Wenskus Reinhard: Seite 385-399
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"Sächsischer Stammesadel und fränkischer Reichsadel"

Nun kennen wir eine Alfered auch als  Frau eines Daedi, der für sie in Dodenhausen (bei Gieboldshausen im Liesgau) tradiert [3390 Trad. Corb. A § 278/B § 17.]. Dadi war jedoch vor Graf Siegfried ebenfalls Graf im Hassegau und um Merseburg [3391 MGH DO I 114 (949). Von Widukind (II 18) zu 939 erwähnt wird und (III 16) mit Wilhelm als 953 Verbannten angeführt.].  Es könnte so aussehen, als ob die Grafen Siegfried und Hermann Söhne dieses Hassegau-Grafen Dadi waren. Daß Siegfried und Hermann Brüder waren, wird weiter durch die Tatsache gestützt, daß Graf Hermann auch einen Sohn namens Siegfried hatte [3392 Vgl. R. Schölkopf (wie Anm. 948) Seite 135, wobei freilich offen bleiben muß, ob bei den hier angeführten Belegen immer der Sohn Hermanns oder Siegfrieds I. bzw. II. von Northeim gemeint waren.]. So scheint, was schon von K. A. Eckhardt angenommen wurde [3393 K. A. Eckhardt (wie Anm. 1007a) Seite 37.], Graf Siegfried der Sohn des Grafen Dadi im Hassegau zu sein.
Dabei ergeben sich jedoch zwei Probleme.
   Die oben angeführte Tradition Daedis soll etwa in das Jahr 967 gehören. Man hat jedoch bisher
   angenommen, dass die Nachricht der Fuldaer Totenannalen zum Jahre 957 März 14 "Ob. Deti
   comes" [3394 MGH SS XIII Seite 198.], sich auf diesen Hassegaugrafen bezieht. Zudem ist Graf
   Siegfried im Hassegau - wie wir sahen - schon seit 961 dort bezeugt. Wenn wir also die Tradition
   vordatieren wollen, was nicht völlig unmöglich ist, müssen wir annehmen, dass sie erst geraume Zeit
   nach dem Tode des Paares ausgeführt wurde, was auch nicht ohne Parallele wäre.
Das zweite Problem betrifft den agnatischen Zusammenhang der sogenannten Merseburger Grafen.
   Wir haben Daedi oben als IMMEDINGER behandelt [3395 Vgl. Seite 134.]. K. A. Eckhardt macht
   ihn, da ihm "im Zweifel" "die Annahme agnatischer Abstammung der Vorzug" genießt, zu einem
   Sohn seines Vorgängers, des Legaten Siegfried, das heißt zu einem Neffen Markgraf Geros. Der
   Graf Hermann und sein Sohn Siegfried wird wiederum von R. Schölkopf unter die ASIG-Gruppe
   gerechnet, weil die esikonischen Grafen von Reinhausen, die ihnen im oberen Leinegau folgten,
   ebenfalls den Namen Hermann als Leitnamen hatten.
Die IMMEDINGER-These hat von vornherein eine gewisse Bedeutung durch den Umstand, dass seit dem 8. Jahrhundert im Hassegau Machthaber belegt sind, deren Namen in der IMMEDINGER-Sippe heimisch waren. Das fängt mit jenem Theodericus an, der 743 und 744 dem Hausmeier Karlmann in der Hochseeburg vergeblich Widerstand leistete [3397 Ann. regni Franc. ad a. 743 und 744.]. Im Jahre 780 sind Albericus (=Alfrik) und Marcoardus (Markward) Grafen im Hassegau, beide mit IMMEDINGER-Namen [3398 UB Hersf. I 14.]. Aus dem 9. Jahrhundert kennen wir einen Wilhelm [3399 Trad. Fuld. 41,77.], der ebenfalls in den Zusammenhang gehört. Der Bruder Markgraf Geros, der 937 gestorbene Legat Siegfried, hatte nicht nur im Hassegau Grafenrechte, sondern auch im thüringischen Altgau und im Westgau, hier 932 gemeinsam mit einem Meginwarch (= Meinwerc) [3400 MGH DHI 32; vgl. dazu K. A. Eckhardt (wie Anm. 1007a) Seite 333f.], mit einem bekannten IMMEDINGER-Namen. Legat Siegfried war der Sohn einer Schwester des Merseburger Großen Erwin, des ersten Schwiegervater HEINRICHS I. [3401 Vgl. R. Schölkopf (wie Anm. 948) Seite 36.] Dieser aber war mit Meginwarch mindestens verschwägert, wie wir aus einem schon besprochenen Gedenkeintrag entnommen haben [3402 Vgl. oben bei Anm. 1155 ff. und 3298.]. Wenn dann nach dem Tode des Legaten Siegfried ein Daedi in seinem Bereich amtiert, hätte das nichts Auffälliges, wenngleich wir nicht wissen, welcher Art die Verwandtschaft war.
Versuchen wir die von K. Schmid schon analysierten St. Galler und Reichenauer Gedenkbucheinträge der Familie Geros und seiner Verwandten noch einmal daraufhin abzufragen, indem wir die Identifizierungen K. Schmids voraussetzen [3403 K. Schmid (wie Anm. 1019b) Seite 211ff.].

A : Cod. sangall. col 222 f
 
 
1. Thiotmar 10.Hassig 19. Engilhart
2. Gero 11. Thietsind 20. Uuipald
3. Iudita 12. Hadalhart 21. Engilhilt
4. Siegfried 13. Uuileca 22. Adelboto
5. Gero 14. Uueldrud 23. Horsmuot
6. Hadeuui 15. Purghart 24. Sigefrid
7. Thiotmar 16. Odelil 25. Kero
8. Gero 17. Thiezud 26. Hadeuui
9. Hasig 18. Uuarrat

B : Cod. aug. col. 263 b
 
 
1. Christin 10. Iudita 19. Ruodpret
2. Hitta 11. Thietsuuind 20. Enna
3.Thietmar 12. Sigeuuind 21. Hadeuih
4. Keo 13. Kero 22. Enna
5. Esih 14. Einihilt 23. Ruidpret
6. Thietsuuind 15. Mathilt 24. Hait
7. Odelhilt 16. Helmerih 25. Ailbert
8. Vval 17. Billing 26. Sieguit
9.Kero 18. Liuthart 27. Hageburc

C : Cod. aug. col. 77 b/78 b/79 b
 
 
 1. Liutgard 20. Atto 39. Gero
 2. Thietmar episc. 21. Vffing 40. Sigibret
 3. Thietmar 22. Gero 41. Hottrih
 4. Hiltigart 23. Iudita  42. Gerburg
 5. Thietmar 24. Sigifrid 43. Hiltigart
 6. Asich 25. Hitta 44. Liutgart
 7. Gero 26. Thietsuuind 45. Helmerih
 8. Christian 27. Tete 46. Imma
 9. Vodalind 28. Egilbret 47. Hadaburg
10.Thietsuuind  29. Emmoga 48. Hiltiuuart
11. Purchart  30. Hadauuich 49. Pie
12. Pruni  31. Zuuentibold  50. Otrih 
13. Baco  32.  Helmerih  51. Pruni 
14. Ingrim  33. Christan  52. Suanagilt 
15. Folchrih  34. Heriman  53. Sigifrid 
16. Eberhart  35. Thietere  54. Tete 
17. Vuihart  36. Voto  55. Theter 
18. Thietrat  37. Thietburg 56. Alflind 
19. Auo  38. Balco  57. Tuotilo 

D : Cod. aug. col. 107 b/109 b
 
 
 1. Liudolf  15. Sigefrid  29. Helburch 
 2. Gerburch  16. Guhtiu  30. Adulf 
 3. Thancsut  17. Enno  31. Mese 
 4. Theotmar 18. Theotsuuid  32. Iudite 
 5. Odelind  19. Botdo  33. Dauid 
 6. Hodo  20. Elmerich  34. Pernhart 
 7. Luitigart  21. Vueltiburg  35. Ruodger 
 8  Theotmar  22. Ferbrin  36. Pernolf 
 9. Hiltigart  23. Amalhart  37. Tapo 
10. Theotmer 24. Atte  38. Christin 
11. Tragaboto  25. Chonrat  39. Cotescalch 
12. Gero  26. Meginger 40. Brun 
13. Iudithe 27. Liuterat  41. Ruodolt 
14. Hitte 28. Vuolferat  42. Adia 

Zuerst wird in A ein Thiotmar (Nr. 1) genannt, dann folgt Gero (Nr. 2) und seine Gemahlin Juditta (3); Geros Söhne Siegfried (4) und Gero (5), sowie seine Schwiegertochter Hadeuui, die Tochter des BILLUNGERS Wichmanns des Älteren (6), schließen sich an. Dann folgt eine Gruppe, die fast identisch auch in B und C wieder aufgeführt wird:
 
A: 7. Thietmar 8. Gero 9. Hasig 10. Hasig 11. Thietsind
B: 3. Thietmar 4. Kero 5. Esich  6. Thietsuuind
C: 5. Thietmar 7. Kero 6. Aisg 10. Theitsuuind

In B folgt die Gruppe unmittelbar hinter den ersten beiden Namen, dem Paar Chrisin und Hitta, das heißt Markgraf Christian und seiner Frau Hidda, der Schwester Markgraf Geros. In C wird die Reihe mit Liutgart eingeleitet, dann folgt der Bischof Thietmar (2), wohl der von Brandenburg (949/68). Es schließt sich ein weiterer Thietmar (3) an, dem eine Hiltigart (4) folgt. Im Anschluß findet sich dann jeweils die erwähnte Gruppe. Dieser Sachverhalt schließt es aus, dass wir in ihr etwa die Kinder des Legaten Siegfried, das heißt die Neffen Geros erblicken dürfen. Am ehesten ist an die Generation der Eltern und Onkel Markgraf Geros zu denken, denn einer der Hasig (wohl Nr. A 10, vielleicht als Sohn von A 9) wird der Führer der Hassegauer sein, der 936 fiel, und Geros Vater Thietmar ist 937 gestorben. Es ist möglich, dass auch mit dem in A an erster Stelle genannten Thiotmar der Vater Geros und Siegfrieds gemeint ist, den gerade A zeigt offensichtlich Wiederholungen: vgl. 4/5/6 und 24/25/26.
Von den übrigen Namen des A-Eintrages könnte Odelil (16) mit der Odelhilt (7) des B-Eintrags, der von Christian eingeleitet wird, identisch sein. Sie steht hier neben Wal (8). Ein Graf Wale, der mit Odelint verheiratet war, erhielt 986 ein Diplom für sein Kloster Walsrode im Loinga, indem diesem Wales Lehen in Wohlsdorf in Serimunt übertragen wurde [3404 MGH DO III 26. Vgl. R. Schölkopf (wie Anm. 948) Seite 113f.]. Serimunt gehörte jedoch zum Machtbereich Markgraf Christians und seiner Nachkommen. Vodalint steht im C-Eintrag unmittelbar nach Christian (8 und 9) und in der D-Reihe zwischen einem Theotmar (4) und dem ebenfalls zum Familienkreis Geros gehörenden Hodo (6). Es kann also kaum ein Zweifel bestehen, dass die Frau Wals eine Frau aus diesem Kreis war. Vielleicht ist sie sogar mit der Odelil bzw. Odelhilt identisch, wenn sie nicht die Schwester Christians war. - Die Thiezud (17) des A-Eintrags entspricht der zweiten Thietsuuind (11) der B-Reihe. In der D-Reihe steht Theotsuid (18) neben einem Botdo (19). Um 1009 hat ein Boda bei der Übergabe seines Sohnes Walh eine familia in Walingarothe (Wollingrode bei Ilsenburg) an Corvey übertragen [3405 Trad. Corb. A § 453/B § 191.]. Der Name Bodo ist in der zweiten Hälfte der Corveyer Traditionen nur einmal als Zeuge zusammen mit zwei Gero, von denen einer neben Thiatmar, der andere neben Ewurwini (= Erwin) angeführt ist, und gemeinsam in der bezeichnenden Gruppe Fredericus, Vilcmarus, Cristin, Thiadricus, Bodo zu finden [3406 Trad. Corb. A § 301/B § 40 (etwa 972).]. Es handelt sich um die Schenkung des Paares Helmericus und Liudwi in "Alfrikesrod" und "Bodonrod"; die Ortsnamen sind beide von Namen abgeleitet, die auch unter den Zeugen auftreten: der IMMEDINGER-Name Alfrik und eben der Bodos. Dass dies kein Zufall ist, zeigt die Tatsache, dass im Eintrag B (Christin/Hitta) eben auch Helmerich (16) angeführt wird, daneben eine Reihe weiterer Namen, die ursprünglich immedingisch waren (15. Mathild, 19. Ruodpret, 20. Enna, 23. Ruodpret, 25. Ailbert). In den jüngeren Reihen C und D ist Helmerichs Name ebenfalls in bezeichnender Nachbarschaft genannt:
C 32/33 Helmerich/Christian und D 17/18/19/20 Enno (Vgl. B 20 und 22)/Theotsuuid/Botdo/ Elmerich. All das läßt keinen Zweifel, dass hier eine Verschwägerung mit einem IMMEDINGER-Zweig vorliegt, die auch durch die Namen des Bruderpaares Thiatmarus/Helmerck zutagetritt, die in jenem Zwergen um 975 tradieren [3407 Trad. Corb. B § 53b.], in dem auch Erdag mit seiner Frau Gerburgh begütert war [3408 Trad. Corb A § 279/B § 18 (etwa 967).]. Erdega folgt jedoch in jener Tradition Helmerichs und Liudwis in der Zeugenreihe unmittelbar hinter Bodo.
Markgraf Christian selbst stammt aber kaum aus diesem IMMEDINGER-Kreis. Wir haben ihn oben [3409 Vgl. oben bei Anm. 1828.] als zur Familie der BILLINGE/AMELUNGE gehörig angesprochen. Diese Zuordnung wird auch durch einen Eintrag bestätigt, wo unmittelbar hinter Helmerich die Namen Billing (17) und Liuthard (18) aufgeführt werden. Es dürfte sich bei Billing um jenen comes handeln, der im pagus Neletici Grafenrechte hatte [3410 Vgl. oben Seite 239.]. Dass diese BILLINGE in die Familie Christians gehören und nicht in die seiner Frau Hidda, das heißt in die Markgraf Geros, wird dadurch deutlich, dass sie im Eintrag Geros selbst (A) und in den jüngeren Reihen C und D fehlen.
Dafür finden wir in Geros Eintrag außer Uuarrat (= Walderad?, Mann Bertas) [3411 Vgl. oben Seite 143 mit Anm. 1211 und 1213.] ein Paar, dessen Bedeutung für die Genealogie des sächsischen Hochadels schon betont worden ist: A 14/15 Uueldrut/Purghart. Dass wir in ihnen das umstrittene hunfridingisch/burkhardingische Paar vor uns haben, wird weiter gesichert durch den von G. Tellenbach untersuchten Gedenkeintrag der schwäbischen Herzogsfamilie aus der Mitte des 10. Jahrhunderts [3412 Vgl. G. Tellenbach, in: Zeitschrift für württembergische Landesgeschichte 15 (1956) Seite 175 und oben bei Anm. 2963f.], in dem auch Sigifredis angeführt wird und in dem der Name Geros (Keroho) nachträglich zugefügt wurde. Der Name Purchard wird nun auch in der jüngeren Reihe C (11) genannt. Hier fehlt aber der Name seiner Schwester Wieldrut. Dafür ist ihr Mann, der billingische Graf Vuichart (17), der Vater des Grafen Bernhard (974 in Duderstadt) mit aufgeführt [3413 Vgl. oben Seite 221f.].
Diese von einer Liutgart angeführte Eintrag wird von K. Schmid [3414 K. Schmid (wie Anm. 1019b) Seite 218f.)] mit einem Diplom OTTOS II. von 978 (D O II 180) in Verbindung gebracht, nach dem die nobilis femina Gerbirin und ihre Tochter Liutgart auf Bitten des Markgrafen Thietmar (982?) ein Gut geschenkt erhielten. Dieses Gut hatte einem anderen Thietmar gehört, der vielleicht mit dem 959 gegen die Slawen umgekommenen Grafen im Harzgau und Nordthüringgau identisch ist [3415 Vgl. R. Schölkopf (wie Anm. 948) Seite 563f.]. Es war an den König (OTTO I.) gefallen, aus dessen Erbe es nun OTTO II. beanspruchte. Das Gut befand sich jedoch in der Gewere der erwähnten Damen, von denen man Gerbirin vielleicht als Frau Thietmars ansprechen darf.
Betrachten wir nun die Eingangsgruppe dieser Reihe C:
1. Liutgart
2. Thietmar episcopus
3. Thietmar
4. Hiltigart
5. Thietmar
6. Asich
7. Gero
8. Christan,
9. Odelint
10. Thietsuuind.
Der Bischof Thietmar ist schon von K. Schmid als der Bischof von Brandenburg (949-968) angesprochen worden. Ihm ist als geistlichem Fürsten dieser Ehrenplatz gegeben, daher läßt sich nicht sagen, ob er Liutgarts Bruder, Vetter ihres Vaters oder vielleicht Sohn des Legaten Siegfried gewesen ist.
Wahrscheinlich war aber Liutgarts Vater Thietmar selbst ein Sohn des Legaten. Wenn sein Gut an den König als Erben fällt, muß er eng mit dem OTTONEN-Haus verwandt gewesen, worauf auch der Name seiner Tochter Liutgart weist. Nun hat Widukind von Corvey in einer viele Spekulationen auslösenden Stelle über den Legaten Siegfried gesagt [3416 Widukind II 2.]: Sigifridus vero, saxonum optimus et a rege secundus, gener quondam regis, tunc vero affinitate coniunctus. Dies sieht so aus, als ob Siegfried zweimal verheiratet war, wobei er beidemale Frauen heiratete, die aus dem Königshaus stammten bzw. mit ihm verwandt waren. K. A. Eckhardt hat aus dieser Stelle in Verbindung mit einem St. Galler Gedenkbucheintrag als Schwester HEINRICHS I. und Gemahlin eine Herminburch/Irminburg erschlossen [3417 K. A. Eckhardt (wie Anm. 1832) Seite 18ff.]. Siegfrieds enge Bindung an das OTTONEN-Haus wird auch in der Gründungsurkunde von Gröningen deutlich [3418 Cod. dipl. Anh. Nr. 2 (936); vgl. R. Schölkopf (wie Anm. 948) Seite 41.]. Die Gründung erfolgte merkwürdiger- und bezeichnenderweise nicht allein zum Seelenheil seiner Familie, sondern auch pro rege gloriosissimo videlicet Henrico, cum serena Machtilde et regia prole Oddone, Henrico, Brun, Gerberg, Haduwin. Hier wird als Siegfried Gattin freilich schon Guthie genannt. Die erste Frau war zu diesem Zeitpunkt (936) also schon gestorben [3419 Auch K. A. Eckhardt (wie Anm. 1832) Seite 20 hat, wenn auch aus anderen Gründen, ihren Tod vor 936/37 ansetzen müssen.]. Unter diesen Voraussetzungen ist der Hinweis von K. Schmid auf die vielen LIUDOLFINGER-Namen der Reihen C und D voll berechtigt [3420 K. Schmid (wie Anm.) Seite 219.].
An dritter Stelle folgt im C-Eintrag ein Thietmar, der entweder der Vater Liutgarts oder aber Markgraf Thietmar sein kann, der Intervenient der erwähnten Urkunde von 978, da als Nr. 8 Christan, der Name seines Vaters, angeführt wird.
Als Nr. 4 folgt eine Hiltigart, der sich die Gruppe Thietmar/Asich /Gero anschließt, die wir oben [3421 Zwischen Anm. 3403 und 3404.] als die Generation der Eltern des Legaten Siegfried und des Markgrafen Gero angesprochen haben. Da wir aus Widukind wissen, dass die Mutter Siegfrieds eine Schwägerin des Merseburger Großen Erwin war [3422 Widukind II 9.] und in den oben besprochenen Einträgen des Grafen Meginwarch [3423 Vgl. bei Anm. 1152.], mit dem Siegfried Grafenrechte im Altgau und Westgau teilte, jeweils Eberwin/Hiltigart nebeneinander genannt werden, liegt der Schluß nahe, dass die in den Einträgen C (4/5) und D (9/10) nebeneinander angeführten Hiltigart und Thietmar das Elternpaar von Siegfried und Gero darstellen.
Nun ist an diesem Eintrag C noch eine merkwürdige Feststellung zu machen. Als Nr. 13 wird ein Mann mit dem seltenen Namen Baco genannt, dem wohl Nr. 38 (Balco verschrieben für Bacco?) an die Seite zu stellen ist. Ein Bacco ist nun als Parteigänger Heinrichs, des aufständischen Bruder OTTOS I., 941 mit einem Erich, einem Hermann unter anderem hingerichtet worden [3424 Thietmar II 21.]. Auch ein Hermann ist in dieser Reihe C zu finden (Nr. 34), wobei offen bleiben muß, ob dieser gemeint ist. Denn es wird unter Nr. 46 auch eine Imma genannt, so dass das oben besprochene Paar in Frage kommen kann [3425 Vgl. oben bei Anm. 3389.]. Aber unter Nr. 48 ist auch ein Hildiwart genannt, wohl der spätere Bischof von Halberstadt (968-996), der ein Sohn des ebenfalls 941 hingerichteten Erich gewesen ist. Der zweite Baco (38. Balco) steht unmittelbar neben einem jüngeren Gero (Nr. 39 - Markgraf Gero ist mit seiner Frau Juditha, seinem Bruder Siegfried und seinen Schwestern Hitta und Thietsuuind unter Nrn. 22-26 enthalten). So werden wir in ihm vielleicht Gero "von Alvensleben" zu erblicken haben, der 979 nach einem Gottesurteil enthauptet wurde [3426 Vgl. R. Schölkopf (wie Anm. 948) Seite 52f.]. Unmittelbar vor diesem Paar sind Vooto (36) und Thietburg (37) aufgeführt, die wahrscheinlich mit ihm eine enger zusammengehörende Gruppe bilden. Nach Thietmar haben Geros Gattin und seine Schwester Tetta zu seinen Gunsten das Kloster Alvensleben gestiftet [3427 Thietmar III 10.]. Thietburg könnte mit Tetta als Koseform gleichgesetzt werden. Der Zusammenhang wird durch einige Corveyer Traditionen dichter. Etwa 996 tradiert ein Brun für seinen Mutter Tade (= Tetta) in Folcburghusen [3428 Trad. Corb. A § 402/B § 141.]. Der erste Baco des Eintrags steht als Nr. 13 unmittelbar hinter Pruni (Nr. 12). Um 991 wieder schenkt Bacca zu Gunsten seines Corvey übergebenen Sohnes Oddo in Habertushus. Auch hier wieder sehen wir "liudolfingische" Namen auftauchen, nun im Zusammenhang mit einem Kreis, der offenbar dazu neigte, sich gegen das Königshaus selbst zu empören. Nun kennen wir aus Habertushus (Habrechtsen, Haberethhusen) aber noch eine andere Tradition, nämlich die des Waldered mit seiner Frau Berta und seiner Tochter Ghysla [3429 Trad. Corb. SA § 361/B § 100.]. Diese sind zwar nicht selbst im Eintrag C genannt, doch finden wir hier den Namen von Berthas Vater Burkhard (Nr. 11, genau vor Pruni/Brun und Baco) und den ihres Sohnes Sigebert (Nr. 40 Sigibret unmittelbar hinter Balco und Gero) - wohl kaum ein Zufall. Nun ist die Familie Sigiberts die des Pfalzgrafen Dietrich, der sein Bruder war. Diese Familie haben wir bereits in einem anderen Eintrag mit ihren wichtigsten Gliedern kennen gelernt [3430 Vgl. oben bei Anm. 3352ff.]. In der Tat stimmen die Reihe C und die jenes Eintrags, den wir hier mit E bezeichnen wollen, in vielen Namen überein:
 
 
Liutgart  C 1 und 44   E 3,36 und 73
Thietmar  C 2, 3 und 5  E   6 und 27 
Hiltigart  C   4 und 43  E  15 
Pruni  C  12 und 51 E  9 und 38 (Brun) 
Iuditha  C  23  E  46 
Sigifrid C  24 und 53 E  22 
Tete  C  27 und 54 E  68 (Thioto) 
Hadauuih  C  30  E  54, 56 und 81 
Heriman  C  34  E  24 
Voto   C  36  E 4 und 76 (Oddo) 
Sigibret   C  40  E 12, 32, 62,63 
Gerburg   C  42  E  43 und 58 
Imma  C  46   E  21 
Hadeburg  C  47    E  48 
 Pie  C  49  E  33 (Bia) 
                                  =  22 von 57           = 26 von 82

Diese Übereinstimmungen sichern unsere Annahme in überzeugender Weise. In E fehlen jedoch die Namen Asigs und Geros, auch die seiner Schwester Hidda und die seines Schwagers Christian sowie Helmerichs. Das bedeutet, dass die Verbindung über andere Familien laufen muß. Für E haben wir oben festgestellt, dass wir mit einer brunonischen Verschwägerung zu rechnen haben [3431 Vgl. oben  bei Anm. 3362ff.]. Damit wird es wahrscheinlich, dass wir auch in einem Teil der "liudolfingischen" Namen der Reihe C solche aus dem brunonischen Komplex vor uns haben. Das Fehlen des Namens Heinrich zeigt ebenfalls an, dass hier nicht die ottonische Hauptlinie gemeint ist. Das erklärt dann aber auch die starke Beziehung dieser Namensreihe zu den Empörern von 941. Offenbar ist das Zurückdrängen der brunonischen Verwandten durch die OTTONEN in diesem Zusammenhang zu sehen. Dieser Eindruck wird verstärkt, wenn wir uns die beiden Einträge C und D nebeneinander ansehen. Auch sie haben eine Fülle von gemeinsamen Namensgruppen, die zum Teil auch mit E übereinstimmen. In D fehlen vor allem die vermutlichen Geschwister des Vaters von Markgraf Gero, Gero und Asig. Dafür wird allein hier der Legat Siegfried (15) neben seiner zweiten Frau Guthiu (16) genannt. Die Reihe wird von einem Liudolf angeführt, der durchaus ein BRUNONE sein kann. Die Vermutung liegt nahe, dass Guthui aus brunonischem Kreise stammt, worauf das angeführte widukindische tunc vero affinitate coniunctus zurückgeführt werden mag. Am ehesten hier in diesem Eintrag D werden wir Nachkommen aus ihrer Ehe mit Siegfried erwarten dürfen. Einen Dedi suchen wir vergeblich.
Dafür finden wir allein den Namen des Markgrafen Hodo (Nr. 6), dessen Zugehörigkeit zur Familie Markgraf Geros schon R. Schölkopf richtig demonstrierte [3432 R. Schölkopf (wie Anm. 948) Seite 49ff.]. Dass dieser unmittelbare Nachfolger Geros (965-993) ein Sohn Siegfrieds war, wird man bezweifeln wollen. Wir werden eher an einen Enkel denken dürfen, dessen Name (= Otto) auch auf die brunonischen Vorfahren zurückweisen kann. Vielleicht war er ein Sohn jenes ungenannten Neffen von Markgraf Gero, der 963 als vir optimus gefallen ist [3433 Widukind III 67.]. Diese Einordnung wird auch dadurch bestätigt, dass nach Hodo (6) seine Kusine Luitgart (7) im Eintrag D angeführt ist. Auch der Name von Hodos Sohn Siegfried, der anfangs Mönch war, zielt in die angegebene Richtung. Da dieser Siegfried ein avunculus (= Mutterbruder) des ASKANIERS Esiko (+ 1059/60) gewesen ist, kann dessen Name über die Schwester Siegfrieds in den Namensschatz der BALLENSTEDTER gekommen sein, wobei es unerheblich ist, ob diese Schwester wirklich wie die Markgraf Geros Hidda hieß, wie eine spätere Überlieferung weiß [3434 Vgl. dazu R. Schölkopf (wie Anm. 948) Seite 51f.]. Es ist freilich möglich, dass der Name Esikos wie der seines Vaters Adalbert aus dem Kreis der Nachkommen der Hessi-Tochter Gisela und des Grafen Unwan stammt, denn ein Enkel dieses Paares hieß Asig, wobei hier seine vielleicht esikonische Mutter Helmburg die Vermittlerin gewesen sein könnte [3435 Vgl. dazu S. Krüger (wie Anm. 5) Seite 85].
Merkwürdig ist der Name Vuolferat im Eintrag D (Nr. 28). Dieser ist identisch mit dem Wludereds für den Hiddi etwa 981 an Corvey tradierte [3436 Trad. Corb. B § 85.], wenn die B-Überlieferung recht hat. Die A-Überlieferung zeigt - wie wir sahen - dafür eine Schwester Hiddis namens Aluered [3437 Trad Corb. A § 349. - Thietmar VII 55 berichtet von zwei Schwestern namens Alwred und Irmingerd (Imma?), die 1017 als Nonnen starben und die eine Verwandte namens Friderun hatten. Die Kombination dieser Namen deutet auf die Familie Hermanns.], mit einem Namen, der dem der Frau Dadis/Daedis und Mutter Hermanns gleicht. Daedi selbst können wir jedoch im ersten der beiden Tete des Eintrags C wiedererkennen. Unmittelbar nach der Gruppe des Markgrafen Gero (22. Gero, 23. Juditha, 24. Sigifrid, 25. Hitta, 26. Thietsuuind) folgt sein Name. Da er mit Alfrad verheiratet war, kann die Thietsuuind kaum seine Frau sein. Sie war möglicherweise seine Mutter und wäre dann am ehesten als Schwester Geros und des Legaten Siegfried zu denken. Ihre Nennung und Stellung in allen vier Einträgen läßt diese Vermutung zwar als verhältnismäßig sicher erscheinen, doch wollen wir das genaue Verhältnis lieber offen lassen, wenn auch die Möglichkeit, dass sie die Frau des Grafen Meginwarch war, der mit dem Legaten die Grafschaft im Altgau und Westgau teilte, erwogen werden kann. Vielleicht war auch dieser erste Tete doch der Mann Thietsuuinda und der Vater des Daedi, den man dann mit dem zweiten Tete (Nr. 54) des Eintrags identifizieren könnte. Dieser steht unmittelbar hinter einem Sigifrid, in dem wir wohl den Hassegaugrafen (961-980) erblicken dürfen, da ja auch sein Bruder Hermann (Nr. 34) und dessen Frau Imma (Nr. 46) im Eintrag vertreten scheinen. Möglich ist es auch, dass dieser zweite Tete ein dritter Bruder Siegfrieds und Hermanns ist und mit jenem Dedi de Wodenswege identifiziert werden kann, dessen Sohn wieder den Namen Gero hat. Dies ist der spätere Erzbischof von Magdeburg (1012-1023) [3438 Vgl. D. Claude, Geschichte des Erzbistums Magdeburg bis in das 12. Jahrhundert I (1972) Seite 285.]. Der Name von Geros Schwester Emnilde ("von Domersleben") stammt aus der Familie ihrer Mutter Eilica, deren Schwestern Mirisuida, Emnilda und Eddila waren [3439 Thietmar VII 55; vgl. R. Schölkopf (wie Anm. 948) Seite 172.]. Ein avunculus Erzbischof Geros war auch Conradus, ein confrater Thietmars von Merseburg [3440 Thietmar IV 74.], der zur Zeit OTTOS III. in Italien starb. Eben dieser Conradus könnte mit dem Chonrat des Eintrags D (Nr. 25) und dem Chuonradus der uns hier besonders interessierenden Reihe E (Nr. 80) identisch sein, denn dieser Name war damals in Sachsen noch nicht häufig. Man wird auch annehmen dürfen, dass diese Familie irgendwie mit Thietmar von Merseburg verwandt war, denn das predium Vodensvege wurde 942 von OTTO I. an dessen Großvater Liuthar verliehen [3441 Thietmar II 21.].
Alle angeführten Tatsachen führen zu der Feststellung, dass der Hassegaugraf Siegfried nicht in agnatischer Linie von dem Legaten Siegfried abstammte, sondern aus einem IMMEDINGER-Zweig, wie anscheinend auch die GOSECKER [3442 Auf Pfalzgraf Siegfried (+ 1038), der allgemein und wohl auch mit Recht als Sohn Burchards betrachtet wird, folgt wieder ein Pfalzgraf mit dem Namen Friedrich (+ um 1042) - sicher ein Verwandter -, dann 1042 kurze Zeit Pfalzgraf Wilhelm, den man mit Wilhelm IV. von Weimar gleichsetzt, und dann die GOSECKER Dedo (1042/56) und Friedrich (1056/88). An sich kann kein Bedenken bestehen, Dedo tatsächlich als erster GOSECKER mit der Pfalzgrafenwürde anzusehen, wie dies der Gosecker Chronist behauptet. Dennoch kann es sich auch bei den GOSECKERN ihren Namen und Besitzzentren nach um eine immedingische Linie handeln, die auf Grund dieser Abstammung zur Würde kam. Die Pfalzgrafenwürde hat anscheinend seit Pfalzgraf Dietrich (+ 995) dauernd bei den IMMEDINGERN gelegen - wenn auch bei verschiedenen Linien, deren Beziehungen zueinander heute schwer feststellbar ist -, bis sie durch Verschwägerung an die SOMMERSCHENBURGER fiel.]. Die weit verbreitete Ansicht, auch noch die R. Kötschkes [3443 R. Kötzschke, Die deutschen Marken im Sorbenland (wieder abgedruckt in: Deutsche und Slawen im mitteldeutschen Osten, 1961) Seite 69 Anm. 15. ], dass die Merseburger Grafen vom 936 gefallenen Asig abstammten, wird bestenfalls auf die Grafen Binizo (Bio) und Esico einzuschränken sein. Diese waren, wie wir sahen [3344 Vgl. oben bei Anm. 3388.], mit Burchard, dem Sohne des Hassegaugrafen Siegfried, nicht eng verwandt. Da der König Esikos Allod einzog, wird man freilich fragen dürfen, ob er nicht auch zu den Nachkommen des Legaten Siegfried gehörte, die aus dessen Ehe mit einer LIUDOLGINGERIN Hausgut dieses Geschlechts innehatten. Auf alle Fälle ist es unmöglich, mit R. Ahlfeld Bio (+ um 995), Esico (+ 1004) und Burchard (+ 1017) als Söhne Siegfrieds von Merseburg (+ 980) hinzustellen, die nach dem Tode ihres Vaters, der noch Graf im Gesamthassegau gewesen sein soll, dessen Grafschaft unter sich aufgeteilt haben [3345 R. Ahlfeld (wie Anm. 3387) Seite 15]. Denn wir kennen gerade die Grafschaft Siegfrieds und Bios aus zwei Grenzbeschreibungen. Die Grafschaft Siegfrieds wird 979 in einer Königsurkunde umschrieben, die sie im Norden durch die Salza begrenzt, in der aber auch unter den civitates dieses Raumes "Meresburch" ausdrücklich genannt wird [3346 MGH DO II 191 (979).]. Keine der hier genannten 18 civitates liegt nördlich der Salza. Dagegen geht aus der Grenzbeschreibung der Grafschaft Bios (Binizos), die uns Thietmar überliefert [3347 Thietmar VI 50.], und die inter Wipperam et Salam er Saltam ac Villerbici fluvios iacet, sich also nördlich der Salza bis zur Wipper, westlich bis zum Wilderbach und ostwärts erstreckte, deutlich hervor, dass die Grafschaft Siegfrieds südlich von ihr lag. Man wird also weiterhin zwei Grafschaften im Hassegau unterscheiden müssen, die mindestens seit Geros Bruder Siegfrid in verschiedener Hand waren. Wie sich diese Aufteilung mit der Tatsasche verträgt, dass Bio auch comes Merseburgenses war [3348 Thietmar VI 50.] und auch Esico comitatus super Merseburg hatte [3349 Thietmar VI 16.], ist nicht völlig klar. Anscheinend waren beide Grafschaften im Hassegau als Pertinenzen von königlichen Amtslehen im Bereich von Merseburg gedacht. Die Sonderstellung Merseburgs geht auch aus einer Wendung des Dipolms OTTO I. (D O I 114) von 949 hervir: in pago Hassigoi et in confinio Mersapurac.
Es bleibt ein weiteres Problem. Wie kam der seit vorfränkischer Zeit von IMMEDINGERN bestimmte Hassegau vorübergehend in die Hand der GERO-SIEGFRIED-Familie? Es ist natürlich möglich, dass die Verwandtschaft mit dem mit IMMEDINGERN verschwägerten Erwin senior hier eine Rolle spielt. Das Problem kompliziert sich noch dadurch, dass auch die -bald-/ASIG-Sippe beteiligt ist.
Der Zusammenhang zwischen frühen IMMEDINGERN und der -bald-Gruppe läßt sich gerade in Thüringen gut fassen. Die Frau Ratpolts und Mutter Asis' hatte den IMMEDINGER-Namen Theotrat. Sie schenkte, wie wir sahen [3450 Vgl. zum folgenden oben bei Anm. 3106ff.], unter anderem Güter in Greußen (Kreis Sondershausen). Hier hat aber auch ein Friedrich an Fulda tradiert [3451 Trad. Fuld. 38, 197. Wenn wir die Tradition eines anderen Friderich (38,39) wie die unmittelbar vorher genannte (38,39) auf Wegeleben beziehen dürfen, hätten wir auch hier eine Besitznachbarschaft mit dem ESIKONEN Horic (vgl. obben bei Anm. 3098).]. Am Ort, den Bosl als Stammsitz der Asis-Familie ansehen wollte [3452 Vgl. oben bei Anm. 3131f.], in Miha, schenkt auch ein Diterich [3453 Trad. Fuld. 38, 254.]. Dass die Namen Diterich und Friderich auch in Thüringen aber zusammen zu sehen sind, bezeugt eine gemeinsame Tradition in Frankenhausen [3454 Trad. Fuld. 38,123.]. Auch jener rätselhafte Graf Diterich, der in der Zeit des Fuldaer Abtes Ratgar (802/17) seinem Kloster eine große Schenkung an 14 niederhessischen Orten macht [3455 Trad. Fuld. 6, 97. Vgl. dazu E.E.Stengel (wie Anm. 1189) Seite 26.], scheint in diesem Zusanmmenhang zu gehören, den in Alt-Morschen, einem dieser Orte, ist wieder auch Ditbald (Theotbald) als Tradent bezeugt [3456 Trad.Fuld. 6, 105. Vgl. oben bei Anm. 3170.], der sicher zur Familie gehört, da auch Erlwin hier tradiert [3457 Trad. Fuld. 6, 107.], der für Theotrat jene schon oben erwähnte Seelgerätstiftung machte [3458 Vgl. oben bei Anm. 3171.]. Ganz mit Recht hat Metz hier auf die -bald-Gruppe in den Weißenburger Traditionen hingewiesen [3459 W. Metz (wie Anm. 1606) Seite 300.]. Am gleichen Ort zeigt sich aber auch schon die Verbindung dieser -bald-Gruppe mit den "Nibelungen"-Kreis in der Tradition eines Liutfrid [3460 Trad. Fuld. 6,141.]. Aber auch die eigentlichen "ESIKONEN" zeigen deutlich ihre immedingischen Beziehungen. Den Namen Alfrik (Alberich) hat die Familie Asigs von ihnen übernommen [3461 Vgl. oben bei Anm. 3292ff. und 1031ff. Auch die späteren Grafen von Plötzkau hatten einen Alverich als Ahnherrn. Möglicherweise stammen sie aus diesem Traditionskreis.]. Aber auch der Gotenname Adalrich (Enkel Theoderichs des Großen), den der erste Asig selber führte (Asig qui et Adalricus), der unter den -bald-Namen seines Vaters (Hildebold) und seiner Brüder (Folcbold, Adalbold) herausfällt, dürfte erst über den aus dem gotischen Sagenkreis stammenden Namen seiner Mutter Swanehild in die Familie eingebracht worden sein. Dass auch er - wie manche andere Namen des AMALER-Hauses - bei den IMMEDINGERN ursprünglich zu finden war, könnte die Tradition des IMMEDINGERS Adalward für einen Adalric von etwa 840 zeigen [3462 Trad. Corb. A § 108.], wen die A-Überlieferung die richtigen Namensformen bringt, was aber nicht sicher ist. Umgekehrt heißt die villa im Hassegau, die zu Gunsten des immedingischen Grafen Wilhelm im 9. Jahrhundert an Fulda geschenkt wird, Wigbaldesdorf [3463 Trad. Fuld. 41, 77. Vgl. oben bei Anm. 3399.]. Uuipald ist jedoch der einzige Name der -bald-Gruppe, der sich bis in den Eintrag Markgraf Geros (A Nr. 20) gehalten hat. Alles deutet also auf eine frühe Beziehung dieser drei Familienkreise, die mindestens in den Anfang des 9. Jahrhunderts zurückgeht.
Wir haben oben die Vermutung geäußert [3464 bei Anm. 3435.], dass der Name Asig in die Familie Unwans und der Hessi-Tochter Gisela über ihre Schwiegertochter Helmburg hineingekommen sein kann. Auch hier ergeben sich jedoch unter Umständen frühere Verbindungen. Denn an bemerkenswert vielen Orten mit BILLINGE-Schenkungen im Mittelrheingebiet finden wir auch -bald/-bold-Namen [3465 Hildebald in Illingen (vgl. bei Anm. 1675) und Wannendorf (vgl. bei Anm. 1619ff.); Ratbald in Göns (vgl. bei Anm. 1621); Theotbald in Langendorf (vgl. bei Anm. 1630); Erkenbolt gar im Billinger Hof (vgl. bei Anm. 1648).]. So kann die Frage auftauchen, ob nicht gar der Name Asig aus der Familie Giselas selbst stammt, aus der Familie Herzogs Hessi selber. Dem scheint zu entsprechen, dass der Name Asig sowohl im nördlichen Hessen an der Diemel aber auch im Hassegau an der Saale zuerst auftritt. Die "ESIKONEN" würden damit zur "hessischen" Sippe schlechthin. Doch kann diese vage Vermutung - vorerst wenigstens - kaum weiter abgestützt werden. Wir kennen zwar noch drei weitere Grafen des Namens Hessi, deren Verbindungen weisen aber in andere Richtung. Den ersten und zweiten reiht S. Krüger in die "HESSI"-Sippe [3466 S. Krüger (wie Anm. 5) Seite 85.] ein, ohne dafür andere Anhaltspunkte zu geben als den Namen. Hessi comes (+ 779) ist sonst völlig unbekannt [3467
Ann. necrol. Fuld. MGH SS XIII Seite 166. Die Lorscher Überlieferung kennt nur einen zeitgenössischen Priester Hassi, der als Schreiber einer Urkunde für für Gumpert in Neuenheim genannt wird (CL 274, 765). Den Weißenburger Quellen ist der Name völlig fremd. In St. Galler Urkunden wird ein Hesso dieser Zeit gelegentlich als Zeuge genannt (St. Gall. UB I 24, 759; I 33, 762).], und der zwischen 837 und 866 im Grabfeld mehrfach bezeugte Graf Hessi hat durch einen Vasallen Nordmann 866 Gut an drei Orten im Grabfeld tradieren lassen [3468 CD Fuld. 589.], wovon zwei (Eyershauisen und Herbstadt bei Königshofen) auch in der großen Schenkung der Emhild von Milz genannt werden [3469 Fuld. UB I 264 (799/800).]. Emhild aber haben wir auch im Zusammenhang mit der Nibelungengruppe mehrfach nennen müssen [3470 Vgl. Seite 501.]. Und eben in diese führen auch die Verbindungen des jüngsten Grafen Hessi, dessen Verwandtschaft wir etwas besser kennen. Er hatte zwei Brüder mit Namen Liutperaht und Gozpracht, wie wir aus seiner Schenkung aus vier Orten bei Weimar - darunter aus Vippach - wissen [3471 Trad. Fuld. 38, 237. In Trad. Reg. 507 (etwa 1048) zeugt einn Hesso unmittelbar neben Gozperht. Aber schon 833 ist ein Hessi in einer regensburger Zeugenliste unter anderem mit einem Rihpald zu finden; Trad. Reg. 26.]. In Vippach hatte vorher ein Reginfrid mit seinem Sohn Liutbraht tradiert [3472 Trad. Fuld. 38, 179. Vgl. oben bei Anm. 1628ff.]. Wir werden in ihnen Hessis Vater und Bruder zu sehen haben. Aus einer weiteren Tradition Hessis im Saalegau aus dem Jahre 923 erfahren wir den Namen seines Sohnes Ruodolf [3473 CD Fuld. 674.]. Im gleichen Jahr scheint er gestorben zu sein [3474 Ann. necr. Fuld. MGH SS XIII Seite 192.]. Nach allen ist es vielleicht kein Zufall, wenn der einzige sächsische Namensträger des späteren 9. Jahrhunderts (Hassa) als Zeuge neben einem Gerho in der Traditiion Reinberns, des Vaterbruders der Königin Mathilde, angeführt wird [3475 Trad. Corb. A § 229/B § 454.].