EILENBURG
 

Neues großes Volkslexikon: Band 2 Seite 570
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Eilenburg
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Kreisstadt im Bezirk Leipzig an der Mulde

Eilenburg, benannt nach der Ilburg, im 10. Jh. auf dem Boden einer Sorbenschanze errichtet, kam um 1000 an die WETTINER. Die Stadt entstand um 1150, fiel 1364 an Böhmen, 1402 an Meißen, 1815 an Preußen.



Eilenburg
Frühdeutsche, 961 ersterwähnte Burganlage HEINRICHS I. über der Mulde anstelle slawischer Wallburg (Sorbenturm, 12. Jh.) im Gau Quesici, in ihrem Schutz städtischer Entwicklung auf Muldeninsel, gefordert durch die vom Merseburger Peterskloster ausgehende flämische Kolonisierung des Gebiets, Ende 12. Jh. Planstadt mit Fernhandelsstraße Leipzig-Eilenburg-Belgern als Längsachse und großem Straßenmarkt um Rathaus (1544/45) und Stadtkirche.
Nach Erwerb der Nieder-Lausitz 1046 wurde Heinrich von Eilenburg aus dem Hause WETTIN 1089 die Mark Meißen übertragen, Geburtsstunde des späteren wettinischen Territorialstaates und 1889 Anlaß pomphafter 800-Jahr-Feiern des sächsischen Königshauses. Das Erbe der 1123 erloschenen Eilenburger gräflichen Linie der WETTINER mußte Konrad von Wettin gegen Kaiser HEINRICH V. verteidigen, der die Mark Meißen als Reichslehen einzog und an seinen mächtigsten Parteigänger im Gebiet, den Grafen Wiprecht von Groitzsch ausgab. Konrad verbündete sich mit dem Sachsen-Herzog Lothar von Supplinburg, dem siegreichen Fühhrer der Adelsopposition in der Schlacht am Welfesholz 1115. Eine nach Eilenburg berufene Adelsversammlung beider Markgrafschaften bestätigte schließlich die Erhebung Konrads. Kurz nach dem Wormser Konkordat von 1122, der Beilegung des Investiturstreites, warf dies ein bezeichnendes Licht auf die Schwächung der Zentralgewalt, die auch LOTHAR als späterer Kaiser nicht aufhalten konnte. Alleinige Sieger blieben die partikulare Interessen verfolgenden Fürsten, so im ostmitteldeutschen Raum die WETTINER, zumal nach dem Aussterben der Grafenlinien von Groitzsch 1136 und Rochlitz 1146.
Wellcher Aufstieg in der feudalen Lehnspyramide auch dann noch möglich war, zeigt das Beispiel der Herren von Ilburg. 1172 wurden sie als markgräflich Vögte über Burg und Stadt Eilenburg eingesetzt. Schrittweise bildeten sie die ihnen übertragene Amtsgewalt in erbliche Herrschaft um, wandelten ihre Ministerialen-Dienstrechte in Lehnrechte um; Hofdienste als Schenken, Truchsesse, Küchenmeister und Marschälle gaben ihnen unmittelbaren Einfluß auf die wettinischen Landesherren. Sie stiegen zu einem der reichsten Adelsgeschlechter des wettinischen Landes auf, den SCHÖNBURGERN und den reichsunmittelbaren Vögten von Weida vergleichbar. Eigene Vasallen, so die zu Zschepplin, Hohburg oder Belgern, und schließlich der Besitz zahlreicher Dörfer und Rittergüter, dazu der Stadt Mühlberg mit eigener Münze, rundeten ihre Machtstellung. Durch große Lehen (Mühlberg, Bad Liebenwerda) und Güter in der Lausitz, in Böhmen und Brandenburg entfernten sie sich allmählich von Eilenburg und wurden nach dessen Verkauf 1376/86 unter den Namen EULENBURGER eines der bedeutendsten ostpreußischen Adelsgeschlechter.