BRUNONEN
 

Lexikon des Mittelalters: Band II Spalte 793
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Brunonen
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Grafen- und Markgrafengeschlecht im Herzogtum Sachsen, der Mark Meißen und in Friesland.

Im Mannesstamm sind die BRUNONEN nur über vier Generationen hinweg zu verfolgen, vom späten 10. Jh. bis zum späten 11. Jh.; Zusammenhänge mit den LIUDOLFINGERN sind aufgrund von Personennamen und gelegentlich nachweisbarer Besitzkoinzidenz wahrscheinlich. Brun I. versuchte nach dem Tode OTTOS III. vergeblich, die Königswürde zu erringen, und erweist sich schon dadurch als eine der führenden Gestalten des sächsischen Adels. Grafschaftsübertragungen HEINRICHS III. und HEINRICHS IV. an die Bischöfe von Hildesheim und Utrecht sowie an den Erzbischof von Hamburg-Bremen führten die BRUNONEN in Lehnsbindungen zur Reichskirche; die Markgrafschaft Meißen besaßen die BRUNONEN seit 1067 als Reichslehen. Anderweitige Quellen bieten für die räumlichen Dimensionen brunonischer Herrschaft kaum zusätzliche Informationen. Die Markgrafschaft Meißen und die Rechte in Friesland verlor Ekbert II. durch den Spruch eines Fürstengerichts (1086,1089). Grundherrliche Rechte vor allem beiderseits der Oker schenkten die BRUNONEN an die von ihnen gegründeten Klöster und Stifter in Braunschweig. In die den BRUNONEN verbliebenen Herrschaftspositionen rückten durch Heirat Heinrich der Fette, der von Northeim, dann vor allem LOTHAR III. ein.

Literatur:
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R. Schölkopf, Die Sächs. Gf.en (919-1024) (Stud. und Vorarbeiten  zum Hist. Atlas Niedersachsens 22), 1957 - H.W. Vogt, Das Hzm. Lothars v. Süpplingenburg 1106-1125 (Q. und Darstellungen zur Gesch. Niedersachsens 57), 1959 - W. Heinemann, Das Bm. Hildesheim im Kräftespiel der Rechts- und Territorialpolitik vornehml. des 12. Jh. (Q. und Darstellungen zur Gesch. Niedersachsens 72), 1968.



Seitenzweig der Liudolfinger

Die BRUNONEN beherrschten einen räumlich zusammenhängenden Machtkomplex im südlichen Ostfalen. Er erstreckte sich vom Nordthüringgau bis zum Gudingau und vom Salzgau bis zum Gau Mulbeze. Es kann jedoch von keiner ausschließlich brunonischen Herrschaft in diesem Gebiet die Rede sein. Die Herrschaftsstellung der BRUNONENwurde nicht erst von ihnen selbst vom Stammsitz Braunschweig aus in strahlenförmiger Ausdehnung ausgebaut, mit dem Ziel, eine geschlossene Machtbildung zu erreichen, sondern war im wesentlichen alt-liudolfingisches Erbe, das sich schon im 9. Jahrhundert in diesem Raum abzeichnete.

Trillmich Werner: Seite 54
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"Kaiser Konrad II. und seine Zeit"

In weiten Teilen Mittelfrieslands und des Ijsselgaus geboten die den LIUDOLFINGERN nahestehenden Braunschweiger BRUNONEN. Fischerei und Überseehandel verschaffte ihnen Stavoren, Bolsward, Dokkum, Leeuwarden und andere Häfen reiche Zolleinkünfte, so dass es sich mindestens seit Beginn des 11. Jahrhunderts lohnte, für den Bedarf der Kaufleute Münzen schlagen zu lassen.