OTTO III.                                     Deutscher König (983-1002)
---------------                                 Römischer Kaiser seit 21.5.996
Mitte Juli 980-23./24.1.1002       König von Italien
                      Paterno bei Rom
Evtl. 6.7.980-23./24.1.1002 (E. Hlawitschka)
Reichsforst Ketil

Begraben: Aachen, Pfalzkapelle
 

Einziger Sohn des Königs OTTO II. und der Theophano Sklerina, Tochter von Konstantin Skleros
 

Lexikon des Mittelalters: Band VI Spalte 1568
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OTTO III., Kaiser, deutscher König
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* Juni/Juli 980, + 24. (23.?) Januar 1002
Reichswald Kessel Paterno am Monte Soracte
bei Kleve

Begraben: Aachen, Pfalzkapelle

Eltern:
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Kaiser OTTO II. und Theophanu, Nichte des byzantinischen Kaisers Johannes Tzimiskes

OTTO III., der im Mai 983 zu Verona von deutschen und italienischen Großen zum König gewählt worden war, wurde zu Weihnachten desselben Jahres von den Erzbischöfen Johannes von Ravenna und Willigis von Mainz in Aachen gekrönt. Als unmittelbar danach die Nachricht vom Tode des Vaters eintraf, ging die Herrschaft formell auf das dreieinhalbjährige Kind über. Im Streit um die Regentschaft war zunächst Heinrich der Zänker, der nächste männliche Verwandte, gegenüber der noch in Italien weilenden Theophanu im Vorteil. Aus der Haft entkommen, bemächtigte er sich sogleich des jungen Königs. Als Heinrich jedoch selbst nach der Krone greifen wollte, formierte sich unter Führung des Erzbischofs Willigis von Mainz der fürstliche Widerstand, so daß sich der "Zänker" im thüringischen Rohr (29. Juni 984) zur Auslieferung des Königs bequemen mußte. Bis zu ihrem Tode (991) führte nunmehr Theophanu unangefochten die Reichsgeschäfte. Auf dem Hoftag zu Quedlinburg Ostern 986, auf dem die Herzöge im Anschluß an eine Festkrönung - wie einst bei OTTO DEM GROSSEN - die Hofämter ausübten, erfuhr OTTOS Königtum eine glanzvolle Würdigung.
Als OTTO III. mit Empfang der Schwertleite zu Solingen (bei Höxter) im September 994 die Regierungsverantwortung übernahm, galt es zunächst, die Einbrüche, die das Reich während der Regentschaft seiner Großmutter Adelheid (seit 991) erfahren hatte, wieder wettzumachen. Zugleich aber kündigte sich mit seinem Entschluß zu einem Romzug der Leitgedanke seiner künftigen Politik an. Auf seine Aufgabe war OTTO III. durch seiner Erzieher, den Kapellan Bernward (seit 993 Bischof von Hildesheim) und den Griechen Johannes Philagathos, bestens vorbereitet. Später zog er führende Repräsentanten des geistigen Lebens seiner Zeit, darunter so gegensätzliche Persönlichkeiten wie den französischen Gelehrten Gerbert von Aurillac (seit 998 Erzbischof von Ravenna) und den aus seinem Bistum vertriebenen Asketen Adalbert von Prag, in seine Nähe und hegte Sympathien für die italienischen Eremitenbewegung Romualds von Camaldoli.
Im Frühjahr 996 brach OTTO III. nach Italien auf. Auf die Nachricht vom Tode Johannes' XIV. bestimmte er seinen Vetter Bruno (Gregor V.) zum Papst, aus dessen Hand er am 21. Mai 996 die Kaiserkrone empfing. Eine gemeinsam veranstaltete Synode sollte die enge Verbindung von Kaisertum und Papsttum zum Ausdruck bringen. Die Vertreibung Gregors V. durch eine stadtrömische Verschwörung gab den Anlaß für OTTOS zweiten Italienzug; im Februar 998 erschien er in Rom und hielt über deren Häupter, Crescentius und den zum Gegen-Papst erhobenen Johannes Philagathos (Johannes XVI.), ein grausames Strafgericht.
Mit der Erhebung Gerberts von Aurillac zum Papst Silvester II. (999) nahm der römische Erneuerungsgedanke in OTTOS Politik konkretere Gestalt an. Bereits nach seiner Kaiserkrönung hatte er den Titel "Romanorum imperator augustus" geführt. Die seit 998 verwendete Metallbulle - auch dies eine sich an byzantinischen Brauch anlehnende Neuerung - trug die programmatische Umschrift "Renovatio imperii Romanorum". Dahinter stand der Plan einer christlichen Erneuerung des römischen Reiches als Rahmen für OTTOS weitausgreifende, die östlichen Nachbarländer einschließenden Missionspläne. Der Renovatio-Gedanke, an dessen Ausgestaltung neben Gerbert von Aurillac der Kanzler Heribert (seit 999 Erzbischof von Köln) und Leo von Vercelli maßgeblich beteiligt waren, hatte seine Grundlage sowohl in altrömischen Vorstellungen wie in der karolingischen Tradition. Symbolische Bedeutung kam deshalb der Öffnung des Grabes KARLS DES GROSSEN in Aachen im Jahre 1000 zu. Planvoll ging OTTO III. daran, Rom zum Zentrum der kaiserlichen Herrschaft auszubauen - ungeachtet der traditionellen, durch die Konstantinische Schenkung begründeten Stellung Roms als Sitz der Apostel. Auf dem Palatin ließ er eine kaiserliche Pfalz errichten. Hofzeremoniell und Ämtertitulaturen wurden nach römischen Vorbild umgestaltet, die Würde des Patricius wurd eneu belebt. Gegenüber dem Papsttum war OTTO auf die Wahrung des kaiserlichen Vorrangs bedacht. Die aus der Konstantinischen Schenkung abgeleiteten territorialen Ansprüche der römischen Kirche wies er zurück und übertrug ihr die fraglichen Gebiete aus eigener kaiserlicher Machtvollkommenheit (D O.III. 389). Auch in seiner Ostpolitik ließ sich OTTO III. vom einträchtigen Zusammenwirken von Kaiser und Papst leiten. Als "servus Iesu Christi" trat er zu Beginn des Jahres 1000 eine Pilgerfahrt zum Grabe Adalberts in Gnesen an. Mit der Errichtung des Erzbistums Gnesen wurde für Polen eine eigene, vom Reichsverband unabhängige kirchliche Organisation geschaffen. Aber auch der Polen-Herzog Boleslaw I. Chrobry, den OTTO zum "socius et amicus" des römischen Volkes ernannte, erfuhr durch diese Einbindung in das Imperium eine beträchtliche Rangerhöhung. In Entsprechung zu der für Polen getroffenen Regelung wurde für Ungarn die Schaffung eines Erzbistums Gran beschlossen und auf einer Synode zu Ravenna (April 1001) von Kaiser und Papst bestätigt.
OTTOS kühne Pläne fanden jedoch ein jähes Ende, als Anfang 1001 in Rom ein Aufstand ausbrach. Der Kaiser sah sich genötigt, zusammen mit seinem Papst nach Ravenna zu fliehen. Im Begriff, erneut auf Rom vorzustoßen, erlag er der Malaria. OTTO III., der den Zeitgenossen wegen seiner außergewöhnlichen Gaben als "Wunder der Welt" erschien, hat sein Vorhaben nicht zu Ende führen können. Es fällt deshalb schwer, ein abschließendes Urteil darüber abzugeben. Ein Schwachpunkt in OTTOSRenovatio-Konzeption lag sicher darin, dass die Verbindung zu den regna verlorenzugehen drohte. Die Vorbehalte, denen OTTO kirchenpolitischen Maßnahmen in Deutschland begegneten, bezeugen dies. Als bleibende Leistung ist hingegen die Verschmelzung von fränkisch-deutscher und römischer Trdaition im Rahmen seiner Renovatio-Vorstellung festzuhalten, die als "eine der gedankenreichsten und tiefsten Konzeptionen, zu denen das kaiserliche Lager im Mittelalter gelangt ist" (P. E. Schramm, 186), gewürdigt worden ist.

Quellen:
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MGH DD O.III., ed. Th. Sickel, 1893 - Thietmar v. Merseburg, Chronicon, ed. R. Holtzmann (MGH SRG NS 9, 1935); zweisprachige Ausg. v. W. Trillmich (Ausg. Q. 9, 1957) - RI II, 3

Literatur:
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ADB XXIV, 611-621 - Gebhardt I, 265-279 - Hauck III, 255-273 - HEG I, 700-708 - M. Uhlirz, JDG O. II. und O. III., Bd. 2, 1954 - P. E. Schramm, Ks., Rom und Renovatio, 1929 [Neudr. 1962], bes. 87-187 - R. Holtzmann, Gesch. der sächs. Ks.zeit, 1941 [Neudr. 1961], 292-382 - H. Beumann-W. Schlesinger, Urkk.studien zur dt. Ostpolitik unter O. III., ADipl I, 1955, 132-156 [W. Schlesinger, Mitteldt. Beitr. zur dt. Verfassungsgesch. des MA, 1961, 306-407] - E.-R. Labande, "Mirabilis mundi". Essai sur la personnalite d'O. III, CCMed 6, 1963, 297-313, 455-476 - P. E. Schramm, Ks. O. III., seine Persönlichkeit und sein "byz. Hofstaat" (Ders., Ks., Kg.e und Päpste 3, 1969), 277-297 - H. Wolfram, Lat. Herrschertitel im neunten und zehnten Jh. (Intitulatio II [MIÖG Ergbd 24], 1973), 153-162 - H. Thomas, Ks. O. III. (Gocher Schr. 2, 1980) - P. E. Schramm-F. Mütherich, Die dt. Ks. und Kg.e in Bildern ihrer Zeit, 1983, 198-210, 96-113 [Abb.] - H. Beumann, O. III. (Ks.gestalten des MA, hg. Ders., 1984), 73-97 - E. Hlawitschka, Vom Frankenreich zur Formierung der europ. Staaten- und Völkergemeinschaft, 1986,139-146 - H. Beumann, Die Ottonen, 1987, 127-136, 137-156 [Lit.] - H. Hoffmann, Eigendiktat in den Urkk. O.s III. und Heinrichs II., DA 44, 1988, 390-423 - J. Fried, O. III. und Boleslaw Chrobry (Frankfurter Hist. Abh. 30, 19989) - E. Hlawitschka, Ks. O. III. (Ma. Herrscher in Lebensbildern, hg. K. Schnith, 1990), 155-165 - J. Laudage, Das Problem der Vormundschaft unter O. III. (Ksn. Theophanu II., hg. A, von Euw-P. Schreiner, 1991), 261-275 - G. Althoff, Vormundschaft, Erzieher, Lehrer - Einflüsse auf O. III. (ebd.) 277-289.


Glocker Winfrid: Seite 296
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"Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der Politik"

VI, 10 OTTO III.
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* 980 VI Ende/ VII Anfang, + 1002 I 24 (23?)

983 XII 25 Mit-König, nach Eintreffen der Nachricht vom Tode Kaiser OTTOS II. unter vormundschaftlicher Regierung, 994 IX letzte Woche eigenständiger Regent, 996 V 21 Kaiser

Eheabsprache
  [oo] Zoe oder Theodora, Tochter Kaiser Konstantins VIII. von Byzanz

Die Filiation OTTOS III. von seinem Vater, Kaiser OTTO II., ist unter anderem bezeugt bei Thietmar III c. 26, S. 130, in den Annales Colonienses a. 980 und den Annales Magdeburgenses a. 980, SS XVI 155, vgl. dazu BMi. 815a und BU 956a. Mathilde Uhlirz hat auch ihre Überlegungen, den Zeitpunkt der Geburt OTTOS III. genauer zu bestimmen, zusammengefaßt (mit Nachweis der älteren Literatur).
Zu den weiteren Belegen für Kaiser OTTO III. vgl. BU. 1450/IV a (Tod), BU. 1117a (eigenständige Regentschaft) und BU. 1171b (Kaiserkrönung).
Kaiser OTTO III. hat durch Erzbischof Arnulf von Mailand in Byzanz um eine Kaiser-Tochter als Braut für sich werben lassen; vgl. dazu Uhlirz, Jbb. Otto III. S. 391 f. mit Anm. 9, dies., Studien 1./2. S. 444 (Stammtafel), dies., Studien 4 S. 383 ff., sowie Collenberg, Theophano S. 62.
Mathilde Uhlirz, Konrad II. passim, warf 1957 die Frage auf, ob Kaiser KONRAD II. nicht aus der ehelichen Verbindung seiner Mutter Adelheid mit deren Gemahl, Heinrich von Speyer, hervorgegangen sei, sondern ein unehelicher Sohn Kaiser OTTOS III. und der Adelheid gewesen wäre: eine "Möglichkeit", die Frau Uhlirz "auf Grund der Quellenlage" durchaus als gegeben ansah (S. 232). Wir wollen nun die einzelnen Zeugnisse betrachten, die wir der Einfachheit halber mit den zusätzlichen Gesichtspunkten kombinieren, die Ohnsorge, Salier, vorgetragen hat.
1. Adam von Bremen berichtet in seiner Hamburgischen Kirchengeschichte III c. 32, S. 174, von einem  Briefwechsel zwischen Kaiser HEINRICH III. und dem byzantinischen Basileus, wobei sich HEINRICH III. gerühmt habe "descendere a  Grecorum prosapia, Theophanu et fortissimo Ottone sui generis auctoribus."
2. Hugo von Flavigny bezeichnet in seiner Chronik I a. 967 und II c. 16, SS VIII 366 und 392, Kaiser KONRAD II.  ausdrücklich als Sohn Kaiser OTTOS III. und ergänzt in seinem Necrologium, seine Großmutter Chrothilde sei eine Tochter Kaiser OTTOS III. und eine Schwester KONRADS II. Diese Notizen sind, wie Ohnsorge, Salier S. 273 ff., gezeigt hat, keinesfalls in der Absicht genealogischer Fälschung entstanden, sondern vertrauenswürdig.
3. Uhlirz weist auf die wenigen, aber auffallenden Nachrichten über die Familienverhältnisse Kaiser KONRADS II. hin; unser  geringes Wissen von KONRADS Mutter Adelheid und die erstaunliche Verschmähung KONRADS durch seine  Verwandten (vgl. Bresslau, Jbb. Konrad II. Bd. 1, S. 5 ff., sprächen - so Uhlirz - eine  ebenso deutliche Sprache.
4. Ohnsorg trägt nach, dass auch das Zeugnis Bruns von Querfurt, Vita quinque fratrum c. 7, SS XV/2 722, "moritur sine filiis, eheu! Otto pius", den Quellenzeugnissen 1.-3. nicht widerspreche, da "nur ehelicher Nachwuchs gemeint sein" dürfte.
5. Weiter schließt Ohnsorge, Salier S. 241-245, aus den fehlenden Angaben bei Wipo, Gesta Chuonradi c. 2, S. 15, zu dem Blutzusammenhang zwischen Kaiser OTTO DEM GROSSEN und KONRAD DEM ÄLTEREN darauf, dass Konrad der Ältere seinem Mitbewerber, dem jüngeren Konrad, unter dem Siegel der Verschwiegenheit seine illegitime Abkunft von Kaiser OTTO III. geoffenbart habe; damit sei der jüngere Konrad, obwohl nach außen hin seine Aussichten auf den Thron günstiger waren, zum Rücktritt von seiner Kandidatur bewegt worden.
Uhlirz und Ohnsorge resümieren freilich, dass die aufgezeigten Quellenbelege lediglich die Abstammung Kaiser KONRADS II. von Kaiser OTTO III. als Möglichkeit erscheinen lassen, die sich nie mit letzter Sicherheit werde bestätigen oder verwerfen lassen. Eckhardt, Funde (2. Aufl.) S. 91-124, hat freilich mit überzeugender Argumenten diese "Möglichkeit" in das Reich der Fabel verwiesen. Dabei führte er unter anderem aus, dass Hugo von Flavigny wohl nicht mehr genau gewußt habe, wie die Verwandtschaftsverhältnisse seiner Großmutter denn ausgesehen hätten. Er hält es zwar für sicher, dass Chrothilde, die Großmutter Hugos, eine Stiefschwester von Kaiser KONRAD II. war, doch dürfte Hugo von Flauvigny keine zuverlässigen Kenntnisse über die exakte Abstammung seines Großonkels, Kaiser KONRADS II., mehr gehabt haben und sich dann einfach in der Zählung der OTTONEN vertan haben. Die Nachricht Adams von Bremen sei nicht auf Kaiser HEINRICH III. zu beziehen, sondern auf den ebenfalls an dem diplomatischen Verkehr mit Byzanz beteiligten Erzbischof Adalbert von Bremen, der sich tatsächlich einer Abstammung von Theophanu gerühmt habe, wobei Eckhardt einen möglichen Weg aufzeigen kann, auf dem Adalbert tatsächlich ein Nachkomme OTTOS II. und der Theophanu sein könnte. Und zum letzten Argument, Konrad der Ältere habe seinem Mitbewerber seine uneheliche Abstammung von OTTO III. geoffenbart und Konrad der Jüngere auf diesem Wege zum Verzicht auf seine Bewerbung um die deutsche Königswürde bewegt, kann Eckhardt darauf verweisen, dass seit dem Ende der KAROLINGER im Reich kein Thronfolgeanspruch eines illegitimen Abkömmlings mehr anerkannt worden sei, ganz abgesehen davon, dass Konrad der Jüngere diese unglaubliche Offenbarung, ohne wenigstens zu stutzen und dann Beweise zu verlangen, geglaubt haben müßte. - Ablehnend zu den Thesen von Uhlirz und Ohnesorg äußert sich auch Giese in NDB Bd. 14, S. 721.


Althoff Gerd: Seite 362
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"Adels- und Königsfamilien"

                                                      K 2

Lü:  23.1.   Karolus Imp.  + 1002 ? Kaiser OTTO III.

OTTO III. verstarb am 23. Januar 1002 in Italien (vgl. BM 1450IVa); KARL DER GROSSE dagegen am 28. Januar 814 (vgl. BM 508c). Entweder handelt es sich also um ein Versehen eines mittelalterlichen Schreibers - beide Editoren des Lüneburger Necrologs bringen den Namen Karolus -, der die Namen KARL und OTTO verwechselte, oder KARL DER GROSSEwurde zu eine, sonst nicht bezeugten Todestag eingetragen, der sich zufälligerweise mit dem OTTO III. deckt. Da KARL der einzige KAROLINGER-König des Lüneburger Necrologs wäre, erscheint eine Verwechslung des Namens wahrscheinlicher, wenn auch darauf hinzuweisen ist, dass von den Angehörigen der ottonischen Familie gerade im endenden 10. Jahrhundert im Lüneburger Necrolog wenig Notiz genommen wird. So fehlen etwa Theophanu (+ 15.6.991) und Adelheid (+ 16.12.999), die Mutter und Großmutter OTTOS III. Dagegen ist seine Tante Mathilde (+ 6.2.999, vgl. A 10), die Äbtissin von Quedlinburg eingetragen.
Zur Haltung der BILLUNGER zum Königshaus im endenden 10. Jahrhundert siehe oben Seite 94ff.



Schwennicke Detlev: Tafel 10
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"Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1"

OTTO III.
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* Ende VI/Anfang VII 980, + 23./24. I 1002
                                               Paterno bei Civita Castellano/Mittelaitalien

25. XII 983 Mit-König
IX 994 majorenn
21. V 996 Kaiser



Hlawitschka Eduard: Seite 156
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"Kaiser Otto II. (983-1002)" in Mittelalterliche Herrscher in Lebensbildern

KAISER OTTO III.
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* Ende Juni/Anfang Juli 980 im Reichswald Ketil (bei Nimwegen)
+ 24. (23.) 1.1002 in Paterno (südlich Rom)

Grabstätte: 5.4. 1002 im Chor des Aachener Marienmünsters

Eltern: Kaiser OTTO II. und Theophanu
Geschwister: siehe Seite 154

OTTO III. blieb unverheiratet und kinderlos.
Zur unhaltbaren These, Kaiser KONRAD II. sei ein illegitimer Sohn OTTOS III. aus einer Verbindung mit Adelheid von Metz, Witwe Heinrichs von Speyer, gewesen, vgl. K. A. Eckhardt, Genealogische Funde zur allgemeinen Geschichte (² 1963) Seite 91 ff.



OTTO III. wurde Mitte Juli 980 in einem Zelt in der Nähe von Nymwegen geboren. Auf dem Reichstag zu Verona (Mai-Juni 983) wurde der 3-jährige OTTO III. zum König erhoben und zur Krönung nach Deutschland gesandt. Ohne den frühen Tod des Vaters zu ahnen, salbten am 24.12.983 die Erzbischöfe Willigis von Mainz und Johannes von Ravenna den jungen OTTO im Aachener Dom zum deutschen und italienischen König. Sein Königtum fand zunächst allgemein Anerkennung, strittig blieb, wer die Vormundschaft übernehmen sollte. Vorerst übernahm Erzbischof Warin von Köln die Erziehung des Königs. 984 ließ sich Heinrich der Zänker, unterstützt von den Erzbischöfen von Trier, Köln und Magdeburg, OTTO III. ausliefern und nahm mit Lothar von Frankreich Verbindung auf. Auf dem Reichstag von Rohr (29.6.984) wurde Heinrich der Zänker gezwungen, OTTO III. seiner Mutter auszuliefern. OTTO erhielt eine ausgesprochen vielseitige, umfassende und sorgfältige Ausbildung. Zu seinen Lehrern zählten: Bernward von Hildesheim, der Naturwissenschaftler Gerbert von Aurillac (der spätere Papst Sylvester II.), Johannes Philagathos von Rossano (der spätere Papst Johannes XVI.) und Graf Hoiko von Eupen. Neben der ausgewogenen und für die damalige Zeit mehr als umfangreichen allgemeinen Unterricht erhielt der junge König durch Graf Hoiko von Eupen frühzeitig eine sportliche und militärische Ausbildung. Die Kaiserin Theophano sorgte also für eine gewissenhafte Vorbereitung ihres Sohnes auf sein Amt. Mit der Gewährung von Zugeständnissen an die Reichsfürsten gelang es der Kaiserin Adelheid nach dem Tode der Theophano, für vier Jahre die Regierungsgeschäfte im Sinne ihrer verstorbenen Schwiegertochter fortzuführen. Im Alter von 15 Jahren erklärte sich OTTO III. für volljährig und übernahm die Regierung des erheblich geschwächten Reiches selbst. Eine seiner ersten Handlungen war die Verbannung seiner Großmutter Adelheid vom königlichen Hof. OTTO III. war mit 15 Jahren weit über sein Alter hinaus gereift und aufgrund seiner Bildung durchaus fähig, sein Amt auszuüben. Zeitgenossen schilderten ihn als überaus schönen Jüngling, freigebig und milde. Er unternahm noch im gleichen Jahr einen Kriegszug gegen die Obodriten und Tollenser. Auf seinem ersten Italienzug wurde er Ostern 996 in Pavia von den italienischen Feudalherren als König von Italien anerkannt. Nach dem Tode des Papstes Johannes XV. ließ OTTO III. seinen Vetter Brun von Kärnten als Gregor V. zum Papst erheben (1. Papst deutscher Herkunft), der am 21.5.996 OTTO III. zum Kaiser krönte. Er führte den römischen Kaisertitel "Romanorum imperator augustus". Auf seinem zweiten Italienzug (997-999) brach er den  Widerstand des römischen Stadtadels und erhob Rom zur Reichsresidenz, wo er sich vorwiegend aufhielt. Er ließ sich auf dem Aventin in Rom einen Kaiserpalast errichten und schuf sich einen Hofstaat nach byzantinischem spätantiken Muster. Er verfolgte das unter den gegebenen historischen Bedingungen utopische Ziel einer "Erneuerung des Römischen Reiches" mit der Hauptstadt Rom (Renovatio imperii Romanorum). Nach dem Tode Gregors V. ernannte OTTO III. seinen Freund Gerbert von Aurillac als Sylvester II. zum Papst, der OTTOS Plan zur Wiedererrichtung des Römischen Reiches unterstützte. Die sich entwickelnden westslawischen Feudalstaaten strebten in verstärktem Maße nach Unabhängigkeit vom Reich. Der Kaiser, der entsprechend seinem Plan einer Renovatio imperii Romanorum die christlichen Länder im Osten als "Freunde und Bundesgenossen des Römischen Reiches" ansah, brach von Boleslaw I. von Polen eingeladen, 999 nach Polen auf. OTTO III. erließ Polen alle Tributzahlungen, ernannte Herzog Boleslaw Chrobry zum römischen Patricius und erhob Gnesen zum Erzbistum. Damit wurde die Entwicklung zu einem stabilen polnischen Feudalstaat begünstigt und die polnische Kirche vom Erzbistum Magdeburg weitgehend unabhängig. OTTO III. förderte die Gründung des Erzbistums Gran in Ungarn und seiner Suffragan-Bistümer und übersandte 1001 zusammen mit dem Papst an den ungarischen Herrscher Stephan I. eine Königskrone (Stephanskrone). Nach seiner Rückkehr nach Italien mußte er am 16.2.1001 wegen eines Aufstandes Rom verlassen. Die kaiserliche Herrschaft in Italien brach zusammen. Der Versuch OTTOS III. einer Wiederherstellung des römischen Imperiums war gescheitert, zumal auch die meisten der deutschen Fürsten ihre Hilfe versagten. OTTO hatte es versäumt, für seine Ideen und Vorstellungen in Deutschland das notwendige Verständnis zu entwickeln. Nach einem vergeblichen Angriff auf Rom zog er 1001 im Lande umher, erkrankte und starb am 23.1.1002 auf der bei Rom gelegenen Burg Paterno an Malaria, der Krankheit der vermutlich auch sein Vater erlegen war - kurze Zeit vor der Ankunft der für ihn ausersehenen byzantinischen Braut Zoe, Tochter des Kaisers Konstantin VIII. OTTO starb unvermählt und wurde in Aachen beigesetzt. Seine eindeutig auf Italien ausgerichtete Politik schwächte die Position der Zentralgewalt und führte zu einer Stärkung der Partikulargewalten. Er hielt sich fast ausschließlich in Rom auf, das er zur Residenz eines theokratischen Weltreiches nach byzantinischem Vorbild machen wollte.

Norwich John Julius: Band II Seite 321,336-339,343-378,381-388
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"Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches "

Im Jahre 996 hielt Kaiser OTTO III. um die Hand von Eudokia, Zoe oder Theodora an, Basileios' drei Nichten und Töchtern seines Bruders Konstantin, welche war ihm scheinbar gleichgültig.
Im Jahre 1001 schickte Kaiser OTTO III. eine zweite Gesandtschaft, die von Erzbischof Arnulf von Mailand angeführt wurde. Es heißt, Eudokia, die älteste der drei Nichten, sei von Pockennarben entstellt und ohnehin der Absicht gewesen, das Leben im Kloster zu verbringen; auch die jüngste, Theodora, soll ihrer Erscheinung und ihres Auftretens wegen nicht in Frage gekommen sein. Zoe aber, die mittlere, eignete sich offenbar in jeder Beziehung für die Verbindung. Der Erzbischof war höchlich angetan von ihr und zweifelte nicht daran, dass sein Gebieter sie mit ebenso großer Begeisterung aufnehmen würde. Zoe scheint sich über ihre Wünsche im klaren gewesen zu sein und nichts von dem Widerwillen empfunden zu haben, der die Abreise ihrer Tante Anna nach Kiew rund 12 Jahre zuvor gekennzeichnet hatte. Im Januar des Jahres 1002 segelte sie ein Begleitung von Erzbischof Arnulf und seinen Leuten sowie dem einer Porphyrogennita und Kaiserin angemessenen Gefolge ihrer neuen Heimat zu. Doch es sollte ganz anders kommen. Als ihr Schiff in Bari eintraf, erwarteten sie traurige Nachrichten. Ihren Verlobten hatte ein plötzliches Fieber befallen, und er war am 24. Januar 1002 in der Burg von Paterno nahe Rom im Alter von 22 Jahren gestorben. Mit diesem Tod verpaßte Zoe viel mehr als einen zukünftigen Ehemann, ja noch mehr als die Kaiserkrone des Westens. Ein Sohn von ihr hätte zur gegebenen Zeit nicht nur das Westreich erben können, sondern in Ermangelung eines anderen männlichen Erben, auch das des Ostens, so daß die beiden Reiche zum ersten Mal vereint gewesen wären, und als Herrscher ein Gebiet kontrolliert, das sich von der Grenze Frankreichs bis nach Persien erstreckte. So läßt sich ein ganz anderer Verlauf der Weltgeschichte denken. Von dem großen Traum wie auch von Erzbischof Arnulf Abschied nehmend, machte sich Zoe auf demselben Schiff wieder auf, auf dem sie hergekommen war.
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Literatur:
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Adelheid Kaiserin und Heilige 931 bis 999 Info Verlag Karlsruhe 1999 - Althoff Gerd: Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung. Studien zum Totengedenken der Billunger und Ottonen. Wilhelm Fink Verlag München 1984, Seite 34,79,96,101,109,159,178,211,362 K 2 - Althoff Gerd: Die Ottonen. Königsherrschaft ohne Staat. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 - Althoff Gerd: Otto III. Primus Verlag Darmstadt 1997 - Annalen von Magdeburg a. 980 - Beumann, Helmut: Die Ottonen. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln, Seite 7,117,122-124,126,128,131, 135,137-158,160-163,167,169,174 - Beyreuther, Gerald: Otto III., in Deutsche Könige und Kaiser des Mittelalters, Urania-Verlag 1988, Seite 73-84 - Black-Veldtrup, Mechthild: Kaiserin Agnes (1043-1077) Quellenkritische Studien, Böhlau Verlag Köln 1995, Seite 35-382 - Boshof, Egon: Die Salier. Verlag W. 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