Meginwarc (Meginwarch)              Graf in Thüringen
--------------------------------
    -15.7.937
 

Sohn des Grafen N.N. aus der IMMEDINGER-Sippe
Nach R. Wenskus verschwägert mit dem Senior Erwin, Schwiegervater von König HEINRICH I.
 

Schölkopf Ruth: Seite 128-133
*************
"Die sächsischen Grafen 919-1024. Studien und Vorarbeiten zum Historischen Atlas Niedersachsens 22."

Dieser Meinwerk könnte mit Graf Megenward verwandt gewesen sein, der unter HEINRICH I. als Graf über mehrere Komitate in Thüringen urkundlich bezeugt ist. Vielleicht setzte ihn HEINRICH I. erst auf Grund seiner Versippung mit den IMMEDINGERN in den thüringischen Interessengebieten der LIUDOLFINGER als Graf ein.
Eine Urkunde von 932 [3 DH. I. 33 von 932.] bezeugte Megenward als Graf in pago Languizza, in dem der Ort Hausen in seiner Grafschaft lag. Aus dem gleichen Jahr datierte eine Urkunde, die einen Tausch zwischen HEINRICH I. und dem Kloster Fulda rechstskräftig machte [4 DH. I. 34 = Cod. dipl. Fuld. 678.]. Tauschobjekte waren Tribur in pago Engilin und Ichstedt im Nabelgau, die beide zu den Grafschaftsbezirken Megenwards gehörten. Dazu umfaßte seine Herrschaftsgebiet einen Comitat im Westgau, aus dem die Orte Barchfeld und Frauen-Breitungen dem Kloster Hersfeld als Tauschgüter zugesprochen wurden [5 DH. I. 35 von 933.]. Eine zweite Tauschurkunde zugunsten des Klosters erwähnte Güter, die im Alt- und Westgau und in den Grafschaften der Grafen Meginward und Siegfried lagen. Der Amtsbereich Meginwards erstreckte sich also über Grafschaften im Altgau, Lanfwitzgau, Nabelgau, Englin und Westgau und somit über den größten Teil des inneren Thüringens mit Ausnahme der Randgebiete. Es gelingt nicht, ihn in irgendeine der bekannten thüringischen Grafenfamilien einzuordnen. Nur mit Vorbehalt möchte man ihn mit den IMMEDINGERN in Verbindung bringen.

Hlawitschka Eduard: Seite 72,96
*****************
"Untersuchungen zu den Thronwechseln der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts und zur Adelsgeschichte Süddeutschlands. Zugleich klärende Forschungen um „Kuno von Öhningen“

Das Problem der Stellung Wendilgards in der Familie der LIUDOLFINGER/OTTONEN, in der der Name Wendilgard überdies gar nicht unbekannt ist [240. Hinzuweisen ist auf einen Eintrag einer heute verlorenen Seite des St. Galler Verbrüderungsbuches, den uns Melchior Haiminsfeld Goldast, Alamannicarum rerum scriptores aliquot vetusti II, 2, Frankfurt 160, Seite 186 (vgl. auch P. Piper, MG Libr. confr., 1884, Seite 84), überliefert hat. In ihm ist Vuendilgart innerhalb einer langen Reihe von Namen zu finden, die mit Heinricus Rex, Mathilt Regina, Otto, Heinricus, Haduuuich, Herminburch, Sigifrid comes, Cuotchind ... etc. beginnt. Leider läßt sich nichts Bestimmtes mehr über die ursprüngliche Gestaltung, die innere Gliederung und eventuelle Abgrenzungen des Eintrags ausmachen, so daß er nicht zusätzlich als vollwertige Stütze unserer Darlegungen herangezogen werden kann. - Es ist aber des weiteren zu beachten, daß im Anschluß an die ersten vier Äbtissinnen (Hathumod, Gerberga I., Christina, Liudgard) des von Herzog Liudolf (+ 866) gegründeten Klosters Gandersheim, die allesamt nachweislich Töchter (1.-3.) bzw. nahe Verwandte (4.) des Klostergründers Liudolf waren, nach einer nur knapp bezeugten Hrotsuit (5.) als 6. Äbtissin in Gandersheim eine von 933-949 tätige Wendelgart nachweisbar ist, für die indessen - ebenso wie für ihre Vorgängerin - keine Herkunftsangaben überliefert sind. Vgl.  dazu H. Goetting, Gandersheim (= Germania Sacra NF 7) Seite 288ff. Stellt man dann weiter fest, daß Wendilgards Nachfolgerinnen Gerberga II,, Sophie, Adelheid I., Beatrix und Adelheid II. wieder aus dem ottonischen, dann aus dem salischen Königshaus stammten, so scheinen - wenn man nicht Hrotsuit und Wendelgart als Aussnahmen betrachten will - bis 1096 eigentlich alle Gandersheimer Äbtissinnen mit dem Gründer und seiner Familie in verwandtschaftlicher Verbindung gestanden zu haben; das heißt Gandersheim scheint ein Hauskloster der LIUDOLFINGER/OTTONEN gewesen zu sein, in dem nur Angehörige dieses Geschlechtes zur Leitung gelangten. Dann hätte man also eine Wendilgard auch auf diese Weise unter den OTTONEN-Verwandten nachgewiesen. - Wenn man dazu eine Wentila (Kurzform von Wendilgard?) im Zusammenhang mit der Familie des Grafen Meginwarch bezeugt findet (vgl. K. Schmid, Fratres von Halberstadt Seite 119), für die wir nahe Verwandtschaft mit König HEINRICH I. aufzeigen können (vgl. unten Kapitel IIa bei Anm. 43ff.), so dürfte immerhin soviel sicher sein, daß der Name Wendilgard im Verwandtenkreis HEINRICHS I. geläufig war.], löst sich, wenn man in der etwas umständlichen Formulierung Heinrici regis de filia neptis die beiden Worte de filia als vermutlich später eingefügte Erläuterung zu neptis ansieht.
Nach einen Sigipert - zu ihm siehe weiter unten - folgt sodann als sechster Name Meginvvarch. Sein Träger ist erst jüngst von K. Schmid mit dem in HEINRICHS I. Zeit öfter bezeugten, in Thüringen tätigen und 937 verstorbenen Grafen Meginwarc in Verbindung gebracht worden, der eine unter der Überschrift Haec sunt nomina fratrum Haluerstedensis (!) zusammengefaßte, ins Reichenauer Verbrüderungsbuch eingeschriebene und dabei in der ersten Hälfte nachweislich aus Verwandten bestehende Gruppe von Laien anführt [43 K. Schmid, 'Fratres' von Halberstadt Seite 117ff., besonders Seite 129f.]. Da nun auch der den gleichen Namen tragende Bischof Meinwerc von Paderborn (1009-1036) in ecclesia beati Stephani protomartiris in civitate Halverstadensi ad clericatus officium a parentibus est oblatus [44 Vita Meinwerci episcopi Patherbrunnensis c. 2, ed. F. Tenckhoff Seite 6.], ist wohl kaum zu bezweifeln, daß er der Sippe des ersteren so eng mit Halberstadt verbundenen Grafen entstammte [45 In sanctae Halberstedensis ecclesiae gremio a primis annis wurde übrigens auch Bischof Dietrich von Metz, der Sohn von König Mathildes Schwester Amalrada und des Grafen Eberhard von Hamaland, erzogen; vgl. Sigebert von Gembloux, Vita Deoderici ep. Mett. c. 2, MG SS IV Seite 464.]. Bischof Meinwerc wiederum war regia stirpe genitus; er hat als Kaiser OTTOS III. capellanus amabilis, qui nostram ut propriam diligit vitam [46 MG DO O III, 417.], fungiert; er war dem Kaiser HEINRICH II. carnis propinquitate ... notissimus und ist von HEINRICH II. in seinen Urkunden desgleichen als nepos noster bezeichnet worden [47
Einzelnachweise bei R. Schölkopf, Die Sächsischen Grafen 919-1024, Göttingen 1957, Seite 129.]. Dadurch ist doch wohl auch der ältere Meginwarc, über den die später vorausgesetzten Beziehungen geknüpft worden sein müssen, hinreichend als Königsverwandter ausgewiesen [48 Wenn Bischof Meinwerc von Paderborn nach den dargebotenen Belegen Verwandter beider OTTONEN-Linien - und zwar der von OTTO III. auf OTTO I. und der von HEINRICH II. auf OTTOS I. Bruder Heinrich zurückgehenden - war, dürfte diese Verwandtschaft gewiß aus dem nahen Umkreis HEINRICHS I. herrühren; das heißt der ältere Meginwarc wird allso eine naher Verwandter König HEINRICHS II. gewesen sein. - J. M. van Winter, Die Hamaländer Grafen als Angehörige der Reichsaristokratie im 10. Jh., in: Rhein. Vjbl. 44, 1980, Seite 19f., möchte die oben genannten, den Bischof Meinwerc betreffenden Angaben - er sei regia stirpe genitus und ein nepos HEINRICHS II. aus karolingischem Geblüt erklären. Meinwerc wird dabei richtig über seine Mutter Adela von den Grafen von Hamaland und denen von Flandern und schließlich von KARL DEM GROSSEN hergeleitet (6 Generationen); doch in HEINRICHS II. Herleitung (gleichfalls über 6 Generationen) über seine Mutter Gisela von Burgund von König Konrads von Burgund Gemahlin Mathilde und über diese weiter von den französischen KAROLINGERN und von KARL DEM GROSSEN steckt ein arger Fehler. Gisela hatte bekanntlich nicht König Konrads zweite Gemahlin Mathilde, sondern Konrads erste Frau Adela(na) zur Mutter! Damit erübrigt sich ein solch andersartiger Erklärungsversuch der Königsverwandtschaft Bischof Meinwercs völlig. - Wie man sich die Verwandtschaft Meinwercs mit HEINRICH I. vorstellen könnte, siehe bei K. Schmid, Die Nachfahren Widukinds, in: DA 20, 1964, Seite 16 und 29.].
Das Namenspaar Ekehart und Prun kommt zudem in enger Beziehung zum oben bereits genannten gener regis Siegfried und zu dessen Bruder, Markgraf Gero vor, wie ein weiterer Eintrag des Reichenuaer Verbrüderungsbuches zeigt, in dem auch Meginuuart auftritt [50 K. Schmid, 'Fratres' von Halberstadt Seite 133.].
Die nachfolgenden Namen Theoto, Uuitolt, Kozmar, Uuitpert, Kerlind bezeichnen schließlich, ohne daß sich freilich ganz Präzises sagen läßt, nun aber auch noch eine dem Königshaus nicht ganz fremde Gruppe: Kerlind war nämlich Meginwarcs Gemahlin, und Theoto, Uuitolt, Kozmar und Uuitpert standen - wie mehrere Gedenkeinträge zeigen -  mit Meginwarc und Kerlind in naher Beziehung [51
K. Schmid, 'Fratres' von Halberstadt Seite 117ff., besonders Seite 128. - Auf diese Zusammenhänge hatte vor Schmid schon, wenngleich in sehr anfechtbarer Interpretationsweise, R. Wenskus, Sächsischer Stammesadel und fränkischer Reichsadel, Göttingen 1976, Seite 135f., hingewiesen.] (Kinder? Vettern?). Und der letzte Name dieser Gruppe, Liuza, könnte eine Kurzform des bei den LIUDOLFINGERN/OTTONEN so häufigen Namens Liudgard sein. In einer etwa 931/36 zusammengestellten und dabei aus einem ottonischen Hausnecrolog in Gandersheim entnommmenen Totengedenkliste kommt der Name Liudgard schon viermal vor, der oben offengebliebene Name Sigipert ebenfalls viermal, Mainuuarcus und Thioto je einmal [52 Vgl. G. Althoff, Unerkannte Zeugnisse vom Totengedenken der Liudolfinger, in: DA 32, 1976, Seite 400ff.], was die besprochenen Zusammenhänge wohl nochmals unterstreichen dürfte. Zudem hat schon vor längerem H. Bannasch [53 H. Bannasch, Das Bistum Paderborn unter den Bischöfen Rethar und Meinwerk (983-1036), Paderborn 1972, Seite 88ff., auch Seite 71 und Seite 333.] aufgezeigt, daß der Name Sigepert/Sigebert in der Familie des Bischofs Meinwerc von Paderborn gängig war, den wir oben mit dem 937 verstorbenen Grafen Meginwarc in Verbindung brachten.

Wenskus Reinhard: Seite 134-136
****************
"Sächsischer Stammesadel und fränkischer Reichsadel" 1976

Schließlich wird man einen IMMEDINGER-Zweig anführen müssen, der bisher überhaupt nicht als solcher erkannt worden ist. Widukind nennt an zwei Stellen einen Dadi Thuring (939) [1145 Widukind II 18.] bzw. Dadanus und Wilhelmus, die Thuringi genere seien (953) [1146 Widukind III 16.]. Bisher hat man das immer dahin interpretiert, daß Dadi, der auch Teti genannt wird und im Hassegau als Graf tätig ist [1147 MGH DO I 114.], und Wilhelm I. von Weimar thüringischer Herkunft gewesen seien. Letzten Endes wird das, wie für alle IMMEDINGER, auch stimmen, nur besagt die Nachricht Widukinds dies nicht notwendig (es heißt in solchem Falle eher Thuringorum genere), sondern es ist möglich, daß sie dem Geschlecht eines Großen namens Thuring angehörten. Daß diese Interpretation den Vorzug verdient, kann auf mehrfache Weise begründet werden.
Erstens wird dadurch der Name des Sohnes OTTOS DES GROSSEN von einer Slawin, Wilhelm,
   leichter erklärlich. Da er von der Familie der Frau nicht übernommen sein kann und im
   liudolfingischen Haus bishher unbekannt war, ist die Vermutung, daß er aus der Fammilie von
   OTTOS Mutter Mathilde, eben aus dem Geschhlecht der IMMEDINGER herrührte, am ehesten
   annehmbar.
Zweitens finden wir den Namen Wilhelm noch Anfang des 11. Jahrhunderts im immedingischen
   Lagershausen (Landwardeshusen), wie die Vita Meinwerci (c. 68) berichtet.
Drittens hat Wilhelm in Thüringen schon einen Amtsvorgännger mit immedingischem Namen:
   Meginwarch (sächsisch Meginwerc, Meinwerc) wird 933 als Graf im thüringischen Westergau
   genannt [1148 MGH DH I 35 (Barchfeld und Breitungen.], ein Jahr vorher wird er im Langwizi und
   gemeinsam mit Siegfried (I.) von Merseburg im Engilin und Nabelgau als Graf erwähnt [1149
   MGH DH I 33; DH I 34; vgl zur Identifizierung K. A. Eckhardt (wie Anm 1007a) Seite 34.], wobei
   sein Name jetzt Meginward geschrieben wird. R. Schölkopf [1150 R. Schölkopf (wie Anm. 948)
   Seite 129. Sie betrachtet ihn als Bruder Immeds (III). Er ist eher ein Vetter.] hat diesen
   Meginwerc/Meginward bereits in die Verwandtschaft der IMMEDINGER eingereiht. Er ist
   wohl mit jenem Meinwerk identisch, der wie Immed (III) 954 gegen die Aufständischen fiel [1151
   Widukind III 28.] Diese Zuordnung wird aufs beste bestätigt durch zwei Reichenauer
   Gedenkbucheinträge, die von K. Schmid als sächsisch erkannt worden sind [1152 K. Schmid (wie
   Anm. 1019b) Seite 231.]:

236b: Maginwarhc - Gerlind - Eberwin - Hiltigart - Batto - Willihalm - Meginbold - Megiba - Witolt -
          Megingoz - A'ta - Thieto [1153 MGH Libri confrat. Seite 224.]

120:   Megenwarch - Kerlind - Eberwin - Wentila - Witpreht - Perehthilt - Megenwarch - Willihelm
          - Eberwin - Hiltigart - Imma - Orlebh - Werinhart - Rienhilt - Theoto - [1154 MGH Libri
         confrat. Seite 190.]

Wir sehen, daß sechs Namen der col. 236b im Eintrag col. 120 zum Teil doppelt wiederkehren. Darunter unser Megenwarch und Willihelm sowie Theoto (= Dadi, Dedi). Über die Bestätigung der Verwandtschaft von Meginwerc/Meginward mit Wilhelm I. von Weimar und Dadi Thuring hinaus erhalten wir weitere Aufschlüsse durch die mitgenannten Namen, deren Untersuchung wir uns nun zuwenden.
Gerlind/Kerlind, die beidemal neben Meginwarch genannt wird, dürfte seine Frau sein, ebenso wie wir das beidemal auftretende Paar Eberwin - Hiltigart als ein Ehepaar auffassen dürfen. Der Name Everwin (= Eberwin) wird von Schlaug mit dem Namen Erwin gleichgesetzt [1155 W. Schlaug (wie Anm. 507) Seite 82.]. Dabei werden wír unmittelbar auf jenen Erwin senior gestoßen, der der erste Schwiegervater HEINRICHS I. wurde und im Raum um Merseburg, wo wir später Dadi Thuring als Grafen finden, reich begütert war [1156 Thietmar I 5.]. Eben dieser Erwin war aber auch mit Siegfried (I) von Merseburg verschwägert; Siegfrieds matertera war die Frau Erwins. Wir sahen oben Siegfried (I) gemeinsam mit Meganwarch in einigen Gauen amtieren. Das ist angesichts des Auftretens von Erwin (Eberwin) im Gedenkbucheintrag am ehesten zu erklären, wenn wir Erwin auch als mit Meginwarch verschwägert betrachten.
Graf Daedi tradiert für seine Frau Alfred in Dodenhausen (bei Gieboldshausen im Liesgau). Er war jedoch vor Graf Siegfried ebenfalls Graf im Hassegau und um Merseburg und nahm mit Wilhelm von Weimar am Liudolfingischen Aufstand teil. Es könnte so aussehen, dass Siegfried und Hermann seine Söhne waren. Dabei ergeben sich jedoch zwei Probleme. Die oben angeführte Tradition Daedis soll etwa in das Jahr 967 gehören. Man hat jedoch bisher angenommen, dass die Nachricht der Fuldaer Totenannalen zum Jahre 957 März 14 "Ob. Deti comes", sich auf diesen Hassegaugrafen bezieht. Zudem ist Graf Siegfried im Hassegau - wie wir sahen - schon seit 961 dort bezeugt. Wenn wir also die Tradition vordatieren wollen, was nicht völlig unmöglich ist, müssen wir annehmen, dass sie erst geraume Zeit nach dem Tode des Paares ausgeführt wurde, was auch nicht ohne Parallele wäre.
Das zweite Problem betrifft den agnatischen Zusammenhang der sogenannten Merseburger Grafen. Wir haben Daedi oben als IMMEDINGER behandelt. K. A. Eckhardt macht ihn, da ihm "im Zweifel" "die Annahme agnatischer Abstammung der Vorzug" genießt, zu einem Sohn seines Vorgängers, des Legaten Siegfried, das heißt zu einem Neffen Markgraf Geros. Der Graf Hermann und sein Sohn Siegfried wird wiederum von R. Schölkopf unter die ASIG-Gruppe gerechnet, weil die esikonischen Grafen von Reinhausen, die ihnen im oberen Leinegau folgten, ebenfalls den Namen Hermann als Leitnamen hatten.
Daedi selbst können wir jedoch im ersten der beiden Tete des Eintrags C wiedererkennen. Unmittelbar nach der Gruppe des Markgrafen Gero (22. Gero, 23. Juditha, 24. Sigifrid, 25. Hitta, 26. Thietsuuind) folgt sein Name. Da er mit Alfrad verheiratet war, kann die Thietsuuind kaum seine Frau sein. Sie war möglicherweise seine Mutter und wäre dann am ehesten als Schwester Geros und des Legaten Siegfried zu denken. Ihre Nennung und Stellung in allen vier Einträgen läßt diese Vermutung zwar als verhältnismäßig sicher erscheinen, doch wollen wir das genaue Verhältnis lieber offen lassen, wenn auch die Möglichkeit, dass sie die Frau des Grafen Meginwarch war, der mit dem Legaten die Grafschaft im Altgau und Westgau teilte, erwogen werden kann. Vielleicht war auch dieser erte Tete doch der Mann Thietsuuinda und der Vater des Daedi, den man dann mit dem zweiten Tete (Nr. 54) des Eintrags identifizieren könnte. Dieser steht unmittelbar hinter einem Sigifrid, in dem wir wohl den Hassegaugrafen (961-980) erblicken dürfen, da ja auch sein Bruder Hermann (Nr. 34) und dessen Frau Imma (Nr. 46) im Eintrag vertreten scheinen. Möglich ist es auch, dass dieser zweite Tete ein dritter Bruder Siegfrieds und Hermanns ist und mit jenem Dedi de Wodenswege identifiziert werden kann, dessen Sohn wieder den Namen Gero hat. Dies ist der spätere Erzbischof von Magdeburg (1012-1023) [3438 Vgl. D. Claude, Geschichte des Erzbistums Magdeburg bis in das 12. Jahrhundert I (1972) Seite 285.].
 
 
 
 
 
 

  oo Kerlind (Gerlind)
             -   948
 
 
 
 

Literatur:
-----------
Hlawitschka Eduard: Untersuchungen zu den Thronwechseln der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts und zur Adelsgeschichte Süddeutschlands. Zugleich klärende Forschungen um „Kuno von Öhningen“, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1987, Seite 72,88,96 - Wenskus Reinhard: Sächsischer Stammesadel und fränkischer Reichsadel. Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen 1976 Seite 135 -
Schmid, Karl: Unerforschte Quellen aus quellenarmer Zeit (II): Wer waren die 'fratres' von Halberstadt aus der Zeit König Heinrichs I.?" in: Maurer, Helmut und Hans Patze (Hgg.): Festschrift für Berent Schwineköper 'Zu seinem 70. Geburtstag' Sigmaringen 1982 Seite 117,119,128,133 -