Begraben: Magdeburg, Dom
Ältester Sohn des Königs
HEINRICH I. aus seiner 2. Ehe mit der Mathilde,
Tochter von Graf Dietrich
Lexikon des Mittelalters: Band VI Spalte 1563
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OTTO I., DER GROSSE, Kaiser, deutscher König
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* 23. November 912, + 7. Mai 973
Memleben
Begraben: Magdeburg, Dom
Eltern:
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König HEINRICH I. und Mathilde, Tochter des sächsischen
Grafen Dietrich
1. oo 929/30 Edgith (+ 946), Tochter des englischen Königs Eduard der Ältere
2. oo 951 Adelheid (+ 999),
Tochter König Rudolfs II. von Burgund,
Witwe König Lothars von Italien
Kinder:
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von 1.:
Liudolf (+ 957), Herzog von Schwaben
Liutgard (+ 953 oo Konrad den Roten)
von 2.:
Heinrich (+ 954)
Mathilde (+ 999), Äbtissin
von Quedlinburg
Kaiser OTTO II. (+ 983)
illegitim, von einer vornehmen Slavin:
Wilhelm (+ 968), Erzbischof von Mainz
Im Rahmen der "Hausordnung" von 929 von HEINRICH
I. für die Thronfolge ausersehen und auf einem Hoftag zu
Erfurt 936 zum Nachfolger designiert, wurde OTTO
nach
dem Tode seines Vaters am 7. August 936 von den Großen des Reiches
in Aachen zum König gewählt, in feierlicher Handlung von
Erzbischof Hildebert von Mainz mit den königlichen Insignien bekleidet
und nach vollzogener Salbung und Weihe auf den Thron KARLS
DES GROSSEN gesetzt. Bei dem anschließenden Krönungsmahl
in der Pfalz versahen die Herzöge Giselbert von Lotharingien, Eberhard
von Franken, Hermann von Schwaben und Arnulf von Bayern die Hofämter
des Kämmerers, Truchsessen, Mundschenken und Marschalls und brachten
auf diese Weise die Verbundenheit der Stämme mit den neuen König
zum Ausdruck. Mit seiner Entscheidung für Aachen als Krönungsort
knüpfte OTTO I. bewußt an
die fränkische Tradition an, die auch durch die bei der Krönungszeremonie
getragene fränkische Tracht betont wurde. Über seine Mutter war
OTTO
I. jedoch mit dem Geschlecht des Sachsen-Herzogs Widukind verwandtschaftlich
verbunden. Seine Vermählung mit der angelsächsischen
Königs-Tochter Edgith verlieh ihm eine im Verhältnis
zu den übrigen Angehörigen der Königssippe herausgehobene
Stellung. Hier lag der Kern für künftige Konflikte.
Die Bestimmung OTTOS I.
zum alleinigen Nachfolger im ostfränkisch-deutschen Reich bedeutete
einen Bruch mit der fränkisch-karolingischen
Praxis der Herrschaftsteilung. Der Grundsatz der Unteilbarkeit des Reiches,
der im 10. Jh. auch anderswo zu beobachten ist, erfuhr dadurch eine entscheidende
Stärkung. Die von der Thronfolge ausgeschlossenen Mitglieder der Königssippe,
OTTOS
Halbbbruder Thangmar (aus HEINRICHS
I. erster Ehe mit Hatheburg) und sein jüngerer,
von seiner Mutter Mathilde unterstützter
Bruder Heinrich, der im Unterschied
zu OTTO I. als Königssohn geboren
war, suchten jedoch in mehreren Aufstandsbewegungen ihren Anspruch zu verteidigen.
OTTO
sah sich deshalb zunächst vor die Aufgabe gestellt, sein Königtum
gegenüber den destabilierenden Tendenzen im eigenen Hause zu behaupten.
Aber auch das Verhältnis zum Adel und zu den ihn auf Stammesebene
repräsentierenden Herzögen verlangte nach einer Regelung. War
OTTO
doch in Anknüpfung an die
karolingische
Herrschaftspraxis bestrebt, die Position des Königtums gegenüber
den Großen wieder stärker zur Geltung zu bringen. Die hieraus
resultierenden Spannungen entluden sich in einer Reihe genossenschaftlich
organisierter Adelsfehden, deren Häupter die Verbindung zu oppositionellen
Mitgliedern des Königshauses suchten. So war nahezu die Hälfte
der Regierungszeit OTTOS I. ausgefüllt
mit den mühevollen Versuchen, die Macht- und Herrschaftsverhältnisse
im Reich zu klären.
Eine Empörung Thangmars
und des Franken-Herzogs Eberhard endete mit dem Tod von OTTOS
Halbbruder auf der Eresburg (938). Ein im folgenden Jahr von Heinrich
begonnener
Aufstand, an dem neben den Herzögen Eberhard von Franken und Giselbert
von Lotharingien auch Erzbischof Friedrich von Mainz beteiligt war, brachte
OTTO
I. in eine äußerst bedrohliche Lage, nachdem die
Verschwörer Verbindung zu dem westfränkischen
KAROLINGER Ludwig IV. aufgenommen hatten. Erst der Tod der Herzöge
Eberhard und Giselbert in einem Gefecht bei Andernach ließ den Aufstand
zusammenbrechen. OTTOS Versuch, die
von der Herrschaft ausgeschlossenen Mitglieder der Königssippe durch
Verleihung von Herzogtümern zu entschädigen und dieselben durch
Eheverbindungen enger an die Krone zu binden, war jedoch kein dauerhafter
Erfolg beschieden. Der Streit um Nachfolge lebte 953 in der Empörung
Liudolfs
erneut auf, der seine Stellung sowohl durch seinen zum Bayern-Herzog erhobenen
Onkel Heinrich wie durch einen aus
OTTOS
hervorgegangenen Sohn (Heinrich,
+ 954) gefährdet sah. Der Aufstand, der rasch um
sich griff und bis nach Sachsen ausstrahlte, kam erst unter dem Eindruck
der 954 wieder einsetzenden Ungarneinfällle zum Erliegen.
In dieser für das Königtum äußerst
kritischen Phase hat OTTO I. verstärkt
auf die Reichskirche als Stütze seiner Herrschaft zurückgegriffen.
Er war hierzu legitimiert durch die dem König zukommende sakrale Würde,
die im Akt der Salbung hinfällig zum Ausdruck kam. Durch großzügige
Ausstattung der Kirche mit Gütern und nutzbaren Hoheitsrechten schuf
er die Voraussetzung für den "Reichsdienst" der Bischöfe und
Äbte. Das hierfür benötigte Personal rekrutierte sich zunehmend
aus der königlichen Hofkapelle, deren Ausbau OTTO
I. seine besondere Fürsorge angedeihen ließ. Als
Prototyp der ottonischen Reichsbischofs
erscheint OTTOS jüngster Bruder
Brun,
Erzbischof von Köln, der auf dem Höhepunkt des Liudolf-Aufstandes
mit der Übernahme der herzoglichen Gewalt in Lotharingien betraut
wurde. Aus der Not der Zeit heraus wurde OTTO
I. somit zum Initiator jener unter dem Begriff "Reichskirchensystem"
geläufige Einrichtung.
OTTOS Sieg über
die Ungarn auf dem Lechfeld (10. August 955), dem im selben Jahr ein Sieg
über die Slaven an der Recknitz folgte, befreite nicht nur das Reich
von einer gefährlichen Bedrohung, sondern brachte auf für OTTO
I. selbst eine gewaltige Steigerung seines Ansehens als Retter
der Christenheit. Nach Widukind von Corvey (III, 49) soll OTTO
I. noch auf dem Schlachtfeld vom
siegreichen Heer zum "imperator"
ausgerufen worden sein. Wenn auch
einer derartigen Kaiserakklamation keinerlei staatsrechtliche Bedeutung
beizumessen ist, so ist doch nicht zu übersehen, dass OTTO
I. in den Augen der Zeitgenossen bereits eine imperiale Stellung
einnahm. Hierzu hatte nicht zuletzt sein Eingreifen in Westfranken und
Burgund beigetragen, das deutlich hegemoniale Züge erkennen läßt.
OTTOS weit ausgreifende
Pläne einer Slavenmission, die ein Zusammengehen mit dem Papst erforderten,
wiesen den Weg nach Rom und zur Erneuerung des seit 924 erloschenen westlichen
Kaisertums. Ein erster Versuch zum Erwerb der Kaiserkrone, den OTTO
I. 951 nach erfolgter Befreiung Adelheids
von Burgund aus der Gefangenschaft Berengars
II. von Ivrea noch von Pavia aus unternahm, scheiterte an den
in Rom vorherrschenden Machtverhältnissen. Doch hatten ihm die italienischen
Großen als König (der Langobarden) gehuldigt. OTTO
I. kam seinem Ziel erst näher, als Papst Johannes XII.
den deutschen König als mächtigsten Herrscher des Abendlandes
gegen die dem Kirchenstaat gefährliche Macht Berengars
zu
Hilfe rief. Im Herbst 961 brach OTTO I. zum
zweiten Mal nach Italien auf, nachdem zuvor die Thronfolge durch die Wahl
seines gleichnamigen Sohnes OTTO II. gesichert
worden war. Am 2. Februar 962 empfing er zusammen mit Adelheid
zu
St. Peter die Kaiserkrone. In Fortsetzung der
karolingischen Tradition bestätigte er Besitzungen und
Rechte der römischen Kirche ("Privilegium Ottonianum" vom 13. Februar
962). Die Sicherung der kaiserlichen Herrschaft in Ober- und Mittelitalien
nahm OTTO so in Anspruch, daß
er erst Anfang 965 nach Deutschland zurückkehren konnte. Ein Hilferuf
Johannes' XIII. gab den Anlaß für OTTOS
dritten
Italienzug (August 966), der den Kaiser diesmal auf sechs Jahre in Italien
band. Spannungen mit der byzantinischen Kaisermacht in S-Iitalien führten
zu einer Neuauflage einer Kaiserrivalität, um deren Beilegung sich
OTTO
I. vergeblich bemühte. Demonstrativ ließ er deshalb
Weihnachten 967 seinen Sohn OTTO II.
nach byzantinisch-karolingischem
Vorbild
zum Mit-Kaiser krönen.
Mit Unterstützung Johannes' XIII. gelang OTTO
nunmehr auch die Verwirklichung seines Missionsplanes - bildete für
ihn doch die Christianisierung der unterworfenen slavischen Gebiete einen
integralen Bestandteil seiner Ostpolitik. Bereits 955 hatte er vor der
Ungarnschlacht dem Tagesheiligen Laurentius die Gründung eines Bistums
in Merseburg gelobt. Wohl von Anfang an bestand der Plan, dasselbe in einen
Verband von Bistümern einzubringen, die einem in Magdeburg zu errichtenden
Erzbistum unterstellt werden sollten, wo OTTO
I. ein Mauritius-Kloster gegründet hatte. Nachdem dieser
Plan bereits anläßlich OTTOS Kaiserkrönung
die Zustimmung des Papstes gefunden hatte, wurde im April 967 auf einer
Synode in Ravenna die Gründung des Erzbistums Magdeburg beschlossen,
dem neben Brandenburg und Havelberg auch Merseburg, Meißen und Zeitz
als Suffragan-Bistümer zugeordnet wurden.
Mit der Rückkehr aus Italien im Sommer 972 hatte
OTTO
I. den Höhepunkt seiner Macht erlangt. Ein Ostern 973,
wenige Wochen vor seinem Tode, zu Quedlinburg veranstalteter Hoftag zeigte
den Kaiser, den Widukind (I, 34) als "Haupt der Welt" pries, im Kreise
der Großen des Reiches, geehrt durch Gesandte aus nahezu allen
Teilen der damals bekannten Welt. Mit OTTO I.
hat
der Prozeß der Konsolidierung des ostfränkisch-deutschen Reiches
nach innen wie nach außen einen entscheidenden Abschnitt erreicht.
Seit auf den Akt der Salbung gegründetes Königtum, das eine gewandelte
Einstellung gegenüber der Kirche erkennen läßt, wurde gleichsam
zum Vorbild der christlichen Monarchien des Mittelalters. Seine geschichtlichen
Leistungen sahen schon die Zeitgenossen in der Erneuerung des abendländischen
Kaisertums, das fortan mit dem deutschen Königtum verbunden blieb.
So verwundert es nicht, wenn Otto von Freising ihm rückblickend gerade
wegen dieser Tat den Beinamen "der Große" (Chron. VI, 24)
zuerkannte.
Quellen:
----------
MGH DD O I., ed. Th. Sickel, 1879-1884 - Hrotsvit v.
Gandersheim, Opera, ed. P. v. Winterfeld (MGH SRG [34], 1902); mit Einl.
und Komm. ed. H. Homeyer, 1970 - Liutprand v. Cremona, Opera, ed. J. Becker
(MGH SRG [41], 1915) - Widukind von Korvei, Res gestae Saxinicae, ed. P.
Hirsch-E. Lohmann (MGH SRG [60], 1935) - Q. zur Gesch. der sächs.
Ks.zeit, ed. A. Bauer-R. Rau (Ausg. Q. 8, 1971) - RI II, 1 Nr. 55c-573c
Literatur:
-----------
ADB XXIV, 571-597 - Gebhardt I, 234-259 - Hauck III,
20-240 - HEG I, 678-696 - R. Köpke-E. Dümmler, JKDG O. I., 1876
- R. Holtzmann, Gesch. der sächs. Ks.zeit, 1941 [Neudr. 1961], 110-249
- G. Tellenbach, O. d. Gr. (Die großen Dt., I, 1956), 35-51 - J.
Fleckenstein, Lgshof und Bf.sschulen unter O. d. Gr., Ak 38, 1956, 38-62
- M. Lintzel, Die Ks.politik O.s d. Gr. (Ders., Ausgew. Schriften 2, 1961),
142-219 - W. Ohnsorge, Die Anerkennung des Ksm.s O.s I. durch Byzanz, BZ,
54, 19611, 28-52 [Ders., Konstantinopel und der Okzident, 1966, 176-207]
- E. Dupre-Theseider, O. I. und Italien, MIÖG Ergbd. 20, 1962, 53-69
- H. Beumann-H. Büttner, Das Ksm. O.s d. Gr., ZRGGerm Abt 81, 1964,
80-163 [Kg.swahl und Thronfolge in otton.-frühdt. Zeit, WdF 178, 1971,
417-508] - P.E. Schramm, O.s I. Kg.skrönung in Aachen (936) (Ders.,
Ks., Kg.e und Päpste 3, 1969), 33-54 - H. Zielinski, Zur Aachener
Kg.serhebung von 936, Da 28, 1972, 210-222 - H. Wolfram, Lat. Herrschertitel
im neunten und zehnten Jh. (Intitulatio II [MIÖG Ergbd. 24], 1973),
88ff., 133ff. - J. Fleckenstein, O. d. Gr., hg. H. Zimmermann (WdF 450,
1976) [Lit.] - K. Leyser, Rule and Conflict in an Early Medieval Society,
Ottonian Saxony, 1979 [dt.: K. Frhr. Schenk zu Schweinsberg, Veröff.
des Max-Planck-Inst. für Gesch. 76, 1984] - P.E. Schramm-F. Mütherich,
Die dt. Ks. und Kg.e in Bildern ihrer Zeit, 1983, 186-192, 81-86 [Abb.]
- H. Beumann, O. d. Gr. (Ks.gestalten des MA, hg. Ders., 1984), 50-72 -
G. Althoff-H. Keller, Heinrich I. und O. d. Gr., 1985 - E. Hlawitschka,
Vom Frankenreich zur Formierung der europäischen Staaten- und Völkergemeinschaft,
1986, 113-131 - H. Beumann, Die Ottonen, 1987, 53-112 [Lit.] - E. Hlawitschka,
Ks. O. I. (d. Gr.) (Ma. Herrscher in Lebensbildern, hg. K. Schnith, 1990),
124-143 - J. Laudage, Hausrecht und Thronfolge, Hjb 112, 1992, 23-71.
IV, 3 OTTO I. DER GROSSE
---------------------------------------
* 912 XI 23, + 973 V 7
936 VIII 7 König (ostfränkisch-deutsches Reich); 962 II 2 Kaiser
928
1. oo vornehme Slawin
929 IX
2. oo Edgith/Eadgith, Tochter König
Edwards des Älteren der Angelsachsen
* (905/12), + 946 I 26
951 X/XI
3. oo Adelheid, Tochter König
Rudolfs II. von Hoch-Burgund
* c 932, + 999 XII 16/17 Witwe König Lothars
von Italien
Widukind I c. 31, S. 43, bezeugt OTTO
als den erstgeborenen Sohn König HEINRICHS
I. aus dessen zweiter Ehe mit Mathilde;
die übrigen Filiationsbelege sind bei Köpke-Dümmler S. 6
mit Anm. 3 und bei BO. 55c zusammengestellt.
Das Geburtsdatum ergibt sich aus der Angabe bei Hrotsvith,
Primordia coen. Gandeshem. v. 561, OTTO I. sei
acht Tage vor dem Tode seines Großvaters, Herzog Otto des Erlauchten,
geboren worden. Das Todesdatum ist von Widukind III c. 76, S. 154, überliefert;
die weiteren Nennungen sind zusammengestellt von BO. 574c.
Aus der Sachsengeschichte Widukinds III c. 74, S. 150,
und der Chronik Thietmars II c. 35, S. 82, erfahren wir auch von der außerehelichen
Verbindung des Königs-Sohnes mit der vornehmen Slawin NNw.
Möglicherweise war diese, wie Ludat, Elbe S. 12 f., vermutet, die
Schwester des Heveller-Fürsten Tugumir und wurde nach der Vermählung
OTTOS
mit
der angelsächsischen Königs-Tochter
Edgitha in eine kirchliche Gemeinschaft, vermutlich in das Stift
Möllenbeck an der Weser, abgeschoben.
Die erste Ehefrau König
OTTOS war Edgith/Eadgith,
eine Tochter des angelsächsischen Königs
Eduard des Älteren aus dem Hause
WESSEX; mit ihr kam noch ihre jüngere Schwester
Edgiva mit auf den Kontinent, um für den sächsischen
Königs-Sohn für dessen Wahl zur Verfügung zu stehen.
An dieser Stelle muß auf zwei Fehler hingewiesen
werden, die Widukind in seinem Bericht über die Herkunft der Edgith
in der Sachsengeschichte I c. 37, S. 54, unterlaufen sind; auf Grund der
weiten Verbreitung Widukinds werden diese Fehlangaben sehr häufig
wiederholt. Edgith war weder die Tochter
des angelsächsischen Königs Edmund
noch die Schwester König Aethelstans,
wie der Corveyer Mönch meint, sondern sie war vielmehr die Halbschwester
sowohl König Edmunds (940-946),
der aus der 3. Ehe König Eduards des Älteren
(901-924) hervorgegangen war, als auch die Halb-Schwester des
zur Zeit der Werbung regierenden König Aethelstan
(924-940), der aus der ersten Verbindung seines Vaters stammte.
Vgl. zur Familie der Braut OTTOS
I. zuletzt Leyser, Ottonen S. 76 f.
Es sei hier noch auf die verwandtschaftlichen Beziehungen
verwiesen, die die Könige von Wessex auf dem Kontinent durch Eheschließungen
angebahnt hatten: ihre Schwester Eadgifu (+
n 951, vgl. Werner V, 38) war mit König
Karl III. dem Einfältigen vermählt (aus dieser Ehe
ging König Ludwig IV. Transmarinus hervor,
der zweite Gemahl von OTTOS I. Schwester
Gerberga),
während die Schwester Eadhild
(+ v 937, vgl. Werner VI, 6) die Gattin Hugos
des Großen von Franzien war. Edgiva,
diejenige Schwester Edgiths, die mit
nach Sachsen gekommen war, heiratete Graf Ludwig,
den Bruder König Rudolfs II. von Hoch-Burgund,;
vgl. Hlawitschka, Verbindungen S. 50-57.
Die Vermählung OTTOS,
des Sohnes HEINRICHS I., mit der angelsächsischen
Königs-Tochter Edgith fand in den Quellen reichlich Niederschlag;
besonders ausführlich unterrichten uns Widukind I c. 37, S. 54, und
Hrotsvith, Gesta Oddonis v. 68-120.
Die weiteren Belege sind von BO. 23h zusammengestellt.
Edgith
war
wahrscheinlich ungefähr gleich alt wie OTTO
I., vielleicht sogar etwas älter. Der Sterbetag ist überliefert
bei Widukind II c. 41, S. 99; die weiteren Nachrichten sind bei Köpke-Dümmler
S. 146 gesammelt.
Im Herbst 951 heiratete König
OTTO I. Adelheid, die Tochter König
Rudolfs II. von Hoch-Burgund und dessen Gemahlin Bertha;
die Königin Bertha war ihrerseits
eine Tochter Herzog Burchards von Schwaben, der 926 im Kampf für seinen
Schwiegervater (richtig: Schwiegersohn) vor Novara gefallen war.
Der Continuator Reginonis a. 951, S. 164, bezeugt die Filiation Adelheids
von König Rudolf II., wohingegen
wir in der Antapodosis Bischof Liutprands von Cremona IV c. 13, S. 111,
auch ihre Abstammung von der Königin Bertha
belegt finden. Die weiteren Quellenzeugnisse für
Adelheid
hat Diener, Könige von Burgund S. 78, Nr. 14, zusammengestellt.
Adelheids
Geburtsjahr
läßt sich aus der Angabe Odilos von Cluny, Epitaphium Adelheide
c. 2, S. 29, sie sei zur Zeit ihrer Vermählung mit König
Lothar im 16. Lebensjahr gestanden, errechnen.
Zur Verlobung und Eheschließung der burgundischen
Königs-Tochter Adelheid mit
Lothar,
dem Sohn König Hugos von Italien,
vgl. Werner VII, 27. Die ottonische
Hoflegende,
wie wir sie v. a. bei Hrotsvith, Gesta Oddonis v. 467-665, fassen können,
malt in geradezu rührenden Farben die Geschichte der Werbung und schließlichen
Eheschließung OTTOS I. mit der
armen, im Kerker schmachtenden Adelheid
aus.
Der Todestag Adelheids ist zum XII
17 im Merseburger Nekrolog eingetragen; vgl. dazu bei Althoff, Adelsfamilien
Kommentar K 49. Auch Thietmar IV c. 43, S. 180, hat (in Abhängigkeit
vom Merseburger Nekrolog) den XII 17, während Odilo c. 21, S. 44,
den XII 16 nennt; er berichtet ergänzend, die Kaiserin
Adelheid sei um Mitternacht verstorben, womit die zwei Angaben
für den Todestag erklärlich würden. Vgl. auch BU. 1337a.
K 12
Lü. 7.5. Otto
+ 973 OTTO DER GROSSE
Me: 7.5. Otto
maior magnus imp.
Me: 10.8. Magnus
Oddo imp.
Dem Eintrag im Lüneburger Necrolog fehlt der Titel,
jedoch hat Wedekind in seiner Edition durch Punkte kenntlich gemacht, daß
er den Titel hinter dem Namen nicht mehr lesen konnte, so daß kaum
ein Zweifel besteht, daß mit dem Eintrag zum 7. Mai der Kaiser
gemeint ist.
Der Eintrag ins Merseburger Necrolog zum 10. August soll
an OTTOS Lechfeldsieg erinnern, vgl.
Althoff, Unerkannte Zeugnisse vom Totengedenken der Liudolfinger, Seite
386f. Er gehört somit zu den nicht-necrologische Notizen im Merseburger
Necrolog, die alle auf Mitglieder der ottonische
Familie bezogen sind und damit den familiären Charakter des Gedenkens
deutlich machen; siehe dazu oben Seite 146f. Die Verbindung von maior und
magnus ist wichtig für die von Kienast, Magnus = der Ältere;
Seite 1ff. eingeleitete Diskussion; der Beleg des Merseburger Necrologs
ist Kienast entgangen. Die Formulierung muß nicht zeitgenössisch
zu 955 sein, sondern kann auch aus einer redaktionellen Änderung bei
der Übertragung nach Merseburg resultieren.
Allg. vgl. Köpke-Dümmler, Otto der Große;
Biogr. Wörterbuch 2, Sp. 2090ff., FW K 29.
Zum Todesdatum: Bo Nr. 574c.
OTTO I DER GROSSE
-------------------------------
* 23. XI 912, + Memleben 6. V 973
Begraben: Magdeburg Dom
930 Mit-König
7. VIII 936 DEUTSCHER KÖNIG
Rom 2. II 962 KAISER
I oo IX 929
ED(G)ITHA
+ 26. I 946
Begraben: Magdeburg Dom
Tochter von Eduard (Edward) dem Älteren König der Angelsachsen
II oo Pavia X/(XI 951
ADELHEID VON BURGUND (WELFEN)
+ Kloster Selz/Elsass 16. XII 999
Begraben: ibid
Witwe von König Lothar 931 Mit-König von Italien
(ARLES), Tochter von König Rudolf II.
KAISER OTTO I. (DER GROSSE)
----------------------------------------------
* 22.11.912
+ 7.5.973 in Memleben
Grabstätte: St.-Mauritius-Dom Magdeburg
Eltern: König HEINRICH I. und Mathilde
1. oo September 929 in Quedlinburg
EDGITH
* ca. 910/12, + 26.1.946
Grabstätte: Magdeburger Dom
Tochter König Edwards des Älterebn aus dem angelsächsischen Königshaus von WESSEX
2. oo Oktober/November 951 in Pavia
ADELHEID
* ca. 931/32, + 16./17.12.999
Grabstätte: Kloster Selz/Elsaß
Tochter König Rudolfs II. von Hochburgund, Witwe
König Lothars von Italien
929
1. oo Edgitha von England, Tochter des Königs
Eduard I.
905/12-2.1.946
951
2. oo 2. Adelheid von Hochburgund, Tochter des
Königs Rudolf II.
ca 932-16./17.12.999
Kinder:
1. Ehe
Liudolf
930-6.9.957
947
oo Ida von Schwaben, Tochter des Herzogs Hermann
932/34-17.5.986
Liutgard
ca. 931-18.11.953
947
oo Konrad der Rote Herzog von Lothringen
ca 920-10.8.955
2. Ehe
Heinrich
Ende 952/Anfang 953-7.4. ca 954
Brun
Ende 953/Anfang 954-8.9.957
OTTO II.
Ende 955-7.12.983
Mathilde Äbtissin von Quedlinburg
Anfang 955-7.2.999
Illegitim von einer slawischen Fürstin
Wilhelm Erzbischof von Mainz
929-2.3.968
Literatur:
-----------
Adalbert: Fortsetzung des Regino a 951 - Adelheid
Kaiserin und Heilige 931 bis 999 Info Verlag Karlsruhe 1999 - Althoff
Gerd: Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung.
Studien zum Totengedenken der Billunger und Ottonen. Wilhelm Fink Verlag
München 1984, Seite 22, 34,79,81,86,90,129,135,140,147,157,164,170,177,226,365
K 12 - Althoff Gerd: Die Ottonen. Königsherrschaft ohne Staat.
W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 - Althoff Gerd:
Otto III. Primus Verlag Darmstadt 1997 - Althoff, Gerd/Keller,
Hagen: Heinrich I. und Otto der Große, Muster-Schmitt Verlag Göttingen
1994 - Barth Rüdiger E.: Der Herzog in Lothringen im 10. Jahrhundert,
Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1990, Seite 17-176 - Beumann, Helmut:
Die Ottonen. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln, Seite 7 -174
- Black-Veldtrup, Mechthild: Kaiserin Agnes (1043-1077) Quellenkritische
Studien, Böhlau Verlag Köln 1995, Seite 103-346 - Boshof,
Egon: Die Salier. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln 1987,
Seite 7,10,12,15,17,19,23,34,38,44,47, 51,54,61,92,94,250 - Cardini,
Franco: Friedrich I. Barbarossa. Kaiser des Abendlandes, Verlag Styria
Graz 1990, Seite 8,10,25,50,70,182,184,190,241 - Die Salier und
das Reich, hg. Stefan Weinfurter, Jan Thorbecke Verlag 1991, Band I Seite
57,70,101,103,106,142-148,151-154,156,165,168,170,173,178, 184,206,224,226,241,258,268,
274,311-313,317,338,376,477,479,498,505,531,551/Band II Seite 2,49, 127,157,160,169,187,207,231,362,364,390,410,442,470-473,
505,513,533,536,561/Band III Seite 10, 218,261,267,381,416, 480,488-490,492,503,514-517
- Diwald Helmut: Heinrich der Erste. Die Gründung des Deutschen
Reiches, Gustav Lübbe Verlag Bergisch Gladbach 1994, Seite 109-509
- Eickhoff, Ekkehard, Theophanu und der König, Klett-Cotta Stuttgart
1996, Seite 17-510 - Erkens, Franz-Reiner: Konrad II. Herrschaft
und Reich des ersten Salierkaisers. Verlag Friedrich Pustet Regensburg
1998, Seite 13,18,22,25,47,54,57,64,71,74,81,95,120,166,173,195,202,207,214
-Faber Gustav: Der Traum vom Süden. Die Ottonen und Salier.
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