Hartmann Martina: Seite 44,50-52
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"Aufbruch ins Mittelalter. Die Zeit der Merowinger."

Um 497 gebar Chrodechilde Childebert I. und um 501/02 noch Chlothar I., der freilich beim Tod seines Vaters 511 noch klein war.

Childebert I., der söhnelose König von Paris

Als Childebert I. (511-558) die Ansprüche seiner Neffen auf das Teilreich von Orleans so skrupellos ausschaltete, und vermutlich noch 533, als er versuchte, nach dem Tod Theuderichs I. auch seinen Neffen Theudebert I. von Reims zu übervorteilen, rechnete der damals immerhin bereits 36-jährige König noch nicht damit, einmal ohne männliche Nachkommen zu sterben, wie dies dann 558 der Fall war. Der Griff nach dem Reimser Teilreich misslang und in den folgenden Jahren agierten Childebert und Theudebert gemeinsam, so bei der endgültigen Eroberung des Burgunder-Reiches 534.
Bereits 531 hatte Childebert einen äußerst erfolgreichen Krieg gegen die Westgoten geführt, die ebenso wie die Thüringer, von denen noch zu sprechen sein wird, nach dem Tod Theoderichs des Großen 526 ohne einflussreichen Verbündeten dastanden. Nach dem Tod des bedeutenden Ostgoten-Königs begann der Niedergang des Reiches, den Felix Dahn so spannend in seinem historischen Roman "Ein Kampf  um Rom" geschildert hat. Auch die Franken waren Nutznießer des Untergangs des Ostgoten-Reiches. Den Grund für den Einfall Childeberts in das westgotische Septimanien liefert nach Gregor von Tours die Misshandlungen, die Childeberts Schwester Chlothilde († 531), die mit den Westgoten-König Amalarich (526-531) verheiratet war, wegen ihres katholischen Glaubens erdulden musste. Der Westgoten-König unterlag seinem fränkischen Schwager bei Narbonne, floh nach Barcelona und wurde dort ermordet (531). Chlotilde jedoch starb auf der Rückreise ins Franken-Reich, während Childebert mit reicher Beute an kirchlichem Gerät aus dem Westgoten-Reich zurückkehrte, das er wiederum den katholischen Kirchen des Franken-Reiches schenkte.
In seinen letzten Lebensjahren wurde Childebert noch einmal gegen seinen Bruder Chlothar aktiv, vielleicht weil er sich doch nicht damit abfinden konnte, dass dieser ihm seinen Anteil am Reimser Reich des 555 verstorbenen Großneffen Theudowald durch Drohungen abgerungen hatte: Jedenfalls verbündete Childebert sich mit Chlothars Sohn Chramn ( 560), der nach der Schilderung Gregors von Tours ein recht übler Bursche gewesen sein muss und der weder die Töchter der angesehenen Familien respektierte noch das Kirchenasyl. Chramn war vom Vater zum Unter-König von Aquitanien gemacht worden und wurde, nachdem die Konspiration mit dem Onkel gegen seinen Vater ruchbar wurde, zunächst von seinen Halbbrüdern Charibert I. (561-567) und Gunthram (561-592) bekämpft, allerdings ohne großen Erfolg. Erst als sein Onkel Childebert, der zuvor die Champagne verheert hatte und bis nach Reims vorgedrungen war, 558 plötzlich starb und Chlothar im Teilreich von Paris als König anerkannt wurde, musste sich Chramn dem Vater ergeben.
Als Childebert I. von Paris am Tag vor Weihnachten des Jahres 558 im Alter von 61 Jahren starb - kein anderer MEROWINGER-König wurde so alt wie er -, hinterließ er die Königin Ultrogotha - wie aus ihrem Namen zu schließen ist, wohl eine Gotin - und zwei Töchter. Der König wurde noch am gleichen Tag von Germanus, den er um 555 zum Bischof von Paris erhoben hatte, bestattet, und zwar in der vom König und seine Gemahlin gegründeten Kirche des spanischen Heiligen Vinzenz. Damit war nach Sainte-Genevieve die zweite bedeutende Grablege der merowingischen Dynastie geschaffen, denn außer Childebert, seiner Gattin und den Töchtern, die alle drei nach dem Tod des Königs bei Saint-Vincent lebten und dann auch dort bestattet wurden, ließen sich noch Chlothars Sohn Chilperich I. (561-584) und seine Gemahlin Fredegunde ( 597) sowie Chlothars Enkel Chlothar II. (584-629/30) und dessen Gattin Bertetrud ( 618) dort zur letzten Ruhe gebettet.