Siegfried I.                                    Graf von Ballenstedt
--------------                                   Pfalzgraf bei Rhein (1099-1113)
um 1075-9.3.1113
 

Begraben: Herren-Breitungen
 

Jüngerer Sohn des Grafen Adalbert II. von Ballenstedt und der Adelheid von Weimar-Orlamünde, Tochter von Markgraf Otto I. von Meißen
 

Brandenburg Erich: Tafel 26 Seite 52
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XII. 233 a. SIEGFRIED, Graf von Orlamünde, Pfalzgraf von Lothringen 1095
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           * ca. 1075, + 1113 9. III.

Gemahlin: vor 1111 Gertrud, Tochter des Grafen Heinrich von Northeim (siehe XIII 110)
                                   + nach 1154

                   II. oo Otto von Salm-Rheineck

Anmerkungen: Seite 144
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XII. 232-233

Wäschke, Askanier. Worauf die Angabe sich gründet, daß Siegfried bereits 1071 geboren sei, habe ich nicht feststellen können. Es wäre chronologisch noch eben möglich.

232. Berichtigung: (Rösch): Eilica von Sachsen, siehe XII 291.



Thiele Andreas: Tafel 158
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte"
Band I, Teilband 1 Deutsche Kaiser-, Königs-, Herzogs- und Grafenhäuser I

SIEGFRIED I.
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    + 1113 gefallen

Graf von Orlamünde
1095 Pfalzgraf

  oo Gertrud von Northeim, Tochter des Markgrafen Heinrich I.



Siegfried I. erhielt bei der Teilung des väterlichen Erbes die Grafschaft im Nordthüringengau und gelangte durch die 3. Ehe seiner Mutter mit Heinrich von Laach im westlichen Deutschland zu unerwarteter Macht und großem Güterbesitz. Da die Ehe des Pfalzgrafen kinderlos blieb, adoptierte er seine beiden Stiefsöhne als der einstige Erben seiner großen am Rhein und in Lothringen gelegenen Allodialgüter. Diese teilten nach dessen Tode ihre Besitztümer und Siegfried wurde gegen Verzicht auf das gesamte väterliche Besitztum alleiniger Erbe der Allodien seines Stiefvaters und seiner Mutter. Er rang 1095-1099 mit Graf Heinrich I. von Limburg um die Pfalzgrafschaft und die damit verbundene Großvogtei über das Erzstift Trier und setzte sich spätestens 1099 voll durch. Indem er damit spätestens beim Hinscheiden seiner Mutter noch die sehr bedeutenden Orlamündischen Güter in Thüringen und dem Vogtlande vereinigte, erhob er sich zu einem der mächtigsten und angesehensten deutschen Fürsten. Er war in Trier Obervogt, was eine weitere Südverlagerung der Pfalzgrafschaft in den Moselraum hinein verursachte. Er nahm 1096-1099 am 1. Kreuzzug teil und war seit 1101 in der nächsten Umgebung des alten Kaisers HEINRICH IV., welchen er treu zur Seite stand. Er unterstützte ihn 1104-1106 im deutschen Thronkrieg gegen dessen Sohn HEINRICH V. und hinderte letzteren 1105 am Übergang über den Rhein. Als einer der wenigen Fürsten, die noch auf der Seite HEINRICHS IV. standen, unterlag er zusammen mit Graf Wilhelm von Luxemburg in der Gegend von Bacharach dem Heer König HEINRICHS V., der anschließend seinen Vater in Ingelheim zur Thronentsagung zwang (31.12.1105). Im Jahre 1107 nahm er an der Gründung der Abtei Springirsbach unweit der Mosel, zwischen Wittlich und Zell, teil, deren Vogtei er wahrscheinlich übernahm. Durch seine Verheiratung, welche den Pfalzgrafen Siegfried an der Werra, in den Grenzgegenden von Sachsen und Hessen reich begüterte, erhielt das BALLENSTEDTER Haus einen abermaligen Zuwachs an Macht, Besitz und reichen Verbindungen, allein sie scheint dem Mißtrauen des Kaisers neue Nahrung gegeben zu haben. Gleich nach Weihnachten des Jahres 1108 trat Heinrich I. von Limburg auf einem Fürstentag zu Frankfurt mit der Anklage hervor, Pfalzgraf Siegfried schmiede gefährliche Anschläge gegen das Reich und habe ihn zur Ermordung des Königs überreden wollen. Siegfried wurde dem Bischof von Würzburg zur leichten Haft übergeben und nach des Kaisers Rückkehr aus Italien 1111 auf besondere Verwendung der Fürsten in Freiheit gesetzt. Der Kaiser hob sogar Siegfrieds eben geborenen Sohn aus der Taufe. Anschließend vollendete er die Klostergründung seines Stiefvaters in Laach und vereinigte damit das in Brabant gelegene Kloster Affligheim, indem er sich und seinen Nachkommen die Vogtei über beide geistliche Anstalten vorbehielt. Auch die Gründung des Klosters Herren-Breitungen an der Werra wurde ihm zugeschrieben. Als nach dem Tode des Grafen Ulrich II. von Weimar-Orlamünde (+ 13.5.1112) Siegfried Erbansprüche auf den gesamten Weimar-Orlamündischen Besitz geltend machte, schob HEINRICH V., der diesen Zuwachs an Macht und Besitz seinen alten Gegner mißgönnte, dessen Ansprüche beiseite, zog das gesamte Erbe an das Reich ein und übergab den gesamten Besitz Hermann von Winzenburg. Siegfried erfüllte das Vaterland mit lauten Klagen über die Willkür des Kaisers und die sächsischen Fürsten, von denen ein großer Teil mit ihm oder dem ausgestorbenen Hause von WEIMAR verwandt war, zeigte sich bereit, für sein Recht zu kämpfen. Es bildete sich ein mächtiges Bündnis gegen den Kaiser, an dessen Spitze Herzog Lolthar von Sachsen stand. Nach des Kaisers erfolgreichem Zug in Sachsen versammelte sich Pfalzgraf Siegfried mit seinen Verbündeten, Graf Ludwig von Thüringen und Wiprecht von Groitzsch zur Beratung in Warnstädt unweit der Teufelsmauer. Hier wurden sie am 21.2.1113 vom kaiserlichen Feldherrn Hoyer von Mansfeld überfallen und Siegfried, der wie Graf Ludwig entkam, erlag kurz darauf seinen schweren Verletzungen, die er davongetragen hatte. Zu Herren-Breitungen, in der von ihm erbauten Kirche, fand er seine letzte Ruhestätte.

Ekkehardi Chronica: Seite 261
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"Die Chronik des Ekkehards von Aura; Kaiserchronik III"

15  Im Jahr des Herrn 1112.
Pfalzgraf Siegfried, der durch die lange Haft ziemlich mitgenommen war, versöhnte er sich auf den Rat und die Bitte der Fürsten hin mit sich und entließ ihn; er begann, ihn so gütig zu behandeln, daß er sogar seinen Sohn aus der Taufe hob und versprach, das vergangene Unrecht zu vergessen.
Im Jahre des Herrn 1113.
Kaiser HEINRICH feierte das Geburtstagsfest des Herrn in Erfurt. Herzog Lothar [von Sachsen], der erwähnte Siegfried, Markgraf Rudolf  von der sächsischen Nordmark], Wipert der Ältere [Graf von Groitzsch], Pfalzgraf Friedrich [von Sommerschenburg] und Graf Ludwig [von Thüringen] zettelten einen Aufstand gegen den Kaiser an [Der Aufstand begann schon im Spätherbst 1112.]; dieser griff sie unverzüglich mit einen Heer an und bedrängte sie unablässig durch Brandschatzung und Zerstörung ihrer Befestigungen, bis von seinen Getreuen Siegfried getötet [am 9. März 1113], Lothar und Rudolf wieder versöhnt, Friedrich und Wipert der Ältere gefangengesetzt worden waren und so Fortuna, oder besser die Gande Christi, diesen Ereignissen ein Ende setzte.



Hildebrand Ruth: Seite 20,42,45
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"Herzog Lothar von Sachsen"

LOTHARS engste Verwandte, der Mann seiner Schwägerin Gertrud, Pfalzgraf Siegfried, und seine Schwiegermutter, die BRUNONIN Gertrud, waren im gleichen Maße an diesem Erbe interessiert. Man sieht, wie zäh diese fürstlichen Sippen die Vergrößerung ihrer Macht im Auge hatten. Sie stellten ihre Ansprüche dem König gegenüber aufgrund jeder Art von Verwandtschaft, ob von Mannes- oder von Frauenseite. Sie verfolgten ihre Ziele über Zeiten und Räume; es war ihnen gleichgültig, wie zum Beispiel dem Pfalzgrafen, ob das neue Erbe fern von ihren eigenen "Territorium" lag oder benachbart war. Sie "sammelten" Länder. Der König wurde mit allen Mitteln daran gehindert, ein Erbe für sich einzuziehen.
Jetzt glaubten die BALLENSTEDTER, in Orlamünde zum Zuge zu kommen. Schon 1109 kehrt Siegfried entgegen der kaiserlichen Tradition seines Hauses dem König den Rücken und wird zu einem unerbittlichen Feind. Man wird annehmen müssen, dass damals bereits die Situation Ulrichs - nicht wieder verheiratet und ohne Kinder - die Weimarer Nachfolge aktuell werden ließ.
Wir hören - wie gesagt - schon im Jahr 1109 von einer schweren Differenz zwischen Siegfried und dem Kaiser; der Pfalzgraf wird in Haft beim Bischof von Würzburg gehalten, weil er den Plan ausgeheckt habe, sich gegen die Herrschaft des Königs zu erheben und ihn zu töten. So berichtet Ekkehard von Aura. Der aus der Haft entlassene Siegfried bleibt weiter ein Rebell.
Die "Orlamünder" trafen sich zu gemeinsamen Besprechungen. Da ist zunächst 1113 das Treffen des Pfalzgrafen Siegfried, Wiprechts von Groitzsch und Graf Ludwigs in Warnstedt bei Quedlinburg, dem der blitzschnelle Überfall des kaiserlichen Grafen Hoyer von Mansfeld zur Katastrophe wurde. Wiprecht fiel verwundet in Gefangenschaft, der Pfalzgraf wurde zu Tode verurteilt. LOTHAR scheint nicht dabei gewesen zu sein. Obgleich der eigentliche Mittelpunkt der Verschwörung nicht mehr am Leben war, blieb die Fronde danach doch bestehen. Zwei junge Söhne von Siegfried waren da, die Gemahlin Gertrud heiratete nach 1119 wieder, die Ansprüche blieben.

Kimpen Dr. E.: Seite 26
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"Ezzonen und Hezeliniden in der rheinischen Pfalzgrafschaft"

Dass Siegfried der Sohn des Grafen Adalbert von Ballenstedt und der Adelheid von Orlamünde war, ist bekannt. Siegfried von Ballenstedt kann nicht deshalb allein Pfalzgraf geworden sein, weil er der Sohn der Adelheid von Orlamünde und dadurch ein Verwandter des hochangesehenen HENNEGAUER Geschlechts war. Da im übrigen keine Gestalt unter seinen Vorfahren in näheren Beziehungen zu den EZZONEN und HEZELINIDEN gebracht werden kann, bleibt nur die Annahme übrig, dass er durch seine Gemahlin zu seiner Stellung legitimiert worden wäre.
Dass Siegfrieds Gattin Gertrud hieß, steht in einer Urkunde HEINRICHS V. vom 27. August 1111 und dem Laacher Nekrolog fest. Dass sie, die auch mit ihrem Sohn Siegfried, dem Vogt der Erfuter Marienkirche, 1119 auftritt, die Tochter Heinrichs des Fetten von Northeim und der Gertrud von Braunschweig war, kann nicht bezweifelt werden. Allerdings wird uns von dieser Pfalzgräfin Gertrud auch überliefert, dass sie die Gattin des Grafen Otto I. von Rheineck und Mutter seines Sohnes Otto war.

Gerstner Ruth: Seite 54,56-58
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"Die Geschichte der lothringischen und rheinischen Pfalzgraf von ihren Anfängen bis zur Ausbildung des Kurterritoriums Pfalz"

Kurz vor seinem Tode adoptierte Pfalzgraf Heinrich von Laach seinen Stiefsohn Siegfried aus Adelheids erster Ehe mit Albert von Ballenstedt und übertrug ihm seinen Allodialbesitz. Siegfried ist bereits am 9. November 1099 als Pfalzgraf bezeugt, und wir hören von einem Gegensatz zwischen ihm und Heinrich, der sich schließlich so zugespitzt hat, dass der Kaiser gegen den LIMBURGER zu Felde zog. Es waren noch Klagen des Prümer Abts gegen Heinrich dazugekommen. Der Kaiser belagerte die Limburg und nahm sie ein. Siegfried war bei der Belagerung in der Umgebung HEINRICHS IV. Es liegt nun nichts näher, als dass es zwischen dem Adoptivsohn und dem Verwandten des LAACHERS ein Kampf um die Pfalzgrafenwürde gewesen ist, der sie entzweite, dass Heinrich den Titel führte, Siegfried aber sich in tatsächlichem Besitz der pfalzgräflichen Güter behauptete und der Kaiser ihn dann zum comes palatinus erhob.
Die Kämpfe zwischen Siegfried und Heinrich von Limburg bedeuteten aber für den Kaiser eine Möglichkeit, den zuverlässigeren in den Besitz und das Amt einzusetzen. Die Folge mußte ein enger Anschluß Siegfrieds an seinen Herrn sein. Weilte schon Heinrich von Laach oft in der Umgebung des Kaisers, so begegnet uns Siegfried hier noch häufiger. So wächst der Pfalzgraf in die Reichsaufgaben hinein. In den Kämpfen zwischen Vater und Sohn hinderte im Jahre 1105 Siegfried HEINRICH V. am Übergang über den Rhein. Als der Kaiser auf Weihnachten 1105 den Reichstag nach Mainz berief, war es wiederum der Pfalzgraf in Verbindung mit einem Grafen Wilhelm - es ist der Graf von Luxemburg -, der versuchte, seinem Herrn den Weg dahin freizumachen. Die Haltung der mittelrheinischen Gebiete war damals eindeutig für HEINRICH IV., und möglicherweise hatte der Pfalzgraf diese Einstellung mit verursacht. Das spätere scharfe Vorgehen HEINRICHS V. gegen den Parteigänger seines Vaters (1109) beweist, wieviel von der Stellung des Pfalzgrafen abhängen mochte. Wenn uns berichtet wird, dass die Gefangensetzung des Pfalzgrafen auf die Anklage seines Todfeindes, des Herzogs Heinrich von Limburg, gegen ihn wegen Hochverrats zurückzuführen sei, während eine spätere in Klosterrath bei Aachen aufgezeichnet Nachricht wissen will, dass die Gier des Königs nach dem reichen Güterbesitz der Grund war, so gilt doch in beiden Fällen letzten Endes der Angriff dem reichen Gut des Pfalzgrafen.
Tatsächlich hatte die Machtstellung an Rhein und Mosel sich durch Siegfried noch mehr gefestigt. Schon bevor der BALLENSTÄDTER der Nachfolger seines Stiefvaters wurde, hatte er die Großvogtei über die Trierer Kirche inne. 1097 ist er zum ersten Mal als Vogt bezeugt. Für das pfalzgräfliche Territorium bedeutete die dann eingetretene Personalunion des Trierer Vogts mit dem comes palatinus eine beträchtliche Machterweiterung an der Mosel und im Hunsrück. Für den Pfalzgrafen bestand so die Möglichkeit, seine Landeshoheit auf Kosten der geistlichen Gewalt auszubilden. So rückte der Schwerpunkt des Territoriums noch mehr vom Rhein ab an die Mosel. Ja, 1112 hat der Pfalzgraf sein Schloß in Laach abgebrochen und das Gut, das dazu gehörte, dem Kloster geschenkt. Nicht mehr in Laach lag jetzt das Zentrum. Vermutlich wurde der Sitz ein Berg an der Mosel.
Die anderen erblich auf Siegfried gekommenen Güter wurden für die Pfalzgrafschaft nicht von Bedeutung. Es waren vor allem Besitzungen in Brabant, die Siegfried von seiner Großmutter Adela von Löwen erbte; seine Gattin Gertrud von Northeim besaß eine bedeutende Macht zwischen Ems und Weser und die brunonischen Eigengüter, die nach dem Tode des NORTHEIMERS an die Pfalzgräfin übergingen.
Schließlich zog die Sorge um die außerrheinischen Besitzungen doch von seinen Aufgaben in Franken ab. Als Graf Udalrich von Weimer-Orlamünde im Mai 1112 starb, erhob Siegfried gemeinsam mit seinem Bruder Otto dem Reichen von Ballenstädt, der das Erbe seines Vaters Albert angetreten hatte, Anspruch auf die Besitzungen in Orlamünde. Kaiser HEINRICH wollte aber damals die Stellung des Reiches in Thüringen stärken, überging die Erbansprüche der BALLENSTÄDTER Brüder, die ja nur über die weibliche Linie bestanden und zog die weimarischen Besitzungen als erledigtes Reichslehen ein. So mußte sich der Pfalzgraf, der seit 1111 wieder mit dem Kaiser versöhnt war und dessen Sohn von HEINRICH V. damals aus der Taufe gehoben wurde, aufs neue mit seinem Herrn verfeinden. Die ballenstädtischen Brüder zettelten den sächsischen Aufstand an. Bei einem Überfall, den Graf Hoyer von Mansfeld am 9. März 1113 machte, wurde Siegfried tödlich verwundet und starb bald darauf an seinen Verletzungen.

Schaab Meinrad: Seite 29-31
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"Geschichte der Kurpfalz"

Unmittelbarer Nachfolger Heinrichs wurde sein Stief- und Adoptivsohn Siegfried von Ballenstedt aus der ersten Ehe Adelheids von Orlamünde. Siegfried ist 1097 erstmals als Vogt des Erzbistums Trier zu fassen.Dieses Amt dürfte aus Laach-Luxemburgischen Erbe stammen. Allerdings war der Erbgang nicht eindeutig. Offensichtlich konnten sich die Blutsverwandten Heinrichs von Laach nicht durchsetzen. Aus Familienerbe hat Siegfried 1112 seine am Laacher See gelegene Burg ans Kloster abgegeben. Trotz seiner sächsischen, in Opposition zum Kaiser stehenden Familie hat Siegfried als Pfalzgraf unbeirrt zum Kaiser gehalten, dem er dieses Amt ebenso wie die Unterstützung gegen Heinrich von Laachs Verwandte im Eifelraum verdankte. Noch beim Aufstand des Sohnes HEINRICH V. sperrte er diesem zunächst den Rheinübergang nach Mainz, konnte allerdings Ende 1105 nicht mehr dem Kaiser den Weg von Koblenz nach Mainz freikämpfen; zwischen Bacharach und Bingen hatte sich HEINRICH V. mit überlegenen Kräften postiert. Als neuer Herrscher nahm dieser anfangs Rücksicht auf den Pfalzgrafen, ließ ihn aber während seines Romzugs 1108/11 aus Furcht vor einem Aufstand in Haft halten. Nach kurzer Versöhnung folgte der endgültige Bruch, als HEINRICH V. Siegfried das Weimar-Orlamünder Erbe seiner Mutter verweigerte [Persönliche Anmerkung: Dem Autor scheint völlig entgangen zu sein, daß Adelheids SchwesterKunigunde von Weimar-Orlamündenoch am Leben und damit erbberechtigt war.]. Das gab den Anstoß zum fast allgemeinen Aufstand der Sachsen einschließlich Siegfrieds Schwager, des Herzogs Lothar von Supplinburg. Zunächst konnte der Kaiser durch energisches Vorgehen und einen Vorstoß bis Halberstadt die meisten Aufständischen nochmals zum Einlenken bringen. Den unnachgiebigen Siegfried von Ballenstedt samt seinen Anhängern überfiel HEINRICHS Feldherr Graf Hoyer von Mansfeld in der Nähe Quedlinburgs. Der Pfalzgraf entkam zwar, starb aber drei Wochen später an den empfangenen Wunden.

Meyer von Knonau, Gerold: Band 6 Seite 256-258,270
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"Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Heinrich IV. und Heinrich V."

Am 13. Mai war nämlich Graf Udalrich von Weimar gestorben und in ihm das Haus WEIMAR-ORLAMÜNDE erloschen. Jetzt zog der Kaiser die Reichslehen aus dem Nachlaß Udalrichs als für das Reich erledigt an sich, während Pfalzgraf Siegfried, mit dem die Versöhnung am Ende des abgelaufenen Jahres geschehen war, darauf glaubte Anspruch erheben zu können; seine Abstammung, durch die Mutter Adelheid, von dem Grafen Otto von Weimar, der der Großoheim des jetzt verstorbenen Udalrich gewesen war, ließ ihn als berechtigten Seitenverwandten erscheinen. So begab sich Siegfried nach Sachsen und brachte seine lauten Klagen über das ihm dergestalt zugefügte Unrecht vor; die Haft, die der Kaiser über ihn verhängt hatte, war durch die erneute Unbill in erhöhtem Grade ihm in das Gedächtnis zurückgerufen. Es gelang dem Pfalzgrafen, unter den ohnehin schon durch die bisherigen Vorgänge erregten sächsischen und thüringischen Fürsten eine größere Zahl zur Waffenerhebung gegen HEINRICH V. mitzureißen. Herzog Lothar von Sachsen und Markgraf Rudolf, die kaum erst mit dem Kaiser ihren Frieden gemacht hatten, aber ferner der sächsische Pfalzgraf Friedrich von Sommerschenburg, Graf Wiprecht, Graf Ludwig von Thüringen schlossen sich Siegfried an. Auch Bischof Reinhard von Halberstadt und die mächtige Markgräfin Gertrud, die seit 1103 Witwe Heinrichs von Eilenburg, meinten durch HEINRICH V. in ihren Gütern geschädigt zu sein und beteiligten sich gleichfalls an dem Aufstande.
Herzog Lothar war durch seine Gemahlin Richenza, die Schwester der Gertrud, der Gemahlin Siegfrieds, mit dem Klage führenden Fürsten verschwägert. Mit ihm einig ging jetzt eben seine Schwiegermutter Gertrud gegen HEINRICH V. vor. Jetzt war Graf Ludwig wohl auch durch das seinem Sohn Hermann bereitete Schicksal HEINRICHS V. Feind geworden. In ähnlicher Weise war sehr wahrscheinlich Graf Wiprecht, dessen Sohn noch vor kurzem in der Haft des Kaisers gewesen war, bewogen, sich den Unzufriedenen anzuschließen; aber außerdem stand er auch durch seine zweite Gemahlin Kunigunde - sie war in ihrer dritten Ehe mit ihm verbunden - die die ältere Schwester der Adelheid, der Mutter Siegfrieds, war, dem Pfalzgrafen gleichfalls nahe, und ebenso weil Kunigunde in ihrer zweiten Ehe mit Konrad von Beichlingen [eigentlich Kuno von Beichlingen, der NORTHEIMER], dem väterlichen Oheim der Herzogin Richenza, vermählt gewesen war, dem Herzog Lothar. Alle diese engen Beziehungen mußten bei den ohnehin schon zum Abfall geneigten Fürsten die Abneigung gegen den Kaiser noch vermehren.
HEINRICH V. hatte nach Erfurt die den Gehorsam weigernden Fürsten, dem Herzog Lothar den Pfalzgrafen Siegfried, den Markgrafen Rudolf, den älteren Grafen Wiprecht, den Pfalzgrafen Friedrich und den Grafen Ludwig zur Verantwortung vorgeladen. Allein sie setzten sich über diese Einladung an den kaiserlichen Hof hinweg, und so ging jetzt HEINRICH V. mit kriergerischer Gewalt gegen sie vor. Er gab den Befehl, ihre Güter zu plündern, ihre Besitzungen mit Feuer zu verwüsten, die Burgen zu zerstören, und beteiligte sich selbst an diesen Taten der Vergeltung.
Bischof Reinhard hatte sich augenscheinlich, nachden von ihm Halberstadt geräumt worden war, zu seinen Verbündeten begeben und sie waren, Pfalzgraf Siegfried, die Grafen Wiprecht und Ludwig, mit ihm in einem nicht weit von HEINRICH V. entfernten Lager vereinigt und zum Kampf entschlossen gewesen; dann aber scheint ihnen der Mut dafür entfallen zu sein, und so ließ sich der Kaiser, als Halberstadt in seine Hände übergegangen war, dazu herbei, Reinhard einen Tag festzusetzen, an dem er sich stellen und hinsichtlich des Geschehenen verantworten könne. Dergestalt ruhte zunächst der Kampf und HEINRICH V. kehrte an den Rhein zurück.
Die Hauptfeinde HEINRICHS V. aus der Reihe der weltlichen Fürsten in Sachsen und Thüringen, Pfalzgraf Siegfried, die Grafen Ludwig und Wiprecht, waren zu einer gemeinsamen Verhandlung nach Warnstädt, einem Orte westlich unweit Quedlinburg, gekommen, was Hoier in Erfahrung gebracht hatte. So machte er mit 300 Mann einen wohl berechneten Überfall, so daß er die Versammelten, die den Angreifern in keiner Weise gewachsen waren, ganz unversehens überraschte und ihnen eine volle Niederlage beibrachte. Graf Ludwig vermochte sich durch die Flucht zu entziehen. Dagegen empfing Graf Wiprecht eine schwere Verwundung und fiel in Gefangenschaft. Pfalzgraf Siegfried endlich wurde zum Tode verwundet und erlag dieser Verletzung sehr kurz nach dem Tage des Überfalles, am 9. März. Er war, wie ihm nachgerühmt wurde, ein Mann höchsten Adels gewesen, der zu seiner Zeit in aller Tüchtigkeit keinem Anderen nachstand, so daß gerade seine Niederwerfung dem Grafen Hoier am kaiserlichen Hofe zur höchsten Anerkennung gedieh.
 
 

 1107
  oo 1. Gertrud von Northeim, Tochter Heinrichs des Fetten
           um 1090- vor 1165

     2. oo Otto Graf von Rheineck
                    -   1150
 
 
 
 

Kinder:

  Siegfried Graf zu Orlamünde
  um 1106-19.3.1124

  Wilhelm Pfalzgraf bei Rhein
  um 1112-13.2.1140

  Adela
         -10.8.1155

  oo Konrad I. von Tengling Graf von Peilstein
      um 1116-16.3.1168
 
 
 
 

Literatur:     Gedanken zur Erbschaft Weimar-Orlamünde
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Brandenburg Erich: Die Nachkommen Karls des Großen Verlag Degener & Co Neustadt an der Aisch 1998 Tafel 26 Seite 52 - Die Salier und das Reich, hg. Stefan Weinfurter, Jan Thorbecke Verlag 1991, Band I Seite 305/Band III Seite 305,313,319,513 - Ekkehardi Chronica: Die Chronik des Ekkehards von Aura; Kaiserchronik III Seite 261 - Fenske, Lutz: Adelsopposition und kirchliche Reformbewegung im östlichen Sachsen. Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen 1977, Seite 80,144,148, 253,341-346 - Gerstner, Ruth: Die Geschichte der lothringischen und rheinischen Pfalzgrafschaft von ihren Anfängen bis zur Ausbildung des Kurterritoriums Pfalz, Ludwig Röhrscheid Verlag Bonn 1941 (Rheinisches Archiv 40) Seite 54,56-58 - Giesebrecht Wilhelm von: Geschichte der deutschen Kaiserzeit. Band 1- Band 6, Mundus Verlag 2000 - Heinemann, Otto von: Albrecht der Bär. Eine quellenmäßige Darstellung seines Lebens. Kulturstiftung Bernburg 2001 - Hildebrand Ruth: Herzog Lothar von Sachsen. Verlag August Lax Hildesheim 1986 Seite 20,42,45 - Kimpen, Emil: Ezzonen und Hezeliniden in der rheinischen Pfalzgrafschaft, in: Mitteilungen des Instituts für österreichische Geschichtsforschung, XII. Ergänzungsband, Innsbruck 1933 Seite 26 - Meyer von Knonau, Gerold: Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Heinrich IV. und Heinrich V., Verlag von Duncker & Humblot Leipzig 1890 Band 6 Seite 256-258 - Partenheimer Lutz: Albrecht der Bär. Gründer der Mark Brandenburg und des Fürstentums Anhalt. Böhlau Verlag Köln Weimar Wien 2001 Seite 25,27,31,176, 209,211,214-216,305 - Pleticha, Heinrich: Deutsche Geschichte in 12 Bänden. Verlagsgruppe Bertelsmann GmbH/Lexikothek Verlag GmbH, Gütersloh 1982 - Schaab Meinrad: Geschichte der Kurpfalz. Verlag W. Kohlhammer 1988 Seite 29-31 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 Tafel 158 - Wäschke Hermann: Anhaltinische Geschichte. Band 1: Geschichte Anhalts von den Anfängen bis zum Ausgang des Mittelalters. Cöthen 1912, Seite 73-79 -