Sohn des Grafen N.N. aus der IMMEDINGER-Sippe
Nach R. Wenskus verschwägert mit dem Senior
Erwin, Schwiegervater von König
HEINRICH I.
Schölkopf Ruth: Seite 128-133
*************
"Die sächsischen Grafen 919-1024. Studien und Vorarbeiten
zum Historischen Atlas Niedersachsens 22."
Dieser Meinwerk
könnte mit Graf Megenward verwandt gewesen sein, der unter
HEINRICH I. als Graf über mehrere
Komitate in Thüringen urkundlich bezeugt ist. Vielleicht setzte
ihn HEINRICH I.
erst auf Grund seiner
Versippung mit den IMMEDINGERN in den thüringischen Interessengebieten
der LIUDOLFINGER
als Graf ein.
Eine Urkunde von 932 [3 DH. I. 33 von 932.] bezeugte
Megenward
als
Graf in pago Languizza, in dem der Ort Hausen in seiner Grafschaft
lag. Aus dem gleichen Jahr datierte eine Urkunde, die einen Tausch zwischen
HEINRICH
I. und dem Kloster Fulda rechstskräftig machte [4 DH.
I. 34 = Cod. dipl. Fuld. 678.]. Tauschobjekte waren Tribur in pago Engilin
und
Ichstedt im Nabelgau, die beide zu den Grafschaftsbezirken Megenwards
gehörten. Dazu umfaßte seine Herrschaftsgebiet einen Comitat
im Westgau, aus dem die Orte Barchfeld und Frauen-Breitungen dem Kloster
Hersfeld als Tauschgüter zugesprochen wurden [5 DH. I. 35 von
933.]. Eine zweite Tauschurkunde zugunsten des Klosters erwähnte Güter,
die im Alt- und Westgau und in den Grafschaften der Grafen Meginward
und Siegfried
lagen. Der Amtsbereich Meginwards erstreckte sich also über
Grafschaften im Altgau, Lanfwitzgau, Nabelgau, Englin und Westgau und somit
über den größten Teil des inneren Thüringens mit Ausnahme
der Randgebiete. Es gelingt nicht, ihn in irgendeine der bekannten thüringischen
Grafenfamilien einzuordnen. Nur mit Vorbehalt möchte man ihn mit den
IMMEDINGERN in Verbindung bringen.
Hlawitschka Eduard: Seite 72,96
*****************
"Untersuchungen zu den Thronwechseln der ersten Hälfte
des 11. Jahrhunderts und zur Adelsgeschichte Süddeutschlands. Zugleich
klärende Forschungen um „Kuno von Öhningen“
Das Problem der Stellung Wendilgards
in der Familie der LIUDOLFINGER/OTTONEN,
in der der Name Wendilgard überdies gar nicht unbekannt ist
[240. Hinzuweisen ist auf einen Eintrag einer heute verlorenen Seite
des St. Galler Verbrüderungsbuches, den uns Melchior Haiminsfeld Goldast,
Alamannicarum rerum scriptores aliquot vetusti II, 2, Frankfurt 160, Seite
186 (vgl. auch P. Piper, MG Libr. confr., 1884, Seite 84), überliefert
hat. In ihm ist Vuendilgart innerhalb einer langen Reihe
von Namen zu finden, die mit Heinricus Rex,
Mathilt
Regina, Otto,
Heinricus,
Haduuuich,
Herminburch,
Sigifrid
comes, Cuotchind
... etc. beginnt. Leider läßt sich nichts Bestimmtes mehr
über die ursprüngliche Gestaltung, die innere Gliederung und
eventuelle Abgrenzungen des Eintrags ausmachen, so daß er nicht zusätzlich
als vollwertige Stütze unserer Darlegungen herangezogen werden kann.
- Es ist aber des weiteren zu beachten, daß im Anschluß an
die ersten vier Äbtissinnen (Hathumod,
Gerberga
I., Christina,
Liudgard) des von Herzog
Liudolf
(+ 866) gegründeten Klosters
Gandersheim, die allesamt nachweislich Töchter (1.-3.) bzw. nahe
Verwandte (4.) des Klostergründers Liudolf waren, nach einer
nur knapp bezeugten Hrotsuit (5.) als 6. Äbtissin in Gandersheim
eine von 933-949 tätige Wendelgart nachweisbar ist, für
die indessen - ebenso wie für ihre Vorgängerin - keine Herkunftsangaben
überliefert sind. Vgl. dazu H. Goetting, Gandersheim (= Germania
Sacra NF 7) Seite 288ff. Stellt man dann weiter fest, daß Wendilgards
Nachfolgerinnen Gerberga
II,, Sophie,
Adelheid
I., Beatrix
und Adelheid
II. wieder aus dem ottonischen,
dann aus dem salischen
Königshaus stammten, so scheinen - wenn man nicht Hrotsuit
und Wendelgart als Aussnahmen betrachten will - bis 1096 eigentlich
alle Gandersheimer Äbtissinnen mit dem Gründer und seiner Familie
in verwandtschaftlicher Verbindung gestanden zu haben; das heißt
Gandersheim scheint ein Hauskloster der LIUDOLFINGER/OTTONEN
gewesen zu sein, in dem nur Angehörige dieses Geschlechtes zur Leitung
gelangten. Dann hätte man also eine Wendilgard auch auf diese
Weise unter den OTTONEN-Verwandten
nachgewiesen. - Wenn man dazu eine Wentila (Kurzform von Wendilgard?)
im Zusammenhang mit der Familie des Grafen Meginwarch bezeugt findet
(vgl. K. Schmid, Fratres von Halberstadt Seite 119), für die wir nahe
Verwandtschaft mit König HEINRICH I.
aufzeigen können (vgl. unten Kapitel IIa bei Anm. 43ff.), so dürfte
immerhin soviel sicher sein, daß der Name Wendilgard im Verwandtenkreis
HEINRICHS I. geläufig war.], löst
sich, wenn man in der etwas umständlichen Formulierung
Heinrici
regis de filia neptis die beiden Worte de filia als
vermutlich später eingefügte Erläuterung zu neptis ansieht.
Nach einen Sigipert - zu ihm siehe weiter unten
- folgt sodann als sechster Name Meginvvarch. Sein Träger
ist erst jüngst von K. Schmid mit dem in HEINRICHS
I. Zeit öfter bezeugten, in Thüringen tätigen
und 937 verstorbenen Grafen Meginwarc in Verbindung
gebracht worden, der eine unter der Überschrift Haec sunt nomina
fratrum Haluerstedensis (!) zusammengefaßte, ins Reichenauer
Verbrüderungsbuch eingeschriebene und dabei in der ersten Hälfte
nachweislich aus Verwandten bestehende Gruppe von Laien anführt [43
K. Schmid, 'Fratres' von Halberstadt Seite 117ff., besonders Seite
129f.]. Da nun auch der den gleichen Namen tragende Bischof Meinwerc
von Paderborn (1009-1036) in ecclesia beati Stephani protomartiris
in civitate Halverstadensi ad clericatus officium a parentibus est oblatus
[44 Vita Meinwerci episcopi Patherbrunnensis c. 2, ed. F. Tenckhoff
Seite 6.], ist wohl kaum zu bezweifeln, daß er der Sippe des ersteren
so eng mit Halberstadt verbundenen Grafen entstammte [45 In sanctae
Halberstedensis ecclesiae gremio a primis annis wurde übrigens
auch Bischof
Dietrich von Metz, der Sohn von König
Mathildes Schwester Amalrada
und des Grafen
Eberhard von Hamaland, erzogen; vgl. Sigebert von Gembloux, Vita
Deoderici ep. Mett. c. 2, MG SS IV Seite 464.]. Bischof Meinwerc
wiederum war regia stirpe genitus; er hat als Kaiser
OTTOS III.
capellanus amabilis, qui nostram ut propriam
diligit vitam [46 MG DO O III, 417.], fungiert; er war dem Kaiser
HEINRICH II. carnis propinquitate ... notissimus
und ist von HEINRICH II. in seinen
Urkunden desgleichen als nepos noster
bezeichnet worden [47
Einzelnachweise bei R. Schölkopf, Die Sächsischen
Grafen 919-1024, Göttingen 1957, Seite 129.]. Dadurch ist doch wohl
auch der ältere Meginwarc, über den die später vorausgesetzten
Beziehungen geknüpft worden sein müssen, hinreichend als Königsverwandter
ausgewiesen [48 Wenn Bischof Meinwerc von Paderborn nach
den dargebotenen Belegen Verwandter beider OTTONEN-Linien
- und zwar der von OTTO III. auf OTTO
I. und der von HEINRICH II.
auf OTTOS I. Bruder Heinrich
zurückgehenden - war, dürfte diese Verwandtschaft gewiß
aus dem nahen Umkreis HEINRICHS I. herrühren;
das heißt der ältere Meginwarc wird allso eine naher
Verwandter König HEINRICHS II.
gewesen sein. - J. M. van Winter, Die Hamaländer Grafen als Angehörige
der Reichsaristokratie im 10. Jh., in: Rhein. Vjbl. 44, 1980, Seite 19f.,
möchte die oben genannten, den Bischof Meinwerc betreffenden
Angaben - er sei regia stirpe genitus und ein nepos HEINRICHS
II. aus karolingischem Geblüt
erklären. Meinwerc wird dabei richtig über seine Mutter
Adela von den Grafen von Hamaland und denen von Flandern und schließlich
von KARL
DEM GROSSEN hergeleitet (6 Generationen); doch in HEINRICHS
II. Herleitung (gleichfalls über 6 Generationen) über
seine Mutter Gisela
von Burgund von König
Konrads von Burgund Gemahlin Mathilde
und über diese weiter von den französischen KAROLINGERN
und von KARL DEM GROSSEN steckt ein
arger Fehler. Gisela hatte bekanntlich
nicht König Konrads zweite Gemahlin
Mathilde, sondern Konrads
erste Frau Adela(na)
zur Mutter! Damit erübrigt sich ein solch andersartiger Erklärungsversuch
der Königsverwandtschaft Bischof Meinwercs völlig. - Wie
man sich die Verwandtschaft Meinwercs mit
HEINRICH I. vorstellen könnte, siehe bei K. Schmid, Die
Nachfahren Widukinds, in: DA 20, 1964, Seite 16 und 29.].
Das Namenspaar Ekehart und Prun kommt zudem
in enger Beziehung zum oben bereits genannten gener regis Siegfried
und zu dessen Bruder, Markgraf Gero vor, wie ein weiterer Eintrag
des Reichenuaer Verbrüderungsbuches zeigt, in dem auch Meginuuart
auftritt [50 K. Schmid, 'Fratres' von Halberstadt Seite 133.].
Die nachfolgenden Namen Theoto, Uuitolt, Kozmar, Uuitpert,
Kerlind
bezeichnen schließlich, ohne daß sich freilich ganz Präzises
sagen läßt, nun aber auch noch eine dem Königshaus nicht
ganz fremde Gruppe: Kerlind war nämlich Meginwarcs Gemahlin,
und Theoto, Uuitolt, Kozmar und Uuitpert standen - wie mehrere Gedenkeinträge
zeigen - mit Meginwarc und Kerlind in naher Beziehung
[51
K. Schmid, 'Fratres' von Halberstadt Seite 117ff., besonders
Seite 128. - Auf diese Zusammenhänge hatte vor Schmid schon, wenngleich
in sehr anfechtbarer Interpretationsweise, R. Wenskus, Sächsischer
Stammesadel und fränkischer Reichsadel, Göttingen 1976, Seite
135f., hingewiesen.] (Kinder? Vettern?). Und der letzte Name dieser Gruppe,
Liuza, könnte eine Kurzform des bei den LIUDOLFINGERN/OTTONEN
so häufigen Namens Liudgard sein. In einer etwa 931/36 zusammengestellten
und dabei aus einem ottonischen Hausnecrolog
in Gandersheim entnommmenen Totengedenkliste kommt der Name Liudgard
schon viermal vor, der oben offengebliebene Name Sigipert ebenfalls
viermal, Mainuuarcus und Thioto je einmal [52 Vgl.
G. Althoff, Unerkannte Zeugnisse vom Totengedenken der Liudolfinger, in:
DA 32, 1976, Seite 400ff.], was die besprochenen Zusammenhänge wohl
nochmals unterstreichen dürfte. Zudem hat schon vor längerem
H. Bannasch [53 H. Bannasch, Das Bistum Paderborn unter den Bischöfen
Rethar und Meinwerk (983-1036), Paderborn 1972, Seite 88ff., auch Seite
71 und Seite 333.] aufgezeigt, daß der Name Sigepert/Sigebert
in der Familie des Bischofs Meinwerc von Paderborn gängig
war, den wir oben mit dem 937 verstorbenen Grafen Meginwarc in Verbindung
brachten.
Wenskus Reinhard: Seite 134-136
****************
"Sächsischer Stammesadel und fränkischer Reichsadel"
1976
Schließlich wird man einen IMMEDINGER-Zweig
anführen müssen, der bisher überhaupt nicht als solcher
erkannt worden ist. Widukind nennt an zwei Stellen einen Dadi Thuring
(939) [1145 Widukind II 18.] bzw. Dadanus und Wilhelmus,
die Thuringi genere seien (953) [1146 Widukind III 16.].
Bisher hat man das immer dahin interpretiert, daß Dadi, der
auch Teti genannt wird und im Hassegau als Graf tätig
ist [1147 MGH DO I 114.], und Wilhelm
I. von Weimar thüringischer Herkunft gewesen seien. Letzten
Endes wird das, wie für alle IMMEDINGER, auch stimmen, nur
besagt die Nachricht Widukinds dies nicht notwendig (es heißt
in solchem Falle eher Thuringorum genere), sondern es ist möglich,
daß sie dem Geschlecht eines Großen namens
Thuring angehörten.
Daß diese Interpretation den Vorzug verdient, kann auf mehrfache
Weise begründet werden.
Erstens wird dadurch der Name des Sohnes
OTTOS DES GROSSEN von einer Slawin, Wilhelm,
leichter erklärlich. Da er von der
Familie der Frau nicht übernommen sein kann und im
liudolfingischen
Haus
bishher unbekannt war, ist die Vermutung, daß er aus der Fammilie
von
OTTOS
Mutter Mathilde, eben aus dem Geschhlecht
der IMMEDINGER herrührte, am ehesten
annehmbar.
Zweitens finden wir den Namen Wilhelm noch
Anfang des 11. Jahrhunderts im immedingischen
Lagershausen (Landwardeshusen), wie die
Vita Meinwerci (c. 68) berichtet.
Drittens hat Wilhelm in Thüringen
schon einen Amtsvorgännger mit immedingischem Namen:
Meginwarch (sächsisch Meginwerc,
Meinwerc)
wird 933 als Graf im thüringischen Westergau
genannt [1148 MGH DH I 35 (Barchfeld
und Breitungen.], ein Jahr vorher wird er im Langwizi und
gemeinsam mit Siegfried
(I.)
von Merseburg im Engilin und Nabelgau als
Graf erwähnt [1149
MGH DH I 33; DH I 34; vgl zur Identifizierung
K. A. Eckhardt (wie Anm 1007a) Seite 34.], wobei
sein Name jetzt Meginward geschrieben
wird. R. Schölkopf [1150 R. Schölkopf (wie Anm. 948)
Seite 129. Sie betrachtet ihn als Bruder
Immeds
(III). Er ist eher ein Vetter.] hat diesen
Meginwerc/Meginward bereits in die
Verwandtschaft der IMMEDINGER eingereiht. Er ist
wohl mit jenem Meinwerk identisch,
der wie Immed (III) 954 gegen die Aufständischen fiel
[1151
Widukind III 28.] Diese Zuordnung wird aufs
beste bestätigt durch zwei Reichenauer
Gedenkbucheinträge, die von K. Schmid
als sächsisch erkannt worden sind [1152 K. Schmid (wie
Anm. 1019b) Seite 231.]:
236b: Maginwarhc - Gerlind - Eberwin - Hiltigart
- Batto - Willihalm - Meginbold - Megiba - Witolt -
Megingoz - A'ta - Thieto [1153 MGH Libri confrat. Seite 224.]
120: Megenwarch - Kerlind -
Eberwin - Wentila - Witpreht - Perehthilt - Megenwarch - Willihelm
- Eberwin - Hiltigart - Imma - Orlebh - Werinhart - Rienhilt - Theoto -
[1154 MGH Libri
confrat.
Seite 190.]
Wir sehen, daß sechs Namen der col. 236b im Eintrag
col. 120 zum Teil doppelt wiederkehren. Darunter unser Megenwarch
und Willihelm sowie Theoto (= Dadi, Dedi). Über
die Bestätigung der Verwandtschaft von Meginwerc/Meginward mit
Wilhelm
I. von Weimar und Dadi Thuring hinaus erhalten wir weitere Aufschlüsse
durch die mitgenannten Namen, deren Untersuchung wir uns nun zuwenden.
Gerlind/Kerlind, die beidemal neben Meginwarch
genannt wird, dürfte seine Frau sein, ebenso wie wir das beidemal
auftretende Paar Eberwin - Hiltigart als ein Ehepaar auffassen dürfen.
Der Name Everwin (= Eberwin) wird von Schlaug mit dem Namen
Erwin
gleichgesetzt [1155 W. Schlaug (wie Anm. 507) Seite 82.]. Dabei
werden wír unmittelbar auf jenen Erwin senior gestoßen,
der der erste Schwiegervater
HEINRICHS
I. wurde und im Raum um Merseburg, wo wir später Dadi
Thuring als Grafen finden, reich begütert war [1156 Thietmar
I 5.]. Eben dieser Erwin war aber auch mit Siegfried (I)
von Merseburg verschwägert; Siegfrieds matertera
war die Frau Erwins. Wir sahen oben Siegfried (I)
gemeinsam mit Meganwarch in einigen Gauen amtieren. Das ist angesichts
des Auftretens von Erwin (Eberwin) im Gedenkbucheintrag am
ehesten zu erklären, wenn wir Erwin auch als mit Meginwarch
verschwägert
betrachten.
Graf Daedi tradiert für seine Frau Alfred
in Dodenhausen (bei Gieboldshausen im Liesgau). Er war jedoch vor Graf
Siegfried ebenfalls Graf im Hassegau und um Merseburg und nahm
mit
Wilhelm von Weimar am Liudolfingischen Aufstand teil. Es könnte
so aussehen, dass Siegfried und Hermann seine Söhne
waren. Dabei ergeben sich jedoch zwei Probleme. Die oben angeführte
Tradition
Daedis soll etwa in das Jahr 967 gehören. Man hat
jedoch bisher angenommen, dass die Nachricht der Fuldaer Totenannalen zum
Jahre 957 März 14 "Ob. Deti comes", sich auf diesen
Hassegaugrafen
bezieht. Zudem ist Graf Siegfried im Hassegau - wie wir sahen -
schon seit 961 dort bezeugt. Wenn wir also die Tradition vordatieren wollen,
was nicht völlig unmöglich ist, müssen wir annehmen, dass
sie erst geraume Zeit nach dem Tode des Paares ausgeführt wurde, was
auch nicht ohne Parallele wäre.
Das zweite Problem betrifft den agnatischen Zusammenhang
der sogenannten Merseburger Grafen. Wir haben Daedi
oben
als IMMEDINGER behandelt. K. A. Eckhardt macht ihn, da ihm "im Zweifel"
"die Annahme agnatischer Abstammung der Vorzug" genießt, zu einem
Sohn seines Vorgängers, des Legaten Siegfried, das heißt
zu einem Neffen Markgraf Geros. Der Graf Hermann und sein
Sohn Siegfried wird wiederum von R. Schölkopf unter die ASIG-Gruppe
gerechnet, weil die esikonischen Grafen von Reinhausen, die ihnen im oberen
Leinegau folgten, ebenfalls den Namen Hermann als Leitnamen hatten.
Daedi
selbst können wir jedoch im ersten
der beiden
Tete des Eintrags C wiedererkennen. Unmittelbar nach
der Gruppe des Markgrafen Gero (22. Gero, 23. Juditha, 24. Sigifrid,
25. Hitta, 26. Thietsuuind) folgt sein Name. Da er mit Alfrad
verheiratet
war, kann die Thietsuuind
kaum seine Frau sein. Sie war möglicherweise
seine Mutter und wäre dann am ehesten als Schwester Geros und
des Legaten Siegfried zu denken. Ihre Nennung und Stellung in allen
vier Einträgen läßt diese Vermutung zwar als verhältnismäßig
sicher erscheinen, doch wollen wir das genaue Verhältnis lieber offen
lassen, wenn auch die Möglichkeit, dass sie die Frau des Grafen
Meginwarch war, der mit dem Legaten die Grafschaft im Altgau und Westgau
teilte, erwogen werden kann. Vielleicht war auch dieser erte Tete
doch der Mann Thietsuuinda und der Vater des Daedi, den man
dann mit dem zweiten Tete (Nr. 54) des Eintrags identifizieren
könnte. Dieser steht unmittelbar hinter einem Sigifrid, in
dem wir wohl den Hassegaugrafen (961-980) erblicken dürfen,
da ja auch sein Bruder Hermann (Nr. 34) und dessen Frau Imma
(Nr. 46) im Eintrag vertreten scheinen. Möglich ist es auch, dass
dieser zweite Tete ein dritter Bruder Siegfrieds und Hermanns
ist und mit jenem Dedi de Wodenswege identifiziert werden kann,
dessen Sohn wieder den Namen
Gero hat. Dies ist der spätere
Erzbischof
von Magdeburg (1012-1023) [3438 Vgl. D. Claude, Geschichte
des Erzbistums Magdeburg bis in das 12. Jahrhundert I (1972) Seite 285.].
oo Kerlind (Gerlind)
- 948
Literatur:
-----------
Hlawitschka Eduard: Untersuchungen zu den Thronwechseln
der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts und zur Adelsgeschichte Süddeutschlands.
Zugleich klärende Forschungen um „Kuno von Öhningen“, Jan Thorbecke
Verlag Sigmaringen 1987, Seite 72,88,96 - Wenskus
Reinhard: Sächsischer Stammesadel und fränkischer Reichsadel.
Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen 1976 Seite 135 -
Schmid, Karl: Unerforschte
Quellen aus quellenarmer Zeit (II): Wer waren die 'fratres' von Halberstadt
aus der Zeit König Heinrichs I.?" in: Maurer, Helmut und Hans
Patze (Hgg.): Festschrift für Berent Schwineköper 'Zu seinem
70. Geburtstag' Sigmaringen 1982 Seite 117,119,128,133 -