JOST (JOBST, JODOCUS, JODOK) Markgraf von Mähren und von Brandenburg, gewählter deutscher König
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* 1354,
18.1.1411 Spielberg bei Brünn

GENEALOGIE:
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Vater:
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Johann Heinrich (1375), Graf von Tirol, Markgraf von Mähren (siehe ADB 14)

Mutter:
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Margaretha (1363), Tochter des Herzogs Nicolaus II. von Troppau und Ratibor (1365)

Onkel väterlicherseits:
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Kaiser KARL IV. ( 1378)

Brüder:
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Markgraf Prokop von Mähren ( 1405)
Johann Sobieslaw ( 1394), Patriarch von Aquileja (siehe ADB 14)

Schwester:
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Elisabeth (⚭ Markgraf Wilhelm von Meißen
1407)

Vetter:
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Wenzel (1419), deutscher und böhmischer König
Kaiser Sigmund ( 1437)
Herzog Johann von Görlitz ( 1396, seihe NDB X)

  1. oo Elisabeth (erwähnt 1372), Tochter des Herzogs Ladislaw von Oppeln ( 1401) und der Ofka von Masowien

  2. oo Agnes (erwähnt 1374-1386), Tochter des Herzogs Bolko II. von Oppeln (1356) und der Elisabeth von Schweidnitz


kinderlos

Leben:
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Die leistungsfähige Wirtschaft seines Erblandes, seine Sparsamkeit und sein rücksichtsloser Geschäftssinn verschafften Jobst in den Auseinandersetzungen der LUXEMBURGER nach dem Tod KARLS IV. eine finanzielle Schlüsselposition, die er für seine ehrgeizigen politischen Ziele nutzte: durch Subsidien an WENZEL errang er 1383 und 1391 das allerdings unwirksam gebliebene Reichsvikariat in Italien, für die Unterstützung Sigmunds im Kampf um die ungarische Krone wurden ihm slowakische
Gebiete verpfändet, schließlich auch die Mark Brandenburg, mit der er 1397 endgültig belehnt wurde. Die brandenburgische Kurstimme ließ ihn seinen Ehrgeiz auf die Gewinnung der deutschen Krone richten. Entscheidenden Anteil hatte Jobst an den ständig und verwirrend wechselnden Koalitionen vorwiegend mit Sigmund von Ungarn, den HABSBURGERN, Wilhelm von Meißen und besonders mit der mächtigen böhmischen Adelsfronde, Bündnissen, die sich meist gegen Jobsts mährischen Mitregenten Prokop, gegen den großen Einfluß Johanns von Görlitz am Prager Hof und letztlich gegen WENZEL selbst richteten (Gefangennahme WENZELS 1394). Sie hatten schwere Machteinbußen des Königs zur Folge. Zeitweise war Jobst Regent in Böhmen, bekam die Reichslandvogtei Elsaß übertragen, verpfändete andererseits das von ihm verwaltete luxemburgische Stammland an Johann von Orléans. Nach dem Tode Johanns, dessen Görlitzer und Lausitzer Besitz er übernahm, rivalisierte er politisch und militärisch mit Sigmund um die Beherrschung des Königs in Böhmen. Erst nach dem Ende Prokops und dem Rückzug Sigmunds aus den böhmischen Ländern kam es zu einer Beendigung der langjährigen Fehden und zu einem, freilich teuer bezahlten, Einvernehmen Jobsts mit dem Prager Hof. Der Tod König RUPRECHTS beförderte auch sein langersehntes Ziel: Nach der Wahl Sigmunds mit 3 Kurfürstenstimmen wurde er am 1.10.1410 mit 4 Stimmen zum deutschen König gewählt. Etwa ein Vierteljahr später starb er bei Brünn, Gerüchte sprachen von Vergiftung. Habgier, Ehrgeiz und skrupelloser Egoismus seiner Politik stempeln Jobst weithin zum „Fluch des luxemburgischen Hauses“ (ADB); seine kluge Verwaltung in Mähren, nicht jedoch in der Mark, seine Bildung und sein Interesse für humanistische Studien können |dieses Bild ein wenig differenzierter gestalten.

Literatur:
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ADB 14, Seite 106-11; Codex diplomaticus et epistolaris Moraviae X, XI, 1878/85; B. Bretholz, Zur Biographie des Markgrafen Jobst von Mähren, in: Zeitschrift des Vereins für die Geschichte Mährens und Schlesiens 3, 1899; F. M. Bartoš, České dějiny II, 6, 1947; A. Gerlich, Habsburg-Luxemburg-Wittelsbach im Kampf um die deutsche Königskrone, 1960; F. Seibt, Die Zeit der Luxemburger und der hussitischen Revolution, in: Handbuch der Geschichte der böhmischen Länder I, 1967.

Autor:
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 Peter Hilsch

Hilsch, Peter, „Jost“, in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), Seite 627 f. [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd12930963X.html