NORTHEIM, Grafen von
 

Lexikon des Mittelalters: Band VI Spalte 1253
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Northeim
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Stadt, Grafen von

Als fränkische Gründung des ausgehenden 8. Jh., im Mündungsgebiet der Rhume in die Leine und im Rittigau gelegen, ist Northeim namengebender Ort und Stammsitz eines der bedeutendsten Grafengeschlechter des 10. und 11. Jh. im norddeutschen Raum. Sind die Ursprünge der Familie seit dem frühen 19. Jh. Anlaß einer Reihe von zum Teil unhaltbaren Thesen gewesen, so hat R. Wenskus Verbindungen zu den GERONEN und vor allem den IMMEDINGERN schlüssig aufgezeigt. Der 982 (MGH D O. II., 274) mit Komitatsrechten in Medenheim und Northeim erwähnte Graf Siegfried I. (+ 1004) gewinnt 1002 zusammen mit seiner zweiten Gemahlin Ethelinde, den Söhnen Siegfried und Bernhard (= Benno) sowie der "curtia" Northeim. Kontur durch den Bericht Thietmars von Merseburg vom Mordanschlag auf Ekkehard von Meißen (MGH SRG V, 5). Da Siegfried II. unmittelbar an der Tat beteiligt war, gingen die Grafenrechte auf Benno über. Hatte sich bis zum Tod Bennos (1047/49) der Einflußbereich der Familie bis in das Hessische ausgedehnt, so sollte das Northeimer Grafengeschlecht mit Otto, dem einzigen Sohn Bennos aus seiner Verbindung mit Eilika, den Höhepunkt seiner Bedeutung erlangen. Den Söhnen Ottos, Heinrich der Fette (+ 1101), Siegfried III. von Boyneburg (+ 1107) und Kuno von Beichlingen (+ 1103), gelang es zunächst, das väterliche Erbe zu bewahren. Dem Machtverfall des Hauses konnte Siegfried IV. (+ 27. April 1144), der Sohn Siegfrieds III., noch einmal annähernd begegnen. Mit seinem Tod erlosch das Northeimer Grafenhaus im Mannesstamm. Über die Tochter Heinrich des Fetten, Richenza (oo Kaiser LOTHAR III.), und deren Tochter Gertrud (oo Heinrich der Stolze) gelangten große Teile des Northeimer Erbes an Heinrich den Löwen, seit 1152 über Graf Hermann von Winzenburg auch die Hinterlassenschaft Siegfrieds IV. Sichtbare Spuren der Grafen in Northeim sind die Restgebäude des Benediktinerklosters St. Blasien (gegründet nach 1100). Die im Schutze des Klosters sich entwickelnde Marktsiedlung wurde Keimzelle der bis Mitte des 13. Jh. ausgebildeten Stadt.

Literatur:
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K.-H. Lange, Der Herrschaftsbereich der Gf.en v. N. 950-1144 (Stud. und Vorarbeiten zum Hist. Atlas von Niedersachsen 24, 1969) - R. Wenskus, Sächs. Stammesadel und frk. Reichsadel (AAG. Phil. hist. Kl. III, 93, 1976).


Nach R. Wenskus waren die Grafen von Northeim IMMEDINGER im Mannesstamm.

Kurowsk Franzi: Seite 272
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"Schwertgenossen Sahsnotas"

Die Familie der Grafen von Northeimhatte ihren Hauptbesitz im Gebiet zwischen der oberen Leine, an der Werra, wo ihre Festung, die Boyneburg, lag, an der Weser und an deren linken Nebenflüssen, der Diemel und Nethe. Außerdem verfügte sie über weiteren großen Besitz am linken Ufer der Unterelbe. Sie besaßen die Hausklöster Northeim, Bursfelde, Amelunxborn und Oldisleben. Die Vogteirechte über sie Reichsstifte Corvey, Gandersheim und Helmarshausen gehörten ihnen ebenfalls. Damit waren sie neben den BILLUNGERN das einflußreichste Geschlecht in Sachsen. Dieses Geschlecht wurde im Jahre 950 mit dem Grafen Otto das erster Mal geschichtlich belegt. Northeim an der Leine im südlichen Niedersachsen war sein Stammsitz.

Lange Karl-Heinz: Seite 2
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"Die Stellung der Grafen von Northeim in der Reichsgeschichte des 11. und frühen 12. Jahrhunderts"

Über den Ursprung der Grafen von Northeim gibt es eine Reihe von Thesen, von denen keine als annähernd zutreffend bezeichnet werden kann. Das gilt in erster Linie von denen älterer Genealogen, die keiner näheren Erwähnung bedürfen. Auch die Behauptung Uslar-Gleichen, dass die Northeimer Abkömmlinge der Grafen von Stade seien, trifft nicht zu. Alles, was wir mit einer gewissen Sicherheit aussagen können, ist, dass Northeim an der Rhume und der das Mündungsgebiet der Rhume umfassende Rittigau die Kernzelle der northeimischen Herrschaftsbildung gewesen sind. Dabei ist es von zweitrangiger Bedeutung, ob ein Graf Otto, der um 950 in einem nicht genau bestimmbaren Ort Northeim Grafenrechte wahrnahm, zu den unbekannten Vorfahren des Geschlechts zählt.

Brandenburg Erich: Seite 94
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"Die Nachkommen Karls des Großen"

VIII. ... Siegfried, * 965, 983 und 985 als Sohn des Grafen Siegfried von Luxemburg genannt; er ist identisch mit Siegfried Graf von Northeim, 1002, + 1004 15. VIII.