Heinrich der Fette                          Graf von Northeim
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um 1055-   1101 ermordet
 

Begraben: in der von ihm als Hauskloster gestifteten Benediktinerabtei Bursfelde an der Oberweser
 

Ältester Sohn des Herzogs Otto von Bayern aus dem HauseNORTHEIM und der Richenza von Schwaben, Tochter von Herzog Otto II.
 

Lexikon des Mittelalters: Band IV Spalte 2073
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Heinrich der Fette, Graf von Northeim
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     + 1101

Begraben: in der von ihm als Hauskloster gestifteten Benediktiner-Abtei Bursfelde an der Oberweser

Sohn des Grafen Otto von Northeim (+ 1083), konnte Heinrich der Fette durch seine Heirat mit Gertrud von Braunschweig (+ 1117) den northeimischen Besitz um das reiche Erbe der KATLENBURGER und BRUNONEN erweitern. Während er nach der bayerischen Herzogswürde nicht gestrebt zu haben scheint, gelang es ihm, nicht zuletzt durch die königliche Übertragung der in einer Mark zusammengefaßten Grafschaften in Friesland (1099/1100), im sächsisch-norddeutschen Bereich nochmals eine Machtposition ähnlich der seines Vaters einzunehmen. Sie zerbrach, als der Graf bei dem Versuch der Durchsetzung dieser Rechte in Friesland getötet wurde; der katlenburgische und brunonische Besitz kam über Heinrichs des Fetten Tochter Richenza (oo LOTHAR VON SÜPPLINGENBURG) an die WELFEN.

Literatur:
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K.-H. Lange, Die Stellung der Gf.en v. Northeim ... NdsJb 33, 1961, 79-88 - J. Fleckenstein, Die Gründung von Bursfelde und ihr gesch. Ort, 1983.



Brandenburg Erich: Tafel 10 Seite 20
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"Die Nachkommen Karls des Großen"

XII. 54. GERTRUD
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* ca. 1060 + 1117 9. XII..

Gemahl:
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a)
DIETRICH II. Graf von Katlenburg
      + 1085 21. I.

b) ca. 1086
HEINRICH VON NORTHEIM, Graf von Friesland
       + 1101 vor 10. IV.

c) ca. 1102
HEINRICH VON WETTIN, Markgraf von Meißen 1089 (siehe XI. 147.)
       + 1103

Anmerkungen: Seite 141
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XII. 54. Gertrud

Posse, Wettiner Tf. 1 und Seite 42. Curschmann 67.



Thiele, Andreas: Tafel 171
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1"

HEINRICH "DER DICKE"
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    + 1101 ermordet

Sohn des Herzogs Otto von Northeim-Bayern

Graf in der Germarmark-Eschwege mit Boyneburg und im Eichsfeld
Heinrich der Fette folgte dem Vater 1083 in den alten Hausgrafschaften im Rittigau und im Eichsfeld. Er war zusammen mit seinem Bruder Kuno, mit Siegfried III. und Markgraf Ekbert II. von Braunschweig-Meißen einflußreichster sächsischer Fürst, was durch seine Ehe noch verstärkt wurde. Er war Graf in der Germarmark-Eschwege mit Boyneburg und im Eichsfeld und unter anderem Vogt von Helmarshausen und Bursfelde, das er gründete. Er erbte einen Teil der eventuell mit seinem Haus verwandten Grafen von Bielstein und war damit alleiniger Herr im Werratal. Er unterstützte bis 1086 Gegen-König HERMANN VON SALM, fiel von seinem Schwager ab und hielt seitdem mit den Brüdern zu HEINRICH IV. Er baute eine der väterlichen sehr ähnliche Machtstellung auf und aus. Nach der Ermordung des Markgrafen von Friesland, des Bischofs Konrad von Utrecht durch die Friesen 1099, erhielt Heinrich diese Markgrafschaft durch den Kaiser und wurde auf dem Weg nach Friesland ermordet.

  oo 1086
       GERTRUD VON BRAUNSCHWEIG
                + 1117

Tochter des Markgrafen Ekbert I. von Meißen, Erbin der brunonischen Güter, Regentin von Meißen und Katlenburg, Witwe des Grafen Dietrich II. von Stade-Katlenburg



E. Kimpen vermutet, dass Heinrich der Fette Heinrich II. von Laach als Pfalzgraf Heinrich III. von Lothringen folgte.
Am 10. April 1101 fand er in dem von ihm gegründeten Kloster Bursfelde seine letzte Ruhe.

Annalen Hildesheim
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Die Jahre 1100-1103.

 
In der 7. Indiction, 1100, harter Winter und große Hungersnoth. Markgraf Udo griff mit Mehreren von den Sachsen die Barbaren an, welche auch Liutizen hießen, und hat ruhmvoll gesiegt. Markgräfin Athela starb auf dem Wege nach Rom. Herzog Godefrid starb in Jerusalem [und liegt nicht weit vom heiligen Grabe bestattet]; für ihn, der das Heer der Christen leitete, wird sein Bruder [Baldewin]  eingesetzt.
 
In  der 8. Indiction, 1101, feierte der Kaiser Weihnachten  in Mainz. Dort kamen viele Fürsten zusammen und gaben dem Kaiser den Rath, daß er Boten nach Rom wegen der  Einigung der Kirche schicken und einen Papst nach der Wahl  der Römer und aller Kirchen einsetzen sollte. Graf Heinrich gewann des Kaisers Gnade und der Kaiser selbst übertrug ihm die Mark der Friesen. Er zog sogleich mit seiner Gattin dorthin, wurde aber selbst getödtet, und sie ist kaum entronnen.
 
Chronik von St. Peter zu Erfurt
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 Die Jahre 1100-1104.

 
1100. Giselbert, Abt zu Erfurt, führte seinen schon längst gehegten Wunsch einer Pilgerschaft aus Liebe zum Herrn aus, ging nach Jerusalem und nachdem er den Platz angebetet hatte, wo die Füße des Herrn gestanden, unterwarf er sich aus Liebe zu dessen heiligster Mutter derselben im Thale Josaphat zu regelmäßiger Lebensart und Dienstleistung; und nachdem er ein Jahr daselbst in treuem Dienste zugebracht und noch am Tage seiner Auflösung das heilige Meßopfer gefeiert hatte, wanderte er am
1. October glücklich zum Herrn.
 
Im Jahre des Herrn 1101 erlangte Graf Heinrich, welcher fett war, die Gnade des Kaisers und der Kaiser selbst übergab ihm die Mark der Friesen. Als er sich nun sofort mit seiner Gemahlin dahin begab, wurde er selbst mit einer Lanze durchstochen und aus dem Schiffe geworfen und so getödtet, sie aber entkam mit Noth.
 
Der Kaiser feierte Ostern zu Lüttich. Sein jüngerer Sohn empfing das Schwert.

Ekkehardi Chronica: Seite 184,224
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"Die Chronik des Ekkehards von Aura"

Im Jahr des Herrn 1103. Als Kaiser Heinrich das Geburtsfest des Herrn in Mainz feierte und mit den Fürsten einige dringende Angelegenheiten bezüglich des Zustandes des Reiches verhandelte, wurde plötzlich und ohne erkennbaren Anlaß das Gerücht verbreitet, der Kaiser wolle seinen Sohn Heinrich die volle und höchste Gewalt übertragen und das Grab des Herrn besuchen, um Christus für seine Sünden Genugtuung zu leisten. Daher bereiteten sich einige unter größter Zustimmung darauf vor, ihn zu begleiten.
Konrad, der Sohn Herzogs Otto, einer der großen Fürsten, der mit allem, was dem Menschen zur Würde gereicht, ausgezeichnet war, durch Geburt, Bildung, Tapferkeit und Reichtum hervorragend, durch vornehems Wesen und Beredsamkeit allen Rechtschaffenen liebenswert und angenehm, wurde bei Nacht von einigen verbrecherischen Menschen, die sich verschworen hatten, unterwegs überfallen und erschlagen; er hinterließ bei allen Vornehmen des reiches größte Trauer und zugleich Argwohn, da sich die niedrigsten Leute solche Verbrechen gegen die höchsten herausnahmen.
Drei Jahre zuvor wurde Heinrich der Fette, der ältere Bruder dieses Konrad, als er sich auf dem Zug in die ihm unterstehenden friesische Mark befand, um dort einige Angelegenheiten zu erledigen, von einigen Friesen aus dem gemeinen Volk, die das Joch seiner Herrschaft beschwerte, hinterhältig umzingelt, während er Gehorsam erwartete; als er seine Lage erkannte und zum Meer floh, wurde er von Seeleuten verwundet und dann erdrosselt. Der Tod dieses Mannes, der als zweiter nach dem König über ganz Sachsen herrschte, wurde vom ganzen deutschen Reich als schwer empfunden, und dieser Schmerz wurde nun, wie gesagt, durch den Mord an seinem Bruder Konrad verdoppelt.
Markgraf Heinrich von Eilenburg, der mächtuigste Mann seiner Zeit in Sachsen, verstarb.

Jäkel Hugo: Seite 130
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"Die mittelfriesischen Grafen"

Wie die Hildesheimer Annalen berichten, erlangte Graf Heinrich der Fette, der älteste Sohn Ottos von Northeim, im Jahr 1101 die Gnade des Kaisers. Dieser übertrug ihm die Mark Friesland. Der Graf begab sich nun sofort mit seiner Gemahlin in diese Mark, wurde aber dort getötet, während seine Gemahlin zur Not entkam. Ekkehard von Aura erzählt den Hergang etwas ausführlicher. Nach ihm wurde Heinrich der Fette, als er die Mark Friesland betrat, um hier seine Rechte als Gebieter auszuüben, von gemeinen Friesen, denen das Joch seiner Herrschaft lästig war, während sie vor ihm Gehorsam zur Schau trugen, mit Hinterlist umgarnt und, als er dies merkte und nach dem Meere floh, von Schiffern verwundet und ertränkt. Der ganze Hergang hat sich also in der Nähe des Meeres abgespielt, und zwar ist Heinrich, wie aus den beiden Berichten hervorgeht, bald nachdem er in Friesland angelangt war und daselbst Grafenrechte auszuüben begonnen hatte, getötet worden. Der sächsische Annalist, der jene beiden Berichte benutzt und zu einem großen Teil wörtlich ausgeschrieben hat, fügt noch einige wertvolle Angaben hinzu. So erwähnt er die kaiserliche Lehnsurkunde, durch die Heinrich der Fette die Mark Friesland erhielt, sodann dass die Grafschaften in dieser Mark, d.i. die der gräflichen Verwaltung als Grundlage dienenden Gaue der Grafschaft Mittelfriesland, früher dem Utrechter Bistum gehört hätten, ferner dass das Komplott gegen Heinrichvon Ministerialen des Utrechter Bischofs und von gemeinen Friesen geschmiedet wurde, endlich dass Heinrich der Fette Gertrud, die Schwester des Markgrafen Ekbert II. zur Gemahlin hatte. Ekbert starb 1090 unvermählt und hinterließ nur eine Schwester Gertrud, die oben erwähnt Gemahlin Heinrichs des Fetten. Auf sie und durch sie auf ihren Gemahl und ihre Kinder hätte die Grafschaft Mittelfriesland nach Erbrecht übergehen müssen. Erst im Jahre 1101 erlangte Heinrich von Northeim durch die Gnade des Kaisers jene große friesische Grafschaft, die seinem Schwager gehört hatte. Es war unvermeidlich, dass er dadurch in Streit mit dem Utrechter Bischof geriet, der damals die Grafschaft kraft kaiserlicher Schenkung besaß und sie durch seine Ministerialen verwalten ließ. Diese Ministerialen mußte Heinrich erst beseitigen, bevor er seine eigene Herrschaft im Lande aufrichten konnte.
Heinrich von Northeim muß also, wie sieben Jahre später Heinrich von Zutphen in oder bei Staveren sein Amt angetreten haben, und allem Anschein nach handelte es sich auch 1101 um den comitatu contra Nagelam, d.i. um die Summe, welche die friesischen Schiffer und speziell die Staverner Kaufleute für diesen comitatus zahlen sollten. Ebenso mögen die Sonderrechte, welche die Stadt von Ekbert II. erhalten hatte, Gegenstand des Streites gewesen sein. Nach dem Bericht Ekkehards zu schließen scheint Heinrich der Fette die Ansprüche und Forderungen der Friesen nicht anerkannt und dadurch diese angetrieben zu haben, sich insgeheim mit den Utrechter Ministerialen, die in Staveren, Nagel usw. vom Bischof eingesetzt waren und sich in ihrer Stellung durch das Erscheinen Heinrichs bedroht sahen, gegen den NORTHEIMER zu verbünden und so seinen Untergang herbeizuführen.
Der klägliche Fall des mächtigen NORTHEIMER rief in ganz Deutschland Aufsehen und Bedauern hervor.
 
 
 
 

 1086
  oo 2. Gertrud von Braunschweig, Tochter des Markgrafen Ekbert I.
           um 1060-9.12.1117

           Gertrud war die Erbin der brunonischen Güter, Regentin von Meißen und Katlenburg.

     1. oo Dietrich II. Graf von Katlenburg
                    -21.1.1085
 
 
 
 

Kinder:

  Otto III.
  1086/88-   1117

  Richenza Erbin von Braunschweig-Northeim
  1086/87-10.6.1141

um 1100
  oo LOTHAR III. Graf von Supplinburg
      1075-4.12.1137

  Gertrud Erbin von Bentheim und Rheineck
  um 1090- vor 1165

  1. oo Siegfried I. Graf von Orlamünde
          um 1075-9.3.1113

  2. oo Otto I. Graf von Rheineck
                 -   1150
 
 
 
 

Literatur:
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Annalen von Hildesheim ad a.1100-1103 - Annalista Saxo: Reichschronik Seite 89,111 - Brüsch, Tania: Die Brunonen, ihre Grafschaften und die sächsische Geschichte. Herrschaftsbildung und Adelsbewußtsein im 11. Jahrhundert. Matthiesen Verlag Husum 2000 Seite 37,40,53,64,78, 85,104, 130,138,144-146,148,218,229,252 - Chronik des Albert von Stade ad a. 1105,113 - Chronik von St. Peter zu Erfurt ad a. 1100-1104 - Die Salier und das Reich, hg. Stefan Weinfurter, Jan Thorbecke Verlag 1991, Band I Seite 301,346/Band II Seite 488/Band III Seite   311,512 - Ekkehardi Chronica: Die Chronik des Ekkehards von Aura Seite 310 - Fenske, Lutz: Adelsopposition und kirchliche Reformbewegung im östlichen Sachsen. Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen 1977, Seite 112,143,148, 155,179 A. 415,343,348 - Giese, Wolfgang: Der Stamm der Sachsen und das Reich in ottonischer und salischer Zeit. Franz Steiner Verlag Wiesbaden 1979, Seite 183 - Jaekel, Hugo: Die Grafen von Mittelfriesland aus dem Geschlechte König Ratbods. Gotha 1895 Seite 130 - Kölner Königschronik a. 1115 - Lange, Karl-Heinz: Die Grafen von Northeim (950-1144). Politische Stellung, Genealogie und Herrschaftsbereich. Beiträge zur Geschichte des sächsischen Adels im Hochmittelalter Dissertation Kiel 1958 Seite 109-118 - Lange, Karl-Heinz: Die Stellung der Grafen von Northeim in der Reichsgeschichte, in: Niedersächsische Jahresschrift für Landesgeschichte 33 - Meyer von Knonau, Gerold: Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Heinrich IV. und Heinrich V. 1. - 7. Band, Verlag von Duncker & Humblot Leipzig 1890 Band II Seite 882 n. 30/Band III Seite 503/Band IV Seite 2,294, 412-413,416/Band V Seite 120-121,184/Band VI Seite 16/Band VII Seite 48 - Partenheimer Lutz: Albrecht der Bär. Gründer der Mark Brandenburg und des Fürstentums Anhalt. Böhlau Verlag Köln Weimar Wien 2001 Seite 28,176,209,214,218,237,249 - Pätzold, Stefan: Die frühen Wettiner. Adelsfamilie und Hausüberlieferung bis 1221, Böhlau Verlag Köln 1997 Seite 27,98 - Posse, Otto: Die Markgrafen von Meissen und das Haus Wettin bis zu Konrad dem Grossen. Giesecke& Devrint Verlag Leipzig 1881 Seite 210,246,247 - Sächsische Weltchronik - Schaab Meinrad: Geschichte der Kurpfalz. Verlag W. Kohlhammer 1988 Seite 221 - Schnith Karl Rudolf: Mittelalterliche Herrscher in Lebensbildern. Von den Karolingern zu den Staufern. Verlag Styria Graz Wien Köln 1990 Seite 252 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 Tafel 171 -