Ekbert I.                                         Graf von Braunschweig (1038-1068)
-----------                                         Markgraf von Meißen (1067-1068)
um 1025-2.1.1068                          Markgraf von Friesland
             Braunschweig
 

Jüngerer Sohn des Grafen Liudolf von Braunschweig aus dem Hause der BRUNONEN und der Gertrud, Tochter von Graf Ekbert; Enkel der Kaiserin Gisela
 

Lexikon des Mittelalters: Band III Spalte 1761
*********************
Ekbert I. (von Braunschweig) seit 1067 Markgraf von Meissen
------------------------------------
     + 11. Januar 1068

Graf aus der Familie der BRUNONEN

  oo Irmgard von Susa, Witwe Ottos von Schweinfurt (+ 1057)

Ekbert I. übernahm als Sohn von Liudolf (+ 1038) einen Besitz, dessen Schwerpunkt um Braunschweig, meist rechts der Oker, in den Diözesen Hildesheim und Halberstadt gelegen war. Hinzu kamen von Ekbert I. erworbene Grafschaften in Friesland. 1051 übertrug Kaiser HEINRICH III. den gesamten Komitat Ekberts I. in Ostfalen dem Bistum Hildesheim. 1057 wurde Ekbert I. auch vom Erzbistum Hamburg-Bremen (unter Erzbischof Adalbert) für einige friesische Grafschaften lehnsabhängig. Die politischen Bindungen Ekberts I. sowohl zu Hildesheim als auch zum königlichen Hof können durch die Übertragung von 1051 nicht nachhaltig gelitten haben. Zumal Ekbert I. als Neffe HEINRICHS III. und Vetter HEINRICHS IV. ein naher Blutsverwandter der Herrscher war und auch über seine Frau Irmgard Beziehungen zur Königin Bertha bestanden: 1057 griff Ekbert I. zugunsten König HEINRICHS IV. und des Grafen Udos von Stade in den Streit um den Besitz der sächsischen Nordmark ein, wobei sein Bruder Brun fiel. 1062 war Ekbert I. auf seiten Erzbischof Annos von Köln an der Entführung des jungen Königs (Kaiserswerth) beteiligt. 1063 trat er in der Goslarer Stiftskirche als militärischer Anführer der Hildesheimer Partei in dem blutigen Rangstreit zwischen dem Bischof und dem Abt von Fulda erfolgreich in Erscheinung, die nachfolgenden königliche Untersuchung ging ganz zu seinen Gunsten aus. Vom Sturz Erzbischof Adalberts von Hamburg-Bremen (1066) profitierte Ekbert I. durch Rückerwerbungen in Friesland. Sein Herrschaftsbereich wurde schließlich 1067 durch die Übertragung der Mark Meissenbedeutend erweitert und diese auch als Erbe für seinen Sohn gleichen Namen bestätigt.

Literatur:
-----------
R. Schölkopf, Die Sächs. Grafen (919-1024) (Stud. und Vorarb. zum Hist. Atlas Niedersachsens 22), 1957 - H.W. Vogt, Das Hzm. Lothars v. Süpplingenburg 1106-1125 (Q. und Darst. zur Gesch. Niedersachsens 57), 1959 - W. Heinemann, Das Bm. Hildesheim im Kräftespiel der Reichs- und Territorialpolitik vonehml. des 12. Jh., 1968 - L. Fenske, Adelsopposition und kirchl. Reformbewegung im östl. Sachsen (Veröff. des Max-Planck-Inst. für Gesch. 47), 1977 - W. Giese, Der Stamm der Sachsen und das Reich in otton. Zeit, 1979.



Brandenburg Erich: Tafel 10 Seite 20
****************
"Die Nachkommen Karls des Großen"

XI. 46. EKBERT I., Graf von Braunschweig, Markgraf von Meißen 1051
-------------------------
* ca. 1036 + 1068 11. I.

Gemahlin:
------------
ca. 1058
Irmgard, Tochter des Markgrafen Meginfred von Susa, Witwe des Otto von Schweinfurt
       + 1078 vor 29. IV.

Anmerkungen: Seite 137
------------------
X. 46. Ekbert

Bollnow 35f. Curschmann 71f., dessen Altersansetzungen aber unrichtig sind. - Als Schwester der beiden Brüder wird von manchen, zuletzt von Bollnow 37f., Ida von Elsthorpe angesehen, die nach Albert von Stade, S Seite 16, 319f. Tochter eines Bruders Kaiser HEINRICHS III. und einer Nichte des Papstes Leo IX. gewesens ein soll; gleichzeitigen Quellen ist sie völlig unbekannt; die Angabe Alberts, daß sie bereits vor 1054 einen erwachsenen Sohn durch den Tod verloren haben soll, macht es unmöglich, diese Ida, falls sie überhaupt eine historische Persönlichkeit ist, als Tochter des erst 1016 geborenen Grafen Ludolf oder irgendeines anderen Sohnes der Gisela anzusehen. S. Brabdenburg, Gisela 36 f. Ich sehe daher von der Anführung ihrer angeblichen Nachkommenschaft vollkommen ab, und erwähne nur, daß nach Albert von Stade aus ihrer Ehe mit einem Grafen von Dithmarschen Richza, die Gemahlin Egilmars I. von Oldenburg udn Stammmutter des gesamten oldenburgischen Hauses abstammen soll.

Korrektur (Wolf): XI 46 Ekbert I., * ca. 1025/26.



Thiele, Andreas: Tafel 181
*************
"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1"

EKBERT I.
---------------
* um 1036, + 1068
 

Ekbert I. folgte dem Vater gemeinsam mit dem Bruder. Er ermordete Otto von Haldensleben aus Rivalität und war wegen Friesland Gegner Hollands und des Erzbischofs Adalbert von Bremen. Er verbündete sich mit dem Erzbischof Anno von Köln und war an der Entführung HEINRICHS IV. in Kaiserswerth beteiligt und rettete den jungen König durch einen Sprung in den Rhein vor dem Ertrinken. Er führte 1066 mit anderen den Sturz des Erzbischofs Adalbert herbei und gewann dadurch Bistumsgebiete und Rechte dazu. Er wurde 1067 Markgraf von Meissen, wohl auf Betreiben des Erzbischofs Anno und betrieb zuletzt noch seine Scheidung, um die Witwe seines Vorgängers in Meißen, Adele von Brabant-Löwen, heiraten zu können. Er starb an einem Fieber.

  oo um 1058
       IRMAGRD VON SUSA

Tochter des Markgrafen Manfred II. Olderich von Turin
Witwe des Herzogs Otto III. von Schweinfurt-Schwaben



Black-VeldtrupMechthild: Seite 347-349
*********************
"Kaiserin Agnes (1043-1077) Quellenkritische Studien"

Anfang April 1062 hatten die Entführer HEINRICH IV. ohne seine Mutter auf ein Schiff gelockt, das vom Ufer ablegte und mit dem jungen König und den Reichsinsignien an Bord rheinaufwärts nach Köln fuhr. Als HEINRICH durch einen Sprung in den Fluß zu fliehen versuchte, sprang Ekbert I. von Braunschweig ihm zwar nach und rettete ihm dadurch das Leben, vereitelte auf diese Weise aber auch die Flucht des jungen Königs.

Fenske Lutz: Seite 23,26,35,74
***********
"Adelsopposition und kirchliche Reformbewegung im östlichen Sachsen."

Schon war ein Hoftag in Merseburg auf den 29. Juni 1057 angesagt, auf dem der Streitfall verhandelt werden sollte, als Otto von Haldensleben, begleitet von seinen Anhängern und Vasallen, auf dem Wege dorthin mit den beiden gräflichen Brüdern Ekbert und Brun, den Vettern des Königs, zusammenstieß, die als Gegner Ottos galten. Bei dem heftigen Kampf, der sich sofort entwickelte, töteten sich Brun und Otto gegenseitig, so dass, wie Lampert das ganze Geschehen kommentiert, das gewaltsame Ende Ottos das Reich von großer Sorge befreite. An dem Bericht Lamperts bleibt vieles undeutlich. Weder läßt sich erkennen, welche Personen aus dem sächsischen Adel den illegalen Abkömmling Markgraf Bernhards unterstützten, noch ist es zu entscheiden, ob die BRUNONEN Otto als Vertreter und Sachwalter königlicher Interessen oder als Konkurrenten bekämpften. Festzuhalten bleibt aber, dass bereits kurz nach dem Tode HEINRICHS III. wegen Erbauseinandersetzungen im östlichen Sachsen eine Adelsfehde zum Ausbruch kam, ohne dass die vormundschaftliche Regierung ihrer Verpflichtung zur Friedenswahrung Genüge leisten konnte.
Lampert von Hersfeld beschreibt Adela, die Witwe des 1067 gestorbenen Markgrafen Otto von Meißen aus dem Geschlecht der Grafen von Weimar-Orlamünde, als schöne, ihre politischen Ehrgeizes wegen aber gefährliche Frau. Um dieser Vorzüge willen habe sich der BRUNONE Markgraf Ekbert I. 1067 noch kurz vor seinem überraschenden Tod von seiner Gemahlin Irmingard trennen wollen, um sich mit Adele verheiraten zu können.
Noch kurz vor seinem Tod 1068 hatte Markgraf Ekbert I. die Nachfolge seines gleichnamigen, zu dieser Zeit noch im Kindesalter stehenden Sohnes in der Mark Meißen sichern können.

Pätzold, Stefan: Seite 98
*************
"Die frühen Wettiner. Adelsfamilie und Hausüberlieferung bis 1221"

Mit den BRUNONEN, die mit Ekbert I. und seinem Sohn Ekbert II. seit 1067 die Markgrafen von Meißen stellten [94 Vgl. zu den BRUNONEN O. Posse, Meißen, Seite 155-210, S. Lüpke Seite 44-48, R. Schölkopf, Seite 104-110, L. Fenske, Adelsopposition, Seite 74-78 und H. Stoob, Schwerpunktwechsel, Seite 126-129, der Seite 126 A. 26 auch die ältere Literatur verzeichnet.], verband die WETTINER zunächst nur die Ehe Ekberts II. mit Adelas Tochter Oda.
 
 
 
 

 1058
  oo 2. Irmengard von Turin, Tochter des Markgrafen Manfred II. Odelrich
           um 1020-28.1.1078

       1037
     1. oo Otto Markgraf von Schweinsfurt
                    -28.9.1057
 
 
 
 

Kinder:

  Ekbert II.
  um 1061-3.7.1090

  Gertrud Erbin der brunonischen Güter
  um 1060-9.12.1017

  Amelung Vogt zu Paderborn
         -
 
 
 
 

Literatur:
-----------
Annalista Saxo: Reichschronik Seite 55,70,71,73,75 - Black-Veldtrup, Mechthild: Kaiserin Agnes (1043-1077) Quellenkritische Studien, Böhlau Verlag Köln 1995, Seite 195,239,240,347-349 - Brunos Buch vom Sächsischen Kriege. Übersetzt von Wilhelm Wattenbach, Phaidon Verlag Essen 1986, Seite 56,117 - Brüsch, Tania: Die Brunonen, ihre Grafschaften und die sächsische Geschichte. Herrschaftsbildung und Adelsbewußtsein im 11. Jahrhundert. Matthiesen Verlag Husum 2000 Seite 10, 17,19,24,28-34,37,49,50-62,68,72,78,84,92,96-98,100,108,112,115,118-125,130-132,140-144,153, 158,173,187,199,221,269,271-275 - DEUTSCHE FÜRSTEN DES MITTELALTERS. Fünfundzwanzig Lebensbilder. Edition Leipzig 1995 Seite 140,156 - Die Salier und das Reich, hg. Stefan Weinfurter, Jan Thorbecke Verlag 1991, Band I Seite 286 - Fenske, Lutz: Adelsopposition und kirchliche Reformbewegung im östlichen Sachsen. Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen 1977, Seite 23,26,35,74, 88 A. 344,343 A. 20 - Giese, Wolfgang: Der Stamm der Sachsen und das Reich in ottonischer und salischer Zeit, Franz Steiner Verlag Wiesbaden 1979 - Hlawitschka Eduard: Untersuchungen zu den Thronwechseln der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts und zur Adelsgeschichte Süddeutschlands. Zugleich klärende Forschungen um „Kuno von Öhningen“, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1987, Seite 126,131,142,146,169 - Lampert von Hersfeld: Annales/Annalen Wissenschaftliche Buchgemeinschaft Darmstadt 2000 Seite 62,74-78,112,376 - Lechner Karl: Die Babenberger. Markgrafen und Herzoge von Österreich 976-1246, Böhlau Verlag Wien-Köln-Weimar 1992, Seite 87, 321 A 35,330 A 12 - Lüpke, Siegfried: Die Markgrafen der Sächsischen Ostmarken in der Zeit von Gero bis zum Beginn des Investiturstreites (940-1075), Dissertation Halle 1937 - Meyer von Knonau, Gerold: Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Heinrich IV. und Heinrich V., Verlag von Duncker & Humblot Leipzig 1890 Band I Seite 37 n.24,38,40-41,48,276, 277 n. 77,279,290,329-330,331,356, 460,475 n. 149,514,515,524,562,565,583-584,598,615,619,653 n. 3,654,664,666/Band II Seite 206 n. 57/Band IV Seite 293 n. 36,294 n. 37,322,412 n. 36/Band V Seite 185 n. 121 - Pätzold, Stefan: Die frühen Wettiner. Adelsfamilie und Hausüberlieferung bis 1221, Böhlau Verlag Köln 1997 Seite 98 - Posse, Otto: Die Markgrafen von Meissen und das Haus Wettin bis zu Konrad dem Grossen. Giesecke& Devrint Verlag Leipzig 1881 Seite 29,88,135,145,157-160,210,302,303,345,346  - Rockrohr, Paul: Ekbert II. Markgraf von Meißen, NASG. 7, 1886 - Schnith Karl: Frauen des Mittelalters in Lebensbildern. Verlag Styria Graz Wien Köln 1997 Seite 114,134,141 - Schnith Karl Rudolf: Mittelalterliche Herrscher in Lebensbildern. Von den Karolingern zu den Staufern. Verlag Styria Graz Wien Köln 1990 Seite 252 - Schölkopf Ruth: Die sächsischen Grafen 919-1024. Studien und Vorarbeiten zum Historischen Atlas Niedersachsens 22. Göttingen 1957 - SCHWABEN UND ITALIEN IM HOCHMITTELALTER. Vorträge und Forschungen Band LII Jan Thorbecke Verlag Stuttgart 2001 Seite 148 - Steindorff, Ernst: Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Heinrich III. 1. und 2. Band, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1963 Band II Seite 16 n. 3 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 Tafel 181 - Weinfurter Stefan: Herrschaft und Reich der Salier. Grundlinien einer Umbruchszeit. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1992 Seite 102 -