Ekbert II.                                        Graf von Braunschweig (1068-1090)
------------                                        Markgraf von Meißen (1068-1090)
um 1059/61-3.7.1090 erschlagen
                     im Selketal/Harz
 

Begraben: Braunschweig, St. Cyriakus (von ihm gestiftet)
 

Einziger Sohn des Grafen Ekbert I. von Braunschweig aus dem Hause der BRUNONEN und der Irmingard von Turin, Tochter von Markgraf Manfred II. Odelrich
Urenkel der Kaiserin Gisela und Vetter von König HEINRICH IV.
 

Lexikon des Mittelalters: Band III Spalte 1762
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Ekbert II. (von Braunschweig), Markgraf von Meißen
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     + 3. Juli 1090

Graf aus der Familie der BRUNONEN

Sohn von Ekbert I.

Begraben: Braunschweig, St. Cyriakus (von ihm gestiftet)

  oo Oda, Tochter Markgraf Ottos von Meißen-Orlamünde

Ekbert II. übernahm 1068 als unmündiger Knabe das Erbe seines Vaters. Ob Ekbert II. bereits seit 1073 in den sächsischen Aufstand gegen König HEINRICH IV. verwickelt war, lassen die Quellen nicht zweifelsfrei erkennen. Als Folge eindeutiger Gegnerschaft Ekberts II. verlieh der König 1076 die Mark Meißen an Herzog Vratislav von Böhmen, der sie aber nicht auf Dauer gegen Ekbert II. halten konnte. 1077 wurde Ekbert II. verurteilt und seine friesische Grafschaft dem Bistum Utrecht zugesprochen. Ursprünglich ein Anhänger RUDOLFS VON SCHWABEN ließ Ekbert II. wie andere sächsische Fürsten auch den Gegen-König 1080 im entscheidenden Moment im Stich, ohne damit wirklich die Seite zu wechseln. Nach dem Tode Ottos von Northeim (1083) entwickelte sich Ekbert II. zum bedeutendsten, wenn auch nicht konsequentesten Gegner HEINRICHS IV. unter den weltlichen Fürsten Sachsens. 1085 kam es nach kurzer Versöhnung wieder zum Bruch. Zeitgenössische Quellen unterstellen nun Ekbert II. einen Königsplan, der unmittelbar nach Ekberts II. neuem Frieden mit dem Kaiser 1087 von den Bischöfen Hartwig von Magdeburg und Burchard von Halberstadt erfolgreich aufgegriffen worden sein soll, um Ekbert II. doch wieder auf ihre Seite zu ziehen. Wohl wegen nicht eingehaltener Zusagen wandte sich Ekbert II. aber bald gegen seine bisherigen Verbündeten, der Wechsel Erzbischofs Hartwig zum Kaiser isolierte ihn völlig. 1088 in Quedlinburg durch ein Fürstengericht geächtet und der Mark Meißen und der friesischen Grafschaften für verlustig erklärt, fiel Ekbert II. 1090 auf der Flucht. Die Reste seines Erbes kamen über Ekberts Schwester Gertrud (+ 1117) durch Heirat an Heinrich den Fetten und dann an LOTHAR III., Gemahl von deren Tochter Richenza.

Literatur:
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R. Schölkopf, Die Sächsischen Grafen (919-1024) (Studien und Vorarbeiten zum Historischen Atlas Niedersachsens 22), 1957 - H.W. Vogt, Das Hzm. Lothars v. Süpplingenburg 1106-1125 (Q. und Darst. zur Gesch. Niedersachsens 57), 1959 - W. Heinemann, Das Bm. Hildesheim im Kräftespiel der Reichs- und Territorialpolitik vonehml. des 12. Jh., 1968 - L. Fenske, Adelsopposition und kirchl. Reformbewegung im östl. Sachsen (Veröff. des Max-Planck-Inst. für Gesch. 47), 1977 - W. Giese, Der Stamm der Sachsen und das Reich in otton. Zeit, 1979.


Brandenburg Erich: Tafel 10 Seite 20
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"Die Nachkommen Karls des Großen"

XII. 53. EKBERT II., Markgraf von Meißen
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* ca. 1060 + 1090

Gemahlin:
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vor 1080
Oda, Tochter des Grafen Otto von Weimar-Orlamünde (siehe XI. 146.)
      + 1111

Anmerkungen: Seite 141
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XII. 53. Ekbert II.

Posse. Cod. Dipl. Sax. I, 86 ff.



Thiele, Andreas: Tafel 181
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I"

EKBERT II.
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* um 1061, + 1090 ermordet

Ekbert II. folgte 1068 unter der Regentschaft seiner Mutter und des Markgrafen Dedi II. von Wettin-Lausitz. Er mußte die Mark Zeitz an die Nordmark abtreten, war auch Graf in Friesland und Edelvogt von Gandersheim. Er war bis 1075 Stütze des kaiserlichen Vetters HEINRICH IV. und dann zusammen mit Herzog Otto von Northeim die Seele des sächsischen Widerstandes. Er wurde 1075 erstmals in Meißen für abgesetzt erklärt, das Böhmen zugesprochen wurde, behauptete sich aber und unterstützte seit 1077 die Gegen-Könige RUDOLF VON RHEINFELDEN und HERMANN VON SALM. Er unterwarf sich immer wieder kurzfristig, um immer wieder vom Kaiser abzufallen. Er betrieb eine Verschwörung gegen HEINRICH IV. und wurde 1086 zu Wechmar in Thüringen geächtet. Er unterwarf sich dem König, fiel erneut von ihm ab, als ihm der Erzbischof von Magdeburg und der Bischof Burchard von Halberstadt als nahen Verwandten des Kaisers die Krone in Aussicht stellten. Er ermordete 1088 den Bischof Burchard von Halberstadt, was seinen Untergang besiegelte. Seine eigenen Parteigenossen ließen ihn im Stich und Ekbert wurde 1088 durch ein Fürstengericht zu Quedlinburg seiner markgräflichen Würde für verlustig erklärt und in die Acht getan. Noch gab er aber den Widerstand nicht auf. Aber um seiner Herrschsucht willen mit allen verfeindet, zog er unstet in den Harzlanden umher. In einer Mühle an der Selke wurde er nach hartem Kampf von Dienstleuten seines Schwagers Heinrich I. von Wettin-Meißen erschlagen; ein Mann, der um seines Mutes und seiner Waffentüchtigkeit willen geschätzt und gefürchtet wurde, politisch einflußreich war, aber in brodelnder Zeit wankelmütig keinen Halt fand und darum scheiterte. Seine Ermordung bedeutete das Ende jeden sächsischen Widerstandes.
Mit Ekbert erlosch das Haus der BRUNONEN im Mannesstamm.

  oo ODA VON ORLAMÜNDE
                + 1111

Tochter und Miterbin des Markgrafen Otto I. von Meißen



Hlawitschka Eduard:
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"Untersuchungen zu den Thronwechseln der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts und zur Adelsgeschichte Süddeutschlands. Zugleich klärende Forschungen um „Kuno von Öhningen“

c) Graf Ekbert II. (von Braunschweig und Meißen) als Nachkomme „Kunos“
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Der Echebertus comes de Saxconia, den wir als nächsten aus der Gruppe der Schluchssegebietsschenker betrachten wollen, läßt sich bei der Sichtung der möglichen Zusämmenhänge leicht als ein Nachfahre aus der 1. Ehe von Herzog Hermanns II. Tochter Gisela, der - als Kaiserin - wohl bekanntesten Enkelin Herzog Konrads von Schwaben, erklären. Und zwar handelt es sich um den Grafen Ekbert II. von Meißen (+ 1090) aus dem BRAUNSCHWEIGER Grafenhaus, der seit 1073 wiederholt in harter Gegnerschaft zu HEINRICH IV., seinem Blutsverwandten, stand und sich ihm nur zeitweise unterwarf. Mehrmals hat HEINRICH IV. ihm seine Insurrektionen und Aufstandsbeteiligungen verziehen. Erfolglos in seinem Bemühen, Gegen-König zu werden, und schon zum zweiten Mal geächtet, wurde er 1090 während seines unsteten Umherschweifens im Selketal im Harz erschlagen. Für ihn läßt sich durch die Nachrichten über seine und seiner Vorfahren Verwandtschaftsbeziehungen zum salischen Kaiserhaus, das ja über die Kaiserin Gisela mit Herzog Hermann II. und dessen Vater Herzog Konrad von Schwaben herkunftsmäßig verbunden ist, sein Mitanspruch am Schluchseegut nachweisen.
Dieser Ekbert II. wird zum Beispiel in mehreren Urkunden desSALIERS HEINRICH IV. als des Kaisers consanguineus genannt; und ebenso wird er dort als Sohn Markgraf Ekberts I. überliefert, wobei Ekbert I. wiederum als secundum carnis iure propinquusHEINRICHS IV. bezeichnet ist. Von HEINRICH IV. ist jener Ekbert I. dazu als Sohn des Grafen Liutolf und als Enkel des Grafen Brun bezeichnet worden, wobei Liutolf wiederum als patruus HEINRICHS IV. hervorgehoben worden ist. Und da es sich bei dem Diplom, dem wir den letztgenannten Sachverhalt entnehmen können, um eine Bestätigung eines DiplomsKaiser HEINRICHS III. handelt, nimmt es nicht Wunder, dass in diesem - statt der patruus-Bezeichnung - die Kennzeichnung Liutolfs als noster frater zu finden. Da HEINRICHS III. Vater Kaiser KONRAD II., der mit dem Herzog Hermanns II. von Schwaben Tochter Gisela verheiratet war, auch noch von Liutolf als seinem privignus (= Stiefsohn) sprechen ließ und der Hildesheimer Annalist den gleichen Tatbestand überliefert, ist es - da ja in den genannten Urkunden Graf Brun als Liutolds Vater erscheint - eindeutig, dass Liutolf ein Sohn der Kaiserin Gisela aus ihrer 1. Ehe mit dem Grafen Brun von Braunschweig war, von welcher auch einige Geschichtsschreiber, wie etwa der Annalista Saxo, berichtet haben. Zudem ist uns durch das Weißenburger Nekrolog dieser Sachverhalt um die Herkunft Liutolfs von Braunschweig eindeutig bestätigt: zum 15. April - statt wie sonst zum 23. April - ist dort vermerkt: Liutolfusfilius Gisele imperatricis. Ekbert erscheint also innerhalb der Schluchseer Schenkergemeinschaft eindeutig als ein Nachkomme Giselas und ihres Vaters Hermann II., des Sohnes Kunos/Konrads von Schwaben. Die Ahnen des Grafen Brun brauchen wir angesichts dieser Sachlage nicht weiter zurückzuverfolgen.
 
 
 
 

  oo Oda von Weimar, Tochter des Grafen Otto I.
   x  um 1065-   1111
 
 
 
 

Literatur:
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Annalista Saxo: Reichschronik Seite 73,95-98,111 - Bertholds Fortsetzung der Chronik Hermanns von Reichenau. Leipzig Verlag der Dyk'schen Buchhandlung Seite 166 - Boshof, Egon: Die Salier. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln 1987, Seite 206,252 - Bruno: Das Buch vom Sächsischen Krieg. Phaidon Verlag, Essen und Stuttgart 1986 Seite 56,117 - Brüsch, Tania: Die Brunonen, ihre Grafschaften und die sächsische Geschichte. Herrschaftsbildung und Adelsbewußtsein im 11. Jahrhundert. Matthiesen Verlag Husum 2000 Seite 10,17,19,21,24,43,34,37-40,49,53,58,62-87,91, 96-98,100-102,108,115,118,122-124,126,130-132,137-149,154,178, 212-234,237-245,248-251, 254-257,272-277 - Die Salier und das Reich, hg. Stefan Weinfurter, Jan Thorbecke Verlag 1991, Band I Seite 179,290,300/Band II Seite 452/Band III Seite 305,310,313,319,322 - Fenske, Lutz: Adelsopposition und kirchliche Reformbewegung im östlichen Sachsen. Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen 1977, Seite 41,66,68,74,78,79,111,113-117,137,140,143 A. 251,147,149 A.288,156,201, 230,258,266,329,335,338 - Giese, Wolfgang: Der Stamm der Sachsen und das Reich in ottonischer und salischer Zeit. Franz Steiner Verlag Wiesbaden 1979, Seite 163,179-183 -  Hlawitschka Eduard: Untersuchungen zu den Thronwechseln der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts und zur Adelsgeschichte Süddeutschlands. Zugleich klärende Forschungen um „Kuno von Öhningen“, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1987, Seite 112,114,126-128,131,142,146,169,173,175, - Lampert von Hersfeld: Annales/Annalen Wissenschaftliche Buchgemeinschaft Darmstadt 2000 Seite 112,180,376 - Lechner Karl: Die Babenberger. Markgrafen und Herzoge von Österreich 976-1246, Böhlau Verlag Wien-Köln-Weimar 1992, Seite 87,111 - Lüpke, Siegfried: Die Markgrafen der Sächsischen Ostmarken in der Zeit von Gero bis zum Beginn des Investiturstreites (940-1075), Dissertation Halle 1937 - Meyer von Knonau, Gerold: Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Heinrich IV. und Heinrich V. , Verlag von Duncker & Humblot Leipzig 1890 Band I Seite 40 n. 32,565,584,598,630 n. 53/Band II Seite 87,251 n. 103,335,400,414 n. 151,522,523,719,745,882/Band III Seite 68-69,189, 205,212 n. 64,236,241,242,278 n. 84,335,350,424 n. 134,463,503 n. 48,504/Band IV Seite 2,8,50 n. 92,53 n. 97,54,113-114,115,124,126,133,164,170-173,206,208,209,210,213,217-219,222-224,226, 240,246-247,258,291-294,321 n. 105,322-323,324,335,372,412 n.36,414,438,439,543/Band V Seite 68,120,184,327 - Pätzold Stefan: Die frühen Wettiner. Adelsfamilie und Hausüberlieferung bis 1221, Böhlau Verlag Köln Weimar Wien 1997, Seite 24,26,98,245 - Posse, Otto: Die Markgrafen von Meissen und das Haus Wettin bis zu Konrad dem Grossen. Giesecke& Devrint Verlag Leipzig 1881 Seite 135,160,168,170,174,178,180,182-190,192-201.203,204,206-210,236,241,243-246,249,253,302, 303 - Rockrohr, Paul: Ekbert II. Markgraf von Meißen, NASG. 7, 1886 - Schölkopf, Ruth: Die sächsischen Grafen 919-1024, Göttingen 1957 Studien und Vorarbeiten zum Historischen Atlas Niedersachsens - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 Tafel 181 - Wies, Ernst W.: Kaiser Heinrich IV. Canossa und der Kampf um die Weltherrschaft, Bechtle Esslingen 1996, Seite 70, 95,99,174,203 -