulus", ebenso auch Adalbold. Noch als puer starb Hermann III. am 1. April 1012, er ist also wohl um 1000/02 geboren.

3. Mathilde
--------------
Auf den Landtag zu Diedenhofen im Januar 1003 wies Bischof Adalbero von Metz auf die zu nahe Verwandtschaft Mathildes, der einen Tochter Hermanns II., mit ihrem Gemahl, Herzog Konrad von Kärnten, dem Onkel KONRADS II., hin, die die folgende Übersicht veranschaulichen soll. Aus dieser Ehe der Mathilde gingen zwei Söhne hervor.

a) Konrad II. von Kärnten
--------------------------------
In Diedenhofen wird 1003 nicht gesagt, ob aus der Ehe schon ein Kind hervorgegangen sei. Konrads gleichnamigen ältesten Sohn nennt 1012 und 1029 Hermann von Reichenau: "Conradus dux Carantani, filius Ottonis ducis fraterque Brunonis dudum papae, obiit, et privato filio eius puero Cuonrado Adalbero ducatum accepit", 1019 "Counradus adolescens, filius Counradi quondam ducis Carentani, auxiliante patruele suo Counrado postea imperatore Adalberonem, tunc ducem Carentani, apud Ulman pugna fugavit". Demnach ist Konrad wohl um 1000/1002 geboren.

b) Bruno, Bischof von Würzburg
-----------------------------------------
Im Jahre 1034 wird Brun, "patruelis imperatoris, filius scilicet ex Mathilde Counradi ducis, die Paschae" (14. April) zum Bischof geweiht. Im Mai 1027 ist er in Verona als Kapellan und Königsbote tätig, seit dem 23. Oktober als Kanzler in der italienischen Kanzlei. Wiederholt tritt er als Intervenient auf. Als Kanzler begegnet er zuletzt am 8. März 1034. Am 14. April wurde er dann Bischof wohl im kanonischen Alter von 30 Jahren, da er 1027 schon Kaplan und Kanzler ist. Seine Mutter Mathilde ist dann etwa 985, spätestens 987 geboren.

4. Beatrix
------------
Die EPPENSTEINER werden wiederholt als Verwandte des salischen Hauses bezeichnet:
1. Adalbero, Bischof von Bamberg, consobrinus HEINRICHS III. Er ist ein Sohn Herzog Adalberos
    von Kärnten.
2. Markward, der andere Sohn Adalberts, propinqus HEINRICHS IV.
3. Liutolf, Markwarts Sohn, consanguineus HEINRICHS IV.
4. Udalrich, Abt von St. Gallen und Patriarch von Aquileja, Liutolfs Bruder, consanguineus und
    cognatus HEINRICHS IV.
5. Heinrich, Herzog von Kärnten, nepos HEINRICHS V.
Beziehungen Adalberos zu Schwaben zeigen sich 1019 in dem Kampfe bei Ulm. Vielleicht handelte es sich hier um das schwäbische Erbe. Heinrich von Kärnten, der Enkel Adalberos, hat Besitz im schwäbischen Dorfe Daugendorf gehabt, den 1093 HEINRICH IV. an das Kloster St. Gallen schenkte. Ferner schenkt Heinrich im Jahre 1104 100 Königshufen dem Kloster St. Lamprecht, vermutlich dieselben, die KONRAD II. 1025 verschenkt hat: "per interventum ac petionen dilectae nostrae Gisilae sc. reginae --- cuidam matronae Beatrici centum mansos nostra proprietatis --- in comitatu comitis (Dorgouuues) in loco Auelniz sitos".
Markward, Adalberos Sohn, besitzt 1060/76 im Gebiet von Afflenz Zehnten. Es liegt daher die von Stülz aufgestellte Vermutung nahe, wenn sie auch nicht restlos befriedigt, dass Beatrix Adalberos Gattin und die, sonst nicht bekannte, aber überlieferte dritte Tochter Hermanns II. von Schwaben war. Eine Bestimmung ihres Alters ist nicht möglich.

5. Berchtold
---------------
Von einem Sohne Hermanns von Schwaben namens Berchtolf berichtet Walthers Geschichte des Klosters Marchtal: "Ipsa vero ducissa (sc. Gerbirga) ei duci (sc. Herimanno) filium peperit, quem pro amore supradicti Bertholphum nuncapavit. Is puer, cum esset tantum unius anni etr quatuor dierum - defunctus est". Berchtold wurde in Marchtal beigesetzt. Die Kirche war unter dem Schutz der Gerberga erbaut und von Bischof Gebhard von Konstanz geweiht worden. Es heißt dann bei Walther weiter: "Unde Deusbona eorum oprea cognoscens, dedit illis filium, quem Hermannum nuncuparunt." Eine Bestätigung dieser Nachrichten finden wir in den Ann. S. Meginradi aus dem 13. Jahrhundert zum Jahre 992: "Hermanni ducis Alemanniae filius Bertolfus in festo Paschae (27. März 992) Heremi baptisatus". Die Einsiedler Annalen berichten zum selben Jahre: "Nascitur Berehtoldus Herimanni filius, qui in beati cella Meginradi baptizatus et ab abbate Gregorio" fonte susceptus est". Da die Nachrichten der Marchtaler Geschichte so ihre Bestätigung finden und sie chronologisch alle gut ineinander passen, können wir sie für authentisch halten und annehmen, dass Berchtold ein Sohn Hermanns und der Gerberga ist, der 992 geboren und 993 gestorben ist.

6. Gisela
-----------
Wenn auch der Sächsischen Annalist behauptet, die Kaiserin Gisela sei in Werl als Schwester Rudolfs, Bernhards und Mathildes geboren, so muß sie trotzdem als eine Tochter Hermanns von Schwaben und Gerbergas gelten. Das bezeugt besonders Wipo ausdrücklich: "Cui (sc. Giselae) pater erat Herimannus dux Alemanniae, mater eius Kerbirga filia Chuonradi regis de Burgundia fuit, cuius parentes de Caroli Magni processerant." Hermann von Reichenau spricht von drei Töchtern und einem Sohne Hermanns und nennt Gisela soror Hermanns III. In der Vita S. Verenae heißt es: "Cumque ex ea (sc. Gerbergae) filias satis procrearet, filios autem non haberat ---."
Das alles weist darauf hin, dass Gisela eine Tochter Hermanns von Schwaben ist. Auch ist kaum denkbar, dass Wipo mit seiner ausdrücklichen Angabe sich geirrt haben sollte, wo er doch Kaplan KONRADS II. war und sein Werk HEINRICH III. gewidmet und überreicht hat.
Durch genauere Bestimmung des Geburtsjahres der Gisela lassen sich die letzten Zweifel zerstreuen.
Bei der Ausgrabung der Kaisergräber im Dome zu Speyer fand sich unter dem Kopfe der Gisela eine Bleitafel mit ihren Lebensdaten: "Anno dominiciae incarnationis DCCCCXCVIII. III. Idus Novembris feliciter nata Gisila imperatrix ---". Demnach wäre Gisela am 11. November 999 geboren. Schon wenn man bedenkt, dass am 28. Oktober 1017 HEINRICH III. als ihr 4. Kind aus ihrer 3. Ehe geboren wurde, klingt das angegebene Datum sehr unwahrscheinlich. Daher nahm schon Grauert einen Schreibfehler für 989 an, zumal die Tafel überhaupt sehr eilig behandelt worden sei; aber auch diese Konjektur ist nicht völlig befriedigend, weshalb wir versuchen wollen, an die Frage durch Erwägung der Lebensdaten ihrer Familie heranzukommen.
Nach dem Sächsischen Annalisten war Gisela dreimal verheiratet, mit Ernst von Schwaben, Bruno von Braunschweig und KONRAD II. Für Bruno haben wir zunächst keine zeitlichen Anhaltspunkte. Ernst I. starb am 31. Mai 1015. Am 28. Oktober gebar Gisela HEINRICH III.; diese Ehe muß also spätestens mit dem Jahre 1017 begonnen haben. Es bleiben dann 18 bis 20 Monate übrig, in denen Giselas zweite Ehe gelegen haben müßte. Da nun Liudolf, der Sohn Brunos und Giselas, am 28. August 1028 zuerst urkundlich genannt wird, wäre es theoretisch anscheinend möglich, dass er 1016 geboren, also Brunos Ehe mit Gisela ihre zweite gewesen ist. Diese Frage wollen wir durch Betrachtung der Geburtsdaten ihrer Kinder zu lösen versuchen.

7. Ernst von Schwaben
----------------------------
Am 1. April 1012 starb der Stamm der Herzöge von Schwaben aus der wetterauischen Familie der KONRADINER aus. Ernst, der Sohn Liutpolds, des ersten babenbergischen Markgrafen der Ostmark, wurde sicherlich nur dadurch Herzog, dass er Gisela, die Erbin Schwabens, heiratete. Das würde voraussetzen, dass sie eine Tochter Hermanns II. und schon 1012 verheiratet ist. Wäre Gisela keine Schwäbin, so hätten ja auch Otto von Hammerstein oder dessen Bruder Gerhard in Frage kommen können als Söhne Heriberts von Gleiberg, eines Vaterbruders Hermanns II. Die anderen Schwiegersöhne Hermanns kamen nicht mehr in Betracht, da Konrad bereits am 12. Dezember 1011 als Herzog von Kärnten gestorben war und Adalbero, Markgraf von Kärnten, seinem Schwager hier 1012 als Herzog folgte. Daraus, dass Ernst Herzog von Schwaben wurde, läßt sich also noch nicht folgern, dass Gisela Hermanns älteste Tochter war.
Giselas Kinder aus dieser Ehe sind Ernst II. und Hermann IV. Als Ernst I. am 31. Mai 1015 starb, war Ernst II. noch pavulus. Bei der Königswahl KONRADS II. im Jahre 1024 stand er noch unter Vormundschaft seines Onkels, des Erzbischofs Poppo von Trier. Bereits im nächsten Jahr steht Ernst im Aufstande gegen seinen Stiefvater, dem er sich im Februar 1026 wieder unterwirft. Er nimmt dann am Romzuge teil, wird aber von KONRAD nach Schwaben zurückgeschickt, wo er sich noch im selben Jahre der Empörung wieder anschließt. Zu Ulm, im Juli 1027, unterwirft er sich abermals, geht aber seines Herzogtums verlustig und wird auf dem Giebichenstein gefangen gesetzt. Ostern 1028 mag er dann zur Krönung seines Stiefbruders begnadigt worden sein; jedenfalls erscheint er urkundlich als Ernastus dux, also wohl wieder im Besitze seines Herzogtums, am 1. Juli 1028 in Magdeburg (?), wo auch sein Stiefbruder Liudolf und sein Oheim Adalbero anwesend sind. In Ingelheim, Ostern 1030, überwirft er sich abermals mit KONRAD, lädt Acht und Bann auf sich und fällt am 17. August 1030 im Kampfe mit seinen Häschern.
Da er also seit 1025 selbständig handelnd auftritt, wird er Ende 1024 oder Anfang 1025 mündig geworden, also wohl 1012/13 geboren sein, wozu demnach stimmen würde, dass Ernst I. uns am 1. April 1012 bereits mit Gisela vermählt gewesen zu sein scheint. Daten, die sich mit einer Geburt der Gisela am 11. November 999 schwerlich vereinen lassen.

8. Bruno von Braunschweig
----------------------------------
Brunos Sohn Liudolf war mit einer Gräfin Gertrud verheiratet, die ihm die Söhne Bruno und Egbert den Älteren gebar. Weder über Brunos von Braunschweig noch über Gertruds Abstammung ist etwas überliefert, wohl aber gibt es darüber zahlreiche phantastische Mutmaßungen. So hat man Gertrud für eine Tochter Egberts des Einäugigen, der nach anderen wieder der Vater Brunos von Braunschweig ist, gehalten.
Eccard, Böttger und Rockrohr bezeichnen sie als eine Tochter Arnulfs von Holland. Das ist völlig aus der Luft gegriffen; der einzige Anhaltspunkt könnte die irrige Annahme sein, dass Arnulf irgendwelche Beziehungen zu Mittelfriesland gehabt hätte. Allerdings ist von ihm überliefert, dass er Töchter gehabt hat.
Jaeckel sucht nachzuweisen, dass sie die Erbin, vermutlich die Tochter des Grafen Rednat von Mittelfriesland war. Seine Beweisführung möchte ich als Beispiel für die Aufstellung gewagter Genealogien wörtlich wiedergeben: "Es ist nirgends in unsern Quellen auch nur angedeutet, dass --- Brun irgendwelche Beziehungen zu diesen friesischen Landen gehabt hätte. Von seiner Mutter --- kann Liudolf erst recht nicht jene Grafschaft ererbt haben. Es bleibt somit nur die Möglichkeit übrig, dass er sich diese Grafschaft erheiratet hat. --- Da sie (Gertrud) ihrem Gemahle die Grafschaft Mittelfriesland zubrachte, werden wir sie als --- Gertrud von Mittelfriesland zu bezeichnen haben. Sie gehörte demselben Hause wie Reginhilde, die Mutter der Königin Mathilde, an und muß die Erbin, also die Tochter des letzten einheimischen Grafen von Mittelfriesland (Rednat) gewesen sein."
Auch diese Beweisführung hat nichts Überzeugendes an sich. So ist vorläufig alles, was Gertruds und Bruns Abstammung betrifft, unbegründete Vermutung.

a) Liudolf
------------
1. 1028 Ludolfus comes privigus imperatoris
2. 1038 Ludolfus comes privigus imperatoris --- obiit.
3. 1051 Brun eiusque filius sc. noster frater Liutolfus necnon et eius filius Echbrecht comites.
4. 1057 Brun eiusque filius sc. patruus noster Liutolfus necnon et eius filius Echbreht comites.
5. 1057 Brun et Ecbertus patrueles regis.
6. 1067 Egbertus patruelis regis.

Egbert II. ist 1068 "tenerrimae aetatis infantulus". Sein Vater heiratet die Witwe Ottos von Schweinfurt, Irmgard, die Tochter Meginfrids von Susa. Otto starb am 28. September 1057. Ekbert II. kann also kaum vor 1059 geboren sein, da sein Vater 1068 bereits starb, wohl etwa 1060/65.
Egbert I. wird 1051 das erste Mal genannt, er muß also spätestens in den dreißiger Jahren geboren sein. Das nötigt uns noch nicht, von 1016 als Geburtsjahr seines Vaters Liudolf abzugehen, der 1028 das erste und einzige mal urkundlich sicher bezeugt wird und 1038 "immatura morte obiit".
Fraglich ist, ob Liudolf von Braunschweig bereits 1013 in Urkunden HEINRICHS II. vorkommt, es würde sich um D H II 260 und 263 handeln. Bei beiden könnte nur eine genauere Betrachtung der Besitzverhältnisse den Beweis erbringen, ob es sich hier wirklich um Liudolf von Braunschweig handelt. Böttgers Ausführungen reichen dazu nicht aus, da er von der Fälschung für das Jahr 1022 ausgeht, deren echte Vorlage auf eine der beiden erwähnten Urkunden HEINRICHS II. aus dem Jahre 1013 zurückgeht. Der dort erwähnte Egbert kann natürlich nicht Liudolfs Sohn sein. So bleibt für Liudolf bisher als einziger Anhaltspunkt die Urkunde von 1028, die allerdings keine sicheren Rückschlüsse erlaubt.

b) Ida von Elsdorf
-----------------------
Albert von Stade schreibt zum Jahre 1112: "Ida, nobilis femina de Suevia nata, in villa Elsthorpe namens --- fuit filia fratris imperatoris HENRICI III., filia quoque sororis Leonis pape, qui et Bruno." Als Kinder der Ida nennt Albert Richenza, Oda, Egbart und Burchard, als Gatten Lippold, den Sohn der Glismodis, Dedo und Etheler, Grafen von Dithmarschen.
Leo IX. wurde am 21. Juni 1002 geboren. Nehmen wir an, dass seine Schwester etwa gleichaltrig ist, so würde Ida um 1020 geboren sein können. Wenn Liudolf nun aus Giselas zweiten Ehe stammt - also 1016 geboren ist -, könnte Ida nur 1034/39 geboren sein. In diesem Falle würden wir mit einiger Wahrscheinlichkeit damit rechnen können, dass ihre Mutter (Gertrud?) Liudolf entsprechend, noch jung und somit doch beträchtlich jünger als ihr Bruder Leo IX. gewesen sei. Auch könnte dann ihr Enkel Egbert, der zur Zeit Leos IX. (1049-1054) erschlagen wurde, wenn er der älteste Sohn der Ida wäre, frühestens 1049 geboren sein. Unter diesen Umständen hätte Liudolf mit seinen 22 Jahren 3 Kinder haben müssen, die alle groß wurden. Sein Sohn Egbert I. wird im Jahre 1051 als comes und im Besitz königlicher Lehen zuerst genannt. 1057 überfällt er zusammen mit seinem Bruder Bruno den Bruder des Markgrafen Wilhelm von der Nordmark, Otto. Davon scheint mir die urkundliche Erwähnung Egberts zu 1051 nicht recht zu einer Geburt seines Vaters erst 1016 zu passen; Egbert wäre allerdings in jedem Falle mindestens 12 Jahre alt. So ergeben sich also die verschiedensten zeitlichen Bedenken, die einzeln genommen zwar nicht stichhaltig sind, in ihrer Gesamtheit aber doch zu denken geben.

c) Oda und Burchard
--------------------------
Oda war ein Kind aus Idas erster Ehe, anfangs Nonne in Rinteln, dann Gattin eines russischen Königs, dem sie einen Sohn Warteslaw gebar. Nach dessen Tode kehrte sie mit ihrem Sohne nach Sachsen zurück, wo sie sich wiederverheiratete. Warteslaw wurde nach Rußland zurückgerufen und regierte an Stelle seines Vaters ("revocatus in Ruziam pro patre regnavit"). Soweit Albert von Stade; Lampert von Hersfeld erzählt zum Jahre 1075, als Demetrius von Kiew im Januar in Mainz HEINRICH IV. um Hilfe gegen seinen Bruder, der ihn gestürzt hatte, anrief, habe HEINRICH den Dompropst Burchard von Trier als Gesandten nach Kiew geschickt. "Is legationi huic propterea oportunus videbatur, quod ille, ad quem mittebatur, sororem eius in coniugio habebat". Dieser Burchard ist nach Albert von Stade ein Sohn der Ida.
Seine Schwester Oda müßte dann mit Swjatoslaw II. vermählt gewesen sein, der 1076 gestorben ist. Er hinterließ fünf Söhne, Gleb, Oleg, David, Roman und Jaroslaw, von denen aber keiner Großfürst von Kiew wurde. Karamsin hält Wätscheslaw, den fünften Sohn Jaroslaws, für den Gemahl der Oda; Warteslaw, welcher Name bei den russischen Großfürsten nicht vorkommt, sei eine Entstehung aus Wätscheslawitsch. Wätscheslaws Sohn Boris kommt in der "Russischen Chronik" erst seit 1077 vor und fällt 1078 zusammen mit seinem Onkel Isjaslaw (Demetrius), so dass also Boris erst 1077 aus Sachsen gekommen zu sein brauchte. Wätscheslaw starb 1058, Boris müßte also mindestens 20 Jahre alt gewesen sein. Zur Altersberechnung möchte ich diese strittigen deutsch-russischen Familienbeziehungen jedoch nicht heranziehen.
Oda hatte sich also nach dem Tode ihres ersten Gatten in Sachsen wiederverheiratet. Das kann, wenn Swjatoslaw ihr Gemahl war, frühestens 1077/78 gewesen sein, da dieser am 27. Dezember 1076 fiel. Eine Tochter aus ihrer zweiten Ehe war Aliarina, die Mutter des Grafen Burchard von Loccum, der 1130 von seinem Lehnsherren Hermann von Winzenburg hinterlistig getötet wurde. Burchard erscheint 1127-1129 urkundlich und wahrscheinlich als Zeuge schon 1115-1119.
Krause lehnt Swjatoslaw als Gemahl der Oda mit der Begründung ab, dass er "1073-1076 Großfürst war, wo Oda schon längst mit dem Großvater Burchards von Locken verheiratet sein mußte". Krause bringt keinen Beleg dafür. Aus dem Alter Burchards folgt es nicht, da Aliarina um 1080, Burchard um 1095/1100 geboren sein kann.
Ob auch Propst Burchard aus Idas erster Ehe stammt, läßt sich nicht mit Sicherheit folgern, ich möchte es aber als das Wahrscheinlichere annehmen.

d) Egbert
------------
"Habuit etiam Ida filium Ecbertum comititem". Er wird ebenfalls aus Idas erster Ehe stammen und Burchards älterer Bruder sein. Er wurde von Markgraf Udo II (I.) von Stade, der sein cognatus war, ermordet. Ida, "orbata heredibus", wandte sich an ihren Onkel, den Papst Leo IX. (1049-1054). Egbert wird also um 1050 ermordet und demnach wohl vor 1035 geboren sein, was auch zu Oda passen würde. Hieraus ergäbe sich für Ida als Geburtsdatum spätestens etwa 1020, wahrscheinlich früher. Nach dem Chron. Rosenfeld soll Egbert eine Stieftochter Ottos von Northeim, also eine Schwester der Oda von Werl, zur Frau gehabt haben, er wäre also der Schwager Udos II. (I.) von Stade gewesen. Da nach unserer obigen Berechnung Oda von Werl spätestens um 1050 erst geboren wurde, kann schon rein zeitlich Egbert kaum eine Schwester von ihr geheiratet haben.

e) Rikenza
--------------
Rikenza, eine Tochter Dedos von Dithmarschen und der Ida, war mit Eilmar von Oldenburg vermählt. Diese Angabe Alberts von Stade findet ihre urkundliche Bestätigung: "Dominus Egilmarus comes in confinio Saxonie et Frisie potens et manens suadente et efficiente venerabili eiusconiuge Richeza et laudantibus et consentientibus duobus eorum filiis Christino et Egilmaro necnon et filia Gertude" (1108). Unter den Zeugen ist als erster Gisilbertus clericus frater ipsius comitis genannt. 1091 ist ein comes Egilmar Zeuge in einer Urkunde Erzbischof Liemars von Bremen. Egilmar II. heiratete Eilika, die Tochter Ottos von Cappenberg. Rückschlüsse auf das Alter der Rikenza lassen sich nicht ziehen.
 

ZUSAMMENFASSUNG
-------------------------------
Aus den Daten Odas und Egberts ergibt sich also, dass Ida spätestens um 1020 geboren sein kann, wahrscheinlich früher. Sie kann also unmöglich die Tochter Ernsts II. von Schwaben sein, worauf "de Suevia natus" zunächst weist, da Ernst selber erst 1012-1014 geboren zu sein scheint. Dann könnte Ida kaum vor 1030 geboren sein, was nicht angeht.
Es bleibt also nur übrig, dass Ida eine Tochter Liudolfs von Braunschweig ist, der dann gegen 1000 geboren sein muß. Diese Annahme wird durch die Namensgebung noch bestärkt. Daraus möchte ich auch schließen, dass Ida eine Tochter Gertruds ist, die dann eine Gräfin von Egisheim sein muß.
Aus dem Geburtsdatum Idas ergibt sich ferner, dass die Ehe Giselas mit Bruno von Braunschweig ihre erste gewesen und sie selbst spätestens um 985 geboren sein muß. Sie wird deshalb auch die älteste Tochter Hermanns von Schwaben gewesen sein.