Wiprecht II. der Ältere                  Graf von Groitzsch
----------------------------                  Markgraf der Nieder-Lausitz
1050-22.5.1124                              Markgraf von Meißen
        Kloster Pegau
 

Begraben: Laurentiuskirche Pegau
 

Sohn des Grafen Wiprecht I. aus dem Hause der Grafen von Arneburg und der Sigena von Leinungen, Tochter von Graf Goswin der Ältere; Pflegesohn des Markgrafen Lothar Udo II. von Stade-Nordmark
 

Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 244
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Wiprecht II. von Groitzsch, Markgraf von Meißen und in der Lausitz seit 1123
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* ca. 1050, +   1124

  1. oo 1084 Judith, Tochter Vratislavs II. von Böhmen

  2. oo um 1110 Kunigunde von Beichlingen

Wiprechts II. Vorfahren waren slavischen Ursprungs und hatten Besitzungen in der Altmark erworben, sein gleichnamiger Vater war mit der Gräfin Sigena von Leinungen (bei Mansfeld) verheiratet. Nach dem Tod des Vaters stand Wiprecht II. unter der Obhut des Markgrafen (der sächsischen Nordmark) Udo II. von Stade, der seit 1068 auch die Mark Zeitz verwaltete. Im Tausch gegen seinen Besitz in der Altmark erwarb Wiprecht II. von Udo die Burg Groitzsch, die er gegen den Widerstand des niederen Adels zum Mittelpunkt seiner Herrschaft ausbaute. Dafür verbündete er sich während des Sachsenaufstandes mit Vratislav II. von Böhmen, an dessen Hof er zeitweise weilte, und mit König HEINRICH IV., den er nach Italien begleitete, was ihm weitere Besitzungen (unter anderem Land Orla, Dornburg, Leisnig) eintrug. Der Heirat mit der Tochter Vratislavs, dem HEINRICH IV. die sächsische Ostmark und die Lausitz übertragen hatte, verdankte Wiprecht II. von Groitzsch die Länder Nisan (an der Elbe um Dresden) und Bautzen. Nach Vratislavs Tod (1092), als Böhmen in eine tiefe dynastische Krise stürzte, war Wiprecht II. in die böhmischen Auseinandersetzungen verwickelt. Im Anschluß an eine Wallfahrt nach Santiago de Compostella gründete Wiprecht II. in Pegau das erste Kloster im ostsächsischen Raum (geweiht 1096) und betrieb seit 1104 mit Hilfe von Siedlern aus Franken sowie ortsansässigen Slaven umfassende Maßnahmen im Landesausbau und zur Förderung frühstädtischer Entwicklung (beschrieben in den Pegauer Annalen). Zunächst an der Seite Kaiser HEINRICHS V., wechselte Wiprecht II. 1112 zur sächsischen Opposition, wurde gefangengenommen und zum Tode verurteilt, aber nach der Niederlage des kaiserlichen Heeres am Welfesholz (1115) freigelassen. Später erlangte er die Gunst des Kaisers zurück, der ihn 1123 mit der Mark Meißen und der (Nieder-)Lausitz belehnte, allerdings im Konflikt mit Herzog Lothar von Süpplingenburg, der seinerseits die Marken an Konrad von Wettin und Albrecht den Bären verlieh, so dass sich Wiprecht II. nicht als Markgraf durchsetzen konnte. Wegen einer Verwundung zog sich Wiprecht II.als Mönch ins Kloster Pegau zurück. Nach dem Aussterben des Geschlechts (1135) ging Wiprechts II. Herrschaftsbereich an die WETTINER über.

Quellen:
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Annales Pegavienses et Bosovienses, hg. G. H. Pertz (MGH SS XVI, 1859), 232-270 - Cosmae Pragensis Chronica Boemorum (MGH SS NS 2, hg. B. Bretholz, 1923) [Ind.]

Literatur:
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H. Patze, Die Pegauer Annalen, die Kg.serhebung Wratislaws von Böhmen und die Anfänge der Stadt Pegau, JGMO 12, 1963, 1-62 - H. Brachmann, Groitzsch - Zentrum einer frühen Landesherrschaft im sorb. Siedlungsgebiet ö. der Saale, Lokalne osrodki wladzy panstwowej w XI-XII wieku w Europie Srodkowo-Wschodniej, 1993, 187-201 - W. v. G.: Sein Leben nach den Jbb. des Kl. Pegau, 1994.



Schwennicke Detlev: Tafel 13 B
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"Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I, 1"

WIPRECHT II. VON GROITZSCH
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    + Pegau 22.V.1124

Begraben: Kloster Pegau

1084/1113 und seit 1115 m NISSANGAU und GAU BUDISSIN und dem ELBTAL zwischen PRNA und DRESDEN
1106 GRAF
1118 BURGGRAF von MAGDEBURG und VOGT von STIFT NEUWERK zu Halle
1123 (TIT-)MARKGRAF von MEISSEN und der NIEDER-LAUSITZ
Gründet 1091 Kloster Pegau, 1104 Kloster Lausigk

  I. oo um 1085
         JUDITH VON BÖHMEN
                  + 9.XII.1108

ERBIN des NISANGAUES und des LANDES BUDISSIN (BAUTZEN)
Tochter von König Wratislaw II.

  II. oo 1110
            KUNIGUNDE VON WEIMAR, ERBIN von BEICHLINGEN
                     + 8.VI.1140

Witwe
I. von Jaropolk Pjotr Isjaslawitsch Fürst von Wladimir
II. von Kuno Graf von Beichlingen (NORTHEIM)
Tochter von Graf Otto von Weimar, Markgraf von Meissen



Thiele Andreas: Tafel 181
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte"
Band I, Teilband 1 Deutsche Kaiser-, Königs-, Herzogs- und Grafenhäuser I

WIPRECHT I. VON GROITZSCH
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    + 1124

Sohn eines anderen Grafen Wiprecht

Pflegesohn Markgraf Lothar Udos II. von Stade-Nordmark; erhält von ihm Groitzsch; unterstützt Kaiser HEINRICH IV. 1081-1084 in Italien, erreicht von ihm die Krönung des Schwiegervaters zum böhmischen König 1086; bekommt unter anderem Colditz, Leisnig, Dornburg, wird Burggraf von Magdeburg; Gegner Ekberts II. von Meißen, profitiert von dessen Sturz; gründet Kloster Pegau, die erste deutsche Benediktinerabtei östlich der Saale; pilgert nach Santiago de Compostela 1092/93; greift 1100 in böhmische Erbkriege ein und versucht zu vermitteln für Borschiwoy II., steht gegen die WETTINER-MEISSEN, geht zu HEINRICH V. über 1105 und dessen treue Stütze in militärischen und diplomatischen Angelegenheiten; zeht 1109 mit gegen olen; steht ab 1112 gegen Kaiser HEINRICH V. und daher 1113-1116 inhaftiert; schloß sich Herzog Lothar III. von Sachsen an; 1117 rehabilitiert und Markgraf der Nieder-Lausitz; besitzt viele bischöfliche Lehen, unter anderem von Fulda, Naumburg, Köln und Münster; 1123 Markgraf von Meißen gegen den herzoglich-sächsischen Kandidaten Konrad I. von Wettin durch Kaiser HEINRICH V.; er scheitert gegen ihn.

   1088
  1. oo JUDITH VON BÖHMEN, Tochter des Königs Wratislaw II.
                  + 1108

Erbin von Dresden

   1109
  2. oo KUNIGUNDE VON ORLAMÜNDE, Tochter des Markgrafen Otto I. von Meißen
                  + 1140

Erbin von Beichlingen, Witwe Kunos von Northeim (+ 1103)



Wiprecht II. vertauschte seine Stammgüter in der Altmark mit den Gütern des Grafen Udo von Stade in der Gegend von Pegau und Groitzsch im Sachsen, erwarb durch seine Heirat mit Jutta, der Tochter Vratislavs II. von Böhmen, auch die Ober-Lausitz und erhielt durch Kaiser HEINRICH IV., den er auf seinem Zug nach Italien begleitete, noch Leisnig, Colditz, Lauterstein und Dornburg. Er wurde Burggraf von Magdeburg, war ein Gegner des Markgrafen Ekbert II. und profitierte von dessen Sturz. 1096 erbaute er das Kloster Pegau, die erste Benediktinerabtei östlich der Saale, später das zu Reinersdorf an der Unstrut. Er pilgerte 1092/93 nach Santiago de Compostela, griff 1110 in den böhmischen Erbfolgekrieg ein und versuchte zu vermitteln. Er stand oft gegen Wettin-Meißen, ging 1105, nachdem er den nach Böhmen geflohenen Kaiser HEINRICH IV. an den Rhein zurückgeleitet hatte, zu HEINRICH V. über und wurde dessen treue Stütze in militärischen und diplomatischen Angelegenheiten. Er zog 1109 mit gegen Polen und mußte 1110 um die Freiheit seines Sohnes Wiprechts des Jüngeren zu erkaufen, Leisnig, Morungen und die Ober-Lausitz an den Kaiser zurückgeben. Wegen seines Anspruchs auf die von HEINRICH V. eingezogenen Güter des Grafen Ulrich II. von Weimar-Orlamünde (+ 13.5.1112) wieder mit diesem in Streit geraten, verbündete er sich mit verschiedenen sächsischen Fürsten zur Durchsetzung der Ansprüche des Pfalzgrafen Siegfried von Ballenstedt auf dieses Erbe. Nachdem der siegreiche Kaiser, der Sachsen verheert hatte, sich an den Rhein zurückgezogen hatte, berieten Pfalzgraf Siegfried und seine Verbündeten, Wiprecht und Ludwig von Thüringen in Warnstädt unweit der Teufelsmauer weitere Maßnahmen gegen ihn. Hier wurden sie am 21. Februar 1113 durch den kaiserlichen Feldherrn Hoyer von Mansfeld überfallen. Bei der Überlegenheit der Angreifenden war an einen Widerstand nicht zu denken. Mit Mühe gelang dem Grafen Ludwig und Pfalzgraf Siegfried, der aber bereits am 9. März seinen Verletzungen erlag, die Flucht. Wiprecht fiel mit Wunden bedeckt in die Hände des MANSFELDERS und wurde von einem Fürstengericht in Würzburg zum Tode verurteilt. Nur durch das Dazwischentreten seiner Söhne, welche dem Kaiser für die Begnadigung des Vaters ihre Stammburg Groitzschmit den dazu gehörigen Gütern boten, rettete ihn vor schimpflicher Hinrichtung, doch wurde er drei Jahre lang auf dem Trifels in harter Gefangenschaft gehalten. Daher erhoben sich seine Söhne Wiprecht der Jüngere und Heinrich gemeinsam gegen den Kaiser, erschlugen 1115 in der Schlacht am Welfesholz den alten Hoyer, eroberten Groitzsch und nötigten den Kaiser, Wiprecht wieder freizugeben. Der Kaiser wendete ihm sogar wieder seine Gunst zu, gab ihm seine Güter zurück sowie überdies noch die Burggrafschaft Madeburg und gegen die Summe von 2.000 Talenten die von der Ostmark abgetrennte Nieder-Lausitz (1117). So glaubte der Kaiser den tüchtigen und regsamen Mann, einen der bedeutenderen unter seinen früheren Gegnern, für sich zu gewinnen und aus der festgeschlossenen Verbindung der sächsischen Großen zu lösen. Wiprecht behauptete sich in diesen Besitzungen, nur in der Mark Meißen, die ihm der Kaiser 1123 nach dem Tode Heinrichs des Jüngeren von Eilenburg übertrug, mußte er Konrad von Wettin, der von Herzog Lothar militärisch unterstützt wurde, weichen. Er besaß viele bischöfliche Lehen, unter anderem von Fulda, Naumburg, Köln und Münster. Bei einer unbedeutenden Feuersbrunst zu Halle hatte er sich, eifrig bemüht zu löschen, so schwer verletzt, dass er seit dieser Zeit nur noch kümmerlich sein hinsterbendes Leben fristete. Als er den Tod herannahen fühlte, ließ er sich von seiner Burg Groitzsch nach dem von ihm gegründeten Kloster Pegau bringen, wo er das Mönchsgelübde ablegte und kurz darauf starb. Sein Mannesstamm erlosch bald und seine Besitzungen kamen meist an die WETTINER.
 
 
 
 

    1086
  1. oo Jutta von Böhmen, Tochter des Königs Vratislav II.
           um 1065 -17.12.1108

         Erbin von Dresden

    1110
  2. oo 3. Kunigunde von Orlamünde, Tochter des Markgrafen Otto I.
               um 1060- vor 1124 (8.6.1140 Isenburg)

            Erbin von Beichlingen
 

        2. oo Kuno Graf von Beichlingen
                         -   1103
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Wiprecht III. der Jüngere
  um 1088-27.1.1116

  Heinrich Burggraf von Magdeburg
  um 1090-31.12.1135

  Bertha Erbin von Groitzsch
          -16.5.1144

  oo Dedi IV. Graf von Wettin
              -16.12.1124
 
 
 

Literatur:               FREIE PRESSE vom 11.05.2001
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Bautz Traugott: Kirchenlexikon - Bernhardi, Wilhelm: Jahrbücher der Deutschen Geschichte Lothar von Supplinburg, Verlag von Duncker & Humbolt Leipzig 1879 - Böhmenchronik des Cosmas von Prag mit zwei Fortsetzungen - Boshof Egon: Die Salier und das Reich, Verlag W. Kohlhammer Suttgart Berlin Köln1987 Seite 274, 282,301 - Brandenburg Erich: Die Nachkommen Karls des Großen. Verlag Degener & Co Neustadt an der Aisch 1998 Tafel 37 Seite 74 - Bruno: Das Buch vom Sächsischen Krieg. Phaidon Verlag, Essen und Stuttgart 1986 Seite 117 - Die Salier und das Reich. Gesellschaftlicher und ideengeschichtlicher Wandel im Reich der Salier. (Hg.) Stefan Weinfurter. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1991 Band I Seite 305 - Engels, Odilo: Die Staufer, Verlag W. Kohlhammer Stuttgart, 1993 Seite 22 - Fenske, Lutz: Adelsopposition und kirchliche Reformbewegung im östlichen Sachsen. Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen 1977, Seite 53,65 A.200,77,85,161,186 A. 467,215,235 A. 70,238,253-272,274 A. 313,332, 343,346,347,365 - Giese, Wolfgang: Der Stamm der Sachsen und das Reich in ottonischer und salischer Zeit. Franz Steiner Verlag Wiesbaden 1979, Seite 188,193 - Hildebrand Ruth: Herzog Lothar von Sachsen. Verlag August Lax Hildesheim 1986 Seite 43,45,50,85 - Jordan, Karl: Heinrich der Löwe, Deutscher Taschenbuch Verlag 1993 Seite 17 - Keller Hagen: Zwischen regionaler Begrenzung und universalem Horizont. Seutschland im Imperium der Salier und Staufer 1024 bis 1250 Verlag Ullstein GmbH Frankfurt am Main 1990 Seite 99,242 - Lange, Karl-Heinz: Die Grafen von Northeim (950-1144). Politische Stellung, Genealogie und Herrschaftsbereich. Beiträge zur Geschichte des sächsischen Adels im Hochmittelalter Dissertation Kiel 1958 Seite 132-136 - Meyer von Knonau, Gerold: Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Heinrich IV. und Heinrich V. 1. - 7. Band, Verlag von Duncker & Humblot Leipzig 1890 - Partenheimer Lutz: Albrecht der Bär. Gründer der Mark Brandenburg und des Fürstentums Anhalt. Böhlau Verlag Köln Weimar Wien 2001 Seite 26,28,34,45,52,209,211,216,218,272,287 - Pätzold Stefan : Die frühen Wettiner. Adelsfamilie und Hausüberlieferung bis 1221, Böhlau Verlag Köln Weimar Wien 1997, Seite 28,32,99,100,150,179,184, 242,248-250,282,286 - Sächsische Weltchronik - Schulze: Das Reich und die Deutschen. Hegemoniales Kaisertum. Ottonen und Salier. Siedler Verlag, Seite 466-468,479 - Schwennicke Detlev: Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I, 1, Vittorio Klostermann GmbH Frankfurt am Main 1998 Tafel 13 B - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 Tafel 181 - Wies Ernst W. Kaiser Heinrich IV. Canossa und der Kampf um die Weltherrschaft. Bechtle Verlag Esslingen 1996 Seite 267 -