Siegfried Hirsch

„Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Heinrich II."  1862-1875

Dedo ist der Bruder des Friedrich von Eilenburg, den wir eben kennengelernt haben; damit ist auch er als Verwandter des Markgrafen Rikdag bezeichnet. Beider Vater Theoderich scheint schon in den Tagen OTTOS DES GROSSEN mit Auszeichnung genannt worden zu sein: er hat den Geburtsstand des sächsischen Edeling mit Rikdag, dem Haupte des Hauses, geteilt [Annalista Saxo 1009: pater ejus erat tempore primi Ottonis nomine Theodericus, egregie libertatis vir (Ganz ebenso 983; qui Dedo natus Teoderico, egregie libertatis viro; der Annalist schrieb hier offenbar seine Quelle zweimal ab.). Dass dieser mit dem in der Sarazenenschlacht von 982 gefallenen Dedi identisch, ist eine durch nichts begründete Vermutung Neuerer.] und wird, als dieser zur Mark Meißen gelangt war, einen zugehörigen Burgward des Namens Buzici - wahrscheinlich das heutige Pausitz bei Leipzig [Von dem Wust der Conjecturen, die sich an das berufene "de tribuquae Buzici dicitur" bei Thietmar VI. 34 knüpfen, scheint mir diese die läßlichste. (Sie empfiehlt sich auch dadurch, dass wir seit 991 bestimmt den Erzbischof Gisiler von Magdeburg im Besitz von Pausitz wissen. Von diesem Gönner erhielt es wahrscheinlich die Familie zu Lehen. Früher hatte der Ort dem Grafen Becilin - Bio - gehört. Vgl. die Bestätigung OTTOS III. über den Tausch zwischen Gisiler und Becilin vom 18. September 991 bei Höfer I, 531, wo es von dem Ersteren heißt: econtra ex parte beneficii praelibati Becelini comitis ... in suum et ecclesiae, cui praesidet, jus recipieus villam quandam Buszi nuncupatam, in ipsius comitatu sitam etc.). Die älteren Hypothesen, dass das Gebiet an der Bode (Bude) um den späteren Ort Grimmersleben (wendisch "Budizeco"), oder gar der Name des Bucco, Burchard, der alten Herzoge von Thüringen, gemeint sei (vgl. Ritter, Älteste meisnische Geschichte Seite 173; den neuesten chimärischen Stammbaum dieser Art bei Wersehe, Verteilung Seite 59) verdienen keine Beachtung: Wedekinds Ausführung (Noten II, 244), dass "Zurbici" zu sein, scheitert, von sonstigen Bedenken abgesehen daran, dass Thietmar die Erwähnung des Burgwards Zurbici in demselben Kapitel anders gemacht hätte, wenn der Name wenige Zeilen vorher schon genannt worden wäre. Übrigens will er sichtlich auf den geringen Ursprung des Hauses hinweisen.] - zu Sitz und Amt erhalten haben.
So schmal die Grundlage dieser Macht, so hatte sie doch das Unglück der Hauptlinie überlebt [Von Rikdags Sohn Karl teilt Thietmar VII, 4 mit, dass er 1014 gestorben, dass er aber "omne suimet benefitium injuste accusantium turgida inflatione et nulla sui prius perdidit et illatum facinus acquanimiter portavit". In einer Urkunde OTTOS III. vom 6. Januar 992 erscheint Karl noch als Graf im Suevagau, über denselben Ort (das Walbeck am Welfesholze), darüber auch sein Vater Rikdag die Grafenrechte geübt hat (siehe Urkunde OTTOS III. vom 5. Februar 985, Böhm. 629). Ob nun Thietmars "omne" so buchstäblich zu verstehen, dass Karl auch diesen Komitat später verloren, oder ob, wie Eccard, Histor. geneal. princ. Saxon. sup. Seite 161, weil er bloß bei der Nachfolge in der Mark Meißen übergangen worden, jenen innersächsischen Komitat aber behauptet hat, steht dahin. Annal. Saxo 1009 läßt den Dedo auch ihm dienen. Ob mit Recht?]. Mag Thietmar, der natürlich auf den Verderber seines Hauses übel zu sprechen, dem Dedo auch nachsagen, dass er in OTTOS II. Zeit bei jenen von der Verbindung Heinrichs des Zänkers und der Böhmen ausgegangenen Händel wider das Reich gestanden, dass er mit einer böhmischen Schar die Verwüstung bis gen Zeitz getragen und hier seine eigene Mutter als Gefangene von dannen geführt habe: einem Mann wie ihn der ausgezeichneten Begabung des Leibes und des Geistes vereinigt war das alles vergessen. Beim Regiment OTTOS III. in Gnaden, hatte er, als Bio Graf von Merseburg starb und dessen Ämter und Lehen verteilt wurden [Den eigentlichen Merseburger Komitat erhielt damals Esico, vgl. Thietmar VI, 12 und Band I, 326, auch Kreyssig, Beiträge I, 299. - Nach bekannter Manier haben dann die Genealogen danach den Bio, Esico und Dedo zu Brüdern gemacht, vgl. Ritter Seite 173.], auf Gisilers Betrieb den Komitat über den Bezirk von der Mündung der Wipper in die Saale, diese aufwärts bis zur Mündung der Salze, dann diese aufwärts bis zum Wilderbach, und von da wieder zur Wipper erhalten - ein Anfang zu Amtsmacht auf dem altsächsischen Boden und ein Gebiet, zu dem man schon sonst Beziehungen hatte. Es grenzte an jenen innerhalb des Suevagaues gelegenen Komitat, in dessen Besitz wir Rikdag, eine Zeit lang auch dessen Sohn sahen, Kloster Gerbstädt, die Stiftung Rikdags, die sich lange als ein wichtiger Mittelpunkt für das Haus WETTIN erhielt, lag darin. Man gewann damit den Abschnitt der Saale, an dessen rechtem Ufer sich Wettin, bald selber die Hauptburg des Hauses erhob [Der Name des Ortes erscheint übrigens schon früher. So in der Urkunde OTTOS I. vom 29. Juli 961, Böhm. 250 unter den Flecken (civitates), deren Zehnten dem Kloster St. Mauritius zu Magdeburg geschenkt werden.]. Leicht schritt man schon damals hinüber: im Bunde mit seinem Bruder Friedrich hatte Dedo den Burgward Zörbig als ein Lehen seiner Vorgänger vindicit. Hier stieß man dann an die sogenannten Gaue Siusli und Quecici, Bezirke, in denen eben Friedrich das Grafenamt des Reiches verwaltete [Wegen des ersteren siehe Thietmar VII, 35, wegen des anderen die Urkunde OTTOS III. vom 31. Januar 1000 bei Höfer I, 157, wo es von dem Ort Gubici heißt, er sei gelegen "in comitatu Friderici comitis, in pago autet Quezici dicto, in burgwardio Illburg". An den ersteren erinnert noch Sanselitz nordwärts Delitzsch, an den anderen Quesitz bei Markranstädt. Damit wie mit Eilenburg selbst ist man ander Wiege des Hauses, dem Pausitz, wieder sehr nahe.].
Dieser sich also abrundenden Macht gab Dedo durch seine Ehe mit Thietburg, der Tochter des weiland entsetzten Markgrafen Theoderich, eine entschieden feindselige Richtung gegen das Haus WALBECK. Immer möglich, dass damit auch einige von den Tagen seines Schwiegervaters hier noch verbliebene patrimoniale Interessen innerhalb der Nordmark ihm zufielen [Dafür spricht sein eigener Aufenthalt in der Nordmark und etwa noch der Umstand, dass es doch wahrscheinlich sein Enkel Dedo ist, dem im Jahre 1035 die Besetzung von Werben angehört.].
Werner, der damalige Inhaber der Nordmark, in Gut und Bös das Bild des deutschen Rittermannes jener Tage, gab durch sein keckes Wesen gewiß Anlaß genug zu übler Nachrede und damit zu Klagen, die auf den König Eindruck machen konnten. Wir erfahren, dass schon bei jenem Juniaufenthalt HEINRICHS zu Magdeburg Betreibungen Dedos im Gange waren, ihn um Amt und Würden zu bringen: sie gelangten nicht ans Ziel, weil Werner zur selben Zeit aufs Krankenlager kam, und Pfalzgraf Burchard gern diesen Umstand benutzte, die Hegung des Gerichts, bei den er doch die Hauptperson, zu vertagen.
Kaum aber hatte der König den Rücken gewandt, so entlud sich der Geist der Selbsthilfe in seiner vollen Unbändigkeit. Auf Dedos Anschlag und unter seiner Mitwirkung ward Wolmirstädt, ein zu dem WALBECKER Allode gehöriger Ort [„Urbs patris ejus et nostra" bei Thietmar VI, 33. Auch nach Werners Entsetzung scheint es die Residenz des Hauses geblieben: hier findet Thietmar die Liutgard auf dem Sterbelager. Thietmars Notiz: "Sclavonice Ustiure, co quod Ara et Albis finvii hic conveniunt" ist von Interesse, weil sie den Beweis verstärkt, dass die Elbe hier ehemals einen andern Lauf hatte, dass sie schon bei Wolmirstädt oder Elveboin die Ohre aufnahm, und dann in deren Bette auf Regätz fortfloß.], geplündert und in Asche gelegt. Da entschloß sich denn Werner zu ausgesuchter Rache. Mit einer Schar von 20 - sein Vetter, unseres Thietmar Bruder, darunter - wählte er sich einen hohen Punkt beim Dorfe Mose [Nahe bei Wolmirstädt. Es muß damals dem Mosedigau einem Südabschnitt des Balsamgaues den Namen gegeben haben; späterhin war es unbedeutend.], dem Feinde, der von Tangermünde her vorbeikommen mußte, und dessen Weg sich hier auf eine weite Strecke hin übersehen ließ, aufzulauern. Man dürfte sein Tun nicht als Meuchelmord brandmarken: es war in der Art Fehde, in der man einmal lebte, nur ein erlaubter Vorteil, dessen er sich bediente. Der Andere hatte das Übergewicht der Zahl: mit mehr als 40 erschien er an der verhängnisvollen Stelle. Doch bald floh alles; nur Dedo und ein getreuer Rittersmann, der an seiner Seite blieb, blieben auf dem Platze - 9. Juli 1009.
Eben zu Pöhlde erfolgte die Bestätigung Theoderichs, des Sohnes des Dedo, in dem gesamten Umfang der Ämter und Lehen seines Vaters. Theoderich hat später mit dem ohne männliche Nachkommenschaft ausgehenden Oheim Friedrich ein Abkommen geschlossen, danach ihn dessen Hauptsitz Eilenburg zufiel, jener aber das Recht erwarb, all sein übriges Erbgut an seine Töchter zu bringen. Als Friedrich dann - 1017 - mit Tode abging, handelte der König im Geiste dieses Familienpaktes, und Theoderich ward der Erbe der Komitate des Oheims. Er hatte überdies die Schwester Markgraf Hermanns von Meißen geheiratet, sich selber zum Verderben, seinem Hause dagegen wohl zu künftigem Wachstum [Sein Schwager Ekkehard II. sandte ihm 1034 die Meuchelmörder, Annal. Hildesheim, 1034.].