Begraben: St. Thomas zu Brünn
Ältester Sohn des Markgrafen
Johann
Heinrich von Mähren († 12.11.1375) aus dem Hause
LUXEMBURG aus
seiner 2. Ehe mit der Margarete
von Troppau, Tochter von Herzog
Nikolaus
II. († 8.12.1365) und der Anna von Ratibor
Bruder von Markgraf Prokop von Mähren († 24.9.1405),
Bischof Johann
Sobeslaw von
Olmütz
(† 12.10.1394), Herzogin Katharina zu Falkenberg († 1378 vor 17.2.),
Markgräfin Elisabeth von Meißen († 20.11.1400) und
Propst Johann von Wyschehrad
Neffe
vom Römischen
Kaisers
KARL IV. († 29.11.1378), von
Königin Bona
(Jutta) von Frankreich († 11.9.1349), Herzogin Anna von
Österreich († 3.9.1338), Herzogin
Margarete
von Nieder-Bayern († 11.7.1341), Herzog Wenzel
I. von Luxemburg († 8.12.1383)
Cousin von Königin Anna von England († 7.6.1394),
Herzog Johann von Görlitz († 2.3.1396),
Burggräfin Margarete von Nürnberg († 4.6.1410),
Königin
Margarete
von Ungarn († 1349), Herzogin Katharina von
Österreich († 26.4.1395), Kron-Prinz Wenzel von Böhmen († 30.12.1351),
Herzogin Elisabeth von Österreich († 19.9.1373),
vom Deutschen König WENZEL
VON BÖHMEN († 16.8.1419), vom Römischen Kaiser
SIGISMUND
(†
9.12.1437)
Groß-Neffe von Przemysl Ottokar von Böhmen († 19.11.1288),
König Wenzel III. von Böhmen-Polen († 4.8.1306
ermordet), Agnes von
Böhmen († 1293), Königin Anna von Böhmen († 3.9.1313),
Judith von Böhmen († 3.8.1294), Johann I. von Böhmen († 1.3.1294),
Johann II. von Böhmen († 6.12.1296),
Herzogin Margarete von
Schlesien-Liegnitz († 7./8.4.1322),
Gräfin Agnes von Nassau († um
1296), Herzogin Agnes von
Schlesien-Schweidnitz-Jauer († 1336/4.1.1337),
Bischof Johann Wolek von Olmütz
(† 27.9.1351)
Enkel von König Johann dem Blinden von Böhmen (⚔ 26.8.1346) und
der Elisabeth von Böhmen
Ur-Enkel vom Römischen Kaiser HEINRICH
VII. († 24.8.1313), König Wenzel II. von Böhmen († 21.6.1305)
Lexikon des Mittelalters: Band V
Spalte 492
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Jodok (Jo[b]st), Markgraf von Mähren und
von Brandenburg, gewählter deutscher König
--------------------
* 1354, † 18. Januar 1411
Nach dem Tode seines Onkels Kaiser KARLS IV. war Jodok (Jobst) der älteste
der sechs männlichen LUXEMBURGER,
was zu seinem Selbstbewußtsein und Ehrgeiz wesentlich beitrug.
Sein Vater, der sparsame Markgraf
Johann Heinrich von Mähren,
hatte ihm als Haupterben 1375 die wirtschaftlich geordnete
Markgrafschaft, beträchtliche Geldmittel und eine
Schuldverschreibung KARLS von
64.000 Gulden hinterlassen; seine Brüder Johann Sobieslaw und Prokop erhielten kleinere
Anteile. Seine finanzielle Schlüsselposition in der luxemburgischen Familie nutzte Jodok (Jobst) rücksichtslos für die Stärkung der
territorialen Machtstellung aus. König
WENZEL mußte
ihm Glatz verpfänden, Johann
Sobieslaw (1387 Patriarch von Aquileia) wurde aus den böhmischen Ländern
verdrängt, mit dem mährischen
Rivalen Prokop
führte Jodok (Jobst) mehrere Kriege. Für beträchtliche
finanzielle und militärische Hilfe, die sie Sigmund im Kampf um Ungarn
gewährten, wurden Jodok (Jobst) und Prokop
vorübergehend die heutige West-Slowakei, 1388 dann Brandenburg
für über 560.000 Gulden verpfändet. Im selben Jahr
erhielt Jodok (Jobst) für die Rückgabe von Glatz das Stammland
Luxemburg und die elsässische Landvogtei. Diese konnte er nur
kurzfristig finanziell nutzen, und Luxemburg, das seit 1388 in Fehden
verwüstet wurde und daher wenig Einnahmen bot, verpfändete er
1402 an Ludwig von
Orléans. Das 1383 und 1391 von WENZEL an ihn übertragene
Reichsvikariat in Italien blieb gänzl. unwirksam.
An den ständig und verwirrend wechselnden Koalitionen mit Sigmund von Ungarn, den HABSBURGERN, mit seinem
Schwager
Wilhelm von Meißen
und besonders der mächtigen böhmischen
Adelsfronde, die sich meist gegen Prokop, gegen den großen
Einfluß Johanns von
Görlitz am Prager Hof und letztlich gegen WENZEL selbst richteten, hatte Jodok (Jobst) entscheidenden Anteil. Der König wurde 1394
gefangengenommen und Jodok (Jobst) zum Regenten Böhmens ernannt. Johann von Görlitz
befreite den König. Nach dem Tode Johanns, dessen Lausitzer
Besitz Jodok (Jobst) gegen den Widerstand der Städte übernahm,
rivalisierte er mit Sigmund
um die Beherrschung des böhmischen Königs; erst nach dem Tod Prokops (1405) kam es zum,
von WENZEL allerdings
teuer bezahlten, Einvernehmen Jodoks (Jobsts) mit dem Prager Hof. Schon 1397 war Jodok (Jobst) endgültig mit der Mark Brandenburg belehnt
worden - die Kurstimme ließ ihn den Ehrgeiz auf die deutsche
Krone richten. Um 1400 war Jodok (Jobst) durch seine Erwerbungen und die zahlreichen Kriege
in finanzieller Notlage. Dennoch erreichte er nach dem Tod König RUPRECHTS sein langersehntes
Ziel:
zehn Tage nach der Königswahl Sigmunds
mit drei Stimmen wurde er am 1. Oktober 1410 mit vier Stimmen
gültig zum deutschen König gewählt. Ohne ins Binnenreich
gekommen zu sein und wegen des Ruins seiner Finanzen ohne große
Erfolgsaussichten, starb er kurz darauf in Brünn ohne Nachkommen.
Das Bild seiner Persönlichkeit ist bei Zeitgenossen und in der
Wissenschaft wegen des skrupellosen Egoismus seiner Politik und der
finanziellen Ausbeutung seiner Länder dunkel gefärbt; doch
war er ein fähiger Feldherr und wegen seiner Kunstinteressen und
seiner Gelehrsamkeit bekannt (Briefwechsel mit dem Humanisten Coluccio
Salutati). Sein Scheitern war zweifellos auch durch die
ungünstigen personellen und politischen Konstellationen in der luxemburgischen Familie bedingt.
P. Hilsch
Literatur:
------------
Bosl, Böhm. Länder I [F. Seibt] - J. Heidemann, Die
Mark Brandenburg unter J.v.M., 1881
B. Bretholz, Zur Biogr. des Mgf.en J.v.M., Zs. des Vereins
für Gesch. Mährens und Schlesiens 3, 1899, 237-265
F.M. Bartos, Ceské dejiny II, 6, 1947
A. Gerlich, Habsburg-Luxemburg-Wittelsbach im Kampf um die dt.
Kg.skrone, 1960
J. Mezník, Die Finanzen des mähr. Mgf.en J. (Acta
creationis, hg. V. Precan, 1978), 69-91.
JODOK (JOBST)
-----------------------
* 1354,
† Spielberg bei
Brünn 18.I.1411
Begraben: Brünn St. Thomas
1375 MARKGRAF VON MÄHREN
1388/97 MARKGRAF VON BRANDENBURG
1386/1402 HERZOG VON LUXEMBURG
1394 REGENT VON BÖHMEN
1410 als KÖNIG gewählt
1372
oo AGNES-ELISABETH
VON OPPELN
* (1360), † 9.IX.1411
Tochter von Herzog Wladislaw
Hoensch Jörg K.:
**************
"Kaiser Sigismund. Herrscher an der Schwelle zur
Neuzeit
1368-1437. "
Im Jahre 1385 konnte Sigismund
mit der Unterstützung WENZELS
IV. und seiner Vettern Jobst
und Prokop,
der mährischen
Markgrafen, rechnen, die trotz mehrerer Fürsprachen seiner
Mutter
bisher nicht in sein Ringen um die polnische Krone eingegriffen hatten.
Für die 50.000 Schock Prager Groschen, knapp 190.000 Gulden, die
ihm
am 13. Juli 1385 Jobst und
Prokop
zu leihen versprachen, musste Sigismund die
Altmark und Priegnitz als
Sicherheit an sie übertragen. Da die
Stände
der an Jobst und
Prokop
verpfändeten Altmark und Priegnitz die Huldigung
verweigert
hatten, musste Sigismund den
mährischen
Markgrafen als Ausgleich und bis zur vollständigen Bezahlung der
ihnen
entstehenden Kosten eine längerfristige Besetzung der von ihnen
verwalteten
Gebiete westlich der Waag zugestehen. Nach dem Schiedsspruch WENZELS
IV. vom 12. Mai 1386 sollte Jobst zudem
bis Martini 1386 als Pfandauslöse 200.000 ungarische Goldgulden
erhalten.
Da er diese Summe auch 1388 noch nicht erhalten hatte, hielt er
weiterhin
Teile der West-Slowakei besetzt.
Der 1351 geborene mährische
Markgraf Jobst,
dem sein
Vater Johann
Heinrich ein geordnetes, prosperierendes Land und eine
gut
gefüllte
Kasse hinterlassen hatte, erwies sich als unzuverlässiger,
intriganter,
seinem Ehrgeiz und seiner Geldgier
in skrupellosem Egoismus
nachjagender
Verbündeter. Jobst hatte
seinen
Brüdern das ihnen testamentarisch vermachte Erbteil beschnitten
und
wurde des Versuchs nicht müde, Prokop
mit
Waffengewalt zum Verzicht zu zwingen. Die Söhne und Neffen
Kaiser
KARLS IV. einte bloß ein Ziel:
selbst und ohne
Rücksicht
auf familiäre Bindungen zu noch mehr Macht und größeren
Einkünften zu gelangen, ihre Positionen zu behaupten und
auszubauen.
Ihr Eigennutz trug nicht unwesentlich dazu bei, dass mit dem Verlust an
Ansehen und Autorität bald auch ihre ererbte politische
Vorrangstellung
in Gefahr geriet.
Für den von den Zeitgenossen als
unvorstellbar
hoch
empfundenen Betrag von 565.263 Gulden
verpfändete Sigismund
am 22.Mai 1388 im slowakischen Schintau die Mark Brandenburg für
vorerst fünf Jahre an Jobst.
Da
schon bei Vertragsunterzeichnung abzusehen war, dass Sigismund
zur Pfandauslöse nicht in der Lage sein würde, konnte sich Jobst,
der bislang in Reichsangelegenheiten keine einflussreiche Rolle
gespielt
hatte, bereits jetzt als rechtmäßiger Kurfürst
fühlen.
Die Voraussetzungen für die längerfristige Realisierung
seiner
ehrgeizigen Pläne, die Gewinnung der Reichskrone, hatte Jobst
bereits zu Jahresbeginn geschaffen, als sich WENZEL
IV. zur Verpfändung des Herzogtums Luxemburg
und
der - wahrscheinlich nicht in Kraft gesetzten - Abtretung der
einträglichen
Landvogtei des Elsaßes an ihn gezwungen gesehen hatte. Mit
seinen
feingesponnenen Intrigen setzte Jobst seinen
Schuldner, König
WENZEL,
allmählich
matt. Bereits am 2. Juni 1390 hatten sich in Preßburg, Jobst,
Sigismund
und Herzog Albrecht III. von
Österreich
zu einer "Liga oder Union" zusammengeschlossen, die eindeutig gegen WENZEL
und Johann
von Görlitz
gerichtet war, und am 13. Januar 1392 zu einem "gegen jedermann,
niemand
ausgenommenen" Bündnis ausgebaut wurde. Die führenden
Vertreter
des Herrenbundes nahmen 1394 den von der Jagd zurückkehrenden König
WENZEL gefangen, und ließen ihn am 1. August nach
der
Zusage einer Generalamnestie frei. Da WENZEL
seine Zusagen nicht einhielt, blieb Jobst von
Mähren in engem Kontakt mit den unzufriedenen
Mitgliedern
des Herrenbundes und verbündete sich am 17. Dezember 1394 in
Weitra
auf sieben Jahre mit den österreichischen Herzögen. Der
umtriebige
Markgraf von Mähren zeigte sich zugleich bemüht, den
ungarischen
König wieder enger an sich zu binden und wies Anfang Juli 1395 die
brandenburgischen Stände an, bei seinem kinderlosen Tod anstelle
des
ursprünglich als Erben benannten Bruders Prokop,
mit dem er verfeindet war, seinem Vorgänger Sigismund
den Eid zu leisten. Als WENZEL aus
Verärgerung über diesen Schritt kurzzeitig auf dem Karlstein
gefangen hielt, reifte bei den Repräsentanten des Großadels
der Entschluss, mit Unterstützung der österreichischen
Herzöge
militärisch gegen den König einzuschreiten.
Im Juni 1397 eskalierte nach der in Jobst
Auftrag erledigten Ermordung einiger Gefolgsleute des Königs die
Auseinandersetzung
erneut. Zu Jahresanfang des Jahres 1399 war
Jobst
mit Zustimmung des zurückgesetzt fühlenden Markgrafen Wilhelm
von Meißen in den Lausitzen
einmarschiert und hatte den Hochadel
nochmals zum Widerstand gegen WENZEL
animiert. Nach der Absetzung WENZELS als
deutscher König (20. August 1400) gelobte sogar der
missgünstige
Markgraf
Jobst aus gekränkter Ehre Rache, "oder ich
enwill
nirgen
ein har in myme barte behalden"; sein Schwur war um so ernster zu
nehmen,
weil er wegen seines langen, dichten Bartes, auf den er offenbar
sehr
stolz
war, den Beinamen Barbatus
führte.
Markgraf
Jobst
wurden
1401 für seine Mithilfe bei der Befreiung des gefangenen ungarischen
Königs Sigismund
die Lausitzen und ein Teil des
Schlagschatzes
der Kuttenberger Münze in
Aussicht gestellt; dieser verfolgte
jedoch
vorrangig das eigennützige Ziel, die ihm erst vor kurzem von Sigismund
eingeräumte Anwartschaft auf die Nachfolge in Ungarn abzusichern
und
bemächtigte sich im Zusammenwirken mit seinem Bruder Prokop
mit böhmischem und mährischem Kriegsvolk des Gebiets zwischen
Waag und Donau. Als Jobst aber
begann,
sich dort huldigen zu lassen, wandte sich Stibor von Stiborze, Wojewode
von Siebenbürgen, mit nationalen Parolen auch gegen die
mährischen
Markgrafen und unternahm alles, um sie aus der Slowakei
herauszudrängen.
Nach der am 6. März 1402 erfolgten
Gefangennahme
WENZELS
durch seinen Bruder Sigismund
stand
Jobst weiterhin auf dessen Seite
und
verzichtete damit auf die von König
RUPRECHT
zugesagte böhmische
Königskrone. Nach dem Scheitern von WENZELS
Romfahrt 1402 hatte Jobst in guter
luxemburgischer Familientradition
die
Sigismund zugesagte loyale
Unterstützung
inzwischen aufgekündigt, seine eigene
Thronerhebung in Böhmen
betrieben und sich RUPRECHT VON DER
PFALZ
angenähert, worauf Sigismund versuchte,
den ganzen luxemburgischen Besitz
mit
Hilfe der HABSBURGER an
sich zu
reißen.
Nach der Flucht WENZELS aus seinem
Wiener Gefängnis versöhnte er sich mit seinen mährischen
Vettern und schloss Sigismund wegen
Wort- und Vertrauensbruchs und ständiger Feindseligkeiten von der
Nachfolge aus. Nach dem Tod seines Bruders Prokop
(†
24.9.1405)
stand Jobst,
dem WENZEL gegen das Versprechen
treuen
Beistands den gesamten Besitz des Bruders übereignet hatte, fest
im
Lager des Königs und widmete sich, ohne in die
innerböhmischen
Verhältnisse einzugreifen, vorrangig dem Ausbau seiner Herrschaft
in seinen Erblanden, in der Lausitz und der Mark Brandenburg.
Nach dem Tode RUPRECHTS
VON
DER PFALZ waren Jobst,
der
die brandenburgische Kur
beanspruchte, und Rudolf von
Sachsen
der
Meinung,
dass eine Königswahl unnötig sei, da der König noch an
Leben
sei und blieben der Wahl fern. Nach der zweifelhaften Wahl Sigismunds
zum deutschen König schlug die Stimmung um. Da Jobst
zudem weitgehende Zusagen im Sinne der Erzbischöfe von Mainz und
Köln
machte, dabei versprach, seine Approbation nur von Johann XXIII.
anzunehmen,
ihre Privilegien zu bestätigen und während seiner Abwesenheit
vom Reich einen Vikar "in Dutschen landen gemeinlich" einzusetzen und
versicherte,
die Wahl anzunehmen sowie die Krone nur mit Wissen und Willen seiner
Wähler
aufzugeben, stand seiner Elektion nichts mehr im Wege. Am 1. Oktober
1410
wurde nach Verlesung von WENZELS Verzicht
auf das Reich Markgraf Jobst von
den
Kurfürsten von Mainz und Köln, seinem eigenen Beauftragten
für
Brandenburg und dem Gesandten WENZELS
für die böhmische Kur gewählt; nach verspätet
eingetroffener
Vollmacht trat am Abend der Beauftragte Rudolfs von Sachsen der Wahl
bei.
Auch dieser Akt warf wegen Missachtung des in der Goldenen Bulle
verankerten
Ablaufs rechtliche Probleme auf, die noch dadurch verschärft
wurden,
dass WENZEL trotz seines
Rücktritts
"von unsern und des hl. reiches sachen wegen" weiterhin die
Reichssteuer
für sich beanspruchte. Der "illustris princeps
Jodocus", dem Habgier,
Unzuverlässigkeit und
skrupelloser
Ehrgeiz unterstellt wurden, der jetzt aber auch für seine
Gegner
als
"vir magnificus, prudens, industrius
et expertus" in Ansehen stand,
nahm
die Wahl zwar an, konnte die damit verbundenen Amtsgeschäfte in
dem
ihm verbleibenden dreieinhalb Monaten allerdings nicht ausüben,
weil
auch seine Erhebung angefochten wurde. Die Gefahr, dass es neben den
drei
Päpsten jetzt mit WENZEL,
SIGISMUND
und JOBST drei
Römische Könige geben und sowohl die höchste
Autorität
in den zu erwartenden kriegerischen Auseinandersetzungen als auch die
territoriale
Integrität des Reiches schwersten Schaden nehmen werde, war nicht
von der Hand zu weisen. Die Anhänger SIGISMUNDS
beharrten auf ihrem Anspruch, dass seine Wahl "legitime, sancte, iuste,
perfecte" zustande gekommen sei, während sie den 55 Jahre
alten JOBST
zum senilen Greis abzustempeln suchten, der das höchste Amt (imperium
seu regnum Romanorum) nicht mehr angemessen vertreten könne.
Ende Januar 1411
traf in Ofen die Nachricht
vom
unerwarteten
Ableben JOBSTS VON MÄHREN ein,
der am 18. Januar bei Brünn
verstorben war; den
umlaufenden
Gerüchten zufolge hatte man ihn vergiftet und den
angeblichen
Täter grausam hingerichtet. Der Anschlag wurde sogleich mit SIGISMUND
als Auftraggeber in Verbindung gebracht, der nicht nur
politisch
von dem Tod des kinderlosen Rivalen profitierte.
Veltrup Dieter: Seite 356-368
************
„Zwischen Eherecht und Familienpolitik“
Vermutlich im Oktober
1354 wurde Johanns
erster Sohn Jost geboren, so dass
nun
das Weiterbestehen des luxemburgischen
Hauses wenigstens in
der Seitenlinie gesichert war. Auch er
wurde schon früh von seinem Onkel, der ja immer noch nicht
über
männliche Erben verfügte, in dessen territoriale
Erwerbspläne
eingespannt. Als Jobst 1356 durch
das
erwähnte Eheversprechen mit Elisabeth von
Ungarn verbunden wurde, lebte
zwar
noch
deren älterer Bruder, Herzog
Johann von
Dalmatien;
die Aussicht, dass sie einmal Ungarn
und Polen erben würde, hing
also
von dessen Überleben ab. Aber KARL
war
bestrebt, bereits jetzt die Grundlagen dafür zu schaffen, dass -
sollte
Johann sterben - die LUXEMBURGER
durch die Ehe eines Angehörigen ihres Hauses mit der ungarischen
Erbin
die Ansprüche auf den Thron der ANJOU
geltend machen konnten. KARLS
Vorausschau
zahlte sich aus: Im Herbst 1360 starb Elisabeths
Bruder.
Am 17. November bedankt sich Ludwig von Ungarn
beim Dogen von Venedig für dessen Beileidsschreiben, und nur zwei
Tage später bittet KARL in
Avignon
um die Erteilung des Dispens, die für eine Ehe zwischen Elisabeth
und Jost wegen der Verwandtschaft
im
4. Grad erforderlich war. KARLS
Eile
war verständlich: Nun war eingetreten, was er erhofft hatte,
Elisabeth
war nach dem Tode ihres Bruders einzige
Erbin der ANJOU
in Ungarn; es galt, das nicht vom Papst sanktionierte
Eheversprechen
mit
Jost
von
1356 so schnell möglich in eine kirchenrechtlich wirksame
desponsatio
impuberum umzuwandeln, zumal sich das Verhältnis zu Ludwig
getrübt
hatte. Ludwig verpflichtete sich,
die
Ehe vollziehen zu lassen, sobald Elisabeth
das
kanonisch zulässige Alter erreicht habe, und sicherte ihr eine
zentrale
Frauengabe von 10.000 Mark zu. Nur wenige Tage nach dieser Absprache
wurde
KARL Vater eines Sohnes;
Jost
trat familienpolitisch ins zweite Glied zurück. Zusätzlich
verschlechterte
sich noch im selben Jahr das Verhältnis zwischen KARLund
Ludwig rapide, angeblich weil
KARL
beleidigende Äußerungen über Ludwigs
Mutter
gemacht hatte.
b. MARKGRAF JOST VON
MÄHREN (deutscher König)
* ... (Oktober?) 1354 †
Spielberg bei Brünn 18.1.1411
Begraben: St. Thomas-Kloster zu Brünn
I.) - ... 1356
ELISABETH VON UNGARN
(1354-1380; siehe oben
1.1.)(3)e./II., Seite 475
Tochter von Herzog Stefan
von Dalmatien und Kroatien und
der Margaretha von Wittelsbach
II.) ? - Breslau 14.2.1359 (Dispens verweigert Avignon
2.4.1359)
ELISABETH VON LUXEMBURG
(1358-1373; siehe oben
1.1.)(3)d., Seite 474)
Tochter von KARL IV.
und seiner 3. Frau Anna von
Schweidnitz-Jauer
III.) ~ Visegrad 2.2.1361 (nach Dispens wegen
Verwandtschaft im 4. Grade Avignon 19.11.1360)
ELISABETH
VON UNGARN
(1354-1380, siehe oben)
IV.) oo ... um 1370
AGNES-ELISABETH VON OPPELN
* ... um 1353/58 †
... vor
9.9.1411
Tochter von Herzog Ladislaus
und der Elisabeth Basataba
von der Walachei
Literatur:
-----------
Baum
Wilhelm: Margarete Maultasch. Ein Frauenschicksal im späten
Mittelalter. Verlag Kitab Klagenfurt-Wien 2004 Seite 140,178 - Höfer, Manfred: Die Kaiser und
Könige
der Deutschen, Bechtle Verlag Esslingen 1994, Seite 153-154 - Hoensch,
Jörg K.: Die Luxemburger. Eine spätmittelalterliche Dynastie
gesamteuropäischer Bedeutung 1308-1437. Verlag W. Kohlhammer 2000
Seite 149,170, 193,203,205,210,215,217,219-223,226,231 - Hoensch,
Jörg K.: Kaiser Sigismund. Herrscher an der
Schwelle
zur Neuzeit 1368-1437. Verlag C.H. Beck München 1996 - Jaeckel,
Gerhard: Die deutschen Kaiser. Die Lebensgeschichten sämtlicher
Monarchen
von Karl dem Großen bis Wilhelm II., Weltbild Verlag Augsburg,
Seite
127 - NDB - Prinz Friedrich
(Hg.): Deutsche Geschichte im
Osten
Europas. Böhmen und Mähren. Siedler Verlag - Schwennicke
Detlev: Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1, Vittorio
Klostermann
GmbH Frankfurt am Main 1998 Tafel 82 - Thiele, Andreas:
Erzählende
genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I,
Teilband
1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 Tafel 70 - Veldtrup,
Dieter: Frauen um Herzog Ladislaus
(†
1401). Oppelner Herzoginnen in der dynastischen Politik zwischen
Ungarn,
Polen und dem Reich. Fahlbusch Verlag 1999 Seite
4,7,8,21,25,84,92,113,
121,122,123,126,130,133,135,138,140,141,146,150-155,157,158-164,166-169,181,204,257,268,277,283,285-291,299
- Veldtrup, Dieter:
Zwischen Eherecht und Familienpolitik. Studien zu den dynastischen
Heiratsprojekten
Karls IV., Studien zu den Luxemburgern und ihrer Zeit Verlag
Fahlbusch/Hölscher/Rieger
Warendorf 1988 Seite 36,51,53,75,79,82,92,147,179,347,
356-368,377,381,434,435, 439,441,482 - www.wikipedia.de
-