Lippold                                            Graf in Sachsen
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um 1000-   1052/53
 

Vermutlich Sohn des Grafen Reding in Bayern und der Glismod, Tochter von Graf Immed IV.
 

Hucke Richard:
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"Die Grafen von Stade 990-1144"

Über die erste Heirat Idas mit Lippold berichtet nur Albert, während die beiden anderen Gatten, Dedo und Etheler, als Grafen, die bei Ausübung ihres Amtes in Dithmarschen fielen, auch im CHR R genannt werden.
Lippolds Mutter war eine "domina Glismodis", die Schwester des Bischofs Meinwerk von Paderborn (1009-1036).
Meinwerk und Glismod sind Kinder Immeds, der nach der Vita Meinwerci aus dem nördlichen Teile des Bistums Utrecht stammt und dessen Frau Adela eine "nobilis uxor de Saxonia" ist. Die Vorfahren Immeds sind von Sabine Krüger untersucht worden. Hier ist vor allem darauf hinzuweisen, dass Immeds Großvater (?) ein Onkel der Königin Mathilde gewesen ist, also auch hier wiederum verwandtschaftliche Bindungen zu den LIUDOLFINGERN zu Tage treten.
Weitere Geschwister Glismods sind Thiederich und Azela. Letztere war Nonne in dem aus dem Gut Wichmanns des Älteren mit Hilfe der OTTONEN gegründeten Klosters Elten. Thiederich und Azela sind wohl mit dem in einer Traditionsnotiz der Lebensbeschreibung Meinwerks erwähnten Vogt Thiadericus und der Nonne Attule (Azela) gleichzusetzen, da Glismod die Zustimmung zu einer Schenkung der Nonne geben mußte. Das betreffende Erbe stammt von Vertherun (Friderun), das ist auch der Name der Schwester der Königin! Diesen Namen trägt außerdem eine Tochter Wichmanns des Älteren, die Äbtissin von Kemnade war. Daraus kann man schließen, dass ihre Tante die Namensgeberin gewesen ist und die Frage, welche der Schwestern der Königin als Gemahlin Wichmanns zu gelten hat, ist damit zugunsten von Bia entschieden.
Die Gemahlin Liudger Billungs, Gräfin Emma, ist nach Adam ebenfalls eine Schwester Glismods, das heißt also eine Tante Lippolds. Wahrscheinlich ist der Bischof Immed von Paderborn (1053-1076) Emmas Sohn.
Das möge über die Mutterseite Lippolds genügen. Doch nun müssen wir uns seinem Vater, also dem Gemahl Glismods, zuwenden. Er war ein vornehmer Bayer, dessen Name nicht direkt überliefert wird. Ein ARIBONE namens Reding ist er gewiß nicht. Eine bemerkenswerte Namensform bei Idas Tochter (Akarina) verweist meines Erachtens auf das Haus der Markgrafen der Steiermark, der sogenannten OTAKARE. Mit diesen stand Meinwerk, Lippolds Schwager, nachweislich in verwandtschaftlichen Beziehungen. Der Paderborner Bischof wird als "consanguineus" des Patriarchen von Aquileja, Poppo (Wolfgangus), bezeichnet; Poppo ist aber der Sohn Otgers oder Ocis, der um 1000 als Graf in Kärnten auftritt. Seine Namen sind Kurzformen für "Otakar". Auch die Kürzung dieses Leitnamens zu "Ata" ist belegt.
Betrachten wir nun den Namen von Idas Tochter "Akarina", den auch die Enkelin der Elsdorferin wieder trägt, so scheint dieser Name aus den letzten Silben des Namens Otakar gebildet zu sein und heißt vollständig - Otakarina -. Die Tochter und Enkelin Idas verpflanzt also den Namen ihres kärntischen Großvaters, das heißt des Vaters von Lippold, nach Sachsen.
Lippold selbst tritt am 23. März 1052 in einer Kaiserurkunde zu Goslar auf. Er wird als Erbe des 1036 verstorbenen Bischofs Meinwerk bezeichnet, eine Verwechslung ist also ausgeschlossen. Gemeinsam mit einem anderen Erben des Paderborner Bischofs, namens Adalbert, versuchte er die Schenkungen seines Onkels an das Kloster Abdinghof anzufechten. Lippold trat natürlich als Erbberechtigter Glismods, der Schwester des Bischofs, auf.
Durch die Kenntnis dieser urkundlichen Erwähnung Lippolds läßt sich die Geschichte Idas vervollständigen: Da Papst Leo IX. im Juni 1053 in normannische Gefangenschaft geriet, muß Ida ihn vor diesem Zeitpunkt besucht haben, um ihn um Rat zu fragen, wie sie sich nach dem Tode ihres Sohnes Ekbert zu verhalten habe. Da anzunehmen ist, dass ihr Gemahl Lippold, wenn er noch am Leben gewesen wäre, ihre und ihres Sohnes Interessen gegenüber den STADERN wahrgenommen hätte, wird sowohl Lippolds als auch Ekberts Tod zwischen dem 23. März 1052 (Urkunde) und Juni 1053 (Gefangennahme Leos IX.) anzusetzen sein.

Hlawitschka Eduard:
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"Untersuchungen zu den Thronwechseln der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts und zur Adelsgeschichte Süddeutschlands. Zugleich klärende Forschungen um „Kuno von Öhningen"

Zu Idas Gemahl Lippold und zur Herkunft seiner Mutter Glismod aus der Familie der sogenannten IMMEDINGER (Bischof Meinwerc von Paderborn war Glismods Bruder) vgl. Hucke, Stade Seite 65. Durch seinen Hinweis auf MG DH III, 284 vom 23.III.1052, wo man Lippold noch seinen Erbanspruch an der Hinterlassenschaft seines Onkels Bischof Meinwerc vertreten sieht, erübrigt sich der Identifizierungsvorschlag von H.C. Faußner, Kuno Seite 116, bei dem Lippold - entsprechend einer Vermutung von K. Lechner - als der 1043 verstorbene Sohn des BABENBERGERS Markgraf Adalbert angesehen wird. Ihr (offensichtlich gleichfalls erstehelicher) Sohn Graf Ekbert sei in Wistedt bei Elsdorf vom Markgrafen Udo II. von Stade getötet worden, obgleich Udo dessen cognatus gewesen sei.
 
 
 
 

  oo 1. Ida von Elsdorf, Tochter des Grafen Liudolf von Braunschweig
           um 1020- nach 1085
 
 
 
 

Kinder:

  Ekbert
  1040-   1052/53 erschlagen

  Oda
  um 1040-2.7.
 

  1. oo Swjatoslaw Großfürst von Kiew
           1027-27.12.1076

  2. oo sächsischer Edler
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  Burchard Dompropst zu Trier
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  (Ot)karina
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Literatur:
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Chronik des Albert von Stade ad a. 1112 - Hlawitschka Eduard: Untersuchungen zu den Thronwechseln der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts und zur Adelsgeschichte Süddeutschlands. Zugleich klärende Forschungen um „Kuno von Öhningen“, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1987, Seite 129,132,144,173 - Hucke, Richard: Die Grafen von Stade 990-1144, Stade 1956 -