Hermann IV.                                   Herzog von Schwaben (1030-1038)
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1015-28.7.1038

Begraben: Trient

2. Sohn des Herzogs Ernst I. von Schwaben aus dem Hause der BABENBERGER und der Gisela von Schwaben, Tochter von Herzog Hermann II.
 

Lexikon des Mittelalters: Band IV Seite 2161
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Hermann IV., Herzog von Schwaben
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     + Sommer 1038

Entstammte der zweiten Ehe der Gisela mit dem BABENBERGER Ernst und war jüngerer Bruder Herzog Ernsts II. von Schwaben. Hermann, der durch die dritte Ehe seiner Mutter zum Stiefsohn Kaiser KONRADS II. wurde, erhielt als Minderjähriger nach der Rebellion Ernsts II. 1030 dessen Herzogtum Schwaben übertragen, doch zunächst unter (vormundschaftlicher) Amtsausübung Bischof Warmanns von Konstanz.
Hermann IV. heiratete 1036 Gräfin Adelheid von Turin und wurde mit der Markgrafschaft Turin belehnt.



GENEALOGISCHE TAFELN ZUR MITTELEUROPÄISCHEN GESCHICHTE
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Wegener Dr. Wilhelm: Seite 196
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1. HERMANN IV.
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Da sein Vater Ernst I. schon Weihnachten 1004 als (schwäbischer) Pfalzgraf erscheint (Schöpflin, Alsatia diplomatica 1, 147), was nur aus seiner Ehe mit Gisela erklärt werden kann, wird Ernst II. schon 1005 geboren sein und Hermanns IV. Geburt darf c 1007 angesetzt werden. Als Nachfolger seines Bruders im Herzogtum Schwaben 1030 stand er unter der Aufsicht des Bischofs Warmund von Konstanz (Wipo ed. Breßlau 43 f, 46), doch nicht wegen Minderjährigkeit, sondern weil der sich in Schwaben aufhaltende geächtete Ernst II. zu bekämpfen war. 1036 mit der Markgrafschaft Susa nach dem Tode seines Schwiegervaters Maginfred (+ 1035) belehnt (Breßlau, Jahrb. Konrads II. 1, 376)
+ 28/7 1038 auf dem italienischen Feldzug KONRADS II. an der Pest (Wipo 57).

Gemahlin:
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Adelheid von Susa teilt nach Hermanns Tode sich anscheinend mit ihrer Mutter Bertha in die Verwaltung der Mark Susa, heiratete dann den ALEDRAMIDEN Heinrich, der als Markgraf 1041 und 1044 an Adelheids Seite erscheint; 1057 schon seit längerem mit dem Grafen Otto von Savoyen vermählt, der ebenfalls den Markgrafentitel führt, und aus dieser Ehe damals schon Mutter von zwei Söhnen und mehreren Töchtern (Breßlau a.a.O. 1, 337); eine von ihnen ist Bertha, 1055 mit dem jungen HEINRICH IV. verlobt (Steindorff, Jahrb. Heinrich III. 324)
+ 1091



Brandenburg Erich: Tafel 3 Seite 7
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"Die Nachkommen Karls des Großen"

X. 28 a. HERMANN IV., Herzog von Schwaben 1030
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* wohl 1015, + 1038 28.VII.

Gemahlin:
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Adelheid, Tochter des Markgraf Ulrich Meginfred von Turin
        + 1091 19.XII.



Schwennicke Detlev: Tafel 84
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"Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1"

HERMANN IV.
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    + Sommer 1038

1030 HERZOG von SCHWABEN
1036 Markgraf von TURIN

  oo 1036
       ADELHEID VON TURIN, Herrin von TURIN
       * (1015), + 27.XII.1091

Tochter von Markgraf Udalrich Manfred und Berta degli Obertenghi

(II. oo vor 19.1.1042 Heinrich Markgraf von Montferrat (ALERAMICI); III. oo Odo Markgraf von Turin Graf von Chablais (Savoyen) + 1.III.1060)



Thiele, Andreas: Tafel 22
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1"

HERMANN IV.
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* um 1012, + 1038

Hermann IV. war eine treue Stütze seines kaiserlichen Stiefvaters. Er besaß viele Grafschaften und Vogteien und wurde 1036 Markgraf von Turin-Susa. Er zog 1037/38 mit nach Italien gegen die Normannen und starb in S-Italien.

  oo ADELHEID VON TURIN
                  + 1091

Tochter und Erbin des Markgrafen Manfred II. Olderich von Turin-Susa-Piemont



Hermann von Reichenau: Seite 664,670,672
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"Chronicon." in: Ausgewählte Quellen zur Deutschen Geschichte des Mittelalters Band XI

1030. Als Herzog Ernst, aus der Verbannung befreit, sein Herzogtum zurückerhalten hatte [193 Vor 1. Juli 1028. ], lehnte er sich, von schlechten Ratgebern beraten, erneut gegen den Kaiser auf und wird seines Herzogtums entsetzt, und sein jüngerer Bruder Hermann wird Herzog der Schwaben [194
Hermann IV. 1030-1038.]. Da schon lange Feindschaft mit dem Ungarnkönig Stephan angefacht worden war, zog Kaiser KONRAD nach Ungarn und verwüstete es bis zur Raab, soviel er trotz der Behinderung durch Flüsse und Sümpfe konnte. Inzwischen erhoben sich in Alamannien der frühere Herzog Ernst und seine Anhänger mit geringen Kräften gegen den Kaiser, und als sie in der Gegend des Schwarzwaldes das Volk mit Raubzügen plagten, wurden sie von Graf Manegold [195 Wahrscheinlich Graf von Nellenburg.] aus dem Reichenauer Aufgebot beobachtet und in einem Treffen am 17. August besiegt. Manegold selbst kam dort um, und es fielen der einstige Herzog Ernst und Graf Werner, das Haupt der Verschwörung, sowie Adalbert und Werin, vornehme Ritter, mit anderen; und Ernst wurde in Konstanz, Manegold aber in Reichenau begraben. Der Reichenauer Mönch Burkhard wird zum Abt in St. Emeram zu Regensburg erhoben.
1036. Erzbischof Pilgrim von Köln verschied, und ihm folgte Hermann, ein Enkel Kaiser OTTOS II. von seiner Tochter [215 Hermann II. (1036-1055) war ein Sohn Pfalzgraf Ezzos und der Mathilde, Tochter OTTOS II.]. Bischof Gebhard II. von Regensburg starb am 15. Februar. An seiner Stelle wird Gebhard IIII., ein Bruder Kaiser KONRADS von seiner Mutter Adelheid, zum Bischof ordiniert. König HEINRICH, des Kaisers Sohn, hielt in Nimwegen königliches Beilager mit Gunhild, der Tochter Knuts, des Königs der Dänen und Engländer. Konrad, der Vetter des Kaisers, erhielt das Herzogtum seines Vaters in Kärnten und Istrien, das Adalbero gehabt hatte, vom Kaiser zurück. Desgleichen erhielt Herzog Hermann von Alamannien die Mark seines Schwiegervaters Manfred [219 Manfred II. von Turin war 1034 oder 1035 gestorben. Seine älteste Tochter heiratete nach seinem Tod Hermann von Schwaben.] in Italien vom Kaiser. Die Liutizer Slawen wurden dem Kaiser zinspflichtig. Als Burkhard, der Erzbischof oder vielmehr Tyrann von Lyon, der ein gottloser Kirchenräuber und blutschänderischer Ehebrecher war, Udalrich, den Sohn Seligers, mit Krieg überzog, wird er von ihm besiegt und gefangen und zum Kaiser geführt; von dem wird er in Eisen gelegt und eingekerkert, und er wird viele Jahre in banden gehalten. Der Kaiser zieht im Winter nach Italien. Nonnen wurden von Frau Itmgard, der Witwe Graf Welfs, in Altdorf statt der Weltgeistlichen versammelt.
1038. Als der Kaiser das Geburtsfest des Herrn in Parma beging, entstand zwischen den Bürgern von Parma und dem Heer ein Streit; dabei fielen viele, und nachdem mehrere Bürger niedergemetzelt worden waren, wurde die Stadt vom Feuer verzehrt. Der Papst schließt den Erzbischof von Mailand, der im Aufstand gegend en Kaiser verharrte, aus der Gemeinschaft aus. - Als der Kaiser die Gegenden jenseits Roms durchzogen hatte und von dort längs der Küste des Adriatischen Meeres zurückmarschierte, befiel im Juli eine ungeheure Seuche das Heer und raffte sehr viele ohne Unterschied der Person hinweg. Unter ihnen war die Königin Gunhild, die Gemahlin König HEINRICHS, die am 16. Juli starb [229 Richtig am 18. Juli.]; sie wurde nach der Burg Limburg überführt und dort begraben. Auch Herzog Hermann von Alamannien starb am 28. Juli zum großen Schmerz der Seinen und wurde in Trient begraben. -

Trillmich Werner:
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"Kaiser Konrad II. und seine Zeit"

Politisch nicht weniger wichtig war die Erhaltung der Mark Turin, deren Bestand durch Manfred Olderichs Tod gefährdet wurde. Er starb bald nachdem sein Bruder Adelrich von Asti bei Campo Malo gefallen war und hinterließ außer der Witwe Bertha, einer OTBERTINERIN, drei heiratsfähige Töchter. Das ließ befürchten, die Wacht an den Alpenpässen nach Nieder-Burgund könne in unerwünschte Hände geraten. Auch musste Aribert von Mailand daran gehindert werden, die Schwäche des Nachbarterritoriums zu neuen Übergriffen auszunutzen. Deshalb entschloss sich KONRAD, die junge Markgräfin Adelheid mit seinem Stiefsohne, Hermann von Schwaben, zu verheiraten. Der BABENBERGER erhielt den größten Teil der Allodien und die Reichslehen des verstorbenen Schwiegervaters. Da auch die Mark Ivrea seiner Kontrolle unterstand, wurde er zum Nachbarn des burgundischen Aostatals, in dem der kaisertreue Humbert von Savoyen gebot. Die Verbindung Piemonts mit Schwaben gewährleisteten Graubündens Pässe, so dass Mailand fortan von zweiten Seiten her überwacht werden konnte. Dass die BABENBERGER seitdem um enge Beziehungen zu den neuen Verwandten bemüht war, zeigt die Intervention von Hermanns Oheim, Erzbischof Poppo von Trier, in einer Urkunde zugunsten des Turiner Familienstifts S. Giusto in Susa. Doch damit war der SALIER noch nicht zufrieden. Die Auflösung der Verlobung Ottos von Schweinfurt und der polnischen Prinzessin Mathilde im Mai 1036 ermöglichte ihm, einen weiteren deutschen Herrn aus dem gleichen Sippenkreise an die TURINER zu binden und so für die kaiserliche Italienpolitik zu gewinnen. Der fränkische Großgraf heiratete Immula (Irmgard), Manfred Olderichs zweite Tochter. Ihre Mitgift kennen wir nicht. Bertha, die dritte Schwester, wurde mit dem ALEDRAMIDEN Teto von Vasto vermählt, der über Allodien um Saluzzo und Savona verfügte. Zum Heirats- und Erbgut seiner Frau gehörte Grundbesitz in den Grafschaften Albenga, Auriate und Alba um die Burgen Busca und Loreto. Einen besonders ehrenvollen kaiserlichen Vertrauensbeweis für sein Haus stellte die Ernennung von Tetos Vetter Guido von Sezze zu KONRADS Bannerträger dar. Im Kampfe gegen Mailand fand er 1037 den Tod.

Stälin Paul Friedrich: Seite 203
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"Geschichte Württembergs"

Herzog Hermann IV. (1030-1038) erwarb durch seine Vermählung mit Adelheid, der Tochter des Markgrafen Ulrich Manfred von Turin und der um den Kaiser sehr verdienten Bertha aus dem Hause ESTE, die Belehnung mit der Markgrafschaft Turin. Er begleitete seinen Stiefvater auf dessen letztem Zuge nach Italien am Schluss des Jahres 1036, wurde aber auf der Rückreise den 28. Juli 1038 (wenigstens nach den glaubwürdigen Angaben) das Opfer einer furchtbaren Seuche, tiefbetrauert als ein großer Verlust für Deutschland. Da die heiße Jahreszeit die Abführung der Leiche nach Konstanz, an die Seite seines Bruders, nicht gestattete, so erfolgte die Beisetzung in Trient. Seine Witwe, eine umsichtige und tatkräftige Fürstin, übernahm die Verwaltung der Markgrafschaft Turin und brachte sie noch ihrem zweiten Gemahl, Heinrich aus dem Hause der oberitalienischen ALEDRAMIDEN, sowie dem dritten, Odo, dem Sohne Humberts, aus dem Geschlecht der Grafen von Savoyen, Herrn der Grafschaften Maurienne und Tarantaise zu. Um ihrer bedeutenden Stellung willen wurde eine ihrer Töchter dritter Ehe, Bertha, von Kaiser HEINRICH III. später für seinen Sohn HEINRICH IV. zur Gemahlin erkoren, eine zweite, Adelheid, mit Rudolf von Schwaben vermählt.
 
 
 
 

 1035
  oo 1. Adelheid von Turin, Tochter von Manfred II. Odelrich
          1015-19.12.1091
 
 
 
 

Kinder:

  Nach Meinung der meisten Forscher starb Hermann IV. kinderlos.

  Richwara
          - um 1070

 1043
  oo Berthold I. Herzog von Zähringen
             -5./6.11.1078

  Hermann I. Graf von Kastl
         -27.1.1056

  Gebhard I. Graf von Sulzbach
           - um 1071
 
 
 

Literatur:
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Boshof Egon: Die Salier. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 1987 Seite 28,60,64,67,82 -
Brandenburg Erich: Die Nachkommen Karls des Großen Verlag Degener & Co Neustadt an der Aisch 1998 Tafel 3 Seite 7 - Bresslau, Harry: Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Konrad II. Verlag von Duncker & Humblot Leipzig 1879 Band I Seite 289,364,376,422,442/Band II Seite13 N. 4,86,124,157, 189,227 N. 2,228,266,274,277,321,349,359 N. 3,523 - Brüsch, Tania: Die Brunonen, ihre Grafschaften und die sächsische Geschichte. Herrschaftsbildung und Adelsbewußtsein im 11. Jahrhundert. Matthiesen Verlag Husum 2000 Seite 30,91 - Bühler, Heinz: Adel, Klöster und Burgherren im alten Herzogtum Schwaben. Gesammelte Aufsätze. Anton H. Konrad Verlag 1997 Seite 16,22,369,376,400/01,445,465,468,470,473,480,492,493,537,706,731,755,842,905,911,922,1056, 1191 - DIE SALIER UND DAS REICH. Gesellschaftlicher und ideengeschichtlicher Wandel im Reich der Salier. (Hg.) Stefan Weinfurter. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1991 Band I Seite 223,238, 255/Band II Seite 162 - Erkens Franz-Reiner: Konrad II. Herrschaft und Reich des ersten Salierkaisers, Verlag Friedrich Pustet Regensburg, 1998 Seite 32,133,183,189,195,197 - Giesebrecht Wilhelm von: Geschichte der deutschen Kaiserzeit. Mundus Verlag 2000 Band 2 Seite 395,472 - Hermann von Reichenau: Chronicon. in: Ausgewählte Quellen zur Deutschen Geschichte des Mittelalters Band XI Seite 664, 670,672 - Hlawitschka, Eduard: Untersuchungen zu den Thronwechseln der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts und zur Adelsgeschichte Süddeutschlands, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1987 Seite 127,130,134-136,169 - Keller Hagen: Kloster Einsiedeln im ottonischen Schwaben. Eberhard Albert Verlag Freiburg im Breisgau 1964 Seite 79,123 - Schnith Karl: Frauen des Mittelalters in Lebensbildern. Verlag Styria Graz Wien Köln 1997 Seite 92,100,113-116 - Schwennicke Detlev: Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1, Vittorio Klostermann GmbH Frankfurt am Main 1998 Tafel 84 - Stälin, Paul Friedrich: Geschichte Württembergs, Gotha 1882 Seite 203 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 - Trillmich Werner: Kaiser Konrad II. und seine Zeit. Europa Union Verlag Bonn 1991 - Wipos Leben Konrads II. in: Ausgewählte Quellen zur Deutschen Geschichte des Mittelalters Band XI Seite 520,582,586,604,610 - Wolfram, Herwig: Konrad II. 990-1039. Kaiser dreier Reiche. C.H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung München 2000 Seite 50,55,72,90,95,100,120,146, 150,155,160,198,206,303,353,358,362 - Zettler, Alfons: Geschichte des Herzogtums Schwaben. Verlag W. Kohlhammer GmbH Stuttgart 2003 Seite 164,166,168,172,174 - Zotz, Thomas: Der Breisgau und das alemannische Herzogtum (Vorträge und Forschungen, Sonderband 15), Sigmaringen 1974 -