Gottfried                                        König von Jerusalem (1099-1100)
------------                                       Herzog von Nieder-Lothringen (1087-1099)
1061-18.7.1100                              Graf von Bouillon
        Jerusalem                                Markgraf von Antwerpen
 

Jüngerer Sohn des Grafen Eustach II. von Boulogne und der Ida von Lothringen, Tochter von Herzog Gottfried dem Bärtigen
 

Lexikon des Mittelalters: Band IV Spalte 1598
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Gottfried von Bouillon (Gottfried V.), Herzog von Nieder-Lothringen 1087-1096,
---------------------------------------------  einer der Führer des 1. Kreuzzuges
* um 1060, + bald nach 18. Juli 1100
Boulogne    Jerusalem
 

LEBEN UND WIRKEN

1. Als Herzog von Nieder-Lothringen

Gottfried war der zweite Sohn Eustachius' II., Grafen von Boulogne, und der Ida von Ardenne, der Schwester Gottfrieds des Buckligen und Tochter Gottfrieds des Bärtigen. Er wurde um 1075 von seinem Onkel Gottfried dem Buckligen adoptiert und als Nachfolger designiert. Dennoch wurde er von Kaiser HEINRICH IV. 1076 lediglich mit der Markgrafschaft Antwerpen belehnt und konnte das Herzogtum Nieder-Lothringen erst 1087 in Besitz nehmen.
Gottfried betrieb die Durchsetzung der Erblichkeit der Herzogswürde. Er hielt die Expansionsbestrebungen seiner Nachbarn, der Grafen von Löwen und Namur sowie des Fürstbischofs von Lüttich, in Schach; auch verstand er es, aus seinen Interventionen in den Abteien St-Hubert und St-Trond Nutzen zu ziehen, ebenso 1096 aus seinem Eingreifen gegen die Judenverfolgung im Mittelrheingebiet. Als er 1096 das Kreuz nahm, führte er eine Veräußerung seines Herzogtums durch, die ihm bei präsumptiver Heimkehr den Rückkauf ermöglichen sollte.

2. Auf dem 1. Kreuzzug

Gottfried unterschied sich in seiner Haltung insofern von den übrigen Führern des 1. Kreuzzuges, als er enge Beziehungen zu HEINRICH IV. hatte. Eine feste Ansiedlung im Osten plante er im Unterschied zu anderen Kreuzfahrern nicht. Während der 1. Hälfte des Kreuzzuges kann seine Position zwar als gesichert, nicht aber als dominierend bezeichnet werden. Nachdem sich Gottfrieds Bruder Balduin von Boulogne in Edessa niedergelassen hatte (10. März 1098) erhielt auch Gottfried dort Besitzungen und wurde mit Hilfsgütern versorgt. Gewachsener Reichtum und gestiegenes Prestige ließen ihn während des Marsches auf Jerusalem (Frühling und Frühsommer 1099) zum Rivalen des bis dahin tonangebenden Raimund von St-Gilles werden. Am 22. Juli 1099, eine Woche nach dem Fall Jerusalems, wurde er zum Oberhaupt der neuen Kreuzfahrerherrschaft gewählt. Es gibt keinen klaren Beleg, dass er den Titel eines 'advocatus Sancti Sepulcri' geführt hat; üblicherweise nannte er sich 'princeps'. Während seiner nur einjährigen Regierung übte er offenbar eine straffe Kontrolle bei der Eroberung von Palästina aus und schuf erste Grundlagen einer feudalen Organisation. Andererseits war er bereit, für sein Fürstentum eine formelle Belehnung durch Daimbert, den Patriarchen von Jerusalem, der zugleich päpstlicher Legat war, zu empfangen, und Gottfried von Bouillon dürfte auch weitreichende Zugeständnisse an die Kirche von Jerusalem gemacht haben. Sich dadurch anbahnende tiefgreifende Konsequenzen wurden allerdings durch Gottfrieds Bruder und Nachfolger, Balduin I. durchkreuzt.



Verlag Traugott Bautz  www.bautz.de/bbkl
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"Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon"

Band II (1990) Spalten 271-272 Autor: Friedrich Wilhelm Bautz

GOTTFRIED von Bouillon,  der Eroberer von Jerusalem im 1. Kreuzzug,
-----------------------------------   seit 1076 Herzog von Nieder-Lothringen,
* um 1060, (an der Pest) 18.7. 1100 in Jerusalem

Auf der Synode in Clermont-Ferrand rief Urban II. (s. d.) 1095 zu einem Kreuzzug auf, für den u. a. der Eremit Peter von Amiens (s. d.) als Kreuzzugsprediger in Frankreich und in Deutschland am Rhein erfolgreich warb. Unter dem Einfluß der kirchlichen Reformpartei der Cluniazenser nahm Gottfried als einziger Reichsfürst mit seinen Brüdern Balduin und Eustach am 1. Kreuzzug teil. August 1096 zog er mit einem Kreuzheer die Donau hinab durch Ungarn und Bulgarien nach Konstantinopel, das sie gegen Weihnachten erreichten. Dort verhandelte Gottfried von Bouillon mit Alexios I. Komnenos (s. d.) und leistete ihm den Lehnseid für die zu erobernden Gebiete seines Reiches. Im April 1097 setzte Gottfried nach Kleinasien über. Er beteiligte sich an der Belagerung der Festung Nizäa, die am 20.6. 1097 erobert wurde, und kämpfte am 1.7. mit in der siegreichen Schlacht bei Doryläum. Erst am 3.6. 1098 wurde Antiochia genommen. Im Juni 1099 gelangte man vor die Tore Jerusalems. Bei der Eroberung der Stadt griff Gottfried entscheidend ein. Am 15.7.1099 drang er in Jerusalem ein. Die Führer des Kreuzfahrerheeres boten die Krone des Reiches, das man zu errichten beschlossen hatte, dem Grafen Raimund von Toulose an. Als dieser ablehnte trug man sie Gottfried von Boulillon an. Er ließ sich aber nicht krönen und nannte sich nur »Beschützer des heiligen Grabes« (»Advocatus sancti Sepulchri«). Erzbischof Daimbart (Dagobert) von Pisa wurde Patriarch von Jerusalem. Gottfried hatte keinen leichten Stand. Der Besitz des Heiligen Landes war gefährdet. Die weltlichen Fürsten leisteten ihm nicht den nötigen Gehorsam. Der Patriarch behauptete, Jerusalem dürfe keinen weltlichen Herrn haben. Durch den glänzenden Sieg bei Askalon am 14.8.1099 wies Gottfried einen übermächtigen Angriff des Sultans von Ägypten ab, konnte sich aber nicht gegen die sich steigernden hierarchischen Ansprüche des Klerus behaupten. Nach seinem Tod wurde sein Bruder Balduin (s. Balduin I.) König von Jerusalem.

Literatur:
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Heinrich v. Sybel, Geschichte des 1. Kreuzzugs, 1841 (1898) - François Monnier, Godefrol de B. et les accises de Jérusalem, 1874 - Alphonse Vétault, Godefroi de B., Tours 1874 (18815) - Juilus Froböse, G. v. B., 1879 - Bernhard Kugler, in: Forsch. z. Dt. Gesch. 26, 1886, 302 ff. - Charles Nicolas Gabriel, Verdun au XIe siècle, Verdun 1892 - Reinhold Röhricht, Regesta regni Hierosolymitani, Innsbruck 1893 (Additam. 1904) - Ders., Die Dt. im Hl. Lande, ebd. 1894 - Ders., Gesch. des Kgr. Jerusalem (1100-1291), ebd. 1898 - Ders., Gesch. des 1. Kreuzzuges, ebd. 1901 - Theodor Breysig, G. v. B. vor dem Kreuzzuge, in: Westdt. Zschr. f. Gesch. u. Kunst 17, 1898, 169 ff. - Emil Hampel, Unterss. über das lat. Patriarchat v. Jerusalem v. Eroberung der hl. Stadt bis z. Tode des Patriarchen Arnulf (1099-1118). Ein Btr. z. Gesch. der Kreuzzüge (Diss. Erlangen, 1898), Breslau 1899 - Ferdinand Chalandon, Essai sur le règne d'Alexis Comnène, Paris 1900 - Ders., Histoire de la première croisade jusqu'à l'élection de Godefroi de B., ebd. 1925 - Franz Diekamp, Die lothring. Ahnen G.s, Progr. Osnabrück 1904 - C. Moeller, G. de B. et I'avouerie du saint-sépulcre, in: Mélanges Godefroy Kurth, I, 1908, 73 ff. - Albert v. Aachen, Historia Hierosolymitanae expeditionis seu Chronicon Hierosolymitanum de bello sacro, übers. u. eingel. v. Hermann Hefele, 2 Bde., 1923 - Marrel Lobet, G. de B. Essai de biographie antilégendaire, Brüssel 1943 - Paul Rousset, Les origines et les caractères de La première croisade, Neuchâtel 1945; - Ders., Histoire des Croisades, Paris 1957 - John CarI Andressohn, The Ancestry and Life of Godfrey of B., Bloomington/Indiana 1947 - Henry Dorchy, G. de B. Duc de Bas-Lotharingie, in: Revue Belge de Philologie et d'Histoire 26, Brüssel 1948, 961 ff; - Steven Runciman, The First Crusader's Journey across the Balkan Peninsula, in: Byzantion 19, Brüssel 1949 - Ders., A History of the Crusades, 3 Bde., London - Toronto 1951-53 (dt. 1957 ff.); - Adolf Waas, Gesch. der Kreuzzüge 1, 1956, 123 ff. 130 ff. u. ö.; II, 1956, ö. - ADB IX, 471 ff.; - NDB VI, 663 -LThK IV, 1137; - NCE VI, 577; - ODCC2 578.

Letzte Änderung: 15.09.2001



Brandenburg Erich: Tafel 27 Seite 54
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"Die Nachkommen Karls des Großen"

XI. 150 b. GOTTFRIED VON BOUILLON, Graf von Boulogne ca. 1080,
-------------------------------------------  Herzog von Nieder-Lothringen 1088, König von Jerusalem 1099
* ca. 1060, + 1100 2. IV. in Palästina



Thiele, Andreas: Tafel 170
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

GOTTFRIED IV.
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    + 1100

Graf de Bouillon, Markgraf von Antwerpen, Herzog von Nieder-Lothringen

Gottfried von Bouillon war 1090 mit Kaiser HEINRICH IV. in Italien, 1096 Mitanführer des 1. Kreuzzuges und mußte unterwegs dem Kaiser von Byzanz einen Lehenseid für eventuell zurückeroberte ehemals byzantinische Gebiete schwören. Er eroberte Nablus, Hebron, Tiberias, Bethlehem und 1099 Jerusalem. Gottfried lehnte die Königskrone ab und nannte sich "Beschützer des Grabes".



Gottfried wurde von seinem Onkel Gottfried II. der Bucklige adoptiert und 1076 Erbe aller Allodien. Er wurde Graf von Bouillon nebst Verdun und Markgraf von Antwerpen und stand ständig gegen Flandern. Er war ein typischer Vertreter des aufstrebenden Rittertums, zog 1080-1084 mit Kaiser HEINRICH IV. nach Rom und erhielt von ihm für seine treuen Dienste 1089 als Nachfolger des Kaiser-Sohnes KONRAD das Herzogtum Nieder-Lothringen. Er war von 1090-1096 wieder mit in Italien, konnte weder die kaiserliche noch die herzogliche Position in Nieder-Lothringen behaupten und verkaufte alle seine Güter einschließlich der Stammburg Bouillon an den Bischof von Lüttich, um den 1. Kreuzzug finanzieren zu können. Er erhoffte sich im Heiligen Land eine neue Herrschaft. Er wurde 1096 einer der Führer des 1. Kreuzzuges, erstürmte im Jahre 1099 Jerusalem und wurde im gleichen Jahr zum ersten König von Jerusalem gewählt, begnügte sich aber mit dem Titel "Vogt des Heiligen Grabes". Am 12.8.1099 besiegte er die Ägypter bei Askalon.

Werner Matthias: Band I Seite 449
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"Der Herzog von Lothringen in salischer Zeit" in Die Salier und das Reich.

Zur Frage, ob Gottfried von Bouillon verheiratet war und ob, wie vermutet, es sich bei seiner Gemahlin um Beatrix von Mandeville, die Tochter eines hohen Vasallen Wilhelms des Eroberers in Essex, handelt, vgl. die kritischen Bemerkungen bei H.E. Mayer, Etudes sur l'histoire de Baudouin I, roi de Jerusalem, in: Ders., Melanges sur l'histoire du Royaume Latin de Jerusalem (INstitut de France. Memoires de l'Acad. des inscription et Belles-Lettres, N. Seite 5), Paris 1984, Seite 18ff. mit Anm. 28.
 
 
 
 

  oo Beatrix von Mandeville
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Literatur:
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Boshof, Egon: Die Salier. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln 1987, Seite 225,258,267 - Brandenburg Erich: Die Nachkommen Karls des Großen Verlag Degener & Co Neustadt an der Aisch 1998 Tafel 27 Seite 54 - Die Salier und das Reich, hg. Stefan Weinfurter, Jan Thorbecke Verlag 1991, Band I Seite 267,373,390,395,401,409,413,416,424,432,444-446,449-451,453-457,459-462,464-467, 470,473/Band II Seite 21/Band III Seite 506 - Erbstösser Martin: Die Kreuzzüge. Eine Kulturgeschichte. Bertelsmann Lexikon-Verlag 1977 Seite 93,98 - Glocker Winfrid: Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der Politik. Böhlau Verlag Köln Wien 1989 Seitze 302 - Golinello, Paolo: Mathilde und der Gang nach Canossa, Artemis und Winkler Düsseldorf 1998, Seite 158,266 - Großer Bildatlas der Kreuzzüge. Sechs Jahrhunderte abendländischer Kultur- und Glaubensgeschichte. Verlag Herder Freiburg im Breisgau 1992 Seite 30,31,40 - Jones Terry/Ereira Alan: Die Kreuzzüge. Bechtermünz Verlag 2000 Seite 22,24,40,53,67,71,78,83 - Kugler Bernd: Geschichte der Kreuzzüge. Reprint-Verlag-Leipzig 1880 - Lampert von Hersfeld: Annales/Annalen Wissenschaftliche Buchgemeinschaft Darmstadt 2000 Seite 300 - Le Goff Jacques: Ludwig der Heilige, Klett-Cotta Stuttgart 2000 Seite 334 - Lehmann Johannes: Die Kreuzfahrer. Abenteurer Gottes. Gondrom Verlag Bindlach 1991 Seite  52,64,74,90,114,130,147,154,164 - Mayer, Hans Eberhard: Geschichte der Kreuzzüge, Verlag W. Kohlhammer GmbH 1995 Seite 43-45,47-49,55-63 - Meyer von Knonau, Gerold: Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Heinrich IV. und Heinrich V. Verlag von Duncker & Humblot Leipzig 1890 Band II Seite 516 n. 83,653,657-658,659/Band III Seite 648 n. 14/Band IV Seite 38,39,160,248 n. 4, 249,407 n.26,466-467,491 n. 47,493,513-516,517,518-523,536/Band V Seite 58 n. 3,59 n. 4,76, 84 n. 45,134,135 n. 42 - Mohr Walter: Geschichte des Herzogtums Lothringen. Geschichte des Herzogtums Groß-Lothringen (900-1048) Verlag "Die Mitte" Saarbrücken 1974 Band II Seite 63-73 - Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München 1993 Band III Seite 50,58 - Payne Robert: Die Kreuuzüge. Zweihundert Jahre Kampf um das Heilige Grab. Albatros Verlag Düsseldorf 2001 - Runciman, Steven: Geschichte der Kreuzzüge, Sonderausgabe in 1 Band Verlag H.C. Beck München 1978, Seite 110-305 - Sippel Hartwig: Die Templer. Geschichte und Geheimnis. Amalthea Verlag 1996 Seite 41,93 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 170 - Werner, Matthias: Der Herzog von Lothringen in salischer Zeit, in Die Salier und das Reich Band 1 Seite 367-475, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1992 Band I Seite 449 - Wies, Ernst W.: Kaiser Heinrich IV. Canossa und der Kampf um die Weltherrschaft, Bechtle Esslingen 1996, Seite 186,215,222 - Zöllner Walter: Geschichte der Kreuzzüge. VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften Berlin 1977 Seite 57,65,78-82,85-88,138,173, 232 -