Balduin IX.                                     Graf von Flandern (1194-1205)
---------------                   als B. VI. Graf von Hennegau (1195-1205)
 7.1171-11.7.1205            als B. I. Lateinischer Kaiser (1204-1205)
             Tirnovo
 

Ältester Sohn des Grafen Balduin VIII. von Flandern-Hennegau und der Margarethe von Flandern, Erbtochter von Graf Dietrich
 

Lexikon des Mittelalters: Band I Spalte 1368
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Balduin I., 1. lateinischer Kaiser von Konstantinopel;
-------------    Graf von Flandern als B. IX. und Hennegau als B VI.
* Juli 1171, + nach dem 20. Juli 1205

Sohn Balduins V. (VIII.) von Hennegau und Flandern

  oo 1186 Maria, Tochter Heinrichs I., Grafen der Champagne

Balduin regierte seit dem Tod seiner Mutter (+ 15.11.1194) in Flandern und nach dem Tod seines Vaters (+ 17.12.1195) im Hennegau. Obwohl der französische König Philipp II. August einen Teil seines Erbes (Artois, Boulogne, Hesdin und anderes) besetzt hatte, unterhielt Balduin mit ihm anfangs nach außen hin gute Beziehungen (Militärabkommen Juni 1196). Bald danach suchte er jedoch gegen den französischen Expansionsdrang Anlehnung bei England und dem Imperium. Gestützt auf Verträge mit der englischen Regierung (Juni-Juli und September 1197), vermochte er das Gebiet von Tournai, Aire und Saint-Omer zurückzuerobern. Auf Betreiben von Papst Innocenz III. schlossen Philipp August und Balduin am 2. Juni 1200 den Vertrag von Peronne, der die Besitzverhältnisse im umstrittenen Grenzgebiet zwischen Flandern und der französischen Krondomäne im Sinne eines Kompromisses regelte. Im staufisch-welfischen Streit um die deutsche Königswürde (Doppelwahl von 1198) ergriff Balduin für den von England unterstützten Kandidaten, den WELFEN OTTO IV., Partei. - Balduins innere Politik war durch das Bestreben, die feudale Rechtsprechung zu regeln und die Verwaltung zu organisieren, geprägt; während der Hungersnot 1199 bekämpfte er Wucher und Preistreiberei. Balduin und seine Gattin zeichneten sich außerdem als Förderer der Dichtkunst aus. Am 14. April 1202 begab sich Balduin mit zahlreicher Gefolgschaft auf den 4. Kreuzzug. Er nahm an der Belagerung der christlichen Stadt Zadar (Zara) teil, welche die Kreuzfahrer unter dem Einfluss der Venezianer im November 1202 eroberten. Er beteiligte sich ebenfalls am Feldzug gegen das Byzantinische Reich, den die Kreuzfahrer zunächst nominell zugunsten des Thronprätendenten Alexios (IV.) Angelos unternahmen (erste Einnahme von Konstantinopel am 17. Juli 1203 und Erhebung des Alexios zum Kaiser). Nachdem Alexios IV. einem antilateinischen Aufstand zum Opfer gefallen war (+ 2. Februar 1204), schloss Balduin gemeinsam mit den übrigen Führern des Kreuzfahrerheeres ein Abkommen über die künftige Aufteilung des Byzantinischen Reiches. Nach der erneuten Einnahme von Konstantinopel (12. April 1204) und der nachfolgenden grausamen Plünderung der Stadt wurde Balduin - gegen seinen Konkurrenten Bonifaz von Montferrat - am 9. Mai 1204 von einem Zwölferausschuss aus 6 Venezianern und 6 Kreuzfahrern zum Kaiser gewählt und am 16. Mai in der Hagia Sophia gekrönt. Von seiner Residenz, dem Blachernenplatz, aus versuchte Balduin eine Neuordnung des Reiches, das nur zu einem Teil seiner direkten Herrschergewalt unterstand (weite Gebiete hatten sich die Venezianer sowie die übrigen Führer des Kreuzzuges, die in kurzer Zeit autonome feudale Fürstentümer errichteten, gesichert). Balduin geriet bald in Auseinandersetzungen mit dem bulgarischen Zaren Kalojan. Am 14. April 1205 unterlag Balduin dem bulgarisch-kumanischen Heer bei Adrianopel. Er geriet in bulgarische Gefangenschaft; sein weiteres Schicksal ist unbekannt.

Literatur:
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NBW I, 225-238 [W. Prevenier] E. Gerland, Gesch. des lat. Ksr.es v. Konstantinopel I, 1204-1226, 1905 - M. Erbstösser, Die Kreuzzüge. Eine Kulturgesch., 1977 -



Brandenburg Erich: Tafel 22 Seite 45
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"Die Nachkommen Karls des Großen"

XIV. 513 b. BALDUIN VI. (IX.), Graf von Hennegau und Flandern, Kaiser von Konstantinopel ------------------------------------------
* 1171, + 1205 11. VII.

Gemahlin:
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1186 6. I.
Marie, Tochter Heinrichs I. Graf von Champagne (siehe XIV. 80.)
        + 1204 9. VIII.



Thiele, Andreas: Tafel 28
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa"

BALDUIN IX. (I.)
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* 1171, + 1205 (in bulgarischer Haft)

Balduin folgte 1195 seinem Vater, behauptete gegen Holland die Hoheit über Seeland, ging auf die englische Seite über und siegte 1194 mit in der Schlacht bei Frateval. Er erkannte trotzdem 1200 die französische Hoheit an und bekam von Philipp II. August den nördlichen Teile von Artois zurück. Er wählte 1198 OTTO IV. VON BRAUNSCHWEIG mit gegen PHILIPP VON SCHWABEN und war 1202 einer der Führer des 4. Kreuzzuges und eroberte 1204 mit Konstantinopel. Er wurde nach der Eroberung von Konstantinopel am 16.5.1204 zum Lateinischen Kaiser gewählt. Seine Macht war gering und er versuchte auch nicht, mehr aus seinem Amt zu machen, als ihm die Venetianer und die Barone zugestanden. Er nahm sofort den Krieg gegen Bulgarien auf und wurde am 14. April 1205 bei Adrianopel von den Bulgaren unter Kolojan vernichtend geschlagen und starb in bulgarischer Gefangenschaft.
 

  oo 1186
       MARIE VON BLOIS
                 + 1204

Tochter des Grafen Heinrich I. von Champagne



Thiele, Andreas: Tafel 208
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

BALDUIN I. (IX.)
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* 1171, + 1205

Balduin I. folgte 1195 im gesamten Erbe der Eltern und war einer der militärischen Anführer des 4. Kreuzzuges, der 1203/04 von Venedig und Papst Innocenz III. initiierte wurde und wurde nach der Eroberung von Konstantinopel 1204 Kaiser. Er gründete das sogenannte "Lateinische Kaiserreich", in dem Venedig dominierte. Er war nur formal Herrscher; sein Reich - auch "Romanien" genannt - umfasste unmittelbar nur den engeren Raum um den Bosporus und Hellespont, Lesbos und Chios; dazu kamen die Vasallenfürstentümer auf der Peloponnes und die Herzogtümer Theben und Athen. Balduin I. geriet sofort schroff gegen die anderen Teilreiche zu Nikäa und Thessalonich und gegen Bulgarien. Er stellte formal die Kirchenunion her, doch wurde durch hemmungslosen Vandalismus die Kluft nur verstärkt und die Bevölkerung wurde nie gewonnen. Er verlor 1205 die Schlacht bei Adrianopel gegen die Bulgaren, wurde gefangen und starb in bulgarischer Haft.

  oo 1186
       MARIE DE BLOIS
                 + 1204

Tochter des Grafen Heinrich I. von Blois-Champagne



Ehlers Joachim: Seite 135,144
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"Die Kapetinger"

Ein solches Bündnis bahnte sich im Mai 1181 an, als der Graf von Flandern die doppelte Eheverbindung zwischen den Häusern FLANDERN-HENNEGAU und CHAMPAGNE aushandelte, wonach der junge Graf Heinrich von Troyes Jolanthe von Hennegau heiraten sollte, Nichte des Grafen von Flandern und Schwester der französischen Königin Elisabeth; im Gegenzug wurde ihr Bruder Balduin mit Maria von Troyes verlobt, der Schwester des Grafen Heinrich.
Der deutsche Thronstreit war ersichtlich ein Ableger des angevinisch-kapetingischen Konflikts, in dem Philipp II. fortan mit einer angevinisch-welfischen Koalition rechnen mußte, der sich Graf Balduin IX. von Flandern schon angeschlosen hatte.

Erbe Michael: Seite 38
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"Belgien, Niederlande, Luxemburg. Geschichte des niederländischen Raumes."

Sein Sohn Balduin IX. nahm am vierten Kreuzzug und der Eroberung von Konstantinopel teil und hatte 1204/05 den Thron des dort geschaffenen Lateinischen Kaiserreiches inne. Er hinterließ zwei Töchter, von denen die erste trotz zweier Ehen keine Nachkommen hinterließ. Die zweite, Margarethe von Konstantinopel (+ 1229), war gleichfalls zweimal verheiratet. Die erste Ehe mit Burkhardt von Avesnes aus hennegauischem Rittergeschlecht wurde annulliert, weil der Ehemann ursprünglich zum Priester bestimmt gewesen war und bereits die niederen Weihen erhalten hatte. Die zweite wurde mit Wilhelm von Dampierre, dem Spraoß eines Adelshauses aus der Champagne, geschlossen. Über die Erbansprüche der Kinder aus diesen Ehen fällte König Ludwig IX. von Frankreich 1246 einen Schiedsspruch: die DAMPIERRE erhielten Flandern, die AVESNES Henengau.
 
 
 
 

6.11.1186
   oo Marie von Blois-Champagne, Tochter des Grafen Heinrich I.
        ca. 1174-29.8.1204
                      Acco
 
 
 
 

Kinder:

  Johanna
  1188 oder 1200-5.12.1244

  Margarete I. die Schwarze
  1202- 10.2.1280
 
 
 
 

Literatur:
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Alvermann, Andrea: Geschichte der Grafschaften, Ländereien & der Stadt Saint Pol. Übersetzung aus dem Mittelfranzösischen Kapitel 28 - Berg Dieter: Die Anjou-Plantagenets. Die englischen Könige im Europa des Mittelalters. Verlag W. Kohlhammer 2003 Seite 88,90,94,97,108 - Ehlers Joachim: Die Kapetinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 135,144 - Erbe Michael: Belgien, Niederlande, Luxemburg. Geschichte des niederländischen Raumes. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 1993 Seite 38 - Favier, Jean: Frankreich im Zeitalter der Landesherrschaft 1000-1515. Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart 1989 Seite 184,186,225 - Leo Heinrich Dr.: Zwölf Bücher niederländischer Geschichten, Eduard Anton Verlag Halle 1832 Seite 78-87 - Mayer, Hans Eberhard: Geschichte der Kreuzzüge, Verlag W. Kohlhammer GmbH 1995  Seite 174,180,182 - Mohr Walter: Geschichte des Herzogtums Lothringen. Verlag "Die Mitte" Saarbrücken 1974 Band II Seite 113-120 - Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München 1993 Band III Seite 218-248 - Pernoud Regine: Herrscherin in bewegter Zeit. Blanca von Kastilien, Königin von Frankreich. Diederichs Verlag München 1991 Seite 46,204,264 - Roosbroeck, Robert van: Die Geschichte Flanderns, Eugen Diederichs Verlag Jena 1942 Seite 14-15 - Runciman, Steven: Geschichte der Kreuzzüge, Sonderausgabe in 1 Band Verlag H.C. Beck München 1978, Seite 886, 900-901,903-905,913 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa, R.G. Fischer Verlag 1993 Tafel 28 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 208 - Winkelmann Eduard: Kaiser Friedrich II. 1. Band, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1963, Seite 402-409,458,499,539 -