"Die Grafen von Stade" Stade 1956
B. IDA VON ELSDORF UND IHRE FAMILIE
Ida ist eine Schwester Richenzas von Werl-Northeim, also
Schwägerin Ottos von Northeim
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Keine zeitgenössische Quelle berichtet über
diese in der Mitte des 11. Jahrhunderts lebende Dame, die durch ihre Tochter
Richenza zur Stammutter des Hauses OLDENBURG wurde und deren Nachlaß
(die "hereditas Idae")
so bedeutungsvoll für die Geschichte des STADER Hauses im 12. Jahrhundert
werden sollte.
Keine Erwähnung der "possessiones dominae
Idae" liegt in der Urkunde
Kaiser
KONRADS III. von 1145 vor. Die nächste offizielle Nennung
der umstrittenen Erbschaft findet sich dann im Diplom PHILIPPS
VON SCHWABEN aus dem Jahre 1200, in dem auch die "hereditas
feminae Idae" der Bremer Kirche bestätigt wird.
Außer diesen Urkunden war die bisherige Forschung
nur auf die Nachrichten Alberts angewiesen. Als Erich Brandenburg im Anschluß
an seine "Probleme um die Kaiserin Gisela" einen kleinen Exkurs über
Ida schrieb, kam er zu dem Ergebnis, es sei "völlig vergebliche
Mühe", auf dieser Basis weitere Untersuchungen zu beginnen.
Gestützt auf die im Exkurs I begonnene Auswertung
der Rodenfelder Chronik, soll jedoch hier ein neuer Versuch gemacht werden,
die Verwandtschaft und Herkunft Idas
zu klären. In einer unveröffentlichten
Handschrift der für die STADER Familie so wichtigen Quelle findet
sich nämlich im Anschluß an die Behauptung, dass Idas
Sohn
Ekbert
ein "cognatus" Udos II. von Stade gewesen sei, ein Passus, der als
Erläuterung der Verwandtschaft zwischen Udo II. und Ekbert
anzusehen
ist.
Im Gegensatz zu Albert, der seine Erläuterung zu
Idas Abstammung durch Zwischenbemerkungen unübersichtlich macht,
verfolgt der Text der Rosenfelder Chronik einen gewissen logischen Ablauf:
Nachdem festgestellt wurde, dass Udo II. den Ekbert
erschlagen hat,
- obwohl es sein Verwandter war -, nennt der Chronist die Mutter Ekberts,
nämlich Ida.
Das wäre also ein Hinweis auf die
Verwandtschaft von Ekberts Seite. Anschließend bezeichnet
er Udos II. Frau als "Oda aus Westfalen und Stieftochter Ottos
von Northeim". Erst dann erwähnt er Idas
Reaktion auf
den Mord, nämlich ihre Reise zum Papst und dessen Ratschläge.
Man fragt nun, was in diesem Zusammenhange die Nennung
der Oda bedeutet, wenn nicht dadurch auf ihre Verwandtschaft mit
Ida
hingewiesen werden soll. Berücksichtigt man weiterhin,
dass Odas Mutter Richenza hieß und Idas von Elsdorf
älteste Tochter Oda
genannt wurde, während eine zweite Tochter (die spätere Frau
Eilmars von Oldenburg) den Namen Richenza trug, so ergeben sich
hieraus Anhaltspunkte für eine verwandtschaftliche Beziehung Idas
zu Richenza von Werl-Northeim.
Nun hat Kimpen in einer Studie über die EZZONEN
behauptet, dass
Ida von Elsdorf und Richenza Schwestern gewesen
seien. Wenn das zutreffend ist, so hätte Udo II., als er Idas
Sohn Ekbert zu Wistedt bei Elsdorf erschlug, den Vetter seiner Frau
getötet. Dann wäre es leichter verständlich, warum Ida
auf den Rat des Papstes hin, den Stader Grafen, obwohl er der Mörder
ihres Sohnes war, als Erben einsetzte: Udo war der Gemahl von Idas
Nichte, nämlich Odas von Werl. Da angenommen werden muß,
dass
Idas Schwester in der gleichen Gegend Besitzungen erbte, hätte
man hier die Erklärung, wie die Söhne Richenzas und Ottos
von Northeim zu ihren Besitzungen im Stadischen gekommen sind, und
warum Otto selbst den Turm der Kirche zu Harsefeld stiftete.
Es läßt sich nun tatsächlich aus einer
weiteren Angabe der Rosenfelder Chronik ableiten, dass Richenza
und Ida von Elsdorf Schwestern gewesen sind, und damit Kimpens Hypothese
quellenmäßig unterbauen. Der Chronist muß nämlich
einen Fehler begangen haben, wenn er über Otto von Northeim
schreibt: "Dieser hatte die Mutter der Markgräfin Oda namens
Ida, zur Frau und zeugte drei Söhne". Odas Mutter und
später die zweite Gemahlin Ottos von Northeim war jedoch nicht
Ida, sondern Richenza. Der naheliegende Schluß ist
daher, dass der Chronist "Ida" irrtümlich für "Richenza"
gesetzt hat, weil er die beiden Schwestern verwechselte.
Diese Belege über Ida, Richenza und
Oda sind meines Wissens die einzigen, die das verwandtschaftliche
Verhältnis von STADER und NORTHEIMERN genauer erläutern.
Andere Verbindungen anzunehmen, gestattet die Quellenlage nicht.
Die Meinungen über die Abstammung Idas von Elsdorf
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Die gewonnenen Erkenntnisse über Ida und
Richenza sollen als Grundlage einer kritischen Stellungnahme zu
einer weiteren These Kimpens dienen. Er glaubt nämlich, dass die genannten
Schwestern Töchter Herzog
Ottos von Schwaben (+ 1047) gewesen seien und weist auf eine Nachricht
Alberichs hin, der zu 1037 den Herzog Otto von Schwaben, aus dessen
Familie jener Lothar,
Herzog von
Sachsen, der Kaiser war, entstammte", erwähnt. Diese Andeutung
bezieht Kimpen auf LOTHARS Gemahlin,
die über ihre gleichnamige Großmutter mit dem schwäbischen
Herzog verwandt sei. Der Forscher weist vor allem auf die vielen Trägerinnen
des seltenen Namens in Ottos Familie hin. Ein weiteres Argument
für Kimpens These - es interessiert hier vor allem Ida - ist
die Angabe Alberts, dass
Ekberts Mutter eine "nobilis femina
nata de Sueva" gewesen sei. Ferner weist er auf die Verwandtschaft
des Dompropstes Otto aus dem Hause OLDENBURG mit Erzbischof Hartwig hin.
Er glaubt, Idas und Richenzas Vater sei der gemeinsame Ahnherr.
Auch die Angabe Alberts, dass Idas Mutter eine Schwester des Papstes
Leo IX. (1049-1054), aus dem Hause EGISHEIM-DAGSBURG) gewesen
sei, könnte durch eine von Kimpen angezogene Chronistenstelle bestätigt
werden. Danach hätte Leo IX., als er noch Bischof von Toul
war, auf Befehl des Kaisers die Beisetzungsfeierlichkeiten für Otto
II., der 1047 zu Tomberg (Bez. Köln) starb, in Brauweiler geleitet,
während der Bruder Ottos, Erzbischof Hermann von Köln, auf Bitten
HEINRICHS
III. beim kaiserlichen Heer in Flandern blieb. Da nun Bruno
in Brauweiler kirchlich keineswegs zuständig gewesen ist, liegt es
nahe, dass er als Schwager des Verstorbenen zu diesem Dienst vom Kaiser
bestimmt wurde, das heißt Pfalzgraf Ottos II. Gemahlin wäre
eine EGISHEIMERIN gewesen. Ferner betont Kimpen, dass Ottos II.
Schwester Richenza
(die Gemahlin Misecos
II. von Polen) von Bruno den (Nonnen)-Schleier nahm und zu Erzbischof
Hermann II. von Köln, (das wäre dann Brunos Schwager?), ausgezeichnete
Beziehungen unterhalten hatte.
Diese Ausführungen stehen im Widerspruch zu der
erstmals von Krause veröffentlichten und von Bollnow und Heinrichsen
verteidigten These über die Herkunft der Ida von Elsdorf. Die
Genannten behaupten, Ida
sei eine Tochter Liudolfs
(+ 1038) von Braunschweig, also eine Enkelin Giselas,
der späteren Gemahlin Kaiser
KONRADS II. gewesen. Sie berufen sich auf Albert, der
Ida eine "Tochter des Bruders Kaiser HEINRICHS
III." nennt.
Hier war bei älteren Genealogen der Ansatzpunkt,
den bekannten Herzog
Ernst II. von Schwaben als Idas Vater anzusehen. Ernst starb
aber bereits 1030 im Alter von 15-18 Jahren. Vor allem wegen der Bemerkung
KONRADS II. anläßlich seines
Todes (bissige Hunde haben selten Nachkommen), kann man schließen,
dass Ernst II. keine Kinder hinterlassen hat. Krause bezeichnet daher den
1038 verstorbenen Liudolf von Braunschweig, den Sohn der schwäbischen
Gisela
aus
ihrer (1. oder 2.) Ehe mit
Brun
als
den Vater Idas. Diese Meinung wird unterstützt durch den Namen
des ältesten Sohnes der Ida, Ekbert, der bekanntlich
in der brunonischen Familie sehr geläufig war. Zu beachten
ist in diesem Zusammenhang die Stellungnahme der BRUNONEN
gegen
den Prätendenten auf die Markgrafenwürde, Otto von Haldensleben.
Andereseits muß bemerkt werden, dass Idas
Großmutter,
bei Annahme der Kimpenschen These, eine LIUDOLFINGERIN
war, also auch von dieser Seite ein Einfluß der Namensgebung erfolgt
sein kann. Das Bewußtsein der Abstammung von den
OTTONEN zeigt sich nicht nur in der Benennung des zweiten Sohnes
der Mathilde
und Ezzos (Liudolf),
sondern auch Idas
Wahl des Namens Ekbert für ihren ältesten
Sohn wird damit zusammenhängen.
Kimpen weist darauf hin, "dass auf seiten Alberts und
seiner Gewährsmänner gerade wegen des Namens "Ludolf" eine Verwechslung
unterlaufen sein könnte, indem man Ludolf (1031), den Sohn Ezzos,
mit dem BRAUNSCHWEIGER gleichen Namens, dem Stiefbruder
Kaiser HEINRICHS III., identifizierte.
Andere Möglichkeiten, dieses Versehen zu erklären,
liegen darin, "dass man vielleicht die 986 verstorbene Tochter Herzog
Hermanns I., auch "Ida
von Schwaben", die Liudolf,
Sohn Kaiser
OTTOS DES GROSSEN, heiratete und ihm den Sohn
Otto
I. (+ 982),
Herzog von Schwaben gebar, mit unserer Ida verwechselt
hat, bzw. auf Verwandtschaft Leos IX. zu HEINRICH
III. anspielen wollte.
Es empfiehlt sich aber trotzdem, den Ansatz Krauses (Gisela-Liudolf-Ida)
einmal zu überprüfen, um zu zeigen, dass man bei dieser These
in zeitliche Schwierigkeiten gerät, die kaum zu überbrücken
sind.
Hier spielt das umstrittene Geburtsdatum der Kaiserin
Gisela eine Rolle. Durch einen Aufsatz Norbert Bischoffs ist
diese Problem vor kurzem wieder aufgegriffen worden, jedoch befriedigen
seine Untersuchungen keineswegs.
Desto einleuchtender scheinen die Erwägungen H.
J. Riekembergs zu sein, der zwar feststellte, dass die zu Speyer im Grabe
der Kaiserin gefundene Bleiplatte tatsächlich als ihren Geburtstag
den 11. November 999 angibt, das richtige Datum wahrscheinlich aber der
13. November 990 gewesen ist. Die Konjetur Riekenbergs soll später
besprochen werden, vorerst ist aber davon auszugehen, dass Gisela
999
geboren wurde, wie die Bleiplatte als Primärquelle aussagt. In diesem
Falle werden also die drei Ehen Giselas,
von denen der Annalista Saxo 1026 berichtet, in der nachfolgenden Reihenfolge
geschlossen sein:
Um 1012 heiratete Gisela Ernst
von Schwaben, dem sie 1014 und 1015 je einen Sohn, Ernst II. und
Hermann
IV., gebar. Ihr Gemahl ist am 31. Mai 1015 gestorben.
Nun wird der älteste Sohn (Kaiser
HEINRICH III.) aus Giselas
3. Ehe mit Kaiser KONRAD II. am 28.
Oktober 1017 geboren. Wenn man den Beginn dieser Verbindung für den
Anfang des Jahres 1017 annimmt, bleibt für die zweite Ehe mit Bruno
von Braunschweig die Zeit vom Juni 1015 bis Ende des Jahres 1016. Dabei
ist zu bemerken, dass KONRAD auf keinen
Fall die übliche Witwenzeit abgewartet hat, - die Quellen sprechen
von Raub und heimlicher Eheschließung -, und dass Gisela
auch nach dem Tode Ernsts bald geheiratet haben wird. Damit bliebe also
für Liudolf, der mehrfach als Stiefbruder HEINRICHS
III. bezeichnet wird, nur das Jahr 1016 als Geburtsjahr.
Er hätte also frühestens 1031 heiraten können,
seine angebliche Tochter Ida, bei Ansetzung frühester Termine,
also um 1046/47. Nach dem Tode Ekberts soll Ida zu ihrem
Onkel, Papst Leo IX., gereist sein, den sie wahrscheinlich in Deutschland
besuchte. Leo war aber im Frühjahr 1053 letztmalig nördlich
der Alpen und geriet am 18. Juni desselben Jahres in normannische Gefangenschaft.
Der Tod Ekberts wird daher etwa in das Jahr 1052/53 fallen und wenn
er auch nur als Knappe von Udo II. erschlagen wurde, muß er doch
mindestens 12/13 Jahre alt gewesen sein. Im allgemeinen empfingen die Knaben
aber erst mit 14/15 Jahren die Schwertleihe. Setzt man also Giselas
Geburtsjahr
zu 999, kann Ida von Elsdorf keine Tochter Liudolfs gewesen
sein.
Wenn man aber dem Vorschlag Riekenbergs folgen würde,
der glaubt, dass die Bleitafel auf Grund eines undeutlichen Konzeptes irrtümlich
DCCCCXC VIII id. Nov. schreibt und es in der Vorlage des Graveurs geheißen
habe: DCCCCXCIND III id. Nov., so würde Giselas
Geburtstag auf den 13. November 990 fallen. Sie könnte dann, (entgegen
dem Bericht des Annalista Saxo) in 1. Ehe Bruno geheiratet haben,
Liudolf
wäre
dann 1005/06 geboren worden. Er könnte, wiederum im günstigsten
Falle, 1021/22 Vater der Ida geworden sein, die dann 1035/36 den
Ekbert
geboren
haben könnte. Diese Kombination würde in drei aufeinanderfolgenden
Generationen Frühehen entweder der Frau, die natürlich häufiger
waren, oder des Mannes voraussetzen, und darüber hinaus der einzigen
Schriftstellerquelle, die von den drei Ehen berichtet, widersprechen.
Aus diesem Ergebnis ergibt sich: Es ist unwahrscheinlich,
dass Ida von Elsdorf eine Enkelin und der 1052 im waffenfähige
Alter stehende Ekbert ein Urenkel der Kaiserin
Gisela gewesen ist, einerlei ob diese 990 oder 999 geboren wurde.
Noch ein Einwand gegen die brunonische
Abstammung Idas ist die Angabe Alberts, dass niemand
aus Idas
Familie ihre Erbschaft nach ihrem Tode vindiziert habe.
Ist sie eine BRUNONIN gewesen, so wäre
Ekbert
II. (+ 1090), Markgraf von Meißen nicht der Mann gewesen,
auf dieses Erbe zu verzichten. Man hat vielmehr allen Grund anzunehmen,
dass ihre nächsten Verwandten, nämlich die NORTHEIMER
und die STADER, ihre Ansprüche durchgesetzt haben. Von den beiden
Thesen über die Abstammung Idas von Elsdorf ist demnach die
von Kimpen (Ezzonen, 1933!) geäußerte vorzuziehen:
Ida
und
Richenza sind wahrscheinlich Töchter des Pfalzgrafen und
Herzogs Otto gewesen.
Ida von Elsdorf ist vor 1082, dem Sterbedatum
Udos II., verstorben, dem ihr Erbe zufiel.
Die Heiraten der Ida von Elsdorf:
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a) Lippold und seine Familie
Über die erste Heirat Idas mit Lippold
berichtet nur Albert, während die beiden anderen Gatten, Dedo
und Etheler, als Grafen, die bei Ausübung ihres Amtes in Dithmarschen
fielen, auch im CHR R genannt werden.
Lippolds Mutter war eine "domina Glismodis",
die Schwester des Bischofs Meinwerk von Paderborn (1009-1036).
Meinwerk und Glismod sind Kinder Immeds,
der nach der Vita Meinwerci aus dem nördlichen Teile des Bistums Utrecht
stammt und dessen Frau Adela eine "nobilis uxor de Saxonia"
ist. Die Vorfahren Immeds sind von Sabine Krüger untersucht
worden. Hier ist vor allem darauf hinzuweisen, dass Immeds Großvater
(?) ein Onkel der Königin
Mathilde gewesen ist, also auch hier wiederum verwandtschaftliche
Bindungen zu den LIUDOLFINGERN zu Tage
treten.
Weitere Geschwister Glismods sind Thiederich
und Azela. Letztere war Nonne in dem aus dem Gut Wichmanns des Älteren
mit Hilfe der OTTONEN
gegründeten
Klosters Elten. Thiederich und Azela sind wohl mit dem in
einer Traditionsnotiz der Lebensbeschreibung Meinwerks erwähnten
Vogt Thiadericus und der Nonne Attule (Azela) gleichzusetzen,
da Glismod die Zustimmung zu einer Schenkung der Nonne geben mußte.
Das betreffende Erbe stammt von Vertherun (Friderun), das ist auch der
Name der Schwester der Königin! Diesen Namen trägt außerdem
eine Tochter Wichmanns
des Älteren, die
Äbtissin von Kemnade war. Daraus kann man schließen, dass
ihre Tante die Namensgeberin gewesen ist und die Frage, welche der Schwestern
der Königin als Gemahlin Wichmanns zu gelten hat, ist damit zugunsten
von Bia
entschieden.
Die Gemahlin Liudger
Billungs, Gräfin
Emma, ist nach Adam ebenfalls eine Schwester Glismods, das
heißt also eine Tante Lippolds. Wahrscheinlich ist der Bischof
Immed von Paderborn (1053-1076) Emmas Sohn.
Das möge über die Mutterseite Lippolds
genügen. Doch nun müssen wir uns seinem Vater, also dem Gemahl
Glismods, zuwenden. Er war ein vornehmer Bayer, dessen Name nicht
direkt überliefert wird. Ein ARIBONE namens Reding ist er gewiß
nicht. Eine bemerkenswerte Namensform bei Idas Tochter (Akarina)
verweist meines Erachtens auf das Haus der Markgrafen der Steiermark, der
sogenannten OTAKARE. Mit diesen stand Meinwerk, Lippolds
Schwager, nachweislich in verwandtschaftlichen Beziehungen. Der Paderborner
Bischof wird als "consanguineus" des Patriarchen von Aquileja, Poppo
(Wolfgangus), bezeichnet; Poppo ist aber der Sohn Otgers oder Ocis, der
um 1000 als Graf in Kärnten auftritt. Seine Namen sind Kurzformen
für "Otakar". Auch die Kürzung dieses Leitnamens zu "Ata" ist
belegt.
Betrachten wir nun den Namen von Idas Tochter
"Akarina",
den auch die Enkelin der Elsdorferin wieder trägt, so scheint
dieser Name aus den letzten Silben des Namens Otakar gebildet zu sein und
heißt vollständig - Otakarina -. Die Tochter und Enkelin Idas
verpflanzt
also den Namen ihres kärntischen Großvaters, das heißt
des Vaters von Lippold, nach Sachsen.
Lippold selbst tritt am 23. März 1052 in
einer Kaiserurkunde zu Goslar auf. Er wird als Erbe des 1036 verstorbenen
Bischofs Meinwerk bezeichnet, eine Verwechslung ist also ausgeschlossen.
Gemeinsam mit einem anderen Erben des Paderborner Bischofs, namens Adalbert,
versuchte er die Schenkungen seines Onkels an das Kloster Abdinghof anzufechten.
Lippold
trat natürlich als Erbberechtigter Glismods, der Schwester
des Bischofs, auf.
Durch die Kenntnis dieser urkundlichen Erwähnung
Lippolds
läßt sich die Geschichte Idas
vervollständigen:
Da Papst Leo IX. im Juni 1053 in normannische Gefangenschaft geriet,
muß
Ida
ihn vor diesem Zeitpunkt besucht haben, um ihn um
Rat zu fragen, wie sie sich nach dem Tode ihres Sohnes Ekbert
zu
verhalten habe. Da anzunehmen ist, dass ihr Gemahl Lippold, wenn
er noch am Leben gewesen wäre, ihre und ihres Sohnes Interessen gegenüber
den STADERN wahrgenommen hätte, wird sowohl Lippolds als auch
Ekberts
Tod zwischen dem 23. März 1052 (Urkunde) und Juni 1053
(Gefangennahme Leos IX.) anzusetzen sein.
b) Idas spätere Ehen mit Dedo und Etheler, Grafen von Dithmarschen
Folgt man den Angaben Alberts und betrachtet Dedo als zweiten und Etheler als dritten Gemahl der Ida, so ist die Heirat mit Dedo um 1055, mit Etheler gegen Ende der 50-er Jahre anzusetzen. Über die Familien der beiden "Grafen in Dithmarschen" und ihre Lebensdaten ist nichts Sicheres zu erfahren. Lediglich der Name Etheler wird mehrfach während des 10.-12. Jahrhunderts in Berichten über nordalbingische Angelegenheiten erwähnt, so dass man auf ein dort ansässiges Dynastengeschlecht schließen könnte, dessen Leitname "Etheler" war. Schon 994 wird ein Graf dieses Namens als Bundesgenosse der STADER gegen die Seeräuber erwähnt. Als Etheler zusammen mit Heinrich dem Guten und Siegfried in die Gefangenschaft der Ascomannen geriet, mußte er sich ebenso wie Heinrich durch mehrere Geiseln auslösen lassen. Er scheint also eine gewisse Rolle gespielt zu haben. Ein anderer "Etheler de Thetmarsia natus" kämpft um 1150 auf Seiten des dänischen Königs Sven gegen dessen Bruder Kanut. Diesem hatte Adolf von Schauenburg gehuldigt. Etheler wurde Feldherr (ductor) Svens und zwang Adolf anfangs zur Flucht. Später kam es dann zu dem bekannten Gefecht (Sven-Etheler gegen Adolf) bei Schülp-Rendsburg an der Eider, in dem Etheler fiel. Ob er mit dem in einer verunechteten Urkunde Heinrichs des Löwen genannten Ethelerus de Drage (Eider) identisch ist, sei dahingestellt.
Die Kinder der Ida von Elsdorf
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Als erstes Kind, wohl aus der Ehe mit Lippold,
nennt Albert eine Oda, die erst im
Kloster zu Rinteln (Weser) gewesen sein soll, dann aber einen russischen
Fürsten heiratete. Schon von Mooyer ist jedoch bemerkt worden, dass
das Kloster erst um 1227 von Bischopperode bei Stadthagen nach Rinteln
verlegt wurde. Es liegt viel näher, das Kloster Ringelheim (bei Goslar),
das in Quellen als "Ringelen" bezeichnet wird, als Odas
Erziehungsstätte anzunehmen.
Ringelheim ist von einem Grafen Immad oder von der Königin
Mathilde gegründet worden. Nachdem nun Odas
Abstammung
von den IMMEDINGERN nachgewiesen wurde, ist anzunehmen, dass sie
tatsächlich in diesem "Hauskloster der IMMEDINGER" gelernt
hat. Auch in anderem Zusammenhang wäre es interessant, die Geschichte
von Kloster Ringelheim zu untersuchen, da, wie Wedekind bereits bemerkt,
in einer Bestätigungsurkunde von 1209 eine Anzahl northeimischer und
billungischer Güter als dem Kloster gehörig bezeichnet werden.
Hier soll jetzt die Ehe mit dem russischen Fürsten,
dessen Name Raissa Bloch mit Großfürst
Svjatoslav von Kiew (+ 27.12. 1076) erschlossen hat, besprochen
werden. Lampert von Hersfeld meldet, dass Propst
Burchard von Trier - nach Albert ein Bruder Odas
- 1075 von HEINRICH
IV. nach Rußland geschickt wurde, um mit Svjatoslav
zu
verhandeln, "denn der, zu dem Burchard geschickt wurde, war der
Gatte seiner Schwester".
Oda kehrte nach dem Tode Svatoslavs
nach Deutschland zurück und brachte einen Sohn, den Albert Wartweslav
nennt, mit nach Sachsen. Das war etwa im Jahre 1077. Später sei der
junge Russe aber in seine Heimat zurückgekehrt und habe an Stelle
seines Vaters regiert. Bloch macht wahrscheinlich, dass der Stader Abt
Warteslaw
mit
Jaroslav verwechselt hat. Ein Jaroslav
wird
in der Tat zusammen mit seinem Stiefbruder Oleg
1096
genannt;
Jaroslaw erhielt 1123 das
Fürstentum Tschernigow, das früher sein Vater regiert hatte und
lebte dort bis 1130.
Oda heiratete
in Sachsen zum zweiten Male und gebar hier eine Tochter Akarina
(Albert
fälschlich Aliarina).
Akarina wurde Mutter Burchards
von Loccum, der 1130 von den Leuten Hermanns von Winzenburg ermordet
wurde und in den Quellen als "amicus regis" (scil.
LOTHARS)
erscheint. Ob dieses Attribut auf eine Verwandtschaft ("Blutsfreund") zwischen
LOTHAR und Burchard deuten soll, ist nicht unwahrscheinlich
(über Ida von Elsdorf und Richenza die Ältere von Northeim?).
Odas
Todestag
wird im Hildesheimer Necrolog zum 2. Juli angegeben. Durch ihre
Vermittlung wird die Ehe zwischen Eupraxia-Adelheid
und Heinrich IV. von Stade zustande gekommen sein. Odas
Gemahl
war der Bruder von Eupraxias
Vater, Oda (von Elsdorf) also
die Tante der jungen Stader Gräfin und späteren Königin.
Die anderen Kinder Idas
aus ihrer 1. Ehe wurden
bereits erwähnt. Es sind die Söhne
Ekbert und Burchard
und eine Tochter Akarina.
Ekbert wurde zwischen März
1052 und Juni 1053 von dem Stader Udo II. bei Wistedt in der Nähe
von Elsdorf erschlagen.
Burchard, der zweite Sohn, war Propst in Trier.
Die bekannteste Tochter Idas ist Richenza.
Aus ihrer Ehe mit dem Oldenburger Egilmar I. ging Graf Egilmar II. hervor.
1112 beanspruchte dieser von den STADERN seinen Erbteil aus der "hereditas
Idae", der ihm vorenthalten wurde. Es ergibt sich, dass Richenza
erst nach Abschluß des zwischen Ida
und Udo vereinbarten Erbvertrages
geboren wurde, sie ist, "wollen wir den Worten Alberts keine Gewalt antun"
demnach eine Tochter Ethelers (aus der 3. Ehe Idas). Richenzas
Geburt kann man ungefähr in das Jahr 1060 setzen. Sie wird 1108
mit Schenkungsurkunde ihres Gatten für das Kloster Iburg bei Osnabrück
zusammen mit ihren drei Kindern genannt. Über die Herkunft ihres Gatten,
Egilmars I., berichtet nur die Chronik von Rastede. Sowohl Egilmar I. als
auch sein gleichnamiger Sohn sind als Vögte dieses Klosters bezeugt.
Egilmar II. heiratete eine Eilika, die Albert zwar als Tochter Ottos von
Cappenberg bezeichnet, die aber richtiger als RIETBERGERIN anzusprechen
ist. Egilmar II. und Eilika sind die Eltern jenes Bremer Dompropstes, der
als "Anverwandter" (cognatus) Erzbischof Hartwigs erscheint. Ottos
Verwandtschaft zu Hartwig ist doppelt: Durch seinen Vater, sowie die Oldenburger
Richenza und Ida von Elsdorf weist die Tafel auf deren Vater (wahrscheinlich
Herzog Otto), der dann sowohl Hartwigs als auch Ottos Urgroßvater
war. Aber auch Ottos Mutter vermittelt als Urenkelin Richenzas von Werl-Northeim
und Ottos von Northeim die Verwandtschaft der beiden Bremer
Geistlichen. "Cognatus" bedeutet hier also Verwandtschaft sowohl in männlicher
als auch in weiblicher Linie"
Die Besprechung der Familie Idas von Elsdorf zeigt,
dass die Gräfin mit den vornehmsten Geschlechtern Sachsens, ja ganz
Deutschlands, verwandt war. Das Hauptergebnis dieser Untersuchungen ist
vor allem der Nachweis der Verwandtschaft Idas mit STADERN und NORTHEIMERN.
Große Beachtung verdient ferner die Blutsbindung Idas mit
den NORTHEIMERN und LIUDOLFINGERN.