Chlothar I.                                      König der Franken (511-560/61)
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um 500 Nov./Dez. 560 (zw. 28./29.11. und 19.3.561)
             Compiegne

Begraben: Soissons
 

Jüngster Sohn des Franken-Königs Chlodwig I. und der Chrodechilde von Burgund, Tochter von König Chilperich II.
 

Lexikon des Mittelalters: Band II Spalte 1869
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Chlothar I., merowingischer König 511-561
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Sohn Chlodwigs und der Chrodechilde

  oo (Reihenfolge unsicher, Nebeneinander mehrerer Beziehungen möglich)

1a. Ingunde

2. Guntheuca (1. oo Chlodomer)

1b. Ingunde

3. Arnegunde

4. Chunsins

5. Walderada (1. oo Theudewald)

6. Konkubine

7. Radegundis
 

Kinder:

Von 1a.
Gunthar ( vor 561)
Childerich ( vor 561)
Charibert I.

Von 1b.
Guntram,
Sigibert I.
Chlodoswinda

Von 3.
Chilperich I.

Von 4.
Chramn

Von 6.
Gundowald

Bei der Teilung des Chlodwig-Reiches erhielt Chlothar I. das Reich von Soissons, das nördlich und östlich der Somme mit Cambrai, Tournai, Therouanne, Arras, Noyon und Laon großenteils dem fränkischen Gebiet vor den Eroberungen Chlodwigs entsprach. Eine dazugehörige Enklave im gesondert geteilten Aquitanien schloß sich vermutlich an den schmalen Küstenstreifen Childeberts I. an. Nach dem Tod des Bruders Chlodomer (524), Königs des Reiches von Orleans, und der Ermordung bzw. Flucht von dessen Söhnen erhielt Chlothar I. Tours, Poitiers und einen Teil von Nantes (?). Der Versuch Childeberts und Chlothars, nach Theuderichs I. Tod (533) das Reich des Neffen Theudebert I. an sich zu bringen, scheiterte ebenso wie wenig später der gleiche - diesmal gegen Chlothar I. gerichtete - Versuch Childeberts und Theudeberts. Nach der endgültigen Unterwerfung Burgunds (534) durch Childebert, Chlothar I. (und Theudebert?) erhielt der benachteiligte Chlothar I. wohl den Süden bis zur Durance mit Valence und Embrun. Bei Gebietsabtretungen der Ostgoten an die Franken 536 scheint Chlothar I. übergangen worden zu sein. Nach Theudewalds Tod (555) übernahm Chlothar I. das Ost-Reich. Versuche Childeberts und des mit ihm verbündeten Chlothar-Sohnes Chramn, Chlothar I. sein Reich zu nehmen, schlugen fehl. Aufstände der Sachsen und Thüringer (555/556) sowie der Bretonen (560 gemeinsam mit Chramn) endeten mit einem Sieg Chlothars. Chlothar I. erscheint - durch die isolierte Lage seines Reiches wohl von vornherein benachteiligt - lange als der schwächste der Franken-Könige. Erst als mit Theudeberts Tod (548) das Ostreich einen starken König und Childebert seinen Nachfolger verloren hatte, besserte sich die Stellung des söhnereichen Chlothar so, daß er 555 das Ostreich ohne Berücksichtigung des söhnelosen Childebert übernehmen und nach dessen Tod (558) Alleinherrscher werden konnte.

Literatur:
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E. Ewig, Die frk. Teilungen und Teilreiche (511-613), AAMz, 1952, Nr. 9 - E. Zöllner, Gesch. der Franken bis zur Mitte des 6. Jh., 1970 - E. Ewig, Stud. zur  merow. Dynastie (FMASt 8, 1974), 15-59 - HEG I, 1976, 260ff. [E. Ewig] -



Thiele, Andreas: Tafel 2
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1"

CHLOTHAR I.
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* 500,   561

Chlothar I. erhielt 511 Neustrien, die altsalischen Gebiete und Teile von Aquitanien mit der Residenz Soissons und damit den kleinsten Reichsteil. Er stritt oft mit den Brüdern, stand aber in den großen Eroberungskriegen zu ihnen und half, Burgund in den Schlachten bei Vezeronce 524 und Autun 532 zu erobern. Er erwarb 524 den Reichsteil Orleans vom Bruder Chlodomer und ermordete dessen Söhne, womit eine ununterbrochene Reihe von Familienmorden begann. Er besetzte 537 die Provence mit, half  Thüringen, Gascogne, Auvergne und Süd-Sachsen zu unterwerfen und bekriegte auch die Westgoten in Spanien wegen deren südfranzösischen Gebieten. Er erbte 555 den Reichsteil Reims seines Großneffen Theudebald, 558 vom letzten Bruder Childebert I. den Part Paris und war damit Alleinherrscher des Franken-Reiches. In den letzten Jahren stand er besonders gegen Thüringer und Sachsen, die sein Bruder gegen ihn zu Hilfe gerufen hatte und die bis zum Rhein vorstießen. Mit ihm endete vorerst die große Phase fränkischer Eroberungen.

  1. oo GUNTHEUCA
                

Witwe des Bruders Chlodomer

  2. oo CHUNSENA
               

  3. oo INGUNDE
                

  4. oo RADEGUNDE VON THÜRINGEN
                  als Nonne zu Poitiers

Tochter des Königs Berthar

  5. oo VULTRADE
                

Tochter des Langobarden-Königs Wacho



     um 517
  1. oo Ingunde
               

    524
  2. oo  2. Guntheuca, Witwe seines Bruders Chlodomer
                   

  3. oo Chunsena
               

  um 533/34
  4. oo Arnegunde
           um 520 um 565

 um 540
  5. oo Radegunde von Thüringen, Tochter des Königs Berthar
           um 518 13.8.587

     555
  6. oo 2. Walderade, Tochter des Langobarden-Königs Wacho
                    
 
 
 
 

Kinder:
2. Ehe

  Chramm Regent der Auvergne
         560 ermordet

3. Ehe

  Gunthar
         vor 561

  Childerich
        561

  Charibert I.
         567

  Chlotswinde
       

  oo Alboin König der Langobarden
      um 530 28.6.572 ermordet

  Guntram
         28.3.592

  Sigibert I.
  um 535 575 ermordet

4. Ehe

  Chilperich I.
        584 ermordet
 
 
 
 

Literatur:
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Dahn Felix: Die Franken. Emil Vollmer Verlag 1899 - Dahn, Felix: Die Völkerwanderung. Kaiser Verlag Klagenfurth 1997, Seite 119,368-372,376,407,427 - Deutsche Geschichte Band 1 Von den Anfängen bis zur Ausbildung des Feudalismus. VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften Berlin 1982, Seite 235,236,241,242 - Ennen, Edith: Frauen im Mittelalter. Verlag C.H. Beck München 1994, Seite 128 - Epperlein Siegfried: Karl der Große. VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften Berlin 1974, Seite 9 - Ewig Eugen: Die fränkischen Teilungen und Teilreiche (511-613). Verlag der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz 1952 - Ewig, Eugen: Die Merowinger und das Frankenreich. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln 1993, Seite 31-39,80,84,95,106,109, 113,117,199 - Hartmann Martina: Aufbruch ins Mittelalter. Die Zeit der Merowinger. Primus Verlag 2003 Seite 19,23,37,44,47,50-57,63-65,95-97,102-104,123,131,133-135,158,164,182,188,190,202 -
Herm, Gerhard: Karl der Große. ECON Verlag GmbH, Düsseldorf, Wien, New York 1987, Seite 22, 53,104,317 - Hlawitschka, Eduard: Adoptionen im mittelalterlichen Königshaus, in: Schulz Knut: Beiträge zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte des Mittelalters, Festschrift für Herbert Helbig zum 65. Geburtstag, Köln Seite 1-32 - Illig Heribert: Das erfundene Mittelalter. Die größte Zeitfälschung der Geschichte. ECON Verlag GmbH, Düsseldorf und München 1996, Seite 131 - Jarnut, Jörg: Agilolfingerstudien, Anton Hiersemann Stuttgart, Seite 22,31,52,57,61,121-124,126 - Mägdefrau Werner: Vom Thüringer Königreich bis zum Ende der Sächsischen Kaiserzeit 531-1024. Thüringen im frühen Mittelalter. Verlag Rockstuhl 2003 Seite 19 - Menghin, Wilhelm: Die Langobarden. Konrad Theiss Verlag Stuttgart, Seite 41,85,94,102,118 - Nack Emil: Germanien. Ländern und Völker der Germanen. Gondrom Verlag GmbH & Co. KG, Bindlach 1977, Seite 243,245, 254,270 - Offergeld Thilo: Reges pueri. Das Königtum Minderjähriger im frühen Mittelalter. Hahnsche Buchhandlung Hannover 2001 Seite 140,145,186,188,190,192-196,198,201, 205,211,218,221,308 - Riche Pierre: Die Karolinger. Eine Familie formt Europa. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München 1991, Seite 29 - Schieffer, Rudolf: Die Karolinger.Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln 1992, Seite 11,79 - Schneider, Reinhard: Königswahl und Königserhebung im Frühmittelalter, Seite 22,27, 73-76,82-88,90,99,107,110,116,247, 248 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 Tafel 2 - Werner Karl Ferdinand: Die Ursprünge Frankreichs bis zum Jahr 1000. Deutscher Taschenbuch Verlag München 1995, Seite 303,325,333,339,342,346 - Zöllner Erich: Geschichte der Franken bis zur Mitte des 6. Jahrhunderts. Verlag C. H. Beck München 1970, Seite 43-255 -