Hermann II.                                    Graf von Winzenburg
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um 1100-29./30.1.1152 ermordet  Landgraf von Thüringen
              Winzenburg
 

Ältester Sohn des Grafen Hermann I. von Winzenburg und der Hedwig von Assel-Woltingerode, Tochter von Graf
 

Thiele Andreas: Tafel 172
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte"
Band I, Teilband 1 Deutsche Kaiser-, Königs-, Herzogs- und Grafenhäuser I

HERMANN II.
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* um 1100, + 1152 ermordet

Hermann II. folgte 1122 seinem Vater als Graf von Winzenburg, wurde 1123 Markgraf von Meißen und 1124 Landgraf von Thüringen, ohne jedoch die beherrschende Stellung seiner Nachfolger zu haben. Er war jahrelang im engsten Gefolge von Erzbischof Adalbert I. von Saarbrücken-Mainz, zeigte sich jahrelang als haltloser Fehdetyp und ließ 1130 den Grafen Burchard von Locchum-Friesland, einen engen Vertrauten Kaiser LOTHARS III., von seinen Leuten erschlagen. Deshalb wurde er auf dem Fürstentag zu Quedlinburg vom 18.8.1130 verurteilt und alle seine Würden und Lehen wurden ihm entzogen. Hermann mußte sich Kaiser LOTHAR III. als Gefangener überliefern, weilte ab 1130 jahrelang im Rheinland im Exil und war möglicherweise zeitweise Kommandant von Segeberg. Er tauchte ab 1138 als Anhänger KONRADS III. wieder auf und wurde zeitweise Graf von Plesse genannt. Er war mainzischer Vasall, Gegner der WELFEN und NORTHEIMER im Thronkrieg, bekriegte beide und söhnte sich 1140 mit letzteren aus und bahnte damit den Erbanfall von 1144 an. Er schloß sich wieder eng an KONRAD III. an und wurde dessen Schwager. Er galt seitdem als Reichsfürst, tauchte stets im engsten königlichen Gefolge auf und war Zeuge in vielen königlichen Urkunden. Er stritt ständig mit den Bischöfen von Halberstadt und den Äbten von Corvey wegen vorenthaltener Lehen und wurde am 8.5.1150 wieder mit der 1130 bei seiner Verurteilung verlorenen hildesheimischen Lehenburg Winzenburg belehnt. Er beerbte 1146 seinen Bruder Heinrich, besaß damit einen bedeutenden Machtkomplex zwischen Hameln, Hildesheim, Wolfenbüttel, Göttingen, Goslar und Einbeck und war den WELFEN in Sachsen an Macht und Einfluß fast ebenbürtig. Er nahm 1147 am erfolglosen "Wendenkreuzzug" Heinrichs des Löwen teil. In der Nacht vom 29. zum 30. Januar 1152 wurde er mit seiner schwangeren dritten Gemahlin auf seiner Burg Winzenburg von der Burgbesatzung eventuell auf Veranlassung des Bischofs von Hildesheim, erschlagen. Sein Besitz fiel nach jahrelangem Erbkrieg an Heinrich den Löwen.
Hermann wurde von seinem Nachbarn, dem Grafen Heinrich von Bodenburg, ermordet.

  1. oo GERTRUD VON ÖSTERREICH
                    + 1143 (im Kindbett)

Tochter des Markgrafen Leopold III., Halbschwester König KONRADS

  2. oo 1147/48
         LIUTGARD VON STADE
                  + 1152 auch ermordet

Tochter des Markgrafen Rudolf I. von Nordmark; Witwe König Erichs III. von Dänemark und geschieden vorher von Pfalzgraf Friedrich II. von Sachsen



GENEALOGISCHES HANDBUCH ZUR BAIRISCH-ÖSTERREICHISCHEN GESCHICHTE
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Dungern Prof. Dr. Otto: Seite 48
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39. HERMANN II.
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7.VII.1123 (Gudenus cod. dipl. Mog. I. 25b) puer de Winzenburg, wo puer nichts anderes als "junger" (Graf) bedeutet
 nach 7.XII.1124 de Wizinburc (ohne puer) (cod. dipl. Anhalt, I. 156.195)
13.VII.1129 "landgravius" (MG.DD.VIII.Nr.21) wahrscheinlich in Thüringen; läßt den Grafen Burchard von Loccum durch seine Leute erschlagen, wird deshalb auf dem Fürstentag zu Quedlinburg 18.V.1130 verurteilt und alle seine Würden und Lehen werden ihm entzogen (MG.SS.6.767;17.755; u.a.m. - MG.SS.16.78;183;17.24 uw.). Uslar bezieht diese Würden und diese Verurteilung auf seinen Vater Hermann I. und läßt ihn als satellitis Kaiser LOTHARS III. zum Befehlshaber der Burg Segeberg bestellt werden und 1138 sterben (a.a.O. 96-98), ganz unmögliche Kombinationen.
Hermann II. mußte sich Kaiser LOTHAR als Gefangener überliefern (MG.SS.16.104), scheint aber nicht lange in Haft geblieben zu sein; in den kaiserlichen Urkunden von 1132 und 25.I.1134 (MG.SS.VIII.Nr.42.59) kommt ein Graf Hermann vor, wenn auch nicht mit dem Zusatz "von Winzenburg". Ganz bestimmt war er aber 5.VIII.1134 frei, wo er als comes de Vinzellenburch in einer Urkunde des Erzbischofs Bruno II. von Köln zeugt (Lacomblet Niederrhein. UB.I.Nr.319).
23.V.1139 marchio Herimannus et frater ejus Henricus de Asleburc (Posse cod. d. saxon. I/2.94.129, cod. dipl. Anhalt. I. Nr.262); VII - VIII 1129 comes de Plesse (Mainzer Lehengut, Görz Mittelrhein.UB.I.1949)
9.IV.1143 comes Hermannus de Asleburc et frater ejus comes Heinricus (Goslarer UB. I. Nr.199)
III.1147 Vogt von Corvey (Willmans-Philipp Kais. Urk. II. Nr.225)
12.VII.1148 Vogt von Gandersheim mit einem Siegel und der Umschrift: Herimannus Dei Gratia comes de Wincenburch (cod. d. Anhalt. I. Nr.340)
8.V.1150 wieder mit der 1130 bei seiner Verurteilung verlorenen Hildesheimischen Lehenburg Winzenburg belehnt: für sich, seine Frau Luitgard und seine damals geborenen zwei Töchter (Goslar.UB.I.Nr.210); erschlagen in der Nacht vom 29. auf dem 30. Jänner 1152 auf seiner Burg Winzenburg mit seiner schwangeren 3. Frau Luitgarde (Necrol. Kl. Derenburg Zft. d. HarzV. III. 455 = VII.178; Nec. Hildesheim Leibnitz SSr. Brunsv. I.763; MG. SS. 16,98. Nec. Wisbeck fr. Germ. Böhmer IV. 496; MG. SS. III. 213; 16, 20; 23,49 usw.).

Gattinen:
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1. 1142, n. Mai,
Elisabeth, Tochter des Markgrafen Leopold III. von Österreich (MG.SS. 9. 612).
+ 20.V.1143 (Nec. Klosterneuburg V. MG.SS. 9. 68) im Kindbett.

2. oder 3. Mitte 1148
Luitgarde, Tochter des Markgrafen Rudolf I. von Stade (MG.SS. 16.326)
sie war in 1. Ehe mit Graf Friedrich von Sommerschenburg geschieden und in 2. Ehe Witwe nach dem Dänen-König Erich Lam (+ 27.VIII. 1146).
Nach einer Vermutung Uslars (182/3) soll Hermann II. zwischen der 1. und 2. Ehe noch mit einer neptis verheiratet gewesen, doch die Ehe in kurzem getrennt worden sein.



Lechner Karl: Seite 135,347 A 69,353 A 30
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"Die Babenberger. Markgrafen und Herzoge von Österreich 976-1246"

Sein Sohn Hermann II. tritt zum letzten Mal um 1122/23 in Österreich auf, wobei er eine große Schenkung an Göttweig machte - aber nicht mehr als Vogt! Ab 1123 nennt er sich nur mehr "von Winzenburg" und 1129 "Landgraf" von Thüringen.
Hermann II. von Winzenburg hat im Jahre 1142 Elisabeth, eine jüngere Tochter Markgraf LeopoldsIII. geheiratet, die aber schon im Jahr darauf starb. Übrigens wurden dem Grafen Hermann von Winzenburg wegen eines Friedensbruches im Jahre 1130 von König LOTHAR seine Würden und Lehen entzogen, was erst 1134 wieder rückgängig gemacht wurde.
Dem ermordeten WINZENBURGER war überdies vom Bischof von Hildesheim die Mitbelehnung der Gattin und die weibliche Erbfolge gewährt worden, vom Erzbischof von Mainz das gleiche und dazu das Recht, bei Fehlen eines männlichen Erben einen Nachfolger zu bestimmen.

Jordan Karl: Seite 34,45
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"Heinrich der Löwe"

Das Erbe der BOYNEBURGER trat zunächst jene Dynastie an, die neben ihnen im südlichen Sachsen eine starke Machtposition besaß. Das waren die Grafen im Leinegau, die ursprünglich südlich von Göttingen in Reinhausen und auf den Gleichen saßen, die sich aber seit Anfang des 12. Jahrhunderts meist nach der Winzenburg nannten, die sie von den Bischöfen von Hildesheim zu Lehen trugen. Der führende Kopf des Geschlechts war damals Graf Hermann II., der seit den Tagen Kaiser LOTHARS III. in der Reichspolitik eine wichtige Rolle spielte, dabei aber zwischen STAUFERN und WELFEN wiederholt die Partei wechselte. Sein jüngerer Bruder Heinrich von Assel vermählte sich bald nach Siegfrieds Tod mit dessen Witwe Richenza und erhielt dadurch einen Teil der Erbgüter. Den weitaus größten Teil des Nachlasses hat aber Hermann, der über große Mittel verfügte, von Siegfrieds Erben käuflich erworben. Auch die umfangreichen Lehen des BOYNEBURGERS brachten beide Brüder in ihre Hand. König KONRAD übertrug ihnen noch im gleichen Jahr die Grafschafts- und Vogteirechte, die Siegfried vom Reich zu Lehen besessen hatte, um dadurch die WINZENBURGER fest an die Krone zu binden. Ebenso konnten diese sich auch die Lehen sichern, die Siegfried vom Erzstift Mainz und anderen Kirchen innegehabt hatte. Wie wichtig ihnen vor allem die Mainzer Lehen waren, ergibt sich daraus, dass sie dem Erzbistum dafür ihr Hauskloster Reinhausen und das Kloster Northeim, das sie erworben hatten, abtraten. Hatte KONRAD III. in der Frage der STADER Erbschaft nachgeben müssen, so konnte er die Regelung der territorialen Verhältnisse im südlichen Sachsen nach dem Aussterben der BOYNEBURGER als einen Erfolg verbuchen. Die WINZENBURGER bildeten hier fortan ein gutes Gegengewicht gegen die WELFEN.
In der Nacht vom 29. zum 30. Januar 1152 wurde Hermann II. von Winzenburg zusammen mit seiner Gemahlin Liutgard von Stade, die nach dem Tode des Königs Erich Lamm von Dänemark mit ihm ihre 3. Ehe eingegangen war, von Angehörigen seiner Ministerialität, bei der er wegen seines herrischen Wesens verhaßt war, auf seiner Burg ermordet. Sie hinterließen nur zwei kleine Töchter. Hermanns Bruder Heinrich von Assel war schon vorher gestorben. Die Erbansprüche seines mutmaßlichen Sohnes Otto wurden aus uns nicht bekannten Gründen ebenso wie die der beiden Töchter Hermanns übergangen.

Pätzold, Stefan: Seite 34,250
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"Die frühen Wettiner. Adelsfamilie und Hausüberlieferung bis 1221."

1131 wurden in Goslar Konrads politische Interessen in doppelter Hinsicht berührt: Wahrscheinlich bei dieser Gelegenheit übertrug der König Ludwig I., dem Sohn Ludwigs des Springers, die Grafschaft Hermanns II. von Winzenburg und erhob ihn zum Landgrafen von Thüringen.
Die Pegauer Annalen überliefern schließlich, daß Wiprecht von Groitzsch und Hermann von Winzenburg zu den Nachfolgern Heinrichs II. gemacht wurden. Wiprecht starb jedoch bereits im Jahre 1124. Als Hermann von Winzenburg dann 1130 abgesetzt wurde, machte LOTHAR III. Konrad von Wettin zum Markgrafen von Meißen. Da angeblich der WINZENBURGER bis 1130 in Meißen amtierte, kommt als Gebotsgebiet nur die Mark Lausitz in Frage, die der GROITZSCHER jedoch nach der Pegauer Darstellung bereits seit 1117 beherrschte. Darüber hinaus ist der WINZENBURGER in keiner anderen Quelle als meißnischer Markgraf belegt. Offenbar brachte der Pegauer Annalist, dem im übrigen unbekannt war, daß es zwei WINZENBURGER namens Hermann gab, von denen der ältere 1122 starb und der jüngere 1130 als thüringischer Landgraf gefangengesetzt wurde, die Geschichte dieser Grafenfamilie fälschlicherweise mit den Ereignissen im Markengebiet in Verbindung [W. Bernhardi, Lothar, Seite 834-836].
 
 
 
 

    1142
  1. oo Elisabeth von Österreich, Tochter des Markgrafen Leopolds III.
      x  1124-20.5.1143

  2. oo seine Nichte ?

    1148
  3. oo 3. Liutgard von Stade, Tochter des Grafen Rudolf I.
              um 1110-29./30.1.1152 ermordet
 
 
 
 

Kinder:
3.Ehe

  Tochter
  1149- vor 1204

     1170
  1. oo Heinrich III. Graf von Schwarzburg
                    -26.7.1184

  2. oo 1. Ulrich I. Graf von Wettin
                      -28.9.1206

  Tochter
  1150-

  oo Magnus Boris von Dänemark
             -         Großneffe König Erichs

  Hedwig Pröpstin von Gandersheim
  1151-
 
 
 
 

Literatur:
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Annalen von Hildesheim - Annalen von Magdeburg - Annalen von Pöhlde - Annalista Saxo: Reichschronik. Seite 147 - Assing Helmut: Brandenburg, Anhalt und Thüringen im Mittelalter. Askanier und Ludowinger beim Aufbau fürstlicher Territorialherrschaften. Böhlau Verlag Köln Weimar Wien 1997 Seite 238,290,300,303-304 - Ay, Karl-Ludwig/Maier, Lorenz/Jahn Joachim: Die Welfen. Landesgeschichtliche Aspekte ihrer Herrschaft. Universitätsverlag Konstanz GmbH 1998 Seite 206 - Bernhardi, Wilhelm: Jahrbücher der Deutschen Geschichte Konrad III., Verlag von Duncker & Humbolt Leipzig 1883 Seite 921- Bernhardi, Wilhelm: Jahrbücher der Deutschen Geschichte Lothar von Supplinburg, Verlag von Duncker & Humbolt Leipzig 1879 Seite 834-836 - Boshof Egon: Die Salier und das Reich, Verlag W. Kohlhammer Suttgart Berlin Köln 1987 Seite 274 - Chronik des Albert von Stade ad a. 1144 - DIE SALIER UND DAS REICH. Gesellschaftlicher und ideengeschichtlicher Wandel im Reich der Salier. (Hg.) Stefan Weinfurter. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1991 Band I Seite 361 - Fenske, Lutz: Adelsopposition und kirchliche Reformbewegung im östlichen Sachsen. Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen 1977, Seite 162 A. 344,176 A. 405,366,369 - Giesebrecht Wilhelm von: Geschichte der deutschen Kaiserzeit. Vierter Band Staufer und Welfen. Braunschweig 1877 Seite 15,19,37,39,40,180,181,182,183,211,212,353,363 - Jordan, Karl: Heinrich der Löwe, Deutscher Taschenbuch Verlag München, Seite 34,45,107 - Kölner Königschronik - Lechner Karl: Die Babenberger. Markgrafen und Herzoge von Österreich 976-1246, Böhlau Verlag Wien-Köln-Weimar 1992, Seite 135,139,151,347 A 69;353 A 30 - Moritz, Joseph: Die Grafen von Formbach, Lambach und Pütten, Abhandlung der baierischen Akademie der Wissenschaften München 1803 Seite 125-128 - Partenheimer Lutz: Albrecht der Bär. Gründer der Mark Brandenburg und des Fürstentums Anhalt. Böhlau Verlag Köln Weimar Wien 2001 Seite 71-76,94,98,103,108,118,122,146, 218,229,249,251-253,276,281,289,298,300,302 - Patze, Hans: Die Entstehung der Landesherrschaft Thüringen, Böhlau Verlag Köln/Graz 1962 Seite 582-601 - Pätzold, Stefan: Die frühen Wettiner. Adelsfamilie und Hausüberlieferung bis 1221, Böhlau Verlag Köln 1997 Seite 34,250,294 - Schneidmüller Bernd: Die Welfen. Herrschaft und Erinnerung. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 211 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 Tafel 172 -