Oda von Elsdorf                             Großfürstin von Kiew
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um 1040-2.7.
 

Einzige Tochter des Grafen Lippold und der Ida von Elsdorf, Tochter von Graf Liudolf von Braunschweig aus dem Hause der BRUNONEN; Urenkelin der Kaiserin Gisela
 

Oda hatte zuerst als Nonne in Rinthelen (= Ringelheim?) gelebt, war dann gegen eine Geldentschädigung aus dem Kloster ins weltliche Leben zurückgekehrt und mit einem russischen Großfürsten vermählt worden. Nach dessen Tode kehrte sie mit ihrem Sohn nach Sachsen zurück und verheiratete sich wieder. Ihr Sohn wurde nach Rußland zurückgerufen und regierte an Stelle seines Vaters.

Bloch Raissa:
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"Verwandtschaftliche Beziehungen des sächsischen Adels zum russischen Fürstenhause im XI. Jahrhundert"

Bei Albert von Stade findet sich zum Jahre 1112 ein ausführlicher Exkurs über eine nobilis femina de Suevia, Ida von Elstorpe und ihre Kinder. Es wird erzählt, dass Ida, die Tochter eines Bruders HEINRICHS III. und einer Schwester Papst Leos IX., sich in 1. Ehe mit einem Lippold vermählte, von dem sie eine Tochter Oda hatte, die Nonne in Rinteln war. Diese wurde von Ida losgekauft, die dem Kloster pro filia die Villa Stedenthorp bei Heslinge schenkte. Dann gab sie die Mutter einem rex Ruziae zur Frau. Diesem gebar Oda einen Sohn Warteslaw. Nach dem Tode ihres Mannes ließ sie unzähliges Geld (infinita pecunia) an verborgenen Stellen vergraben und kehrte mit ihrem Sohn und einem Teile des Geldes nach Sachsen zurück. Diejenigen, die beim Vergraben der Schätze geholfen hatten, ließ sie töten, um nicht von ihnen verraten zu werden. In Sachsen heiratete sie wieder. Ihr Sohn Warteslaw aber wurde nach Rußland zurückberufen und regierte an seines Vaters Stelle. Vor seinem Tode gelang es ihm, das Geld, das seine Mutter verborgen hatte, wieder aufzufinden. So weit der Stader Annalist.
Es scheint also nichts der Annahme zu widersprechen, dass Oda die Frau Svjatoslavs von Kiew gewesen ist. Es lassen sich aber noch einige Beobachtungen machen, die zur Erkenntnis des richtigen historischen Kerns im Bericht Alberts von Stade dienen und zugleich für die Charakteristik der Beziehungen zwischen Rußland und Sachsen neue Züge bringen können. Albert von Stade berichtet, dass Oda nach dem Tode ihres Mannes mit ihrem Sohn Rußland verlassen habe. Aus seiner Erzählung können wir entnehmen, dass ihr Entschluß, in die Heimat zurückzukehren, nicht unter ruhigen Verhältnissen gefaßt wurde. Sie hat versucht, für sich und für ihren Sohn möglichst viel Geld mitzunehmen, und was sie nicht mitnehmen konnte, ließ sie vergraben. Diejenigen, die ihr dabei geholfen hatten, wurden von ihr umgebracht, denn sie mußte sich vor Verrat hüten.
Wenn wir nach diesem historischen Überblick nun zu dem Bericht des Stader Annalisten zurückkehren, so erscheint uns gar nicht erstaunlich, dass Oda nach dem Tode ihres Mannes sich in ihre Heimat begab und dass sie ihren kleinen Sohn mitnahm, da ja auch die älteren um ihr Erbe gekommen waren und es nicht zu verteidigen vermochten, obgleich sie sich nicht scheuten, die wilden Polovzer auf ihr Vaterland zu hetzen. Unter diesen Umständen ist es auch durchaus glaubwürdig, dass Oda auf allen möglichen Wegen gesucht hat, sich und ihrem Sohn auch für die Zukunft die nötigen finanziellen Mittel zu sichern, und dass sie sich vor Verrat hüten mußte. Was das "unzählige Geld" (infinita pecunia) selbst betrifft, von dem Albert von Stade so anschaulich erzählt. War es nicht vielleicht der Glanz dieses Reichtums, der Ida von Elstorpe bewogen hatte, ihre Tochter Oda, die Nonne von Rinteln, aus dem Kloster loszukaufen und sie dem russischen Fürsten zur Frau zu geben?

Hucke Richard:
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"Die Grafen von Stade"

Als erstes Kind, wohl aus der Ehe mit Lippold, nennt Albert eine Oda, die erst im Kloster zu Rinteln (Weser) gewesen sein soll, dann aber einen russischen Fürsten heiratete. Schon von Mooyer ist jedoch bemerkt worden, dass das Kloster erst um 1227 von Bischopperode bei Stadthagen nach Rinteln verlegt wurde. Es liegt viel näher, das Kloster Ringelheim (bei Goslar), das in Quellen als "Ringelen" bezeichnet wird, als Odas Erziehungsstätte anzunehmen.
Ringelheim ist von einem Grafen Immad oder von der Königin Mathilde gegründet worden. Nachdem nun Odas Abstammung von den IMMEDINGERN nachgewiesen wurde, ist anzunehmen, dass sie tatsächlich in diesem "Hauskloster der IMMEDINGER" gelernt hat. Auch in anderem Zusammenhang wäre es interessant, die Geschichte von Kloster Ringelheim zu untersuchen, da, wie Wedekind bereits bemerkt, in einer Bestätigungsurkunde von 1209 eine Anzahl northeimischer und billungischer Güter als dem Kloster gehörig bezeichnet werden.
Hier soll jetzt die Ehe mit dem russischen Fürsten, dessen Name Raissa Bloch mit Großfürst Svjatoslav von Kiew (+ 27.12. 1076) erschlossen hat, besprochen werden. Lampert von Hersfeld meldet, dass Propst Burchard von Trier - nach Albert ein Bruder Odas - 1075 von HEINRICH IV. nach Rußland geschickt wurde, um mit Svjatoslav zu verhandeln, "denn der, zu dem Burchard geschickt wurde, war der Gatte seiner Schwester".
Oda kehrte nach dem Tode Svatoslavs nach Deutschland zurück und brachte einen Sohn, den Albert Wartweslav nennt, mit nach Sachsen. Das war etwa im Jahre 1077. Später sei der junge Russe aber in seine Heimat zurückgekehrt und habe an Stelle seines Vaters regiert. Bloch macht wahrscheinlich, dass der Stader Abt Warteslaw mit Jaroslav verwechselt hat. Ein Jaroslav wird in der Tat zusammen mit seinem Stiefbruder Oleg 1096 genannt; Jaroslav erhielt 1123 das Fürstentum Tschernigow, das früher sein Vater regiert hatte und lebte dort bis 1130.
Oda heiratete in Sachsen zum zweiten Male und gebar hier eine Tochter Akarina (Albert fälschlich Aliarina). Akarina wurde Mutter Burchards von Loccum, der 1130 von den Leuten Hermanns von Winzenburg ermordet wurde und in den Quellen als "amicus regis" (scil. LOTHARS) erscheint. Ob dieses Attribut auf eine Verwandtschaft ("Blutsfreund") zwischen LOTHAR und Burchard deuten soll, ist nicht unwahrscheinlich (über Ida von Elsdorf und Richenza die Ältere von Northeim?).
Odas Todestag wird im Hildesheimer Necrolog zum 2. Juli angegeben. Durch ihre Vermittlung wird die Ehe zwischen Eupraxia-Adelheid und Heinrich IV. von Stade zustande gekommen sein. Odas Gemahl war der Bruder von Eupraxias Vater, Oda (von Elsdorf) also die Tante der jungen Stader Gräfin und späteren Königin.
 
 
 
 

  1. oo 2. Swjatoslaw Großfürst von Kiew
              1027-27.12.1076

    1078
  2. oo sächsischer Edler
                 -
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Jaroslaw Fürst von Murom
         -   1130

2. Ehe

  Aliarina
       -
 
 
 
 

Literatur:
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Bloch, Raissa: Verwandtschaftliche Beziehungen des sächsischen Adels zum russischen Fürstenhause im XI. Jahrhundert. - Chronik des Albert von Stade ad a. 1112 - Hlawitschka Eduard: Untersuchungen zu den Thronwechseln der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts und zur Adelsgeschichte Süddeutschlands. Zugleich klärende Forschungen um „Kuno von Öhningen“, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1987, Seite 128,131,148 - Hucke, Richard: Die Grafen von Stade 990-1144, Stade 1956 - Lampert von Hersfeld: Annales/Annalen Wissenschaftliche Buchgemeinschaft Darmstadt 2000 Seite 262 -