Godesti Billung                               Äbtissin von Herford (992-1040)
-------------------
um 980-30.8.1041/42
 

Tochter des Herzogs Bernhard I. von Sachsen und der Hildegard von Stade, Tochter von Graf Heinrich I. dem Kahlen
 

Althoff Gerd: Seite 353
***********
"Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung"

                                              A 57

Lü:   30.8. Godisti abb  + ca 1040? Herford

Diese Äbtissin wird in der Forschung allgemein als BILLUNGERIN, Tochter Bernhards I. und Äbtissin von Herford angesehen; vgl. Bork, Billunger, S. 144 f.; Freytag, Billunger, S. 48.
Man hält sie auch für die Äbtissin von Metelen und setzt ihre Regierungszeit von 992 bis 1040 an. Durch einen Eintrag ins Borghorster Necrolog am 30.6.: Godasti abb wird höchstwahrscheinlich, daß es zwei Äbtissinnen dieses Namens gegeben hat; vgl. dazu Althoff, Borghorst, S. 248.
Anzunehmen, daß es sich bei den beiden um Angehörige der billungischen Familie handelt, liegt sehr nahe. Eine der beiden Äbtissinnen war wohl die Tochter Bernhards I. und die Herforder Äbtissin. Sie wurde auch in das Diptychon der billungischen Familie aufgenommen; s. dazu oben S. 49.



Thiele Andreas: Tafel 156
*************
"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte"
Band I, Teilband 1 Deutsche Kaiser-, Königs-, Herzogs- und Grafenhäuser I

GODESTI
--------------
    + 1041/42

993 Äbtissin von Metelen
1002 Äbtissin von Herford



Freytag, Hans-Joachim: Seite 48
*******************
"Die Herrschaft der Billunger in Sachsen"

In der Nachbarschaft der Klöster Möllenbeck, Fischbeck und Kemnade lag in dem angrenzenden Wehsigau die Reichsabtei Herford. Zwischen ihr und dem Geschlecht der BILLUNGER bestanden enge Beziehungen. Im Jahre 995 war Imma, eine Schwester Bernhards I., Äbtissin zu Herford und in demselben Jahre die gleichnamige Tochter des zweiten BILLUNGERS Nonne daselbst. Wenige Jahre später waltete dort um 1002 bis 1040 ihre Schwester Godesti, die seit 993 der Abtei Metelen vorstand, als Äbtissin. Letztere gründete am 13. Juni 1011 das Damenstift "ad S. Mariam" auf dem Berge bei Herford und begabte es mit Eigengütern in insgesamt 64 Orten. In beiden wird der BILLUNGER als einziger weltlicher Intervenient namentlich aufgeführt.

Bork Ruth: Seite 144-146
*********
"Die Billunger. Mit Beiträgen zur Geschichte des deutsch-wendischen Grenzraumes im 10. und 11. Jahrhundert."

17. Die Äbtissin Godesti von Herford (1002-1040)
-------------------------------------------------------------
Die Äbtissin Godesti begegnete uns eben schon im Zusammenhang mit dem Herforder Überfall als Schwester des Grafen Thietmar. Ob sie, wie man in der Forschung meist annahm, mit der 993 zur Äbtissin von Metelen gewählten Godesdui [3 In jener Urkunde (siehe Anmerkung 4) ist die Namensform "Godesdiu" verwandt, während die Vita Meinw. (c. 100 Seite 55 und c. 158 Seite 83) "Godesti" schreibt und die ältere Quelle (siehe Anmerkung 7 oben) "Godesthi" gebraucht. Die Tab. gent. Bill. (siehe oben Seite 97 Anmerkung 1) enthält die Schreibung "Godestithi abb.". In einer Urkunde HEINRICHS II. vom 12. August 1002 (Orig.) (DH II. 10 Seite 12) befindet sich die Namensform "Godesdhiu", in der Urkunde HEINRICHS II. vom 3. September 1039 (DH III, 67 Seite 85) "Gotesdie". (Vgl. Seite 145 Näheres zu den Urkunden.] zu identifizieren ist, läßt sich nicht mit voller Gewißheit feststellen. Eine gewisse Wahrscheinlichkeit besteht insofern, als zugleich mit der Ernennung jener Godesdiu zur Äbtissin des Klosters Metelen in einer Urkunde OTTOS III. vom 25. Januar 993 [4 DO III. 111 Seite 522 (Orig.)], in der Herzog Bernhard I. und Graf Ekbert als Intervenienten auftreten, mitgeteilt wird, daß sie ihrem Wunsche gemäß einen Schirmvogt namens Wichmann erhielt. Dies könnte, wie man meint, der früher besprochene Graf Wichmann III. sein, in dem man einen Sohn Ekberts des Einäugigen vermutet [5 Siehe oben Seite 89.].
Sicher bezeugt ist aber nur Godestis Tätigkeit im Herforder Stift während der Jahre 1002-1040. Dafür sind außer den zwei Belegstellen in der Vita Meinw., die zu 1018 gehören [1 Vita Meinw. c. 100 Seite 55 "et sue sorori abbatisse nomine Godesti et congregationis sancta Marie thesaurum confregit."], einige Königsurkunden erhalten, in denen sie als Äbtissin des Herforder Nonnenklosters auftritt. In der ersten vom 12. August 1002 [2 DH II. 10 Seite 12] handelt es sich um eine Bestätigung der dem Kloster Herford einst vom König Ludwig dem Deutschen geschenkten Kirchen in Rheine, Wettringen und Stockum, sowie aller sonst einmal geschenenen Schenkungen bald nach dem Antritt des neuen Herrschers HEINRICH II. In der zweiten vom 3. September 1039 [3 DH III., 5 Seite 6.] bestätigt HEINRICH III. zu Goslar die den Klöstern Corvei und Herford geschenkten Kirchen zu Meppen, Marseberg, Bünde und Rheine und die aus Anlaß dieser Schenkungen getroffenen Bestimmungen über den Zehntbezug von diesen Kirchen, über die Rechte ihrer Priester und über die den Bischöfen zu entrichtenden Leistungen, sowie das Wahlrecht, wobei es dann heißt: "... et alterum est sanctimonialium Herifort dictum et proprie abbatisse cuius nomen Gotesdiu subiectum".
In der dritten schließlich vom 22. Dezember 1040 (?) [4 DH III. 67 Seite 85 (Das Jahr ist nicht völlig sicher.], die zugleich die letzte ist, die uns von dem Wirken Godestis Zeugnis gibt, handelt es sich um eine nochmalige, dem Kloster Herford besonders geschehene Bestätigung der eben genannten, in der Urkunde vom 3. September 1039 ausgesprochenen Rechte, und zwar "pro petitione Herevortensis aeclesiae abbatisse Gotesdi nominate."
Ob die Äbtissin Godesti, wie Wedekind meint [5 Wedekind, Noten II, 182.], am 12. August 1002 von Metelen nach Herford versetzt wurde, oder aber fortan den beiden Klöstern zugleich vorstand, wie es Freytag und auch Wilmans [6 Freytag Seite 142 und Stammtafel; Wilamns, Kaiserurkunden I, 241f.] annehmen, läßt sich nicht näher feststellen. In den späteren Herforder Urkunden geschieht jedenfalls ihrer etwaigen Bezeichnungen zum Kloster Metelen keine Erwähnung.
Von den Todesdaten der Godesti ist uns nur der Tag, der 30. August auf Grund eines Vermerkes im Necr. S. Mich. Lun. [1 Wedekind Noten III, 63 "Godesti abb.".] bekannt, während das Jahr ungewiß bleibt. Man nimmt an, daß sie um 1040 starb (frühestens 1041), da sie in jenem Jahr zum letzten Mal urkundlich erwähnt wird [2 DH III. 67 Seite 85.].
 
 
 
 

Literatur:
-----------
Althoff Gerd: Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung. Studien zum Totengedenken der Billunger und Ottonen. Wilhelm Fink Verlag München 1984, Seite 49,353, A 54 - Bork Ruth: Die Billunger. Mit Beiträgen zur Geschichte des deutsch-wendischen Grenzraumes im 10. und 11. Jahrhundert. Dissertation Greifswald 1951 Seite 144 - Freytag, Hans-Joachim: Die Herrschaft der Billunger in Sachsen, Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen 1951 Seite 48 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 Tafel 156 -