4. Hermann
4.1. Hermann bis zur Einsetzung zum Markgrafen von Meißen
Zum Zeitpunkt des Todes Ekkehards
I.belagerte
Hermann
gerade
auf Befehl seines Vaters den Grafen Wilhelm in seiner
Burg Weimar.
Hermann zögerte
nicht, trotz der Feindschaft Ekkehards I. gegen HEINRICH
II. den Erbanspruch auf die
Mark
Meißen zu behaupten. Zusammen mit seiner Mutter Swanhildezog
er nach der Beisetzung Ekkehards I. nach Meißen. Er wurde
dort Zeuge, wie die Burg Meißen unter Mithilfe seines Onkels
Gunzelin
von Boleslaw Chrobry besetzt wurde.
Die Quellen geben über seine Stellung keine konkrete Aussage. Anscheinend
konnte er zusammen mit der Besatzung der Burg Meißen verlassen.
Ludat ist der Meinung, dass Thietmars Schweigen nur als
Einverständnis
Hermanns zu den
Vorgängen gedeutet werden könne, "was auch durch die kurz darauf
erfolgte Heirat mit Regilindis
bestätigt wird. Dafür gibt es jedoch keine konkreten Hinweise.
Auf dem darauffolgenden Hoftag in Merseburg wurde Hermanns
Onkel
Gunzelin
mit
der Mark Meißen belehnt. Nur die Eigengüter des ekkehardinischen
Hauses
gingen unangefochten auf die Söhne über; schon
vor der ersten Nennung als Markgraf von Meißen erscheint Hermann
im Besitz der schon von seinem Vater erworbenen Allodien Strehla und
Rochlitz.
Hermann scheint also
in Merseburg von Gunzelin mit polnischer Hilfe verdrängt worden
zu sein. Es wäre nur verständlich, wenn Hermannnun
versucht hätte, seinerseits Beziehungen zu polnischen Herrscherhaus
zu knüpfen. In diesem Zusammenhang muß seiner Heirat mit Regelindis
gesehen
werden.
Nach polnischer Forschung wurde Regelindis
um das Jahr 980 geboren. Sie war die zweite Tochter Boleslaw
Chrobrys aus dessen 3. Ehe mit Emnildis,
der Tochter des slawischen Fürsten Dobremir. Wann die Ehe geschlossen
wurde, ist nicht ganz sicher. Doch muß die Hochzeit zwischen dem
Merseburger Reichstag 1002 und dem Feldzug gegen die Polen im Jahre 1003
stattgefunden haben, da im Jahr 1002 Boleslaw
auf
seinem Rückweg von Merseburg nach Polen Strehla, ein Eigengut
Hermanns,
zerstört hat, während er es 1003 schonte, weil es ein Geschenk
an seine Tochter war.
Als während des ersten Polenkrieges (1003-1005)
Bautzen
mit dem Milzenerland vom Polen-Herzog Boleslaw
Chrobry zurückerobert werden konnte, wurde anscheinend
Hermann
die Schutzherrschaft über dieses Gebiet übertragen, das unter
Hermann
neben Meißen jetzt ein selbständiges Verwaltungsgebiet wurde.
Hermann
erscheint hier im Jahr 1007, als die Burgen Ostro, Drebnitz und
Göda dem Bistum Meißen unterstellt wurden, als Graf. Posse
äußerte die Meinung, dass die Einsetzung
Hermanns
mit
den bei Thietmar erwähnten Entschädigungen hinsichtlich des Friedensschlusses
von 1005 zusammenhänge. Demnach hätte Boleslaw
-
ähnlich wie bei der Belehnung Gunzelins mit der Mark Meißen
- nun sein Schwiegersohn Hermann als
Inhaber dieses wichtigen Grenzpostens durchgesetzt. Diese Mutmaßung
ist jedoch nicht sehr schlagkräftig, da sie nicht die verschiedenen
Positionen Boleslaws
berücksichtigt.
Im Jahr 1002 war er aufgrund der von ihm hergestellten Situation in der
Lage, Wünsche zu äußern. Jedoch konnte er sich nicht vollkommen
durchsetzen, da er für sich selbst die Belehnung mit Meißen
gewünscht hatte. Jetzt hingegen befand er sich in der Rolle des Besiegten.
Es gibt keine Veranlassung anzunehmen, dass er in der Lage gewesen wäre,
dem deutschen Herrscher seine Vorstellungen zu diktieren.
Vielmehr ist die Übertragung des Amtes an Hermann
als Vertrauensbeweis des Herrschers zu sehen, denn durch den Besitz Bautzens,
das Meißen östlich vorgelagert ist, wurde Hermann
zum eigentlichen Schützer des Reichs in dieser Gegend. Auch entsprach
die Belehnung sicher einer nüchternen politischen Erwägung. Hermannkonnte
als Schwiegersohn von Boleslaw als
der beste Vermittler zwischen dem Reich und Polen angesehen werden. Und
diese Vermittlerfunktion hat er in der Folgezeit auch wiederholt wahrgenommen.
So schickte ihn HEINRICH II.
1007 zu Boleslaw, nachdem sich die
Liutizen und Herzog Jaromir von Böhmen bei ihm wegen Übergriffen
von seiten
Boleslaws beklagt hatten,
um den zwei Jahre zuvor in Posen geschlossenen Frieden aufzukündigen.
Boleslaw nahm Hermann, den er früher
selbst zu sich eingeladen hatte, keineswegs gut auf und brachte eine weitreichende
Rechtfertigung für seine Übergriffe vor.
Wegen eines flandrischen Unternehmens überließ
HEINRICH
II. die Kriegsführung den sächsischen Großen.
Boleslaw
konnte die Gaue Lusizi, Zara und Selpoli erobern und belagerte wenig später
die Feste Bautzen.
Hermann gelang es,
einen siebentägigen Waffenstillstand auszuhandeln, und rief den Magdeburger
Dompropst Walther und die sächsischen Fürsten zu Hilfe, doch
die wurde ihm von keiner Seite gewährt. Die Stadt wurde deshalb gegen
den freien Abzug der Besatzung an Boleslaw
übergeben.
Hermann verlor damit auch sein Amt als Markgraf. Bis zu der Fehde mit
seinem Onkel im Jahr 1009 hören wir nun nichts mehr von ihm.
4.2. Verleihung der Markgrafenwürde
Nachdem HEINRICH II. Gunzelin
im Jahr 1009 als Markgrafen von Meißen abgesetzt hatte, übergab
er die Burgwacht Meißens, deren Besatzung abwechselnd für vier
Wochen von den umwohnenden Großen gestellt wurde, zuerst dem WETTINER
Friedrich von Eilenburg. Ihn löste Graf
Brun, der Bruder Gunzelins, ab.
HEINRICH II. scheint mit der Belehnung
Hermanns gezögert
zu haben, vielleicht weil er sich in Abwehr der Angriffe
Gunzelins,
ebenfalls des Landfriedensbruchs schuldig gemacht hatte. Erst auf die Intervention
der Königin, des Erzbischofs Tagino von Magdeburg und auf Rat und
Lob der Fürsten hin übergab er im Herbst 1009 die Mark Meißen
an Hermann.
Einen Tag vor Hermanns Ankunft
in Meißen versuchte eine Schar Polen im Auftrag von Boleslaw
Chrobry, die Burg zu überrumpeln. Sie zogen jedoch wieder
ab, als sie merkten, dass sie gegen die Besatzung keine Chance hatten.
"Die Einsetzung Hermanns konnte dem
Polen-Herzog nicht gleichgültig sein, denn an die Stelle des ihm ergebenen
Gunzelin
trat jetzt ein Mann, der sich bisher als treuer Anhänger HEINRICHS
gezeigt hatte und nach dem Verlust von Bautzen als ein entschiedener Feind
der Polen gelten mußte. Vielleicht, dass sogar durch eine zweite
Verheiratung
Hermanns mit Godila,
der Witwe des Grafen Liuthar von Walbeck (gest. 1007) [Richtig:
25.1.1003.], das Familienverhältnis zu Boleslaw
gelockert wurde.
4.3. Hermanns Tätigkeit als Markgraf
Im Jahr 1010 nahm Hermann an
einem Kriegszug nach Nieder- und Mittelschlesien teil. Hermann
erscheint
nach der Erkrankung des Königs und des Magdeburger Erzbischofs neben
dem Markgrafen Gero II. und anderen Fürsten als Heerführer.
Das Heer hatte sich in Belgern getroffen. Von sächsischen Teilnehmern
werden hier Herzog
Bernhard von Sachsen, Erzbischof Tagino von Magdeburg, Bischof
Arnulf von Halberstadt, Bischof Meinwerk von Paderborn, Thietmar von Merseburg,
die Markgrafen Gero und Hermann
und
Propst Walter von Magdeburg genannt. Von Belgern aus zog das Heer nach
Gehren in der Lausitz. Die Bischöfe Arnulf von Halberstadt und Meinwerk
von Paderborn, die Markgrafen Gero und Hermann,
Herzog Jaromir und andere sollten die Gaue Cilenski und Diedesi verwüsten.
Nach Verheerung dieses Gebietes kehrten die Sachsen durch die Ober-Lausitz
an die Elbe zurück nach Merseburg, wo der König sie erwartete.
Es ist anzunehmen, dass Hermann
die
Feste
Bautzen, aus der die polnische Besatzung geflohen war, befestigt hatte.
Da weder bei der polnischen Besitzergreifung noch jetzt irgendein staatsrechtlicher
Akt quellenmäßig belegt ist, kann man davon ausgehen, dass ein
solcher gar nicht für nötig gehalten wurden da das Milzenerland
und damit Bautzen ständig als zum Reich gehörig betrachtet wurde.
Hermann
verwaltete nun beide Markgrafschaften.
Im Frühjahr 1015 tritt Hermann erneut als
Vermittler zwischen
Herzog Boleslaw von Polen
und HEINRICH II. zur Aufrechterhaltung
des Friedens auf. Er war es auch, der den polnischen Abgesandten Stoignew
nach Hause begleitet und dem Polen-Herzog die abermalige Ladung, Ostern
in Merseburg vor dem Kaiser zu erscheinen, überbracht hat. Aber Boleslaw
hielt
seinen früheren Schwiegersohn - Regelindis,
die Tochter von Boleslaw Chrobry und
Gattin Hermanns, war vermutlich ein
Jahr zuvor gestorben - bis nach Ostern bei sich, und Hermanns
Rückkehr würde sich wohl noch länger verzögert haben,
hätte er sich nicht losgemacht, um nach Hauser zu eilen, wo man ihn
und die Antwort Boleslaws sehnsüchtig
erwartete. Thietmar erzählt nur, dass Kaiser
HEINRICH II., der sich im April in Merseburg aufhielt, den Markgrafen
mit Ungeduld erwartet habe. Bei diesem Empfang hatte Hermann
die Gelegenheit, den polnischen Gesandten Stoignew der Lüge zu überführen.
Hermann überbrachte
die Nachricht, dass Boleslaw nicht
bereit sei, die an ihn belehnte Lausitz zurückzugeben, worauf HEINRICH
II. zu einem neuen Feldzug in diese Gebiete aufbrach. Sein Plan
war, die Polen mit drei Heeren anzugreifen.
Das mittlere, das aus Ostsachsen und den Marken zusammengestellt
war, sammelte sich am 8. Juli und richtete großen Schaden in der
dortigen Gegend an. An diesem Feldzug, der Markgraf Gero II. und
viele andere das Leben gekostet hat, scheint Hermann
nicht teilgenommen zu haben. Er war offensichtlich in Meißen geblieben,
um von hier aus die Mark zu schützen. Wir hören nur, dass er
die Leiche des gefallenen Markgrafen Gero, seines Stiefbruders,
in Meißen von Bischof Eid entgegennahm, um sie in das Kloster Nienburg
zur Beisetzung zu bringen.
Der Kaiser kam auf seinem Rückzug - von Mieszko
verfolgt
- nach Strehla, wo er Hermann befahl,
sich um den Schutz der Burg Meißen zu kümmern, da sich
Mieszko
bereits im Markengebiet befände. Es war höchste Zeit, denn Mieszko,
Boleslaws
Sohn,
griff bereits die Stadt an. Am 13. September erfolgte der Angriff starker
polnischen Heerhaufen. Die Kriegsleute ("wethenici") in der leicht befestigten
Ortschaft unterhalb der oberen Burg zogen sich auf diese zurück; die
verlassene Unterburg wurde geplündert und angezündet. Nur mit
äußerster Anstrengung gelang es, Burg und Oberstadt zu halten.
Hermann
forderte sogar die sich in der Burg befindlichen Frauen auf, bei der Verteidigung
zu helfen. Sie schafften Steine an die Brustwehr heran und löschten
das Feuer in Ermangelung von Wasser mit Met. Sollte in dieser Passage auch
Thietmars Phantasie mit ihm durchgegangen sein, so ist doch an dem heldenhaften
Kampf der Meißener Besatzung nicht zu zweifeln.
Der Polenführer beobachtete den Kampf von einer
gegenüberliegenden Höhe aus und erwartete die Rückkehr der
ausgesandten Scharen, die das Land bis zur Jahna verwüstend durchstreiften.
Am folgenden Morgen sollte der Angriff mit verstärkter Kraft fortgeführt
werden. Aber in der Nacht begann der Wasserstand der Elbe so stark anzusteigen,
dass die Polen sich zum Abzug entschlossen. Meißen war somit gerettet.
Sofort ließ HEINRICH II.
die verbrannte Unterburg wieder aufbauen. Am 8. Oktober kamen der Erzbischof
Gero von Magdeburg, der Bischof von Halberstadt und der Chronist Thietmar
von Merseburg zusammen mit anderen weltlichen Großen nach Meißen.
Ihre Gefolgschaft baute in kurzer Zeit die Wasserburg wieder auf, und als
sie ihren Auftrag erfüllt hatten, übernahm Friedrich vonWettin
die Burgwacht. Der Kaiser schickte dem Markgrafen eine Verstärkung
der Besatzung.
Wie wenig die Umgebung von Meißen vor den Einfällen
der Slawen sicher war, beweist der Umstand, dass Bischof Eid, der kurz
nach seiner Rückkehr aus Polen am 20. Dezember auf dem Weg zum Kaiser
nach Merseburg in Leipzig erkrankte, aus Furcht vor einer künftigen
Verödung der Stadt und einer Schändung seiner Leiche wiederholt
darum bat, nach seinem Ableben nicht in Meißen, sondern in Colditz
begraben zu werden. Markgraf
Hermann ließ ihn aber trotzdem in Meißen beisetzen,
da er sich davon Sicherheit für Meißen erhoffte. Eid hatte nämlich
schon zu Lebzeiten im Ruf der Heiligkeit gestanden. Im Jahr 1017 wurde
erneut ein Feldzug gegen Polen unternommen, an dem
Hermann
ebenfalls
teilnahm. Als recht hinderlich erwies sich dabei die Bundesgenossenschaft
mit den heidnischen Liutizen. Als ein Lehnsmann des
Markgrafen
Hermann
ein mitgeführtes Götterbild durch einen Steinwurf
durchlöcherte, mußten die aufgebrachten Heiden durch eine Geldsumme
beruhigt werden. Und als dann beim Muldenübergang ein anderes Götterbild
ins Wasser fiel und verloren ging, sahen sie darin ein ungünstiges
Vorzeichen für die bevorstehenden Auseinandersetzungen.
Die Kämpfe endeten erfolglos. Es blieb bei der wechselseitigen
Beraubung und Verwüstung. Doch führten die letzten Auseinandersetzungen
schließlich zu einem Friedensschluß.
Am 30. Januar 1018 wurde in Bautzen "auf Herzog
Boleslaws ständiges Ersuchen", wie Thietmar berichtet,
Friede geschlossen. Erzbischof Gero, Bischof Arnulf, Markgraf
Hermann und andere waren von HEINRICH
II. als Unterhändler entsandt worden.
Aber die Bedingungen, die sie erlangten, waren nicht,
"wie es sich ziemt, sondern so wie es damals geschehen konnte". Daraus
ist zu entnehmen, dass dieser Friede keinen oder nur ganz geringen Landgewinn
brachte. Das wird durch den Bautzener Frieden von 1031 bestätigt.
Wenn Lausitz und Milzenerland 1031 zurückgewonnen wurden, so setzt
das ihren Verbleib bei Polen im Jahr 1018 voraus. Schloß der Friede
von 1018 auch nicht mit dem gewünschten Ergebnis ab, so kann doch
Hermann
keine
Schuld daran zugewiesen werden, denn er hatte durch Kampf und Verhandlungen
Bestmöglichstes zu erreichen versucht. Zur Besiegelung des Friedens
fand kurz darauf die Hochzeit einer Schwester
Hermanns
mit
dem Polen-Herzog statt. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass als Folge der
Unterhandlungen im Dezember 1017 der ehemalige Markgraf Gunzelin gleich
nach der Ankunft des Kaisers in Bamberg die Freiheit wiedererlangte, wenngleich
auch der gläubige Thietmar erzählt, es sei als Folge eines Wunders
geschehen. Im April 1018 sieht man Hermann
wahrscheinlich
aufgrund der neugeknüpften Verwandtschaftsbeziehung in Polen bei Boleslaw
und
seiner Schwester
Oda.
Im Jahr zuvor (1017) war es zu einem Streit zwischen
den ekkehardinischen Brüdern und
Bischof Thietmar von Merseburg gekommen, dessen Grund in der Restitution
des Bistums Merseburg zu suchen ist. Im Verlauf der Auseinandersetzungen
sah sich der Merseburger Bischof gezwungen, die Vermittlung des Kaisers
anzurufen.
Die Vorgeschichte stellt sich folgendermaßen dar:
Kaiser
OTTO II. hatte im Jahr 974
dem Bistum Merseburg die Stadt Zwenkau mit den dazugehörigen Forsten
geschenkt. Wahrscheinlich gingen diese bei der Aufhebung des Stifts an
das Erzbistum Magdeburg. Durch einen im Jahr 997 von Markgraf Ekkehard
I. vermittelten Tausch gelangte der Sömminger Forst an Magdeburg
und der Forst Zwenkau an den Kaiser, der diesen Forst wiederum an Markgraf
Ekkehard I. abtrat. Nach der Wiedereinrichtung des Bistums unterstellte
HEINRICH
II. im Jahr 1005 in Gegenwart der Großen und ohne, dass
die Brüder Hermannund Ekkehard
Einspruch
dagegen erheben konnte, die Waldungen durch Rechtsspruch wieder dem Bistum
Merseburg.
Die Hoheit des Bistums über den Zwenkauer Forst
muß aber für den Markgrafen Hermann
und seinen Bruder Ekkehard
sehr unbequem gewesen sein, da sie ihn
12 Jahre später um 60 Hufen einzutauschen versuchten. Als Thietmar
ablehnte, soll Hermann den Forst aufgrund
des in Kaiserurkunden verbrieften Besitzanspruches auf die Burgwarde Rochlitz
und Teitzig beansprucht haben, in der Annahme, der ältere Merseburger
Besitzanspruch sei inzwischen verjährt. Thietmar rief daraufhin den
Kaiser an, der - wahrscheinlich auf einer Versammlung am 22. Februar 1017
in Magdeburg - bestätigte, dass die Schenkung an Merseburg Vorrang
besitze. Thietmar von Merseburg hat sich nicht gescheut, eine Urkunde im
Namen OTTOS II. neu aufzusetzen, um
seine Ansprüche gegen die der EKKEHARDINERdurchzusetzen.
Es überrascht nicht, dass die Brüder Hermann und Ekkehard
mit der Entscheidung HEINRICHS II. nicht
zufrieden waren und deshalb beim Verlassen des kaiserlichen Hofes in Magdeburg
murrten: "Wir haben in dieser Angelegenheit bisher nichts Unüberlegtes
unternommen, sondern glaubten im Recht zu sein. Jetzt müssen wir es
wohl aufgeben.
Was sie auf dem Prozeßweg nicht erreicht hatten,
versuchten sie nun mit Gewalt zu erzwingen. Ekkehard
ließ
im Burgward Rochlitz zwei hohe Gehege zum Wildfang aufrichten. Vergebens
führte Thietmar sowohl bei dem Kanzler Gunther, Hermanns
und
Ekkehards
Bruder,
als auch bei dem Markgrafen Hermann
hierüber Klage. Zu Ostern 1018 wollte Thietmar den Ort selbst besichtigen;
er ließ einen Teil der Netze zerstören und ging nach Rochlitz,
wo er die unrechtmäßige Verweigerung des Zehnten und die Benutzung
des Forstes bei Androhung des Bannes untersagte.
Ekkehard bedrohte
daraufhin die Vasallen des Bischofs. Anscheinend war auch Gunther
an
diesem Tag zugegen, der zu vermitteln versprach und auch eine Einigung
der beiden Parteien erreichen konnte.
Diese kann nicht lange Bestand gehabt haben, denn Thietmar
hatte bald wieder über Wortbruch zu klagen: Die markgräflichen
Lehnsleute mißhandelten sechs seiner Leute und zerstörten ihre
Wohnstätten.
Thietmar berichtet nichts über den Ausgang der Streitigkeiten.
Er schreibt nur direkt im Anschluß, dass die Vasallen der EKKEHARDINER
ihren Zorn nicht nur an ihm, sondern auch an Erzbischof Gero von Magdeburg
in Werben und an Graf Siegfried in Nischwitz ausgelassen hätten. Mehr
ist über diese Aktion nicht zu erfahren. Thietmar wird sie deshalb
erwähnt haben, um die Gewalttätigkeit der EKKEHARDINER und
ihrer Vasallen zu bekräftigen. Weder gibt er einen Anhaltspunkt für
den Anlaß dieser Gewalttätigkeiten, noch schreibt er explizit,
dass sie auf Befehl von Hermann und
Ekkehard
geschehen seien. Posse stellt diese Übergriffe in Zusammenhang mit
einer Fehde, die Thietmar zum Jahr 1017 erwähnt. Aus dieser Thietmarstelle
geht jedoch klar hervor, dass es sich bei den Beteiligten nicht um die
EKKEHARDINER
handeln
kann.
Einige Jahre später ist ein weiterer Streit der
Brüder mit einem gewissen Eike überliefert. Als Grund wird angegeben,
Eike hätte die EKKEHARDINER beteiligt und - von diesen verfolgt
- beim Merseburger Bischof Bruno Schutz gefunden. Auch als sie diesem für
die Herausgabe Eikes die Abtei in Kleinjena und die neugegründete
Naumburger Propstei anboten, gab der Bischof nicht nach. Die Erzählung
bricht an dieser Stelle ab. Über den weiteren Verlauf oder Ausgang
ist nichts bekannt.
Markgraf Hermann
nahm erneut an Kämpfen teil, die im Jahre 1029 wieder begonnen wurden.
Im darauffolgenden Jahr fiel Mieszko
erneut in das Land zwischen Elbe und Saale und ein. Der polnische Überfall
veranlaßte
Kaiser
KONRAD II., in die Marken zurückzukehren. Ostern traf
er in Merseburg wahrscheinlich mit Hermannzusammen,
der nach dem Tod Dietrichs von der Ostmark (+ 10. Januar 1030)
die einzige Stütze des Reiches gegen die Slawen war, um die nötigen
Vorkehrungen gegen einen neuen Einfall und den nächsten Feldzug gegen
Polen zu besprechen.
Am 3. August 1031 befand sich KONRAD
II. in Imbshausen nördlich von Northeim. Auch Markgraf
Hermann und Bischof Meinwerk von Paderborn sind als anwesend
bezeugt. KONRAD begab sich von hier
aus nach Belgern, wo sich das Heer versammelte. Es wird hervorgehoben,
dass es ein kleines, aus Sachsen bestehendes Heer gewesen ist. Hermanns
Teilnahme
wird zunächst nicht ausdrücklich erwähnt, doch ist sie,
gemessen an früheren Jahren, nicht zu bezweifeln. Das Fehlen seines
Namens ist eher auf die Kürze der Hildesheimer Jahrbücher zurückzuführen.
Diesmal war das kriegerische Unternehmen von Erfolg gekrönt,
wie der darauffolgende Vertrag beweist. Mieszko
gab die Nieder-Lausitz an das Reich zurück. Es ist ungewiß,
ob auch das Milzenerland, die Ober-Lausitz, mit zurückgegeben wurde;
nicht viel später erscheint diese Provinz jedoch wieder bei der Mark
Meißen, und es läßt sich keine passender Zeitpunkt nachweisen,
in welchem der alte Gebietszustand wiederhergestellt worden sein könnte,
als der Friede mit Polen im Jahr 1031.
4.4. Hermanns Herrschaftsbereich
Die urkundlichen Angaben über die Gaue, in denen
Hermann
als
Graf erscheint, sind sicher unvollständig. Im Hassegau wird er im
Jahr 1028 als Inhaber von Grafenrechten erwähnt. Schölkopf ist
jedoch der Meinung, dass in Anbetracht der Lage des Ortes Wallhausen mit
einer Grafschaft Hermanns im eigentlichen
Hassegau wohl nicht zu rechnen sei, da man den Ort eher dem Gebiet des
thüringischen Helmegaus zurechnen müsse.
HEINRICH II. überließ
im Oktober 1012 dem Bistum Merseburg "quandam nostri iuris villam Celzini
dictam in burgwardo Ciusceburg in comitatu Herimanni comitis".
Gemeint ist das Dorf Zölschen im Burgward Keuschberg im Gau Nelletice.
Sicher ist Hermanns Grafschaft
im Gau Chutizi. Am 26. Mai 1028 schenkte KONRAD
II. seinem getreuen Dirsico vier Königshufen "in loco
Chotiza in pago Nouuigroda in comitatu Chuontiza prescripti (Herimanni)
marchionis".
Ferner beurkundet KONRAD II. am 19.
Mai 1030, dass er "villam nostri iuris Misici nuncupatam in pago Scudizi
et in comitatu prescripti (Herimanni)
marchionis sitam"
an ein Kloster gegeben habe. Am selben Tag belohnte der Kaiser den Markgrafen
Hermannmit dem königlichen Gut Groitzsch "in
pago Chuntiz situm in comitatu eiusdem". Am 24. Oktober 1031 endlich
schenkt Kaiser KONRAD II. seinem Getreuen
Szwisla zwei Königshufen "in villa Ouszarin in pago Szhudizi in
burgvardo Szholin in comitatu supra scripti Herimanni marchionis".
Jenseits der eigentlichen Reichsgrenzen hat Hermann
einige Landschaften, die unter seinem Vorgänger verlorengegangen
waren, zurückgewinnen und in die Mark Meißen eingliedern
können. Wenn seine Macht auch nicht an die seines früherer Jahre
wiedereinzubringen.
Es dürfte nicht ungerechtfertigt sein, die Gaue,
die sein Bruder und Nachfolger Ekkehard II. verwaltete, auch Hermann
zuzuschreiben.
Es sind die Gaue Weita, Zurba und Husitin.
4.5. Die Verlegung des Bistumssitzes von Zeitz nach Naumburg
4.5.1. Die Ursprünge Naumburgs
Der Stammsitz der Familie der EKKEHARDINER war
Kleinjena,
das an der Mündung der Unstrut in die Saale lag. Etwa um das Jahr
1000 legten die EKKEHARDINER auf den gegenüberliegenden Anhöhen
östlich der Saale, die zu ihrem Allodialbesitz gehörten, eine
neue Burg, die der Örtlichkeit den Namen gab (Naumburg). Es ist wahrscheinlich,
dass noch Markgraf Ekkehard I. und nicht erst einer seiner Söhne
die neue Burg gebaut hat.
Am östlichen Saaleufer gab es zu dieser Zeit bereits
eine ekkehardinische Burg saaleaufwärts
unweit von Naumburg oberhalb des Dorfes Altenburg (Almerich). Diese
Altenburg genannte Anlage scheint vor allem von Ekkehards I.
Bruder Gunzelin
genutzt worden zu sein. Sie wurde später im
Laufe der Auseinandersetzungen zwischen ihm und seinen beiden Neffen im
Jahr 1009 vollständig zerstört. Diese Burg von vermutlich geringem
Umfang hatte wohl nur eine Brückenkopffunktion gegenüber der
Burg von Kleinjena, was Ekkehard I. veranlaßt haben könnte,
flußabwärts an strategisch noch günstigerer Stelle eine
neue Burg zu errichten. Dafür spricht auch der heutige Status von
Altenburg,
das zu einem Vorort der Stadt Naumburg geworden ist.
Auch trat in dieser Zeit eine Änderung in der Burgenbauweise
ein. Steinmauern und Steinhäuser traten an die Stelle der Palisadenzäune
und Holzhallen. Und es wäre nur verständlich, "wenn ein Mann
wie Ekkehard I. mit so weit ausschauenden Plänen diese Verbesserung
nicht sollte in den Dienst seiner Pläne und in den Dienst der vermehrten
Machtentfaltung seines Hauses gestellt haben.
Dieser neuen Burg war offenbar von Anfang an die Aufgabe
zugedacht, als Ausgangspunkt für die Erschließung des Gebietes
östlich der Saale zu diesen und die Verbindung nach Osten hin zu decken.
Von hier aus ließen sich auch zwei belebte alte Heerstraßen,
zukünftige bedeutende Kaufmannswege, die in den Osten führten,
verbinden, vorausgesetzt, dass die Kreuzung militärische gesichert
werden konnte.
In dieser Vorburg gründete Ekkehards I. Sohn,
Markgraf
Hermann, eine Propstei, die erstmals im Jahr 1020 genannt wird,
damals aber schon ein paar Jahre bestanden haben muß ("noviter
fundata"). Etwa um dieselbe Zeit, als die Marienstiftskirche entstand,
verlegten die
ekkehardinischen Brüder
Hermann
und Ekkehard II. die Benediktiner-Abtei von Kleinjena,
in der zunächst ihr Vater Ekkehard I. 1002 beigesetzt worden
war, nach Naumburg. Es ist anzunehmen, dass das von Kleinjehna nach Naumburg
verlegte Kloster das dem Heiligen Georg geweihte Kloster ist, da das alte
Kloster bald aus den Urkunden verschwindet. Dem Georgenkloster trat zu
einem nicht näher bestimmbaren Zeitpunkt, aber vielleicht noch zur
Zeit Markgraf Ekkehards II., das Nonnenkloster St. Moritz zur Seite,
das auf der gegenüberliegenden Anhöhe des Mausabaches, ein ganzes
Stück südlich der Burg, lag. Später, vor dem Jahr 1119,
wurden die Nonnen vom Bischof wegen mangels an geistlichem Eifer vertrieben,
worauf die Gebäude den Augustinerchorherren übergeben werden.
4.5.2 Die Verlegung des Bistums von Zeitz nach Naumburg
Nach dem Wortlaut der Quellen wurde die Verlegung auf
Veranlassung König KONRADS II.
vorgenommen. Die entsprechende Papsturkunde besagt, dass KONRAD
II. mit brennendem Verlangen "fervens hoc desiderio"
alles tat, um seinen Plan auszuführen bzw. den Papst für die
Billigung seines Vorhabens zu gewinnen. Sowohl die Reichsfürsten wie
auch Erzbischof Hunold von Magdeburg als zuständiger Metropolit hatten
dem Vorhaben zugestimmt. Als kirchenrechtlich wirksames Motiv wurde die
Gefährdung des bisherigen Bischofssitzes durch feindliche Einfälle
angegeben.
Als neuer Sitz des Hochstiftes Zeitz war Naumburg vorgesehen,
ein Allod der ekkehardinischen Familie.
In Naumburg war bereits - wie schon erwähnt - eine Propstei vorhanden,
die von Hermann gegründet worden war, und dieses Kanonikerstift
wurde zur künftigen Kathedralkirche bestimmt. Es ist nicht ausgeschlossen,
dass KONRAD II. im Herbst 1028 von
Pöhlde aus, wo seine Anwesenheit am 9. Oktober bezeugt ist, selbst
nach Naumburg gekommen ist, um an Ort und Stelle das Nötige in die
Wege zu leiten. Gesandte wurden nach Rom geschickt, um die Zustimmung des
Papstes zu erlangen. Außer der einwandfreien Motivierung war für
die Genehmigung des Papstes auch der Nachweis erforderlich, dass der künftige
Bischofssitz kein unbedeutender Ort und dass eine geeignete Kirche vorhanden
sei. Nachzuweisen war, dass Naumburg ein geistliches Stift besaß,
das zu einem bischöflichen erhoben werden konnte, und dass auch in
Hinsicht auf die Prosperität des neuen Sitzes Vorsorge getroffen war.
Dieser Einwand wurde von den EKKEHARDINERN beseitigt,
indem sie versprachen, ihre in Naumburg liegenden Eigengüter der Kirche
von Naumburg-Zeitz zu überlassen. Daraufhin erteilte Papst
Johannes XIX. im Dezember des Jahres 1028 zu der beabsichtigten
Verlegung des Stifts seine vorläufige Genehmigung, und im Jahr 1030
wurde die Verlegung tatsächlich vollzogen.
In der Bestätigungsurkunde rühmt der Papst
die Art des kaiserlichen Vorgehens, wenn er sagt, dass durch die Rücksicht,
Vorsorge und Behutsamkeit des Kaisers - "intuitu providentia et moderatione"
- der Plan besonders gefördert worden sei. Das Verdienst wird also
in erster Linie dem Kaiser zugeschrieben; insofern ist es verständlich,
dass KONRAD II. in der Literatur als
Wiederhersteller und zweiter Gründer des Bistums bezeichnet wird.
Eine zu 1032 datierte Fälschung bestätigt ebenfalls
die Verlegung des Bischofsitzes von Zeitz nach Naumburg. Zwar kann ihr
Inhalt angezweifelt werden, doch nicht ihr Zeugnis für die Translation.
4.5.3. Die Gründe für die Verlegung
Als alleiniger Grund für die Verlegung des Bistums
von Zeitz nach Naumburg wird in den Urkunden die größere Sicherheit
vor feindlicher Plünderung angegeben. Wer jedoch der "hostis solitus"
ist, wird nicht gesagt. In der älteren Forschung wurde gemutmaßt,
dass damit die Slawen generell gemeint gewesen seien. Auch seien Stiftseinkünfte
bis dahin zu gering gewesen, um die Ausfälle zu decken, die durch
die häufigen Verwüstungen der bischöflichen Domänen
und zehntpflichtigen Ortschaften herbeigeführt wurden. "So schwankte
das Stift seit der Entstehung zwischen einer bedrängten Existenz und
gänzlichen Auflösung.
In neuerer Zeit glaubte man in diesem Feind die Polen
erkennen zu können, was im Zeitalter der Polenkriege im Osten des
Reiches sicherlich nicht von der Hand zu weisen ist. Und diese Gefahr schien
in der Tat gegeben gewesen zu sein, da Mieszko
von Polen gerade im Jahr 1028 einen ausgedehnten Raubzug im
Gebiet zwischen Elbe und Oder unternommen hatte. Doch muß man in
diesem Zusammenhang anführen, dass auch Mieszkos
Stellung keineswegs als gesichert gelten konnte, da er sich zu dieser Zeit
in arger Bedrängnis zwischen Russen und Böhmen befand. Auch der
Böhmen-Herzog Bretislaw wurde als mutmaßlicher Feind in Betracht
bezogen, da das Zeitzer Bistum, im Süden nur gedeckt durch eine noch
kaum besiedeltes Waldgebiet, an Böhmen grenzte.
Sucht man nach wirklichen Überfällen des Zeitzer
Bistums, stößt man nur auf einen einzigen Vorfall, und zwar
wurde Zeitz nicht von einem äußeren Feind heimgesucht, sondern
im Zusammenhang mit den inneren Kämpfen in Deutschland. Im Jahr 974
hatten die Böhmen als Verbündete des Bayern-Herzogs
Heinrichs des Zänkers Zeitz ausgeplündert und
den Bischof mit dem gesamten Klerus verjagt. Gegen ähnliche Vorgänge
war das Bistum auch an seinem neuen Sitz nicht gefeit. Zudem lag das Ereignis
ein halbes Jahrhundert zurück. Schubert führt dagegen an, dass
die fehlende Überlieferung von einem Slaweneinfall nicht als tatsächliches
Ausbleiben solcher Bedrängnis gewertet werden könne. "Die für
diese Zeit allgemein dürftige Quellenlage verbietet geradezu einen
Schluß e silentio".
Darüber hinaus stellt sich die Frage, warum ähnliche
Erwägungen nicht ebenso für die beiden anderen Bistumssitze in
Osten, Merseburg und Meißen, angestellt worden sind. Das Bistum Meißen
lag wesentlich weiter im Osten, war nur von slawischer Bevölkerung
umgeben und ist auch wiederholt in arge Bedrängnis geraten. Trotzdem
ist nie der Gedanke aufgetaucht, dieses Bistum rückwärts zu verlegen.
Schlesinger führt als Erklärungsversuch an,
dass der Bistumssitz Meißen gleichzeitig Sitz des Markgrafen gewesen
ist und Bischof und Domkapitel aus diesem Grund dort besseren Schutz als
an irgend einem anderen Platz der Diözese genossen. Auch in Merseburg
sei für den Schutz der kirchlichen Einrichtungen gesorgt gewesen,
da der Ort im Jahr 1028 zum Herrschaftsbereich der Grafen im Hassegau gehörte,
die zugleich Pfalzgrafen von Sachsen waren und "wegen ihrer vielfältigen
Beziehungen zu den Diözesanvorort geradezu Grafen von Merseburg genannt
zu werden verdienen. Nur das Bistum Zeitz sei auf sich allein gestellt
gewesen, denn die EKKEHARDINER, unter deren Obhut in diesem Zeitraum
das vormalige Markenland im Elstergebiet stand, hatten ihren Sitz im entfernten
Meißen.
Selbst wenn man von einer drohenden Gefahr für den
Bistumssitz Zeitz ausgeht, ist es doch verwunderlich, dass weder der damalige
Zeitzer Bischof Hildeward noch sein Domkapitel trotz päpstlicher Drohung
im Schlußteil der Verfügung nach Naumburg umgezogen sind. Hildeward
blieb in Zeitz, und als er zwei Jahre später starb, wurde er auch
dort begraben. Dass er sich selbst, "begleitet von den vornehmsten stiftischen
Geistlichen und weltlichen Stiftseingesessenen", 1028 in der Verlegungsangelegenheit
nach Rom begeben habe, steht nur in einer unechten Urkunde vom März
1032. Erst sein Nachfolger Kadaloh, ein Vertrauter des Kaisers, verlegte
seine Residenz nach Naumburg.
Das alles läßt vermuten, dass die Äußerungen
von der Unsicherheit von Zeitz auf die Entscheidungsträger in Rom
gemünzt waren, die dort unmöglich über die lokalen Verhältnisse
Ostthüringens Bescheid wissen konnten. Das geht auch aus einer weiteren
Textstelle der Bestätigungsurkunde hervor, aus der zu schließen
ist, Zeitz habe keinen "locus munitus" besessen. Doch das trifft
nicht zu, wie ein Blick auf den dortigen Burg- und Domberg beweist.
Auf der Suche nach den wirklichen Motiven, die eine Verlegung
des Bistumssitzes von Zeitz nach Naumburg veranlaßt haben könnten,
ist es nützlich, festzustellen, in wessen Interesse die Verlegung
des Bistums vorgenommen worden sein könnte. In erster Linie kommen
dafür der damalige Zeitzer Bischof Hildeward, Kaiser
KONRAD II. und die beiden Söhne Markgraf Ekkehards I.,
Hermann
und Ekkehard II., in Betracht. Es stellt sich heraus, dass die Verlegung
für alle Beteiligten einen Gewinn darstellte. Der Bischof konnte seinen
Besitz und die Sicherheit seiner Kirche erheblich vermehren; der Kaiser
wußte nunmehr das an der slawischen Grenze gelegene und deshalb dauern
von Verwüstungen bedrohte Bistum im Schutz einer modernen Befestigung;
die EKKEHARDINER erhöhten das Ansehen ihres neuen Stammsitzes
- um nur die nächstliegenden Begründungen zu nennen. Man kann
jedoch ausschließen, dass der Anstoß für die Verlegung
vom Zeitzer Bischof ausgegangen ist.
Bei der näheren Betrachtung der Motive des Kaisers
ergibt sich die Vermutung, dass seine Naumburg entgegengebrachte Fürsorge
in Zusammenhang gesehen werden muß mit einer möglicherweise
auf dieses Bistum gestützten Kolonisationspolitik. Merseburg konnte
wegen des Mangels an wirtschaftlich ausnutzbaren Wildland und der nach
der Neugründung eng begrenzten Diözese dazu nicht in der Lage
sein, um so mehr aber Naumburg, dessen Sprengel sich tief nach Südosten
in die Bannwälder, bis auf den Kamm des Erzgebirges, erstreckte. Es
ist möglich, dass mittels der königlichen Innenpolitik an diesem
Teil der Ostgrenze des Reiches eine neue Stütze der Königsmacht
aufgerichtet werden sollte.
Auch Preller sieht in der Verlegung eine Maßnahme
im Sinne kaiserlicher Wirtschaftspolitik. Helbig äußert hingegen
die Meinung, dass solche Überlegungen reine Mutmaßungen blieben,
da sie sich nicht beweisen ließen. Damit hat er sicher recht, doch
liefern sie eine gute Erklärung für die große Förderung
der Verlegungspläne durch den Kaiser. Und welche Probleme eine Bistumsgründung
oder - Verlegung mit sich brachte, zeigen hinlänglich die Schwierigkeiten,
die OTTO
DER GROSSE mit der Gründung Magdeburgs und HEINRICH
II. bei der Gründung Bambergs hatten. Auch war eine Bistumsverlegung
ein ungewöhnlicher Vorgang, zu dem man sich in der deutschen Kirche
des Mittelalters nur in Einzelfällen entschloß. Das führt
jedoch zu der Annahme, dass der Anstoß für die Verlegung von
den EKKEHARDINERN ausgegangen und dann vom König aufgegriffen
und gefördert worden ist. Mit der Verlegung des Bistums bringt Althoff
auch das Testament des letzten männlichen
EKKEHARDINERS in
Zusammenhang. Er ist der Meinung, dass Ekkehard II. anläßlich
der Verlegung versprochen habe, das Herrscherhaus bei seinem Tod als Alleinerben
einzusetzen. Diese Erklärung erscheint mir jedoch sehr weit her geholt,
denn Ekkehard hätte es zu dieser Zeit sicher nicht ausschließen
können, dass er nicht doch noch einen Erben bekomme.
Aber auch in diesem Erklärungsmodell erscheinen
die EKKEHARDINER als die Partei, die den Anstoß zu der Verlegung
gegeben hat. Betrachtet man nun die möglichen Beweggründe der
EKKEHARDINER
näher, so fällt zuerst auf, dass der neue Bistumssitz ein Eigengut
der EKKEHARDINER gewesen ist, obwohl im Bereich der Zeitzer Diözese
auch ebenso geschützte Königsburgen zur Verfügung gestanden
hätten, so zum Beispiel Kirchberg. Zudem befanden sich hier beide
Kirchen schon seit 976 im Besitz der Zeitzer Bischöfe. Für die
Initiative der EKKEHARDINER spricht auch, dass Hermann
und Ekkehard
schon einmal - nach 1018, aber vor 1028 - die Abtei
Gene zusammen mit der Propstei Naumburg dem Bischof von Merseburg übereignen
wollten. Die Merseburger Chronik berichtet, ein gewisser Eike, der Großvater
des Milo von Ammensleben, soll die ekkehardinischen
Brüder
beleidigt und sich dann unter den Schutz des Bischofs Bruno von Merseburg
gestellt haben. Die Beleidigten sollen Bruno die beiden Bistümer angeboten
haben, damit dieser ihnen Eike ausliefere. Der Bischof lehnte jedoch mit
dem Hinweis ab, er wolle seine Ehre nicht opfern, nur um seinen Nachfolgern
ein angenehmes Leben zu verschaffen.
Über den weiteren Verlauf der Fehde erfahren wir
nichts. Wichtig ist dagegen die abschließende, etwas vorwurfsvolle
Bemerkung des Merseburger Chronisten, aus dem Handel sei nicht geworden,
und die ekkehardinischen Brüder
hätten die beabsichtigten Schenkungen zu höheren Ehren erhoben.
Mit dieser Wendung spielte der Chronist sicher auf die Erhebung Naumburgs
zur Bischofsstadt an.
Deutlich wird durch diese Episode auf jeden Fall das
Bestreben der
EKKEHARDINER, mit einem der Bistümer in der Nähe
ihrer Stammbesitzungen enge Verbindungen zu knüpfen.
Was hat aber nun die EKKEHARDINERzu einem solchen
Wunsch veranlaßt? "Unschwer sind die Gedanken, die die Brüder
bewegten, zu erraten". Schlesinger führt sie auf das gewaltsame Ende
ihres Vaters zurück: "Ohne Beichte und Absolution war der Markgraf
dahingegangen." Deshalb sollen seine Söhne bemüht gewesen sein,
alles für sein Seelenheil zu tun. "Wenn sich über den Gebeinen
des Vaters eine Bischofskirche erhob, dann konnte die ewige Ruhe seiner
Seele vielleicht als gesichert gelten, und dies umso mehr, wenn diese Kathedrale
bei der von ihm selbst erbauten Burg, auf seinem der Kirche gestifteten
Eigengute errichtet wurde." Schlesinger hält es sogar für möglich,
dass Hermann und Ekkehard ihre
Kinderlosigkeit als Strafe für fast schuldhafte Verhalten ihres Vaters
angesehen haben. Die Abtei Gene, wo Ekkehard I. zunächst bestattet
worden war, kam als Bischofssitz nicht in Betracht, da sie zur Mainzer
Diözese gehörte. Und nachdem die Verhandlungen mit Merseburg
gescheitert waren, war nur noch Zeitz in der engsten Wahl.
Schon Lepsius sah in der Kinderlosigkeit Hermanns
und
Ekkehards
ein Hauptargument für die Verlegung des Zeitzer Bistumssitzes: "Näher
lag es ihnen jetzt, durch Handlungen der Wohltätigkeit und Frömmigkeit
sich mit dem Himmel zu befreunden". Die EKKEHARDINER
wollten für
ihren verstorbenen Vater und für sich selbst ein Zentrum der Memoria
schaffen. Da sie selbst keine Kinder hatten, war die weitere Pflege der
Memoria ihrer verstorbenen Ahnen und ihre eigenen nicht gesichert. Sie
konnte wohl am besten dadurch dauerhaft verankert werden, dass man eine
geistliche Gemeinschaft, wie etwa ein Domkapitel, zu dieser Aufgabe verpflichtete.
Das drohende Aussterben einer Familie hat im Mittelalter im übrigen
nicht selten Anlaß gegeben, die Memoria durch besondere Stiftungen
zu sichern.
Sauerländer und Wollasch gehen sogar noch einen
Schritt weiter, indem sie darlegen, dass das Motiv des Totengedenkens für
die ekkehardinische Familie noch vor
der Stiftung selbst stand. Als Beweis führen sie den Bericht des Annalista
Saxo an, der aussagt, Markgraf Ekkehard I. sei in seinem Kloster
Gene, dort, wo die Unstrut in die Saale mündet, begraben worden ("in
sua urbe nomine Gene in parrochia Mogontiensi, in loco ubi Sala et Unstrod
conflunt, sepeliri fecit"). "Sed post plures annos inde translatus
est er cum multis aliis de eadem progenie in civitatem Nuenburh, non procul
a priori loco in descensu fluminis Sale. Quam urbem devotio succedentium
heredum cum omni hereditate sua ad servicium. Dei eiusque genetricis et
sancti Petri aliorumque sanctorum tradiderunt, carnali posteritate deficiente.
Ex quo tempore episcopalis sedes, que fuit in urbe Cicensi, translata est
in eandem urbem."
Nach dem Dafürhalten von Sauerländer und Wollasch
wurde zuerst die Grabstätte vom ekkehardinischen
Eigenkloster Gene nach Naumburg überführt, danach erst die Stadt
Naumburg den Patronen des dortigen Domes geschenkt. Erst danach ("ey
quo tempore") sei der Bischofssitz von Zeitz nach Naumburg transferiert
worden. Am Anfang stand demnach der Wille zum Totengedenken an die Gruppe
der Stifterverwandtschaft. Diese hatte ihren ganzen Einfluß ("cum
omni hereditate sua und carnali posteritate deficiente") geltend gemacht,
um die Verlegung realisieren zu können.
Der Annalista Saxo ebenso wie die Cronica ducum de Brunswick
aus dem ausgehenden 13. Jahrhundert überliefern die Bischofskirche
in Naumburg als den neuen Ort der ekkehardinischen
Familiengrablege.
Es handelt sich also um eine zweifache Translation, die den Anfang der
Geschichte der Naumburger Bischofskirche begründete: zuerst die Translation
der ekkehardinischen Familiengrablege,
dann die Translation des Bischofssitzes Zeitz nach Naumburg. Das liturgische
Gedenken an die Naumburger Stifter wurde seit der Translation von Ekkehards-Gräbern
aus der Abtei Gene nach Naumburg immer wieder erneuert und wuchs an, bis
es zu einer jahrhundertealten Tradition wurde. "Diese ermöglichte
den Aufbau eines Gemeinschaftsbewußtseins, in dem sich die jeweils
gegenwärtige Naumburger Kirche mit ihren Stiftern zu einer Gemeinschaft
zusammenschloß. Solchermaßen vergegenwärtigte die liturgische
Memoria die verstorbenen Stifter von Jahr zu Jahr und bezeugt daher ihr
Weiterleben über den Tod hinaus." Dafür spricht auch, dass der
Bischof und das Domkapitel von Naumburg im Jahr 1249 allen Diözesen
die allgemeine bruderschaftliche Aufnahme in die eigene Gemeinschaft unter
Berufung auf das Modell der "primi fundatores" versprach. Auch wäre
ansonsten nicht zu erklären, auf welchem Weg die "primi fundatores"
in die urkundliche Aufzeichnung von 1249 hätten eingehen können.
Bei aller Macht und Bedeutung der EKKEHARDINER hätten sie die
Verlegung jedoch nicht allein bewirken können. Dies war nur im Zusammengehen
mit Kaiser und Papst denkbar. Dass KONRAD II.einige
Gründe hatte, dem Wunsch der EKKEHARDINER zu entsprechen, ist
schon dargelegt worden. Und über das enge Verhältnis, das die
EKKEHARDINER
zum
Herrscherhaus pflegten, geben ihre vielfachen Interventionen Auskunft.
Sie waren im Jahre 1027 die einzigen weltlichen Großen, die bei der
Kaiserkrönung KONRADS II. in Rom
bezeugt sind. Es ist nicht auszuschließen, dass schon zu diesem Zeitpunkt
erst Gespräche über die Verlegung stattgefunden haben.
4.5.4. Die wirtschaftliche Ausstattung des neuen Bistumssitzes
Mit der Verlegung des Bistumssitzes war die Schenkung
der EKKEHARDINER in Kraft getreten. Naumburg war nun nicht mehr
ihr Eigengut, sondern im Besitz der Kirche. Weitreichende Schenkungen machten
auch das Herrscherhaus dem neuen Bistumssitz. Kurz nach der Verlegung im
Jahr 1030 stattete KONRAD II. auf Fürbitte
der Kaiserin, der Erzbischöfe von Mainz und Magdeburg in Belohnung
der treuen Dienste Hermanns für
die Kirche Naumburg mit einer Waldschenkung - einen Buchenwald bei Naumburg
- aus, das heißt mit Holz zum Heizen und zum Bauen. Dazu verlieh
KONRAD
das ausschließliche Jagdrecht.
Dieser Stiftung folgte im Jahr 1032 auf Vermittlung derselben
Fürsten eine weitere: KONRAD übereignete
dem Bischofssitz den königlichen Hof in Balgstädt mit den dazugehörenden
Waldungen und den Steinbrüchen auf dem Rödel, der östlichen
Fortsetzung des Langen Berges zwischen Wilsdorf und Freyburg. Diese Steinbrüche
bargen den als Baumaterial sehr begehrten Schaumkalk, waren also jetzt
vom Kaiser dazu bestimmt, das Rohmaterial für den Bau des Doms zu
liefern.
Aber die wichtigste Maßnahme für die Vergrößerung
des Ortes, die Zunahme der Bevölkerung und die Prosperität der
neuen kirchlichen Ansiedlung war die Gründung eines Marktes. Zwar
wird in der Nähe des Burgbezirks auch schon vor 1028 eine kleine Siedlung
von Handwerkern und Kaufleuten bestanden haben - Naumburg wird schon in
der Schenkung des Kaisers aus dem Jahr 1030 "civitas" genannt -, doch wirtschaftlichen
Aufschwung brachte dem jungen Bistumssitz zweifellos erst das Privileg
Bischof Kadalohs aus dem Jahr 1033, das die Kaufleute aus dem benachbarten
Kleinjehna an der Unstrut, dem Stammsitz der EKKEHARDINER, zur Übersiedlung
nach Naumburg zu veranlassen suchte und das als eines der ältesten
deutschen Privilegien dieser Art gelten kann. In dieser Urkunde werden
den Kaufleuten vom Bischof mit kaiserlicher Vollmacht und unter Zustimmung
der EKKEHARDINER umzäunte Grundstücke ("septa cum areis")
und für diese Zinsfreiheit ("sine censu") und freies Verfügungsrecht
("indeque licentiam faciendi quicquid voluerit habeat") zugesichert
und Handelsfreiheit gewährt. Dieses Privileg kam einer Stadtgründung
gleich. Später hat man den Vorgang von 1033 als Gründung eines
"forum reale" angesehen, auch wenn es sich nicht um eine Privileg
des Königs für den Bischof, sondern des Bischofs für die
Kaufleute gehandelt hat. Mit dem Recht aller Kaufleute "unserer" Gegend,
von dem Kadaloh spricht, kann nur das sächsische Kaufmannsrecht gemeint
sein, wie es in Magdeburg, Bremen, Merseburg, Halberstadt, Quedlinburg
und an anderen Orten bestand und im Jahr 1036 in allen vom König anerkannten
Marktorten Geltung hatte.
Das Verhältnis der neuen Ansiedler zum Bischof wird
treffend durch die Wendung "ritu omnium mercantium liberaliter obsequantur"
charakterisiert; sie sollen in Freiheit gehorsam sein. Es ist also an freiwillige
Zusammenarbeit gedacht, unter Beachtung der Herschaftsrechte des Bischofs.
Der interveniert seinerseits beim König, um für die Kaufleute
das "ius gentium" zu erlangen, das nur vom König ausgegeben
werden kann. Es handelt sich um die "undique exeundi et redeundi immunitas".
Die den Naumburger Kaufleuten zugesagte Zinsfreiheit und freie Veräußerbarkeit
der Hausgrundstücke gehörte anscheinend zunächst nicht zu
der "lex ac iustitia, quae in omni legitimo solent haberi mercato".
Auffällig ist, dass die auf Eigengut derEKKEHARDINER
in Kleinjena angesiedelten Kaufleute nicht ohne ihren Willen nach einem
anderen, nur in geringer Entfernung gelegenen ekkehardinischen
Eigengut umgesiedelt werden konnten, sondern durch besondere Vergünstigungen
dazu bewogen werden mußten; andererseits waren die in Zeitz zu vermutenden
Kaufleute offenbar nicht bereit, den Ort zu verlassen.
Im Hinblick auf die wirtschaftliche Lage des neuen Bistumssitzes
ist noch einmal die zu 1032 datierte gefälschte Urkunde interessant.
Sie bestätigt die Verlegung und das Recht des Naumburger Domkapitels,
den Bischof zu wählen. In einem Nebensatz wird eine große Schenkung
der Markgrafen Hermann und Ekkehard
erwähnt,
die ihren Allodialbesitz der Naumburger Kirche geschenkt haben sollen.
Dadurch wollte das Naumburger Kapitel die päpstliche Autorität
gleichzeitig für seinen damaligen Besitz und Besitzanspruch einspannen.
Bei der Abfassung der Urkunde wurde jedoch übersehen, dass im Jahr
1032 das ekkehardinische
Erbe
noch gar nicht fällig war.
4.6. Godila
Von einigen Forschern wurde die Mutmaßung ausgesprochen,
Hermann
habe nach dem Tod von Regelindis noch
einmal geheiratet. Als Beweis führten sie eine Stelle bei Thietmar
an, in welcher der Chronist berichtet, dass Liudgardnach
dem Tod ihres Vaters Ekkehard I. zu Werner von Walbeck
zurückkehren
konnte. Nach der Hochzeit erkrankte dessen Vater
Markgraf Liuthar
und starb am 25. Januar 1003. Seine Witwe
Godila blieb vier Jahre
unverheiratet, dann verband sie sich mit ihrem Verwandten Hermann, ohne
sich um den Bann, den Bischof Arnulf von Halberstadt gegen sie verhängt
hatte, zu kümmern. Zudem täuschte sie auch noch drei andere Bischöfe,
bei denen sie im Wort stand und die ihr diese Ehe untersagt hatten.
Godila wurde deshalb vom Halberstädter Bischof
exkommuniziert und hatte auch keine Hoffnung mehr, Kinder zu bekommen.
So weit der Bericht Thietmars. Zwar wurde in der Forschung der bei Thietmar
genannte Hermann meist mit Hermann von Werl identifiziert, doch glaubten
Posse und Stöwesand in ihm den ekkehardinischen
Hermann sehen zu können, da bei ihm die Verwandtschaft
mit Godila offen sichtbar wäre. Sie war die Schwiegermutter
seiner Schwester Liudgard, er der Bruder von Godilas Schwiegertochter.
Zusätzlich würde auch Thietmar auf den ekkehardinischen
Hermann hinweisen, da er unmittelbar davor die Hochzeit von
Liudgard
und Werner, dem Sohn Godilas, erwähne. Nach den kirchlichen
Statuten damaliger Zeit hätten beide als verwandt gegolten, da sich
die Auffassung durchgesetzt hatte, dass durch den Vollzug der Ehe nicht
nur die Ehepartner, sondern auch derer beider Sippen bis zum 7. Grad miteinander
blutsverwandt werden.
Nimmt man nun an, dass Thietmar den ekkehardinischen
Hermann gemeint hat, wäre es verständlich, dass sich
das Verhältnis zu seinem ehemaligen Schwiegervater, Boleslaw
Chrobry, nicht mehr so eng gestaltet hat, erklärt Posse.
Darüber hinaus könnten die unkanonische Ehe und der kirchliche
Bann Hermann dazu gebracht haben, die
Verlegung des Bistumssitzes von Zeitz nach Naumburg so intensiv zu betreiben.
Nach Stöwesand ist in diesem Zusammenhang auch Hermanns Abkehr
von seinen weltlichen Amt und der Rückzug in das Naumburger Domkapitel
zu sehen. Diese Überlegungen mögen zwar alle logisch klingen,
doch zwei Tatsachen widersprechen einer Eheverbindung zwischen
Hermann
und
Godila.
Nach dem Bericht Thietmars hätte die Eheschließung zwischen
Hermann
und Godila im Jahr 1007 stattfinden müssen. Es ist jedoch anzunehmen,
dass Regelindis zu diesem Zeitpunkt
noch gelebt hat. Im Naumburger Nekrolog ist zwar ihr Todestag, der 21.
März, überliefert, das Todesjahr jedoch nicht. Auffällig
ist aber, dass Hermann bis Ostern 1015
von Thietmar häufig als "socer" Boleslaw
Chrobrys bezeichnet wird, danach nicht mehr. Einige Forscher
nehmen deshalb an, dass sie erst nach 1014 gestorben ist.
Auch das Altersverhältnis von Godila und
Hermann
spricht gegen eine Heirat. Godila
war bei der Geburt ihres Sohnes
Werner nach Thietmars Bericht 13 Jahre alt. Werners zukünftige
Gemahlin,
Liudgard, war das erste Kind von Ekkehard I. und
Swanehilde.
Wenn man nun annimmt, dass Werner und Liudgard
etwa gleichaltrig
waren, so muß Godila
etwa 10 oder 15 Jahre älter gewesen
sein als
Hermann,
das zweite Kind des meißnischen Markgrafenpaares. Ein für diese
Zeit unüblicher Altersunterschied, wenn man die Tatsache in Betracht
zieht, dass es sich bei dieser Eheschließung um keine politisch initiierte
Verbindung gehandelt haben kann.
Weiter spricht meines Erachtens gegen diese Eheverbindung,
dass Godila weder im Naumburger Memorialwesen, noch unter den Stifterfiguren
zu finden ist.
4.7. Hermanns Tod
Markgraf Hermann wird
in den Quellen das letzte Mal am 24. Oktober 1031 erwähnt, sein Bruder
Ekkehard
erscheint
am 17. Dezember 1032 mit dem Markgrafentitel, während er bis dahin
nur als "comes" bezeichnet worden war. Aus diesem Grund wurde der Zeitpunkt
von Hermanns Tod in diesen Zeitraum
gelegt. Dagegen spricht, dass Bischof Kadaloh im Jahr 1033 mit Zustimmung
Hermanns
und
Ekkehards
ein Privileg ausgestellt hat. Die Nennung Hermanns
ergibt keinen Sinn, wenn er zu diesem Zeitpunkt schon tot gewesen wäre.
Auch melden die Annales Altahenses maiores das Ableben Hermanns
zum Jahr 1038. Schmid mutmaßt, dass es sich bei dem zum 1.
November im Leidener Martyrolog-Nekrolog eingetragenen "Herimannus
marchio" um den Markgrafen Hermann von
Meißen
handelt.
Die Untersuchung von zwei Naumburger Totenbucheinträgen erbringt jedoch
ein anderes Ergebnis. In einem Mortuolog ist die Reihe der Wohltäter
aufgelistet;
Hermann wird hier zwischen
"Ditmarus Comes fundator" und "Theodericus Comes fundator"
aufgeführt, wobei der Vergleich mit einem anderen Mortuolog-Extrakt
zeigt, dass diese Reihe nach den kalendarischen Todestagen angeordnet ist.
Demnach müßte
Hermann zwischen
dem 3. Juli, dem Todestag von Ditmar, und dem 14. Oktober, dem Todestag
von Theodericus, verstorben sein. Hinzu kommt, dass die Annales Altahenses
maioresHermanns Tod zwischen dem 20.
August, der Erhebung Tiemos in Hildesheim, und dem 15. August, dem Tod
Stephans
von Ungarn, der sicher erst mit Verspätung bekannt geworden
sein wird, erwähnen. Daraus läßt sich meines Erachtens
schließen, dass Hermann wohl
in den letzten Tagen des Augusts oder in der 1. Hälfte des September
im Jahr 1038 gestorben ist. Der 1. November dürfte demnach
als sein Todestag ausscheiden [Leider ist es mir nicht möglich, den
im Leidener Martyrolog-Nekrolog zum 1. November eingetragenen "marchio"
Hermann
zu identifizieren.].
Darüber hinaus hat sich herausgestellt, dass sich
Ekkehards
Nennung
als Markgraf im Jahre 1032 nicht auf Meißen, sondern auf die Ostmark
bezogen hat. Als Markgraf von Meißen erscheint
Ekkehard erst
nach 1038. Trotzdem wäre es möglich, dass bei der bisherigen
Stellung der beiden Brüder zueinander ein Wechsel noch zu Lebzeiten
Hermanns
ganz unauffällig vonstatten gegangen ist, da ja Ekkehard II.
schon vor der Übernahme der Markgrafschaft in Meißen oft neben
seinem Bruder erscheint und über die letzten Jahre Hermanns
nichts
bekannt ist. Breßlau zog die Möglichkeit einer Erkrankung des
Markgrafen
Hermann in Betracht.
Interessant ist die Nachricht eines Naumburger Kirchenregisters,
in dem ein Hermann als "comes et canonicus"
erscheint. Das eröffnet die Möglichkeit, dass Hermann
nach seiner letzten Nennung als Markgraf in das Naumburger Domkapitel eingetreten
und dort bis zu seinem Tod im Jahr 1038 geblieben ist. Genau so
gut wäre es jedoch möglich, dass es sich dabei nur um ein Ehrenkanonikat
handelte. Und das wäre nach den Vorgängen der Bistumsverlegung
für Hermann als Haupt des
ekkehardinischen Hauses immerhin möglich. Nimmt man lediglich
ein Ehrenkanonikat an, gibt es jedoch keine Erklärung dafür,
was Hermann die letzten Jahre seines Lebens gemacht hat.
Gegen eine Identifizierung dieses "comes et canonicus"
mit dem ekkehardinischen Hermann spricht,
dass dessen Todestag mit dem 2. April angegeben ist. Dieses Datum erscheint
nach den vorher angestellten Überlegungen jedoch nicht als wahrscheinlich
für den Todestag des Meißener Markgrafen
Hermann.
4.8. Hermanns Interventionen und sein Ansehen
Die Stellung Hermanns zu
HEINRICH
II. ist durch kaum eine Besonderheit gekennzeichnet. Wir hören
von keiner Benachteiligung des Meißener Markgrafen, aber auch
von keiner Bevorzugung. Einzig die Erhebung seines Bruders Eilward
zum Bischof von Meißen nach Eids Tod im Jahr 1016 könnte
hier erwähnt werden, da die Ernennung durch den Kaiser auf Hermanns
Veranlassung hin geschah, wie Bischof Thietmar von Merseburg ausdrücklich
sagt. Dass HEINRICH der Familie Ekkehards
I. dessen Gegenstellung im Zusammenhang mit der Königserhebung
nicht nachtrug, zeigt auch die Stellung Gunthers,
der als Kanzler HEINRICHS II. fungierte.
Dass HEINRICH II. Hermann
vertraute, zeigt dessen Erhebung zunächst zum Markgrafen
des Milzenerlandes, später zu dem von Meißen. Der Kaiser
wußte auch dessen Familienverbindung zum PIASTEN-Haus
zu schätzen und politisch zu nutzen, indem er Hermann
des öfteren als Vermittler einsetzte. Aus der Regierungszeit
HEINRICHS II. ist nur eine einzige
Intervention Hermanns überliefert.
Im Jahr 1019 sind Hermann und sein
Bruder Ekkehard in der Nähe des Kaisers in Goslar, wo er, umgeben
von einer zahlreichen Versammlung der Großen, die Fastenzeit verbrachte.
Hermann intervenierte hier zusammen
mit seinem Bruder Ekkehard
am 20. März zugunsten des Bischofs
Meinwerk von Paderborn. Unter KONRAD II.
tritt in Hermanns Stellung zum Königtum
eine Änderung ein. Müssen wir auch eine so ausführlich Chronik
entbehren, wie sie Thietmar von Merseburg für die Zeit HEINRICHS
II. bis zum Jahr 1018 geboten hat, so steigt jetzt die Anzahl
der Interventionen an, war auf ein gutes Verhältnis zum König
schließen läßt. So verbrachte Hermann
im Jahr 1024 zusammen mit dem Gefolge des Königs und anderen Großen
Sachsens das Weihnachtsfest in Minden. Auch dass Hermann
mit seinem Bruder Ekkehard als einzige deutsche weltliche
Fürsten bei der Kaiserkrönung
KONRAD
II. in Rom zu Ostern 1027 nachweisbar sind, hebt ihn aus der
Zahl der übrigen deutschen Fürsten heraus. Überliefert ist
Hermanns
Anwesenheit
in Rom, da er hier nach der Kaiserin
Gisela, dem Thronfolger
HEINRICH
III. und
Bischof Bruno von Augsburg
erneut zusammen mit seinem Bruder für Paderborn intervenierte. Territorial
hatten die beiden Brüder weder mit Paderborn noch mit dem geschenkten
Hof Erwitte etwas zu tun. Den Schlüssel zum Verständnis ihrer
Intervention bietet der Ausstellungsort Rom, wo sich der Paderborner Bischof
Meinwerk anläßlich der Kaiserkrönung KONRADS
die
Unterstützung möglichst vieler Großer verschaffte, wie
er es schon unter HEINRICH II. getan
hatte. Dass dafür die anwesenden sächsischen Grafen besonders
in Frage kamen, ist verständlich.
Hermann scheint von
Anfang der Regierung an KONRAD nahe
gestanden zu haben, da er oft in der Nähe des Kaisers zu finden ist
und offenbar zu den bevorzugten Ratgebern des Herrschers gehörte.
Im Mai 1028 erhielt auf Vermittlung des Markgrafen
Hermann in dessen Grafschaft Chutizi ein Getreuer des Kaisers
namens Dirsico vier Königshufen in Gautsch zum Geschenk. Hermanns
Anwesenheit in Paderborn in diesem Augenblick ist aber nicht
durch eine derartige Schenkungsangelegenheit veranlaßt worden, sondern
durch den Einfall des Königs Mieszko
in die Marken im Frühjahr 1028. Wahrscheinlich fanden hier Gespräche
über das zukünftige Verhalten gegenüber dem polnischen Herzogtum
statt.
Wenig später - im August 1028 - finden wir Hermann
in der Nähe des Kaisers in dessen Pfalz Wallhausen. Bischof Meinwerk
von Paderborn erhielt hier eine Bestätigung der Güter und Rechte
seines Bistums, und auf Bitten des Markgrafen
Hermann sowie dessen Bruder Ekkehard
und
des Grafen Udo restituierte KONRAD
einer
gewissen Berethild das ihr widerrechtlich entrissene Gut, das sie an Paderborn
gegeben hatte.
Im Nai 1030 belohnte KONRAD
den Markgrafen wegen seiner Treue mit einem königlichen Gut in Groitzsch,
während auf seine Verwendung dem Kloster Naumburg das Dorf Muschwitz
in Hermanns Grafschaft Chutizi zugewendet wurde. Im November 1030 belohnte
KONRAD in Wallhausen die großen
Verdienste des Markgrafen Hermann und
erteilte auf dessen Bitte dem inzwischen von Zeitz nach Naumburg verlegten
Bistum, einer Stiftung der ekkehardinischen Familie,
die Erlaubnis, im Buchenwald bei Naumburg Holz zu schlagen. Und auch im
August des folgenden Jahres war Hermann beim
Kaiser in Imbshausen, wo dieser auf Bitten Hermanns
dem Hochstift Paderborn eine Schenkung ausstellte. Den Herbst
und Winter 1031 verbrachte der Kaiser in Sachsen und Thüringen. Am
24. Oktober war er in Tilleda, wo er auf Bitten
Giselas,
HEINRICHS
sowie der Brüder Hermann und
Ekkehard,
die sich mit ihren Mannschaften im Heere des Kaisers befunden haben, seinem
Getreuen Szwizla, offenbar einem Slawen, zwei Königshufen im Burgward
Schköhlen, in Hermanns Grafschaft Chutizi, verlieh. Es ist anzunehmen,
dass dies für geleistete Kriegsdienste geschah. Im Jahr 1032 schenkte
der Kaiser auf Vermittlung der Kaiserin, der Erzbischöfe von Mainz
und Magdeburg sowie der Brüder
Hermannund
Ekkehard
dem
Naumburger Stift den Hof Balgstädt. Und ein Jahr später wird
ihre Zustimmung zur Übersiedlung der Kaufleute von Kleinjena nach
Naumburg überliefert. Diese Urkunde ist zeitlich die letzte, die den
Markgrafen
Hermann erwähnt. Wie dargelegt, trat Hermann
häufig als Fürsprecher auf, und dies auch mehrfach
in Angelegenheiten, die sein Einflußgebiet nicht unmittelbar betrafen,
wie die Urkunde für Minden und Paderborn beweisen. Dieser Befund wird
noch verstärkt, wenn man beachtet, dass unter KONRAD
II. im Vergleich zu seinen Vorgängern die Zahl der gräflichen
Intervenienten zurückgegangen ist. Eine alleinige Intervention eines
Grafen findet sich überhaupt nicht mehr. Die als Mitintervenienten
genannten Grafen sind fast immer die gleichen. Unter ihnen tritt besonders
häufig der
Markgraf Hermann von Meißen
hervor. Er muß also zu den bevorzugten Ratgebern des Königs
gehört haben.
Eine ganze Reihe dieser Urkunden läßt auch
erkennen, dass zwischen Hermannund
KONRAD
II. ein gutes persönliches Verhältnis bestanden haben
muß, nennt ihn doch der Kaiser des öfteren "fidelis noster
marchio" und einmal sogar "inclytus marchio", eine Bezeichnung,
die seine Wertschätzung deutlich genug ausdrückt.
Ein hervorragendes Zeugnis für das Einvenehmen zwischen
KONRAD
II. und Hermann ist auch
die Transferierung des Bistums von Zeitz nach Naumburg. Diesem sonst für
die Zeit ungewöhnlichen Vorgang muß eine enge Zusammenarbeit
als Grundlage vorausgesetzt werden.
Interessant ist, dass Hermann
fast immer zusammen mit seinem Bruder auftritt, wobei er als älterer
Bruder an erster Stelle genannt wird. Eine ähnliche Praxis ist auch
bei den NORTHEIMERN festzustellen. Vermutlich teilten sich die Brüder
in irgendeiner Form die Herrschaftsstellung des Vaters, wobei einem der
Brüder der Vorrang zufiel. Wie man diese Teilung im einzelnen handhabte,
läßt sich nicht genau feststellen. Eine Halbierung ist nirgends
mit Sicherheit nachweisbar.