Ernst II.                                           Herzog von Schwaben (1015-1030)
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um 1010-17.8.1030
              Burg Falkenstein

Begraben: Konstanz, Mauritiusstift (bei der Bischofskirche)

Ältester Sohn des Herzogs Ernst I. von Schwaben aus dem Hause der BABENBERGER und der Gisela von Schwaben, Tochter von Herzog Hermann II.
 

Lexikon des Mittelalters: Band III Seite 2179
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Ernst II., Herzog von Schwaben aus dem Hause der BABENBERGER
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* um 1007, + 17. August 1030

Begraben: Konstanz, Mauritiusstift (bei der Bischofskirche), unverheiratet

Der bei der formellen Übernahme der Herzogsherrschaft noch minderjährige Ernst II. stand zunächst unter der Vormundschaft seiner Mutter Gisela und danach unter derjenigen seines Onkels, Erzbischof Poppo von Trier. Mit dem Regierungsantritt KONRADS II., des dritten Gemahls seiner Mutter Gisela, im Jahre 1024 scheint für den zum Stiefsohn des Königs gewordenen Ernst eine Gefährdung seiner Herrschaftsausübung in Schwaben möglich geworden zu sein. Seine vom Sommer 1025 bis zum Lebensende dauernde, freilich immer wieder durch Begnadigungen unterbrochene Rolle als Opponent des Königs mag ebenso wie seine 1026 und 1027 im Elsaß und in Burgund unternommenen militärischen Aktionen in dieser Furcht vor einer Neuordnung in Schwaben begründet gewesen sein.
Ernsts Herrschaft als Herzog stützte sich auf das Reichsgut - mit der Pfalz auf dem Lindenhof zu Zürich als Zentrum - und auf die Reichskirche in Schwaben. Vor allem aber versuchte er, die Vasallen des Königs in Schwaben zu "mediatisieren". Aber gerade auf dem 1027 parallel zu KONRADS II. Ulmer Gerichtstag abgehaltenen Herzogslandtag zeigte es sich, dass die milites des Herzogs ihm ihre Hilfe ihm im Kampf gegen den Herrscher verweigerten. Das kam einer grundsätzlichen Krise der Herzogsherrschaft in Schwaben gleich. Nach erneuter Absetzung und Ächtung - das Herzogsamt wurde Bischof Warmann von Konstanz - blieb Ernst die Treue des Grafen Werner ("von Kyburg") erhalten, mit dem zusammen er auf der Baar im Kampf gegen die Leute des Bischofs fiel. -Ernsts oppositionelles Wirken ist - freilich nur in Andeutungen - in die bereits weitgehend ausgebildete Sage von einem Herzog Ernst von Bayern eingegangen, die sowohl deutsch und lateinisch in Vers und Prosa immer wieder anonym bearbeitet worden ist.

Literatur:
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NDB IV, 624 - H. Maurer, Der Hzg. v. Schwaben, 1978 - H.C. Faußner, Kuno von Öhningen und seine Sippe, DA 37, 1981, 81 - F.-R. Erkens, Fsl. Opposition in otton.-sal. Zeit, AK 64, 1982, 354ff. - [zur Herzog Ernst-Sage]: Verf.-Lex. III, 1170ff. - W. Störmer, "Spielmannsdichtung" und Gesch., ZBLG 43, 1980, 556ff.



Brandenburg Erich: Tafel 3 Seite 8
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"Die Nachkommen Karls des Großen"

X. 27 a. ERNST II., Herzog von Schwaben 1015
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* wohl 1014, + 1030 28. VIII.

Anmerkungen: Seite 133
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X. 27. Ernst II.
Die Geburtszeit muß, da Gisela erst 999 geboren ist, auf etwa 1014 angesetzt werden. Die übrigen über ihn bekannten Daten (siehe Bollnow 34f.) sind meines Erachtens damit durchaus vereinbar. Dafür, daß Gisela mit Ernst I. schon 1012 "vermählt zu sein scheint", führt Bollnow keine Beweise an. Es wäre für die Geburtszeit der Kinder auch nicht entscheidend. Alle Angaben über angebliche Nachkommen Ernsts II. sind reine Erfindungen.



Schwennicke Detlev: Tafel 84
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"Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1"

ERNST II.
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    + gefallen auf der Baar 17. VIII.1030

1015 HERZOG von SCHWABEN

Begraben: Konstanz Mauritiusstift



Thiele, Andreas: Tafel 22
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1"

ERNST II.
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* um 1010, + 1030 gefallen

Ernst II. folgte unter kaiserlicher Vormundschaft, dann unter dem Stiefvater und geriet mit diesem 1025/26 erstmals wegen Burgund, das Ernst und Odo II. von Champagne als Nachkommen von Schwestern König Rudolfs III. beanspruchten, in Streit. KONRAD unterdrückte 1026 den Aufstand Ernsts, den seine Vasallen im Stich gelassen hatten. 1027 begleitete er seinen Stiefvater nach Italien, der ihn nach Deutschland zurückschickte, um die Fürstenopposition niederzuhalten. Er schloss sich der Fürstenopposition an und verlor alle Reichslehen, sein Herzogtum und wurde nach der Unterwerfung inhaftiert. Er sollte 1030 restituiert werden, wenn er seinen Vasallen Graf Werner von Kyburg bekämpfen half. Er weigerte sich, wurde später mit der Reichsacht belegt und fiel zusammen mit Werner gegen den zur Vollstreckung der Reichsacht ausgesandten Grafen Mangold im Schwarzwald.



Hermann von Reichenau: Seite 660-666
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"Chronicon." in: Ausgewählte Quellen zur Deutschen Geschichte des Mittelalters Band XI

1015. Herzog Ernst von Schwaben wurde bei der Jagd von seinem Begleiter Adalbero [163 oder: "von Graf Adalbero"? So würde man zweifellos übersetzen, hieße es nicht bei Thietmar VIII 14, daß Ernst "von einem seiner Vasallen" (ab uno militum suimet) verwundet wurde.], der nach einem Wild schoß, mit dem Pfeil verwundet und starb, und sein Herzogtum erhielt sein gleichnamiger Sohn, seine Witwe Gisela aber bekam Konrad, der Sohn Heinrichs des Sohnes Herzog Ottos [164 Otto von Kärnten (978-985,995-1004), durch seine Mutter Liudgard Enkel OTTOS DES GROSSEN.], der nachherige Kaiser. Erzbischof Megingaud von Trier starb, und ihm folgte der ehrwürdige Poppo, der Bruder dieses Herzogs Ernst [165 Nämlich des Vaters. Poppo regierte 1016-1047).].
1025. Aufruhr und große Zwietracht erhob sich gegen König KONRAD von seinem Vetter Konrad und seinem Stiefsohn Herzog Ernst von Alamannien, sowie von Graf Welf aus dem schwäbischen Stamm [182 Aus dem Geschlecht der WELFEN.] und vielen anderen.
1026. Nachdem König KONRAD einen Teil der Aufständischen zur Ruhe gebracht hatte, ging er um die Fastenzeit mit einem Heer nach Italien, feierte Ostern in Vercelli und unterwarf sich ganz Italien diesseits Roms mit Ausnmahme der Stadt Lucca in Tuscien. Herzog Ernst von Alamannien, der in diesem Jahr auf Bitten seiner Mutter Frieden geschlossen hatte, erhielt die Abtei Kempten als Lehen und verteilte sie an seine Vasallen; nicht lange darauf wurde er durch schlechten Rat abwegig gemacht und erhob sich erneut. Im selben Jahr starb Bischof Heimo von Konstanz eines plötzlichen Todes an Lungenentzündung, und ihm folgte Warmann für ungefähr 8 Jahre nach [186 Erst nach Burkhards Tod erhielt Herzog Ernst, wie vorher berichtet, Kempten. Hermann ist also ungenau in der Reihenfolge.]. Auch Abt Burkhard von Kempten und Rheinau starb, und für ihn wird in Rheinau Pirchtilo als Abt eingesetzt. Bischof Bruno von Augsburg und Graf Welf wüten gegeneinander mit Raub und Brand.
1027. König KONRAD feierte den Geburtstag des Herrn in Ivrea und rückte dann weiter vor; er nahm die Unterwerfung Luccas und des Markgrafen Reginher entgegen und wurde, nach Rom gelangt, von Papst Johannes am heiligen Ostertag zum Kaiser gekrönt. Er kehrte zurück, nachdem er ganz Italien unterworfen hatte, und hielt in Alamannien bei Ulm einen Tag; dort empfing er unter anderen seinen Stiefsohn Herzog Ernst und Graf Welf, die zur Unterwerfung kamen, und verwies sie für einige Zeit in die Verbannung. Kiburg, die Burg des noch Widerstand leistenden Grafen Werner, und einige andere Burgen Aufständischer wurden eingenommen. Auch sein Vetter Konrad ergab sich dem Kaiser, wird aber nichtsdestoweniger in Verbannung geschickt. Bischof Werner von Straßburg wird vom Kaiser als Gesandter nach Konstantinopel geschickt; und als er dort im folgenden Jahr gestorben war, bekam er Wilhelm als Nachfolger. Hildegard wird Äbtissin in Buchau.
1030. Als Herzog Ernst, aus der Verbannung befreit, sein Herzogtum zurückerhalten hatte [193 Vor 1. Juli 1028. ], lehnte er sich, von schlechten Ratgebern beraten, erneut gegen den Kaiser auf und wird seines Herzogtums entsetzt, und sein jüngerer Bruder Hermann wird Herzog der Schwaben [194
Hermann IV. 1030-1038.]. Da schon lange Feindschaft mit dem Ungarnkönig Stephan angefacht worden war, zog Kaiser KONRAD nach Ungarn und verwüstete es bis zur Raab, soviel er trotz der Behinderung durch Flüsse und Sümpfe konnte. Inzwischen erhoben sich in Alamannien der frühere Herzog Ernst und seine Anhänger mit geringen Kräften gegen den Kaiser, und als sie in der Gegend des Schwarzwaldes das Volk mit Raubzügen plagten, wurden sie von Graf Manegold [195 Wahrscheinlich Graf von Nellenburg.] aus dem Reichenauer Aufgebot beobachtet und in einem Treffen am 17. August besiegt. Manegold selbst kam dort um, und es fielen der einstige Herzog Ernst und Graf Werner, das Haupt der Verschwörung, sowie Adalbert und Werin, vornehme Ritter, mit anderen; und Ernst wurde in Konstanz, Manegold aber in Reichenau begraben. Der Reichenauer Mönch Burkhard wird zum Abt in St. Emeram zu Regensburg erhoben.
 
 
 
 

Literatur:
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Ay, Karl-Ludwig/Maier, Lorenz/Jahn Joachim: Die Welfen. Landesgeschichtliche Aspekte ihrer Herrschaft. Universitätsverlag Konstanz GmbH 1998 Seite 71 - Bollnow, Hermann: Die Grafen von Werl. Genealogische Untersuchungen zur Geschichte des 10. bis 12. Jahrhunderts. Dissertation Stettin 1930 Seite 34 - Boshof, Egon: Die Salier. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln 1987, Seite 9, 28,44,47,58-63,66,81,308 - Brandenburg Erich: Die Nachkommen Karls des Großen Verlag Degener & Co Neustadt an der Aisch 1998 Tafel 3 Seite 8 - Bresslau, Harry: Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Konrad II. 3 Bände Verlag von Duncker & Humblot Leipzig 1879 - Brüsch, Tania: Die Brunonen, ihre Grafschaften und die sächsische Geschichte. Herrschaftsbildung und Adelsbewußtsein im 11. Jahrhundert. Matthiesen Verlag Husum 2000 Seite 31,50,92,255 - Bühler, Heinz: Adel, Klöster und Burgherren im alten Herzogtum Schwaben. Gesammelte Aufsätze. Anton H. Konrad Verlag 1997 Seite 46,144/45,195,212,360,367,445,448,459, 704,732,752/53,792,805,903,919 - Die Salier und das Reich, hg. Stefan Weinfurter, Jan Thorbecke Verlag 1991, Band I Seite 15,31,191,222,231,234,237, 255-259,523,544/Band II Seite162,164,386,521,526/Band III Seite 16,313,315,320,324,491,496 - Ennen, Edith: Frauen im Mittelalter. Verlag C.H. Beck München 1994, Seite 69 - Erkens, Franz-Reiner: Konrad II. Herrschaft und Reich des ersten Salierkaisers. Verlag Friedrich Puset Regensburg 1998, Seite 32,35,69-73,77,94,132,138,145,158,160,207 - Frommer, Hansjörg: Die Salier und das Herzogtum Schwaben, INFO Verlagsgesellschaft Karlsruhe 1992 - Frommer, Hansjörg: Spindel, Kreuz und Krone, Herrscherinnen des Mittelalters. Fourier-Verlag Wiesbaden 1996 Seite 131-134 - Hermann von Reichenau: Chronicon. in: Ausgewählte Quellen zur Deutschen Geschichte des Mittelalters Band XI Seite 660-666 - Hils, Kurt: Die Grafen von Nellenburg im 11. Jahrhundert. Ihre Stellung zum Adel, zum Reich und zur Kirche, Eberhard Albert Verlag Freiburg 1967, Seite 16,19, 22-24,46,75 - Hirsch, Siegfried: Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Heinrich II. 1. bis 3. Band, Verlag von Duncker & Humblot Berlin 1864 - Hlawitschka, Eduard: Konradiner-Genealogie, unstatthafte Verwandtenehen und spätottonisch-frühsalische Thronbesetzungspraxis. Ein Rückblick auf 25 Jahre Forschungsdisput. Hahnsche Buchhandlung Hannover 2003 Seite 109 - Hlawitschka Eduard: Untersuchungen zu den Thronwechseln der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts und zur Adelsgeschichte Süddeutschlands. Zugleich klärende Forschungen um „Kuno von Öhningen“, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1987, Seite 127,130-136,139,141,169 - Keller Hagen: Kloster Einsiedeln im ottonischen Schwaben. Eberhard Albert Verlag Freiburg im Breisgau 1964 Seite 106,121-124 - Lechner Karl: Die Babenberger. Markgrafen und Herzoge von Österreich 976-1246, Böhlau Verlag Wien-Köln-Weimar 1992, Seite 55,66,68,321 A 35,330 A 8 - Maurer, Helmut: Der Herzog von Schwaben. Grundlagen, Wirkungen und Wesen seiner Herrschaft in ottonischer, salischer und staufischer Zeit, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1978 - Pohl Walter: Die Welt der Babenberger. Schleier, Kreuz und Schwert, hg. von Brigitta Vacha, Verlag Styria, Seite 84 - Schneidmüller Bernd/Weinfurter Stefan: Otto III. Heinrich II. Eine Wende? Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1997 Seite 365 - Schnith Karl: Frauen des Mittelalters in Lebensbildern. Verlag Styria Graz Wien Köln 1997 Seite 92,94,96,100-102,109,111-114 - Schnith Karl Rudolf: Mittelalterliche Herrscher in Lebensbildern. Von den Karolingern zu den Staufern. Verlag Styria Graz Wien Köln 1990 Seite 176,188,190 - Schulze Hans K: Das Reich und die Deutschen. Hegemoniales Kaisertum. Ottonen und Salier. Siedler Verlag - Schwennicke Detlev: Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1, Vittorio Klostermann GmbH Frankfurt am Main 1998 Tafel 84 - Stälin, Paul Friedrich: Geschichte Württembergs, Gotha 1882 Seite 196-203 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 Tafel 22 - Thietmar von Merseburg: Chronik Wissenschaftliche Buchgemeinschaft Darmstadt 1992 Seite 368 - Weinfurter, Stefan: Heinrich II. (1002-1024) Herrscher am Ende der Zeiten, Verlag Friedrich Puset Regensburg 1999, Seite 63 - Weller, Karl: Geschichte des schwäbischen Stammes bis zum Untergang der Staufer. München und Berlin 1944 - Wipos Leben Konrads II. in: Ausgewählte Quellen zur Deutschen Geschichte des Mittelalters Band XI Seite 532,534,562,564,574,576,582-586 - Wolf Armin: Zur Königswahl Heinrichs II. im Jahre 1002. Verwandtschaftliche Bedingungen des Königswahlrechts. in: Genealogisches Jahrbuch Band 42 Verlag Degener & Co. Neustadt a.d.Aisch 2002, Seite 35 - Wolfram, Herwig: Konrad II. 990-1039. Kaiser dreier Reiche. C.H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung München 2000 Seite 42,50,54-56,85,90-102,114,132,134,155,165,168,185,188, 198,202,205,210,250,255,285,303,312,341,344,352 - Zettler, Alfons: Geschichte des Herzogtums Schwaben. Verlag W. Kohlhammer GmbH Stuttgart 2003 Seite 162-168,171 -