Richard Hucke

"Die Grafen von Stade"    Stade 1956

B. IDA VON ELSDORF UND IHRE FAMILIE

Ida ist eine Schwester Richenzas von Werl-Northeim, also Schwägerin Ottos von Northeim
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Keine zeitgenössische Quelle berichtet über diese in der Mitte des 11. Jahrhunderts lebende Dame, die durch ihre Tochter Richenza zur Stammutter des Hauses OLDENBURG wurde und deren Nachlaß (die "hereditas Idae") so bedeutungsvoll für die Geschichte des STADER Hauses im 12. Jahrhundert werden sollte.
Keine Erwähnung der "possessiones dominae Idae" liegt in der Urkunde Kaiser KONRADS III. von 1145 vor. Die nächste offizielle Nennung der umstrittenen Erbschaft findet sich dann im Diplom PHILIPPS VON SCHWABEN aus dem Jahre 1200, in dem auch die "hereditas feminae Idae" der Bremer Kirche bestätigt wird.
Außer diesen Urkunden war die bisherige Forschung nur auf die Nachrichten Alberts angewiesen. Als Erich Brandenburg im Anschluß an seine "Probleme um die Kaiserin Gisela" einen kleinen Exkurs über Ida schrieb, kam er zu dem Ergebnis, es sei "völlig vergebliche Mühe", auf dieser Basis weitere Untersuchungen zu beginnen.
Gestützt auf die im Exkurs I begonnene Auswertung der Rodenfelder Chronik, soll jedoch hier ein neuer Versuch gemacht werden, die Verwandtschaft und Herkunft Idas zu klären. In einer unveröffentlichten Handschrift der für die STADER Familie so wichtigen Quelle findet sich nämlich im Anschluß an die Behauptung, dass Idas Sohn Ekbert ein "cognatus" Udos II. von Stade gewesen sei, ein Passus, der als Erläuterung der Verwandtschaft zwischen Udo II. und Ekbert anzusehen ist.
Im Gegensatz zu Albert, der seine Erläuterung zu Idas Abstammung durch Zwischenbemerkungen unübersichtlich macht, verfolgt der Text der Rosenfelder Chronik einen gewissen logischen Ablauf: Nachdem festgestellt wurde, dass Udo II. den Ekbert erschlagen hat, - obwohl es sein Verwandter war -, nennt der Chronist die Mutter Ekberts, nämlich Ida. Das wäre also ein Hinweis auf die Verwandtschaft von Ekberts Seite. Anschließend bezeichnet er Udos II. Frau als "Oda aus Westfalen und Stieftochter Ottos von Northeim". Erst dann erwähnt er Idas Reaktion auf den Mord, nämlich ihre Reise zum Papst und dessen Ratschläge.
Man fragt nun, was in diesem Zusammenhange die Nennung der Oda bedeutet, wenn nicht dadurch auf ihre Verwandtschaft mit Ida hingewiesen werden soll. Berücksichtigt man weiterhin, dass Odas Mutter Richenza hieß und Idas von Elsdorf älteste Tochter Oda genannt wurde, während eine zweite Tochter (die spätere Frau Eilmars von Oldenburg) den Namen Richenza trug, so ergeben sich hieraus Anhaltspunkte für eine verwandtschaftliche Beziehung Idas zu Richenza von Werl-Northeim.
Nun hat Kimpen in einer Studie über die EZZONEN behauptet, dass Ida von Elsdorf und Richenza Schwestern gewesen seien. Wenn das zutreffend ist, so hätte Udo II., als er Idas Sohn Ekbert zu Wistedt bei Elsdorf erschlug, den Vetter seiner Frau getötet. Dann wäre es leichter verständlich, warum Ida auf den Rat des Papstes hin, den Stader Grafen, obwohl er der Mörder ihres Sohnes war, als Erben einsetzte: Udo war der Gemahl von Idas Nichte, nämlich Odas von Werl. Da angenommen werden muß, dass Idas Schwester in der gleichen Gegend Besitzungen erbte, hätte man hier die Erklärung, wie die Söhne Richenzas und Ottos von Northeim zu ihren Besitzungen im Stadischen gekommen sind, und warum Otto selbst den Turm der Kirche zu Harsefeld stiftete.
Es läßt sich nun tatsächlich aus einer weiteren Angabe der Rosenfelder Chronik ableiten, dass Richenza und Ida von Elsdorf Schwestern gewesen sind, und damit Kimpens Hypothese quellenmäßig unterbauen. Der Chronist muß nämlich einen Fehler begangen haben, wenn er über Otto von Northeim schreibt: "Dieser hatte die Mutter der Markgräfin Oda namens Ida, zur Frau und zeugte drei Söhne". Odas Mutter und später die zweite Gemahlin Ottos von Northeim war jedoch nicht Ida, sondern Richenza. Der naheliegende Schluß ist daher, dass der Chronist "Ida" irrtümlich für "Richenza" gesetzt hat, weil er die beiden Schwestern verwechselte.
Diese Belege über Ida, Richenza und Oda sind meines Wissens die einzigen, die das verwandtschaftliche Verhältnis von STADER und NORTHEIMERN genauer erläutern. Andere Verbindungen anzunehmen, gestattet die Quellenlage nicht.

Die Meinungen über die Abstammung Idas von Elsdorf
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Die gewonnenen Erkenntnisse über Ida und Richenza sollen als Grundlage einer kritischen Stellungnahme zu einer weiteren These Kimpens dienen. Er glaubt nämlich, dass die genannten Schwestern Töchter Herzog Ottos von Schwaben (+ 1047) gewesen seien und weist auf eine Nachricht Alberichs hin, der zu 1037 den Herzog Otto von Schwaben, aus dessen Familie jener Lothar, Herzog von Sachsen, der Kaiser war, entstammte", erwähnt. Diese Andeutung bezieht Kimpen auf LOTHARS Gemahlin, die über ihre gleichnamige Großmutter mit dem schwäbischen Herzog verwandt sei. Der Forscher weist vor allem auf die vielen Trägerinnen des seltenen Namens in Ottos Familie hin. Ein weiteres Argument für Kimpens These - es interessiert hier vor allem Ida - ist die Angabe Alberts, dass Ekberts Mutter eine "nobilis femina nata de Sueva" gewesen sei. Ferner weist er auf die Verwandtschaft des Dompropstes Otto aus dem Hause OLDENBURG mit Erzbischof Hartwig hin. Er glaubt, Idas und Richenzas Vater sei der gemeinsame Ahnherr. Auch die Angabe Alberts, dass Idas Mutter eine Schwester des Papstes Leo IX. (1049-1054), aus dem Hause EGISHEIM-DAGSBURG) gewesen sei, könnte durch eine von Kimpen angezogene Chronistenstelle bestätigt werden. Danach hätte Leo IX., als er noch Bischof von Toul war, auf Befehl des Kaisers die Beisetzungsfeierlichkeiten für Otto II., der 1047 zu Tomberg (Bez. Köln) starb, in Brauweiler geleitet, während der Bruder Ottos, Erzbischof Hermann von Köln, auf Bitten HEINRICHS III. beim kaiserlichen Heer in Flandern blieb. Da nun Bruno in Brauweiler kirchlich keineswegs zuständig gewesen ist, liegt es nahe, dass er als Schwager des Verstorbenen zu diesem Dienst vom Kaiser bestimmt wurde, das heißt Pfalzgraf Ottos II. Gemahlin wäre eine EGISHEIMERIN gewesen. Ferner betont Kimpen, dass Ottos II. Schwester Richenza (die Gemahlin Misecos II. von Polen) von Bruno den (Nonnen)-Schleier nahm und zu Erzbischof Hermann II. von Köln, (das wäre dann Brunos Schwager?), ausgezeichnete Beziehungen unterhalten hatte.
Diese Ausführungen stehen im Widerspruch zu der erstmals von Krause veröffentlichten und von Bollnow und Heinrichsen verteidigten These über die Herkunft der Ida von Elsdorf. Die Genannten behaupten, Ida sei eine Tochter Liudolfs (+ 1038) von Braunschweig, also eine Enkelin Giselas, der späteren Gemahlin Kaiser KONRADS II. gewesen. Sie berufen sich auf Albert, der Ida eine "Tochter des Bruders Kaiser HEINRICHS III." nennt.
Hier war bei älteren Genealogen der Ansatzpunkt, den bekannten Herzog Ernst II. von Schwaben als Idas Vater anzusehen. Ernst starb aber bereits 1030 im Alter von 15-18 Jahren. Vor allem wegen der Bemerkung KONRADS II. anläßlich seines Todes (bissige Hunde haben selten Nachkommen), kann man schließen, dass Ernst II. keine Kinder hinterlassen hat. Krause bezeichnet daher den 1038 verstorbenen Liudolf von Braunschweig, den Sohn der schwäbischen Gisela aus ihrer (1. oder 2.) Ehe mit Brun als den Vater Idas. Diese Meinung wird unterstützt durch den Namen des ältesten Sohnes der Ida, Ekbert, der bekanntlich in der brunonischen Familie sehr geläufig war. Zu beachten ist in diesem Zusammenhang die Stellungnahme der BRUNONEN gegen den Prätendenten auf die Markgrafenwürde, Otto von Haldensleben. Andereseits muß bemerkt werden, dass Idas Großmutter, bei Annahme der Kimpenschen These, eine LIUDOLFINGERIN war, also auch von dieser Seite ein Einfluß der Namensgebung erfolgt sein kann. Das Bewußtsein der Abstammung von den OTTONEN zeigt sich nicht nur in der Benennung des zweiten Sohnes der Mathilde und Ezzos (Liudolf), sondern auch Idas Wahl des Namens Ekbert für ihren ältesten Sohn wird damit zusammenhängen.
Kimpen weist darauf hin, "dass auf seiten Alberts und seiner Gewährsmänner gerade wegen des Namens "Ludolf" eine Verwechslung unterlaufen sein könnte, indem man Ludolf (1031), den Sohn Ezzos, mit dem BRAUNSCHWEIGER gleichen Namens, dem Stiefbruder Kaiser HEINRICHS III., identifizierte.
Andere Möglichkeiten, dieses Versehen zu erklären, liegen darin, "dass man vielleicht die 986 verstorbene Tochter Herzog Hermanns I., auch "Ida von Schwaben", die Liudolf, Sohn Kaiser OTTOS DES GROSSEN, heiratete und ihm den Sohn Otto I. (+ 982), Herzog von Schwaben gebar, mit unserer Ida verwechselt hat, bzw. auf Verwandtschaft Leos IX. zu HEINRICH III. anspielen wollte.
Es empfiehlt sich aber trotzdem, den Ansatz Krauses (Gisela-Liudolf-Ida) einmal zu überprüfen, um zu zeigen, dass man bei dieser These in zeitliche Schwierigkeiten gerät, die kaum zu überbrücken sind.
Hier spielt das umstrittene Geburtsdatum der Kaiserin Gisela eine Rolle. Durch einen Aufsatz Norbert Bischoffs ist diese Problem vor kurzem wieder aufgegriffen worden, jedoch befriedigen seine Untersuchungen keineswegs.
Desto einleuchtender scheinen die Erwägungen H. J. Riekembergs zu sein, der zwar feststellte, dass die zu Speyer im Grabe der Kaiserin gefundene Bleiplatte tatsächlich als ihren Geburtstag den 11. November 999 angibt, das richtige Datum wahrscheinlich aber der 13. November 990 gewesen ist. Die Konjetur Riekenbergs soll später besprochen werden, vorerst ist aber davon auszugehen, dass Gisela 999 geboren wurde, wie die Bleiplatte als Primärquelle aussagt. In diesem Falle werden also die drei Ehen Giselas, von denen der Annalista Saxo 1026 berichtet, in der nachfolgenden Reihenfolge geschlossen sein:
Um 1012 heiratete Gisela Ernst von Schwaben, dem sie 1014 und 1015 je einen Sohn, Ernst II. und Hermann IV., gebar. Ihr Gemahl ist am 31. Mai 1015 gestorben.
Nun wird der älteste Sohn (Kaiser HEINRICH III.) aus Giselas 3. Ehe mit Kaiser KONRAD II. am 28. Oktober 1017 geboren. Wenn man den Beginn dieser Verbindung für den Anfang des Jahres 1017 annimmt, bleibt für die zweite Ehe mit Bruno von Braunschweig die Zeit vom Juni 1015 bis Ende des Jahres 1016. Dabei ist zu bemerken, dass KONRAD auf keinen Fall die übliche Witwenzeit abgewartet hat, - die Quellen sprechen von Raub und heimlicher Eheschließung -, und dass Gisela auch nach dem Tode Ernsts bald geheiratet haben wird. Damit bliebe also für Liudolf, der mehrfach als Stiefbruder HEINRICHS III. bezeichnet wird, nur das Jahr 1016 als Geburtsjahr.
Er hätte also frühestens 1031 heiraten können, seine angebliche Tochter Ida, bei Ansetzung frühester Termine, also um 1046/47. Nach dem Tode Ekberts soll Ida zu ihrem Onkel, Papst Leo IX., gereist sein, den sie wahrscheinlich in Deutschland besuchte. Leo war aber im Frühjahr 1053 letztmalig nördlich der Alpen und geriet am 18. Juni desselben Jahres in normannische Gefangenschaft. Der Tod Ekberts wird daher etwa in das Jahr 1052/53 fallen und wenn er auch nur als Knappe von Udo II. erschlagen wurde, muß er doch mindestens 12/13 Jahre alt gewesen sein. Im allgemeinen empfingen die Knaben aber erst mit 14/15 Jahren die Schwertleihe. Setzt man also Giselas Geburtsjahr zu 999, kann Ida von Elsdorf keine Tochter Liudolfs gewesen sein.
Wenn man aber dem Vorschlag Riekenbergs folgen würde, der glaubt, dass die Bleitafel auf Grund eines undeutlichen Konzeptes irrtümlich DCCCCXC VIII id. Nov. schreibt und es in der Vorlage des Graveurs geheißen habe: DCCCCXCIND III id. Nov., so würde Giselas Geburtstag auf den 13. November 990 fallen. Sie könnte dann, (entgegen dem Bericht des Annalista Saxo) in 1. Ehe Bruno geheiratet haben, Liudolf wäre dann 1005/06 geboren worden. Er könnte, wiederum im günstigsten Falle, 1021/22 Vater der Ida geworden sein, die dann 1035/36 den Ekbert geboren haben könnte. Diese Kombination würde in drei aufeinanderfolgenden Generationen Frühehen entweder der Frau, die natürlich häufiger waren, oder des Mannes voraussetzen, und darüber hinaus der einzigen Schriftstellerquelle, die von den drei Ehen berichtet, widersprechen.
Aus diesem Ergebnis ergibt sich: Es ist unwahrscheinlich, dass Ida von Elsdorf eine Enkelin und der 1052 im waffenfähige Alter stehende Ekbert ein Urenkel der Kaiserin Gisela gewesen ist, einerlei ob diese 990 oder 999 geboren wurde.
Noch ein Einwand gegen die brunonische Abstammung Idas ist die Angabe Alberts, dass niemand aus Idas Familie ihre Erbschaft nach ihrem Tode vindiziert habe. Ist sie eine BRUNONIN gewesen, so wäre Ekbert II. (+ 1090), Markgraf von Meißen nicht der Mann gewesen, auf dieses Erbe zu verzichten. Man hat vielmehr allen Grund anzunehmen, dass ihre nächsten Verwandten, nämlich die NORTHEIMER und die STADER, ihre Ansprüche durchgesetzt haben. Von den beiden Thesen über die Abstammung Idas von Elsdorf ist demnach die von Kimpen (Ezzonen, 1933!) geäußerte vorzuziehen: Ida und Richenza sind wahrscheinlich Töchter des Pfalzgrafen und Herzogs Otto gewesen.
Ida von Elsdorf ist vor 1082, dem Sterbedatum Udos II., verstorben, dem ihr Erbe zufiel.

Die Heiraten der Ida von Elsdorf:
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a) Lippold und seine Familie

Über die erste Heirat Idas mit Lippold berichtet nur Albert, während die beiden anderen Gatten, Dedo und Etheler, als Grafen, die bei Ausübung ihres Amtes in Dithmarschen fielen, auch im CHR R genannt werden.
Lippolds Mutter war eine "domina Glismodis", die Schwester des Bischofs Meinwerk von Paderborn (1009-1036).
Meinwerk und Glismod sind Kinder Immeds, der nach der Vita Meinwerci aus dem nördlichen Teile des Bistums Utrecht stammt und dessen Frau Adela eine "nobilis uxor de Saxonia" ist. Die Vorfahren Immeds sind von Sabine Krüger untersucht worden. Hier ist vor allem darauf hinzuweisen, dass Immeds Großvater (?) ein Onkel der Königin Mathilde gewesen ist, also auch hier wiederum verwandtschaftliche Bindungen zu den LIUDOLFINGERN zu Tage treten.
Weitere Geschwister Glismods sind Thiederich und Azela. Letztere war Nonne in dem aus dem Gut Wichmanns des Älteren mit Hilfe der OTTONEN gegründeten Klosters Elten. Thiederich und Azela sind wohl mit dem in einer Traditionsnotiz der Lebensbeschreibung Meinwerks erwähnten Vogt Thiadericus und der Nonne Attule (Azela) gleichzusetzen, da Glismod die Zustimmung zu einer Schenkung der Nonne geben mußte. Das betreffende Erbe stammt von Vertherun (Friderun), das ist auch der Name der Schwester der Königin! Diesen Namen trägt außerdem eine Tochter Wichmanns des Älteren, die Äbtissin von Kemnade war. Daraus kann man schließen, dass ihre Tante die Namensgeberin gewesen ist und die Frage, welche der Schwestern der Königin als Gemahlin Wichmanns zu gelten hat, ist damit zugunsten von Bia entschieden.
Die Gemahlin Liudger Billungs, Gräfin Emma, ist nach Adam ebenfalls eine Schwester Glismods, das heißt also eine Tante Lippolds. Wahrscheinlich ist der Bischof Immed von Paderborn (1053-1076) Emmas Sohn.
Das möge über die Mutterseite Lippolds genügen. Doch nun müssen wir uns seinem Vater, also dem Gemahl Glismods, zuwenden. Er war ein vornehmer Bayer, dessen Name nicht direkt überliefert wird. Ein ARIBONE namens Reding ist er gewiß nicht. Eine bemerkenswerte Namensform bei Idas Tochter (Akarina) verweist meines Erachtens auf das Haus der Markgrafen der Steiermark, der sogenannten OTAKARE. Mit diesen stand Meinwerk, Lippolds Schwager, nachweislich in verwandtschaftlichen Beziehungen. Der Paderborner Bischof wird als "consanguineus" des Patriarchen von Aquileja, Poppo (Wolfgangus), bezeichnet; Poppo ist aber der Sohn Otgers oder Ocis, der um 1000 als Graf in Kärnten auftritt. Seine Namen sind Kurzformen für "Otakar". Auch die Kürzung dieses Leitnamens zu "Ata" ist belegt.
Betrachten wir nun den Namen von Idas Tochter "Akarina", den auch die Enkelin der Elsdorferin wieder trägt, so scheint dieser Name aus den letzten Silben des Namens Otakar gebildet zu sein und heißt vollständig - Otakarina -. Die Tochter und Enkelin Idas verpflanzt also den Namen ihres kärntischen Großvaters, das heißt des Vaters von Lippold, nach Sachsen.
Lippold selbst tritt am 23. März 1052 in einer Kaiserurkunde zu Goslar auf. Er wird als Erbe des 1036 verstorbenen Bischofs Meinwerk bezeichnet, eine Verwechslung ist also ausgeschlossen. Gemeinsam mit einem anderen Erben des Paderborner Bischofs, namens Adalbert, versuchte er die Schenkungen seines Onkels an das Kloster Abdinghof anzufechten. Lippold trat natürlich als Erbberechtigter Glismods, der Schwester des Bischofs, auf.
Durch die Kenntnis dieser urkundlichen Erwähnung Lippolds läßt sich die Geschichte Idas vervollständigen: Da Papst Leo IX. im Juni 1053 in normannische Gefangenschaft geriet, muß Ida ihn vor diesem Zeitpunkt besucht haben, um ihn um Rat zu fragen, wie sie sich nach dem Tode ihres Sohnes Ekbert zu verhalten habe. Da anzunehmen ist, dass ihr Gemahl Lippold, wenn er noch am Leben gewesen wäre, ihre und ihres Sohnes Interessen gegenüber den STADERN wahrgenommen hätte, wird sowohl Lippolds als auch Ekberts Tod zwischen dem 23. März 1052 (Urkunde) und Juni 1053 (Gefangennahme Leos IX.) anzusetzen sein.

b) Idas spätere Ehen mit Dedo und Etheler, Grafen von Dithmarschen

Folgt man den Angaben Alberts und betrachtet Dedo als zweiten und Etheler als dritten Gemahl der Ida, so ist die Heirat mit Dedo um 1055, mit Etheler gegen Ende der 50-er Jahre anzusetzen. Über die Familien der beiden "Grafen in Dithmarschen" und ihre Lebensdaten ist nichts Sicheres zu erfahren. Lediglich der Name Etheler wird mehrfach während des 10.-12. Jahrhunderts in Berichten über nordalbingische Angelegenheiten erwähnt, so dass man auf ein dort ansässiges Dynastengeschlecht schließen könnte, dessen Leitname "Etheler" war. Schon 994 wird ein Graf dieses Namens als Bundesgenosse der STADER gegen die Seeräuber erwähnt. Als Etheler zusammen mit Heinrich dem Guten und Siegfried in die Gefangenschaft der Ascomannen geriet, mußte er sich ebenso wie Heinrich durch mehrere Geiseln auslösen lassen. Er scheint also eine gewisse Rolle gespielt zu haben. Ein anderer "Etheler de Thetmarsia natus" kämpft um 1150 auf Seiten des dänischen Königs Sven gegen dessen Bruder Kanut. Diesem hatte Adolf von Schauenburg gehuldigt. Etheler wurde Feldherr (ductor) Svens und zwang Adolf anfangs zur Flucht. Später kam es dann zu dem bekannten Gefecht (Sven-Etheler gegen Adolf) bei Schülp-Rendsburg an der Eider, in dem Etheler fiel. Ob er mit dem in einer verunechteten Urkunde Heinrichs des Löwen genannten Ethelerus de Drage (Eider) identisch ist, sei dahingestellt.

Die Kinder der Ida von Elsdorf
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Als erstes Kind, wohl aus der Ehe mit Lippold, nennt Albert eine Oda, die erst im Kloster zu Rinteln (Weser) gewesen sein soll, dann aber einen russischen Fürsten heiratete. Schon von Mooyer ist jedoch bemerkt worden, dass das Kloster erst um 1227 von Bischopperode bei Stadthagen nach Rinteln verlegt wurde. Es liegt viel näher, das Kloster Ringelheim (bei Goslar), das in Quellen als "Ringelen" bezeichnet wird, als Odas Erziehungsstätte anzunehmen.
Ringelheim ist von einem Grafen Immad oder von der Königin Mathilde gegründet worden. Nachdem nun Odas Abstammung von den IMMEDINGERN nachgewiesen wurde, ist anzunehmen, dass sie tatsächlich in diesem "Hauskloster der IMMEDINGER" gelernt hat. Auch in anderem Zusammenhang wäre es interessant, die Geschichte von Kloster Ringelheim zu untersuchen, da, wie Wedekind bereits bemerkt, in einer Bestätigungsurkunde von 1209 eine Anzahl northeimischer und billungischer Güter als dem Kloster gehörig bezeichnet werden.
Hier soll jetzt die Ehe mit dem russischen Fürsten, dessen Name Raissa Bloch mit Großfürst Svjatoslav von Kiew (+ 27.12. 1076) erschlossen hat, besprochen werden. Lampert von Hersfeld meldet, dass Propst Burchard von Trier - nach Albert ein Bruder Odas - 1075 von HEINRICH IV. nach Rußland geschickt wurde, um mit Svjatoslav zu verhandeln, "denn der, zu dem Burchard geschickt wurde, war der Gatte seiner Schwester".
Oda kehrte nach dem Tode Svatoslavs nach Deutschland zurück und brachte einen Sohn, den Albert Wartweslav nennt, mit nach Sachsen. Das war etwa im Jahre 1077. Später sei der junge Russe aber in seine Heimat zurückgekehrt und habe an Stelle seines Vaters regiert. Bloch macht wahrscheinlich, dass der Stader Abt Warteslaw mit Jaroslav verwechselt hat. Ein Jaroslav wird in der Tat zusammen mit seinem Stiefbruder Oleg 1096 genannt; Jaroslaw erhielt 1123 das Fürstentum Tschernigow, das früher sein Vater regiert hatte und lebte dort bis 1130.
Oda heiratete in Sachsen zum zweiten Male und gebar hier eine Tochter Akarina (Albert fälschlich Aliarina). Akarina wurde Mutter Burchards von Loccum, der 1130 von den Leuten Hermanns von Winzenburg ermordet wurde und in den Quellen als "amicus regis" (scil. LOTHARS) erscheint. Ob dieses Attribut auf eine Verwandtschaft ("Blutsfreund") zwischen LOTHAR und Burchard deuten soll, ist nicht unwahrscheinlich (über Ida von Elsdorf und Richenza die Ältere von Northeim?).
Odas Todestag wird im Hildesheimer Necrolog zum 2. Juli angegeben. Durch ihre Vermittlung wird die Ehe zwischen Eupraxia-Adelheid und Heinrich IV. von Stade zustande gekommen sein. Odas Gemahl war der Bruder von Eupraxias Vater, Oda (von Elsdorf) also die Tante der jungen Stader Gräfin und späteren Königin.
Die anderen Kinder Idas aus ihrer 1. Ehe wurden bereits erwähnt. Es sind die Söhne Ekbert und Burchard und eine Tochter Akarina. Ekbert wurde zwischen März 1052 und Juni 1053 von dem Stader Udo II. bei Wistedt in der Nähe von Elsdorf erschlagen.
Burchard, der zweite Sohn, war Propst in Trier.
Die bekannteste Tochter Idas ist Richenza. Aus ihrer Ehe mit dem Oldenburger Egilmar I. ging Graf Egilmar II. hervor. 1112 beanspruchte dieser von den STADERN seinen Erbteil aus der "hereditas Idae", der ihm vorenthalten wurde. Es ergibt sich, dass Richenza erst nach Abschluß des zwischen Ida und Udo vereinbarten Erbvertrages geboren wurde, sie ist, "wollen wir den Worten Alberts keine Gewalt antun" demnach eine Tochter Ethelers (aus der 3. Ehe Idas). Richenzas Geburt kann man ungefähr in das Jahr 1060 setzen. Sie wird 1108 mit Schenkungsurkunde ihres Gatten für das Kloster Iburg bei Osnabrück zusammen mit ihren drei Kindern genannt. Über die Herkunft ihres Gatten, Egilmars I., berichtet nur die Chronik von Rastede. Sowohl Egilmar I. als auch sein gleichnamiger Sohn sind als Vögte dieses Klosters bezeugt. Egilmar II. heiratete eine Eilika, die Albert zwar als Tochter Ottos von Cappenberg bezeichnet, die aber richtiger als RIETBERGERIN anzusprechen ist. Egilmar II. und Eilika sind die Eltern jenes Bremer Dompropstes, der als "Anverwandter" (cognatus) Erzbischof Hartwigs erscheint. Ottos Verwandtschaft zu Hartwig ist doppelt: Durch seinen Vater, sowie die Oldenburger Richenza und Ida von Elsdorf weist die Tafel auf deren Vater (wahrscheinlich Herzog Otto), der dann sowohl Hartwigs als auch Ottos Urgroßvater war. Aber auch Ottos Mutter vermittelt als Urenkelin Richenzas von Werl-Northeim und Ottos von Northeim die Verwandtschaft der beiden Bremer Geistlichen. "Cognatus" bedeutet hier also Verwandtschaft sowohl in männlicher als auch in weiblicher Linie"
Die Besprechung der Familie Idas von Elsdorf zeigt, dass die Gräfin mit den vornehmsten Geschlechtern Sachsens, ja ganz Deutschlands, verwandt war. Das Hauptergebnis dieser Untersuchungen ist vor allem der Nachweis der Verwandtschaft Idas mit STADERN und NORTHEIMERN. Große Beachtung verdient ferner die Blutsbindung Idas mit den NORTHEIMERN und LIUDOLFINGERN.