Um 497 gebar Chrodechilde Childebert I. und um 501/02 noch Chlothar I., der freilich beim Tod seines Vaters 511 noch klein war.
Childebert I., der söhnelose König von Paris
Als Childebert I. (511-558)
die Ansprüche seiner Neffen auf das Teilreich von Orleans so skrupellos
ausschaltete, und vermutlich noch 533, als er versuchte, nach dem Tod Theuderichs
I. auch seinen Neffen Theudebert
I. von Reims zu übervorteilen, rechnete der damals
immerhin bereits 36-jährige König noch nicht damit, einmal ohne
männliche Nachkommen zu sterben, wie dies dann 558 der Fall
war. Der Griff nach dem Reimser Teilreich misslang und in den folgenden
Jahren agierten
Childebert und Theudebert
gemeinsam,
so bei der endgültigen Eroberung des Burgunder-Reiches
534.
Bereits 531 hatte Childebert
einen
äußerst erfolgreichen Krieg gegen die Westgoten
geführt, die ebenso wie die Thüringer,
von denen noch zu sprechen sein wird, nach dem Tod Theoderichs
des Großen 526 ohne einflussreichen Verbündeten
dastanden. Nach dem Tod des bedeutenden Ostgoten-Königs begann der
Niedergang des Reiches, den Felix Dahn so spannend in seinem historischen
Roman "Ein Kampf um Rom" geschildert hat. Auch die Franken
waren Nutznießer des Untergangs des Ostgoten-Reiches.
Den Grund für den Einfall Childeberts
in das westgotische Septimanien liefert nach Gregor von Tours die Misshandlungen,
die Childeberts Schwester Chlothilde
(† 531), die mit den Westgoten-König
Amalarich
(526-531) verheiratet war, wegen ihres katholischen Glaubens
erdulden musste. Der Westgoten-König unterlag seinem fränkischen
Schwager bei Narbonne, floh nach Barcelona und wurde dort ermordet (531).
Chlotilde
jedoch starb auf der Rückreise ins Franken-Reich,
während Childebert mit reicher
Beute an kirchlichem Gerät aus dem Westgoten-Reich
zurückkehrte, das er wiederum den katholischen Kirchen des Franken-Reiches
schenkte.
In seinen letzten Lebensjahren wurde Childebert
noch einmal gegen seinen Bruder Chlothar
aktiv, vielleicht weil er sich doch nicht damit abfinden konnte, dass dieser
ihm seinen Anteil am Reimser Reich des 555 verstorbenen Großneffen
Theudowald
durch Drohungen abgerungen hatte: Jedenfalls verbündete
Childebert sich mit Chlothars Sohn
Chramn
(† 560), der nach der Schilderung Gregors von
Tours ein recht übler Bursche gewesen sein muss und der weder die
Töchter der angesehenen Familien respektierte noch das Kirchenasyl.
Chramn war vom Vater zum Unter-König
von Aquitanien gemacht worden und wurde, nachdem die Konspiration mit dem
Onkel gegen seinen Vater ruchbar wurde, zunächst von seinen Halbbrüdern
Charibert
I. (561-567) und Gunthram
(561-592) bekämpft, allerdings ohne großen
Erfolg. Erst als sein Onkel Childebert,
der zuvor die Champagne verheert hatte und bis nach Reims vorgedrungen
war,
558 plötzlich starb und Chlothar
im Teilreich von Paris als König anerkannt wurde, musste sich Chramn
dem Vater ergeben.
Als Childebert I. von Paris
am
Tag vor Weihnachten des Jahres 558 im Alter von 61
Jahren starb - kein anderer MEROWINGER-König
wurde so alt wie er -, hinterließ er die Königin
Ultrogotha - wie aus ihrem Namen zu
schließen ist, wohl eine Gotin - und zwei Töchter. Der
König wurde noch am gleichen Tag von Germanus, den er um 555
zum Bischof von Paris erhoben hatte, bestattet, und zwar in der
vom König und seine Gemahlin gegründeten Kirche des spanischen
Heiligen Vinzenz. Damit war nach Sainte-Genevieve die zweite bedeutende
Grablege der merowingischen Dynastie
geschaffen, denn außer Childebert,
seiner Gattin und den Töchtern, die alle drei nach dem Tod des Königs
bei Saint-Vincent lebten und dann auch dort bestattet wurden, ließen
sich noch Chlothars Sohn Chilperich
I. (561-584) und seine Gemahlin Fredegunde
(† 597) sowie Chlothars
Enkel Chlothar
II. (584-629/30) und dessen Gattin Bertetrud
(† 618) dort zur letzten Ruhe gebettet.