Ältester Sohn des Römischen
Kaisers
KARL IV. († 29.11.1378) aus dem Hause
LUXEMBURG aus
seiner 4. Ehe mit der
Elisabeth
von Pommern, Tochter von Herzog
Boguslaw V. († 7.12.1373)
und der Elisabeth von Polen
Bruder von Königin Anna von England († 7.6.1394),
Herzog Johann von Görlitz († 2.3.1396),
Burggräfin Margarete von Nürnberg († 4.6.1410),
Stief-Bruder von Königin
Margarete
von Ungarn († 1349), Herzogin Katharina von
Österreich († 26.4.1395), Kron-Prinz Wenzel von Böhmen († 30.12.1351),
Herzogin Elisabeth von Österreich († 19.9.1373),
vom Deutschen König WENZEL
VON BÖHMEN († 16.8.1419)
Neffe von Markgraf Johann
Heinrich von Mähren († 12.11.1375),
Königin Bona
(Jutta) von Frankreich († 11.9.1349), Herzogin Anna von
Österreich († 3.9.1338), Herzogin
Margarete
von Nieder-Bayern († 11.7.1341), Herzog Wenzel
I. von Luxemburg († 8.12. 1383),
Herzog Kasimir IV. von Pommern-Wolgast (⚔ 2.1.1377),
Herzogin Margarete von Steiermark († 30.4.1407), Herzog Barnim V. von Pommern-Wolgast († 1403), Herzog Wartislaw VII. von Pommern-Wolgast († 1395 vor 24.2.), Herzog Bogislaw VIII. von Pommern-Wolgast († 11.2.1418)
Groß-Neffe von Herzogin Kunigunde von Bayern († 26.4.1357), Gräfin Anna von Cilli († 1425), Kunigunde von
Polen, Hedwig von Polen,
König Wenzel III. von Böhmen-Polen († 4.8.1306
ermordet), Königin
Anna von Böhmen († 3.9.1313),
Herzogin Margarete von
Schlesien-Liegnitz († 7./8.4.1322),
Gräfin Agnes von Nassau († um
1296), Herzogin Agnes von
Schlesien-Schweidnitz-Jauer († 1336/
4.1.1337), Bischof Johann
Wolek von
Olmütz
(† 27.9.1351)
Cousin vom Deutschen
König JOBST VON
MÄHREN († 18.1.1411), von Markgraf Prokop
von Mähren († 24.9.1405), Bischof Johann
Sobeslaw von
Olmütz
(† 12.10.1394), Herzogin Katharina
von Falkenberg († 1378 vor 17.2.),
Markgräfin Elisabeth von Meißen († 20.11.1400), Herzogin Elisabeth von Görlitz († 3.8.1451), Blanka von
Frankreich, Katharina von Frankreich, König Karl V. dem
Weisen von Frankreich († 16.9.1380),
Herzog Ludwig I. Herzog von Anjou († 21.9.1384),
Herzog Johann I. dem Prächtigen von
Berry († 15.6.1416), Herzog Philipp dem Kühnen von
Burgund (†
27.4.1404), Gräfin
Marie von Bar (†
10.1404), Herzogin
Johanna von Limburg († 3.11.1373),
Agnes von Frankreich († 6.1349),
Margarete von Frankreich († 25.4.1352),
Herzogin Isabella von Mailand († 11.9.1372)
Verwandter von Königin Anna von Polen († 20./21.3.1416)
Enkel von König Johann dem Blinden von Böhmen (⚔ 26.8.1346) und
der Elisabeth von Böhmen
Ur-Enkel vom Römischen Kaiser HEINRICH
VII. († 24.8.1313), von König Wenzel II. von
Böhmen-Polen († 21.6.1305), König Kasimir III. dem Großen von
Polen († 5.11.1370)
Ur-Ur-Enkel vom Deutschen König RUDOLF
I. VON HABSBURG († 15.7.1291), von König
Ottokar II. Premysl von Böhmen († 26.8.1278
ermordet)
Lexikon des Mittelalters: Band VII
Spalte 1868
********************
1. SIEGMUND, römisch-deutscher Kaiser,
König
von
Ungarn und Böhmen aus dem Hause LUXEMBURG
--------------------
* 15. Februar 1368, † 9.12.1437
Nürnberg
Znaim
Begraben: Nagyvarad
Eltern: Kaiser KARL IV. und Elisabeth, Tochter Herzog Bogislaws V. von Pommern
1. oo 1385 Maria († 1395), Tochter Ludwigs I. von Ungarn und Polen
2. oo 1406/08 Barbara von Cilli
1409 Geburt der Tochter Elisabeth
(oo ALBRECHT
II., dem
späteren
deutschen König, König von Ungarn und Böhmen)
am 31.
März
1387 Krönung zum KÖNIG von UNGARN in
Stuhlweißenburg,
am 20. September 1410 erste Wahl,
am 21. Juli 1411 zweite Wahl zum RÖMISCHEN
KÖNIG,
am 8. November 1414 Krönung in Aachen,
am 25.
November
1431 Krönung mit der „Eisernen Krone“ in Mailand,
am 31.
Mai
1433 KAISER-Krönung durch
Eugen
IV.
[1] JUGEND
Siegmunds Jugend
stand
im Zeichen luxemburgischer
Hauspolitik. KARL
IV.
hatte
Siegmund
kurz
nach der Geburt mit der Tochter Burggraf
Friedrichs V. von Zollern
verlobt; als dieser eigene Söhne bekam, wurde die Verbindung
gelöst.
1372 in Breslau, definitiv 1375 in Brünn vereinbarte
KARL
die
Verlobung
Siegmunds mit
Maria,
der Tochter König
Ludwigs,
die
durch den Tod ihrer älteren Schwester im Jahre 1378 zur
Haupt-Erbin
Ludwigs
in
Ungarn wurde. Kindheit und Jugend verbrachte Siegmund
überwiegend
in Prag und in der Mark Brandenburg, später auch in Polen und
Ungarn.
Der Prinz lernte Deutsch, Tschechisch, Lateinisch,
Französisch,
„Slawisch“
(wohl
Kroatisch), Italienisch und Ungarisch. Von seinen
Erziehern
ist der Humanist Niccolo die
Beccari aus
Florenz bekannt. Der
körperlich
attraktive und lebenslustige
Siegmund
galt als hochgebildet.
[2] KURBRANDENBURG, UNGARN
1376 erhielt Siegmund
als Lehen die Mark Brandenburg (zunächst ohne die Neumark).
Als König
Ludwig 1382 starb,
nutzten
die Polen die Gunst der Stunde, um sich von Ungarn zu lösen. Siegmund
mußte sich dort gegen Karl III.
von Anjou-Durazzo
und dessen Sohn Ladislaus sowie
deren
Parteigänger um den Ban Johann
Horvati durchsetzen. Maria
war
fast ein Jahr Gefangene der Gegner, ihre
Mutter Elisabeth
und der Palatin Nikolaus I. von Gara
wurden getötet. Siegmund
mußte
die Hilfe König
WENZELS in
Anspruch
nehmen und die Unterstützung des ungarischen Adels erwirken;
besonders
letzteres kam den König teuer zu stehen. Von 1387 ist das erste,
mehr
oder minder förmliche Wahlversprechen eines ungarischen
Königs
überliefert; vereinbart war es mit den „Regnicolae Hungaricae“,
die
sich 1386 formiert hatten.
Siegmund
wurde
gekrönt und erwirkte die Befreiung
Marias,
beides mit Hilfe Venedigs, das kein Interesse an einer Verbindung
Neapels
mit Ungarn haben konnte. Die Königin blieb bis zu ihrem Tode
Mit-Regentin.
Zur Schuldentilgung verpfändete Siegmund
1388 die Mark Brandenburg an seine Vettern Jodok
und Prokop;
später erhielt Jodok
auch die Kurwürde. Die Neumark ging an Johannes
von Görlitz,
Siegmunds
Halb-Bruder (Richtigstellung: Johann
war Siegmunds Bruder),
zurück;
Siegmund
erbte
sie 1396. WENZEL erhielt Siegmunds
Anteil an den Bergwerken in Kuttenberg. Durch die lange Phase der
Herrschaftskonsolidierung
geschwächt, verlor Ungarn unter anderem Galizien und die Moldau.
1396 unterlag Siegmund
mit
vorwiegend französisch-ungarischen Kreuzfahrern Sultan
Bayezid I. bei Nikepolis; damit wurde die türkische
Gefahr
akut. Der Reichstag zu Temesvar 1397 beschloß auf der Basis der
Goldenen
Bulle König
Andreas‘
II. mit
den
Zusätzen Ludwigs I. die
Reorganisation
des Militärs. In diesem Kontext wurden auch die kirchlichen
Einkünfte
zugunsten des heimischen Klerus und der Söhne des Adels
beschnitten.
Dies, die Einschränkung der Appellation an Rom und das Verbot, von
der Kurie ernannten „bullati“ Pfründen zu gewähren,
bereiteten
dem „Placetum Regium“ (Reichstag zu Preßburg, 1404) den Weg. Die
Nutzung des Schismas zur Stärkung der königlichen Position
prägte
Siegmunds
ungarische Kirchenpolitik von 1397 bis zum Konstanzer Konzil. Das
Adelsrecht
auf Widerstand und das bereits in der Wahlkapitulation genannte, 1397
bestätigte
Verbot fremder Berater ermöglichten der Gruppe um den Erzbischof
Johann
Kanizsai 1401 die Festnahme
Siegmunds.
Die Regierung wurde „auctoritate
sacre corone“ von Baronen
übernommen.
Befreit wurde
Siegmund von der Garai-Gruppe,
mit der er sich durch Heirat mit Barbara von
Cilli
verbunden
hatte. Ein letzter Angriff auf das Königtum erfolgte im
Frühjahr
1403 durch Ladislaus
von Neapel, der seine Ansprüche mit Hilfe des
Papstes durchzusetzen versuchte. Der Angriff mißlang, weil der
Papst
durch das Schisma geschwächt und Siegmunds
Liga bereits stark genug war. Im Oktober 1403 amnestierte Siegmund
alle ehemaligen Gegner (Reichstag zu Ofen,1403). Die Gründung des
Drachenordens (1408) sollte das Königtum weiter festigen. In den
folgenden
Jahren mußte Siegmund
mehrfach
türkische Angriffe abwehren. Im Innern bemühte er sich um die
Nutzung der Landesressourcen durch Förderung wichtiger Städte
und des Levante-Handels. Im Laufe seines Herrscherlebens zog Siegmund
in luxemburgischer
Haustradition
vor allem italienische, aber auch deutsche Experten an seinen Hof.
Wichtige
Einkommensquellen des Königs waren der (Gold- und Silber-)Bergbau
und das Salzregal. In der Lokalverwaltung gewann der Komitatsadel an
Selbständigkeit.
Mit der Nachfolge ALBRECHTS und Elisabeths
setzte
Siegmund
seine dynastischen Pläne durch.
[3] BÖHMEN UND DAS REICH
Die Herrschaft in Böhmen war bereits unter WENZEL
nicht konfliktfrei. Dabei vermengten sich böhmische und deutsche
Fürsteninteressen
und luxemburgischer
Familienzwist
nicht nur bei der Genese der
Konflikte,
sondern auch bei deren Beilegung in wechselndem Mit- und Gegeneinander.
Siegmund
schloß 1394 einen Erbvertrag mit seinem Bruder, den er zwei Jahre
später gegen erneute Hilfe bekräftigen ließ. Zudem
setzte
WENZEL
dem deutschen Drängen auf einen Reichsvikar
die Ernennung
Siegmunds
entgegen, obgleich dieser nach Ungarn zurückkehrte und mit
Brandenburg
sogar die Reichsfürstenwürde verloren hatte. Während der
Gefangenschaft WENZELS (1402/03)
trat
Siegmund und
plante den überfälligen Romzug für seinen Bruder (im
Februar 1402 als Reichsverweser
die Herrschaft in Böhmen an Richtig:
Stief-Bruder). Unterstützt wurde Siegmund
von den HABSBURGERN;
Albrecht
IV. erhielt dafür die Anwartschaft auf die ungarische
Krone
und die böhmische Statthalterschaft. Zur Finanzierung seiner
Politik
verpfändete Siegmund 1402 die
Neumark an den Deutschen Orden. Allerdings war Siegmund
damit überfordert, gleichzeitig in Ungarn und Böhmen seine
Herrschaft
durchzusetzen: Weihnachten 1403 zog WENZELwieder
in Prag ein.
Nach dem Tod König
RUPRECHTS
wählten
am 20. September 1410 Kurpfalz, Kurtrier und (unrechtmäßig)
Kurbrandenburg SIEGMUND und am 1.
Oktober
die Gegenpartei Jodok von Mähren
zum deutschen König; letzterer starb am 18. Januar 1411. Am
21. Juli des Jahres wählten dann auch Mainz, Köln, Sachsen,
Brandenburg
und Böhmen Siegmund zum
König.
Die Zweiteilung der Wahl spiegelt Siegmunds
diplomatisches Geschick wieder:
In der Approbationsfrage machte er der
kurpfälzischen Partei („Gregorianer“) keine Zugeständnisse,
die
für Kurmainz und Kurköln („Pisaner) unannehmbar gewesen
wären.
Zudem gelang es SIEGMUND, sich mit
WENZEL
über eine Aufteilung der Königs- und Kaiserwürde zu
einigen.
Bei der Herrschaftssicherung stützte sich SIEGMUND
zunächst auf Kurpfalz. Eigene Reichspolitik (seit 1414) fiel dem
König
ohne Hausmacht schwer; er war im wesentlichen auf seine
Legitimationsfunktion
angewiesen. Aktives politisches Handeln war ihm nur bei eklatanten
Verletzungen
der Ordnung möglich. Die Erfolge des Königs
führten
zum Zusammenrücken der Kurfürsten und zum Bruch mit dem
Pfalzgrafen
(1417). SIEGMUND blieb zeitlebens
darauf
angewiesen, sich auf territoriale Handlungsträger
(„Ersatzhausmacht“)
im Reich zu stützen. Dies erforderte große
Zugeständnisse,
von denen die Übertragung der Mark Brandenburg an Friedrich von
Nürnberg
(1411 Kurwürde 1417) zu den historisch folgenreichsten zählt.
Die Einberufung des Konstanzer Konzils ist
bezeichnend
für SIEGMUNDS
pragmatische Politik:
SIEGMUND
nutzte
den Vorteil, dass sein Königtum erstarkte, während sich die
Lage
der Päpste unter dem Schisma ständig verschlechterte. Im
Vorfeld
des Konzils entstand ein komplexes Bündnisgeflecht: in Leicester (König
Heinrich V. von England/Burgund), in Trino (SIEGMUND/Karl
VI. von Frankreich), in Koblenz (SIEGMUND/Heinrich
V.) und in Arras
(Burgund/Karl VI.).
SIEGMUND
wollte das Konzil sichern und zugleich die burgundische Frage im
dynastischen
Interesse lösen. In der Papstfrage blieb er nominelle der Pisaner
Position treu, politisch näherte er sich jedoch dem Heidelberger
Hof.
Die Zustimmung der spanischen Könige („Capitula Narbonensia“)
erwirkte
SIEGMUND
auf einer Reise 1415/16, auf der auch das Bündnis von Canterbury
geschlossen
wurde. Es gelang, das Schisma zu überwinden; hingegen verlor SIEGMUND
den Streit um die Priorität von Kirchenreform oder Papstwahl. Auch
die causa fidei wurde durch
die Verbrennung von Johannes Hus
im Juli
1415
nur scheinbar gelöst; in Böhmen eskalierte das Problem,
spätestens
nach dem Tod WENZELS.
SIEGMUNDS
böhmische Krönung am 28. Juli 1420 blieb bis zur
Durchsetzung
(1436/37) der auf der Basis der Vier Prager Artikel ausgehandelten
Basler
Kompaktaten (1433) ein umkämpfter Anspruch; die gescheiterten
Kreuzzüge
(1420/21,1422,1426/27,1431) sowie die Schlacht bei Lipany 1434
markierten
Stationen auf diesem Weg.
[4] KÖNIG UND REICH
Da SIEGMUND oft
nicht
im Reich war, mußte königliches Handeln, dort wo es
eigentlich
hätte erfolgen müssen, vielfach aufgeschoben oder
vorausgesetzt,
gelegentlich auch ersetzt werden, wobei letzeres am schlechtesten
legitimiert
war. Jedenfalls konnte das Königs“defizit“ im Normalfall
ausgeglichen
werden, nicht jedoch in der Hussiten-Krise. Deren Bewältigung
erfolgte
in drei Etappen, was die Entwicklung reichspolitischen Handelns unter SIEGMUND
verdeutlicht: das Kurfürstenbündnis (1421), die
Reichsmatrikel
(1422) und die Reichssteuer (1327). Zunächst handelten die
Kurfürsten
unter Berufung auf den König, jedoch mit päpstlicher
Legitimation.
1422 reichte diese Art der Legitimation nicht mehr aus, der König
mußte selbst erscheinen. Als 1427 SIEGMUND
nicht erreichbar war, leitete an seiner Stelle der englische
Finanzexperte
und Kardinal-Legat
Heinrich von Beaufort
den Tag und erarbeitete das Konzept für die erste deutsche
Reichssteuer.
Diese bemerkenswerte Überwindung des Königs“defizits“
markiert
einen vorläufigen Höhepunkt der Selbstorganisation des
Reiches.
Das Baseler Konzil war anfangs auf den
König
angewiesen
und diente diesem im Gegenzug zur Steigerung seiner machtpolitischen
Präsenz
im Reich sowie als diplomatisches Rückendeckung in Italien. Das
Konzil
emanzipierte sich jedoch zusehends vom König und nahm wie dieser
Legitimationsfunktionen
und Rechtsprechung wahr. Dem Kaiser (seit 1433) war ein Konkurrent
erwachsen,
der mit zunehmender Rigorosität gegen den Papst auch politisch
selbstbewußter
auftrat und begann, Forderungen an das Reich zu stellen.
Kurfürsten
wie Reichsstädte schützten sich gegen Konzilsansprüche,
indem sie sich auf den Kaiser beriefen. Dieser Vorgang belegt die
Grenze
reichspolitischer Selbständigkeit: Die Reichsglieder waren unter SIEGMUND
noch unmittelbar auf den König bezogen, weshalb sich eine
eigenständige
legitimierte „Opposition“ (noch) nicht bilden konnte. Dies schloß
Kontroversen und grundsätzliche Aufffassungsunterschiede zwischen
SIEGMUND
und den Kurfürsten jedoch nicht aus.
Die unterschiedliche geopolitische Perspektive
von
König
und rheinischen Kurfürsten beeinflußte auch die
Vermittlungen
zwischen den Deutschen Orden und Polen: SIEGMUNDS
Verankerung in Ostmittel-Europa veranlaßte ihn, die Politik des
Deutschen
Ordens an seinem Verhältnis zu Polen-Litauen zu orientieren.
Dagegen
stellten sich die rheinischen Kurfürsten - vom Papst
unterstützt
– uneingeschränkt vor den Orden als „Hort der Christenheit“ und
machten
dies gegebenenfalls auch gegen den König geltend.
Ähnlich
differierten die Haltungen zum Krieg zwischen Venedig und Mailand. SIEGMUNDS
Handeln war ganz vom diplomatischen Nutzen bestimmt; so wechselte er
auf
seinem Italienzug von der mailändischen auf die Seite der Liga, um
im komplizierten Mit- und Gegeneinander von Papst und Venedig versus
Konzil
und Mailand seine eigene Position zu stärken und eine
Vermittlerrolle
wahrnehmen zu können.
SIEGMUND
gilt als
Kirchen- und Reichsreformer, als Schöpfer der Idee der
Donaumonarchie,
als großer Diplomat und schlechter Feldherr. Man sagt ihm nach,
er
sei unstet gewesen und habe zu viele Dinge gleichzeitig betrieben. Der
Persönlichkeit wird wohl zu Unrecht angelastet, was auch durch den
extremen Aktionsradius dieses letzten LUXEMBURGERS
erklärbar ist: Der weit ausgedehnte Herrschaftsraum mit den
unterschiedlichen
sozialen, kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Voraussetzungen
überforderte das Leistungsvermögen eines
spätmittelalterlichen
Herrschers sowohl hinsichtlich der Anforderungen als auch der
verfügbaren
Mittel bei weitem.
Quellen:
----------
MCXV. Concil Basileense, T. I-III, 1857-1896 -
RTA,
Ältere
Reihe, 7-12 Bde, 1878-1901 - F. E, Windecke, Denkwürdigkeiten zur
Gesch. des Zeitalters Ks. S. s, hg. W. Altmann, 1893 - Acta Concil
Constanciensis,
hg. H. Finke - J. F. Böhmer, RI XI, 1896-1900 - Zsigmondkori
Okleveltar,
hg. E. Malyusz, 1951-1958 - Necr. Regni Hung., 1301-1457, ed. F.
Döry,
G. Bonis, V. Bacskai, 1976.
Literatur:
-----------
J. v. Aschbach, Gesch. Ks. S. s, 1838-1845 - S.
Wefers,
Das politische System Ks. S. s, 1989 - E. Malyusz, Ks. S. in Ungarn,
1990
- W. Baum, Ks. S., 1993 - S. von Luxemburg, hg. J. Macke, E. Marosi,
F.Seibt,
1994 - G. Beinhoff, Die Italiener am Hof Ks. S. s, 1995.
SIGISMUND
------------------
* Prag 14.II.1368, † Znaim 9.XII.1437
Begraben: Großwardein
11. VI 1378/1395 und 1411/15 MARKGRAF
VON BRANDENBURG
Stuhlweißenburg 10.VI.1386 als KÖNIG
VON
UNGARN gewählt
Stuhlweißenburg 31.III.1387 gekrönt
Frankfurt 14.IX.1410 als KÖNIG
gewählt,
bestätigt
21. VII 1411
Aachen 8.XI.1414 mit Gemahlin gekrönt
Hradschin 28.VII.1410 KÖNIG VON BÖHMEN
Prag 27.VII.1420 gekrönt
Mailand 25.XI.1431 KÖNIG VON ITALIEN
31.V.1433 KAISER
X 1385
I. oo
MARIA, 1382 KÖNIGIN
VON UNGARN (ANJOU-SIZILIEN)
* 1370, †
Ofen 17.V.1395
Begraben: Warasdin
Tochter von Ludwig dem Großen König von Ungarn und Polen
1406/08
II. oo
BARBARA VON CILLI
* (1390/95), † Melnik an der Pest 11. VII 1451
Tochter von Graf Hermann II.
1412 STATTHALTERIN von UNGARN
Prag 11.II.1436 KÖNIGIN von BÖHMEN
Hoensch Jörg: Seite 457-464
***********
"Kaiser Sigismund. Herrscher an der Schwelle zur
Neuzeit
1368-1437."
SIGISMUND VON
LUXEMBURG
hat - wie im Hofmilieu der Zeit üblich - wenig elterliche
Zuwendung
erfahren. Seine erste Teilnahme an einem Staatsakt ist für den 2.
Oktober 1273 nachzuweisen, als er auf einem Prager Hoftag zusammen mit
seinen Brüdern WENZEL
und
Johann von dem
kaiserlichen Vater mit der MARK
BRANDENBURG
belehnt
wurde. Zu diesem Zeitpunkt hatte längst die konsequente Ausbildung
des Kaiser-Sohnes eingesetzt. Neben dem vom Hofmeister
überwachten,
von den Kaplänen und ihnen zugewesenen Lehrern erteilten
Unterricht
im Lesen und Schreiben, Rechnen und der Religion kam der Vermittlung
von
Fremdsprachen ein hoher Stellenwert zu. KARLS
Söhne wuchsen zweisprachig - tschechisch und deutsch - auf und
erhielten
früh Französisch- und Latein-Unterricht. Der sprachbegabte SIGISMUND
lernte darüber hinaus Ungarisch, Italienisch und "Slavisch" - wohl
eher Polnisch als Kroatisch. Er wurde zudem nicht nur mit der Heiligen
Schrift und den Kirchenvätern, sondern auch mit den Werken antiker
Autoren sowie den Grundlagen des römischen und kanonischen Rechts
bekannt gemacht. Er reiste im Februar 1374 mit der königlichen
Hofhaltung
in die Mark Brandenburg und blieb nach des Vaters Abreise in
Tangermünde
zurück.
Bereits bei seiner Geburt war SIGISMUND
mit Katharina von Zollern,
der Tochter
des Burggrafen Friedrich
V., verlobt worden. Durch die Geburt von zwei Söhnen verlor
diese
Verbindung jeglichen Sinn. Anfang 1372 wurde eine Ehevereinbarung
zwischen
SIGISMUND
und einer ungarischen Prinzessin
getroffen. Ludwig
von Ungarn benannte erst am 21. Juni 1373 seine
Zweitgeborene
Maria
als
Verlobte SIGISMUNDS. In dem am 14.
April 1375 in Brünn abgeschlossenen Ehevertrag kam es zu keinen
Vereinbarungen
über die ungarische Thronfolge. Auch nach dem Tod der ungarischen
Thronfolgerin Katharina (Mai/Oktober
1378) gelang es
seinem
Vater nicht mehr, die Nachfolge seines Sohnes in Ungarn abzusichern. Im
September 1379 fand die Verlobung mit der 8-jährigen Maria
statt, die SIGISMUND
hier zum ersten Mal sah. Zur weiteren Erziehung wurde der junge Prinz
dem
Schwieger-Vater übergeben, um sich mit den Sitten und
Gebräuchen
vertraut zu machen. Obgleich ihn König
Ludwig
als
geeigneten Nachfolger in beiden Reichen einstufte, scheint sich SIGISMUND
nicht nur das Missfallen der dominierenden Königs-Mutter
Elisabeth († 29.12.1380) zugezogen zu haben, sondern bald
auch
die sich zu Hass steigernde Abneigung seiner
künftigen
Schwieger-Mutter,
der bosnischen
Prinzessin Elisabeth
Kotromanic.
Krankheiten und das Ende
Als SIGISMUND
am 12.
August 1437 nach Prag zurückkehrte, dürfte seine Gesundheit
bereits
angegriffen gewesen sein, denn er musste sich am 9. September einer
Operation
unterziehen, bei der er die bei der Amputation einer großen
Zehe
auftretenden starken Schmerzen heldenhaft ertrug. Bei der von den
Zeitgenossen
als "ignis sacer" (Höllenbrand), "cancer" oder recht
allgemein
"infirmitas pollicis in pede" bezeichneten Erkrankung
dürfte
es sich um schwere arterielle Durchblutungsstörungen gehandelt
haben, die "Gangraena senilis" (Altersbrand) hervorgerufen
hatten.
SIGISMUND
verfügte über eine recht robuste Konstitution, obgleich er
durch
übermäßiges Essen und Trinken sowie durch die Strapazen
des ständigen Reisens seinen Körper zeitlebens großen
Belastungen
ausgesetzt hatte.
Bereits in seinen frühen ungarischen Jahren
sind
fast immer Mediziner in seiner Umgebung nachzuweisen. Verwundungen in
Gefechten
oder bei Turnieren scheint er nicht erlitten zu haben. Eine ernsthafte
Erkrankung ist erstmals für das Jahr 1404 belegt, als SIGISMUND
bei der Belagerung von Znaim wohl eher eine schwere Ruhr durchmachte
und
nicht wegen eines Giftanschlags lebensgefährlich darniederlag.
Einen
riskanten Sturz vom Pferd bei der Jagd 1412, nach dem der
ohnmächtige
König von seiner Umgebung schon aufgegeben wurde, hat er ebenso
folgenlos
überstanden wie mehrere Attentate und Vergiftungsversuche. Nach
einem
heftigen
Gichtparoxysmus im Jahre 1422 litt er, wie er den im Mai 1426 in
Nürnberg
auf ihn wartenden Reichsständen mitteilte, an einer Krankheit "mit
namen die sciatia des Ruckes". 1429 zwang ihn ein erneuter Gichtanfall
in Preßburg zu bleiben, so dass er auch einen für
November
nach Wien ausgeschriebenen Reichstag nicht zu besuchen vermochte.
Während
des Romzuges müssen ihn ebenfalls so große Gichtschmerzen
geplagt
haben, dass er im September/Oktober 1432 von Siena aus den Besuch der
Thermen
von Petriolo in Erwägung zog. Auch bei seinem Aufenthalt in Basel
muss seine Sehschärfe nachgelassen haben, weil er im März
1434
den ihm seit langem gut bekannten Frankfurter Schöffen Walter von
Schwarzenberg um die Zusendung einer Brille bitten ließ.
Er legte selbst noch den Ablauf der Totenfeier
fest und
hörte am Morgen des 9. Dezember im kaiserlichen Ornat und
gekrönt
die Heilige Messe. Anschließend in sein Totengewand gekleidet,
starb
er im Schlaf am Nachmittag des 9. Dezember 1437, auf seinem
Thron
sitzend, nachdem er 50 Jahre in Ungarn, 27 Jahre im Reich und -
nominell
- 18 Jahre in Böhmen regiert und über 4 Jahre das kaiserliche
Diadem getragen hatte.
1385
1. oo Maria von Ungarn, Tochter des
Königs
Ludwig I.
x 1370 † 17.5.1395
11.5.1396
v. oo Margarete von Brieg, Tochter des
Herzogs
Heinrich VII.
1380/84 †
2.10. nach 1408
6.12.1405
2. oo Barbara von Cilly, Tochter des
Grafen
Hermann
II.
1392 † 11.7.1451
Melnik
Kinder:
2. Ehe
Elisabeth
1409 † 19.12.1441
28.9.1421
oo ALBRECHT II. VON HABSBURG
König
des Deutschen Reiches
16.8.1397 †
27.10.1439
Illegitim:
Janos Hunyadi
1408 † 11.8.1456
Literatur:
-----------
Calmette, Joseph: Die großen
Herzöge
von Burgund. Eugen Diederichs Verlag München 1996 Seite
134,150,169,184,172,178 - Erbe
Michael:
Belgien, Niederlande,
Luxemburg.
Geschichte des niederländischen Raumes. W. Kohlhammer GmbH
Stuttgart
Berlin Köln 1993 Seite 47,74 - Gregorovius
Ferdinand: Geschichte der Stadt Rom
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