Richenza von Schwaben                Gräfin von Northeim
------------------------------               Herzogin von Bayern
um 1025- März vor 1083               Gräfin von Werl
 

Tochter des Herzogs Otto II. von Schwaben aus dem Hause der EZZONEN und der NN. von Egisheim, Tochter von Graf Hugo IV.; Urenkelin Kaiser OTTOS II.
 

Glocker Winfrid: Seite 339
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"Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der Politik."

VIII. 51) HERMANN
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* v 1020, + v c 1050

  oo 1040
       RICHEZA (heiratet in 2. Ehe Graf Otto von Northeim)
                +

Vgl. Bollnow, Grafen Tafel 2 (nr. 2), und Leidinger, Untersuchungen Seite 117.
Zur Identifikation von Hermanns Gemahlin Richeza mit einer unbekannten Tochter des Pfalzgrafen Otto, einen der beiden Söhne Pfalzgraf Ezzos und dessen Gemahlin Mathilde, durch Kinmpen, Ezzonen Seite 29-40, vgl. Hlawitschka, Untersuchungen Kap IIId bei Anm. 132ff.



Böhlau Verlag Köln Wien 1989 Seite 318,339
Thiele, Andreas: Tafel 24
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1"

RICHZA
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    +

  I. oo HERMANN III., Graf von Werl
                    +

  II. oo OTTO I. VON NORTHEIM, Herzog von Bayern
                     + 1083



Leidinger, Paul: Seite 117
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"Untersuchungen zur Geschichte der Grafen von Werl. Ein Beitrag zur Geschichte des Hochmittelalters."

11. Graf Hermann (III.) von Werl, Sohn Rudolfs

Graf Hermann (III.), der Sohn Rudolfs von Werl (Nr. 5), wird einzig durch die Überlieferung des Annalista Saxo bezeugt, die sich jedoch als gut begündet erweist [1 SS VI 676 a.a. 1026 und 720f a. a. 1082. Vgl. oben unter Rudolf (Nr. 5).]. Danach war Hermann, der noch vor 1020 geboren sein wird und den Leitnamen des WERLER Hauses trägt, etwa seit 1040 mit Richenza aus der Familie der rheinischen Pfalzgrafen vermählt, die ihrem Gemahl als Erbin des Geschlechts reiche Besitzungen im südwestfälischen Raum zubrachte [2 Vgl. E. Kimpen, Ezzonen 29 ff.; Hömberg, Comitate 33 ff und 91 ff.]. Diese blieben jedoch nicht in der WERLER Familie, sondern gingen mit der Wiederverheiratung Richenzas um 1050 mit Otto von Northeim in den Besitz des NORTHEIMER Grafengeschlechts über [3 Vgl. Lange, Die Grafen von Northeim 36ff. und 47ff.]. Vor diesem Zeitpunkt muß Hermann also verstorben sein. Seiner Ehe mit Richenza entstammte doe Tochter Oda (Nr. 13).



Richenza erbte nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters einen beachtlichen Besitz in Westfalen und Sachsen, den sie in ihre 2. Ehe mit Otto von Northeim einbrachte.

Kimpen Dr. Emil: Seite 26-31
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"Ezzonen und Hezeliniden in der rheinischen Pfalzgrafschaft"

Richenza war ein echter Sproß des EZZONEN-Geschlechts, die ihrer Enkelin Gertrud eine Legitimation für die rheinische Pfalzgrafschaft vermittelte. Und derjenige, den sie ihren Vater nannte, war niemand anders als Otto, der Sohn Ezzos, der Pfalzgraf von Lothringen und Herzog von Schwaben.
Bisher galt der Glaube, Richenza habe ihrem Gatten Otto westfälische Güter zugebracht, die sie von ihrem ersten Gatten Hermann von Werl ererbt hätte. Die reichen ARNSBERGER Schenkungen ihrer Tochter erster Ehe, Oda von Werl, ihres Sohnes Kuno aus 2. Ehe und der Gertrud von Braunschweig, der Gattin ihres anderen Sohnes 2. Ehe, Heinrichs des Fetten von Northeim, an das Erzstift Köln mußten zum Beweis dafür herhalten. Dass Richenza reiche westfälische Güter besaß, steht außer Frage. Dass sie diese aber von ihrem ersten Gatten hätte ererben und dann zum Teil an ihre Northeimer Kinder hätte bringen können, wo sie doch eine Tochter erster Ehe besaß und auch genügend werlische Agnaten vorhanden waren, hat nicht die geringste Wahrscheinlichkeit für sich. Die an die NORTHEIMER gekommenen Güter in Westfalen stammten somit überhaupt nicht von Hermann von Werl, sondern von Richenza selber und waren deren elterliches Erbgut.
Die "propinquitas" von Otto von Northeim und Magnus Billung führt uns dazu auf einen anderen Weg als den Schraders und zeigt, welcher Abstammung Richenza war. Denn die Gattin des Herzogs Magnus, Sophie von Ungarn, war durch ihre Mutter Richeza die Enkelin der Polen-Königin Richeza, und die Gattin Ottos von Northeim mit dem bedeutungsvollen Namen Richenza vermittelte die Verwandtschaft, weil sie eben die Tochter Herzog Ottos II. von Schwaben, des Bruders der Polen-Königin Richeza, war. Richenzas Besitz in Sachsen erklärt sich also ohne weiteres als Anteil an dem großen liudolfingischen Erbe von Kaiser OTTOS III. Schwester Mathilde.

Lewald Ursula: Seite 143
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"Die Ezzonen. Das Schicksal eines rheinischen Fürstengeschlechtes"

Nachkommen hat Herzog Otto von Schwaben jedenfalls nicht gehabt, sonst hätte er die Nutznießung seines praedium Brauweiler nicht seiner Schwester Richeza übertragen, um dann später diesen Besitz zu seinem Seelenheil und dem seiner Eltern - andere Familienangehörige werden nicht genannt - dem Hauskloster zu übereignen.

Brüsch, Tania: Seite 145
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"Die Brunonen, ihre Grafschaften und die sächsische Geschichte. Herrschaftsbildung und Adelsbewußtsein im 11. Jahrhundert."

Diese Ereignisse um Heinrich den Fetten und Friesland werden in der Literatur oft in einem Zusammenhang mit der Verwandtschaft zu den BRUNONEN gestellt [64 Vgl. Meyer von Knonau, Jahrbücher V, Seite 120; Hoffmann, Grafschaften Seite 445f.]. Zwar war Heinrich der Fette mit Ekberts II. Schwester Gertrud verheiratet, jedoch spricht mehr dafür, daß die Übertragung der Mark ohne direkte ursächliche Beziehung dazu geschah. Davon abgesehen gab es eine weitere verwandtschaftliche Verbindung Heinrichs nach Friesland: Seine Mutter Richenza war vor ihrer Ehe mit Otto von Northeim mit dem Grafen Hermann von Werl verheiratet gewesen, und eine Schwester hatte den Grafen Konrad von Werl geheiratet [65 Vgl. Paul Leidinger, Untersuchungen zur Geschichte der Grafen von Werl. Ein Beitrag zur Geschichte des Hochmittealters, Paderborn 1965 (Studien und Quellen zur westfälischen Geschichte 5).]. Die WERLER besaßen ebenfalls Grafenrechte in Friesland. Ekkehard von Aura berichtet, daß Heinrich der Fette ums Leben kam, als er sich in die ihm unterstehende friesische Mark begab, um dort einige Angelegeneheiten zu regeln, die mit der marcha zu tun hatten. Der Sohn Ottos von Northeim konnte hier jedoch höchstens besitzrechtliche Ansprüche im Namen seiner Frau geltend machen, kaum aber lehnsrechtliche. Zu dieser Zeit war die Vererbung eines Lehens an eine Frau noch unüblich; außerdem waren seit dem Tod Ekberts fast zehn Jahre vergangen. Die Unruhen unter den Friesen, die sich in zunehmendem Maße gegen die von außen kommende Herrschaft sträubten, forderten einen durchsetzungsfähigen Mann vor Ort. Heinrich war für diese Aufgabe geeignet, weil er, wie Ekkehard betont, als Zweiter nach dem König ganz Sachsen beherrschte. Über welchen Einfluß er erfügte, zeigt ja auch sein erfolgreicher Erpressungsversuch um das Gut Greding sowie ein Brief HEINRICHS V. an seinen Vater mit der Bitte, sich für ihn bei Heinrich dem Fetten zu verwenden, damit dieser ihm sicheres Geleitfür seine Reise nach Saalfeld zusichere.

Glocker Winfrid: Seite 317
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"Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der Politik"

VII. 10. OTTO
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* c 995, + 1047 IX 7

1025 Graf im Deutzgau, 1035 rheinischer Pfalzgraf, 1045 Herzog von Schwaben

Kimpen, Ezzonen passim, bes. S. 32-40, versuchte die Vermählung Pfalzgraf Ottos mit einer Schwester Papst Leos IX. (Bischof Bruno von Toul), also einer Gräfin von Egisheim, wahrscheinlich zu machen. Aus dieser Ehe Ottos soll Richeza, die Gemahlin Ottos von Northeim (in 1. Ehe mit Graf Hermann II. von Werl [VIII, 51]) vermählt, die wegen der Komplexität der mit ihrer Person verbundenen genealogischen Probleme in der Forschung berühmt-berüchtigte Ida von Elsdorf sowie Hildegard, die Gemahlin Friedrichs von Büren, hervorgegangen sein.
Kimpen hat diese seine Sicht in späteren Arbeiten (Letzter Ezzone, Zur Herkunft) stillschweigend wieder aufgegeben, während Hucke, Grafen S. 58-71, Kimpens frühere Sicht gegen Kimpen selbst verteidigt hat. Ida von Elsdorf war wohl, wie Hlawitschka, Untersuchungen Kap. IIId, gezeigt hat, eine Tochter Graf Liudolfs von Braunschweig (vgl. VIII, 1) und somit eine Enkelin der Kaiserin Gisela und derem ersten Gemahl, Graf Bruno von Braunschweig.
Mehr Akzeptanz fand Kimpens These, die Gemahlin Ottos von Northeim, Richeza, sei eine Tochter des Ezzo-Sohnes Otto, u.a. bei Lange, Grafen S. 10 ff., Leidinger, Untersuchungen S. 117, und Jakobs, Adel S. 191, Anm. 13. Doch wie Lewald, Ezzonen S. 143, gezeigt hat, und auch aus einer verunechteten Urkunde Bischof Embrichos von Würzburg des Jahres 1131 (Druck: Monumenta Boica Bd. 37, Nr. 38) hervorgeht, starb der EZZONE offenbar unverheiratet und kinderlos.



  ca 1040
  1. oo Hermann III. Graf von Werl
           vor 1020- vor ca 1050

   um 1050
  2. oo Otto Graf von Northeim
           um 1020-11.1.1083
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Oda von Werl
  950-13.1.1111

  oo Lothar Udo II. Graf von Stade
             -4.3./4.5.1082

2. Ehe

  Heinrich der Fette Markgraf von Friesland
        -   1101

  Kuno Graf von Beichlingen
          -   1103

  Siegfried III. Graf von Boyneburg
        -   1107

  Otto II. Graf von Northeim
        -

  Ida
       -

  oo Thiemo I. Graf von Wettin
              -9.3.1091 oder 1100

   Ethelinde
       -

  1. oo Welf IV. Herzog von Bayern
        1030/40-9.11.1101
 

  2. oo Hermann I. Graf von Kalvelange
                 -   1082

   Mathilde
         -

  oo Konrad II. Graf von Werl-Arnsberg
              -   1092
 
 
 
 

Literatur:
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Annalista Saxo: Reichschronik Seite 88-90 - Black-Veldtrup, Mechthild: Kaiserin Agnes (1043-1077) Quellenkritische Studien, Böhlau Verlag Köln 1995, Seite 239 - Brüsch, Tania: Die Brunonen, ihre Grafschaften und die sächsische Geschichte. Herrschaftsbildung und Adelsbewußtsein im 11. Jahrhundert. Matthiesen Verlag Husum 2000 Seite 145 - Glocker Winfrid: Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der Politik. Böhlau Verlag Köln Wien 1989 Seite 318,339 - Kimpen, Emil: Ezzonen und Hezeliniden in der rheinischen Pfalzgrafschaft, in: Mitteilungen des Instituts für österreichische Geschichtsforschung, XII. Ergänzungsband, Innsbruck 1933 Seite 26-31 - Lange, Karl-Heinz: Die Grafen von Northeim (950-1144). Politische Stellung, Genealogie und Herrschaftsbereich. Beiträge zur Geschichte des sächsischen Adels im Hochmittelalter Dissertation Kiel 1958 Seite 35-47 - Leidinger, Paul: Untersuchungen zur Geschichte der Grafen von Werl. Ein Beitrag zur Geschichte des Hochmittelalters. Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens Abteilung Paderborn 1965 Seite 117 - Lewald Ursula: Die Ezzonen. Das Schicksal eines rheinischen Fürstengeschlechtes. In: Rheinische Vierteljahresblätter 43,1979, Seite 143 - Meyer von Knonau, Gerold: Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Heinrich IV. und Heinrich V. 1. - 7. Band, Verlag von Duncker & Humblot Leipzig 1890 Band I Seite 211/Band II Seite 20/Band III Seite 503 n. 48 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 Tafel 24,170 -