Mathilde von Brabant                    Gräfin von Artois
---------------------------                   Gräfin von St. Pol
um 1220-29.9.1288

Begraben: Kirche von Cercamp
 

Älteste Tochter des Herzogs Heinrich II. der Großmütige von Brabant aus seiner 1. Ehe mit der Maria von Schwaben, Tochter von König PHILIPP
 

Thiele, Andreas: Tafel 20
*************
Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa, R.G. Fischer Verlag 1993 -

MATHILDE
-----------------
    + 1288

  1. oo 1237
           ROBERT I., Graf von Artois
                     + 1250 gefallen

  2. oo GUIDO II. DE CHATILLON, Graf von Saint Pol
                   + 1289



Alvermann, Andrea:
****************
"Geschichte der Grafschaften, Ländereien & der Stadt Saint Pol."

XIV                Guido von Chatillon, zweiter seines Namens, vierzehnter Graf von Saint Pol
                                             KAPITEL 35
NAch dem Dahinscheiden seines Vaters und seines ältesten Bruders erbte Guido von Chatillon [241 GUY: Guido III. (+ 12.3.1289), Graf von Porcean, Graf von Saint Pol (1248-1289)], Sohn von Hugo [227 HUES: Hugo V. (* 1211, + 1248), Graf von Chatillon-sur-Marne und Graf von Saint Pol (1226-1246), Graf von Blois (1231-1248)] die Grafschaft Saint Pol, nachdem er zuvor bereits den Titel Graf von Porcean getragen hatte. Er ehelichte Mathilde [244 MEHAUT: Mathilde von Brabant (* ca. 1224, + 29.9.1288)], Tochter des Herzogs Heinrich von Brabant [245 HENRY: Heinrich II. der Größmütige (* 1207, + 1.2.1248 Löwen), Herzog von Brabant (1235-1248)], Witwe von Robert [246 ROBERT: Robert I. (* 4.9.1216, + 9.2.1250 Ägypten), Graf von Artois (1237-1250)], des ersten Grafen von Artois, mit der drei Söhne zeugte, Hugo [247 HUES: Hugo VI. (* ca. 1275, + 1307), Graf von Blois (1295-1307), Graf von St. Pol (1289-1292)], Guido [248 GUY: Guido IV. (* ca. 1277, + 6.4.1317), Graf von St. Pol (1292-1317)] und Jakob [249 JACQUES: Jakob I. (* ca. 1280, + 11.7. 1302)]
[Einwurf: Die Geburtsjahre von Margaretes Söhnen müssen alle um 20 Jahre nach vorn verschoben werden, denn bei einem Geburtsjahr von 1220/24 für Margarete ist die Geburt von Kindern in den Jahren zwischen 1275 und 1280 unmöglich.]

                                             Einschübe
                        Prämien der Stiftskirche und des Hospizes der Stadt Saint Pol
                                             KAPITEL 36

Anno 1263. Ha! Ha! Oh Guido, Ihr frommer Graf und auch Ihr fromme Gräfin Mathilde! Ihr unterzeichnet die gleiche Resolution. Oft ertrugen die Armen, die Kranken, die Pilger, die Fremden und andere Reisende oder Bürger Eurer Stadt das Elend eines gestrengen Schicksals und erhielten nur sehr selten Trost. Ihr hattet Mitleid mit ihnen. Und sogleich ließet Ihr zu diesem Zwecke, wie ich bereits erzählte ein schönes und großes Hospiz errichten, das gewöhnlich sechzig Betten für die Leidgeprüften und den Auftrag hatte, nichts zu unterlassen, was sie wünschen könnten, soweit es der Gesundheit zuträglich war. Ihr liesset dort auch eine Kirche errichten (so nenne ich es, entsprechend der Lehren, die mir die Mauern besagten Ortes nach heutigem Anblick erteilen), die dem Zeitlichen das Geistige hinzufügen sollte; und habt bei dieser Gelegenheit Nonnen und Mönche beiderlei Geschlechtes dort hin geladen, mit deren Hilfe das Ganze geführt werden sollte. Die Regeln, die Ihr dort einführtet waren so bewundernswert und die Erträge so groß, dass es schwer wird, anderswo gleiches zu finden. Wo ist dieser Ruhm heute? Sagt, oh Grafen, wo ist dieser Ruhm heute?

                                             Weitere Einschübe verschiedener Art
                                              KAPITEL 37
ANno zwölfhundertsiebenundsechzig macht oben genannte Mathilde ihr Testament, in dem sie unter anderem befiehlt, dass ihr Leib nach ihrem Ableben kein anderes Grabmal haben soll als die Kirche von Cercamp: und so gab sie Befehl zu mehreren Messen, die an diesem Orte abgehalten werden sollten, sowohl für das Heil ihrer eigenen Seele als für die von Guido, dem Grafen von Saint Pol, ihren zweiten Gemahl, den sie zärtlich liebte.

                                  Tod des Guido von Châtillon und der Mathilde, seiner Gemahlin
                                              Graf und Gräfin von Saint Pol
                                              KAPITEL 38
ANno 1288, am 29. September, starb Gräfin Mathilde von Saint Pol. Ihre Gebeine wurden, wie sie es befohlen hatte, in die Kirche von Cercamp verbracht und dort, genau in der Mitte des Hauptschiffes gegenüber dem Kruzifix bestattet.
Anno 1289, am 12. März starb Graf Guido von Saint Pol, Gemahl besagter Mathilde und er erhielt ein gemeinsames Grabmahl mit seiner Gattin.
Ihre Ruhestatt mitten im Hauptschiff besagter Kirche von Cercamp ragt ungefähr zwei Fuss über der Erde auf. Es ist ganz mit Kupfer bedeckt, an einigen Stellen fein vergoldet und blau und rot emailliert und zeigt die Wappen von Saint Pol und Châtillon. Früher war es ringsum mit Edelsteinen bereichert und zum Beweis sieht man noch deren Abdrücke. Darüber befinden sich zwei Bronzestatuen mit den Bildnissen des Grafens und der Gräfin; das Ganze ist ebenfalls vergoldet und emailliert wie darunter. Das ganze Stück war so reich und schön wie man es sich nur denken kann: Doch die Zeit hat sein Antlitz verändert.
In der Bibliothek besagten Klosters findet sich über besagte Gräfin Mathilde Wort für Wort wie folgt, was ihr wohl als Epitaph dienen mag:
Obijt pia memoria Maethildis, Comitissa Sancti Pauli & Atrebatensis, in festo S. Michaelis, quae fuit filia Ducis Brabantiae, & Mater Roberti Comitis Atrebatensis, & Blancae Reginae Navarrae, & Hugonis, Comitis Blensensis, & Guidonis comitis Sancti Pauli, & Jacobi Junioris,omini de Leuze & de Condato & Beatricis Comitisse de Atho & Joannae, Dominae de Castro Radulphi
Besagte Mathilde hinterließ von besagtem Châtillon nur die drei besagten Söhne, Hugo, Guido und Jakob und eine Tochter.

Leo Heinrich Dr.: Seite 579
**************
"Zwölf Bücher niederländischer Geschichten."

Im folgenden Jahre heiratete Heinrich II. zum zweitenmale, Sophien, die Tochter des Landgrafen von Thüringen. Viele der unbedeutenderen Erwerbungen, Unterhandlungen und Fehden aus dieser Zeit übergehen wir; Heinrich II. selbst wurde bald kränklich und starb am 22. Januar 1248.
Er hatte von seiner Gemahlin, der Tochter König PHILIPPS, zwei Söhne: Heinrich III., sein Nachfolger, und Philipp, der bei jungen Jahren starb. Von mehreren Töchtern war die älteste, Mathilde, zuerst vermählt mit Robert von Artois, und nach Roberts unglücklichem Ende in Ägypten, zum zweiten Male mit Gui de Chatillon, Grafen von St. Pol. Die zweitgeborene, Beatrix, hatte als ersten Gemahl HEINRICH RASPE VON THÜRINGEN, und nach dessen Tode den Grafen Guillaume von Flandern. Die dritte, Marie, heiratete Ludwig von Baiern, und fand durch dessen Eifersucht einen unglücklichen Tod. Die vierte, Margaretha, wurde Klosterfrau.

Le Goff Jacques: Seite 161,636
**************
"Ludwig der Heilige"

Am 25. des Monats schifft er sich mit seinem Gefolge ein. Er hat die Mitglieder des engsten Familienkreises angewiesen, vollzählig - mit Ausnahme seiner Mutter, seiner noch jungen Kinder und seiner Schwägerin, der Gräfin von Artois, die kurz vor ihrer Niederkunft steht - an diesem Kreuzzug teilzunehmen.
Die gleichzeitige Vermählung mit Mathilde von Brabant machte ihn zum Vetter Kaiser FRIEDRICHS II. und Schwager sowohl des künftigen Herzogs von Brabant als auch des Landgrafen von Thüringen und des Herzogs von Bayern.
 
 
 
 

  14.6.1237
  1. oo Robert I. Graf von Artois
          4.9.1216-9.2.1250

  16.1.1255
  2. oo Guido II. von Chatillon, Graf von St-Pol
           um 1230-12.3.1289
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Robert II. der Fromme
  17.9.1250-11.7.1302

  Blanka
  um 1248-2.5.1302

    1269
  1. oo Heinrich I. König von Navarra
          um 1240-22.7.1274

    1276
  2. oo Edmund von Crouchback Graf von Lancaster
          1245-5.6.1296

2. Ehe

  Jakob I. Seigneur de Conde
         -13.7.1302

  Hugo II. Graf von Blois und Dunois
         -   1307

 Guido III. Graf von Saint-Pol
         -6.4.1317
 
 
 
 

Literatur:
-----------
Alvermann, Andrea: Geschichte der Grafschaften, Ländereien & der Stadt Saint Pol. Übersetzung aus dem Mittelfranzösischen Kapitel 35,26,37,38 - Ehlers Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller Bernd: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 Seite 187 - Le Goff Jacques: Ludwig der Heilige, Klett-Cotta Stuttgart 2000 Seite 161, 636 - Leo Heinrich Dr.: Zwölf Bücher niederländischer Geschichten. Eduard Anton Verlag Halle 1832 Seite 579 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa, R.G. Fischer Verlag 1993 Tafel 20 -