Ekkehard II. wird
in der Chronik Thietmars von Merseburg das erste Mal im Jahr 1009 erwähnt.
Damals focht er zusammen mit seinem Bruder Hermann
eine
Fehde mit ihrem Onkel Gunzelin aus. Auch an den Auseinandersetzungen
mit Bischof Thietmar von Merseburg wegen des Zwenkauer Forstes hat Ekkehard
zusammen mit seinem Bruder aktiv teilgenommen. Überhaupt
taucht Ekkehard
oft in Verbindung mit
seinem Bruder Hermann auf, ob nun in den erzählenden Quellen
oder in Urkunden.
Im Jahr 1013 erfuhr HEINRICH
II., dass Ekkehard zusammen
mit seinem Schwager Werner, dem HEINRICH
II. wegen der Ermordung des Grafen Dedi von Wettin die Markgrafschaft
über die Nordmark aberkannt hatte, Herzog
Boleslaw Chrobry ohne Erlaubnis besucht hatte. Dort sollen sie
aufrührerische Reden geführt und darüber hinaus heimlich
Boten des Herzogs empfangen haben. Beide Männer wurden daraufhin aufgefordert,
vor HEINRICH zu erscheinen und als
sie dieser Vorladung nicht nachkamen, wurde ihnen ihr Besitz entzogen.
Das Gericht entschied hier nach gebräuchlichen Richtlinien.
War ein Vorgeladener der Aufforderung vor einem Gericht zu erscheinen,
nicht gefolgt, so galt er als des angeklagten Vergehens überführt
und konnte in Abwesenheit in Form eines Kontumazialverfahrens verurteilt
werden.
Werner lenkte daraufhin sofort ein und erhielt
nach Zahlung einer beträchtlichen Buße Verzeihung. Ekkehard
hingegen wurde erst viel später auf die Fürsprache von Getreuen
hin wieder in Gnaden aufgenommen. Unter diesen Getreuen befanden sich sicher
die beiden Brüder Ekkehards,
Hermann
und
Gunther,
der Kanzler HEINRICHS II.
Über die Hintergründe des Besuchs gibt es keine
Nachrichten. Zeitlich steht er am Ende des zweiten Polenkrieges. Die Motive
Werners lassen sich vielleicht noch insofern erklären, als
er hoffte, über die Verbindung mit dem Polen-Herzog die Wiedereinsetzung
in seine Mark zu erlangen. Dass Ekkehard
seinerseits
auf diesem Weg seine Ansprüche auf die Mark
Meißen sichern wollte, wage ich zu bezweifeln. Die polnische
Reise steht meiner Meinung nach eher mit der latenten Unzufriedenheit der
Sachsen mit der Kriegsführung
HEINRICHS
in Zusammenhang. Auch beschreibt Thietmar Ekkehard
als
einen jungen und unreifen Mann.
Zu welchem Zeitpunkt der Bann über Ekkehard
wieder
aufgehoben wurde, wissen wir nicht; wir haben nur die Angabe Thietmars
"longe post". Doch kann er nicht allzulange gebannt gewesen sein,
da er schon ein paar Jahre später zusammen mit seinem Bruder handelnd
auftritt.
5.2. Verleihung einer Markgrafenwürde
In einer Urkunde aus dem Jahr 1032 erscheint Ekkehard
mit dem Titel eines Markgrafen. Es wurde deshalb gemutmaßt,
dass er in der Mark Meißen die Nachfolge seines Bruders Hermann
angetreten hätte. Es hat sich jedoch herausgestellt, dass Hermann
erst wesentlich später, nämlich erst im Jahr 1038, gestorben
ist. Es stellt sich deshalb die Frage, welches Gebiet Ekkehard
1032 als Markgraf verwaltet hat.
Ein Jahr zuvor war die Nieder-Lausitz wieder an das Reich
zurückgekommen. Ungewiß ist, ob auch die Ober-Lausitz mit zurückgegeben
wurde, nicht viel später erscheint diese Provinz jedoch bei der Mark
Meißen, und es läßt sich kein günstiger Moment nachweisen,
in welchem das alte Verhältnis wieder hergestellt sein könnte,
als der Friede mit Polen im Jahr 1031.
Hinzu kommt, dass das Geschlecht, das vorher die Ostmark
innehatte, ausgestorben ist. Markgraf Hodo wurde zuletzt am 30.
Juni 1032 erwähnt. Die Quellen berichten zwar nichts über eine
Neuvergabe dieses Gebietes, woraus man auch entnehmen könnte, dass
diese Mark einige Zeit vakant geblieben ist, dagegen spricht aber die Gefährdung
dieses Gebietes durch Polen. Nimmt man nun die Nennung Ekkehards
als Markgrafen - wenn auch ohne Angabe des Geltungsbereiches - hinzu, ist
die Zuweisung Ekkehards als Markgraf dieses Gebietes durchaus zulässig.
Dass Ekkehard ein
anderes Markgrafenamt in diesem Bereich verwaltet hat, ist unmöglich,
da keine andere östliche Mark um diese Zeit frei wurde.
Breßlau ist dagegen der Meinung, Dietrich von Wettin
habe diese Markgrafschaft zuerkannt bekommen. Er taucht jedoch nie mit
dem Markgrafen-Titel auf, sondern wird "comes Oreintalium" genannt.
Viele Forscher folgten Breßlaus Ansicht. Dagegen wandte sich zuerst
Waitz: "Ich möchte eher glauben, dass Ekkehard
auch die später so genannte Ostmark und Lausitz gehabt (hat)."
Diese Ansicht bewies im Anschluß an Waitz mit überzeugenden
Gründen Dieterich. Er zeigte, dass der Ausdruck "comes Orientalum"
am besten mit "Graf des Osterlandes" wiederzugeben sei also nicht als Beleg
für Dietrichs vermeintliches Markgrafentum zu werten sei.
Diese Schlußfolgerung wird durch das Zeugnis der
Hildesheimer Jahrbücher erhärtet. Einmal nennt der Verfasser,
der zeitlich den Ereignissen sehr nahe stand, Ekkehard
ebenfalls zu dieser Zeit bereits Markgraf. Dann aber
deutet er anhand der Verwicklung des Markgrafen mit Dietrich von Wettin
den Amtsbereich
Ekkehards an. Wenn
nämlich einige Vasallen Ekkehards den wettinischen Grafen,
der eben hier "comes Orientalum", Graf vom Osterland, genannt wird, ermorden,
so ist nach dem Wortlaut der Quelle gewiß, dass dieser Mord sich
auf einem Besitz Dietrichs ereignet hat.
Unter dem Osterland verstand man im Mittelalter das Land
zwischen Saale und Mulde. Durch dieses Zusammentreffen wird die Ostmark
als Ekkehards Amtsbereich sehr wahrscheinlich
gemacht. Hier darf auch die Merseburger Bischofschronik herangezogen werden,
die zwar mit einer Bezeichnung des 12. Jahrhunderts, die Dietrich für
diese Zeit ablehnt, aber doch das gleiche Gebiet, nämlich die Mark
Hodos bezeichnet, Ekkehard "Marchio
orientalis" genannt.
Die größeren Altaicher Jahrbücher zum
Jahr 1046 erzählen, dass Dedi von Ekkehards
Marken zwei erhielt, während der König die dritte,
nämlich die meißnische, zurückbehielt. Wenn man Ekkehard
II. nur in Besitz der Mark Meißen
zuerkannt, dann gerät man an dieser Stelle in einige Schwierigkeiten.
Die einfachste Erklärung ist aber folgende:Ekkehard
II. besaß neben und vor Meißen schon die Ostmark
mit der Lausitz, die eben jetzt an Dedi kam. Aber noch bleibt die Dreizahl
des Altaicher Berichts ein Hindernis. Hier muß darauf verwiesen werden,
dass die Ostmark nach dem Tod des Markgrafen Gero zunächst
in zwei Bereiche geteilt und von Hodo (Lausitz) und Thietmar
I. (innere oder eigentliche Ostmark) als selbständige Markengebiete
verwaltet worden war. Zwar scheint schon Hodo nach Thietmars
Tod beide Teile vereint zu haben und später ebenso Gero II.,
Thietmars Sohn. Aber die Erinnerung daran, dass hier ursprünglich
zwei Marken bestanden haben, dürfte nie ganz verloren gegangen sein,
denn spätere Markgrafen dieses Gebietes tragen den Titel "marchio
orientalis et Lusiciae" oder "margrav in Lausitz und im Osterlande".
Dazu kommt, dass die Lausitz von 1002 bis 1031 in polnischem
Besitz war, wodurch die frühere Trennung womöglich noch schärfer
hervorgehoben wurde. Damit wird verständlich, wie es zu der Dreizahl
der Marken - Meißen, die Ostmark und die Lausitz - Ekkehards
II. gekommen ist, von welchem Dedi zwei - die Ostmark und die
Lausitz - nach dem Tod Ekkehards II. erhalten
hat. So kann die Herrschaft Ekkehards
in der Ostmark von 1032 bis 1046 als gesichert gelten. Diese Ansicht ist
mittlerweile auch in der Forschung vorherrschend.
In diesem Zusammenhang wird nun auch der Mord an Dietrich
von Wettin klarer. Geht man davon aus, dass Ekkehard
als Markgraf in der wiedergewonnenen Ostmark eingesetzt
wurde, das heißt in der Nieder- und in der Oberlausitz, ist sehr
wahrscheinlich, dass es zwischen ihm und Dietrich als Grafen im Osterland
zu Spannungen und sogar Kompetenzstreitigkeiten gekommen ist. Vielleicht
befürchtete
Ekkehard, dass auf
Betreiben des WETTINERS die Ostmark wieder in zwei Marken getrennt würde;
ihm folglich nur noch ein Teil seines ursprünglichen Amtsbereiches
unterstehen würde, und zwar der Teil, der in den letzten Jahrzehnten
immer wieder Zankapfel zwischen deutschen und polnischen Ansprüchen
gewesen ist.
Einen Beweis für diese Ansicht Thietmar, wenn er
schreibt, Dietrich sei von den Vasallen Ekkehards
unter dem Vorwand, ihn zu beglückwünschen, aufgesucht worden.
Ekkehard
fürchtete um seine Stellung und ließ deshalb seinen
Schwager beseitigen. Interessant daran ist nur, dass keine Quelle darüber
berichtet, dass Ekkehard oder seine
Vasallen für diesen Mord zur Rechenschaft gezogen worden sind. Vielleicht
konnte der
EKKEHARDINER den Kaiser
KONRAD glauben machen, er selbst habe mit dem Mord an seinem
Schwager nichts zu tun. Auch haben sicher die guten Verbindungen, die Ekkehard
und seine Familie zum Herrscherhaus pflegten, eine weitere Verfolgung verhindert.
5.3. Ekkehard II. in seiner Tätigkeit als Markgraf
Unter KONRAD II. herrschte
Ruhe, was Auseinandersetzungen mit den östlichen Nachbarn anging.
Ob Ekkehard im Jahr 1035 an KONRADS
II. Zug gegen die Liutizen teilgenommen hat, ist nicht bekannt.
Von seiner Teilnahme verlautet nichts, doch kann sie aufgrund der Kürze
der Hildesheimer Jahrbücher auch nicht ausgeschlossen werden.
Erst nach KONRADS Tod
im Jahre 1039 begegnen wir unter dessen Sohn HEINRICH
III., Ekkehard II. in
seiner Tätigkeit als Markgraf. Kurz nach dem Tod KONRADS
II. hatte Bretislaw vom Böhmen einen Kriegszug gegen das
von innenpolitischen Schwierigkeiten geschüttelten Polen unternommen.
In Sachsen, wo sich HEINRICH III. seit
dem 3. September aufhielt, besprach er wahrscheinlich mit den sächsischen
Fürsten das Vorgehen gegen Böhmen. Ziel war es wohl, die aufstrebende
Macht des Böhmen-Herzogs noch im Keim zu ersticken.
Vermutlich im Juli wurde ein Heer gegen Böhmen gerüstet.
Wohl unter Ekkehards Mitwirkung, der
in den späteren Feldzügen die wichtigste Rolle spielte und jetzt
meist in der Nähe des Königs erscheint, war das Heer zusammengestellt
worden. Lüpke negiert aus Mangel an Quellen die Teilnahme Ekkehards
an diesem Böhmenzug, da er erst in den Jahren 1040 und
1041 ausdrücklich erwähnt werde.
Angesichts der drohenden Kriegsgefahr unterwarf sich
Bretislaw und schickte seinen Sohn Spitihnew als Geisel. HEINRICH
III. entließ daraufhin das Heer. Bretislaw hielt jedoch
nicht Wort, und so traf der König am 20. und 21. Juli des folgenden
Jahres in Goslar erneut mit den sächsischen Großen - unter ihnen
auch Ekkehard - zusammen, um einen
Feldzug zu planen. Zwei Heere - ein sächsisches und ein bayerisches
- sollten in Böhmen eindringen. Die sächsischen Heeresabteilungen
versammelten sich am 15. August in Dohna bei Pirna. Am 24. August erfolgte
unter dem Kommando von Ekkehard und
des Erzbischofs Bardo von Mainz der Einfall in Böhmen. Da das bayerische
Heer jedoch schwere Verluste erlitten hatte, zog sich die sächsische
Abteilung ebenfalls zurück. Vielleicht war es zum Abschluß eines
Waffenstillstandes gekommen, da das sächsische Heer unbehelligt über
das Erzgebirge heimziehen konnte.
Nach Cosmas, der tendenziös die Erfolge des Nordheers
als möglichst unbedeutend darzustellen sucht, gerät Ekkehard
in Folge der Nachricht von der Niederlage HEINRICHS
in Zweifel, ob er den Kampf fortsetzten oder den Rückzug antreten
soll; dann aber zieht er nach Verhandlungen mit dem siegreichen Bretislaw
aus Böhmen ab.
Erfolgreicher gestaltete sich der Böhmenfeldzug
des nächsten Jahres. Auch diesmal erscheint das Nordheer unter der
Führung Ekkehards II., der von
Bardo von Mainz und anderen Großen unterstützt wurde. Wieder
fielen Ekkehard von Sachsen,
HEINRICH
III. von Bayern aus in Böhmen ein. Am 8. September trafen
sich die beiden Heere, nur noch durch die Moldau getrennt, vor Prag. Der
König lagerte auf dem rechten, Ekkehard auf
dem linken Ufer der Moldau. Jetzt erst fand sich Bretislaw zu Verhandlungen
bereit. Dabei bat er die Markgrafen Ekkehard II.
von Meißen und Otto
von Schweinfurt um ihre Unterstützung bei den bevorstehenden
Friedensunterhandlungen. Vielleicht hoffte der böhmische Herzog, dass
diese beim König aufschlußreichen Fürsten ein gutes Wort
für ihn einlegen würden. Der Böhme ging nun auf alle Bedingungen
ein.
Was den ungarischen Krieg im Jahre 1042 betrifft, so
hat Ekkehard höchstwahrscheinlich
an den Vorberatungen teilgenommen. Doch berichtet keine Quelle von seiner
aktiven Teilnahme an diesem Feldzug.
5.4. Ekkehards Herrschaftsbereich
Ekkehards Amtsbereich
läßt sich an zahlreichen Urkunden ablesen. Er umfaßte
den thüringischen Weitagau, in dem der Ort Kizerin erwähnt wird.
Im Jahr 1039 übergibt
HEINRICH III.
seinem Getreuen Diemar dieses Dorf "in comitatu predicti Ekkehardi marchionis
in pago Vueitao". Ebenso gehörte der Hassegau, in dem zwei Königshufen
mit Hörigen an Gezo gingen, zu Ekkehards
Herrschaftsbereich.
Im Jahr 1042 gibt König HEINRICH III.
einem gewissen Moic drei Königshufen "in villa Gladocsi
in burcwardo Thvchorin et in comitatu predicti (Ekkehardi)
marchionis". Hinzu kam der Gau Zurba. Hier wurde ein Ort dem Bistum
Naumburg zugeeignet: "villam Kusenti nominatam que fuit beneficium predicti
Eggihardi marchionis, in pago qui vocatur Zurba in comitatu iam
sepius dicti marchionis". Mit dem Ort ist Kösen gemeint, das später
wirklich im Besitz des Bistums Naumburg erscheint.
Im Gau Chutizi amtierte Ekkehard
als Nachfolger seines Bruders. Ekkehard
II. erscheint hier im Jahr 1040 urkundlich als Graf. In einer
Urkunde vom 5. Dezember gibt König HEINRICH
III. dem Bischof Hunold von Merseburg ein Gut zu "niwolkesthorp
in burchwardo Lesnic, in pago Zcudici et in comitatu Ekkehardi marchionis
situm". Dem markgräflichen miles Markward wurden auf Fürspruch
ihres Lehnsherren vom Kaiser 10 Königshufen mit ebensoviel Smurdenfamilien
"in pago Zcudici in villa Tuchin in comitatu prediciti marchionis
Ekkihardi
sitos"übergeben. Das Dorf ist wahrscheinlich Taucha,
der Burgward Treben. Nach Winter "könnte man versucht sein, diesen
Ort noch zur Grafschaft Groitzsch zu verweisen, zumal der Burgward Treben
noch zum Gau Chutizi gezählt wird.
Im Jahre 1044 erscheint Ekkehard
II. als Graf im Bezirk "Ginnaha", das heißt in einer Gegend,
die von der Grafschaft seines Vaters und Großvaters im nordwestlichen
Thüringen durch die Grafschaft der WEIMARER getrennt ist.
Am 22. September 1045 gibt Kaiser
HEINRICH III. an seinen Getreuen Jaromir "in villa
Scvtropei, si inibi fieri possit, sin autem in proximis locis tres regales
mansos in burchardo Guodezi nec non comitatu prenominati (Ekkehardi)
marchionis".
Den Allodialbesitz Ekkehards
II. kann man anhand der Vergabungen,
die HEINRICH III. in den darauffolgenden
Jahren aus dem Güternachlaß der EKKEHARDINER
vorgenommen hat, erfassen. Noch im Jahr 1046 - am 19. Februar - unterzeichnete
der König eine Schenkungsurkunde für die Abtei S. Cyriacus in
Gernrode, die Ekkehard, den eine lockere
Familienbindung dem Kloster verpflichtete, schon zu Lebzeiten hatte erwirken
wollen. Danach wurden dem Kloster Güter in Gundersleben, Westerhausen,
Morddorf, Richbrechtingerod, Wendhausen, Ekkehartinsrode, Dovbonrod und
Hasselfeld zugewandt.
Im Weitagau wurde der Ort "Izzolani" der Königin
Agnes geschenkt, die am gleichen Tag auch das freie Gut
des Markgrafen in den Burgwarden Rochlitz und Colditz in der Mark Meißen
zugeteilt erhielt. Rochlitz ist auch von Thietmar als Burgward Ekkehards
bezeugt.
Wohl durch die Verleihung der Benefizien zum Allod an
Ekkehard
I. seitens des Kaisers
OTTO III. kam die Familie in erblichen Besitz der Burgwarde
Teitzig und Rochlitz. Strehla, welches Hermann seiner Gattin Regelindis
als
Morgengabe schenkte, war sicher Allod des Hauses und wahrscheinlich auf
eben demselben Wege an die EKKEHARDINER gelangt.
Ebenso gehört das Gut Lißdorf im Gau Spielberg
zu Ekkehards Eigentum
- auch wenn aus einer Urkunde aus dem Jahr 1073 hervorgeht, dass Ekkehard
Lißdorff "hereditario parentum iure" vom Kloster Hersfeld
als Erblehen innehatte und sich widerrechtlich als Allod angeeignet hatte.
Das Kerngebiet von Ekkehards
Eigengut lag in Thüringen zu beiden Seiten der unteren Unstrut
nahe der Saale. Hierzu zählen natürlich der Stammsitz
des Geschlechts, Kleinjena, die Altenburg un die Naumburg,
bevor sie in den Besitz des Stifts Naumburg übergegangen ist. In dem
Untergau Spielberg, welcher zu dem von den WEIMARERN verwalteten Gau Husitin
gehörte, wo auch der Allodialbesitz der EKKEHARDINER lag, besaßen
sie Benefizien. Im Süden reichte das Allod bis in den Weitagau hinein,
so dass das Geschlecht mit seinem ausgedehnten Eigenbesitz von seinem Stammland
bis in die weit nach Osten vorgeschobene Mark Meißen mit Hilfe seines
Allods eine feste Brücke schlagen konnte.
Es ist wahrscheinlich, dass erst Gunther
und Ekkehard I., die ihr Geschlecht "in den größeren
Schauplatz der Geschichte einführten", ihm hier den entsprechenden
Machtzuwachs verschafft haben.
In Folge der Erwerbung der markgräflichen Würde
unter Ekkehard I. erweiterten die EKKEHARDINER ihre Grenzen
über die Gaue der alten Zeitzer, Merseburger und Meißener Marken.
Der Besitz von Weissenfels als ererbtes Lehngut ist urkundlich erst nach
dem Tod Ekkehards II. nachweisbar.
5.5. Ekkehards Hinterlassenschaft
Im Jahre 1046 ist Markgraf
Ekkehard II. von Meißen plötzlich
gestorben, wie zahlreiche Quellen melden. Lambert berichtet, eine innere
Erstickung - "praefocatus interiit" - sei dafür
verantwortlich gewesen. Sein Todestag - der
24. Januar - wurde wie
der seiner Familienmitglieder in das Lüneburger Totenbuch aufgenommen.
Ekkehard wurde in Naumburg in Gegenwart
des Königs bestattet. Dort hat man sein Gedächtnis ebenfalls
gepflegt.
Während Hermanns Tod in der Öffentlichkeit
kaum bemerkt wurde, wird Ekkehards II. Ableben
auch von zum Teil fernstehenden Geschichtsschreibern aufgezeichnet. Das
hat vielleicht mit dem Umstand zu tun, dass Ekkehard,
dessen Ehe mit Uta
von Ballenstedt kinderlos geblieben ist, alle seine Besitztümer
HEINRICH
III. vermacht hat. Daraus läßt sich schließen,
dass Uta
schon vor 1046 gestorben ist, denn sonst wäre sie
als Witwe und eventuelle Erbin genannt worden. Wir kennen zwar ihren Todestag,
den 23. Oktober, nicht aber das Todesjahr, doch muß es vor 1046 liegen.
Seiner Schwester Mathilde
überließ
Ekkehard nur eine
Art Pflichtteil, und zwar den Stammsitz ihres Hauses. Kleinjena blieb bis
1271, als es dem Georgen-Kloster in Naumburg übereignet wurde, bei
den Nachkommen Mathildes.
Als HEINRICH III.
daranging die Lehen Ekkehards
II. neu zu vergeben, taucht in
der Überlieferung das erste Mal der Name "marchia Misnensis"
auf: in königlichen Urkunden sowie an einer Stelle der Annalen von
Niederaltaich, wo berichtet wird, dass
Kaiser
HEINRICH III. auf einem Hoftag in Meißen bei der Vergabung
der drei Marken Ekkehards
die meißnische zunächst zurückbehielt.
Die Dreizahl der Marken stellte die Forschung zuerst
vor Rätsel, nahm man doch an, dass Ekkehard
"nur" die Ostmark und die Mark Meißen verwaltet hat. Dass die Annalen
von Niederaltaich auf die alte Aufteilung der Mark Meißen von 968
in Merseburg, Zeitz und Meißen zurückgepfiffen haben, ist auszuschließen.
Vielmehr scheint es, dass hier die Ostmark als zwei verschiedene Marken
angesehen wurde: die Niederlausitz und die später sogenannte Oberlausitz.
Als Nachfolger Ekkehards II.
in
der Ostmark setzte HEINRICH dem WETTINER
Dedi, den Sohn des 1034 ermordeten Dietrich, ein. Als Dedi
1075 starb, gab der König die Ostmark dem
PREMYSLIDEN Wratislaw von Böhmen, der das Gebiet bis 1081
innehatte. Danach erhielt Dedis Sohn, Heinrich I. von Eilenburg,
der seit 1089 die Mark Meißen
verwaltete, auch dieses Gebiet. Im Jahr 1103 fiel Heinrich I.; sein
unmündiger Sohn Heinrich II. stand unter der Vormundschaft
seiner Mutter Gertrud
bis zu ihrem Tod 1117.
Mit der Mark Meißen belehnte HEINRICH
III. später den Grafen Wilhelm IV. aus dem Geschlecht WEIMAR-ORLAMÜNDE,
das in Thüringen zu großer Macht gelangt war, die Grafenrechte
der meisten Gaue innerhalb Thüringens innehatte und dazu mit Besitz
und Rechten im Orlagau jenseits der Saale auch nach Osten griff.
Den Grafen von Weimar-Orlamünde, Heinrich und Otto
(seit 1062), folgten unter HEINRICH
IV. im Jahre 1067 die BRAUNSCHWEIGER
Ekbert
I. und Ekbert
II. Dieser letztere verhielt sich in den Auseinandersetzungen des
Königs mit den Sachsen wiederholt so treulos, dass
HEINRICH IV. 1076 die Mark Meißen ebenfalls an Herzog
Wratislaw von Böhmen übertrug; er gab sie zwar einige
Jahre mit Ausnahme der Ostmark wieder an Ekbert zurück, ächtete
ihn aber endlich 1089 und setzte ihn ab. Das ganze Gebiet ging nun an die
WETTINER über.
5.6. Ekkehards Interventionen und Ansehen
Ekkehard II. ist schon
gemeinsam mit seinem Bruder als Intervenient aufgetreten, ebenso wie er
zusammen mit Hermann an der Kaiserkrönung KONRADS
II. im Jahr 1027 teilgenommen hat. Aber erst nach dessen Tod
tritt Ekkehard selbständig handelnd in den Vordergrund. Hatte
sich schon Hermanns Verhältnis zur Reichsgewalt unter
KONRAD II. enger gestaltet, so hielt diese Entwicklung unter
Ekkehard II. an, ja sie intensivierte sich sogar. Denn noch
enger als die Verbindung Hermanns
mit KONRAD
II. waren die Beziehungen
Ekkehards
zu HEINRICH III. Fast in jedem Jahr
waren König und Markgraf ein oder mehrere Male beisammen.
Zu Hermanns Lebzeiten intervenierte Ekkehard
-
und zwar als Graf - nur einmal allein ohne seinen Bruder Hermann
in einer uns nur verfälscht überkommenen Urkunde für das
Kloster Weißenburg im Nordgau. Wenn die Intervention in dieser Form
echt ist, hätte Ekkehard
den Kaiser KONRAD nach Bayern begleitet.
Als Markgraf intervenierte er das erste Mal im Jahr 1032
für das Bistum Naumburg. Er wird nach Gisela,
HEINRICH
III. und Erzbischof Hunold von Magdeburg genannt.
Das nächste Mal trifft man Ekkehard
im Jahr 1035 in Bamberg an. Dort fand ein Fürstengericht statt, das
über die Absetzung Adalberos
von Kärnten beraten sollte. Interessant ist, dass in dem Brief
eines jungen Klerikers an Bischof Azecho von Worms nur die Markgrafen
Ekkehard und Adalbert namentlich an der Spitze des Reichsgerichts
genannt werden. Dies wirft einerseits Licht auf die bevorzugte Stellung,
welche sie einnahmen, andererseits ist es von Bedeutung, dass gerade die
Markgrafen an der Spitze eines Reichsgerichts stehen, als es gilt, den
Herzog seiner Würden zu entkleiden.
Ekkehards nächste
Intervention stammt aus dem Jahr 1040. HEINRICH
III. befand sich Ende 1039, umgeben von Großen des Reichs,
in Regensburg, wo er Weihnachten feierte und bis in den Januar des folgenden
Jahres blieb. Auf Ekkehards Vermittlung
hin wurde dort am 4. Januar dem Stift Naumburg das in seiner Grafschaft
gelegene Dorf Kösen übereignet. Im Juli desselben Jahres wurde
auf Ekkehards und des Erzbischofs Hunfried von Magdeburg sowie des
Bischofs Kadaloh von Naumburg in Goslar dem Stift Meißen das
Kastell Püchau zu eigen geschenkt.
Auch im Sommer des folgenden Jahres trifft manEkkehard
in
der Nähe des Königs an. In Goslar, wo HEINRICH
am
30. Juni, und in Tilleda, wo er sich am 22. Juli aufhielt, hatte der Herrscher
mit Markgraf Ekkehard Zusammenkünfte.
In Tilleda intervenierte Ekkehard II. zusammen
mit der Kaiserin Gisela für das
Kloster Nienburg im Nordthüringgau. Sein Eintreten für dieses
Kloster beruhte entweder auf einer Fortsetzung der Familientradition, die
schon sein Mutter
Swanhilde
gepflegt
hatte, oder Ekkehard war durch die
gewaltsame Beseitigung des Markgrafen Dietrich auch in den Besitz
des linkselbischen Thüringgaues gekommen und vertrat dann die Interessen
eines Empfängers seines Gebietes.
Ostern 1042 war HEINRICH III.
in Köln. Auch Ekkehard fand sich
dort ein: Auf seine Fürsprache wurden einem gewissen Moic drei Königshufen
und 60 Joch in der Grafschaft des Markgrafen geschenkt. Am 25. Juli 1042
hielt sich HEINRICH III. erneut in
Tilleda auf. Hier erteilte er dem Kaufleuten von Quedlinburg die gleichen
Rechte wie denen von Goslar und Magdeburg. Ekkehard
tritt nach der Kaiserin-Witwe Gisela und
der Äbtissin
Adelheid von Quedlinburg, der Tochter OTTOS
II., als dritten Fürsprecher auf. Dann wird sein Rat
am 8. August 1042 in Kaufungen erwähnt, zusammen mit dem des Bischofs
Kadaloh von Naumburg und der unterhandelnden Tätigkeit des Erzbischofs
Hunfried von Magdeburg in einer Urkunde, von der uns nur ein deutscher
Auszug erhalten ist und deren Inhalt ein Tauschgeschäft zwischen HEINRICH
III. und einem Abt Adelrad bzw. seinem - nicht bekannten - Kloster
ist. Die Nennung der beiden Bischöfe läßt vermuten, dass
auch Ekkehard an diesem Tausch beteiligt
war.
Als Fürsprecher für einen Empfänger außerhalb
seiner Landesgrenze begegnet uns Ekkehard
in einer Urkunde vom 11. September 1043. Ekkehard
interveniert hier zusammen mit Bischof Poppo von Brixen, dem
späteren Papst
Damasus II., für die Bewohner des Tiroler Noritales. Diese
Urkunde wurde ausgestellt in Pöchlarn an der Donau im September 1043,
womöglich auf dem Rückmarsch von dem siegreichen Zug gegen die
Ungarn.
Am 22. September 1045 war der König in Quedlinburg,
wo er vermutlich eine Zusammenkunft mit Markgraf
Ekkehard hatte, bei der er auf
dessen Fürsprache hin einem der markgräflichen Dienstmannen drei
in Ekkehards Grafschaft liegende Königshufen
übereignete. Von da ab bis zu seinem Tod fehlt jegliche Nachricht
über Ekkehard.
Die Wertschätzung des Königs läßt
sich an den Titeln ablesen, die er Ekkehard
in den Urkunden zuteil werden ließ. In den meisten Urkunden wird
Ekkehards
Name mit ehrenden Beifügungen versehen wie "noster fidelis marchio"
oder
"noster dilectus marchio"; ja, einmal nennt ihn HEINRICH
III. sogar den Treuesten der Treuen, dem er durchaus nichts
abschlagen könne, eine Ehrung, die weit über den Rahmen der üblichen
Auszeichnungen bei Interventionen hinausgeht.
Untersucht man die Urkunden HEINRICHS
III.
generell, ist augenfällig, dass Markgrafen und Ministeriale
jetzt wieder stärker hervortreten.
Dabei fällt die überwiegende Anzahl der gräflichen
Interventionen auf den Markgrafen Ekkehard II.
Er
vermittelt im ganzen zehnmal: viermal für eigene milites und Getreue
des Königs, die Schenkungen in seinem Comitat erhalten, sechsmal für
Empfänger außerhalb seines Territoriums. Neben seinem Wirken
treten die Vermittlungen anderer Grafen weit zurück. So zeigen uns
die gräflichen Interventionen unter HEINRICH
III. die alle anderen Grafen weit überragende Stellung
des Markgrafen Ekkehard von Meißen.
Ekkehards häufiges
Auftreten als Intervenient, das heißt in der Umgebung des Herrschers,
spricht aber auch für den hohen Stellenwert, den er bei HEINRICH
III. als Ratgeber eingenommen hat. Wiederholt hatte Ekkehard
Zusammenkünfte mit dem Reichsoberhaupt in Goslar und Tilleda.
Hier mögen noch Fragen der Ostmark erörtert worden sein. Aber
wenn er auch in Regensburg, Köln und Pöchlarn angetroffen wird,
dann wird man das als Beweis dafür ansehen können, dass sein
Rat auch für Angelegenheiten gesucht wurde, mit denen er unmittelbar
nicht in Berührung kam.
Ein Bild von der Persönlichkeit des Markgrafen gibt
auch Cosmas von Prag, der ihn fälschlich für den Herzog von Sachsen
hält [Wenn Cosmas Ekkehard
"dux" nennt, dann ist das nicht nur eine Bezeichnung
für die Führerstellung des Markgrafen auf dem Kriegszug. Sie
ist auch Beweis dafür, dass Ekkehard
als Verwalter von zwei bzw. drei Marken eine so hervorragende Stellung
einnahm, dass er dem benachbarten Böhmen als Herzog erschien. Ein
Vergleich mit Gero I. und Ekkehard
I. zeigt, dass Cosmas nicht zuviel gesagt hat. In ähnlichem
Sinne muß auch seine Bemerkung verstanden werden, dass ganz Sachsen
Ekkehard wie seinem König gehorche.].
Er schreibt über ihn: "Fuit enim vir magni consilii et in ordinandis
regni negotiis singulari sollertia perditus et rebus bellicis a puericia
deduitus, sed nunquam belli felices obtinuit successus." Cosmas spielt
dabei auf den im Jahr 1040 erfolglos verlaufenden Feldzug gegen Böhmen
an, an dem Ekkehard als Heerführer
teilgenommen hatte.
Die daneben auch vorkommenden absprechenden Bemerkungen
des Prager Dekans stehen in seltsamen Gegensatz zu den auszeichnenden und
sind leicht als mißgünstig gefärbt zu erkennen. Aber auch
die Lobeserhebungen sind nicht voll zu bewerten, da sie offenbar die Niederlage
des Böhmen-Herzogs leichter erklären sollen.
Alles in allem läßt aber auch dieses Zeugnis
den Schluß zu, dass Ekkehard II. offenbar
ein Mann von ganz besonderem Ansehen beim Hof war und in vertrauten Beziehungen
zur kaiserlichen Familie gestanden ist.
Ekkehards gutes Verhältnis
zum Herrscherhaus wurde sicher auch durch seine Verbindung mit Uta
begünstigt.
Esiko,
der Bruder der BALLENSTEDTERIN,
war nämlich mit einer Vollschwester der Kaiserin
Gisela, der Mutter HEINRICHS III.,
verheiratet [Es handelt sich um dabei um Mathilde,
die - wie die Kaiserin Gisela - eine
Tochter der burgundischen
Königs-Tochter Gerberga
aus deren zweiter Ehe mit dem schwäbischen
Herzog Hermann II. war. Mathilde war zuerst mit Herzog
Konrad I. von Kärnten und dann mit Herzog
Friedrich II. von Ober-Lothringen verheiratet, bevor sie um das
Jahr 1026/27 die Frau Esikos von Ballenstedt wurde.]. Es ist denkbar,
dass Uta
dadurch in den Kreis der Damen um die Kaiserin
Gisela geführt worden ist, wodurch sich die Gunst, der
sich Ekkehard II. bei KONRAD
II. und HEINRICH III. erfreute,
noch verstärkt hat.