Wiprecht III. der Jüngere                          Graf von Groitzsch
-------------------------------
um 1088-27.1.1116 (27.1.[1116] Schwennicke)
 

Begraben: Kloster Pegau
 

Ältester Sohn des Grafen Wiprecht II. der Ältere von Groitzsch und der Jutta von Böhmen, Tochter von König Vratislav I.
 

Brandenburg Erich: Tafel 37 Seite 74
****************
XII. 299. WIPRECHT DER JÜNGERE
---------------------------------------------------
* ca. 1090, + nach 1117, vor 1124

Gemahlin:
------------
1110
KUNIGUNDE, Tochter des Grafen Kuno von Northeim (siehe XII. 231.)
          + 1140 9. VI.



Schwennicke Detlev: Tafel 13 B
*****************
"Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I, 1"

WIPRECHT III.
----------------------
    + 27.I. (1116)

Begraben: Pegau

1110 von Kaiser HEINRICH V. gefangengenommen

  oo 1110
       KUNIGUNDE VON BEICHLINGEN (NORTHEIM)
                +

Tochter von Graf Kuno und Kunigunde von Weimar
(II. oo 1116/17 Diepold III. Markgraf von Vohburg, + 8.IV.1146



Thiele Andreas: Tafel 181
*************
"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte"
Band I, Teilband 1 Deutsche Kaiser-, Königs-, Herzogs- und Grafenhäuser I

WIPRECHT II.
--------------------
    + 1118/23

Griff in den böhmischen Erbkrieg ein und wurde daher von Kaiser HEINRICH V. 1110/11 inhaftiert. Er war ab 1112 Mitglied der sächsischen Opposition unter LOTHAR III., unternahm 1114 aus der Gegend von Gundorf bei Leipzig unermüdliche Streifzüge gegen kaiserlich Gesinnte, entschied die Schlacht am Welfesholz (11.2.1115), indem er Graf Hoyer I. von Mansfeld, den kaiserlichen Feldherrn, im Zweikampf besiegte und nahm 1116 Burggraf Heinrich Haupt von Meißen gefangen und tauschte ihn gegen seinen Vater aus.

 1110
  oo KUNIGUNDE VON NORTHEIM, Tochter des Grafen Kuno
                +

(2. Ehe mit Markgraf Diepold III. von Vohburg-Cham + 1146)



Fenske Lutz: Seite 85,261-262
***********
"Adelsopposition und kirchliche Reformbewegung im östlichen Sachsen"

Zu Weihnachten 1108 begegnet man Wiprecht von Groitzsch mit seinen beiden Söhnen Wiprecht und Heinrich am Hofe des Königs in Mainz.
Zu Beginn des Jahres 1110 ließ HEINRICH V. den Sohn Wiprechts, den jüngeren Wiprecht, gemeinsam mit Borowoi festnehmen und auf der Burg Hammerstein inhaftieren. Nur durch beträchtliche Besitzübertragungen gelang es 1112 seinem Vater, der damals dem König die Burgen Morungen und Leisnig sowie die Gaue Nisan und Bautzen überlassen mußte, den Sohn aus der Gefangenschaft zu befreien.
Diesen umfangreichen Besitz übertrug HEINRICH V. Hoyer von Mansfeld. 1115 fand dieser in der Schlacht am Welfesholz im Zweikampf mit Wiprecht, dem ältesten Sohn Wiprechts von Groitzsch, den Tod.
Pfalzgraf Siegfrieds Tante Kunigunde heiratete in 3. Ehe den älteren Wiprecht von Groitzsch und ihre gleichnamige Tochter zur selben Zeit dessen Sohn, den jüngeren Wiprecht.

Friedheim, Rainer: Seite 588,589,590-593
***************
"Wiprecht von Groitzsch. Sturz in die Tiefe."

Nach  Beendigung des Feldzuges treffen Wiprecht II. und seine beiden Söhne, Wiprecht III. und Heinrich, beim König in Mainz ein, der dort das Weihnachtsfest zu feiern beabsichtigt. Wiprecht II. wird jedoch durch die Trauernachricht vom Tode seiner Frau vom Hoftag abgerufen (1108).
Gleichzeitig verheiratet Wiprecht von Groitzsch seinen Sogn gleichen Namens mit ihrer Tochter gleichen Namens.
1109 wurde Borivoi im Auftrag Wiprechts von Groitzsch des Älteren, von seinem Sohn, Wiprecht III. dem Jüngeren, nach Prag zurückgeleitet. Durch die kühne Ausnützung der Notlage des Königs zog sich Wiprecht der Ältere für die Folgezeit den Haß und die Rache HEINRICHS V. zu. Zwar war Borivoi am 24.12.1109 mit Wiprecht dem Jüngeren ohne Widerstand in Prag eingerückt. Als Borivois Bruder Wladislaus, der gerade in Pilsen Weihnachten feierte, von der Ankunft Borivois erfuhr, kehrte er sofort zurück, besiegte Wiprecht den Jüngeren vor den Mauern Prags, so daß er sich in die Stadt zurückziehen mußte. Darauf schickte Wladislaus eine Gesandtschaft zu HEINRICH V. nach Bamberg und bat ihn, seine Nachfolge gegen 500 Mark Silber zu bestätigen, da er auf Veranlassung Wiprechts von Groitzsch durch seinen Bruder des Herzogsstuhls beraubt worden sei. Nunmehr erscheint HEINRICH V. in Böhmen, fordert Borivoi und Wiprecht den Jüngeren auf, zu ihm nach Rokizan zu kommen, wo er sie festnehmen und nach Burg Hammerstein am Rhein bringen läßt. Zugleich erkennt er Wladislaus als Herzog von Böhmen an. Diese Vorgänge mußten Wiprecht von Groitzsch den Älteren auf das tiefste verletzen und verbittern. Es bleibt Wiprecht von Groitzsch dem Älteren gar nichts anderes übrig, als seinen Sohn durch die Preisgabe der Gaue Nisen und Budisin sowie seiner Burgen zu Leisnig und Morungen vom Kaiser freizukaufen, der dieselben seinem Schützling, dem Grafen Hoyer von Mansfeld, überträgt.
Dann zieht Wiprecht der Jüngere an Stelle seines Vaters mit dem König nach Rom. Ob er sich bei der Festnahme des Papstes Paschalis durch den Kaiser besonders ausgezeichnet hat, sei dahingestellt.
Im Jahr 1112 schenkt der Kaiser Wiprecht dem Jüngeren Burg Eckartsberga. Auch verspricht er ihm die Stadt Naumburg und erreicht, daß der Sohn gegen den grollenden Vater an der Seite des Kaisers in die Schlacht zieht. Als sich aber Wiprecht von Groitzsch gegen Wladislaus von Böhmen und den Kaiser überlegen in Burg Groitzsch verteidigt, und HEINRICH V. bereits nach acht Tagen unverrichteter Dinge wieder abziehen muß, dem Sohn aber, über den eigenen Mißerfolg verärgert, nun auch die Stadt Naumburg nicht zu Lehen gibt, kehrt Wiprecht von Groitzsch über den Charakter und die Absichten des Kaisers gründlich belehrt, reumütig zu seinem Vater zurück.
Wiprecht von Groitzsch, nach seiner Gefangennahme nach Leisnig gebracht, wurde wohl im April 1114 auf dem Hoftag zu Würzburg durch ein Fürstengericht in die Acht getan und zum Tode verurteilt. Konrad von Plisna (vermutlich Leipzig), dem die Vollstreckung des Urteils aufgetragen worden war, zögerte mit der Ausführung solange, bis Wiprecht III. der Jüngere, wie sein Bruder Heinrich auf den Rat der Fürsten hin auf all ihre Besitzungen Verzicht leisteten, um das Todesurteil über ihren Vater rückgängig zu machen, wozu sich Kaiser HEINRICH V. bewegen ließ. Nachdem erst am 6. April der gefangene Erzbischof von Mainz die Burg Trifels an den Kaiser hatte herausgeben müssen, wurde Wiprecht von Groitzsch zu einer dreijährigen Kerkerhaft dortselbst festgesetzt und seine Söhne, Wiprecht der Jüngere und Heinrich, die sich daraufhin den aufständischen Sachsen anschlossen, unter Beraubung all ihren Besitzes der Not preisgegeben.
Wiprecht der Jüngere hielt sich anschließend im Wald von Gundorff auf. Im Winter fand er durch seinen Verwandten, den Erzbischof Adelgot von Magdeburg, mit seiner Frau Kunigunde in der Schlacht bei Lohburg, jenseits der Elbe, ein Asyl. Im Winter des nächsten Jahres (1114) brachte er, offenbar, weil der Erzbischof nicht mehr wagte, ihn ferner zu schützen, bei seinem Schwager Dedo von Crozuch (Dedo von Wettin) zu, der ihm die Vorhalle einer Kirche einräumte.
Unter dem Eindruck der Niederlage HEINRICHS V. am Rhein und der Freigabe Adalberts von Mainz fiel nun zunächst Reinhard von Halberstadt, in der Folge Pfalzgraf Friedrich und Markgraf Rudolf sowie die Söhne Wiprechts von Groitzsch und viele andere Unzufriedene erneut vom Kaiser ab und schlossen zusammen mit Lothar von Sachsen und Adelgot von Magdeburg zu Kreuzburg ein Schutz- und Trutzbündnis gegen Hoyer von Mansfeld, befestigten Walbeck unweit Hettstedt, von wo sie Ausfälle gegen Hoyer von Mansfeld machten. HEINRICH V. berief an Weihnachten 1114 einen Hoftag nach Goslar, zu dem aber nur der Erzbischof Adelgot von Magdeburg erschien, aus Furcht aber vor einer Verhaftung durch den Kaiser sofort wieder nachts aus Goslar floh. Er wie alle anderen Verschworenen, die nicht erschienen waren, wurden vom Kaiser in die Reichsacht getan, das Herzogtum Sachsen Hoyer von Mansfeld und die Nordmark dem Grafen Heinrich, dem Neffen Rudolfs, übertragen. Auch Otto von Ballenstedt schloß sich der Verschwörung an.
Am 11.2.1115 kommt es zur Schlacht, in der Wiprecht von Groitzsch der Jüngere den kaiserlichen Feldherrn Graf Hoyer von Mansfeld im Zweikampf niedermacht und dadurch das Schlachtenglück zugunsten der Sachsen entscheidet. Nunmehr erobert Wiprecht der Jüngere mit Hilfe der Markgräfin Gertrud und des Erzbischofs Adelgot von Magdeburg mit einem Heer von 2.000 Mann Burg Groitzsch zurück.
Bei der Belagerung Heinrich Haupts in Naumburg durch den Erzbischof Adelgot von Magdeburg, Wiprechts des Jüngeren und Ludwig dem Jüngeren von Thüringen, machte Heinrich Haupt einen Ausfall und wurde von diesen bis zur Burg Arnsberg verfolgt. Die Burg wurde eingenommen und Heinrich Haupt, ein Ministeriale des Kaisers, gefangengenommen. Nunmehr sah sich der Kaiser gezwungen, zur Auslösung Heinrich Haupts die Grafen Wiprecht von Groitzsch den Älteren und Ludwig von Thüringen sowie den Bischof von Meißen freizugeben. Die Freigabe erfolgte durch seinen Stellvertreter Friedrich von Schwaben im Spätherbst des Jahres 1116, im Oktober oder November.
Noch vor der Rückkehr Wiprechts von Groitzsch des Älteren muß sein Sohn, Wiprecht der Jüngere, gestorben und die Burg Groitzsch wieder in die Hände der Kaiserlichen gefallen sein. Auch hatte Wiprecht der Jüngere die Burg Leisnig nicht mehr erobern können.

Partenheimer Lutz: Seite 209,216
****************
"Albrecht der Bär. Gründer der Mark Brandenburg und des Fürstentums Anhalt."

Kunigunde die Jüngere, Tochter aus der Vermählung mit dem BEICHLINGER, ehelichte Wiprecht den Jüngeren von Groitzsch, ihre Schwester Adela den Grafen Dietrich von Katlenburg, nach dessen Tod (1106) den Grafen Helperich von Plötzkau.
Es muß damit gerechnet werden, daß in den Wirren inzwischen Teile der Hinterlassenschaft der Grafen von Weimar-Orlamünde in andere Hände gekommen waren, so vermutet A. Tille: Weimar (wie EN 106), Seite 56, daß der Erzbischof von Mainz und Graf Hermann I. von Winzenburg (Burg nordöstlich von Gandersheim) davon profitiert hätten. Er zählt auch die Eckartsburg (nördlich von Apolda) zu den Reichslehen oder Allodien der WEIMARER. Die Burg gehörte zu den ekkehardinischen Besitzungen, die das 1046 ausgestorbene Geschlecht - wie schon gesagt - dem König vermacht hatte. 1066 befand sich HEINRICH IV. auf der Burg (D H IV., Nr. 183). Ob sie davor oder später an die WETTINER Grafen gelangt ist, bleibt unklar. 1112 hat der Kaiser die Burg nach den Pegauer Annalen (MG SS 16, Seite 251) an den jüngeren Wiprecht von Groitzsch verlehnt. Das könnte allerdings ein Hinweis darauf sein, daß der Monarch die Feste damals als Teil der heimgefallenen WEIMARER Reichslehen neu vergab. Wiprecht der Jüngere - noch 1115 genannt, als er in der Schlacht am Welfesholz den kaiserlichen Feldherrn Graf Hoyer von Mansfeld erschlug ( R L III., Nr. 36) -, starb in einem nicht bekannten Jahre, doch vor seines Vaters Tod (1124). Wohl 1122 entschädigte HEINRICH V. Ludwig den Springer mit der Übergabe der Eckartsburg für den Verlust der Wartburg.
 
 
 
 

 1110
  oo 1. Kunigunde von Northeim, Tochter des Grafen Kuno
  x       um 1090-8.6.1140
 
 
 
 

Literatur:
----------
Fenske, Lutz: Adelsopposition und kirchliche Reformbewegung im östlichen Sachsen. Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen 1977, Seite 85,261,343,347 - Friedheim, Rainer: Wiprecht von Groitzsch. Sturz in die Tiefe. Schütze-Verlag München-Solln 1958 Seite 579-600 - Giese, Wolfgang: Der Stamm der Sachsen und das Reich in ottonischer und salischer Zeit. Franz Steiner Verlag Wiesbaden 1979, Seite 193 - Giesebrecht Wilhelm von: Geschichte der deutschen Kaiserzeit. Vierter Band Staufer und Welfen. Braunschweig 1877 Seite 217 - Meyer von Knonau, Gerold: Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Heinrich IV. und Heinrich V. 1. - 7. Band, Verlag von Duncker & Humblot Leipzig 1890 - Partenheimer Lutz: Albrecht der Bär. Gründer der Mark Brandenburg und des Fürstentums Anhalt. Böhlau Verlag Köln Weimar Wien 2001 Seite 209,216 - Schwennicke Detlev: Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I, 1, Vittorio Klostermann GmbH Frankfurt am Main 1998 Tafel 13 B - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 Tafel 181 -