Guido (Guy) von Dampierre          Graf von Flandern (1278-1304)
-----------------------------------         Graf von Namur (1263-1297)
1225/26-7.3.1305
             Compiegne
 

Begraben: Abtei Flines (dep. Nord, arr. Valenciennes, cant. St-Amand-les-Eaux-Rive-droite)
 

2. Sohn des Grafen Wilhelm II. von Dampierre und der Gräfin Margarete I. von Flandern, Tochter von Graf Balduin IX.
 

Lexikon des Mittelalters: Band IV Seite 1767
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Gui III., Graf von Flandern 1278-1305 aus dem Hause DAMPIERRE
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* 1226/27, + 7. März 1305
                  Compiegne

Begraben: Abtei Flines (dep. Nord, arr. Valenciennes, cant. St-Amand-les-Eaux-Rive-droite)

2. Sohn von Wilhelm II. von Dampierre und der Margarete von Konstantinopel

Gui führte nach dem Tode seines erbberechtigten Bruders Wilhelm III. (1252) den Grafentitel.

  1. oo Mathildis von Dendermonde (1246-1263)
                 -

  2. oo Isabella von Luxemburg (seit 1264), wodurch er die Grafschaft Namur erwarb.

Gemeinsam mit seiner als Gräfin regierender Mutter führte Gui den Kampf gegen seine Halbbrüder aus dem konkurrienden Haus AVESNES und ihrem Bundesgenossen Graf WILHELM II. VON HOLLAND. Nach der Niederlage von Westkapelle auf Walcheren (4. Juli 1253) gefangengenommen, kam Gui erst 1256 durch Vermittlung König Ludwigs IX. von Frankreich, gegen hohes Lösegeld wieder frei. Der Tod Johanns (Jans) von Avesnes (1257) verschaffte dem wegen seiner Schulden von den flämischen Städten sowie privaten Bankiers abhängig gewordenen Gui eine Atempause, bis der Handelskrieg mit England (1270-1275) die Verwundbarkeit der Grafschaft wegen des Wollbedarfs erneut offenbarte. Durch den Thronverzicht seiner Mutter (29. Dezember 1278) zur Herrschaft gelangt, kam Gui durch seine Versuche, die gräfliche Stellung zu stärken, in Konflikt mit den flämischen Städten und seinem Lehnsherrn König Philipp IV. Nachdem Gui diesen den Lehnseid aufgekündigt und ein Bündnis mit Eduard I. von England geschlossen hatte (1297), besetzte Philipp die Grafschaft Flandern (1297-1302) und ließ Gui, dessen Sohn und Nachfolger Robert von Bethune sowie eine Reihe treu gebliebener flämischer Adliger in französische Gefangenschaft führen, in der Gui verstarb, ohne sein durch den Sieg von Kortrijk (1302) befreites Fürstentum wiederzusehen.



Thiele, Andreas: Tafel 29a
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa"

GUIDO DE BOURBON-DAMPIERRE
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* 1225/26, + 1305

Guido war seit 1251 Erbe und Mitregent seiner streitbaren Mutter, die 1278 verzichtete und Guido wurde damit Graf von Flandern. Seit 1263 war er schon Markgraf von Namur. Er geriet 1253 in holländische Gefangenschaft und musste auf Flanderns Hoheits- und Besitzansprüche in Seeland verzichten, um freizukommen. Während des Interregnums anerkannte er ALFONS X. VON KASTILIEN als deutschen König und weilte etliche Zeit in Kastilien. Er zog 1270 mit König Ludwig IX. von Frankreich nach Tunis, wo dieser starb. Guido war jahrelang einer der angesehensten und einflussreichsten Fürsten, da er recht gebildet und reich war und über hervorragende verwandtschaftliche Beziehungen verfügte. 1288-1293 war er Pfandbesitzer von Geldern und stritt viel mit Holland und dem Neffen AVESNES in Hennegau, das er für sich forderte. Er stützte sich auf Frankreich und besetzte Reichsflandern; die ehemals enge Bindung der Grafenstädte brach unter Guido mehr und mehr auseinander, die wirtschaftlich erstarkten und von Frankreich geförderten Städte lehnten selbstbewusst die gräflichen Machtbefugnisse ab. Er wandte sich schroff von Frankreich ab und ging 1294 offen zu England über. 1297 besetzte Frankreich das Land, Guido war seitdem in französischer Haft. Flanderns Städte erhoben sich gegen den französischen Absolutismus und schlugen 1302 bei Kortrijk ein französisches Ritterheer vernichtend, eines der bedeutendsten Ereignisse der niederländischen Geschichte. Guido hatte durch die Zugeständnisse bedeutender Privilegien kurz vor seiner Haft den städtischen Widerstandswillen sehr gestärkt.

  1. oo um 1246
           MATHILDE DE BETHUNE
                     + 1264

Tochter des Seigneur Robert VII., Erbin von Bethune, Dendermonde, Richebourg und Warneton

  2. oo 1264
           ISABELLA VON LUXEMBURG
                   + 1298

Tochter des Grafen Heinrich V. (Haus LIMBURG), Tante des Kaisers HEINRICH VII. VON LUXEMBURG, Erbin von Namur



Ehlers Joachim: Seite 198-199,204,206
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"Die Kapetinger"

Jeder Konflikt der beiden Könige mußte Auswirkungen auf Flandern haben, dessen Städte die politische und lehnsrechtliche Abhängigkeit vom französischen König zwar akzeptierten, aber nur unter der Voraussetzung, daß ihre wirtschaftlichen Beziehungen zu England nicht darunter litten. Daraus hatte sich ein latenter Gegensatz der städtischen Oligarchien zum Grafenhaus ergeben, denn die Familie DAMPIERRE hatte sich zwischen 1246 und 1256 nur mit Hilfe des Königs von Frankreich in Flandern durchsetzen können. Als die wirtschaftlich aufstrebenden, aber vom regierenden Patriziat ausgeschlossenen bürgerlichen Kräfte seit 1280 mit Hilfe der städtischen Unterschichten in mehreren Aufständen politische Teilhabe an den Stadtregierungen erzwingen wollten, nutzte Graf Guy von Dampierre die Gelegenheit, seine eigene Stellung im Innern zu stärken und sich danmit von der französischen Krone zu emanzipieren. Er stellte sich auf die Seite der Aufständischen und veranlaßte damit das Patriziat, sich um Hilfe an Philipp den Schönen zu wenden. 1292 reiste der Graf von Flandern nach England und erhielt von Eduard I. ein Bündnisangebot.
Diese Lage veranlaßte Eduard I. zu einem Offensivbündnis mit dem Garfen von Flandern, das am 7. Januar 1297 beurkundet wurde. Schon am 20. Januar ließ Guy von Dampierre dem französischen Hof durch zwei Abgesandte mitteilen daß er sein Lehnsverhältnis zum König von Frankreich als aufgelöst betrachte und die Grafschaft Flandern von nun an ein unabhängiges Fürstentum sei. Philipp der Schöne nutzte den soeben erreichten Ausgleich mit dem Papst noch bevor die entsprechende Bulle erlassen war und griff sogleich  den Grafen von Flandern an. Guy von Dampierre erhielt wider Erwarten keine nennenswerte Hilfe von Eduard I., so daß Karl von Valois und Robert von Artois mit zwei Heeresgruppen rasch vorrücken konnten, um sich im August bei Ypern zu vereinigen. In den folgenden Tagen ergaben sich Lille, Kortrijk, Bergen, Dünkirchen und Brügge, während der Graf sich in Gent behaupten konnte und auf päpstliche Vermittlung hoffte. Bonifaz VIII. sandte die Oberen des Dominikaner- und Franziskanerordens als seine Legaten zunächst zu Eduard I., um ihn für einen allgemeinen Frieden zu gewinne, bevor die Verhandlungen in Flandern selbst begannen. Am 9. Oktober 1297 erreichten die Legaten einen Waffenstillstand, der im Januar 1298 in Tournai bekräftigt wurde und für zwei Jahre gelten sollte.
Der Waffenstillstand von Tournai lief im gleichen Jahr ab, in dem Toul und das Barrois mouvant gewonnen wurden. Schon im Januar 1300 rückten Truppen Philipps des Schönen in Flandern ein und nahmen den Grafen Guy von Dampierre, seinen Sohn und Nachfolger Robert von Bethune zusammen mit einer Gruppe loyaler flämischer Adliger gefangen. Vorausgegangen war ein Versuch Eduards, die leliaerts unter Druck zu setzen, die dem königlichen Lilienwappen verbundenen Patrizier der großen Städte, denn seit dem Verlust der Normandie hatte die flandrische Küste als einziger Landeplatz für die englische Flotte an Wert gewonnen, besonders aber der Hafen von Brügge. Indem er den Wollexport nach Flandern unterbrach, hoffte Eduard die Tuchindustrie der Städte lahmzulegen. Dem kam die Armee Philipps des Schönen zuvor. Im folgenden Jahr bereiste der König selbst das Land, ordnete die Anlage von Burgen und die Einrichtung französischer Verwaltungen an.
Am 18. Mai 1302 jedoch erhoben sich die Einwohner von Brügge gegen den französischen Gouverneur Jacques de Chatillon und brachte einen großen Teil der fremden Besatzung um. Der Goede Vrijdag von Brügge hatte ähnliche Folgen wie die Sizilianische Vesper, weil sich die meisten flandrischen Städte dem Aufstand anschlossen. Philipp der Schöne reagierte sofort, denn es bestand ernste Gefahr, Flandern zu verlieren und die englische Position unverhältnismäßig gestärkt zu sehen. Er rief Karl von Valois aus Italien zurück und schickte Robert von Artois mit einer Armee nach Flandern, die am frühen Nachmittag des 11. Juli vor den Mauern von Kortrijk auf die bewaffneten flämischen Stadtmilizen stieß. Mit etwa 8.000 Fußkämpfern brachen die Bürger den Frontalangriff von 2.500-3.000 schweren Reitern, an deren Spitze Robert von Artois getötet wurde.
 
 
 

  um 1246
1. oo Mathilde von Bethune, Tochter des Seigneur Robert VIII.
        um 1230-8.11.1263

        Erbin von Bethune

    1264
2. oo Isabella von Luxemburg, Tochter des Grafen Heinrich V.
        um 1245/50- 9.1298

        Erbin von Namur
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe   16 K

  Robert III. von Bethune
  1247/49-17.9.1322

  Balduin
        -

  Margarete
         -3.7.1285

 1273
  oo 2. Johann I. Herzog von Brabant
          1252/53-3.5.1294

  Marie
         -   1297

  1. oo Wilhelm Junggraf von Jülich
                 -16.3.1278 gefallen

  2. oo Simon II. de Broyes
                  -

  Beatrix
  ca 1260-23.3.1296
               s-Gravenhage

1270
  oo Florenz V. Graf von Holland
      Juli 1254-27.6.1296

  Johann IV. Bischof von Metz (1279-1292)
  1250-14.10.1292  Bischof von Lüttich (1282-1292)

  Philipp Graf di Teano
  um 1263-   1318

  1. oo Mathilde von Courtenay, Tochter des Grafen Rudolf
                 - vor 1302

  2. oo Philippa de Milly, Tochter Gottfrieds II.
                  -

  Wilheln (IV.) "ohne Land"
         -   1311

2. Ehe

  Johann I. Graf von Namur
  1267-1.2.1330

  Isabella
       -   1323

1307
  oo Johann I. Seigneur de Fiennes
              -

  Beatrix
  um 1270- nach 1287

 1287
  oo Hugo II. de Chatillon Graf von Blois-Dunois
             -   1307

  Johanna  Nonne
         -

  Margarete
         -   1331

   1282
  1. oo Alexander Erbprinz von Schottland
           27.1.1263-28.1.1283

    1286
  2. oo Rainald I. Graf von Geldern
                  -9.10.1326

  Guido Seigneur de Renaix
         -   1311

  Heinrich I. Graf von Lodi
          -6.11.1337

 1309
  oo Margarete von Kleve, Tochter des Grafen Dietrich VII.
               -
 
 
 
 

Literatur:
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Alvermann, Andrea: Geschichte der Grafschaften, Ländereien & der Stadt Saint Pol. Übersetzung aus dem Mittelfranzösischen Kapitel 33 - Berg Dieter: Die Anjou-Plantagenets. Die englischen Könige im Europa des Mittelalters. Verlag W. Kohlhammer 2003 Seite 178,184,186 - Ehlers Joachim: Die Kapetinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 198,204,206,226 - Ehlers Joachim: Geschichte Frankreichs im Mittelalter. W. Kohlhammer GmbH 1987 Seite 170-172 - Erbe Michael: Belgien, Niederlande, Luxemburg. Geschichte des niederländischen Raumes. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 1993 Seite 40 - Favier, Jean: Frankreich im Zeitalter der Lehnsherrschaft 1000-1515. Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart 1989 Seite 226,260,262-266,300 - Le Goff Jacques: Ludwig der Heilige, Klett-Cotta Stuttgart 2000 Seite 221,705 - Leo Heinrich Dr.: Zwölf Bücher niederländischer Geschichten, Eduard Anton Verlag Halle 1832 Seite 115-117,138-204 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa, R.G. Fischer Verlag 1993 Tafel 29a -