"Die Grafen von Stade" 1956
A. DIE MITGLIEDER DER FAMILIE AUS DEM HAUSE DER GRAFEN VON STADE UND IHRE DYNASTISCHEN VERBINDUNGEN
Luger (+ 929) und andere Träger seines Namens im
9. Jahrhundert
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Der erste quellenmäßig einwandfrei belegbare
Angehörige aus der Familie der Grafen von Stade ist ein sächsischer
Edler namens
Luder (Liutheri, Lutteri), der am 4.
September 929 in der Schlacht bei Lenzen an der Elbe fiel. Thietmar von
Merseburg nennt ihn seinen Urgroßvater. Sein Name erscheint auch
in dem gleich zu erwähnenden Fuldaer Dyptichon aus dem 10. Jahrhundert.
Dort ist ebenfalls seine Gemahlin Suuanihilt verzeichnet, deren
Todestag der 13. September ist. Falls
Luder bereits Graf im Mündungsgebiet
der Elbe und Weser gewesen ist, wird seine Amtszeit frühestens
etwa um 900 begonnen haben.
Sabine Krüger nimmt an, dass eine Verwandtschaft
Luders mit einem seit 822 auftretenden Lothar, der als Zeuge in den
Corveyer Traditionen nachweisbar ist, bestanden habe. 860 sei ein anderer
Träger dieses Namens in Koblenz, 876 bei Schlichtung des Thüringer
Zehntstreites in Ingelheim zugegen gewesen. Dieser soll Besitz in Tüste
bei Wallensen gehabt haben und 880 in einer Schlacht gegen die Dänen
(bei Ebstorf ?) gefallen sein.
Scheid versuchte nachzuweisen, dass eine Schwester Ottos
des Erlauchten (Vater König
HEINRICH I.) namens
Enda
die Gemahlin des 880 gefallenen Lothar ist. Für diese These,
die noch vor kurzem von Ortwin Meier wiederholt wurde, gibt es keinerlei
Anhaltspunkte. Es ist daher wenig wahrscheinlich, dass der 880 gefallene
Lothar,
dessen Sohn dann fast 50 Jahre Graf gewesen sein müßte (von
880-929), und die LIUDOLFINGERIN Enda
die Eltern Luders gewesen sind.
Graf Heinrich I. (929-ca 976) und seine Familie
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Luders Nachkommen sind außer zahlreichen
späteren chronikalischen Nachrichten durch ein einziges zeitgenössisches
Dokument bekannt, das die älteste heute noch erhaltene Aufzeichnung
über die Stader Grafen darstellt. Es ist eine Namensliste - in der
Form eines Dyptichons angeordnet, - die in dem aus dem 8. Jahrhundert stammenden
Ragyndrudiscodex am Ende des 10. Jahrhunderts eingetragen wurde. Harenberg
und Wedekind erkannten bereits im Anfange des 19. Jahrhunderts, dass es
sich um Namen der Stader Grafen handelt. Scherer bezeichnet den
Grafen
Heinrich irrtümlich als BABENBERGER.
Vermutlich erfolgte die Eintragung der gräflichen
Familie in die als Reliquie (Buch des Lebens) verehrte Handschrift auf
Grund einer größeren Schenkung an die Kirche. Der Codex wurde
seit dem 9. Jahrhundert in Fulda aufbewahrt.
Die Namen sind in folgender Weise aufgeführt:
Heinrich
comes Hiltigard
Liutheri
conjunx (sic)
Heinrih
(sic) eius
(Liutheri
Hiltigard
(Udo
filia eorum
Sigifrid
Suuanihilt
Gerburg
Juditha
Gerburc
(sic)
Haduuich
Cunigund
Bevor wir die einzelnen Personen eingehender besprechen,
sei kurz eine Erläuterung des Dyptichons vorausgeschickt. Heinrich
der Kahle, der Sohn Luders, und dessen zweite Gattin Hildegard
stehen
als derzeitige Familienoberhäupter an der Spitze. Für
Hildegard,
deren gleichnamige Tochter den Herzog
Bernhard Billung heiratet, ist das Dyptichon außer dem CHR
R die einzige Quelle. Dann folgte Luder
sowie die Söhne Heinrichs
I.: Heinrich II. (Bonus), Luder-Udo (der Stammvater der
CATLENBURGER)
und Siegfried. Die Aufzählung der Frauen beginnt mit Suuanihilt.
Es bleibt offen, ob Gerburg die Schwester Heinrichs oder
seine Frau gewesen ist, auch für sie ist hier der einzige Beleg. Sie
wird vielleicht als Patentante der zweiten
Gerburg (einzige Erwähnung),
der ältesten Tochter Heinrichs, einzusetzen sein. Zwischen
diesen beiden steht die erste Frau Heinrichs, Judith aus Rheinfranken,
es folgen
Hadwich, die uns durch Thietmar
bekannte Äbtissin von Heeslingen und Cunigunde, Thietmars Mutter.
Es fällt auf, dass in dieser Quelle zwei Namen fehlen,
deren Träger man als Brüder Heinrichs I. bezeichnet hat.
Es ist erstens der bei Thietmar von Merseburg bezeugte Abt
Thietmar von Corvey (983-1001), der wegen seines Namens zur Familie
gehören könnte. (So trägt Hildegards Sohn sowie
wiederum dessen Sohn diesen Namen). Weitere Belege fehlen. Ebenfalls nicht
im Dyptichon erscheint der bei Widukind
als Bruder Heinrichs I. genannte Siegfried. Letzterer zeichnete
sich in einem Slavenfeldzug Hermann
Billungs aus, der um 955 stattgefunden hat. Der Name Siegfried
tritt
mehrfach bei den uns bekannten Mitgliedern der Grafen von Northeim, wie
auch weiterhin in der Stader Familie auf; ferner lassen einige
Hinweise aus dem 12. Jahrhundert (Güterbesitz der NORTHEIMER
zwischen Niederelbe und - weser) eine enge Verwandtschaft der beiden Häuser
vermuten. Daher versucht Uslar-Gleichen (Abstammung) diesen Siegfried
von Stade als Vater des um 982 bis 1002 auftretenden Grafen
Siegfried von Northeim zu bezeichnen. Für seine Behauptung
kann Uslar-Gleichen, wie er selbst zugibt, keine positiven Beweise liefern.
Seine diesbezüglichen Versuche müssen als gescheitert betrachtet
werden; die Verwandtschaft des Stader Grafenhauses mit den NORTHEIMERN
kommt erst um 1060 (durch Oda
von Werl und ihre Mutter Richenza)
zustande.
Das Todesjahr Heinrichs I. wird etwa um 975/76
anzusetzen sein. Noch im Jahre 974 beteiligte er sich an dem Feldzug OTTOS
II. gegen die Dänen. Der Todestag war nach dem Chr
R am 10. Mai.
Nicht nur die lobende Erwähnung Heinrichs
und Siegfrieds bei Widukind von Corvey, sondern auch die Erzählung
Thietmars, dass Heinrich einen besonderen persönlichen Einfluß
auf den ihm blutsverwandten
Kaiser
OTTO I. gehabt habe, läßt vermuten, dass diese
Blutsbindung sehr eng gewesen ist. Versuchen wir daher, das Verhältnis
Heinrichs
zu denLIUDOLFINGERN
und besonders zu
OTTO DEM GROSSEN genealogisch
zu klären.
Schon der Name Heinrich deutet, wie Marianne Wenger
in ihrer Untersuchung der Königsverwandten ausführt, auf Zusammenhänge
mit der Sippe der LIUDOLFINGER hin.
Auch der Name Bruno, den einer der Söhne Cunigundes
trägt,
bestärkt die Vermutung.
Nachweisen läßt sich allerdings nur die Verwandtschaft
von Judith, der ersten Gemahlin Heinrichs, mit dem Kaiserhaus.
Judiths
Cousine,
- das ist Ida,
die Tochter Hermanns
von Schwaben (927-949), - heiratete Liudolf,
den Sohn des Kaisers im Jahre 948. Dagegen ist bemerkenswert, dass der
Kaiser die Patenschaft (patrinus) für eine Tochter Heinrichs
des Kahlen übernahm. Es ist durchaus möglich, dass OTTO
DER GROSSE dabei in Vertretung seiner Schwester Hathuihandelte,
deren Name der jungen STADERIN gegeben wurde. Hathui hieß
übrigens auch die MutterKönig
HEINRICHS, also Großmutter
OTTOS
[Vielleicht war der 929 gefallene Luder ihr Bruder ].
Uslar-Gleichen vermutet, dass Heinrich der Kahle mit
einem Grafen Heinrich identisch sei, der 927 in Salz (Ostfranken)
auftritt und als Verwandter König HEINRICHS
I. (propinquus) bezeichnet wird. Am gleichen Ort tritt
dieser Heinrich noch einmal im Jahre 931 auf. Schlesinger glaubt,
dass es sich hier um einen Grafen handelt, der im östlichen Franken
beheimatet ist und der seit 912 in Kaiserurkunden genannt wird. Der fränkische
Graf gehört also schon in eine frühere Generation und war Zeitgenosse
Luders.
Judith, die erste Frau Heinrichs des Kahlen
war eine KONRADINERIN, gebürtig
aus Rheinfranken. Sie gebar ihrem Gatten drei Töchter, die sowohl
das Dyptichon als auch der Sächsische Annalist nennt. Judiths
Todestag ist der 16. Oktober, das Todesjahr wird vor 973 anzusetzen sein.
Bei der Ordination ihrer Tochter Hathui im Kloster Heeslingen war
nämlich nur ihr Vater zugegen, wie Thietmar ausdrücklich berichtet.
Judiths
Vater war Graf Udo (im Rheingau und in der Wetterau, + 949), den Thietmar
als "amicus regis" bezeichnet, der Bruder Hermanns I. von Schwaben,
Vetter König
KONRADS I.
Udos Name erscheint erstmalig in N-Deutschland beim zweiten
Sohn der Judith, dem man die Namen der Großväter gab
(Luder-Udo). Später nannte man das ganze Stader Geschlecht
nach ihm "UDONEN". Helmhold kennzeichnet Erzbischof Hartwig von
Magdeburg geradezu als Angehörigen des alten UDONEN-Stammes
(de antiqua Udonum prosapia) und Hartwigs gleichnamiger Onkel
und Magdeburger Amtsgenosse wird, obwohl er selbst kein STADER ist,
als "Udo" bezeichnet. Es ist möglich, fast alle Träger des Namens
"Udo" [zum Beispiel die Grafen Udo aus Catlenburger
und Reinhäuser Geschlecht. Aus dem letzteren stammte Bischof
Udo von Hildesheim (1079-1114). Ferner Bischof Udo von Naumburg (1125-1148),
Sohn Adelheids von Stade und Ludwigs des Springers. Nur die Herkunft
des Bischofs Udo von Osnabrück (1137-1141), vorher Propst zu Hildesheim,
ist nicht nachzuweisen.], die in den Quellen des 10.-13. Jahrhunderts als
Angehörige sächsischer Dynastengeschlechter auftraten, als Nachfahren
des Rheinfranken Udo von der Wetterau und seiner Tochter Judith einzuordnen.
Die zweite Gemahlin Heinrichs I. hieß, wie
ihre einzige Tochter, Hildegard, und starb an einem 11. Juni.
Graf Heinrich II (ca 976-1016)
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Heinrich II. erhielt den Beinamen "Bonus".
Nur er kann nach dem Tode seines Vaters der amtierende Graf gewesen sein.
Als solcher ist Heinrich II. zwar erst um 990 belegt. Er ist 993
in Brandenburg, kämpft 994 gegen die Seeräuber bei Stade, - beide
Male zusammen mit seinem jüngeren Brüdern Luder-Udo
und
Siegfried
- und hat auch nach 1002, dem Zeitpunkt, der einer irrtümlichen
Meldung im Chr R und bei Albert Kanoniker in Hildesheim gewesen sein soll,
die Geschicke der Grafschaft weiterhin geleitet. Er ist vielleicht auch
der 997 bei Pöhlde auftretende Graf, der hier die Geschäfte für
seinen 994 gefallenen Bruder Luder-Udo führte, und Vormund
seiner Neffen Udo
und Heinrich
von Catlenburg war.
1003 intervenierte (Graf!) Heinrich der Gute
zusammen mit Bernhard Billung in einer Kaiserurkunde zu Allstedt. 1017
empfängt sein jüngster Bruder Siegfried "den Comitat seines
Bruders
Heinrich" (comitatum fratris Heinrici) aus der Hand
des Kaisers. Auch Thietmar spricht anläßlich seines (Heinrichs
II.) Todes, am 2. Oktober 1016 von ihm als "Graf". Berücksichtigt
man nun, dass er 994 bereits einen Sohn Siegfried
als Geisel stellen
konnte, der im Jünglingsalter gewesen sein wird, so ist klar, dass
Heinrich
II. wohl nie Kleriker gewesen ist.
Seine Frau Mechthild stammt aus Schwaben. Ihr
Todestag ist der 19. Oktober. Das Jahr ist nicht bekannt. Sie und ihr Gemahl
wurden in Harsefeld begraben. Der einzige Sohn aus der Ehe Heinrichs
des Guten mit Mechthild,
Siegfried, wurde im Juni 994
als Geisel für seinen Vater den Seeräubern übergeben, die
ihn nach der unbesonnenen Flucht seines Onkels Siegfried so gräßlich
verstümmelten, dass er 4 Monate später, am 26. Oktober, seinen
Verletzungen erlag.
Luder-Udo (+ 994), der Stammvater der Grafen von Catlenburg
und seine Söhne
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Der zweite Sohn Heinrichs I., Luder-Udo,
fiel am 23. Juni 994 in dem erwähnten Gefecht gegen die Seeräuber.
Auch er hatte an dem Feldzug gegen Brandenburg teilgenommen. Das erste
Mal treffen wir Luder-Udo
um 990 an, als er zusammen mit Markgraf
Ekkehard von Meißen, Siegfried
von Walbeck und anderen ostfälischen Grafen auf Befehl der
Kaiserin
Theophanu dem
Miseco I. (Herzog
von Polen, + 992) gegen Boleslav, den böhmischen König,
zu Hilfe geschickt wird. Hier wird er zu den Grafen gezählt; jedoch
amtierte er wohl kaum im Bereich des späteren stadischen Einflußgebietes,
wo Heinrich der Gute saß, sondern wahrscheinlich schon in
den Gebieten, in denen später seine Nachfahren, die CATLENBURGER,
auftreten.
Dass Luder-Udo
zwei Söhne gehabt hat, die
mit den "fratribus de Catelenburgh" des Annalista Saxo identisch
sind, vermutet erstmalig Uslar-Gleichen in der bereits zitierten Arbeit.
Der Ansatzpunkt, aus den Quellen die Brüder Heinrich
und Udo als Söhne Luder-Udos nachzuweisen, ist die Erzählung
Thietmars über die Ermordung des Markgrafen Ekkehard von Meißen
am 30. April 1002 in Pöhlde. Ekkehard war nach dem Tode OTTOS
III. als Thronbewerber aufgetreten, hatte jedoch auf dem
Fürstentag zu Frohse/Elbe starken Widerspruch gefunden. Der Anführer
seiner Gegner scheint Markgraf
Liuthar (+ 1003), aus dem Hause
WALBECK, der Onkel Thietmars, gewesen zu sein. Dessen Gründe
waren sowohl persönlicher als auch politisch-verwandtschaftlicher
Art. Es liegt nahe, dass Liuthar und seine Genossen Herzog
Hermann II. von Schwaben, ihren Verwandten, als Thronbewerber bevorzugten.
Thietmar gibt uns nun folgenden Bericht über die
Ermordung: Ekkehard sei auf dem Hofe (curtis) des Grafen Siegfried
von Northeim eingekehrt. Siegfrieds Gattin, "die Gräfin
Ethelind, vertraute ihm (Ekkehard) heimlich an, dass Siegfried
und Benno,
die Söhne ihres (ersten?) Mannes, mit den Gebrüdern Heinrich
und Udo, sowie anderen Verschwörern, nach seinem Leben trachteten."
Der Markgraf wurde dann auch tatsächlich in der folgenden Nacht in
Pöhlde von den Genannten ermordet. Es ist versucht worden, diese Erzählung
dahingehend zu interpretieren, dass man alle vier als Söhne Siegfrieds
und Ethelindes betrachtete. Dagegen wehrt sich Kurze in seiner Thietmar-Ausgabe
und betont, dass "cum confratibus" lediglich "mit den Brüdern",
keineswegs "mit ihren Brüdern" bedeute, dass der Bischof also bewußt
die beiden Brüderpaare auseinanderhalte. Wir finden diese Auffassung
bereits bei der erwähnten "Erläuterung" des Sächs. Annalisten
81002 p 647), der Thietmars Erzählung ergänzt: ... quod Sigefridus
et Benno sui senioris filii, cum fratribus de Catelenburgh Heinrico et
Udone etc.
Nun erschienen diese "confratres" noch einmal
anläßlich des Berichtes über den Hoftag zu Allstedt 1017.
Zwar werden ihre Namen nicht ausdrücklich genannt, aber sowohl aus
der Sache, als auch aus den hier gleichsam kommentierenden Abschriften
der im 12. Jahrhundert entstandenen Corveyer Fassung der Chronik Thietmars
und des sächsischen Annalisten kann man schließen: Der jetzt
auftretende Ekkehard
II. ist der Sohn des 1002 ermordeten Markgrafen Ekkehard I. Dieser
Sohn des ehemaligen Thronprätenden befehdet sich nicht mit seinen
eigenen Brüdern (wie Holtzmann und Kurze glauben), sondern kämpft
gegen die Mörder seines Vaters.
Hört man hier aber von einem "Udo senior",
so liegt der Schluß nahe, dass dessen Sohn von Thietmar "Udo junior"
genannt werden müßte. Der Bischof gebraucht aber für diesen
"Udo junior", sowie dessen Bruder Heinrich das Synonym "confratres", -
genauso wie bei seiner Erzählung von Ekkehards I. Ermordung. - Nur
die Catlenburger Brüder können darunter verstanden werden, das
heißt: "Confratres" = "Udo junior et Heinricus" - "Filii Udonis senioris".
Vollends klar wird der Sachverhalt, wen noch eine weitere
Thietmar-Stelle herangezogen wird. Hier bezeichnet der Merseburger Bischof
den Grafen Udo (junior), das heißt also einen der Catlenburger Brüder,
als seinen Vetter. Noch Holtzmann identifizierte diesen Grafen Udo mit
Luder-Udo
I. Letzterer ist aber erst von 1037-1057 Graf im Weser-Elbe Comitat.
Während Thietmar bereits im Dezember 1018 starb, und der berichtete
Kampf des Grafen Udo (junior) gegen Hermann
von Werl von Holtzmann selbst zu 1018 angesetzt wird. Graf Udo
kann also nur der "Udo junior" sein, dessen Vater, "Udo senior",
ein Bruder der Cunigunde war, die als Mutter Thietmars von Merseburg
bekannt ist. Folglich ist Udo senior (= Luder Udo + 994)
der Vater der "confratres Heinricus et Udo " (junior), und wir haben
den einwandfreien Beweis geliefert, dass die Grafen von Catlenburg eine
Seitenlinie des Stader Grafenhauses sind.
Im Anschluß an diese Ergebnisse müssen wir
einige Berichte über die Gründung des Klosters Harsefeld und
seine Ausstattung mit Gütern und Kirchengeräten (Kelch!) durch
einen Grafen Heinrich untersuchen.
An keiner Stelle hört man, dass die Ekkehard-Mörder
zur Rechenschaft gezogen werden. Im Gegenteil, Udo von Catlenburg ist bereits
1007 wieder im Amte. Bis 1033 erscheint er häufig in den Quellen,
am meisten in der Zeit von 1016/17, als er und sein Bruder Heinrich
die oben geschilderten Fehden austragen. Auch die NORTHEIMER Siegfried
und Benno sind zum mindesten seit 1007 wieder auf freiem Fuße.
Nun ist bei Albert und Chr R ein eigenartiger Passus,
dass Graf Heinrich (der Gute) "sich gleichsam, als ob er
durch Gesetzesspruch verurteilt sei, dreifach durch Landbesitzungen, Kirchengerät
und anderen Besitz freikaufte und alles dieses der (Harsefelder) Kirche
vermachte". Graf Heinrich sei 1002 Geistlicher in Hildesheim gewesen,
dann aber wieder Weltlicher geworden und habe zur Sühne dafür
das Stift in Harsefeld gegründet [Die Datumsangabe hat nur das
Chr R p 119. Gerade die Nennung von 1002 bestärkt die Vermutung, dass
der Eintritt in den geistlichen Stand dem Morde von 1002 folgte.]. Dieser
Graf Heinrich kann nur Heinrich von Catlenburg gewesen sein und nicht Heinrichder
Gute von Stade, der wie erwähnt, schon vorher die Grafschaft seines
Vater übernommen haben muß und bereits 994 einen Sohn im Jünglingsalter
hatte. Heinrich und (wahrscheinlich auch) Udo von Catlenburg sind demnach
als die eigentlichen Begründer des Stiftes Harsefeld anzusehen, sie
sind nach dem Mord vorübergehend Geistliche geworden und haben sich
dann sowohl von ihrer Blutschuld (legum censura condemnatus), als
auch von ihren Verpflichtungen der Kirche gegenüber auslösen
können. Bei dieser Gelegenheit wird ein Großteil der Erbgüter
ihres Vaters zur Ausstattung des Stiftes verwendet worden sein, so dass
das Catlenburgische Gut im Stadischen später nur noch aus wenigen
Hufen bestand.
Als Abschluß der Untersuchung über die Catlenburger
Brüder soll eine Nachricht interpretiert werden, die bestätigt,
dass "Graf Heinrich, der Sohn Udos", Kleriker in Hildesheim gewesen
ist. Sie nennt auch ein Beispiel für die "ornamenta", mit denen
das Harsefelder Stift ausgestattet wurde. Wir erfahren hier, dass Heinrich
bei Bischof
Bernward von Hildesheim einen Kelch von außergewöhnlicher
Größe für Harsefeld anfertigen ließ, der nachweislich
bis um 1630 dort gebraucht wurde. Die Meldung findet sich in einer heute
verlorenen Handschrift der Vita Bernwardi, aus der Lüntzel folgende
Sätze zitiert:
Adhuc autem unum vel duos aureos (calices) valentes
libras viginti publici ponderis ex purissimo auro usum monasterii conflavit,
de quibus unus in ecclesiae Hildens., alius autem per comitem hinricum,
udonis quondan comitis filium et Hildens. ecclesiae canonicum, ad monasterium
rossfeldense, nunc vero herssfelde nuncupatum, delatus est.
Wenn auch die Niederschrift dieses Berichtes wegen der
Bezeichnung "herssfelde" erst ins späte 12. Jahrhundert fällt,
ist es doch ausgeschlossen, die Nachricht auf andere Personen als die CATLENBURGER
zu beziehen. Aus dem "quondam" ist zu entnehmen, dass Udo
zur Zeit der Kelchschenkung (1007-1010?) schon verstorben war. (Also 994).
Mit Lüntzel an Heinrich III. den Langen (1082-1087)
und dessen Vater Luder-Udo II. (1057-1082) zu denken, ist ausgeschlossen,
da einmal beide Markgrafen waren, zum anderen nicht der geringste Anhaltspunkt
gegeben ist, dass Heinrich der Lange, als ältester Sohn und
Erbe des Amtes, je Kleriker war. Außerdem ist es unwahrscheinlich,
dass man 50 Jahre nach dem Tode Bernwards, der schon bald als Heiliger
verehrt wurde, einen so wertvollen Kelch, über dessen ungewöhnliche
Beschaffenheit mehrere Quellen berichten, noch in Hildesheim erwerben konnte.
Graf Siegfried (1017-1037) und Adela von Alsleben
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Graf Siegfried
erhielt 1017 die Grafschaft zwischen
Niederelbe und Niederweser als Nachfolger seines Bruders Heinrich.
Ob er mit seinem Bruder Luder-Udo
schon den Feldzug gegen Boleslav
990 mitmachte, ist fraglich. Dagegen wird er 993 bei der Unternehmung gegen
Brandenburg und beider Seeräuberschlacht 994 zusammen mit seinen Brüdern
Heinrich
und Luder-Udo genannt. Er geriet in die Gefangenschaft der Ascomannen,
konnte aber bald entfliehen. So brauchte Thietmar, der als Geisel für
seinen Onkel ausgeliefert werden sollte, nicht mehr den Wikingern übergeben
werden.
Siegfried hatte demnach 994 noch keinen Sohn, der für
ihn als Geisel gestellt werden konnte. Luder-Udo I. wird sicher
später geboren sein. Die beiden Töchter
Siegfrieds Irmgard
und Bertha waren Äbtissinnen zu Alsleben. Siegfried
starb am 6. Januar 1037.
Seine Frau Adela (Athela, Ethela) war die
Tochter des Grafen
Gero, dessen Hauptallode um Alsleben an der Saale gelegen haben.
Als Graf ist Gero auch im Nordthüring- und Morazinigau nachweisbar.
Gero von Alsleben, wie ihn der sächsische Annalist zu 979 nennt, wurde
auf Befehl Kaiser OTTOS II. am 11.
August 979 hingerichtet.
Geros Gemahlin heißt wie seine Tochter Adela.
Seine Schwester trug dem Kurznamen
Tetta (Judith ?). Es ist möglich, dass Gero, mit dem bekannten
Markgrafen
Gero (+ 965), dem Vertrauten OTTOS DES
GROSSEN, verwandt war. Dafür spricht die Namensgleichheit
und die Tatsache, dass auch der Markgraf Besitzungen in Alsleben hatte.
Es ist vor allem bemerkenswert, dass der Ort Trebnitz, den Markgraf Gero
945 vom Kaiser geschenkt erhielt, zum Erbe der Gattin Siegfrieds von
Stade gehörte. Die Güter in Trebnitz wurden später den
Klöstern Alsleben und Harsefeld übertragen.
Durch Markgraf Gero werden auch verwandtschaftliche Bindungen
zu dem einflußreichen Grafengeschlecht bestanden haben, dessen Machtzentrum
Merseburg war.
Gerburg II. und ihr Sohn Bischof Thiedrich von Münster
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Als älteste Tochter aus der Ehe Heinrichs des
Kahlen mit Judith nennt das Dyptichon eine Gerburg. Ihr
Sohn war Bischof Dietrich von Münster (1011-1022), den Thietmar
den "Sohn seiner Mutterschwester" nennt. Thiedrichs Vater wird nicht genannt.
Es ist möglich, dass Thiedrich von väterlicher Seite her
im Westfälischen begütert gewesen ist und dass die Kämpfe
des Bischofs von Münster mit Graf Hermann und dessen Sohn Heinrich,
von denen uns Thietmar erzählt, Familien- und Erbangelegenheiten waren.
Die Hypothesen Holsteins, der Gerburg
mit Dietrich
von Querfurt verheiraten möchte und Uslar-Gleichen, der Brun
von Braunschweig zu ihrem Gemahl erklärt, haben einer Nachprüfung
nicht standgehalten. Gerburgs Gemahl kann nicht mehr ermittelt werden.
Hathui, Äbtissin zu Heeslingen
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Die zweite Tochter Heinrichs des Kahlen, Hathui,
ein Patenkind OTTOS DES GROSSEN, wurde
973 auf Betreiben ihres Vaters, den der Kaiser unterstützte, zur Äbtissin
des Klosters Heeslingen gewählt. Der Widerstand des Erzbischofs
Aldag von Bremen gegen diese Wahl entsprang im wesentlichen politischen
Motiven, und die Jugend der Hathui, wird nur ein Vorwand gewesen sein.
Der Zorn des Kirchenfürsten wuchs noch, als der Kaiser schon fünf
Tage nach der Einführung der Hathui starb und die junge Äbtissin,
der die Vogtwahl jetzt zustand, vermutlich ihren Vater, Heinrich den
Kahlen, zum Vogt erwählt haben wird. - Das Todesdatum der Äbtissin
ist unbekannt.
Hathui
errichtete in Heeslingen eine Kirche aus
Findlingen, in der ihre Mutter Judith
später beigesetzt wurde.
Thietmar erwähnt den Mangel an (geeigenten) Bausteinen. Da der junge
Geistliche 994 in Harsefeld war und auch einmal auf seiner eigenen Besitzung
in Heerslingen weilte, wird er den Bau selbst gesehen haben. Die Frage,
ob die heute in Heeslingen stehende eindrucksvolle Feldsteinkirche der
gleiche Bau ist, welcher von den Stader Grafen am Ende des 10. Jahrhunderts
begonnen wurde, ist endgültig nur durch eine genauere baugeschichtliche
Untersuchung zu klären. Das Kloster wurde 1141 nach Zeven verlegt.
Cunigunde (+ 13. Juli 997) und die Grafen von Walbeck
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Der berühmteste Sohn aus Cunigundes Ehe mit
dem Grafen
Siegfried von Walbeck, der Geschichtsschreiber Thietmar, wurde
als ihr dritter Sohn am 25. Juli 975 geboren. Cunigunde
heiratete erst Ende des Jahres 972. Da sie nach dem sonst zuverlässigen
Dyptichon als jüngere Schwester der Äbtissin Hathui erscheint,
ist es ausgeschlossen, dass Thietmars Angabe über das Alter der Äbtissin,
die nach ihm im Jahre 973 kaum 12 Jahre alt gewesen sein soll, stimmt.
Wäre Hathui wirklich so jung gewesen, hätte ihre noch
jüngere Schwester Cunigunde
bereits im Alter von elf Jahren
ihren ersten Sohn geboren. Es ist daher anzunehmen, dass sowohl Cunigunde,
als auch Hathui
im Jahre 973 etwa 14-15 Jahre alt waren.
Thietmars Mutter starb am 13. Juli 997. Der Großvater
Siegfrieds,
Luder,
fiel zusammen mit seinem Stader Namensvetter 929 bei Lenzen. Luders
Sohn
Lothar
beteiligte sich 941/42 am Aufstand gegen OTTO
DEN GROSSEN, erlangte aber wieder die Gunst des Kaisers. Er
ist der Gründer des Stiftes Walbeck.
Aus Cunigundes Ehe mit Siegfried gingen
fünf Söhne hervor:
Heinrich
folgte seinem Vater in der Grafschaft, Friedrich
wird vom Sächsischen Annalisten als Burggraf von Magdeburg
bezeichnet, obwohl Thietmar selbst seinen Bruder niemals als solchen erwähnt.
Aber vielleicht hat Friedrich das Amt erst nach dem Tode des Bischofs erhalten.
In diesem Zusammenhang sei eine wenig beachtete Sache vermerkt, die das
Verhältnis der WALBECKER
zum Magdeburger Kloster Berge erläutert. Auf Betreiben Siegfrieds,
der dort von 1009-1022 Abt war, stifteten Thietmar, Heinrich und Friedrich
drei Hufen und wurden in die Brüderschaft des Klosters aufgenommen.
Als dritter Sohn Cunigundes folgt Thietmar, der 1009 vonKönig
HEINRICH II. zum Bischof des wiedererrichteten Bistums Merseburg
ernannt wurde. Er starb 1018. Sein jüngerer Bruder Siegfried,
Abt
im Kloster Berge, wurde 1022 Nachfolger seines Vetters auf dem
Bischofsstuhl
von Münster (+ 1032). Der fünfte Sohn endlich, Bruno,
war von 1034-21. August 1049 Bischof von Verden. Bruno bekämpfte
mit seinem Onkel, Graf Siegfried von Stade, und dessen Sohn Luder-Udo,
den Bremer Erzbischof Bezelin Aldebrand, einen der schärfsten Gegner
des Stader Grafenhauses.
Als sechses Kind aus der Ehe Cunigundes mit Siegfried
von Walbeck nennt der Sächsische Annalist einmal eine Oda.
An einer anderen Stelle zählt er wie die Magdeburger Annalen, nur
die 5 Söhne auf. Aus weiteren Erwägungen geht hervor, dass diese
Oda und ihr Vater Siegfried wesentlich später gelebt haben müssen.
Siegfried starb 991, demnach könnte Oda noch 992 geboren sein. Aber
andererseits soll sie die Mutter Gebhards von Heinsberg sein, der frühestens
1108 [Albert 1144 p 326 gibt zwar an, dass Irmgard erst nach dem
Tode ihres Sohnes Heinrich von Stade, das heißt nach 1128,
wieder heiratet. Dagegen wendete Bollnow p 20 mit Recht ein, dass Irmgard,
wenn wir Heinrichs Geburt 1102 ansetzen, bei der Geburt ihrer Tochter
Ude/Oda, die dann erst um 1130 geboren wurde, bereits 45-50 Jahre alt gewesen
sei. Gänzlich unmöglich wäre dann auch, dass Irmgards
Sohn
aus ihrer zweiten Ehe (mit Gerhard) bereits als 7/8-jähriger 1137
auf LOTHARS
Italienzug in Bari fiel. Wir setzen deshalb Irmgards zweite Ehe
um 1108 an.] die Witwe des 1106 verstorbenen Markgrafen Luder-Udo III.
von Stade, Irmgard heiratet, während ein anderer Sohn Odas,
namens Goswin von Heinsberg, als Vater des berühmten Philipp von Heinsberg
Erzbischof von Köln (1167-1191) bekannt ist [Oda wird als Großmutter
des Kölners genannt in den Regesten der Erzbischöfe von Köln,
952 zu 1170 ed. Kipping; vgl. Lacomblet I 436]. Oda kann deshalb erst um
1100 gelebt haben und ihr Vater muß ein jüngerer
Siegfried von Walbeck sein [Wie erwähnt, spricht der A S zu
1032 und 1049 von einer Judith als Frau Siegfrieds I. Vielleicht heißt
die Frau des jüngeren Siegfried so.].
Wahrscheinlich ist es der in einer Urkunde von 1087 auftretenden
Graf Siegfried. Wie dieser verwandtschaftlich mit seinem Namensvetter zusammenhängt,
konnte noch nicht sicher geklärt werden. Vermutlich war er ein Enkel
des älteren Siegfried, das heißt, ein Sohn Heinrichs. Starke
stellt einen großem Teil des Walbecker Eigengutes bei ihm fest.
Hildegard (+ 3. Oktober) und die Billunger
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Aus der zweiten Ehe Heinrichs des Kahlen mit Hildegard
ging
nur eine Tochter hervor, die den Namen der Mutter trug. Durch ihre Ehe
mit Bernhard I. Billung (+ 9. Februar 1011), den Sohn Hermann Billungs
wurde die lang anhaltende Rivalität dieser Häuser beendet. Bernhard
und HildegardsVäter
waren bis an ihr Lebensende erbitterte Gegner und Nebenbuhler um die Gunst
OTTOS
DES GROSSEN. Doch bereits ein Jahr nach dem Tode des alten BILLUNGERS
scheint die Zusammenarbeit begonnen zu haben, die, gefestigt durch gemeinsame
Kämpfe, sich von nun an gegen die Erzbischöfe von Bremen richtete.
Das Geburtsjahr Hildegards läßt sich
kaum bestimmen, einen Anhaltspunkt für ihr Alter bildet nur die Tatsache,
dass ihre (wohl älteste) Tochter Godesti,
bereits seit 993 Äbtissin von Meteln ist und eine andere namens Imma
995 als Nonne zu Hersfeld überliefert wurde. Eine dritte Tochter Mathilde
starb am 28. April 1014 (als Nonne?) im Kloster Gernrode. Freytag setzt
die Geburt des ältesten Sohnes und Nachfolgers in der "Herzogswürde",
Bernhard
II., erst nach 990 an (+ 29. Juni 1059). Sein jüngerer Bruder
Thietmar
wurde 1048 bekanntlich bei einem gerichtlichen Zweikampf tödlich verwundet.
Im Lüneburger Necrolog wird Hildegard
bei der Meldung ihres
Todes zum 3. Oktober 1011 als "Herzogin" (ducissa) bezeichnet.
Außerdem sind nur noch zwei weitere Urkunden überliefert, in
denen sie erwähnt wird.
Graf Luder-Udo I. (1037-1057), Markgraf der sächsischen
Nordmark seit 1056, und seine Gemahlin Adelheid von Rheinfelden
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Der bekannte Hersfelder Geschichtsschreiber Lampert
nennt Luder-Udo I. "einen äußerst strebsamen Mann", während
ihn der Bremer Geistliche Adam einen "hochmütigen Bösewicht"
bezeichnet, als er das Verhältnis zwischen Erzbischof Bezelin Alebrand
von Bremen bespricht.
Luder-Udo I., der einzige Sohn Siegfrieds und
Adelas,
muß gleich nach dem Tode seines Vaters die Grafengewalt an der Niederelbe
erhalten und wird um die Mitte des Jahrhunderts auf Grund seiner mütterlichen
Besitzungen im Schwaben- und Hochseegau und seiner Stellung als Vogt des
Klosters Alsleben auch in dieser Gegend Grafenrechte erworben haben. Zwischen
dem 10. September, dem Todestage des Markgrafen
Wilhelm, und dem 5. Oktober 1056, an dem Kaiser
HEINRICH III. starb, erhielt Luder-Udo die Ernennung
zum Markgrafen der sächsischen Nordmark, der heutigen Altmark
zwischen Ohre und Elbe, deren Zentrum die Burg
Salzwedel wurde. Doch der erste Markgraf der UDONEN starb bereits
nach einjähriger Tätigkeit in dieser Stellung am 7. November
1057. Von einigen Quellen wird zwar behauptet, dass erst sein Sohn die
Mark erhielt, jedoch liegt nicht nur der Bericht eines Zeitgenossen vor,
sondern auch aus einer 1063 ausgestellten Kaiserurkunde geht hervor, dass
schon Luder-Udo I. Markgraf war. Hier interessiert jedoch eine andere
Angabe Lamperts, von dessen günstiger Beurteilung des neuen
Markgrafen wir hörten, wesentlich mehr. Der Mönch spricht nämlich
im gleichen Zusammenhange von der "sehr engen Verwandtschaft" Luder-Udos
mit dem König.
Die heute noch nachweisbaren Familienbindungen mit dem
Kaiserhause sind folgende: Eine Linie der Verwandtschaft geht über
Judith
und
die KONRADINER, aus deren Geschlecht
Gisela
von Schwaben, Mutter Kaiser HEINRICHS
III., stammte. Sollte tatsächlich Bruno von Braunschweig
in erster Ehe mit Gerburg von Stade verheiratet gewesen sein (siehe
Seite 23), wäre die Bindung über Gisela
noch stärker. Ob man die Stellungnahme der BRUNONENEkbert
und Bruno,
die am 26. Juni 1057 den nächsten (verwandtschaftlichen) Prätendenten
auf die Markgrafenwürde, Otto
von Haldensleben, bei Neindorf an der Selke angriffen, als Parteinahme
für den STADER ansehen darf, bliebe unter dieser Voraussetzung
zu untersuchen. Bekanntlich wurde sowohl Otto als auch einer der Angreifer
- Ekbert - in dem Gefecht getötet.
Andere verwandtschaftliche Beziehungen laufen über
die Vorfahren
Kaiser
KONRAD II. selbst. Da der SALIER
mit OTTO DEM GROSSEN verwandt war,
der Sachsenkaiser dagegen, wie gezeigt wurde, mit Heinrich dem Kahlen
von Stade, ist auch hier eine entfernte Familienbindung nachzuweisen.
Lampert wußte natürlich, - und damit kommen
wir auf die Beziehungen, die 1056 noch nicht bestanden -, dass die SALIER
mit dem Königshaus durch Luder-Udos
Gemahlin Adelheid,
liiert waren. Adelheid ist die Tante RUDOLFS
VON RHEINFELDEN. Dessen Gemahlin ist bekanntlich Mathilde,
die Schwester HEINRICHS
IV.: Der Schwager des Königs
(RUDOLF)
war
also zu Lamperts Zeit ein Neffe der Gattin Luder-Udos. Nach heutigen
Begriffen ist das keine sehr nahe Verwandtschaft! Trotzdem rühmen
aber die Zeitgenossen des Markgrafen die "Erlesenheit eines solchen Geschlechts".
Der deutsche König (HEINRICH
IV.) hätte wohl kaum die Witwe
eines Markgrafen von Stade, die russische Fürstentochter Eupraxia-Adelheid
geheiratet, wenn die UDONEN nicht eine besondere Stellung eingenommen
hätten. (Näheres weiter unten)!
Neben den Beziehungen zum Königshaus ist die Familie
Adelheids
von Rheinfelden noch in anderer Hinsicht zu untersuchen. Kann man bereits
über die Familien der CATLENBURGER und BILLUNGER eine Verwandtschaft
der UDONEN zu Heinrich
dem Löwen nachweisen, so liegt bei Adelheid der Ansatzpunkt
für eine weitere Verbindung, dieses Mal von der väterlichen Seite
des Herzogs her. Ita
von Öhningen, die Gemahlin Rudolfs
II. aus dem Hause der WELFENwar
die Mutterschwester Adelheids. Für Rudolf von Stade
(+ 1144) und Heinrich dem Löwen ist der Vater Itas von Öhningen
ein gemeinsamer Ahnherr. Der Löwe lebte in der 7.,
Rudolf II. von
Stade nur in der 5. Generation vom süddeutschen Grafen aus!
Eine Verwandtschaft zwischen WELFEN
und STADERN ist dem Verfasser der süddeutschen "Hisoria Welforum"
bekannt gewesen. Er setzt jedoch Ekbert
(Verwechslung mit dem Sohne Idas
von Elsdorf ?), den Sohn Cunos
von Öhningen, als Stader Markgrafen. Das kann nicht
richtig sein. Sicher ist aber, dass Ekberts Schwager, ein namentlich nicht
bekannter Graf von Rheinfelden, durch seine Tochter, das heißt Adelheid,
der Schwiegervater des ersten stadischen Markgrafen
wurde.
Adelheid
erbaute ihrem Gemahl eine Grabkapelle
in Harsefeld. Sie ist also erst nach 1057 verstorben. Die Rosenfelder Chronik
nennt ihre letzte Ruhestätte zu "Mallesleve". Das ist vermutlich ein
Schreibfehler für "in Allesleve", Alsleben an der Saale. Ihr Todestag
ist der 7. Dezember.
Udo II. Graf und Markgraf von 1057-1082 und seine Gemahlin
Oda von Werl
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Der einzige Sohn Adelheids und Luder-Udos I.
wird
in den Quellen meistens nur "Udo" genannt. Wir bezeichnen ihn als
Udo II., um eine Verwechslung mit seinem Vater und seinem Sohn, die manchmal
auch nur mit einem Teil ihres Doppelnamens erwähnt werden, zu vermeiden.
Die Rolle Udos II. in der Reichsgeschichte beansprucht einen breiten
Raum der Darstellung im politischen Teil der Arbeit. Hier genüge die
Feststellung seines Amtsantrittes, nämlich 1057 und seines Todesdatum
am 4. Mai oder März 1082.
Oda (+ 13.1.1110), die Gattin Udos II.,
stammte aus Westfalen. Nach dem Sächsischen Annalisten war sie die
Tochter eines Grafen
Hermann von Werl und der Richenza.
Richenzas Herkunft ist bis vor kurzem unbekannt geblieben.
Jedoch hat E. Kimpen wahrscheinlich gemacht, dass sie eine Tochter Ottos,
des Pfalzgrafen von Lothringen und späteren Herzogs von
Schwaben (+ 1047), also eine EZZONIN, gewesen ist und damit
als Enkelin Mathildes,
der Tochter Kaiser OTTOS II., auch
mit den sächsischen LIUDOLFINGERN
verwandt war.
Odas Mutter ist eine Schwester Idas von Elsdorf,
wie zu zeigen sein wird (siehe Seite 59). Die Herkunft der beiden Schwestern
soll dann an dieser Stelle untersucht werden.
Richenza heiratete nach dem Tode Hermanns den Herzog
Otto von Northeim. Dadurch wurde Oda die Stieftochter des
einflußreichsten Fürsten Sachsens.
Die Schwierigkeiten, weitere Vorfahren Hermanns, des
Vaters der Oda, zu ermitteln, liegen darin, dass uns über das Werler
Haus gänzlich zuwiderlaufende Quellenberichte erhalten sind.
Es lassen sich aus den erwähnten Angaben des Annalista,
der um 1150 schrieb, einerseits, und den aus Thietmars Chronik und Urkundenüberlieferungen
auf uns gekommenen Namen andererseits, zwei schwerlich vereinbare Filiationen
der WERLER
aufstellen. Es ist das Verdienst Bollnows, diese Schwierigkeit klar herausgestellt
zu haben, indem er nachwies, dass erst durch die Ehe der Tochter (Mechthilde)
Ottos von Northeim mit Konrad
von Arnsberg eine nähere Verbindung dieser beiden westfälischen
Familien, die beide "von Werl" genannt werden, stattgefunden haben kann.
Neuerdings haben jedoch F. von Klocke und K. A. Hömberg wiederum versucht,
diese auseinander strebenden Nachrichten zu vereinen.
Eine weitere Auseinandersetzung mit den genealogischen
Problemen der Werler Familie ist nicht erforderlich. Hinzuweisen ist nur
auf die Tatsache, dass der Vater Hermanns (also Odas Großvater) doch
Rudolf
hieß, wie der Annalista Saxo (1026, a.a.O) berichtet. Der Name Rudolf
ist vor der Heirat der WERLER Oda in der Stader Familie durchaus
ungebräuchlich. Odas erstgeborenen Söhne hießen Heinrich,
Luder-Udo
und Siegfried. Erst ihr vierter Sohn erhielt nach dem Werler Ahn
den Namen Rudolf. Daher wird die von Hömberg, Werler, angeregte
Konjektur kaum richtig sein.
Heinrich III. der Lange (geb. etwa 1065, + 1087), und
seine Gemahlin Eupraxia-Adelheid (geb. etwa 1067/70, + 1109)
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Der älteste Sohn aus der Ehe Udos II. mit
Oda
war Heinrich "der Lange". Er wird, wenn wir Bollnows Berechnungen
folgen und Odas Geburtsdatum um 1050 ansetzen, kaum vor 1065 geboren
sein, mithin beim Tode Udos II. etwa 17 Jahre alt gewesen sein.
Er übernahm 1082 offiziell die Ämter seines Vaters, wenn auch
die Quellen das starke Übergewicht seiner Mutter nicht verleugnen.
Heinrich
gehörte zu den sächsischen
Fürsten aus dem Ende des 11. Jahrhunderts, die der Annalista Saxo
als "unstete Jugendliche" bezeichnet, "deren Väter tüchtiger
gewesen seien und einer kräftigeren Generation" angehört hätten.
Eine urkundliche Erwähnung Heinrichs ist nicht überliefert.
Wir beziehen die Erzählung Lamperts über die
Flucht eines jungen STADERS, der dem königlichen Ministerialen
Eberhard von Nellenburg als Geisel anvertraut war, auf Heinrich III.
Auf
ihn trifft für 1076, - das heißt er wäre ungefähr
11 Jahre alt gewesen, die Angabe des Hersfelder Mönches zu, dass er
"zarten Alters und noch lange nicht mündig" gewesen sei, als er die
abenteuerliche Flucht aus S-Deutschland begann. Bekanntlich gelangte
Heinrich und sein Begleiter, der Sohn des Pfalzgrafen
Dedo, bis nach Mainz, wo sie von ihrem Verwandten, dem Erzbischof
Siegfried (1060-1084) aufgenommen wurden. Heinrich starb am 27.
Juni 1087.
Er hinterließ eine kaum 20-jährige GattinEupraxia,
"die aber in unserer Sprache Adelheid
heißt", wie der korrekte Annalist hinzufügt. Kinder hatten die
jungen Eheleute nicht. Diese Tochter des Großfürsten
Wsewolod I. von Kiew (1030-1093), aus dessen zweiter
Ehe mit einer sonst nicht bekannten Anna (+
7.10.1111) hervorgegangen, heiratete nach zweijähriger
Witwenzeit den Kaiser HEINRICH IV. Schon
1093/94 verließ sie ihn wieder. Sie starb am 20.7.1109. Auf die Familie
der "russischen Königstochter und ihre Verwandtschaft - ihre Tante
Oda
war die Tochter der bekannten Ida
von Elsdorf - kommen wir zurück (Seite 69).
Markgraf Luder-Udo III. (1087-1106) und seine Gemahlin
Irmgard von Plötzkau (+ 1153)
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Der Nachfolger Heinrichs III. als Graf und Markgraf
wurde sein jüngerer Bruder Luder-Udo III. In Urkunden wird
Luder-Udo
erst nach einigen Jahren genannt. Er trägt wie sein Großvater
den bekannten Doppelnamen der STADER, wird aber auch nur als "Udo"
oder "Luder" bezeichnet. Er starb am 2. Juni 1106 an einer
Krankheit, die er sich während der Verhandlungen mit Herzog
Magnus und Erzbischof Friedrich von Bremen (1104-1123) zugezogen
hatte. Die Zeitgenossen vermuteten einen gewaltsamen Tod (Gift),
da der Markgraf sich mehrere Jahre vorher durch den Anschluß an den
Kaiser sich den Haß der gesamten sächsischen Aristokratie zugezogen
hatte.
Über seine Brautwerbung um die schöne (und
reiche!) Irmgard von Plötzkau liegt ein Bericht Alberts vor.
Diese Erzählung ist aber, was die angeblichen Standesunterschiede
der Partner anbetrifft, wohl wertlos. Dagegen liefert die Erzählung
Alberts von der beabsichtigten Heirat Luder-Udos mit Eilica,
der Tochter des Herzogs Magnus, die dann Otto
von Ballenstedt heimführte, Ansatzpunkte für den Zeitraum
von Luder-Udos III. Hochzeit, da Eilica bereits um 1100 Mutter Albrechts
des Bären wurde. Der STADER wird also nach 1100 geheiratet
haben, wahrscheinlich im Jahre 1101. Der älteste Sohn Irmgards
und Luder-Udos
erreichte erst 1114 das vorgeschriebene Alter von
12 Jahren, um die Ämter seines Vaters, die inzwischen der Onkel, Rudolf
I. führte, zu übernehmen.
Über die Vorfahren Irmgards von Plötzkau
sind wir durch bessere Quellen als Albert unterrichtet. Es mag sein, dass
Irmgards
Vater,
Theoderich
von Plötzkau aus dem Ministerialenstand zum Grafen aufstieg.
Doch hatte schon sein Sohn Helperich,
der Bruder Irmgards, 1112 zeitweilig die Verwaltung der Nordmark
inne,
und sein Enkel Conrad
war in den Jahren 1130 bis 1133 Markgraf. Sicher ist die vornehme Herkunft
der Mutter Irmgards, namens Mathilde.
Ihr Großvater war Friedrich
von Walbeck, Bruder Thietmars von Merseburg, den der Sächsische
Annalist als (Burg)grafen von Magdeburg bezeichnet. Der WALBECKER
hatte einen Sohn Conrad, dessen einzige Tochter den erwähnten Theoderich
von Plötzkau heiratete. So kam das Walbecker Erbe Friedrichs an die
PLÖTZKAUER,
und dann durch Irmgard, die "das gesamte Erbe ihres Großvaters
erbte", teilweise an die STADER. Aus der Ehe Theoderichs mit Mathilde
gingen Helperich und Irmgard
nebst zwei anderen Kindern hervor.
Da Irmgards
Ur-Ur-Großmutter
Cunigunde, die Tochter
Heinrichs
des Kahlen war, mit dem
Irmgard
somit im 5. Grade verwandt war,
Luder-Udo
III. aber in männlicher Linie der STADER von
Heinrich
aus die 4. Generation darstellt, ist die Ehe, wie der Annalista richtig
feststellt, nach kanonischem Rechte anfechtbar gewesen.
Kinder Luder-Uods III. und der Irmgard
waren Heinrich IV., der von 1114 bis 1128 "regierte" und die Töchter
Adelheid
und
Irmgard.
Markgräfin
Irmgard heiratete bald (etwa 1108) nach dem Tode des STADERS
den
Grafen Gerhard von Heinsberg, dessen Mutter (Oda) als die Tochter eines
Grafen Siegfried von Walbeck bezeichnet wird. Dieser Siegfried darf jedoch
nicht mit dem Gemahl der Cunigunde identifiziert werden, wie oben
gezeigt wurde. Wenn der jüngere Siegfried aber ein Nachkomme der Cunigunde
ist, so trifft - trotz des Irrtums des Annalista über Oda - seine
Behauptung zu, dass auch die zweite Ehe der Irmgard
eine Verwandtenehe
war [Irmgard
und
Luder-Udo III. waren nach germanischer Zählung
im 9. Grade verwandt.
Irmgard
und Gebhard germanisch im 8., nach
kanonischen Recht aber im 4. Grade!]. Die Vermutung, dass Siegfried ein
Sohn oder Enkel Heinrichs von Walbeck gewesen ist, wird dadurch noch bestärkt.
Die Kinder, die die Markgräfin aus ihrer zweiten
Verbindung mit dem HEINSBERGER hatte, nennt Albert von Stade [nämlich
Siegfried + 1137 und Oda, die Siegfried von Artlenburg heiratete]. Eine
Enkelin Irmgards, namens Oda, wird uns noch beschäftigen, da
sie Albert von Osterburg-Veltheim heiratete. Der Vater des Osterburgers,
Werner, war nämlich der 2. Gemahl Adelheids, die vorher mit Irmgards
Sohn Heinrich IV. von Stade verheiratet war. Irmgard starb
am 26. November 1153.
Markgraf Rudolf I. (1106-1114; + 6.12.1114) und seine
Gemahlin Richardis (+ 1151)
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Schon vor dem plötzlichen Tod Luder-Udos
war die Grafengewalt zwischen Weser- und Elbmündung verloren gegangen.
In der Mark wurde jedoch Rudolf I., der jüngere Bruder Luder-Udos
III., eingesetzt. Die Quellen betonen, dass Rudolf
die Verwaltung
der Mark nur als Vormund seines Neffen Heinrichs IV., erhielt. Es
ist allerdings offenkundig, dass man den Sohn
Luder-Udos III. ohne
weiteres als Erbe der Ämter seines Vaters, Rudolf
sowie dessen
Nachkommen als Seitenlinie betrachtete. Diese Regelung galt auch für
das Allod der Linien, da noch in der Urkunde König
PHILIPPS von 1200 zwischen den "patrimonium" Rudolfs
II.
und
Hartwigs, also der Söhne Rudolfs I., und
dem Erbe Heinrichs IV., des Sohnes Luder-Udos III., unterschieden
wird. Rudolf
tritt erstmalig 1108 in einer Urkunde des Erzbischofs
Adelgot von Magdeburg als Markgraf auf. Er starb am 7. Dezember 1124 in
Magdeburg und wurde dort im Dom bestattet.
Es ist nicht bekannt, wann Rudolf
geheiratet hat.
Einerseits treten uns seine beiden ältesten Söhne bereits 1124
entgegen; - (Udo ist 1127) verheiratet -, andererseits werden Rudolf
und
Udo,
sowie Hartwig und Luitgard noch
vor dem 15. März 1130 als Schenkgeber neben ihrer Mutter genannt,
und Richardis II. ist nicht dabei. Hartwig und Luitgard
sind
daher nach 1124, Rudolf und Udo vor diesem Zeitpunkt mündig
gewesen, Richardis II. nach 1130. Vermutlich kam die Ehe mit Richardis,
der Tochter des Burggrafen und Stiftvogtes von Magdeburg, Hermann,
erst nach Rudolfs
Ernennung zum Markgrafen zustande. Rudolf
und Hermann treffen wir erstmalig in der erwähnten Urkunde von 1108
zusammen als Zeugen in Magdeburg.
Die Markgräfin Richardis von Stade ist neben
Oda die zweite große Frauengestalt des Stader Geschlechts.
Auch sie überlebte ihren Gemahl und die zwei ältesten Söhne
und starb erst 1151.
Siegfried, Geistlicher zu Magdeburg (+ 7. Juni nach 1110)
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Bei den Verhandlungen über die Einrichtung des Klosters
Harsefeld machte Siegfried, der jüngste Sohn der Oda,
Schwierigkeiten, indem er seine Zustimmung zur Übernahme der kaiserfeindlichen
Mönche aus Ilsenburg versagte. Auf Drängen seiner Mutter Oda
stimmte er schließlich zu und vermachte der Neugründung sein
gesamtes Erbe, das er in Harsefeld besaß. Nun wird Siegfried
bereits bei der Erwähnung dieser Episode als Propst zu St. Nikolai
und Geistlicher am Dom zu Magdeburg genannt, obwohl gleichzeitig gemeldet
wird, dass er zu dieser Zeit (1100) noch in der Ausbildung war. 1108 wird
er noch ohne jeglichen Rang in der Magdeburger Urkunde, in der auch Hermann
von Freckleben und Rudolf von Freckleben auftreten, als Bruder des Markgrafen
bezeichnet. Dagegen erscheint ein Propst Siegfried als erster Zeuge
bei einer Güterübertragung an das Kloster Berge. Der zweite Zeuge
ist der Burggraf Hermann. Wenn der UDONE gemeint ist, wäre
das die einzige urkundliche Erwähnung als Propst, denn auch das Rosenvelder
Necrolog, das seinen Todestag zum 7. Juni meldet, nennt ihn nur Canonikus
und Graf.
Nun tritt aber von 1147 (Mitte April) bis 1182 (Juni-September)
in den Urkunden der Erzbischöfe von Magdeburg ein Siegfried
auf,
der mehrfach "Propst von St. Nikolai", "Dekan an der Domkirche und Propst
an St. Nikolai" genannt wird. Da Siegfried von Stade jedoch spätestens
1083 - (sein Vater starb am 4. Mai 1082) - geboren wurde, müßte
man annehmen, er wäre mindestens 100 Jahre alt geworden, wenn man
ihn mit jenem Propst und Dekan gleichsetzen würde. Hinzu kommt noch,
dass der jüngere Siegfried, als er in einer Urkunde Erzbischof
Hartwigs 1154 als Zeuge auftritt, keinesfalls als Onkel des Erzbischofs
bezeichnet wird und auch in keiner anderen die UDONEN betreffenden
Urkunde erscheint.
Wahrscheinlich liegt eine Verwechslung des STADERS
mit dem späteren Namensvetter vor, so dass es zweifelahft erscheint,
ob Siegfried tatsächlich die ihn zugeschriebene geistliche
Würde bekleidet hat. Er wird kurz nach 1110 gestorben sein.
Adelheid und ihre Ehen mit Friedrich von Goseck und Ludwig
(dem Springer) von Thüringen
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Adelheid, die älteste Tochter Luder Udos
II. und der Oda ist in ihrer 1. Ehe mit Friedrich
III. von Goseck [zwischen Naumburg/Saale und Weißenfels]
oder Putelendorf vermählt gewesen. Ihr Gemahl war der Sohn Friedrichs
II. (Pfalzgraf in Sachsen 1056-1088) und seiner aus Süddeutschland
gebürtigen Gattin Hedwig.
Ein Bruder Friedrichs II., also der Onkel des jungen
Ehemannes, ist der bekannte Erzbischof
Adalbert von Bremen (1043-1072). Die Mutter Adalberts und Friedrichs
II. stammte aus dem Hause
WEIMAR-ORLAMÜNDE.
Die mysteriösen Umstände bei der Ermordung
Friedrichs
III. und die Wiederverheiratung der STADERIN Adelheid mit Ludwig
von Thüringen erregten das Interesse älterer und neuerer
Geschichtsschreiber. Leider gibt es nur wenig Daten über Adelheid
selbst. Den Erwägungen Bollnows, der ihr Alter bei der Eheschließung
zu bestimmen sucht, können wir uns nicht anschließen. Es wird
lediglich berichtet, dass ihr Gemahl bei der Eheschließung kaum dem
Knabenalter entwachsen war, ihr eigenes Alter aber nicht erwähnt.
Adelheids Trauung ist in das Jahr 1081 zu setzen, wenn man, wie die
meisten Forscher, den Bericht der Gosecker Chronik als zutreffend anerkennt:
Danach wurde der junge Pfalzgraf am 5. Februar 1085 auf der Jagd hinterhältig
ermordet, nachdem er vier Jahre verheiratet war.
Der erste Sohn, wie sein Vater und Großvater ebenfalls
Friedrich genannt, wurde erst nach dem Tode des Vaters geboren. Friedrich
IV. von Goseck erhielt jedoch nicht das Amt seines Großvaters
(Pfalzgraf), um das er sein Leben lang gekämpft hat. Er vermählte
sich um 1108/10 mit Agnes,
der Tochter des Herzogs von Niederlothringen, Heinrich
von Limburg.
Adelheid schloß bald nach dem Tode des GOSECKERS
eine zweite Ehe mit Ludwig II. von Thüringen, der seinen Beinamen
"der Springer", einem legendären Sprung aus der Burg Giebichenstein
in die Saale verdankt, als er dort in Haft gehalten wurde. Es ist nicht
verwunderlich, wenn die Quellen diesen Draufgänger als den Mörder
des Pfalzgrafen bezeichneten. Aus seiner Ehe mit Adelheid, die 1110
starb, gingen mehrere Kinder hervor, von denen hier Ludwig III., der spätere
erste "comes provincialis Thuringiae" (+ 1139), weiter der bereits
genannte Udo, Bischof von Naumburg (1215-1148) und vier andere nur erwähnt
werden sollen. Wichtig ist jedoch die Heirat der ältesten Tochter
Adelheid.
In erster Ehe heiratete sie um 1102 den Grafen
Ullrich II. von Weimar-Orlamünde, der als letzter männlicher
Angehöriger seines Hauses am 13. Mai 1112 verstarb. Er hinterließ
aus der Ehe mit Adelheid (der Jüngeren), die er wegen Untreue verstoßen
hatte, keine Nachkommen. Sein Tod löste bekanntlich größere
Streitigkeiten innerhalb des sächsischen Adels aus. Dadurch, dass
der Kaiser die gesamten Allode des Erblassers als Reichsgut einzog, machte
er sich die gesamte Verwandtschaft Ullrichs, darunter auch die UDONEN,
zu Feinden.
N.N. Äbtissin zu Alsleben (um 1100)
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Eine zweite Tochter Udos und der Oda, von
der wir nicht einmal den Namen wissen, ging ins Kloster. Sie wurde Äbtissin
zu Alsleben.
Markgraf Heinrich IV. (1114-1128) und Adelheid von Ballenstedt
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Mit Markgraf Heinrich IV. von Stade und seinen
zwei Schwestern Adelheid und Irmgard
beginnt die Besprechung
der letzten Generation aus dem Stader Hause. Weder Heinrich
noch seine beiden Vettern hatten männliche Nachkommen, die den Namen
der Familie fortsetzen konnten.
Heinrich IV. übernahm die Nordmark 1114 von
Rudolf
I. und starb schon am 4. Dezember 1128 auf der Rückkehr von der
Belagerung Speyers durch LOTHAR
VON SUPPLINBURG. Albert von Stade verwechselt ihn mit Heinrich
von Eilenburg, der 1123 starb. Diese Frage dürfte geklärt
sein, es ist jedoch zu untersuchen, ob Heinrich tatsächlich
der letzte STADER gewesen ist, der die sächsische Nordmark
verwaltet hat, wie die Rosenfelder Chronik berichtet. Heinrichs
Frau ist die ASKANIERINAdelheid,
Tochter Ottos
(des Reichen) von Ballenstedt (+ 1123) und der Eilika
(+ 1142) aus dem Hause der BILLUNGER.
Ihr Bruder, Heinrichs Schwager, war also Albrecht
der Bär. Todestag und -jahr Adelheids sind nicht bekannt.
Es ist anzunehmen, dass sie beim Tode ihres ersten Gemahls noch jung gewesen
ist, da aus der Ehe keine Kinder hervorgegangen sind. Aus diesem Grunde
wird auch ihr gesamtes Wittum (dos), aus stadischem Allod
bestehend, an die Sippe ihres zweiten Gemahls übergegangen sein.
Dieser zweite Gatte Adelheids ist nach Albert
ihr Lehnsmann (vasallus) Werner von Veltheim (bei Osterwieck).
Damit ist nicht gesagt, dass Werner ein Lehnsmann der ASKANIER war.
Die VELTHEIMER sind kein einheimisches Geschlecht. Ein
Werner von Veltheim, der Großvater des zweiten Gemahls der Adelheid,
wird vom Bischof Burchard II. von Halberstadt (1059-1088) als Brudersohn
angesprochen.
Ein Sohn Werners III. und Adelheids, Albert von Osterburg,
erscheint urkundlich zuerst 1160. Er heiratet Oda, die Enkelin Irmgards
von Plötzkau aus deren zweiter Ehe. Albert wird also durch seine
Frau mit STADERN und WALBECKERN verwandt, so dass wir hier eine
Erklärung für die Herkunft der Güter haben, die später
sein Sohn, Siegfried von Osterburg, verkaufte oder verschenkte. Siegfried
wird auch "de Aldenhusen", (Herkunft seiner Mutter oder Großmutter
?) genannt.
Halten wir also fest, dass die Enkelin Irmgards,
Oda, Albert von Osterburg heiratet, die Tochter Irmgards, ebenfalls
namens Oda jedoch den Ertenburger, wie uns Albert berichtet, so entstehen
einige Schwierigkeiten durch eine urkundliche Nachricht, dass eine dieser
Odas mit einem Grafen Ludwig (unbekannter Herkunft) verheiratet gewesen
sein soll. Graf Ludwig und Oda schenkten vor 1180 ein Viertel des Lappwaldes,
der aus dem plötzkau-walbeckschen Erbe stammte, ans Kloster Marienthal.
Da aber der Osterburger Albert noch 1186 und 1195 auftritt, das heißt
seine Frau Oda zu seinen Lebenszeiten kaum ein zweites Mal verheiratet
gewesen ist, und die ältere Oda 1158-60 Witwe gewesen zu sein scheint,
ist es nicht ausgeschlossen, dass letztere nach dem Tod des Artlenburgers
in einer 2. Ehe mit Ludwig verheiratet war.
Adelheid von Stade und Heinrich der Jüngere von Eilenburg,
Markgraf von Meißen (geb. 1104, gest. 1123)
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Nur die Rosenfelder Chronik berichtet, dass Heinrich
IV. noch drei Schwestern gehabt habe. Es wird ausdrücklich gesagt,
dass die erste Tochter Luder-Udos III. und der Irmgard
den
EILENBURGER,
die dritte jedoch Poppo von Henneberg heiratet. Aber von der zweiten weiß
weder Albert, noch das Chr R selbst etwas. Auch die Nachrichten über
Adelheid
und Irmgard
selbst sind spärlich. Beginnen wir mit Adelheid.
Ihr Geburtsjahr ist etwa 1103, so dass sie beim Tod ihres Gemahls (Heinrich
der Jüngere) 1123 20 Jahre gezählt haben wird. Über
ihr weiteres Schicksal ist nichts bekannt.
Der EILENBURGER war ein Sohn der BRUNONINGertrudaus
ihrer dritten Ehe mit Heinrich
dem Älteren von Eilenburg (wie sich die frühen WETTINER
nannten). Dieser starb bereits 1103. Heinrich der Jüngere wurde erst
nach dem Tode seines Vaters geboren und seine Mutter bemühte sich,
ihm das väterliche Amt zu erhalten. Die anderen Aspiranten auf die
Markgrafenwürde, vor allem Konrad, der Bruder Heinrichs des Älteren,
streuten nun diffamierende Gerüchte über Mutter und Sohn aus.
Größere Bedeutung als dieses Gerede hat die Behauptung Alberts,
dass Heinrichs Stiefschwester Richenza,
die aus der Ehe Gertruds mit Heinrich
dem Fetten stammt und die bekanntlich die Gemahlin LOTHARS
VON SUPPLINBURG wurde, nach Heinrichs Tode die gesamte Erbschaft
des ILBURGERS mit ihrer Schwester, der Pfalzgräfin Gertrud,
teilte, das heißt, dass vielleicht Eigengüter der STADER
an Richenza gefallen sind.
Auch der frühe Tod Heinrichs rief bei den Zeitgenossen
eine Fülle von Gerüchten hervor. Man sprach von Giftmord. Die
Angabe des Chr R, er sei in Dänemark ertrunken, beruht vermutlich
auf einem Lesefehler.
Irmgard und Poppo (V.) Burggraf von Würzburg
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Mit der lakonischen Meldung Alberts, dass eine Tochter
Udos
II. und Irmgards den Poppo von Henneberg (bei Meiningen)
heiratet, ist mangels zeitgenössischer chronikalischer Nachrichten
über die HENNEBERGER wenig anzufangen. Auch die moderne Geschichtsforschung
hat der Familie Poppos, die in der Geschichte der Würzburger
Bischöfe eine Rolle spielt, nicht viel Aufmerksamkeit geschenkt, so
dass wir darauf angewiesen sind, aus den bei Diobenecker gegebenen Regesten
die neue Verwandtschaft der STADER zu ermitteln.
Als der Vater Poppos (V.) wird Gotebold,
Graf von Henneberg und als seine Mutter Liutgard genannt. Gotebold tritt
bis 1144 als Burggraf von Würzburg auf. Ihm scheint Poppo,
der Gemahl unserer STADINGER, gefolgt zu sein.
Der Name der UDONEN-Tochter ist aus einer Urkunde
von 11511 ersichtlich. Ebenso wie ihre Mutter heißt sie Irmgard.
In derselben Quelle werden auch ihre Schwäger, also die Brüder
Poppos
(V.) genannt. Es sind die Bischöfe Gebhard von Würzburg (1150-1159)
und Günther von Speyer (1146-1161), sowie Poppos Amtsnachfolger Bertold.
Poppos Tod muß vor 1151 liegen, da er zu dieser Zeit bereits "pius
semper commemorandus" genannt wird. Lappenberg und Lilie setzen Irmgards
Tod zu 1178 an. Eine Bestätigung habe ich nicht gefunden.
Eine weitere Familienverbindung zwischen HENNEBERGERN
und STADERN entsteht durch die Heirat der HENNEBERGERIN Liutgard
mit Adalbert von Sommerschenburg, dem Sohne des Pfalzgrafen Friedrich II.
und seiner Gemahlin, der STADERIN Liutgard. Nun meldet der Stader
Abt, dass Liutgard von Henneberg, eine Tochter Poppos, das wäre also
der erwähnte Gemahl der Irmgard, gewesen sei. Das entspricht
jedoch nicht den Angaben, die wir den Urkunden entnehmen.
Hier erfahren wir aus dem Jahre 1189, dass Liutgard,
"Pfalzgräfin zu Sachsen", eine Irmgard, "Pfalzgräfin bei
Rhein" sowie ein Poppo (VI.) Geschwister sind, deren Mutter Berta heißt.
Der letztgenannte Poppo (VI.) spricht nun Poppo (V.) als seinen Vatersbruder
an; mit anderen Worten: Der Vater der (HENNEBERGER) Liutgard war
nicht der mit der STADERIN verheiratete Poppo (V.), sondern
dessen Bruder Bertold I. Albert ist sicherlich der Namensgleichheit von
Tante und Nichte zum Opfer gefallen.
Udo IV. (+ 1130) und seine Gemahlin Jutta von Winzenburg
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Er tritt zum erstenmal 1127, am 25. Dezember auf, als
er sein Erbgut (patrimonium) zu Bockenau, Kr. Kreuznach und Gensingen,
Kr. Bingen, dem Kloster Spanheim überträgt. Zwar erscheint er
nur als "quidam nobilis", aber eine Identität ist nicht zu
leugnen, da sein Vater, Rudolf I. und seine Mutter Richardis,
aus deren Spanheimer Erbe die Güter stammen, als Mitgründer
des Klosters genannt werden. Auch sie schenkten der neuen Niederlassung
Güter in Bockenau. Udo hatte weiterhin seinen Eltern gemeinsame
Rechte an einem Landgute in Sporkenheimer Hof bei Bingen, die von ihnen
an Erzbischof Adalbert verkauft wurden. Hinzuweisen ist ferner auf den
Vogt "comes Megenhard de casrtro Spanheim", der die Stifung Udos
für das Kloster übernimmt. Er ist ein Verwandter von Udos
Mutter
Richardis.
In der Urkunde vom 25. Dezember 1127 findet sich die
einzige Erwähnung der Gemahlin Udos, die eine Schwester des
ersten thüringischen
Landgrafen Hermann (II.) von Winzenburg ist, und deren Name von
Uslar-Gleichen mit Beatrix oder Mathilde angegeben wurde.
Der richtige Name ist aber Jutta, eine Kurzform von Judith.
Da dieser Name damals in S-Deutschland sehr gebräuchlich
war, lieferte er einen weiteren Hinweis für Uslar-Gleichens These
über die Abstammung der WINZENBURGER
von den bayerischen Grafen von Formbach. Uslar-Gleichen stützt sich
im wesentlichen auf eine Chronik des Reinhäuser Abtes Reinhard, die
dieser um 1153/56 geschrieben haben soll. Reinhard behauptet, dass Mathilde
von Reinhausen einen bayrischen Grafen, den Uslar-Gleichen ebenfalls Hermann
nennt, geheiratet und diesem einen Sohn namens Hermann
von Winzenburg geboren hat. (Sein Geburtsdatum setzt Uslar-Gleichen
ohe Beleg auf 1083).- Reinhard meldet ferner, dass Hermann von Winzenburg,
der uns seit 1107 in Urkunden entgegentritt und 1122 starb, die Winzenburg
erbaut hätte. Hier kommt eine andere Überlieferung zu Hilfe.
Aus einer Urkunde des Bischofs Bernhard I. von Hildesheim von 1150 geht
hervor, dass die Winzenburg als Lehen seiner Kirche von ihm und zweien
seiner Vorgänger an Hermann (II.) (und dessen Vater) ausgegeben worden
ist. Der zweite (geweihte) Vorgänger ist aber Bischof Udo (1079-1114),
der, ebenfalls aus dem REINHÄUSER Geschlecht, vom Abte Reinhard als
Bruder der erwähnten Mathilde genannt wird.
Dem Bischof Udo verdankt also Hermann I. von Winzenburg
seine Stellung in Sachsen. Von Hermanns I. Kindern ist außer Jutta
noch
der älteste Sohn, Hermann II., zu nennen. Er heiratete die jüngste
Schwester (Liutgard) seines stadischen
Schwagers
nach 1146.
Juttas Gemahl, Udo, ein Jahr nach der Stiftung
von Bockenau und dem Verkauf seines Bingeber Landgutes wird er urkundlich
belegt. Am 15. Juli 1128 tritt er bei einem Gütertausch in der eichsfeldischen
Burg Rusteberg auf. Bemerkenswert ist die Angabe, dass "Udo schon
zum Ritter geschlagen und verheiratet war", als er seine Zustimmung zum
Vertrage abgab. Seine unbedeutende Rolle geht aus der Reihenfolge der Zustimmenden
hervor. Udo wird nämlich erst nach Ludwig (II., Sohn des Springers
?), dem Vogt, sowie dessen Vizeadvokaten erwähnt.
Ebensowenig tritt Udo in einer Schenkung seiner
Mutter Richardis an Kloster Neuwerk bei Halle hervor, die zwischen
1129 und seinem Tode ausgefertigt wurde.
Nur eine Urkunde zählt Udo unter einer Reihe
von Grafen auf. Das ist die Kaiserurkunde LOTHARS
vom 13. Juni 1129, von der man erwartet hätte, ihn hier als Nachfolger
seines Vetters Heinrich IV. als "Markgraf" genannt zu sehen.
Es ist jedoch sehr wahrscheinlich, dass er vom Kaiser
weder als Graf noch als Markgraf eine offizielle Bestallung erhalten hat.
Die Kaiserurkunde und die Quellen, die seinen Tod am 15. März 1130
melden, werden ihm vermutlich die Bezeichnung "comes" als reinen
Titel zugelegt haben.
Im Kampf um die Erlangung eines Amtes ist der junge Udo,
als er Aschersleben, die Hauptstellung Albrechts des Bären, angreifen
wollte, gefallen. Er wurde in Harsefeld bestattet.
Sichtet man die Zeugnisse über den Tod des STADERS,
so fällt auf, dass nur der (um 1180 schreibende) Pöhlder Annalist
ihn als Markgraf bezeichnet. Der ferne St. Disibodenberger Mönch gebraucht
(zu 1128) eine zweideutige Wendung, die etwa so lautet: "Heinrich Markgraf
von Stade starb, dessen Mark Udo von Freckleben unterstellt
wurde. Zu 1130 gebraucht er aber nur den Namen 'Udo de Frankenleuf'
ohne Rang. Alle anderen Quellen nennen Udo lediglich als "comes".
Wenn wir auch zwischen dem Tode Heinrichs IV.
am 4. Dezember 1128 und dem Hoftag zu Goslar am 13. Juni 1129 noch keine
Nachfolgeregelung getroffen wurde, so wird doch hier, in Anwesenheit der
einflußreichsten Fürsten Sachsens die Entscheidung gefallen
sein, deren Ergebnis die Urkunde enthalten müßte. Berücksichtigt
man, welch geringe Rolle Udo IV. vor dem Tode seines Vaters gespielt
hat, denkt man ferner an die schon erwähnte scharfe Trennung zwischen
den beiden Linien (den Kindern Luder-Udos III. und Rudolfs I.),
die sich noch in der Urkunde von 1200 widerspiegelt, so verdient eine bisher
nicht beachtete Stelle der Rosenfelder Chronik, die durch eine Urkunde
Hartwigs
von 1144 bestätigt wird, besonders hervorgehoben zu werden. Hieraus
geht ganz eindeutig hervor: Udo ist nie Markgraf gewesen. Der Sächsische
Annalist meldet dasselbe, wenn er zu 1130 schreibt, dass die "Nordmark,
die Heinrich, der Sohn Udos gehabt hat, dem Conrad, Sohn Helperichs, des
Grafen von Plötzkau, anvertraut wurde. Auch die Annalen von Rosenfeld
schreiben, dass Heinrichs Herrschaft an Conrad überging.
Wer war in der Zeit vom 6. Dezember 1128 bis Mitte 1130 Herr der sächsischen Nordmark? Wer hatte Anrechte auf das Amt, das die STADER seit 1056 in Erbfolge verwalteten?
Überprüft man die beiden durch Quellen eindeutig
belegten Nachfolger, Conrad
von Plötzkau und Albrecht
den Bären, auf ihre Verwandtschaft mit den STADERN,
so zeigt sich, dass sie die beiden nächsten männlichen Angehörigen
vom Verstorbenen (das heißt Heinrich IV.) aus sind.
Albrecht der Bär ist als Schwager Heinrichs
im 2. Grade mit dem STADER verwandt, Conrad von Plötzkau dagegen
als Vetter nur im 4. Grade (Heinrichs Mutter Irmgard von Plötzkau
war die Schwester Helperichs, des Vaters von Conrad. Gehen wir vorerst
einmal auf die Jahre 1130 und 1134 ein, in denen eine Verlehnung der Mark
quellenmäßig gesichert ist.
Es ist bekannt, dass Conrad von 1130 bis 1133 als Markgraf
der sächsischen Nordmark eingesetzt war. Nach seinem Tode greift man
nicht auf Rudolf II. zurück, sondern man nimmt Albrecht den
Bären. Das zeigt eindeutig, dass Udo IV. nicht von 1128 bis
1130 Markgraf gewesen sein kann, denn sonst hätte man doch jetzt seinen
Bruder Rudolf II. berücksichtigen müssen, der 1130 vielleicht
noch zu jung war! Auch wenn Rudolf II. 1134 noch nicht lehnsfähig
gewesen ist, wäre der Bär nur Vormund geworden und hätte,
- wie Rudolf I. an Heinrich IV. im Jahre 1114 - die Mark
später abtreten müssen.
Hinzu kommt ferner, dass auch Conrad von Plötzkau
noch einen Bruder namens Bernhard
hatte, der ebensowenig berücksichtigt wurde wie Rudolf II. Albrecht
der Bär war also 1134 derjenige, der nach Erbrecht die größten
Ansprüche auf die Belehnung der sächsischen Nordmark anmelden
konnte.
Genau die gleichen Voraussetzungen galten aber bereits
für 1128. Zwar berichtet keine Quelle ausdrücklich davon, da
LOTHAR
anscheinend
gezögert hat, die Belehnung offiziell auszusprechen. Nach den genealogischen
Gegebenheiten (die im 2. Teil der Arbeit durch die Schilderung der politischen
Konstellation ergänzt werden sollen) spricht vieles dafür, dass
Albrecht der Bär bereits 1128 bis 1130 Markgraf der sächsischen
Nordmark gewesen ist. Wegen seiner Beteiligung am Tode Udos IV.
und anderer Differenzen mit LOTHAR,
verlor er aber nicht nur seine seit 1124 innegehabte Mark Lausitz, sondern
wurde auch 1130 nicht in der Nordmark bestätigt.
Rudolf II. (+ 1144) und seine Gemahlin Elisabeth von Steiermark
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Rudolf II. wird als Graf erstmalig 1133 in einer
Urkunde Bischofs Otto von Halberstadt und zwar in Gaterslebben (nördlich
Quedlinburg) erwähnt. Die Grafschaft an der Niederelbe erhielt er
jedoch erst nach dem Tode Friedrichs 1135.
Die Zeitgenossen melden, dass Rudolf am 15. März
1144 erschlagen wurde, nennen aber nicht den Ort seines Ablebens, sondern
nur seine letzte Ruhestätte zu Harsefeld.
Erst im Chronikon Holtzatiae des bremischen Presbyters,
der um die Mitte des 15. Jahrhunderts schrieb, wird berichtet, dass Rudolf
auf
der "Bokelenborg" (beim heutigen Orte Burg) erschlagen wurde. Diese Angabe
des Bremers, der nach Lappenberg weder die Chroniken Alberts noch Arnolds
von Lübeck gekannt hat, ist genauso unzuverlässig wie seine Erzählung
vom Tode der Gemahlin Rudolfs. Diese hätte "Wawurgis" (Waltburg
?) geheißen und sei in eine Au, die nach ihrem Namen benannt wurde,
geworfen worden.
Rudolfs Gemahlin war jedoch eine Elisabeth,
die nach dem Tode ihres Gemahls ein zweites Mal geheiratet hatte. Sowohl
die Geschichte von der Waltburgau, gegen die bereits wegen einer urkundlichen
Erwähnung der Au vor 1144 Bedenken geäußert wurden, als
auch die Nennung der Böckelenburg sind nur sagenhafte Ausschmückungen.
Elisabeth
war eine Schwester Otakars von Steiermark.
Diese Angabe Alberts wird durch zwei Urkunden aus dem Salzburger Raum bestätigt.
Hier wird
Hartwig, der Bruder Rudolfs II. und spätere
Erzbischof von Bremen als Zeuge genannt, als er seine Spanheim-Lavanthaler
Verwandten 1138 in Kärnten besuchte. Elisabeths Mutter, Sophie,
sowie ihr (Elisabeths) Bruder Otakar III. erscheinen als
Urkundenaussteller.
Elisabeth von der Steiermark starb an einem 25.
Juli unbekannten Jahres. Weder von ihrem ersten noch von ihrem zweiten
Gemahl, Heinrich
V. Herzog von Kärnten, hatte sie Kinder.
Hartwig, Erzbischof von Bremen 1148-1168
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Der letzte männliche Angehörige des STADER
Grafenhauses überlebte seinen Bruder Rudolf II. um 24 Jahre.
Sein Name wurde mit Bedacht nach den hohen geistlichen Würdenträgern
des SPANHEIMER Hauses, Hartwig, Erzbischof von Magdeburg
(1079-1102) und Hartwig, Bischof von Regensburg (1105-1126), gewählt
und damit der Beruf des jungen Mannes als Geistlicher bereits vorausbestimmt.
Das Leben des Erzbischofs hat Georg Dehio beschrieben.
Die Ergebnisse der neueren Forschung bietet die Zusammenstellung bei May.
Es bleibt nur einige Ergänzungen zu machen.
Hartwigs
Geburt ist vor 1118 anzusetzen, da die
Urkunde, in der er erstmalig als rechtsfähiger Schenkgeber (12 Jahre)
namentlich erscheint, vor dem 15. März 1130 ausgestellt worden sein
muß, während er vorher (1124) noch zu den "reliquis liberis"
gehörte. Sein Bruder
Udo IV., der an dem genannten Tage erschlagen
wurde, lebte bei der Ausstellung der Urkunde noch. In der erhaltenen Fassung
des Privilegs, das von Erzbischof Konrad von Magdeburg am 6. Januar 1135
bestätigt wurde, ist durch den Hinweis auf Erzbischof Norbert (+ 1134)
ausdrücklich auf eine Vorlage (bzw. früheres "actum") hingewiesen.
Hartwigs
Besuch in Kärnten wurde im Vorkapitel
erwähnt (1138). Als Geistlicher zu Magdeburg tritt er 1142 auf. Bald
darauf wird er nach Bremen gekommen sein. Er selbst nennt sich erst 1144
"Bremensis vero majoris ecclesiae prepositus".
1148 wurde er zum Erzbischof von Bremen gewählt.
Schon 1144 scheint sein Ehrgeiz, wie die Urkunden beweisen, nach dieser
oder einer ähnlichen Würde gestrebt zu haben.
Seinen ursprünglichen Plan, sich von der Bremer
Kirche als Nachfolger seines Bruders mit der Grafschaft belehnen zu lassen,
mußte er bald aufgeben. Deshalb verschenkte er seine Eigengüter,
die gerade als Grundlage einer solchen Stellung unbedingt erforderlich
gewesen wären, an das Magdeburger und Bremer Erzstift. Vom Magdeburger
Erzbischof erwartete er Hilfe bei einer späteren Wahl, sowie Unterstützung
gegen den Herzog. Bei der Bremer Geistlichkeit versuchte er nicht nur im
Hinblick auf eine mögliche Nachfolge Erzbischof Adalberos, der schon
über 20 Jahre im Amt war, sondern auch wegen der Neubelehnung der
Grafschaft seines Bruders Einfluß zu gewinnen.
Bei dem ganzen späteren Streit um die Grafschaft
Stade zwischen
Hartwig und Heinrich
dem Löwen handelt es sich im wesentlichen um dieses Recht
der Bremer Kirche. Hartwigs Kampf gegen den Herzog ist daher nicht
so sehr der Kampf des Grafen von Stade gewesen, sondern die Verteidigung
der Rechte des Erzbischofs von Bremen.
Richardis II. (+ 29. Oktober ca 1154) Nonne zu St. Rupertusberg
bei Bingen und Äbtissin zu Bassum
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Auch über die Töchter Rudolfs I. und
Richardis
I. widersprechen sich die Quellen. Albert und der Sächsische Annalist
kennen nur die Liutgard. Die Rosenfelder Chronik nennt dagegen drei
Töchter: zwei seien Nonnen zu Quedlinburg gewesen (davon eine Äbtissin),
und als dritte folgt dann die Liutgard. In Wirklichkeit waren es wohl zwei,
das heißt Richardis II., die vielleicht in Quedlinburg eintrat,
nach Bingen ging und schließlich Äbtissin wurde und die erwähnte
Liutgard.
Es ist möglich, dass man auch Adelheid,
eine Tochter der Liutgard und Friedrichs
von Sommerschenburg, die Äbtissin von Quedlinburg und Gandersheim
gewesen ist, fälschlich als Tochter Rudolfs I.
angesehen hat.
Das Schicksal der Richardis II. ist eng mit den
Familienbindungen ihrer Mutter in W-Deutschland verknüpft. Darüberhinaus
verdienen ihre Beziehungen zu Hildegard von Bingen und ihre Verdienste
um die Gründung des Klosters St. Rupertusberg eine kurze Würdigung.
Das Mutterkloster der Bingener Filiale war Disibodenberg.
Dort gründete um 1112 Jutta, die Schwester des im Zusammenhang mit
der Gründung des Klosters Spanheim genannten Grafen Meinhard ein Nonnenkloster,
in dem auch die später canonisierte, berühmter Mystikerin Hildegard
von Bingen, Tochter eines Ministerialen des Speyrer Hochstiftes, lebte.
1136 wurde Hildegard, deren Ruhm vor allem die Quellen
des 13. Jahrhunderts sehr verbreiteten, die Vorsteherin des jungen Konvents.
Mit Hilfe des Erzbischofs Heinrich von Mainz (1142-1153) und der Markgräfin
Richardis von Stade gelang die Loslösung ihrer Anstalt aus der
Abhängigkeit von Disibodenberg. Um 1148 wird der Frauenkonvent auf
den Rupertusberg bei Bingen verlegt.
Die Protektion von Richardis Mutter verdankten die Nonnen
dem Umstande, dass sowohl die Tochter Meinhards von Spanheim namens Hildegard,
als auch
Richardis II. selbst Schreiberinnen ihrer berühmten
Vorsteherin waren.
Um 1141 muß Richardis II. bereits im Kloster
gedient haben. In der Lebensbeschreibung Hildegards finden sich Fragmente
einer Selbstbiographie der "Meisterin", die auch Richardis von Stade erwähnt:
"Als ich den 'Scivias' schrieb (der nach der Einleitung des Werkes um 1141
begonnen wurde und nach zehn Jahren fertiggestellt wurde, war meine engste
Vertraute eine adelige Dame, Tochter der genannten Markgräfin (das
heißt Richardis I.), die mir freundschaftlich in allen Angelegenheiten
zugetan war. Aber später wandte sie sich wegen ihrer edlen Herkunft
einer höheren Stellung zu und wurde Vorsteherin (mater) eines berühmten
Klosters. Nachdem sie sich von mir getrennt hatte, verstarb sie bald darauf
als Äbtissin in einer von hier weit entfernten Gegend.
Der Zeitpunkt der Trennung von Hildegard wird durch die
Jahre 1151 (der Vollendung des "Scivias") und 1153, Pfingsten (Absetzung
des Erzbischofs Heinrich I. von Mainz), begrenzt. Von Erzbischof Heinrich
ist ein Brief erhalten, in dem er Hildegard bittet, Richardis freizugeben
da "Geistliche einer vornehmen Kirche ihn dringend um die Schwester baten,
die zur Äbtissin gewählt sei". Vielleicht brachte erst das Eingreifen
des Königs der Richardis die Unabhängigkeit. Das kann man dem
Briefe Hartwigs von Bremen an Hildegard entnehmen.
In diesem Schreiben wird der Markgräfin Richardis
I. nicht mehr gedacht. Sie starb 1151 und Hartwig ist Familienoberhaupt;
folglich ist die "Versetzung" der jungen Äbtissin wohl erst im Laufe
des Jahres 1153 erfolgt und ihr Ableben etwa in das Jahr 1154 zu setzen.
Aus der Todesanzeige Erzbischof Hartwigs an Hildegard geht hervor,
dass der Bruder auf dem bremischen Erzstuhle der jüngeren Schwester
zur Würde einer Äbtissin verholfen hat, und dass sie an einem
29. Oktober verstorben ist.
Es war bisher nicht bekannt, wo Richardis Äbtissin
wurde und verschied. Während Lappenberg vermutete, Richardis sei als
Äbtissin des Klosters Heeslingen gestorben, schlossen andere auf Grund
einer Notiz im Hildesheimer Necrolog auf die Stadt des heiligen Bernward.
Die Forschungen der Klosterfrauen von Eibingen haben aber ergeben, dass
Richardis
Äbtissin von Bassum, südlich von Bremen, gewesen ist. Daher muß
man auch einen Teil der Besitzungen dieses Klosters als Stader Eigengut
betrachten. Leider gibt es über Bassum erst aus dem 13. Jahrhundert
eingehendere Nachrichten.
Liutgard (+ 29./30. Januar 1152) und ihre drei Ehen
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Das Schicksal der namentlich bekannten Tochter Rudolfs
I. scheint durch ihr eigenes Verschulden bestimmt worden zu sein. Die
Trennung ihrer Ehe von dem Pfalzgrafen Friedrich II. von Sommerschenburg,
dem sie bereits zwei Kinder geboren hatte, die kurze Ehe mit dem Dänen-König
Erich
Lamm und ihr grausames Ende zusammen mit dem gewalttätigen
Hermann
II. von Winzenburg lassen auch ohne die Andeutungen des nicht sehr
deutschfreundlichen Saxo Grammaticus auf einen sittenlosen Lebenswandel
der STADER Tochter schließen.
Liutgard heiratet
um 1130 den Pfalzgrafen Friedrich II. von Sommerschenburg, dessen
Großmutter Ouda
eine Schwester Erzbischof
Adalberts von Bremen und Friedrich
II. von Goseck war. Da bereits
Adelheid
den Sohn des letzteren, nämlich Friedrich
III. von Goseck, geheiratet hatte, entstand nun eine zweite Verbindung
zur Familie der einflußreichen Pfalzgrafen. Das Datum der Heirat
Liutgards setzen wir auf etwa 1130
fest. Es ergibt sich aus der Tatsache, dass der älteste Sohn Adalbert
bereits 1142 als Zeuge auftrat. Er war als Nachfolger seines Vaters Pfalzgraf
von Sachsen von 1162-1179. Aus Adalberts Ehe mit Liutgard,
Tochter Bertolds I. von Henneberg, sind keine Kinder hervorgegangen, so
dass mit ihm auch das Haus der SOMMERSCHENBURGER
erlosch.
Doch die STADERIN Liutgard
und Friedrich II. hatten noch eine Tochter, Adelheid.
Sie war, wie ihre STADER
Base
Richardis II., eine Schülerin
und Mitarbeiterin der Hildegard von Bingen und wurde 1152/53 Äbtissin
von Gandersheim, 1160 auch in Quedlinburg. Im Besitz beider Ämter
wird sie 1173 und anläßlich ihrer Todesmeldung erwähnt.
Nach dem Todes ihres Bruders verkaufte sie einen großen Teil der
Sommerschenburger Allode an ihren Verwandten, Erzbischof Wichmann von
Magdeburg. Sie starb am 1. Mai 1184.
Liutgard
wurde
von Friedrich II. schon vor 1144 geschieden. Man bemühte sich
damals, die Ehescheidung "wegen naher Verwandtschaft" zu motivieren. Starke
sucht nachzuweisen, dass eine Blutsverbindung durch gemeinsame Ahnen aus
dem Hause WERL
bestand. Danach wäre Liutgard
im
5. Grade kirchlicher Zählung und Friedrich im 4. Grade mit
dem Vater Rudolfs
und Bernhards
von Werl verwandt, eine Tatsache, die bestimmt schon bei der Heirat
bekannt gewesen ist.
Die zweite Ehe Liutgards
mit dem dänischen König
Erik Lamm blieb ohne Nachkommen und ist wohl schon vor dem Tode
des Königs gelöst worden, da dieser am 27. August 1146 als Mönch
verstarb.
Eine dritte Ehe Liutgards
schafft
weitere Verbindungen zur Familie der WINZENBURGER, die uns bereits
durch Jutta von Winzenburg, die Gemahlin Udos IV. bekannt
ist. Jutta war die Schwester Hermanns II.:
Liutgard
heiratet also einen Schwager. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Hartwig
das Zustandekommen dieser Verbindung - (ebenso wie die Heirat mit dem dänischen
König) - im Rahmen seiner ehrgeizigen Pläne vermittelt hat. Liutgard
wurde zusammen mit ihre Gemahl in der Nacht vom 29./30. Januar 1152 von
aufrührerischen Leuten Hermanns erschlagen.
Albert meldet, dass aus der Ehe Liutgards
mit
dem WINZENBURGER drei namentlich nicht bekannte Töchter hervorgingen.
Es sind aber nur zwei: Eine
heiratete erst Graf Heinrich von Schwarzburg, der 1183 umkam, und danach
Ulrich
von Wettin (+ 1206). Die zweite
Tochter war mit Magnus Burtzius, einem dänischen Herzog, vermählt.
Die dritte, die Albert nachher nicht wieder nennt, bezeichnet das CHR R
als Pröpstin zu Gandersheim, das heißt es liegt zum zweiten
Male eine Verwechslung mit der bereits behandelten Adelheid, Tochter
Liutgards
aus erster Ehe vor.