Von
Herrn FERRY DE LOCRE aus Saint Pol
Pfarrer von
SAINT NICOLAS A ARRAS .
KOMMENTIERTE ÜBERSETZUNG AUS DEM MITTELFRANZÖSISCHEN
VON ANDREA ALVERMANN
ZU DOUAY
Bei Laurent Kellam,
im Haus des Osterlamms Anno 1613
DURCHLAUCHT,
hier nun also die ersten Früchte, die meine Feder
wagt, auf dem Altar Eurer Verdienste niederzulegen. Mag es auch spät
sein, die letzten Wünsche und Gefälligkeiten sind doch oft trefflicher
als die ersteren. Wahrlich, alles hier ist grob gewirkt, was daher kommt,
dass ich es nicht besser wusste. Doch trägt das Sujet in sich selbst
den Schlüssel, mit dem es in Eurer Gunst Einlass erlangen wird.
Mag der Garten auch noch so schlecht gepflegt sein, so
mindert dies doch keineswegs die lebhaften Farben und die anmutige Schönheit
der Tulpen und anderer ähnlicher Blumen, die sich dort befinden
und die in ihrer Schönheit und Güte Purpur und Balsam verströmen.
So werden auch diese Blätter, mögen sie gar mangelhaft gewirket
sein, den erlauchten und großen Grafen von Saint Pol keineswegs zu
Schaden gereichen, wenn diese darin in Begleitung ihrer hochwohlgeborenen
Verwandten, ihrer ruhmreichen und tragischen Taten, ihrer Verdienste und
ihres Einflusses bei den Mächtigsten Europas den Königen Geleit
geben, selbst wenn ihnen endlich dennoch Fortunas verschiedene Wechselstürme
und schließlich gar Grabmahle folgen. Mors ultima linea rerum. So
ist dieses Sujet beschaffen.
und um es noch anders auszudrücken und der Wahrheit
zu Ehren, welch anderen Paten hätten sie wählen können als
Euch? Was konnte ihnen mehr zu Ehre gereichen, als Ihr? Ihr, die Ihr am
glücklichen Tage Eurer Geburt die ersten Zephyre inmitten der schönsten
Gärten und Haine geschnuppert habt; und die ihr dort (nach dem Vorbild
Eurer hochadeligen Ahnen, im Bunde mit den Lalaing , Merode, Culembourg,
Bossut, Saveuse usw.) lange Jahre Euren gewohnten Aufenthalt verwurzelt
und bewahrt habt, von welchem Ihr gleich einem gütigen Gestirn das
ganze Land in Eurer freundlichen Gnade erstrahlen lasst: Ich meine dies
im Frieden wie im Krieg, im Religiösen wie im Weltlichen, im Privaten
wie im Öffentlichen. Gütiger Eifer treibt Euch an und lässt
Euch in der Ausübung Eurer edlen Pflichten wenig Muße.
Was uns betrifft, so werde ich die unendlichen Verpflichtungen
nicht aufzählen, die wir Euch schulden, und die mir, einem Hemmfisch
gleich, nicht gestatten mich anderswo anzuheften, als im Hafen Eures ruhmreichen
Herrenthums. So mag was jeder weiß hier zum Beweise dienen. Und meinerseits
versichere ich Euch, dass ich in meinen Bemühungen, Euch zu Gefallen
zu sein, fortfahren werde.
Auf ewig
Eurer Hoheit treuester und innigst zugetaner Diener
FERRY DE LOCRE
Ad Lectorem,
Epigramma.
PAULINOS
Comites breui libello
Paulino satus oppido recenset
Noster Locrius: illintique chartis,
Que geßere foris vetustiores,
Que fecere domi recentiores
Isti stemmate Regio suborti
Heroës. Simul eruit tenebris
Res priscas patrio solo peractas.
Sed quas fusius exprimet parato
Maiori Chronico: quod Atrebatis
Narrabit populi sacra & profana
Quondam facta, stylo graui, Latino.
Hoc prodibit opus breui sub auras,
Et nos teque beabit, erudite
Lector, res veluti ipsa perdocebit :
Quod hoc carmine scire te volebam.
Philippi Meyeri. A.
Von Herrn FERRY DE LOCRE aus Saint Pol,
Pfarrer von Saint Nicolas in Arras.
VORWORT.
IM Bewusstsein meiner Pflicht
und aus Zuneigung zu meinem Vaterland hegte ich den Wunsch den mir nachfolgenden
Generationen eine treue Erinnerung an das zu hinterlassen, was ich in langen
und mühsamen Nachforschungen zu jenen vergangenen Zeiten bemerkt habe,
die der Grafschaft von Saint Pol zur Ehre gereichen. Ich werde meinen Bericht
darüber, wie dies wohl in meiner Natur liegt, kurz zu fassen wissen.
Der üppige Stil in seiner Eigenart mit langen Paraphrasen einzugehen
war mir nie angenehm, wie er gar prunkvoll Possen reißt und sich
Euripus und Meander gleich dahinschlängelt: statt dessen halte
ich es mehr mit dem Lakonismus, der viel mit wenig Worten sagt und somit
ankommt.
-------brevis esse laboro,
Obscurus sio.
Die alten Römer sagten, TRIBUS BOLIS. Dies entleihe
ich bei Harpocrates. Es ist wohl auch nicht schicklich dem Leser unwiederbringlichen
Schaden zuzufügen, Breve et irreparabile tempus. So wollen
wir es halten.
WAs Größe und Würde angeht, die allein vom Anbeginn ihres Daseins zu zeugen vermögen, so ist die Grafschaft von Saint Pol älter als siebenhundert Jahre. Doch zählen hierzu auch Städte, die ebenso alt sind wie Saint Pol, welche daselbst die Hauptstadt ist von Pernes, Frévent, Pas, Epinoy, Blangy, Carvin, Fruges, Fressin, Heuchin und anderen, die, wenngleich zum Teil von Mauern eingefasst, so doch ebenfalls viel von ihrem früheren Glanz und Einfluss verloren haben. Epinoy ist ein Herrenthum und die Grafschaft Blangy gehört dem Abt des örtlichen Klosters. Dreihundertfünfundsechzig Dörfer (inklusive der Weiler) befinden sich auf den Ländereien der Grafschaft und sind in erster Linie dem Gerichtsstuhl und dem Schloss von Saint Pol unterstellt. Ich habe ihre Auflistung, doch sie zu benennen ist hier nicht vonnöten. Dennoch ist ihre Anzahl bemerkenswert: Sie wetteifert mit den Tagen eines Jahres und übertrifft um ein weniges die Gradzahlen des Tierkreises, welche dreihundertsechzig zählen. Bei einem Großteil von ihnen erheben sich Schlösser, Burgen und Festungen. Zahlreich sind dort Wälder und Forste, und der berühmteste ist der Wald von Saint Pol, welcher sich in zwei Teile teilt; die eine Hälfte gehört dem Grafen und der andere Teil den Bürgern der Stadt. Er wurde ihnen anno 1587 per Vertrag und Urteil von der hohen und mächtigen Herrin Mariavon Bourbon, Herzogin von Longueville und Gräfin von Saint Pol [30 MARIE DE BOURBON, DUCHESSE DE LONGUEVILLE UND COMTESSE DE SAINT PAUL: Marie von Estouteville (* 30.5.1539, + 7.4.1601), 26. Gräfin von Saint-Pol und Soissons, Herzogin von Nevers und Longueville war die einzige Tochter und Erbin des Herzogs Franz I. von Estouteville [476 FRANCOIS: Franz I. (* 6.10.1491, + 1.9.1545), Graf von St. Pol.] aus dem Hause BOURBON.] gegeben. Danach kommen die Wälder von Rollecourt, Créquy, Saint Martin, von Oberlieu, von Quesnoy, von Fléchin, Huon, Heuchin, Cercamp, Mortaigne, Wimille, Bailleul-lès-Pernes, von Monchy, von Willerval usw. Das ganze Land ist sehr schön und sehr fruchtbar. Man sieht dort Berge und Hügel, hier Täler, Quellen, Bäche und Flüsse. Unter den Quellen hebt sich vor allem jene von Lisbourg hervor, da sie die Mutter des berühmten Flusses namens Lys ist, von dem auch das Dorf seinen Namen entlehnt; wiewohl auch Viezecoupelle, Noyelles, Fontaine-lès-Boulans das ihre dazu beigetragen haben, den Reichtum besagten Flusses zu vergrößern. Schließlich mag man den kleinen Nebenarm loben, der zu Füssen des Schlosses von Saint Martin (stetes Heim der Herren von Bailleul), inmitten von Wäldern, baumgesäumten Alleen, wunderschönen und mit aller Art Obstbäumen reich bepflanzten Wiesen dahinfließt und zwei Pfeilwürfe vom Ort seiner Ursprungs entfernt eine Mühle antreibt, dann, bereits zu einem Fluss geworden, durch die Stadt Saint Pol wogt und ohne sich recht sehen zu lassen seine Wasser unter dem großen Markt, im Schatten der ihn überragenden Bogengänge herrollt. Und immer wieder erneut anwachsend, grüßt er von dort einträglich die Dörfer von Gauchin-Verloingt, Hernicourt, Wavrans, Sautrecourt, Monchy-Cayeux, Anvin (wo ein breiter Bach hinzustößt) Maisnil-lès-Teneur, Erin, Blangy, Rollancourt und andere Orte, bis dass er kurz nach Hesdin, bei der Brücke Saint Loup (gewöhnlich Saint Leu genannt) mitten in den Fluss Canche eintaucht, wo er sogleich seinen Namen verliert, der Ternoise ist und den jener Doktor Johannes Molanus aus Louvain in lateinischer Sprache Thena nennt, dergestalt begleitet fließt er durch Montreuil, wo sie sich gemeinsam in den großen britannischen Ozean stürzen. Dieser Fluss ist (wie keiner der oben genannten) überreich an Forellen, alldieweil er dem Abendrot entgegenfließt, was für solcherlei Reichtum wohl vonnöten ist, zumal dieser Fisch mit seinen kleinen Flossen stets gegen den Strom und die Sonne rudert. Die Griechen nennen ihn Troeta, die Lateiner Truta oder mit Isidor Varin, die anderen nennen ihn Salates. Auch gibt es in besagter Grafschaft drei sehr schöne und alte Klöster, Blangy, Cercamp und Ruisseauville, von denen zu gegebener Zeit noch die Rede sein wird.
Beschreibung der Stadt Saint Pol
KAPITEL 2
Von der Stadt Saint Pol (die
der gesamten Grafschaft ihren Namen gab), wird angenommen, sie habe zu
Beginn Ternois geheissen und dass sie Saint-Pol-en-Ternois genannt wird
mag als Beweis dienen und auch, dass ganz früher ihr Statthalter den
Titel Seneschall von Ternois trug. Seitdem habe sie (wie es wahrscheinlich
ist), den Namen Saint Pol erhalten, ganz wie die Stadt Saint Omer, die
anfangs den Namen Sithiu trug. Denn hier wie dort ist der Grund dafür
der gleiche. Nämlich, weil der Heilige Paulus der Schutzpatron der
Stadt ist oder aber wegen der sehr wertvollen Reliquienschreine, den die
Bürger durch ihren Grafen oder andere Fürsten aus den Gebeinen
des Heiligen Paulus erhalten haben, so einen Teil seines Herzens und einige
Knochen, die noch heute in ihrem Besitz sind, diese Kleinode sind in einem
wertvollen Silberbildnis verschlossen. Als weiteren Grund für diese
Namensgebung will ich noch hinzufügen, dass der Heilige Paulus dort
mehrere Wunder vollbracht haben soll, wie mir vielmals von den ältesten
Bürgern berichtet wurde. Ich gebe dies hier jedoch nur so wieder,
wie es mir zugetragen ward, da ich nicht ausreichend befugt bin, dies zu
bestätigen.
Im Übrigen liegt diese Stadt tief unten und ist
hier und dort von hochliegenden und bergigen Orten umgeben (abgesehen vom
Strom des Flusses). Besonders von den beiden Schlössern, deren Fundamente
über den höchsten Gebäuden der Stadt aufragen, wovon eines
weiter entfernt ist und das Alte, das andere das Neue Schloss genannt wird
und die voneinander durch einen breiten und tiefen Graben getrennt sind.
Und was das angeht, was man heute von ihnen sieht, so sind es nur Ruinen,
und sie könnten nur durch königliche Vereinbarungen und Verträge
Instand gesetzt werden, auch weil sie zu dicht bei den Schlachtfeldern
liegen.
In der Stadt befinden sich zwei Plätze, wo Recht
gesprochen wird, auf dem einen durch den König und damit heute den
belgischen Fürsten, auf dem anderen durch den Grafen von Saint Pol.
Sie tragen unterschiedliche Namen, die Kammer des Seneschalls, wo die Grafen
von Saint Pol das Recht vertreten und die Kammer der Stadt, jene des Magistrats.
Der Magistrat wird dort jedes Jahr am Tag der Circumcisio
Domini neu eingesetzt und dies mit vielen Zeremonien, was zeigt,
wie alt diese Tradition bereits ist.
Viermal die Woche ist Markt. Montags, Mittwochs, Freitags
und Samstags. Montags findet der große Markt statt, auf dem eine
große Anzahl jeder Art Viehzeug feilgeboten wird und nicht zu vergessen
Getreide, Woll- und Seidengarne. Jedes Jahr werden dort zwei Jahrmärkte
abgehalten, am 26. Januar und am 7. Juli, und sie dauern einer wie der
andere die Zeit von neun Tagen, an denen die Franchise herrscht.
Die benachbarten Städte und Orte beteiligen sich in beachtlicher Weise
daran.
Alten Erinnerungen und Bemerkungen zufolge soll es früher
einen Weinmarkt gegeben haben und ich habe eine derartige Behauptung auch
in den Stadtarchiven gefunden. Ich glaube wohl, dass dieses aus Frankreich
stammende Privileg zusammen mit weiteren durch Kaiser
Karl V. [61 CHARLES QUINT:
Kaiser Karl V. (* 24.2.1500, + 21.9.1558), Erzherzog von Österreich
(12.1.1519-21.4.1521) Herzog von Burgund (25.9.1506-25.10.1555), König
von Kastilien (1506), König von Spanien (23.1.1516-16.1.1556), deutscher
König (28.6.1519-7.9.1556), Kaiser des Heiligen Römischen Reiches
seit 24.2.1530.] wiederhergestellt wurde, was uns ins Jahr 1546 führt.
Was das geistige Wohl angeht, so gibt es dort zwei Kirchen,
eine Pfarr- und eine Stiftskirche: von dieser spreche ich hernach, von
jener ist zu sagen, dass sie von zwei Pfarrern geführt wird, die wöchentlich
abwechseln, sei es wegen des vielen Volkes oder eher weil sie früher
die Aufgabe hatten, ebenfalls abwechselnd der Gemeinde von Verloingt geistiges
Geleit zu geben, von der sie jährlich zu gleichen Teilen das Gros
(wie man sagt) ihres Einkommens erhalten. Auch gibt es sieben begünstigte
Kaplane, die dort wie auch in den Stiftskirchen regelmäßig den
Gottesdienst abhalten.
Früher lag ein kleiner Friedhof direkt neben besagter
Kirche, doch wegen der Unannehmlichkeiten, die den Bürgern daraus
erwuchsen, gaben drei Maiden zu gleichem Gebrauch eine Wiese außerhalb
der Stadt direkt beim Faubourg d’Arras, und oben genannter Friedhof wurde
entweiht um als Gemüsemarkt zu dienen. Auch gibt es noch zwei Nonnenkloster,
die zum Orden des Heiligen Franziskus gehören, die einen werden Graue
Schwestern und die anderen Schwarze Schwestern genannt, wegen der verschiedenen
Farben ihrer Mäntel und Gewänder. Die Schwarzen Schwestern kommen
ursprünglich aus Saint Omer und die Chariottes d’Arras aus Saint
Pol selbst.
Außerdem sieht man in besagter Stadt noch die Mauern
der Kapelle von Ocoche, die von den Herren von Vieville und Freston gegründet
wurde, den Ahnen der Herren von Bailleul, die noch heute bestimmen, wer
Abt besagter Kapelle wird. Vor seiner Zerstörung anno 1537 hatten
sie dort auch noch einen schönen und weitläufigen Palast, dessen
Überreste gegenwärtig noch zu sehen sind, wenngleich auch großenteils
nur als Ruinen.
Damnosa quid non imminuit dies?
In den vier Vorstädten besagter Stadt, Faubourg
d’Arras, de Cousture, de Verloingt und de Poterie, erheben sich vier weitere
Kapellen, welche sehr ehrfürchtig besucht und unterhalten werden,
in der ersten die Chapelle du Saint Esprit, in der zweiten die von Notre-Dame,
in der dritten Madeleine und in der vierten, genau mitten auf dem Friedhof
die Chapelle du Saint-Sépulcre.
Herkunft der Grafen von Saint Pol
KAPITEL 3
NAchdem Balduin
[67 BAUDUIN BRAS DE FER: Balduin I. Eisenarm (* ca. 837/40 Gegend
von Laon, + 879 Arras), 1. Graf von Flandern (862-879).], der erste Graf
Flanderns, ob seiner Heldentaten und Tapferkeit auch Eisenarm
genannt,
anno 879 vom Leben zum Tode gegangen war, folgte ihm sein Sohn Balduin
der Kahle [68 BAUDUIN LE CHAUUE: Balduin II. der Kahle (*
863, + 10.9.918). 2. Graf von Flandern (897-918).], der den Namen seines
Vaters und den Beinamen des französischen
Königs KARLS DES KAHLEN [69
CHARLES
LE CHAUUE: Karl II. der Kahle (* 13.6.823 Frankfurt, + 8.12.877
Brides le Bains), Kaiser des heiligen römischen Reiches (15.12.875),
König von Lothringen und Burgund (9.9.869), König von Italien
(875-876).], seines Paten, trug. Seine Mutter war die berühmte Judith
[70 JUDITH: Judith von Frankren (*
ca. 843/44, + ca. 879), Tochter von Karl II. dem
Kahlen, Karolinger.],
die nach dem Tode des englischen Königs Aethelbald
[71 ADELBALDE: Ethelbald oder Aethelbald
(* 834, + 22.12.860 Sherborn), König von Kent (857-860).], von dem
die Historiker so viel Aufhebens machen, in dritter Ehe mit besagten Eisenarm
verheiratet wurde. Und jener Balduin der Kahle, zweiter Graf Flanderns
hatte Alfreda
[72 ELFTRUDE: Alfreda, auch Aelfthryd,
Alfreda, Aelfthrith, Elftrudis (* 869, + 7.6.929).], die Tochter König
Alfreds von England [73 ELDUDE:
Alfred I. der Große (* 848 Wantage, Berkshire, + 28.10.901 Winchester,
Hampshire), König von England (871-901).] zur Frau, mit der er zwei
Söhne hatte, von denen einer Arnulf
[74 ARNOUD: Arnulf I. der Große
(* ca. 885, + 27.3.964), 3. Graf von Flandern, 2. Graf
von Saint Pol (918-958, 961-964).] und der andere Adolf
oder
Adalolf [75 ADOLPHE, ADALOLPHE: Adolf oder Adalolf
(* 890, + 13.11.933), 1. Graf von
Boulogne, Therouanne und
von Saint Pol.] genannt
wurde. Arnulf erhielt als ältester Sohn zu Lebezeiten besagten
Vaters Balduins als Erbteil den Titel und die Grafschaft
Flandern; Adalolf als zweiter bekam als Fünften [76
Er
bekam seinen Anteil, der ein Fünftel betrug.] die Gebiete Boulogne
[77 BOULOGNE, BOULONGNE.], Therouanne
[78 TEROUÄNE,
TEROUANNE.] und Saint
Pol, die damals zu Flandern gehört und im gleichen Atemzug
zu Grafschaften ernannt wurden, so dass besagter Adalolf titelmäßig
dem Bruder gleich ward. Besagter Balduin der Kahle
hinterließ
aus eben dieser Ehe eine Tochter, die den Namen ihrer Mutter, Elstrude
[79 ELFTRUDE: Elstrude von Flandern (* ca. 932, + 974) ist wohl
eher eine Tochter von Arnulf I. dem Großen und der Adele
von Vermandois. Balduin II. hatte ein oder zwei Töchter
namens Ealswid
und/oder Ermentrud.], trug und welche mit Siegfried dem Normannen
[80 SIFRIDE NORMAN: Siegfried der Normanne (* 929, + 965), Graf
von Guines.] verheiratet wurde, welcher (durch seine Frau) zum ersten Grafen
von Guines [81 GHISNES.] wurde. Doch aus Verzweiflung beendete
er sein Leben elendig.
I
Adolf, erster Graf von Saint Pol
KAPITEL 4
ADolf
[75 ADOLPHE, ADALOLPHE: Adolf oder Adalolf (* 890, + 13.11.933),
1. Graf von Boulogne, Therouanne und Saint Pol.], erster Graf von Saint
Pol, ging keinerlei Ehe ein, zumindest hatte er keine Nachkommen.
Anno 918 wurde Graf Adolf gemeinsam mit
König
Rudolf von Burgund [82
RODOLPHE:
Hier scheint de Locre König
Rudolf I. (Rodolphe) von Hoch-Burgund (+ 912) mit Rudolf
(Raoul) von Burgund (* vor 890, + 14./15.1.936), Herzog
von Burgund (921-923), König von Frankreich (13.7.923) zu verwechseln,
der tatsächlich in der Schlacht von Valkenberg schwer verwundet wurde.]
und Arnulf
[74 ARNOULD: Arnulf I. der Große (* ca. 885, + 27.3.964),
3. Graf von Flandern, 2. Graf von Saint Pol (918-958, 961-964).], seinem
Bruder, die Ehre zuteil, die Normannen in der Schlacht von Valkenberg [83
FAULQUEMBERGUE, heute Fauquembergue: Die Schlacht von Valkenberg bei
Therouanne gegen die Normannen fand erst 926 statt.] siegreich zu schlagen,
wiewohl dies seinerseits nicht ohne Blutvergießen vonstatten ging.
Anno 929 wurde Ludwig
[84 LOUYS: Ludwig IV. der Überseeische
(* 920/21, + 954 Reims), Karolinger,
König von Frankreich (gekrönt 19.6.936).], der Sohn von Karl
dem Einfältigen [85
CHARLES LE SIMPLE:
Karl III. der Einfältige (* 17.9.879, + 7.10.929 Peronne), Karolinger,
König von Frankreich (898-922).] zum König von Frankreich gekrönt,
wobei Graf Adolf auf Einladung des Königs an der Krönung
teilnahm [86 Das kann nicht sein, da Ludwig
nicht 929, sondern 936 gekrönt wurde und Adolf am 19. November
933 gestorben ist. Falls Adolf tatsächlich an einer Krönung
teilgenommen hat, dann höchstens an der König
Rudolfs, der, nachdem sein Schwiegervater, der Gegen-König
Robert I. von Neustrien, 923 in der Schlacht von Soissons
gefallen war, zum Gegen-König gewählt wurde und sich gegen Karl
III. durchsetzte. Rudolf
wurde am 13.7.923 in Soissons gekrönt.].
In besagtem Jahr starb Alfreda
[72 ELFTRUDE: Alfreda, auch Aelfthryd,
Alfreda, Aelfthrith, Elftrudis (* 869, + 7.6.929).], die Mutter unseres
Adolf
und erhielt ihr Grabmal in der Stadt Gent [87
GAND: Die belgische Stadt Gent.], in einer der
Heiligen Jungfrau geweihten Kapelle, neben den Gebeinen ihres Gemahls,
Balduin
dem Kahlen [68 BAUDUIN LE CHAUUE: Balduin II. der Kahle
(* 863, + 10.9.918), 2. Graf von Flandern (879-918).], der anno 918 verschieden
war. Ihre Epitaphen sind dort zu sehen, die auch in unserer Chronik des
Artois dargestellt sind.
Anno 932, als Graf Adolf erfuhr, dass Edwin
[89 EDUIN: Edwin von England (+ 932).],
der Sohn Edwards
[90 EDOUARD: Edward I. der Ältere
(* 875, + 17.7.924 Fardon-on-Dee), König von England (901-924).],
des Königs der Angelsachsen, seines Onkel mütterlicherseits,
Schiffbruch erlitten und gestorben war, ließ er dessen sterbliche
Hülle sorgfältig suchen und befahl die Beisetzung seines Leichnams,
welche mit großer Pracht und eines Königs würdig begangen
wurde und zwar in Saint Omer im Kloster Saint Bertin [91 Das Kloster
St. Bertin in St. Omer, von der Klosterkirche, einem Meisterwerk mittelalterlicher
Architektur, sind nur noch Ruinen übrig. Nach der französischen
Revolution haben die Steine der ehemaligen Abtei zum Bau neuer Gebäude
gedient, insbesondere für das Hotel de Ville (Rathaus). Das ursprünglich
Kloster St. Bertin wurde um 659 in St. Omer gegründet. 1791 wurde
das Kloster aufgelöst und verfiel.], wo er alsdann seine gar ehrenvolle
Ruhestätte fand. Da nun der König der Angelsachsen, sein Vater,
so viel Beileidsbezeugungen und Höflichkeiten von besagtem Adolf
erfahren
hatte, in dessen Schuld er nunmehr stand, erhielt besagtes Kloster in seinem
Namen von besagtem König große Besitztümer und Einkünfte.
Jener Edwin
war von Æthelstan
[92
ATELSTAN: Aethelstan
oder Adelstan von England (* 894, + 27.10.939 Gloucester).], seinem Bruder,
aus besagtem Königreich vertrieben und gezwungen worden, sich, allein
mit Hilfe einer kleinen Fregatte, den Launen jenes zornigen, schwer zu
bändigenden Elementes auszusetzen, wo ihn, als das Meer sich wandelte,
sein Schicksal ereilte.
Am dreizehnten November anno 933 tat Adolf
I. Graf von Saint Pol seinen letzten Atemzug, im Kloster von Saint
Bertin, das ihm am Herzen lag. Sein Leichnam ward dort in der Kapelle Saint
Martin, links neben dem Altar beigesetzt. Unter den Gaben, die er besagtem
Orte hinterließ, waren ein Kelch aus edlem Gold und sein Degengehenk.
Und der Kirche von Saint Omer hinterließ er seine ebenfalls goldenen
Armreifen, die mit ebensolchen Margeritten und Perlen überreich verzieret
waren. Wie ich bereits erwähnte, hinterließ er keinerlei leibliche
Erben. So wurden besagte Grafschaften von Boulogne, Thérouanne und
Saint Pol allesamt zugunsten besagten Bruders Arnulf an Flandern
zurückgegeben.
II
Arnulf, zweiter Graf von Saint Pol und dritter Graf von Flandern
KAPITEL 5
ANno 938, lässt der Heilige
Bertin [93 SAINT BERTIN: Der Heilige Bertin (* ca. 615 bei Coutances,
+ ca. 709 in St. Omer) war Abt von St. Bertin und Glaubensbote im Nordosten
Frankreichs. Sein Gedenktag ist der 5. September.] in Person des Bischofs
Fulbert von Arras [94
FULBERT EUESQUE D'ARRAS.] und des Bischofs Winfried
von Thérouanne [95 WUFRIDE, EUESQUE DE TEROUANNE.],
Adele
[96 ALIX: Adele oder Alix von Vermandois (* ca. 910, + 960), Erbin
von Artois, Gräfin von Flandern.], die Gemahlin Arnulfs
[74 ARNOUD: Arnulf I. der Große
(* ca. 885, + 27.3.964), 3. Graf von Flandern, 2. Graf von Saint Pol (918-958,
961-964).], des Nachfolgers von Adolf
[75 ADOLPHE, ADALOLPHE: Adolf oder Adalolf (* 890, + 13.11.933),
1. Graf von Boulogne, Therouanne und von Saint Pol.], welche schwer und
bedrohlich erkrankt ist, wunderbarerweise wieder genesen. In Dankbarkeit
ob dieses Dienstes, schenkte Arnulf dem Kloster des besagten Heiligen
Bertin die Grafschaft Arques, die ihm gehörte, oder besser gab sie
ihm zurück, ganz wie die Dörfer Mercques und Petres und gab unzählige
andere Gaben zum Geschenk. Er behielt jedoch Schloss Rutholt und auch die
Wälder, die zu besagter Grafschaft Arques gehörten.
ANno 943 vertrieb Graf
Arnulf Adelelme oder auch Alealme, der das Kloster von Saint Vaast
[97 Das Kloster von St. Vaast wurde ca. 650 gegründet. Heute
steht an dieser Stelle die Kathedrale von St. Vaast aus der zweiten Hälfte
des 18. Jahrhundert.] ganz alleine ausbeutete und unterstützte die
Reform der Klöster von Blandin [98 Eventuell Kloster St. Pierre
vom Mont Blandin in Gent.], Gent, Tournay, Marchenes, Hasnon [99
Das Benediktinerkloster von Hasnon wurde 670 durch Jean und Eulalie, die
Kinder des Grafen von Ostrevant gegründet. 880 wird es von den Normannen
zerstört und dann 1065 durch Graf
Balduin VI. von Flandern als Abtei wieder aufgebaut.], Ronnay,
Turholt [100 Das flandrische Kloster Turholt in der Nähe von
Brügge.], Wormhout [101 WOROMHOLT: Das Kloster Wormhout wurde
um 700 durch den Heiligen Winnocus (* 640/50, + 716/17) gegründet.],
Saint Riquier [102 SAINT RICQUIERE: Der Ort hieß zuvor Centule,
bis um 645 ein Einsiedler namens Ricquier im Wald von Crecy starb. Der
Sohn aus adeligem Hause hatte das Ponthieu evangelisiert. Sein Grabmal,
das in Centule errichtet wurde, wurde zum Wallfahrtsort und es wurde ein
Benediktinerkloster gegründet, das zu einem der wichtigsten Klöster
des Karolingerreiches werden sollte.], Saint Vaast, Saint Omer, Saint Sylvain,
das Kloster Saint Wulmer [103 SAINT WILMARIE.] (gemeinhin Samer
[104 SAUMUR AU BOIS.]), Saint Amand [105 SAINT AMAN: Das
Kloster Saint Amand in Saint-Amand-les-Eaux wurde ebenso wie Saint-Pierre-au-Mont-Blandin
durch den heiligen Amand (* ca. 584, + 679) gegründet.], Saint Berthe,
Saint Ame en Douay und noch ein weiteres, das meinem Gedächnis entfallen
ist. Denn ich erinnere mich, dass Johannes Iperius [106 JEAN IPERIUS.]
Abt und Chronist von Saint Bertin, achtzehn genannt hat, die besagter Arnulf
erneuerte.
Anno 951 geht Balduin
[107 BAUDUIN: Balduin III. (* ca. 940, + 1.11.962 Kloster St. Bertin,
St. Omer), 4. Graf von Flandern (958-962), 3. Graf von Saint Pol, Graf
von Boulogne, Graf von Tourraine, an Pocken oder Blattern verstorben.],
Arnulfs
Sohn, zukünftiger Graf von Saint Pol die Ehe mit Mathilde
[108 MEHAUT: Mathilde von Sachsen (* ca. 940/45, + 25.5. oder 7.
1008), Billunger.], der Tochter des Herzogs
Herman von Sachsen [109 HERMAN DU DE SAYE: Hermann I. (*
ca. 922 oder 938, + 27.3.973 Quedlinburg), Billunger, Herzog von Sachsen
(961-973), Graf im Barden-, Marsten- und Tilithigau.] ein. Aus dieser Ehe
geht Arnulf
[110
ARNOULD: Arnulf II. der Jüngere (* ca. 961/62, + 30.3.987 oder
988), 5. Graf von Flandern (964-987/88), 4. Graf von Saint Pol, Graf von
Therouanne, Graf von Boulogne.], welcher der Jüngere
genannt
wurde, hervor.
III
Balduin, Sohn von Arnulf, dritter Graf von Saint Pol und vierter
Graf von Flandern.
KAPITEL 6
ANno 958. Vom Alter niedergebeugt
und krank, voller Sehnsucht nach Ruhe und Einsamkeit, bestimmte Arnulf,
Graf
von Saint Pol seinen Sohn Balduin
nicht nur zum Grafen von Flandern sondern auch von Boulogne, Thérouanne
und Saint Pol. Doch dies geschah (zu seinem Verdruss) nur für kurze
Zeit, denn besagter Balduin starb noch vor seinem Vater.
ANno
959. Dank der Verdienste des Heiligen Gerhard [111 SAINT GERARD.],
des Abtes von Saint Bertin, genas besagter Graf Arnulf wundersam
von seiner geheimen Krankheit [112 Ein etwas unklarer Ausdruck.
Entweder heißt dies, dass niemand wusste, an welcher Krankheit er
litt, oder aber es war eine Krankheit, über die nicht gesprochen wird,
wie beispielsweise Syphilis, wobei allerdings die erste uns bekannte Epidemie
dieser Krankheit erst im 15. Jahrhundert auftrat.].
ANno 961 entreißt eine schlimme
Pockenkrankheit Balduin, Graf von Saint Pol dieser Welt und
so war der gute Greis Arnulf, sein Vater, gezwungen die Grafschaft
erneut zu übernehmen.
IV
Arnulf der Jüngere, vierter Graf von Saint Pol und fünfter
Graf von Flandern
KAPITEL 7
ANno 964. Nachdem er zweiundneunzig Jahre lang gelebt hatte, verabschiedete Arnulf der Große sich von der Erde und wurde von Arnulf dem Jüngeren [110 ARNOULD: Arnulf II. der Jüngere (* ca. 961/62, + 30.3.987 oder 988), 5. Graf von Flandern (964-987/88), 4. Graf von Saint Pol, Graf von Therouanne, Graf von Boulogne.], dem Sohn seines Sohnes Balduin [107 BAUDUIN: Balduin III. (* ca. 940, + 1.11.1962 Kloster St. Bertin, St. Omer), 4. Graf von Flandern (958-962), 3. Graf von Saint Pol, Graf von Boulogne, Graf von Tourraine, an Pocken oder Blattern verstorben.] in den Ländereien, die ihm gehörten, unter anderem der Grafschaft von Saint Pol abgelöst, wenngleich er damit wenig Glück haben sollte. Denn schon nutzte der französische König Lothar[113 CLOTAIRE: Lothar (* 941, + 2.3.986 Laon), König von Frankreich (954-986), Sohn Ludwigs IV. des Überseeischen, Karolinger.] die Kindlichkeit besagten Arnulfs aus, der ihm in jugendlicher Machtlosigkeit ohne jede militärische Auseinandersetzung ausgeliefert war und gewann sogleich Boulogne, Thérouanne und Saint Pol. Wir wollen hier bemerken, dass dies Lothar selbst von keinerlei Nutzen war, denn diesen hatten sogleich die Kinder von Wilhelm [114 GUILLAUME: Wilhelm I. (* 903, + 965), Graf von Ponthieu.], welcher damals Graf von Ponthieu war. Ich weiß die Gelegenheit nicht: doch war es ein Geschenk, das unter den beiden Söhnen besagten Wilhelms aufgeteilt wurde, wovon der Ältere Erniculus [115 ERNICULE: Erniculus (* 932, + 989), Graf von Boulogne, Graf von Therouanne.] war, welcher die Grafschaften Boulogne und Thérouanne erhielt: Der andere, dessen Name mir nicht einfällt [116 Hilduin (* 929, + 986), 5. Graf von Saint Pol, Graf von Ponthieu.], bekam die Grafschaft Saint Pol zugeteilt, so dass alle beide die Grafschaft Flandern zum Lehen hatten.
Einwurf für die Nachfolge der Grafen von Saint Pol
KAPITEL 8
ICh fasse mich hier kurz, da ich
nicht weiß, wer derjenige war, der in der Grafschaft Saint Pol direkt
auf besagten Sohn [116 Hilduin (* 929, + 986), 5. Graf von
Saint Pol, Graf von Ponthieu.] des Grafen Wilhelm von Ponthieu folgte
und welches die direkte Linie war bis hin zu Roger.
In der Flandern-Chronik von Pierre d'Onderghest finde ich wohl einen Anselm
[117 ANSELME: Anselm (* 1126, + 1174), 8. Graf von Saint Pol.],
doch da mir das, was er zu diesem sagt, nicht gefällt, so ziehe ich
die Worte Louis Brezins, des Chronisten von Flandern und der Gegend um
Arras vor, nämlich dass besagter Anselm nicht der Vater von
Balduin
Eisenarm, dem ersten Grafen von Flandern (wie Onderghest es behauptet)
war, sondern von Hugo
Candavaine [118 HUES CAMPDAUAINE: Hugo Candavaine II. (*
1145, + 1195/1205 Konstantinopel), 9. Graf von Saint Pol.], zweiter seines
Namens, Graf von Saint Pol und Sohn des Hugo
Candavaine [119 HUES CAMPAUAINE: Hugo Candavaine I. (+ 1142),
6. Graf von Saint Pol, ein ebenso frommer wie brutaler Lehnsherr. Er ließ
einen Abt und Mönche aus Auxerre kommen, um das Kloster von Cercamp
zu gründen.] und der Beatrix, seiner Gemahlin, wie wir es an
geeigneter Stelle noch sehen werden.
Ich beginne also mit Erniculus
[115 ERNICULE: Erniculus (* 932, + 989), Graf von Boulogne, Graf
von Therouanne.], Graf von Boulogne und Thérouanne und Bruder
besagten jüngeren Sohnes Wilhelms, von dem ich weiß,
dass er in direkter Linie zu seiner Familie zählt, wurde doch die
Ehe zwischen Graf
Rudolf von Boulogne [120 RODOLPHE: Rudolf (* 999, + 30.5.1036
Paris), Graf von Boulogne, Freiherr von Bournonville.], dem Enkel besagten
Erniculus
mit Rosella
[121 ROSELLE: Rosella von Saint Pol (* 1001, + 1057).], der Tochter
des Grafen von Saint Pol geschlossen.
Um dies besser zu verstehen, so ist zu sagen, dass besagter
Erniculus
eine
eheliche Tochter namens Mathilde
[122 MEHAUT: Mathilde (* 970, + 1029). Anderen Quellen zufolge waren
Mathilde
und ihr Bruder Balduin Kinder von Guido von Boulogne (* 951,
+ 1002) und Gisela von Ponthieu-Montreuil (* 950, + 1013). Guido
von Boulogne wäre dann der Sohn des Erniculus von Boulogne.]
hatte, die er Graf
Adolf von Guines [123 ADOLPHE DE GHISNES: Adolf von Guines
(* 966, + 1015), Graf von Guines, Sohn von Siegfried dem Normannen und
Elftrudes
von Flandern.] zur Frau gab. Aus dieser Ehe ging besagter Graf
Rudolf von Boulogne hervor, der Gemahl besagter Rosella,
der Tochter des Grafen von Saint Pol [124 Grund dieses ganzen Einschubs
ist, dass de Locre den Namen dieses Grafen nicht kennt.].
Aus besagter Ehe zwischen Rosella und Rudolf
ging
Graf
Eustach von Boulogne [125 EUSTACHE: Eustach II. (* 1012,
+ 1086/88 oder 1093), Freiherr von Bournonville, Graf von Boulogne, Herzog
von Bouillon. Anderen Quellen zufolgte war Eustach II. der Sohn
von Graf
Eustach I. von Boulogne (+ 1049) und der Mathilde
von Löwen.] hervor, der Ida
[126 IDE: Ida von Nieder-Lothringen (* 1040, + 13.4.1113.] heiratete,
die Schwester des Herzogs
Gottfried von Lothringen [127 GODEFROY DE LORAINE: Gottfried
IV. der Bucklige (* 1038/40, + 27.2.1076 Utrecht), Herzog von Nieder-Lothringen.]
und Nichte Stefans
[128 ESTIENNE: Friedrich von Nieder-Lothringen (* 998, + 29.3.1058
Florenz), Papst Stefan IX. (2.8.1057-29.3.1058).], welcher zuerst
Abt von Monte Cassino [129 MONT CASSIN: Das berühmte Kloster
von Monte Cassino, wo 529 der sogenannte Benediktineroden gegründet
wurde.] war, was ursprünglich zum Benediktinerorden gehörte;
und dieser Stefan wurde später zum Oberhaupt der Kirche.
Diese glückliche Verbindung zwischen Eustach
und Ida schenkte der Welt jenen so berühmten Gottfried
von Bouillon [130 GEOFROY DE BOUILLON:
Gottfried von Bouillon (* 1060/62, + 18.7.1100 Jerusalem an der Pest),
Herzog von Nieder-Lothringen, Graf von Bouillon, Markgraf von Antwerpen,
König von Jerusalem.], den König von Jerusalem. Geboren
wurde er im Schloss von Watenses [131 Eventuell Watten. Nach dem
Lexikon des Mittelalters wurde Gottfried von Bouillon
in
Boulogne geboren.], in der Nähe der sehr großen und schönen
Stadt Saint Omer. Erzogen wurde er in Boulogne, an eben jenem Ort, wo jenes
Kloster von Saint Wulmer steht, das gewöhnlich Samer genannt wird.
Besagter Gottfried von Bouillon
starb anno 1100 im Heiligen Land und von ihm haben wir in unserer Artois-Chronik
ein wenig ausführlicher berichtet. Hierin wird klar, dass die Grafen
von Saint Pol die Ehre haben, mit den Vorfahren dieses heiligen und großherzigen
Fürsten verbunden zu sein, denen es ihrerseits ebenso zur Ehre gereichte,
mit besagten Grafen von Saint Pol verwandt zu sein.
V
Roger, fünfter Graf von Saint Pol
KAPITEL 9
Dieser fromme Graf
Roger wird in den Memoiren des Stifts Saint-Sauvier-en-Saint-Paul
als erster Gründer besagten Stifts genannt, welchen er im Schloss
besagter Stadt errichtete, wo er auch zwölf anständige Behausungen
oder Häuser für zwölf Stiftsherren errichtete, die er um
sich sammelte und denen er schickliche Einkünfte und Privilegien gab.
Doch wann besagter Roger dies tat und wer seine Eltern waren und wie er
besagte Grafschaft erlangte, darüber finde ich nichts. Nur im alten
Märtyrerbuch besagter Kirche habe ich gelesen, dass er am dreizehnten
Juni gestorben sei. Doch dass er Graf von Saint Pol und Gründer
besagter Kirche war, darüber geben die Briefe von
Papst
Alexander [133 ALEXANDRE: Orlando Bandinelli (+ 30.8.1181),
Papst Alexander III. (7.9.1159-30.8.1181).], die dieser den besagten Stiftsherren
im Jahre 1175 - zur Zeit des Hugo
Candavaine, zweiter seines Namens [118 HUES CAMPDAUAINE:
Hugo Candavaine II. (* 1145, + 1195/1205 Konstantinopel), 9. Graf von Saint
Pol.] und nach Anselm
Candavaine [117 ANSELME: Anselm (* 1126, + 1174), 8. Graf
von Saint Pol.], seinem Vater, Ingelram Candavaine [134
ENGUERRAN CAMPDAUAINE.], seinem Onkel und Hugo
Candavaine, seinem Ahnen, vierter der Linie der Grafen Candavaine [135
Candavaine
kommt ursprünglich von Campus Avensis, Champ d'Avoine, das Haferfeld,
was auch die ursprüngliche Hafergarbe im Wappen von Saint-Pol erklärt.]
von Saint Pol - schickte, ausführlich und getreulich Auskunft mit
den Worten: In castro ipso, duodecim, mansuras, furnos, et vnam Cambam,
ficut bone memoriae, Rogerus Comes Ecclesiae vestrae, pro animae face remedio
noscitur contulisse. usw [136 Zu seinem Seelenheile hat Graf
Roger Eurer Kirche in seinem Schlosse bekanntlich zwölf Maß
Getreide, Backöfen und eine Vorratskammer zur Verfügung gestellt,
usw.]. Was wir zu gegebener Zeit weiter ausführen werden.
Einschub zu besagter Grafschaft bis zur Herrschaft
von Hugo Candavaine, Graf von Saint Pol
und zuvor der Priorei und der Stadt Pas
KAPITEL 10
UNgefähr im Jahre 1030 florierte
die Priorei von Pas, die Saint Martin des Champs im Königreich
Frankreich untersteht. Dies versichert uns der damalige Chronist von Cambrai
und Arras. Denn heute ist es sehr umstritten und in großer Unordnung.
Doch besagter Ort Pas war in früheren Zeiten eine
gute kleine Stadt, die befestigt war und die Unterstützung eines schönen
und starken Schlosses besaß. Die Schönheit und Macht desselben
ist nun zu Boden geschlagen, wie die anderer Orte, welche an Frankreich
grenzen – wo unser Unglück für gewöhnlich herkommt. Besagte
Stadt gehört an erster Stelle zum Schloss von Saint Pol und ist auch
heute noch reichlich bewohnt: Salomon der Weise, Gerichtsdiener der Kammer
von Arras zählte dort ungefähr zweihundert Häuser: Es gibt
eine schöne Pfarrkirche, die von der Gemeinde, welche die katholische
Religion wohl hoch achtet, andächtig besucht wird.
Der Fluss Authie, der am Schloss und der Baronie von
Rossignol entspringt, weit weg von Arras, ungefähr zehn Meilen von
Midy (es gehört dem Herrn von Marles, Gouverneur von Arras, Finanzchef
und Haushofmeister der belgischen Fürsten), nachdem er erfrischend
am Rand besagter Stadt Pas entlanggeplätschert ist, geht herrlicher
noch nach Doullens , einer Stadt in der Picardie und von dort, nachdem
er Auxi-le-Château, Dommartin, Douriez usw. durchquert hat,
stürzt er sich in sein großes englisches Rendezvous.
Über das Kloster von Blangy
KAPITEL 11
ANno 1031. Heinrich
[147 HENRY: Heinrich I. (* 17.5.1008,
+ 4.8.1060 Vitry-en-Brie), König von Frankreich (1031-1060), Capetinger.],
der erste seines Namens, war König von Frankreich und Balduin
Schönhaar [148 BAUDUIN A LA BELLE BARBE: Balduin IV.
Schönhaar (* 980, + 30.5. 10135/36), Graf von Flandern (988-1035/36).]
Graf
von Flandern.
Die schönen Gebäude des Klosters von Blangy-sur-Ternoise,
das von den Normannen zerstört worden war, wurden, dank eines frommen
und großzügigen Edelfräuleins namens Hersende, wieder aufgebaut.
Kaum ward dies vollbracht, so schaffte man die sterblichen Überreste
der Heiligen Bertha [149
SAINTE BERTHE: Heilige Bertha: Sie gründete
das Kloster von Blangy-sur-Ternoise (+ 725). Sie ließ sich in einer
Zelle einmauern, deren einziges Fenster auf den Altar ging. Sie starb anno
725 auf eigenen Wunsch eingemauert. Gedenktag ist der 4. Juli.], welche
die einstige Gründerin des Ortes war, zusammen mit denen der Heiligen
Geste und Gese [150 Die beiden ältesten Töchter der Heiligen
Bertha hießen wohl eher Gertrud und Deotile.], der Töchter besagter
Bertha, dorthin zurück, die wegen jener wütenden Normannen an
einen sichern Ort gebracht worden waren, welchen der Autor des Lebens besagter
Heiliger in Latein als Alsicacus [151 Was dieses Alsicacus sein
soll ist nicht ganz klar. Es gab einmal einen Ort namens Alsiacum in der
Nähe von Saint Germain Laval, der allerdings heute nicht mehr existiert.]
bezeichnet. Und in der gleichen Folge, wurde es, statt dass einige gesegnete
Nonnen es zum Lehen erhalten hätten, diesen genommen und mit den Benediktinermönchen
verschmolzen, denen sämtliche Rechte und Privilegien übereignet
und gegeben wurden, und zwar sowohl durch die kirchliche Autorität,
wie auch rechtlich und zeitlich. Doch wer der erste Abt und seine Nachfolger
waren, darüber ist nichts zu finden. Heute wird es durch Hochwürden
Baudrain Lalleman geleitet, der aus Arras gebürtig ist. Ich nutze
die Gelegenheit ein wenig inne zu halten und gehe hier etwas weiter zurück.
ANno 682 wurde dieses Kloster unter
König
Dietrich XII. von Frankreich [152 THIERY:
wohl Dietrich (Theuderich) III. (* ca. 657, + 691), König der Franken
(673/75-691), Merowinger.] und dem
Heiligen Autbert [153 SAINT AUBERT: Heilige Autbert von Cambrai
(* ca. 600, + 669 Cambrai), Bischof von Cambrai und Arras, Patron der Bäcker
(er soll mit eigener Hand für die Bevölkerung Brot gebacken und
verteilt haben), Gedenktag 13. Dezember.], dem dreizehnten Bischof von
Arras, von besagter Heiligen Bertha gegründet und für den Gebrauch
gottesfürchtiger Mädchen verwandt; und diese sehr fromme Dame
königlichen Geblütes starb am 10. Juni anno 721. Als sie verschied
sangen die Englein Veni electa, veni electa und auch noch andere Wunder
wurden sowohl vernommen als auch erblickt.
Dies zeigt wohl deutlich, dass besagtes Kloster ursprünglich
zu den ältesten Klöstern des Artois gehörte.
Übrigens, sollte ich hier die Lage besagten Blagny
erklären, so ist dazu nur zu sagen, dass es am Fluss Thernoise
liegt und den Titel Grafschaft trägt, dass sich auf einer Seite des
Flusses ein recht hoher Berg findet, welcher mit viel Wald bewachsen ist
und auf der anderen schöne weite Wiesen und Felder liegen. Jede Woche
ist dort Freitags Markt und sie hat noch weitere bekannte Privilegien.
Die Priorei von Ligny
KAPITEL 12
UNgefähr anno 1095, gab Gottfried,
der Bischof von Amiens [156 GODEFROY, EUESQUE D'AMIENS.]
dem Kloster von Saint Martin des Champs, nahe bei Paris, die Priorei von
Ligny [155 LIGNY-SUR-CANCHE. Ligny wird erstmals im Jahre 1104 erwähnt.
Die ehemalige Priorei von Saint-Martin-des-Champs wurde 1104 gegründet.],
einen in dieser Grafschaft von großen Herren gegründeten und
beehrten Ort. Im Kirchenchor ruhen die Gebeine Jakobs von Brimeu [157
JACQUES DE BRIMEU: Jakob von Brimeu (* vor 1384,
+ 18.3.1447 Hesdin), seine Mutter entstammte dem Hause Baolleul.], des
Herrn besagten Ortes und von Grigny, und Ritter des Ordens
vom Goldenen Vlies [158 L'ORDRE DE LA TOISON D'OR: Der Orden
vom Goldenen Vlies wurde 1430 von Philipp
dem Guten gegründet. Er ist das französische Pendant
des englischen Hosenbandordens. Er unterstreicht die Position Philipps
des Guten. Der Orden zählt 30 Ritter (50 ab 1516) und 4
Offiziere, einen Schatzmeister, einen Wafenmeister, einen Kanzler und einen
Schhriftführer. Der Odren ist eine Geschlossen gesellschaft, der die
tapfersten Adeligen und die auasländischen Verbündeten des Herzogs
von Burgund ehren soll. Ein Kettchen mit goldenem Widder bildet das Abzeichen
des Ordens. Dieses Zeichen erinnert an die griechische Argonautensage,
und beruft sich damit auf einen Symbolismus, wonach die Dynastie der Burgunder
bis auf die Trojanische Linie zurückzuführen ist. Beim Tod des
letzten spanischen Habsburgers ann 1700 teilt sich der Orden in zwei Zweige
und existiert fortan parallel in Spanien und Österreich.] von seiner
Gründung an, der dort eine ehrenvolle Ruhestatt gefunden hat. Sein
recht hohes Marmorgrab ist noch zu sehen, wenngleich ein wenig von den
Verheerungen der Jahre, der Zeit und des Krieges beschädigt. Diese
Priorei liegt ungefähr drei Meilen von der Stadt Saint Pol entfernt
am Ufer des Flusses Canche und in Richtung Abendrot.
Ich habe oben gesagt, dass Jakob von Brimeu einer der
ersten Ritter vom Orden des Goldenen Vlieses war: dies geschah anno 1429,
als Philipp
der Gute [159 PHILIPPE LE BON:
Philipp III. der Gute (* 30.6.1396 Dijon, + 15.6.1467 Brügge), Mitregent
von Hennegau und Holland (1428-1433), Graf von Namur (1429-1467), Herzog
von Brabant (1430-1467) und Burgund (1419-1467), Graf von Hennegau und
Holland (1433-1467), Mitregent von Lützelburg (1444-1451), Herzog
von Lützelburg (1451-1467), Graf von Flandern (1419-1467), Regent
(1428-1433).], Graf von Flandern und Arras, der in der Stadt Brügge
[160 BRUGES.] seine Hochzeit mit Elisabeth
von Portugal [161 ELIZABETH DE
PORTUGAL: Elisabeth bzw. Isabella von Portugal (* 21.1.1397,
+ 14.12.1472).] feierte und das Fest mit der Gründung besagten Ordens
glorreicher gestalten wollte und damit unter anderem besagten Jakob von
Brimeu beehrte und zugleich auch David von Brimeu, Herr von Ligny und Florimond
von Brimeu, Herr von Mesencourt oder auch Maisincourt, seine Verwandten
[162 Es ist schwierig festzustellen, wer genau hier gemeint ist.
Es gab mehrere Florimonds (auch Guillame/Wilhem genannt) und Davids, die
hier in Frage kämen. Sicher ist, das ein David von Brimeu (* vor 1384,
+ 1448) 6. Ritter vom Goldenen Vlies war. Dessen Geburts- und Sterbedaten
sin allerdings denen des obengenannten Jakob sehr ähnlich.]; der erste
von ihnen erbte das Lehnsherrengut Ligny. Und den gleichen Orden erhielt
nun auch Peter
von Luxemburg [163 PIERRE DE LUXEMBOURG: Peter I. (* 1390,
+ 21.8.1433 Rambures), Graf von Conversano und Braine, Herr von Enghien.],
der ungefähr ein Jahr später dem Grafen von Saint Pol nachfolgte.
Auch Gilbert von Lannoy [164 GUILLEBERT DE LANNOY: Gilbert (Ghillebert)
von lannoy (* 1368, + 1462), Herr von Santes, Willerval, Tronchiennes,
Beaumont und Wahegnies, 12. Ritter vom Goldenen Vlies.], Herr von Willerval,
das zu besagter Grafschaft von Saint Pol gehört, erhielt ihn. Doch
kehren wir zu unserer vorherigen Rede zurück.
VI
Hugo Candavaine, sechster Graf von Saint Pol
KAPITEL 13
ICh bin nicht lange abgeschweift,
schon finde ich unseren Hugo
von Candavaine [119 HUES CAMPAUAINE: Hugo Candavaine I.
(+ 1142), 6. Graf von Saint Pol, ein ebenso frommer wie brutaler Lehnsherr.
Er ließ einen Abt und Mönche aus Auxerre kommen, um das Kloster
von Cercamp zu gründen.], den Grafen von Saint Pol wieder,
mit dem wir uns nun befassen wollen.
Er hatte eine sehr ehrenhafte Gemahlin, Frau Beatrix,
und mit ihr viele Nachkommen. Anno 1096 stellte er seinen Mut und seine
Ehre unter Beweis, als er, von seinem Sohn Ingelram [134
ENGUERRAN CAMPDAUAINE.] begleitet, gemeinsam mit
den Fürsten der Christenheit zur Reise und Eroberung ins Heilige Land
aufbrach, unter anderem auch mit Gottfried
von Bouillon.
Doch der schöne Glanz seines Ruhmes wird von den
Ungeheurlichkeiten und Tyranneien, die er seither beging, sehr getrübt.
Wir werden bald Weiteres von ihm erzählen.
Einschub über das Kloster von Russeauville
KAPITEL 14
UNgefähr anno 1100 wurde das
Kloster von Ruisseauville erbaut und durch Ramelin von Crecquy, einem Mann
sehr adeliger und berühmter Herkunft reich bedacht.
Anno 1121 wurde der Orden von Arouaise neu gegründet
und um 27 Klöster bereichert, und dazu gehörte auch das von Ruisseauville,
welches das Privilieg erhielt, dass bei der jährlichen Ratsversammlung
besagten Ordens der Prälat von Ruisseauville den dritten Rang bekleidete
und somit als Unterdiakonus bei der Messe diente: Lietart, der Prälat
der Abtei von Hénin stellte als zweiter den Diakonus und der
Prälat von Arouaise, als Oberster des ganzen Ordens, führte die
Eucharistie durch. Unsere Artois-Chronik führt diese Geschichte in
ihrer ganzen Länge an.
Der erste Abt besagten Ruisseauvilles hieß Heinrich
[166 HENRY]: Derjenige, der es gegenwärtig führt, ist
Hochwürden Philipp von Lannoy [167 PHILIPPE DE LANNOY], der,
nachdem die letzten Kriege sämtliche Gebäude in Schutt und Asche
gelegt hatten, in eigenem Namen und unermüdlicher Arbeit alles wieder
errichtet hat, insbesondere die Kirche, die nach langen Jahren, in denen
sie, einem tiefen Grabe gleich, von Mauern, zerstörten und zerfallenen,
zerfetzten und vermoderten Teilen umgeben, die wer weiss welch traurigen
Beigeschmack des Todes atmeten, unter den Ruinen geschlafen hatte, glücklicherweise
Kopf und Leib erhoben hat und wieder auf die Beine gekommen ist, wobei
sie diesem Tag, diesem Licht, dieser Sonne so freudigen Blickes, mit so
schönem, rosigen Teint, in gleichsam vorsichtiger und fester Gewissheit
entgegenblickte, wie sie es in ihrer frohesten, schönsten und kräftigsten
Jugend tat. Woher erwuchs ihr dieses Glück? Ich habe es gesagt, von
ihrem guten Prälaten. Jetzt stehen dort erneut die Marmorgrabmahle
von Ramelin und der anderen derer von Crecquy, ihre Wappen, Abstammungen,
Epitaphen und was noch mehr zu sehen.
Übrigens hat dieses Kloster der Diözese von
Thérouanne einen Bischof namens Milon gegeben, welcher nämlich
der 16. Abt und 31. Bischof besagter Diözese war.
Das Kloster liegt ungefähr vier Meilen gen Sonnenuntergang
von Saint Pol entfernt: Es steht reichlich hoch und inmitten der Wälder,
woher es auch den Namen „Notre Dame du bois“ [168 Unsere Frau vom
Walde.] entlehnt, denn die Heilige Jungfrau ist seine Schutzherrin. Tiefer
unten gibt es einen kleinen Bach, der in den Fluss Lys mündet.
Wer die Abfolge der Prälaten kennen möchte,
den wird unsere Artois-Chronik zufrieden stellen.
Von der Confrérie de notre Dame du Foyer,
die ehemals in Saint Pol sehr bekannt gewesen
Kapitel 15
ANno 1105 regierte in Frankreich
wie auch in Belgien ein kribbelndes Feuer [169 Ergotismus: Vergiftung
durch Secale cornutum (Mutterkorn). Im Mittelalter als Kribbelkrankheit,
St.-Antonius-Feuer, Ignis sacer bekannt, hervorgerufen
durch den Verzehr von Getreide, das mit Caviceps befallen war. Es gab kein
Heilmittel gegen diese "Seuche" und oft konnte die Krankheit nur mit Hilfe
der Jungfrau und den Heiligen bekämpft werden. So gibt esd heute noch
in der Picardie das "Sanctuaire de Notre-Dame des Ardents". Die weiter
unten beschriebene Verehrung der Heiligen Kerze von Arras ist ebenfalls
noch heute bekannt.], das eine unendliche Zahl Völker vernichtete
und auslöschte, bis die Heilige Jungfräuliche Mutter, in ihrer
wahrhaften Barmherzigkeit und ihrem eifrigen Bemühen diese Plage zu
löschen, am helllichten Tage in ihrer Kirche, der Kathedrale von Arras,
zwei Jongleuren erschien - so erzählen es die Gedenkschriften - und
ihnen eine Kerze aus glühendem Wachs gab, die als Gegenmittel gegen
diese Krankheit dienen sollte. Die Geschichte ist reichlich gewöhnlich,
ich will mich damit nicht länger aufhalten.
Doch war einer der beiden Jongleure Ithier, wohlgeboren
und Bürger von Saint Pol, der andere hieß Norman und entstammte
dem Brabantervolk. Daher erhielt Ithier ein wenig von dem, was von besagter
Kerze abfiel, damit er die Bewohner seiner Stadt mit einer anderen, ähnlichen
Kerze begünstigen konnte und sicherlich verdiente er diese Gunst durchaus,
wenn man bedenkt, dass die Kerze in seine Hände gelegt worden war.
Diese ungewöhnlichen Geschehnisse gereichten den
Herren von Saint Pol zu großer Zufriedenheit, und so gründeten
sie umgehend eine Bruderschaft zu Ehren der Heiligen Jungfrau, welche sie
„Notre Dame du Foyer“ nannten; und es wurde sogleich eine Kapelle erbaut,
die dieses Feuer bewahren und wo die Bruderschaft sich versammeln sollte.
Doch all dies wurde von den Kriegen mit fortgeschwemmt.
Kriegslisten des Hugo Candavaine, Graf von Saint Pol
KAPITEL 16
ANno 1115 wurde Hugo
Candavaine von Balduin
mit der Axt [170 BAUDUIN A LA HACHE: Balduin VII. mit der
Axt (* ca. 1095, + 17.1.1119), Graf von Flandern (1111-1119).] schmachvoll
aus Schloss Encres vertrieben. Er hatte besagten Fürsten sehr beleidigt,
weil er unabläßlich auf dessen Grund und Boden weilte und Streit
suchte und ihn auch nicht als seinen Herren anerkennen wollte, obwohl er
ihm doch seine Grafschaft Saint
Pol zu danken hatte.
ANno 1117 ging besagter Balduin
in gleicher Absicht das Schloss von Saint Pol besetzen. Doch nachdem Eustach,Graf
von Boulogne [171 EUSTACHE: wahrscheinlich Eustach III. (* 1058/59
Pas-de-Calais, + 1125), Graf von Boulogne.], schlichtend eingegriffen hatte,
wurde zwischen den Parteien Einigung geschworen.
ANno 1119 nahm Gevatter Tod Balduin
mit der Axt mit sich fort und Karl
der Gute [172 CHARLES LE BON:
Karl der Gute (* 1098 der 1085 Dänemark, + 2.3.1127 Brügge),
Graf von Flandern (1119-1127).] folgte ihm in der Grafschaft Flandern nach:
Unser Candavaine nahm sein Treiben wieder auf und durchstöberte
ständig Ländereien und Güter des besagten Fürsten.
Doch dafür sollte er sichtlich büßen.
Graf Karl von Flandern,
der von diesem Treiben hörte, hob ein großes Kriegsheer aus,
das er gegen Saint Pol ziehen ließ, und versperrte Stadt und Schloss
mit solcher Macht, dass nicht ein Funke Hoffnung auf Rettung Einlaß
in die Ratsversammlung des armen Candavaine fand. Die Berserker
wurden losgelassen, es ward geschlagen, getötet und zurückgedrängt.
Das Schloss ward gewonnen und auch die Stadt. Dort sah man alsdann
ein Flammenmeer und eine blutige Sintflut, die Mauern waren eingestürzt
und lagen wild durcheinander, die Gräben waren aufgefüllt und
in gleicher Höhe mit dem Land ringsum, kurz, wo einst Schloss und
Stadt gestanden, war nun alles ausgemerzt. Wie tapfer war da Candavaine
angesichts dieses Geschicks? Er begab sich zu dem siegreichen Fürsten,
bat um Frieden und belobte ihn als seinen Herren.
Einschub über die Priorei von Bailleulet und andere der gleichen Grafschaft
KAPITEL 17
UNgefähr anno 1120 gründete
Gottfried [173 GODEFROY SEIGNEUR DE ROLLECOURT.], Herr von Roellecourt,
eine Priorei im Dorfe von Bailleullet, was zwei Meilen von Saint Pol entfernt
Richtung Osten liegt. Außerdem ernannte er im Dorfe Bailleul-aux-Cornailles
[174 BAILLEUL AUX CORNAILES.], das nicht weit von der Priorei entfernt
gen Osten liegt und dem Kloster St. Bertin untersteht, einen Stiftsherrn.
Oben genanntes Dorf Roellecourt gehört eben dem
Herrn von Bailleul und liegt ungefähr eine Meile östlich von
Saint Pol und ist recht groß und schön.
In der gleichen Grafschaft liegen weitere Priorein, deren
Ursprünge so weit entfernt von uns zu finden sind, dass wir darüber
nichts zu sagen vermögen. Ausser zur Priorei von Sarton, dass das
Dorf nun dem Schutzherrn des Bistums von Amiens gehört. Die Unsrigen
wollen, dass es zur Abtei von Ham-en-Artois [175 HAM EN ARTHOIS.]
gehören soll, die Franzosen geben es zu Marmontier [176 Abtei
Marmontier bei Tours.]. Die Priorei von Œuf: Sie gehört zu besagtem
Marmontier und ist heute im Besitz des Franz von Montmorency [177 FRANCOIS
DE MONTMORENCY, SEIGNEUR DE BERSE ET DOYEN DE L'EGLISE CATHEDRALE
DE LIGE.], Herr von Berzé und Dechant der Kathedrale von Lüttich
[179 LIEGE.]. Die Priorei von Tramecourteil erkennt die Abtei von
Ham als ihre Mutter an und auch andere, über die ich den Mantel des
Schweigens breite.
Weitere seltsame Listen des Grafen Candavaine
Kapitel 18
ANno 1132 nahm Hugo
Candavaine, von ich weiß nicht welcher Raserei ergriffen,
gewaltsam die Stadt Saint Riquier ein, die in der Grafschaft Ponthieu,
am Ufer der Somme, im Südwesten gelegen ist: Da er sich bereits als
ihr Herr ansah, ließ er überall Feuer legen, nichts wurde verschont,
nicht einmal ein sehr schönes und altes Kloster, das seit langen Jahren
besagtem Heiligen geweiht war. Zugleich begann er ohne großen Prozess
zu machen, ein allgemeines Gemetzel und Massaker an all denen, die nach
langer Suche in der Stadt gefunden wurden.
Und zugleich tötete er unvermittelt den Grafen besagten
Ponthieus, der sich auf der Jagd vergnügte.
Damit nicht genug versetzte er einem Kirchenmann den
Todesstoß gerade als dieser das Heilige Sakrament der Messe in der
Kirche von Beauvoir zelebrierte, tausend Fuß hinter Doullens, am
Flusse Authie: Das Verbrechen ist noch heute auf einem Fenster besagter
Kirche zu sehen.
Seine Heiligkeit [183 INNOCENT: Papst
Innozenz II. (14.2.1130-24.9.1143).] empfand diese Tragödien
als so grausam, dass besagter Candavaine bald ein Schreiben erhielt,
mit dem ihn eine weitaus gefahrvollere Klinge traf, welche ihn vom Leib
der Heiligen Kirche abtrennte.
Candavaine erniedrigt sich
Kapitel 19
Bald nachdem die Heilige Kirche die Größe ihrer
Macht gezeigt hatte und der arme Candavaine dies nur zu wohl erfahren
musste, derweil die Kirchen ihm verschlossen, die Sakramente ihm verweigert
waren und und er selbst jeglichen geistigen Trostes und der heiligen Kommunion
beraubt, gemieden wie die Pest, verlassen, verschrien, von allen Freunden,
Dienern und Verwandten verachtet ward, verspürte nun tief in seiner
Seele ein Gefühl seines Unglücks. Und da seine Einsamkeit ihm
solcherlei heilsamen Rat erteilte, dass der Blitzschlag der Exkommunion
sich besänftigte, wurde er durch das, was wir Euch erzählen werden,
wieder in den geweihten Leib der Kirche aufgenommen.
Vom Kloster von Cercamp
KAPITEL 20
Bei obigen Anlässen wurde unser Candavaine
dazu verurteilt, drei neue Klöster zu gründen, nämlich Cercamp,
Orcam und Clercamp. Von den zwei letzteren spreche ich nicht, da sie nichts
mit unserer Grafschaft gemein haben, sondern nur von ersterem. So können
wir also sagen, dass
Anno 1137 das Kloster von Cercamp durch besagten Candavaine
gegründet, errichtet und großzügig ausgestattet und seither
um so wunderbare Gebäude bereichert wurde, dass mehrere Fürsten
und Fürstinnen aus höchstem Geblüte es zu ihrer Grabstatt
auserkoren haben und zu eben dieser Gemeinschaft gehören und dort
ihre wohlgestalteten Monumente aus Kupfer und Marmor aufstellen ließen,
welche mit tausendfachem Schmuck zieseliert und geschnitzt sind. Dies scheint
mir der wichtigste Grund dafür gewesen zu sein, warum der Mauors Gaullois
[185 Diese Bezeichnung Hues Campadavaines ist nicht ganz
klar. Es gibt verschiedene Interpretationsmöglichkeiten:
a) Mauors = Maur: Gallischer Mohr, wobei Mohr für
das Böse stehen würde, also schwarz für die Schwärze
seiner Seele oder
b) Mauors=mal ne: von schlechter Geburt, was sich ebenfalls
darauf bezieht, dass er ein schlechter Mensch ist, jedoch gleichzeitig
erklärt woher dies kommt: er ist von schlechter/niederer Herkunft.
Was die Bezeichnung Gaulios angeht, also Gallier, so
ist dies wohl als Metapher für Barbar gedacht, nicht nur im Sinne
von barbarisch, sondern auch von gottlos. Dass es sich auf eine tatsächliche
gallische Abstammung bezieht ist eher unwahrscheinlich, da Ferry de Locre
den Ursprung der Campavaines nicht zu kennen scheint, den er ansonsten
sicher weite rausgeführt hätte.] dieser Abtei wohlgesonnener
war als sonst irgendeiner Grenze.
Das Kloster befindet sich am Ufer der Canche, was sehr
praktisch ist, denn diese füllt seine großen, gen Süden
liegenden Teiche, deren Fischlein sie versorgt und erfrischt und gibt ihnen
gleichsam als Weggeld ihre wohlschmeckenden Forellen. Seine Wälder
ziehen gen Norden und aus ihnen wird jedes Jahr sehr grosser Vorrat geschöpft.
Bis heute wurde es von vierzig Prälaten geführt,
der erste war Jordan [186 JORDAIN.], gegenwärtig ist es Ehrwürden
Eustach von Bayart, genannt Ganthault [187 EUSTACHE DE BAYART, DICT
DE GANTAU: Eustach von Bayart, genannt Ganthault, Abt von Cercamps,
Sohn des Maximilian von Bayart, Herr von Ganthau und der Anne von Vernes.].
Die vollständige Liste findet sich in unserer Artois-Chronik. Die
Mönche kommen aus der Grafschaft Auxerre, wie dies in den Versen zu
lesen ist, welche sich in der Bibliothek besagten Klosters finden.
Anno elfhundertdreiundvierzig,
Als Ludwig
[188
LOUYS: Ludwig VII. (*1120, + 18.9.1180
Paris), König von Frankreich (1137-1180).] über die Franken herrscht
und Innozenz am Römischen Hofe,
Ging der edle Graf Hugo Candavaine
Zur Erlangung fürstlicher Ehre
In Auxerre einen Abt und Mönche suchen
Um Gott, dem König aller Könige zu dienen.
Zur gleichen Zeit läßt die Heilige Bertha
in der Abtei von Blagny den Lüster ihrer Wunder erstrahlen. Da lag
der Hirtenstab besagten Ortes in Händen jenes guten Abtes, welcher
auf den Namen Gisbert [189 GISTEBERT.] hörte.
Neuerliche Listen und Tod besagten Candavaines
Kapitel 21
ANno 1140. Unser Candavaine
kann sich nicht beherrschen: Im Gefolge des englischen Königs Stefan
[190 ESTIENNE: Stefan von Blois (*
1092/96, + 25.10.1154 Paris), König von England (1135-1154).] und
des Grafen
Balduin von Hennegau [191 BAUDUIN COMTE DE HAYNAULT: Balduin
IV. (* ca. 1110, + 2.6. oder 8.11.1171), Graf von Hennegau (1120-1171).]
greift er gegen Dietrich
von Elsass [192 THEODORIC D' ELSACE: Dietrich II. (* ca.
1100, + 17.1.1168), Graf von Elsass und Flandern (1128-1168).], den Grafen
von Flandern erneut zu den Waffen. Doch derweil Dietrich in diesem
Treffen siegreich ist, brachte die Rebellion und Tollkühnheit besagten
Candavaines
seiner Grafschaft nichts weiter ein als allgemeinen Schaden.
Er starb im Jahre 1142. Sein Körper ruht
in der Kirche von Cercamp, dem von ihm gegründeten Ort, neben den
Gebeinen seiner Gemahlin Beatrix, die ihm fünf Söhne schenkte:
1. Ingelram
[134 ENGUERRAN CAMPDAUAINE.]
2. Hugo [193 Hugo Candavaine
(+ ca. 1130/31).]
3. Anselm
[117 ANSELME: Anselm (* 1126, + 1174), 8. Graf von Saint Pol.]
4. Rudolf [194 RODOLPHE CAMDAUAINE.]
und
5. Guido [195 GUIDO CAMPDAUAINE.]
VII
Ingelram Candavaine, siebter Graf von Saint Pol
Kapitel 22
ANno 1142 folgte Ingelram,
der ältester Sohn Hugo Candavaines, seinem Vater in der Grafschaft
Saint Pol. Doch seine Tage waren ebenso gezählt, wie die seines Bruders
und Erben Hugo; auf diesem Wege gelangte Anselm, ihr drittgeborener
Bruder, in den Besitz besagter Grafschaft.
Zur gleichen Zeit holte der Tod auch Jordan, den ersten
Abt von Cercamp heim. Dies geschah im französischen Pontigny, dem
Ort seiner Geburt. Hugo erbte seine Prälatur und führte sie zwölf
Jahre fort.
VIII
Anselm Candavaine, achter Graf von Saint Pol,
sein Tod und der von Beatrix, seiner Mutter
KAPITEL 23
ANSELM, der dritte Sohn des Hugo
Candavaine, wurde nach dem Dahinscheiden besagter Brüder als Graf
von Saint Pol erkannt und begrüßt. Ich finde keinerlei Gedenkschrift
für ihn, nur dass er einen Sohn und Erben hinterließ, welcher
den Namen seines väterlichen Ahnen trug.
ANno 1148 verstarb besagte sehr
tugendsame Frau Beatrix. Ihr Grabmal befindet sich in Cercamp, mitten
im Hauptschiff der Kirche, unter einem sehr bescheidenen Marmor, der ungefähr
drei bis vier Fuß breit und quasi ebenso lang in Ellen ist und dort
ist diese Epitaphe eingemeißelt:
Hic iatet Beatrix, Anno Domini Hugonis Campus
avena. Orate pro ea [196 Hier ruht Beatrix,
im Jahre des Herrn Hugo von Camdauvaine. Betet für sie.].
Oh wie bewundernswert, nicht mehr gewollt noch befohlen
zu haben.
ANno 1174 verabschiedet sich Anselm
von Candavaine,
Graf von Saint Pol, von dieser Welt und hinterläßt
seinem Sohn die Nachfolge, nämlich
IX
Hugo Candavaine, 2. seines Namens, neunter Graf von Saint Pol
KAPITEL 24
ANno 1174 folgte Hugo
Candavaine, zweiter seines Namens, seinem Vater Anselm
in der Grafschaft Saint Pol. Seine Frau hieß Jolanthe
[197 JOLENDE: Jolanthe von Hennegau (* 1131/31 oder 1148, + 1200),
Tochter Balduins
IV. von Hennegau.], wie weiter unten, anno 1178, zu sehen ist.
Mit ihr hatte er zwei Kinder unnützen Geschlechts [198 Zwei
Mädchen.]. Der Verdienst dieses Hugo
ist in sofern beachtlich,
als er den Nonnen von Blangy einiges an Land und Einkommen zurückgab,
welches seine Vorfahren ihnen entrissen hatten und ihnen all ihre Einkünfte
und Privilegien zu völlig freiem Nutzen überließ. Diese
Gunst erfolgte anno 1186 und wurde durch Walter
[199 GAULTIER DE CHASTILLON: Walther III. (1177, + 10.1219),
Graf von Chatillon-sur-Marne (1205-1219).], seinen Schwiegersohn und Nachfolger
anno 1209 bestätigt und seither auch noch anno 1316 durch Graf
Guido [200 GUY: Guido IV. (* 1275, + 6.4.1317), Graf von
Saint Pol (1292-1317).] von Saint Pol, den Mundschenk des Königs
von Frankreich. Besagter Hugo starb anno 1202 oder 1205.
Einschub bezüglich der Privilegien, die Seine Heiligkeit den Mönchen
einräumte
KAPITEL 25
ANno 1175 ratifizierte Alexander
[133 ALEXANDRE: Orlando Bandinelli (+ 30.8.1181), Papst Alexander
III. (7.9.1159-30.8.1181).], das Oberhaupt der Kirche, die Gründung
der Stiftsherrengemeinschaft von Saint Sauveur, welche Graf
Roger im Schloss von Saint Pol vorgenommen hatte. In den Bullen
besagten Alexanders ist das Dorf Quesques mitsamt seinen Ländereien
aufgeführt, die besagten Stiftsherren gehören. Des weiteren zwölf
Häuser zum Heim besagter Stiftsherren, die Zehnten und Privilegien,
die sie aus der Pfarrei erhalten, Mühlen und Brauereien der Stadt.
Des gleichen in den Dörfern Agnes, Moreaucourt, Pronay, Floury, Beauquesne,
Fiez, Freuencq, Orville, Amplier, Terramesnil, Marcoing, Poupliers, usw.
Ebenso das Messstipendium und weitere besondere Privilegien, die
ich in unserer Chronik des Artois aufgeführt habe, wo Wort für
Wort zu finden ist, was Seine Heiligkeit dazu festgelegt hat.
Ehe zwischen Hugo Candavaine und Jolanthe
KAPITEL 26
ANno 1178 ward Yves,
Graf von Soissons und Herr von Nivelle
[208 IUE: eventuell Yves II. von Nesle (+ 1178).] dem Leben durch
Gevatter Tod entrissen und nachdem Jolanthe, seine Frau, der Beisetzung
ihres verstorbenen Gemahls Ehre erwiesen hatte und den Pflichten der Witwenschaft
nachgekommen war, befand sie es für gut eine zweite Verbindung mit
Hugo
Candavaine, dem 2. seines Namens, Graf von Saint Pol, einzugehen,
dem sie, wiewohl sie bereits mehr als siebenundvierzig Lenze zählte,
zwei Töchter schenkte, Elisabeth
[209 ELIZABETH: Elisabeth Candavaine (* 1180, + 9.1233/40)] und
Eustasia
[210 EUSTACE: Eustasia Candavaine (* 1185)].
ANno 1180 nahm Hugo Candavaine
an
der Hochzeit zwischen dem französischen König Philipp[211
PHILIPPE,
ROY
DE FRANCE: Philipp II. August (* 21.8.1165,
+ 14.7.1223, König von Frankreich (1180-1223)] und Elizabeth
von Hennegau [212 ELIZABETH DE
HAINAU: Elisabeth von Hennegau (* 28.11.1170, + 15.3.1190 Paris)],
der Nichte Philipps
von Elsass, Graf von Flandern [213 PHILIPP D'ELSACE,
COMTE
DE FLANDRES, Philipp II. (* 1136, + 1.6.1191), Graf von Elsass und
Flandern (1168-1191), Graf von Vermandois (1167-1183).], teil. Besagte
Ehe wurde in der Stadt Bapaume gefeiert [215 Die Ehe wurde am 28.4.1180
in Bapaume geschlossen.].
Weitere Einschübe
KAPITEL 27
ANno 1186. Der Heilge Drogon [216
SAINT DRUON: Der Heilige Drogon (* 1118, + 1186) wurde um 1118 in Epinoy
gebnoren. Seine Eltern kannte er nicht und sobald es möglich war,
ging er als Hirte nach Sebourg bei Valenciennes. Anschließend pilgerte
er merhfach nach Rom. Krankheitsbedingt war er sehr hässlich und zog
sich als Einsiedler in eine Hütte nach Sebourg zurück, wo er
vierzig Jahre seines Lebvens verbrachte. Er ist der Schutzpatron der Schafhirten.
Gedentag ist der 14. April.], gebürtig aus Stadt und Herrentum Epinoy
in der Grafschaft Saint Pol sagt der Erde ein letztes Mal Adieu und
lebt auf immer im Himmel. Seine Legende findet sich in den Heiligengeschichten.
In genau diesem Jahr wurden dem Kloster von Blangy seine
Güter zurückgegeben und gesichert, wie ich bereits oben, anno
1174, vermerkte.
ANno 1187 tadelte Desire, der Bischof
von Thérouanne, die Stiftsherren des Schlosses von Saint Pol und
und führte sie wieder zu strenger Ordnung zurück [217 Erführt
wieder strengere Regeln ein und die "Ausschweifigen" werden bestraft.],
indem er ihnen zu diesem Zwecke ein Dechanten gab, welcher über ihren
Lebenswandel wachen sollte.
ANno 1190 griff Hugo Candavaine
zu den Waffen und sagte den Türken, welche das Heilige Land tyrannisieren,
gemeinsam mit Philipp von Elsaß, Graf von Flandern
den Kampf an.
ANno 1197. Elisabeth,
die älteste Tochter von Hugo Candavaine ehelicht Walter
von Châtillon. Hiermit betreten die CHATILLONS
[218 CHASTILLON.] die Szene, welche von nun an die zu einem Kunkellehen
gewordene Grafschaft Saint Pol
erben. Kurze Zeit später wurde Eustasia
von Candavaine, die Schwester besagter Elisabeth, Johann,
dem Herrn von Sugel, lateinisch Sugella [220 JEAN DE SUGEL.], zur
Frau gegeben.
Hugo Candavaine tauscht
KAPITEL 28
ANno 1201 tauschte Hugo Candavaine
mit dem Schatzmeister der Stiftskirche von Saint Pol. Folgendes war der
Tausch: Besagter Schatzmeister gab dem Grafen die Mühle von Maisnil
für vierzehn sechstel Weizen, die er jährlich von der inmitten
der Stadt gelegenen Mühle – dort, wo sich heute das Waschhaus befindet
– erhalten sollte.
Bei besagtem Waschhaus steht heute eine sechs Fuß
hohe behauene und polierte Steintonne und an sechs Ecken stecken sechs
Kupferrohre, aus denen ständig sehr klares Wasser in das drum herum
liegende Becken läuft. Dies ist sehr praktisch für die Bürger.
Was besagten Stift angeht, so erstrahlte er damals vor
Würdenträgern wie Probsten, Dechanten, geistlichen Schulinspektoren
und Schatzmeistern, wie die Briefe besagten Candavaine aus jenem
Jahr bezeugen.
Tod des Hugo Candavaine
KAPITEL 29
ANno 1202 verlebte Hugo Candavaine,
nachdem er im Gefolge eben jenes Grafen
Balduin von Flandern [221
BAUDUIN:
Balduin IX. (* 1152, + 1205), Graf von Flandern (1194-1205), Graf von Hennegau
(1195-1205), Kaiser von Konstantinopel (1204-1205).] großzügig
in den Krieg gegen die Türken gezogen war, seine letzten Tag in der
Stadt Konstantinopel [222 CONSTANTINOPLE.], wo er ehrenvolle Erinnerungen
an seine Tugend hinterließ. Manche behaupten, er sei anno 1205
gestorben
und versichern, sein Leib sei von den Mönchen des Klosters von Cercamp
geholt und unter einem Marmor am Eingang ihres Kapitels begraben worden.
Wie bereits erwähnt hinterließ er mit Jolanthe zwei Töchter,
Elizabeth
und Eustasia.
X
Elizabeth von Candavaine, Gräfin von Saint Pol
KAPITEL 30
ANno 1202 oder 1205, nachdem die
Zeit für Hugo von Candavaine abgelaufen war und er kein männliches
Kind hinterließ, vererbte er seine Grafschaft Elizabeth, seiner
älteren Tochter, welche anno 1197 die Ehe mit Walter
von Châtillon geschlossen hatte. So wurde besagte Grafschaft
zum Weiberlehen [219 Die Ländereien wurden mangels männlicher
Erben an die Tochter vererbt und gingen somit an eine andere Familie.]
und was den Namen Candavaine angeht, so ging er in der fünften
Generation verloren.
ANno 1209. Im Monat Januar ratifizierte
besagter Châtillon das, was sein Schwiegervater Hugo Candavaine
zugunsten der Nonnen von Blangy befohlen hatte.
Einschübe
KAPITEL 31
UNgefähr anno 1221 wurde eine
halbe Meile von Saint Pol gen Sonnenuntergang ein Haus mit Kapelle errichtet,
das die Aussätzigen und Leprakranken aufnehmen und behandeln sollte.
Und zu diesem Zweck wurde ihm eine schöne und weitläufige Pacht
namens Saint Ladre mit Feldern und bestellbarem Land zugefügt.
Die Ertäge besagten Ortes [223 Ein Gut namens St. Ladre existiert
noch heute westlich von Saint Paul an der RN 41.] werden heute für
die Bestattung der Armen besagter Stadt verwandt.
Der hauptsächliche Gründer besagten Siechhauses
ist anerkanntermassen Walter von Halewin [224
GAULTIER DE HALLUUIN.], wie dies auch heute noch
in den Archiven besagter Stadt zu sehen ist.
Im Monat September besagten Jahres ratifiziert Gräfin
Elizabeth von Saint Pol die gesamte Bannmeile der Stadt, so wie Hugo
Candavaine, ihr Vater, es gewünscht hätte.
ANno 1225 endete das Leben des
Grafen Walter von Châtillon, Graf von Saint Pol, nachdem
er besagte Grafschaft zwanzig oder dreiundzwanzig Jahre lang geführt
hatte und seine einzigen Nachkommen waren Guido
[226 GUY: Guido II. (* 1198, + 1226 Avignon), Graf von Chatillon-sur-Marne
und 11. Graf von Saint Pol (1219-1226).] und Hugo
[227 HUES: Hugo V. (* 1211, + 1248), Graf von Chatillon-sur-Marne
und Graf von Saint Pol (1226-1248), Graf
von Blois (1231-1248).], welche Elizabeth ihm geschenkt
hatte. Manche behaupten, er habe auch eine Tochter gehabt, die den Namen
ihrer Tante mütterlicherseits trug, nämlich Eustasia [228
EUSTACHE.]. Besagte Elizabeth starb anno 1240.
XI
Guido von Châtillon, elfter Graf von Saint Pol
KAPITEL 32
ANno 1225 [225 Hier scheint
sich Ferry de Locre zu irren. Die heutigen Quellen sind sich darin einig,
dass er bereits 1219 gestorben ist. Damit erhielt Guido
von Chatillon seine Titel ebenfalls bereits 1219 und nicht 1225.],
nach dem Dahinscheiden Walters
von Châtillon [199 GAULTIER DE CHASTILLON:
Walther III. (1177, + 10.1219), Graf von Chatillon-sur-Marne (1205-1219).],
wurde Guido
[226 GUY: Guido II. (* 1198, + 1226 Avignon), Graf von Chatillon-sur-Marne
und 11. Graf von Saint Pol (1219-1226).], sein ältester Sohn, Graf
von Saint Pol. Er trug den Titel:
Guido de Castello, bonae memoriae Comitis Sancti Pauli
Primogenitus [229 In Gedenken an Guido von Chatillon,
den erstgeborenen Sohn des Grafen von Saint Pol.].
ANno 1231 im Monat November gab
der Graf von Châtillon [230 Guido von Chatillon ist nach heutigem
Kenntnisstand bereits im Jahre 1226 gestorben und nicht erst 1232.
Damit müssen die hier aufgeführten Privilegien von seinem Bruder
Hugo
vergeben worden sein, der ihm nach den heutigen Quellen folgte, obwohl
de Locre behauptet, Guido habe seine Titel seinem Sohn Hugo
weitergegeben. Ein solcher Sohn kommt in den uns heute bekannten Quellen
jedoch nicht vor.] den Bürgern von Saint Pol ein sehr schönes
und ausgedehntes Privileg, indem er jedem der besagten Bürger gestattete,
aus dem Wald nahe der Stadt jährlich ausreichende Holzvorräte
zu holen, nämlich dergestalt, dass jede Fuhre sieben Fuß lang
und neun Ellen hoch war. Besagte Bürger waren nur zu der hierfür
notwendigen Fuhre und Arbeit verpflichtet (abgesehen von einigen dankbaren
Sterlingen an den Grafen). Allerdings waren die Herbergen, Tavernen, Köche,
Bäcker, Heizer, Brauer und andere, ähnliche Berufsstände
von diesem Privileg ausgeschossen und nicht betroffen.
ANno 1232 holte der Tod Guido
von Châtillon [226 GUY: Guido II. (* 1198, + 1226 Avignon),
Graf von Chatillon-sur-Marne und 11. Graf von Saint Pol (1219-1226).] während
der Belagerung der Stadt Avignon heim. Er hinterlies einen Sohn namens
Hugo,
welcher seinen Grafentitel erbte.
XII
Hugo von Châtillon, zwölfter Graf von Saint Pol
KAPITEL 33
ANno 1232 erbte Hugo de Châtillon
[232 HUES: Dieser Hugo von Chatillon ist nirgendwo auffindbar.
Die heutigen Quellen sind sich darin einige, dass Guido von Chatillon
keine Kinder hatte und ihm daher sein Bruder Hugo V. von Chatillon
[227 HUES: Hugo V. (* 1211, + 1248), Graf von Chatillon-sur-Marne
und Graf von Saint Pol (1226-1248), Graf von Blois (1231-1248).] folgte,
den de Locre als Enkel von Guido [226] bezeichnet, also als
Sohn seines angeblichen Sohnes Hugo.] von seinem Vater die Grafschaft
Saint Pol. Er heiratete in erster Ehe Jolanthe [233 IOLENE]
- von der er einen Sohn namens Hugo [232] hatte - und in
zweiter Ehe Beatrix
[234 Beatrix von Flandern, die Tochter des Grafen Guido III. von
Dampierre aus seiner zweiten Ehe mit Isabella
von Luxemburg. Beatrix heiratet 1287.], die Tochter des Grafen
Guido von Flandern [235 GUY: es gibt meines Erachtens nur
einen Guido, Graf von Flandern, der hier in Frage kommen könnte, nämlich
Guido III. von Dampierre (* ca. 1225/26, + 7.3.1305), der von 1278 bis
1305 Graf von Flandern war.], mit der er ebenfalls einen Sohn namens Johann
[236
JEAN] hatte. Seine Herrschaft war kurz und bald folgte ihm sein ältester
Sohn nach.
XIII
Hugo von Châtillon, dreizehnter Graf von Saint Pol
KAPITEL 34
HUgo, der den väterlichen Namen
erbte, war es, der auch Graf von Saint Pol wurde [232]. Man nannte
ihn den Comte Feal [237 Den redlichen Grafen.]. Er heiratete Maria
von Châtillon [238 MARIE DE CHASTILLON: Maria (* ca.
1205/10, + 1241), Gräfin von Blois (1231-1241), Herrin von
Avesnes, Guise, Leuze, Landrecies und Trelon.], Gräfin
von Blois und Guise, Herrin
von Avesnes, Landrecies [239 ANDRESCHIES.], usw. und hatte
mit ihr mehrere Kinder.
1. Hugo [240 HUES.], der unverheiratet
verstarb.
2. Guido
[241 GUY: Guido III. (+ 12.3.1289), Graf von Porcean, Graf von Saint
Pol (1248-1289).] ,
Graf von Porcéan
[242 Nach heutigen Quellen, insbesondere den Grote Stammtafeln hatte
Hugo
V. drei Söhne,
Johann
I. (JEAN), Guido III. (GUY) und Walther
IV. (GAUCHER), der beim
König Chatillon
gegegn Porcean tauschte. Eventuell verwechselt Ferry de Locre hier Guido
III.
(GUY) mit
Walther IV. (GAUCHER).], später Graf von Saint Pol.]
3. Johann
[243 JEAN: Johann I. (* 1241, + 1279/80), Graf von Blois (1241-1279),
Graf von
Chartres (1269-1279).]
4. Robert.
ANno 1240. Elizabeth, Witwe
von Walter von Châtillon und Gräfin von Saint Pol
verläßt diese Welt, nach fünfzehnjähriger Witwenschaft.
XIV
Guido von Châtillon, 2. seines Namens, vierzehnter Graf
von Saint Pol
KAPITEL 35
NAch dem Dahinscheiden seines Vaters
und seines ältesten Bruders erbte Guido
von Châtillon [241 GUY: Guido III. (+ 12.3.1289),
Graf von Porcean, Graf von Saint Pol (1248-1289).], Sohn von Hugo, die
Grafschaft Saint Pol, nachdem er zuvor bereits den Titel Graf von Porcéan
getragen hatte. Er ehelichte Mathilde
[244 MEHAUT: Mathilde von Brabant (* ca. 1224, + 29.9.1288).], Tochter
des Herzogs
Heinrich von Brabant [245 HENRY: Heinrich II. der Großmütige
(*1207, + 1.2.1248 Löwen), Herzog von Brabant (1235-1248).], und Witwe
von Robert
[246 Robert I. (* 4.9.1216, + 9.2.1250 Ägypten), Graf von Artois
(1237-1250).], des ersten Grafen von Artois, mit der er drei Söhne
zeugte, Hugo
[247 HUES: Hugo VI. (* ca. 1275, + 1307), Graf von Blois (1295-1307),
Graf von Saint Pol (1289-1292).], Guido
[248 GUY: Guido IV. (* ca. 1277, + 6.4.1317), Graf von Saint Pol
(1292-1317).] und Jakob
[249 JACQUES: Jakob I. (* ca. 1280, + 11.7.1302.].
1. Hugo von Châtillon,
sein ältester Sohn, begnügte sich für seine Erbschaft mit
den
Grafschaften
Blois und Guise und einigen anderen Ländereien und Lehnsgütern
und verzichtete
freiwillig
auf die Grafschaft Saint Pol, welche er seinem Bruder Guido überließ,
der daraus
friedlich
und bis ans Ende seiner Tage allen Nutzen und Nachlass ziehen konnte. Somit
erhielt
2. Guido von Châtillon
die Grafschaft Saint Pol und
3. Jakob von Châtillon,
Leuse und Condé als sein Erbteil. Er herrschte in Graf
Guidos [235
GUY:
es gibt meines Erachtens nur einen Guido, Graf von Flandern, der hier in
Frage kommen
könnte,
nämlich Guido III. von Dampierre (* ca. 1225/26, + 7.3.1305), der
von 1278 bis 1305
Graf
von Flandern war.] Abwesenheit [250 Von 1297 bis 1302 besetzte Philipp
der Schöne,
König
von Frankreich, Flandern und ließ Guido, dessen Sohn und Nachfolger
Robert III. von
Bethune
sowie zahlreiche flämische Adelige in die französische Gefangenschaft
führen. Guido
starb
in dieser Gefangenschaft.] über Flandern, als dieser anno 1300 durch
den französischen
König
Philipp
[251 PHILIPPE: Philipp IV. der Schöne
(* 1268, + 29.1.1314), König von
Frankreich
(1285-1314).] gefangen genommen wurde.
Warnung an den Leser
Wie in jeder historischen Geschichte, so ist es auch
in dieser, und an diesem Orte, an dem wir uns nun befinden, habe ich keinerlei
Schwierigkeiten, was die aufeinanderfolgenden Grafen und ihre Nachkommen
angeht, und zwar wegen der Vielzahl an schriftlichen Zeugnissen mehrerer
Autoren. Unddoch unterwerfe ich mich gerne der Zensur dessen, der diesbezüglich
überzeugter ist und versichert, darüber mehr Kenntnisse
zu besitzen denn ich [252 Dieser Einschub scheint ebenfalls zu bestätigen,
dass Ferry de Locre sich nicht absolut sicher ist, was seine Ausführungen
hier angeht.].
Einschübe
Prämien der Stiftskirche und des Hospizes der Stadt Saint Pol
KAPITEL 36
ANno 1251. Die Stiftskirche von
Saint Sauueur, die seit Graf
Roger mitten im Schloss von Saint Pol weiter geführt wurde,
inmitten der Unannehmlichkeiten der Waffen und Soldaten, welche dort beschäftigt
waren, wechselt glücklicherweise den Ort und wählt als neue Heimat
eine Strasse namens Wascongne, welche in einiger Entfernung von der Gemeinde
liegt, etwas unterhalb der Stadt. Der Ruhm unserer Grafschaft erstrahlte
hier im Sonnenlicht, da sie die erste war, die dies tat, die einzige und
vollkommene Wohltäterin der Besitztümer des Stiftes; und die
Originalschriften bestätigen diese Überzeugung. Ihr findet dies
in unserer Chronik des Artois in Latein gekleidet.
ANno 1262 wurde die Klosterkirche
von Cercamp eingeweiht.
ANno 1263. Ha! Ha! Oh Guido [241],
Ihr frommer Graf und auch Ihr fromme Gräfin Mathilde [244]!
Ihr unterzeichnet die gleiche Resolution. Oft ertrugen die Armen, die Kranken,
die Pilger, die Fremden und andere Reisende oder Bürger Eurer Stadt
das Elend eines gestrengen Schicksals und erhielten nur sehr selten Trost.
Ihr hattet Mitleid mit ihnen. Und sogleich ließet Ihr zu diesem Zwecke,
wie ich bereits erzählte ein schönes und großes Hospiz
errichten, das gewöhnlich sechzig Betten für die Leidgeprüften
und den Auftrag hatte, nichts zu unterlassen, was sie wünschen könnten,
soweit es der Gesundheit zuträglich war. Ihr liesset dort auch eine
Kirche errichten (so nenne ich es, entsprechend der Lehren, die mir die
Mauern besagten Ortes nach heutigem Anblick erteilen), die dem Zeitlichen
das Geistige hinzufügen sollte; und habt bei dieser Gelegenheit Nonnen
und Mönche beiderlei Geschlechtes dort hin geladen, mit deren Hilfe
das Ganze geführt werden sollte. Die Regeln, die Ihr dort einführtet
waren so bewundernswert und die Erträge so groß, dass es schwer
wird, anderswo gleiches zu finden. Wo ist dieser Ruhm heute? Sagt, oh Grafen,
wo ist dieser Ruhm heute?
Weitere Einschübe verschiedener Art
KAPITEL 37
ANno zwölfhundertsiebenundsechzig
macht oben genannte Mathilde ihr Testament, in dem sie unter anderem
befiehlt, dass ihr Leib nach ihrem Ableben kein anderes Grabmahl haben
soll als die Kirche von Cercamp: und so gab sie Befehl zu mehreren Messen,
die an diesem Orte abgehalten werden sollten, sowohl für das Heil
ihrer eigenen Seele als für die von Guido, dem Grafen von
Saint Pol, ihren zweiten Gemahl, den sie zärtlich liebte.
ANno 1269. Robert von Haling [253
ROBERT DE HALING.] schenkt besagtem Hospiz von Saint Pol einen Zehnt,
den er im Dorf Conteville-en-Ternois [254 COMTEUILLE], ungefähr
eine Meile nördlich von Saint Pol eingesammelt hat.
ANno 1283. Im Monat Januar
tauscht der Ritter Hugo von Ocoche [255 HUES D'OCOCHE.], der
Sekretarius des Grafen Guido [241] von Saint Pols ein wenig Land
gegen die Mühle von Asnel, die Gottfried [256 GODEFROY.], dem
Küster der Stiftskirche von Saint Sauueur en Saint Pol gehörte.
Ich habe den Tauschvertrag gesehen, den Heinrich [257 HENRY.], damals
Bischof von Thérouanne, bestätigt und besiegelt hat. Dies ist
lang und breit in einem Buch beschrieben, welches die Geschichte und Privilegien
besagter Kirche enthält, und von welchen Meister Matthias von Locre
[258 MATTHIEU DE LOCRE: Matthias oder Matthäus von Locre.],
der fast neunzigjähriger Probst und Stiftsherr besagter Kirche, mein
Großonkel, mir gelegentlich erzählt hatte.
Tod des Guido von Châtillon und der Mathilde, seiner Gemahlin
Graf und Gräfin von Saint Pol
KAPITEL 38
ANno 1288, am 29. September, starb
Gräfin
Mathilde von Saint Pol. Ihre Gebeine wurden, wie sie es befohlen
hatte, in die Kirche von Cercamp verbracht und dort, genau in der Mitte
des Hauptschiffes gegenüber dem Kruzifix bestattet.
ANno 1289, am 12. März starb
Graf
Guido von Saint Pol [241], Gemahl besagter Mathilde,
und er erhielt ein gemeinsames Grabmahl mit seiner Gattin.
Ihre Ruhestatt mitten im Hauptschiff besagter Kirche
von Cercamp ragt ungefähr zwei Fuss über der Erde auf.
Es ist ganz mit Kupfer bedeckt, an einigen Stellen fein vergoldet und blau
und rot emailliert und zeigt die Wappen von Saint Pol und Châtillon.
Früher war es ringsum mit Edelsteinen bereichert und zum Beweis sieht
man noch deren Abdrücke. Darüber befinden sich zwei Bronzestatuen
mit den Bildnissen des Grafens und der Gräfin; das Ganze ist ebenfalls
vergoldet und emailliert wie darunter. Das ganze Stück war so reich
und schön wie man es sich nur denken kann: Doch die Zeit hat sein
Antlitz verändert.
In der Bibliothek besagten Klosters findet sich über
besagte Gräfin Mathilde Wort für Wort wie folgt, was ihr
wohl als Epitaph dienen mag:
Obijt pia memoria Maethildis, Comitissa Sancti Pauli
& Atrebatensis, in festo S. Michaelis, quae fuit filia Ducis Brabantiae,
& Mater Roberti Comitis Atrebatensis, & Blancae Reginae Navarrae,
& Hugonis, Comitis Blensensis, & Guidonis comitis Sancti Pauli,
& Jacobi Junioris,omini de Leuze & de Condato & Beatricis Comitisse
de Atho & Joannae, Dominae de Castro Radulphi
Besagte Mathilde hinterließ von besagtem
Châtillon
nur die drei besagten Söhne, Hugo, Guido und Jakob
und
eine Tochter.
XV
Guido von Châtillon, fünfzehnter Graf von Saint Pol
KAPITEL 39
ANno 1289. Guido
von Châtillon [248 GUY: Guido IV. (* ca. 1277, + 6.4.1317),
Graf von Saint Pol (1292-1317).], dritter dieses Namens, der die Grafschaft
Saint Pol durch freiwilligen Verzicht und Abtretung von Graf Hugo
von Blois, seinem Bruder, geerbt hatte, wurde dort von allen anerkannt
und aufgenommen. Seine Frau war Maria
[260 MARIE DE BRETAINGNE: Maria von Bretagne (* ca. 1261, + 5.5.1339).],
die Tochter des Herzogs
Johann von Bretagne [261 JEAN: Johann II. (* 3.1.1239,
+ 17.11.1305), Herzog von Bretagne (1286-1305), von Frankreich im September
1297 als Herzog von Bretagne anerkannt.] und der Gräfin
Beatrix von Richemont [262 Beatrix (* 25.6.1242,
+ 25.4.1277), Gräfin von Richemont).], der Tochter [263 Beatrix
war
wohl eher die Schwester Eduards I. von England
und die Tochter Heinrichs III. (* 13.10.1207,
+ 16.11.1272), König von England (1216-1272).] des englischen Königs
Edward
[264 EDOUARD: Eduard I. (* 17.6.1239,
+ 7.7.1307), König von England (1272-1307).], erster seines Namens
und besagter Guido war Grand-Bouteiller von Frankreich.
Einschübe
KAPITEL 40
ANno 1292 wurde Oudard zum Prälaten
des Klosters von Ruisseauville und kurze Zeit später wurde er durch
das Kirchenoberhaupt Bonifatius
VIII. [266 BONIFACE: Benedikt Gaetani (* ca. 1235 Angani,
+ 11.10.1303 Rom), als Bonifatius VIII. vom 24.12.1294-11.10.1303 römischer
Papst.], in diesem Amt bestätigt und gesegnet.
ANno 1297 eroberte Graf
Robert von Artois [267 Robert II. (* 17.9.1250, +
11.7.1302), Graf von Artois (1250-1302).], mit Hilfe der Grafen Guido
von Saint Pol und Jakob, des Bruders besagten Guidos,
die Städte Castet, Bergues und Bourbourg und etwas später Furnes
[268 FURNES: flämisch Veurne.], Nieuport, Diksmuide [269
DIXMUDE.] und andere, die er Graf
Ottolein von Burgund, seinem Schwiegersohn [270 OTTELIN:
Otto V. "Ottolein" (* 1244, + 26.3.1303), Graf von Burgund (1278-1303),
Gemahl der Mathilde
von Artois (* 1286, + 27.10.1329 Paris), Tochter von Robert
II., Graf von Artois.], abnahm.
ANno 1302 nimmt Robert, der Abt
des Klosters von Ruisseauville, zum letzten Mal Abschied von dieser Welt.
Von ihm erhält besagtes Kloster die Halsgerichtbarkeit und noch weitere
Privilegien.
Tod des Guido de Châtillon, Graf von Saint Pol
KAPITEL 41
ANno 1317, am sechsten April verstarb
Hugo
von Châtillon [271 Dies ist wohl ein Schreibfehler des
Autors und er meint Guido, also Guido von Chatillon [248],
Graf
von Saint Pol. Seine Gebeine ruhen in der Kirche von Cercamp, in der
Kapelle Saint Fremin und sie werden von einem edlen Marmorgrabmahl geehrt,
das ungefähr fünf Fuss hoch ist, und auf welchem Statuen von
ihm und seiner Gemahlin, Maria von Bretagne, liegen. Seine Grabinschrift
lautet wie folgt:
Hier ruht der edle Prinz und mächtige Herr, seine
Durchlaucht Guido von Châtillon, ehemals Graf von Saint
Pol, der im Jahre des Herrn anno 1317, am 6. April, verschied.
Und jene der Marie von Bretagne, seiner Gemahlin,
die anno 1339 verstarb, lautet wie folgt:
Hier ruht die edle & mächtige Herrin, Madame
Maria von Bretagne, ehemals Gräfin von Saint Pol, die anno
1339 am 5. Tag des Mai verschied.
Besagter Graf und besagte Gräfin veranlassten in
besagter Kirche von Cercamp eine Messe, die an jedem Neujahrstag und immer
am Altar besagten Saint Fremins gelesen wird und als Entgeld dafür
gaben sie jedes Mal ein Lot Wein.
Sie hatten gemeinsam drei Töchter [272 Diese
drei Töchter waren Mathilde
(* ca. 1293, + 3.10.1358), die mit Graf
Karl I. von Valois in dessen dritter Ehe verheiratet wurde,
sowie Isabeau (* 1292, + 19.5.1360) und Beatrix (* 1294,
+ 1350), Gräfin von Alleux (1325-1337). Eventuell gab es sogar
noch zwei weitere Töchter, nämlich Marie und Eleonore.
Was Mathilde angeht, so widerspricht Ferry de Locre hier erneut
den heutigen Kenntnissen. Demnach hätten Guido und Marie
sehr wohl einen Sohn gehabt, nämlich Johann
(*
1297, + 1344) der von 1317 bis 1344 Graf von Saint Pol gewesen ist.
Dieser heiratete Johannna von Fiennes (* 1317, + 1372), mit
der er einen Sohn, Guido
V. (* ca. 1340, + 1360) und eine Tochter, nämlich besagte
Mathilde
[273] hatte, die Saint Pol und Elincourt von ihrem Bruder Guido
erbte.], von denen eine mit Namen Mathilde
[273 MEHAUT: Mathilde (* 1344, + 1378), Gräfin von Saint Pol.]
besagte Grafschaft erbte.
XVI
Mathilde von Châtillon, sechzehnte Gräfin von Saint Pol
KAPITEL 42
ANno 1317. Mathilde von Châtillon,
die älteste Tochter von Guido, Graf von Saint Pol, die
ihren Vater (in Ermangelung eines männlichen Erbens) in solidum beerbte,
wurde auch als rechtmäßige Gräfin von Saint Pol anerkannt.
Dank ihrer Verbindung mit Guido
von Luxemburg [274 GUY DE LUXEMBOURG: Guido VI. von
Luxemburg (* ca. 1340, + 22.8.1371), Graf von Ligny (1364-1371), Graf von
Saint Pol (1360-1371).] erwies sie ihrem Lager große Ehre, und dieser
zeugte viele Kinder mit ihr, und dieses glückliche Geschick überhäufte
einen von ihnen wohl mit Glückseligkeit und einer unendlichen Anzahl
von Wundern, wie wir bald feststellen werden.
Einschübe
KAPITEL 43
ANno 1331. Am 3. April starb Meister
Johann Paillart [275 JEAN PAILLARD.], der Bruder des Herrn Johann
Paillart [276 JEAN PAILLARD.], Ritter und Herr von Libessart, und
mit Herrn Gilbert Paillart [277 GILLEBERT PAILLART.] verwandt,
welcher ebenfalls Ritter und durch Erbfolge Herr besagten Libessarts war
und ebenfalls mit Frau Maria von Pont de Remy [278 MARIE DU PONT REMY.]
verwandt, der Gemahlin besagten Johanns, welche allesamt in der Kirche
von Cercamp, in der Chapelle des Quatres Evangélistes [279
Wörtlich: Kapeller der vier Evangelisten.] begraben sind. Besagter
Meister Johann veranlasste eine tägliche Messe in besagtem Kloster
und gab den Mönchen sieben Lot Wein Bezahlung für jede Woche,
also ein Lot für jede Messe.
ANno 1339 geschah dergleichen mit
dem Grabmahl der Maria von Bretagne, Gemahlin des Guido von Châtillon,
Graf
von Saint Pol. Sehet weiter oben, anno 1317.
ANno 1360. Guido von Luxemburg,
Graf
von Saint Pol, verbürgte sich gemeinsam mit anderen für die
Auslösung des französischen Königs Johann
[280 JEAN: Johann II. der Gute (* 26.4.1319
Le Mans, + 8.4.1364 London), König von Frankreich (1350-1364).], der
seit 1356 in England gefangen war. Siehe unsere Artois-Chronik.
ANno 1368 erfolgte die glückliche
Geburt Karls
VI. [281 CHARLES VI.:
Karl VI. (* 3.12.1368 Paris, +21.10.1422 Paris), König von Frankreich
(1380-1422)], des zukünftigen Königs von Frankreich im
Stadtpalast der Grafen von Saint Pol, welchen sie in der Stadt Paris besitzen.
ANno 1369. Am 24. April, einem Mittwoch,
versammelte der französische König Karl
V. [282
CHARLES V.: Karl
V. der Weise (* 21.1.1337 Vincennes, + 16.9.1380 Fontenay-sous-Bois), König
von Frankreich (1364-1380).] die Länder seines Königreiches in
der Stadt Saint Pol, um über wichtige Geschäfte zu verhandeln,
welche sein besagtes Königreich betrafen. Dort fanden sich der Kardinal
von Beauvais, der Erzbischof von Sens, die Bischöfe von Orléans,
Arras, Auxerre und mehrere große Fürsten und Herren.