ERBSCHAFT WEIMAR-ORLAMÜNDE
 

Fenske, Lutz: Seite 340
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"Adelsopposition und kirchliche Reformbewegung im östlichen Sachsen."

Als Udalrich II. starb, warf der Weimarer Erbfall Probleme von reichsgeschichtlicher Bedeutung auf. Auf alle Allode des Verstorbenen konnten sich auf Grund von bestimmten Verwandtschaftszusammenhängen verschiedene sächsische Fürsten Hoffnungen machen. Vor allem erhob der rheinische Pfalzgraf Siegfried Erbansprüche [4 Zu Pfalzgraf Siegfried vgl. Otto von Heinemann, Albrecht der Bär. 1864, Seite 211ff.; H. Peper, Graf Siegfried von Ballenstedt, Pfalzgraf bei Rhein, ein treuer Vasall Heinrichs IV. (AnhGeschbll 10/11. 1934/35) Seite 1ff.]. Siegfried war der Sohn Graf Adalberts von Ballenstedt. Da seine Mutter Adelheid eine Tochter Markgraf Ottos war, stammte er in weiblicher Linie von den Grafen von Weimar ab. Seine Mutter Adelheid war nach der Ermordung ihres ersten Gatten, Graf Adalbert von Ballenstedt, eine zweite Ehe mit dem rheinischen Pfalzgrafen Hermann eingegangen und hatte nach dessen Tod 1085 oder 1086 Heinrich von Laach, in dritter Ehe geheiratet.
Aus ihrer zweiten Ehe mit Heinrich dem Fetten hatte Markgräfin Gertrud, die Letzte aus dem Geschlecht der BRUNONEN, zwei Töchter, Richenza und Gertrud, die mit Herzog Lothar und Pfalzgraf Siegfried verheiratet waren, so daß sie sowohl Schwiegermutter des sächsischen Herzogs wie auch des rheinischen Pfalzgrafen war.
Aber noch durch eine weitere Eheverbindung war Siegfried mit den Nachkommen Ottos von Northeim verwandt. Aus der Ehe seines Großvaters mit Adela von Löwen-Brabant stammten außer seiner Mutter Adelheid zwei weitere Töchter.
Von ihnen hatte Kunigunde, also eine Tante Siegfrieds, in zweiter Ehe Kuno von Beichlingen, einen der Söhne Ottos von Northeim geheiratet [23 Vgl. Ann. Saxo Seite 737.]. Aus dieser Ehe gingen vier Töchter hervor, die also Kusinen Siegfrieds waren [24 Ihre Namen und Eheverbindungen überliefert der Annalista Saxo, vgl. Anm. 23. Vgl. auch Stammtafel 3 im Anhang.]. Durch die zweite Ehe der Adela, einer dieser Töchter, war Siegfried mit einem weiteren ostsächsischen Fürsten, dem Grafen Helperich von Plötzkau, verschwägert [25 Vgl. Stammtafel 3. Zu den Grafen von Plötzkau vgl. oben Seite 86ff.]. Siegfrieds Tante Kunigunde heiratete in dritter Ehe den älteren Wiprecht von Groitzsch und ihre gleichnamige Tochter zur selben Zeit dessen Sohn, den jüngeren Wiprecht [26 Vgl. Ann. Pegav. Seite 249. Vgl. dazu Stammtafel 3.]
Ein ganzes Netz von verwandtschaftlichen Beziehungen unterschiedlichen Grades war es demnach, welches den rheinischen Pfalzgrafen Siegfried aus dem Geschlecht der Grafen von Ballenstedt mit den bedeutendsten Geschlechtern Ostsachsen verband. Von diesen konnte sich eine ganze Reihe von Personen selber Hoffnungen auf  Teile der Weimarer Erbschaft machen, und ohne das Eingreifen HEINRICHS V. wären die Erbansprüche Siegfrieds hier zweifellos auf Widerstand gestoßen. Es ist deshalb wohl kein Zufall, wenn in Warnstedt, dem Ort, wo Siegfried mit gleichgesinnten Fürsten zusammentraf, der ältere Wiprecht von Groitzsch und Graf Ludwig von Thüringen zu finden sind [30 Wiprecht von Groitzsch war durch mögliche Erbansprüche seiner Gemahlin Kunigunde von Beichlingen unmittelbar Betroffener. Auch Graf Ludwig wird man in irgendeiner Form diesem Kreis zurechnen dürfen, da eine seiner Töchter mit dem verstorbenen Udalrich II. verheiratet gewesen, später allerdings von diesem verstoßen worden war. Vgl. dazu Ekkehardi Chron. Rec. III Seite 308: ... Oudalricus Ludewici comitis dudum gener, sed iam propter eiusdem filie repudium invisus. Vgl. auch Ann. Saxo Seite 693.].

Lange Peter: Seite 187
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"Zur Geschichte der Grafschaft Weimar-Orlamünde", in: Thüringen im Mittelalter Die Schwarzburger. Beiträge zur schwarzburgischen Kunst- und Kulturgeschichte Band 3

Darüber hinaus war Siegfried bestrebt, in den Besitz der Grafschaft Weimar zu gelangen. Er schloß sich daher der gegen HEINRICH V. gerichteten Adelsopposition an und ignorierte auch die Aufforderung des Königs, zu Weihnachten 1112 auf dem Hoftag in Erfurt zu erscheinen.
Seine Ansprüche auf die Grafschaft Weimar hat er jedoch nicht durchsetzen können, zumal der König zum Kampf gegen die Empörer aufrief. Im Zuge dieser Auseinandersetzungen ist Pfalzgraf Siegfried bei einem Überfall kaiserlicher Ritter in der Nähe von Warnstedt bei Thale am 21.2.1113 verwundet worden und nur wenige Tage später, am 9. Mäez 1113, an den Folgen dieser Verwundung gestorben.
Des Pfalzgrafen gleichnamiger Sohn, Siegfried II., der eventuell schon zu Lebzeiten seines Vaters in Orlamünde Fuß gefaßt [Einwurf: Siegfried II. war beim Tode seines Vaters ca. 7 Jahre alt.] und die Burg ausgebaut hatte, verfolgte das Ziel seines Vaters, die Grafschaft Weimar zu erlangen, mit noch mehr Vehemenz. Auch er schloß sich der Adelsopposition an, die sich um den Sachsen-Herzog Lothar von Supplinburg gebildet hatte, um die von König HEINRICH V. beabsichtigte Einführung einer allgemeinen Steuer zu verhindern. Da das Aufgebot dieser oppositionellen Fürsten das unter dem Befehl des Grafen Hoyer von Mansfeld stehende königliche Heer in der Schlacht am Welfesholz bei Hettstedt am 11. Februar 1115 schlagen konnte, mußte die gleichzeitige Belagerung der Burg Orlamünde, die in diesem Zusammenhang erstmals urkundlich erwähnt wird, von den königlichen Truppen abgebrochen werden. König HEINRICH V. mußte sich in einem auf dem Würzburger Hoftag von 1121 getroffenenen Vergleich bereitfinden, die Ansprüche des Pfalzgrafen Sieghfried II. auf die Grafschaft Weimar anzuerkennen.
Pfalzgraf Siegfried II. scheint sich bereits vor der Durchsetzung seiner Ansprüche auf die Grafschaft Weimar in Thüringen bestätigt zu haben. Schon 1119 war ihm vom Mainzer Erzbischof die Vogtei über das Erfurter Marienstift übertragen worden. Seinen Bemühungen verdankt auch das Kloster Herrenbreitungen an der Werra seine Entstehung. Dort soll der am 9. März 1124 verstorbene Pfalzgraf Siegfried II. beigesetzt worden sein.
Ihm folgte im Pfalzgrafenamt und in der Grafschaft Weimar sein Bruder Wilhelm. Pfalzgraf Wilhelm tritt in den Jahren von 1129 bis zu seinem Tode mehrfach als Zeuge in Urkunden König LOTHARS auf. Dies bedeutet, daß die guten Beziehungen zwischen den Pfalzgrafen am Rhein und dem Sachsen-Herzog Lothar von Supplinburg, der 1125 zum deutschen König gewählt worden war, auch unter Pfalzgraf Wilhelm fortdauerten [Einwurf: Wilhelm war ein Neffe von König LOTHAR III.].
Die Urkunde des Abtes von Hersfeld vom 13.9.1137, die Zuwendungen für das Hospital in Frauenbreitungen betrifft, nennt Pfalzgraf Wilhelm auch Grafen von Orlamünde. Dies ist ein Hinweis darauf, daß sich die Burg Orlamünde als besser zu verteidigende Höhenburg gegenüber der Burg Weimar, einer Wasserburg, zur Hauptburg in der Grafschaft Weimar entwickelt hatte.
Offenbar hatte schon die Übergabe eines Teils des Orlagaues an Wiprecht von Groitzsch den Anlaß für den verstärkten Ausbau der Burg Orlamünde gegeben. Wiprecht von Groitzsch, der damals mächtige Markgraf von Meißen, hatte nämlich seinen neuen, von König HEINRICH IV. erhaltenen Besitz im Orlagau mit der Errichtung der Burg in Oppurg befestigen lassen, so daß seitens der Grafschaft Weimar Abwehrmaßnahmen angezeigt waren. Aber wann und in welchem Umfang an der Burg Orlamünde gebaut worden ist, liegt bis heute im dunkeln.
Um die Bedeutung der mit der Burg Orlamünde verbundenen Pfarrei zu erhöhen, hatte Pfalzgraf Wilhelm die Pfarrei Orlamünde die Kirchen in Neusitz, Reinstädt, Synderstedt ud Krautheim bei Berlstaedt unterstellt und ihr die Zehnten aus Etzelbach und von alen Mühlen und Märkten der Grafschaft zugewiesen. Noch am Tage seines Todes, am 13. Februar 1140, bestätigte Pfalzgraf Wilhelm diese Verfügung, und auch die Pfarrurkunde aus dem Jahre 1194 nimmt auf diese Verfügung Bezug. Unter Pfalzgraf Wilhelm, der wie sein Vater im Kloster Springirsbach begraben liegt, scheint also der Einfluß der Weimarer Grafen bis kurz vor Rudolstadt ausgedehnt worden zu sein. Wo die in der Verfügung genannten Mühlen und Märkte lagen, ist nicht aufgeführt worden.

ERBEN des Grafen Ulrich II. von Weimar-Orlamünde
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I. Kunigunde Erbin von Beichlingen
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* um 1060, + 8.6.1140

  2. oo Kuno Graf von Beichlingen
                    + 1103

  3. oo Wiprecht der Ältere von Groitzsch
      x           + 22.5.1124

I. 1. Mathilde
        um 1090- nach 1117

  oo Heinrich I. Graf von Zütphen
               - um 1122

I. 2.  Adele
        um 1090-   1123

  1. oo Dietrich III. Graf von Katlenburg
      x   um 1185-12.8.1106

  2. oo Helferich Graf von Plötzkau
                 -   1118

I. 2. 1. Konrad Graf von Plötzkau
             um 1108-10.1.1133

I. 2. 2. Bernhard
             um 1110-26.10.1147

I. 2.3.  Irmgard Äbtissin von Hecklingen
                   -1.10. vor 1176

I. 3.  Liutgard
        um 1090- nach 1117

          oo Wilhelm I. Graf von Luxemburg
                       -17.6. nach 1129

I. 3. 1. Konrad II. Graf von Luxemburg
                   -   1136

I. 3. 2.  Liutgard
             vor 1117- vor 1170

             oo Heinrich II. Graf von Grandpre
                          - um 1150

I. 4. Kunigunde
               -8.6.1140

  1. oo Wiprecht II. Graf von Groitzsch
      x           -27.1.1116

  2. oo Diepold III. Markgraf von Vohburg
                  -8.4.1146

II. Adelheid Erbin von Orlamünde
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* um 1162,  + 28.3.1100

  1. oo Adalbert Graf von Ballenstedt
           um 1030, + um 1076/80

  2. oo Hermann Pfalzgraf bei Rhein
     x             + 20.9.1085/86

  3. oo Heinrich von Laach Pfalzgraf bei Rhein
                   + 12.4.1095

II. 1. Siegfried I. von Ballenstedt Pfalzgraf bei Rhein
        um 1075, + 9.3.1113

       oo Gertrud von Northeim, Schwester der späteren Kaiserin Richenza
            um 1090, + vor 1165

II. 1. 1. Siegfried II. von Ballenstedt Pfalzgraf bei Rhein
            um 1106, + 19.3.1124

II. 1. 2. Wilhelm von Ballenstedt Pfalzgraf bei Rhein
             um 1112, + 13.2.1140

II. 1. 3. Adela
            um 1110, + 10.8.1155

           oo Konrad I. Graf von Peilstein
                um 1116, + 16.3.1168

II. 2. Otto der Reiche Graf von Ballenstedt
        um 1070/73, + 9.2.1123

II. 2. 1. Albrecht der Bär Markgraf von Brandenburg
            um 1100, + 18.11.1170

III. Adelheid von Thüringen
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      um 1090,  + 1146

  oo Ulrich II. Graf von Weimar-Orlamünde
       um 1065, + 13.5.1112
 
 
 

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