HERMANN I.                              Graf von Salm
------------------                             Deutscher König (1081-1088)
um 1040-28.9.1088
              Burg Kochem

Begraben: Metz
 

Jüngerer Sohn des Grafen Giselbert von Luxemburg
 

Lexikon des Mittelalters: Band IV Seite 2159
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HERMANN VON SALM, deutscher Gegen-König seit 1081
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     + 28. September 1088

Begraben: Metz

Aus dem angesehenen und begüterten Hause LUXEMBURG.
Vater: Giselbert, Graf von Salm, seit 1047 Graf von Luxemburg.

HERMANN wurde am 6. August 1081 in Ochsenfurt von wenigen schwäbischen und sächsischen Fürsten unter Führung des von HEINRICH IV. abgesetzten Herzogs Welf IV. von Bayern zum Nachfolger des im Vorjahr gefallenen Gegen-Königs RUDOLF VON RHEINFELDEN erhoben. Nach einer förmlichen Nachwahl für die Sachsen in Eisleben wurde er am 26. Dezember 1081 von Erzbischof Siegfried von Mainz auf sächsischem Boden in Goslar gekrönt. Von Anfang an blieb das Gegen-Königtum HERMANNS, der vorwiegend in Goslar residierte, auf O-Sachsen beschränkt. Militärische Erfolge bei Höchstädt (11. August 1081) und auf den Pleichfeld nordöstlich Würzburg (11. August 1086) über Anhänger HEINRICHS IV. bewirkten keine Veränderung des politischen Kräfteverhältnisses. Ein im Herbst 1082 zur Unterstützung Gregors VII. geplanter Italienzug wurde auf die Nachricht vom Tode Ottos von Northeim abgebrochen. Eine Bischofssynode unter Leitung des päpstlichen Legaten Otto von Ostia bestätigte Ostern 1085 in Quedlinburg zwar den Bann über HEINRICH IV. und den vom ihm erhobenen Papst Clemens III.; doch als der Kaiser Mitte des Jahres selbst nach Sachsen kam, war der Abfall im Lager des Gegen-Königs nicht mehr aufzuhalten, so dass HERMANN zeitweise bei den Dänen Zuflucht suchen musste. Als HERMANN nach dem Tode Bischof Burchards von Halberstadt und dem Parteiwechsel Erzbischof Hartwigs von Magdeburg jeden Rückhalt in Sachsen verloren hatte, zog er sich 1088 - möglicherweise unter Verzicht auf die königliche Würde - nach Lotharingien zurück. Mit dem Tode HERMANNS VON SALM noch im selben Jahr war das Gegen-Königtum in Deutschland erloschen.



Brandenburg Erich: Tafel Seite 7
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"Die Nachkommen Karls des Großen"

X. 36. HERMANN I., Graf von Salm ca. 1058, Gegen-König 1080
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* ..., + 1088 28. IX.

Gemahlin:
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  oo Sophie (Tochter eines Grafen von Formbach?)

Anmerkungen: Seite 134
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X. 36. Hermann I. siehe Meyer von Knonau 3, 417f. Daß seine Gemahlin aus dem Hause der Grafen von Formbach gewesen sei, wird mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit daraus gefolgert, daß ihr Todestag in dem Familienkloster dieser Grafen aufgezeichnet wurde.



Thiele, Andreas: Tafel 67
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1"

HERMANN I.
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    + 1088 gefallen

Graf von Salm

HERMANN stand als einziges Sippenmitglied im antikaiserlichen Lager und wurde im Sommer 1081 von Sachsen und Schwaben zum König gewählt. Im August 1081 errang er bei Höchstädt einen Sieg über seinen Hauptgegner Friedrich von Schwaben. Durch den Tod Ottos von Northeim im Jahre 1083 musste HERMANN auf den geplanten Italienzug verzichten und verlor seitdem immer mehr an Boden. Anfangs hielt er sich noch in Sachsen, musste aber anschließend in seine lothringische Heimat zurückkehren. Seit 1085 sank HERMANNS Stellung immer mehr zu einem Schattenkönigtum herab. Das mächtige Geschlecht der LUXEMBURGER gewährte ihm nicht nur keine Unterstützung, sondern stand eindeutig auf der Seite HEINRICHS IV. HERMANN wurde von einem Stein zu Tode getroffen und starb auf seiner Burg Kochem an der Mosel.

Fenske Lutz: Seite 63,111-116
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"Adelsopposition und kirchliche Reformbewegung im östlichen Sachsen."

Die Anerkennung des LUXEMBURGERS HERMANN als König vollzog Otto von Northeim erst nach längerem Zögern, unterstützte ihn dann aber tatkräftig und übernahm beim Aufbruch HERMANNS nach Schwaben in der 2. Jahreshälfte 1082 dessen Stellvertretung in Sachsen. Gemeinsam mit Hartwig von Magdeburg ermöglichte Burchard von Halberstadt dem Schattenkönigtum des LUXEMBURGERS HERMANN eine Existenzgrundlage in O-Sachsen.
Im Sommer 1085 unternahm der Kaiser einen Vorstoß nach Sachsen. Ohne größere Kampfhandlungen drang er bis Magdeburg vor, während die zusammengeschmolzene Gruppe seiner ostsächsischen Widersacher, - Hartwig von Magdeburg, Burchard von Halberstadt, Werner von Merseburg und mit ihnen König HERMANN - flüchteten.
Neben Markgraf Ekbert II. und zwei Söhnen Ottos von Northeim, den Grafen Heinrich der Fette, Kuno von Beichlingen oder Siegfried von Boyneburg blieb der gleichfalls im Lager der Königsgegner bei Hersfeld anwesende Gegen-König HERMANN so einflusslos, dass ihn die Fürsten nicht einmal wie einen der Ihren behandelten und ihn auch nicht an ihren Beratungen beteiligt haben sollen. Das Königtum HERMANNS befand sich in einer so weitgehenden Abhängigkeit von den Exponenten der antikaiserlichen Partei, dass von einer eigenständigen Herrschaftsausübung kaum gesprochen werden kann. Auch dürfte das Ansehen HERMANNS schweren Schaden genommen haben, als er sich auf der Synode von Quedlinburg eine Zurechtweisung durch den päpstlichen Legaten Odo gefallen lassen musste, der die kanonische Rechtmäßigkeit der Ehe des Königs in Zweifel zog und ein Untersuchungsverfahren in Gcng zu setzen suchte. König HERMANN hatte sogar öffentlich bekundet, sich in dieser Sache dem Urteil der Synode fügen zu wollen. Die resignierende Feststellung, mit welchem der Autor den König ein Bittgesuch Hersfelder Mönche beantworten lässt, er könne weder für sich selber noch für sie etwas tun, symbolisiert, gleichgültig, ob diese Worte gesprochen wurden oder nicht, die Ohnmacht des Gegenkönigs. Der Bedeutungslosigkeit HERMANNS im Rat der weltlichen Fürsten entspricht außerdem seine völlige Abhängigkeit von den führenden Vertretern des oppositionellen Episkopats in Sachsen. Hartwig von Magdeburg und Burchard von Halberstadt ermöglichten ihm die Aufrechterhaltung einer Herrschaft von sehr begrenzten Geltungsanspruch in Ostsachsen. Dabei aber war HERMANN dem Einfluss der beiden geistlichen Fürsten in einer Weise ausgesetzt, dass von einem politischen Eigengewicht des Gegenkönigs höchstens sehr bedingt die Rede sein kann. Nicht von diesem Herrscher und den ihm nahestehenden Personen seiner engsten Umgebung wurde der königliche Hof repräsentiert, sondern von den beiden Bischöfen, wie der Verfasser der kaiserlichen Streitschrift feststellt.
Zwar scheint sich König HERMANN bis in die 1. Hälfte des Jahres 1088 in Sachsen aufgehalten zu haben, jedoch ist es wegen der allgemeinen Voraussetzungen nicht unwahrscheinlich, dass im Kreise der aktiven Gegner des Kaisers die Frage nach einem neu zu begründenden und auf eine stärkere Grundlage zu stellenden Gegenkönigtum unumgänglich geworden sein mag.
Man kann aus Nachrichten, die sowohl der kaiserfreundlichen wie auch der kaiserfeindlichen Überlieferung entstammen, schließen, dass die Stellung König HERMANNS auch in den eigenen Reihen mehr und mehr unhaltbar geworden war. Während die Annales Augustani zu 1087 berichten, König HERMANN sei vertrieben worden und an seiner Stelle habe Ekbert die Königsherrschaft ausüben sollen, überliefert die Chronik Bernolds zum gleichen Jahr, dass Ekbert seinen Herrn, König HERMANN, der Herrschaft berauben wollte, jedoch mit diesem Vorhaben auf die Missbilligung der Reichsfürsten stieß, die sich nun um so entschiedener auf die Seite HERMANNS gestellt hätten.
 
 
 
 

  oo Sophia von Formbach, Tochter des Grafen Meginhard V.
       um 1050/55- nach 1088
 
 
 
 

Kinder:

  Otto von Rheineck Pfalzgraf bei Rhein
         -   1150

  Hermann II. Graf von Salm
          -   1135
 
 
 
 

Literatur:
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Annalen von Pöhlde - Boshof, Egon: Die Salier. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln 1987, Seite 246,251 - Brandenburg Erich: Die Nachkommen Karls des Großen Verlag Degener & Co Neustadt an der Aisch 1998 Tafel 3 Seite 7 - Brüsch, Tania: Die Brunonen, ihre Grafschaften und die sächsische Geschichte. Herrschaftsbildung und Adelsbewußtsein im 11. Jahrhundert. Matthiesen Verlag Husum 2000 Seite 76-80,83,85,251,275 - Die Salier und das Reich, hg. Stefan Weinfurter, Jan Thorbecke Verlag 1991, Band I Seite 298-300,302,490-496,499/Band II Seite 139,178,260,337,370, 374,391,450/Band III Seite 306,513 - Fenske, Lutz: Adelsopposition und kirchliche Reformbewegung im östlichen Sachsen. Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen 1977, Seite 63,99,108,111-116,199,224, 335 - Giese, Wolfgang: Der Stamm der Sachsen und das Reich in ottonischer und salischer Zeit. Franz Steiner Verlag Wiesbaden 1979, Seite 50,57,60,172,177-181,220 - Giesebrecht Wilhelm von: Geschichte der deutschen Kaiserzeit. Band 1- Band 6, Mundus Verlag 2000 - Heinzelmann, Josef: Der Name Sophia als genealogisches Indiz und Problem, II. Teil: Sophia von Salm und von Spanheim, sowie die Vererbung des rheinischen Pfalzgrafenamts, in: Archiv für Familiengeschichtsforschung, 6, Seite 285-305 - Helmhold von Bosau: Slavenchronik - Hlawitschka Eduard: Die 'Verwandtenehe' des Gegenkönigs Hermann von Salm und seiner Frau Sophie. Ein Beitrag zu den Familienbeziehungen der rheinischen Ezzonen/Hezeliniden und des Grafenhauses von Formbach/Vornbach. Festschrift für Andreas Kraus zum 80. Geburtstag. In: Schriftenreihe zur bayerischen Landesgeschichte, Band 140, Verlag C.H. Beck München 2002 - Jaeckel, Gerhard: Die deutschen Kaiser. Die Lebensgeschichten sämtlicher Monarchen von Karl dem Großen bis Wilhelm II., Weltbild Verlag Augsburg, Seite 70 - Lampert von Hersfeld: Annales/Annalen Wissenschaftliche Buchgemeinschaft Darmstadt 2000 - Lechner Karl: Die Babenberger. Markgrafen und Herzoge von Österreich 976-1246, Böhlau Verlag Wien-Köln-Weimar 1992, Seite 112,337 A 17;338 A 23 - Meyer von Knonau, Gerold: Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Heinrich IV. und Heinrich V. 1. - 7. Band, Verlag von Duncker & Humblot Leipzig 1890 - Pleticha, Heinrich: Deutsche Geschichte in 12 Bänden. Verlagsgruppe Bertelsmann GmbH/Lexikothek Verlag GmbH, Gütersloh 1982 - Renn, Heinz: Das erste Luxemburger Grafenhaus (963-1136) (Rheinisches Archiv 39), Bonn 1941 - Schnith Karl Rudolf: Mittelalterliche Herrscher in Lebensbildern. Von den Karolingern zu den Staufern. Verlag Styria Graz Wien Köln 1990 Seite 221 - Schulze Hans K.: Das Reich und die Deutschen. Hegemoniales Kaisertum. Ottonen und Salier. Siedler Verlag, Seite 439,441,445 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 Tafel 67 - Twellenkamp, Markus: Das Haus der Luxemburger, in Die Salier und das Reich, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1992 Band 1 Seite 492-496 -