Isabella von Frankreich (England)
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Isabella von Frankreich genannt
die „Wölfin von Frankreich“, war eine
französische Prinzessin und Königin von England.
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* 17. März 1292 in Paris; †
22. August 1358
auf Hertford Castle
Für eine ausführlichere Diskussion der möglichen Geburtsjahre siehe Weir, Seite 8f.]
Isabellas Vater war König Philipp IV. von Frankreich und ihre Mutter war Jeanne du Navarra, die seit ihrem 11. Lebensjahr die Königin von Navarra war. Isabella war das sechste Kind dieser Ehe. Nach ihrer Geburt kam nur noch ein weiterer Bruder zur Welt, der mit 11 Jahren allerdings verstarb. Ihre beiden älteren Schwestern waren entweder noch vor ihrer Geburt oder während ihres ersten Lebensjahres gestorben. Nur ihre drei älteren Brüder Ludwig, Philipp und Karl überlebten ihre Kinderjahre.
Über Isabellas Kindheit ist wenig bekannt. Sie hat vermutlich eine überdurchschnittlich gute Erziehung genossen. In einer Zeit, in der für Frauen die Fähigkeit zu lesen und zu schreiben nur dann üblich war, wenn sie Nonnen waren, hat Isabella zumindest Lesen gelernt. Ihre späteren Haushaltsbücher weisen mehrfach Posten für den Erwerb von Büchern auf, die für ihren Privatgebrauch bestimmt waren [2 Weir, Seite 77f.]. Nicht gesichert dagegen ist, dass Isabella auch Schreiben konnte. Sie hat in späteren Jahren zwar eine ausführliche Korrespondenz unterhalten, ihre Briefe aber vermutlich alle diktiert.
Der französische Königshof, an dem Isabella aufwuchs, war
einer der wohlhabendsten und einflussreichsten in Europa. Ihr Vater
Philipp IV. stärkte durch
eine geschickte Finanzpolitik das
französische Königstum und leitete unter anderem Verwaltungsreformen
ein. Ihre Mutter Jeanne du Navarra verteidigte nicht nur zweimal
erfolgreich ihr eigenes Königreich gegen die Gebietsansprüche anderer
europäischer Fürsten, sondern spielte auch eine aktive diplomatische
Rolle in der Verheiratung ihrer Tochter. Auch wenn es sich nicht an
Quellen belegen lässt, legen Isabellas spätere Handlungen nahe, dass
sich ihr Verständnis königlicher Machtausübung am Beispiel ihrer Eltern
formte.
Dem
britischen Thronerben versprochen
Philipp IV. hat durch eine geschickte Verheiratung seiner Kinder den Einfluss des französischen Königtums ausgedehnt. Die überlebenden Brüder Isabellas heirateten in ihrer jeweils ersten Ehe Töchter aus den Adels-Geschlechtern des Burgunds. Mit diesen Ehen fielen Teile des Burgunds der französischen Krone zu. Isabellas geplante Ehe sollte dagegen mit einer Gebietsaufgabe verbunden sein. England hatte im Laufe des 12. und 13. Jahrhunderts bis auf die Gascogne alle Gebiete in Frankreich verloren. 1296 war auch dieses Gebiet durch Truppen Philipps IV. besetzt worden. Um die Streitigkeiten um dieses Gebiet beizulegen hatte Papst Bonifatius VIII. eine Doppel-Hochzeit vorgeschlagen. Der verwitwete englische König Edward I. sollte Marguerite, die Schwester Philipp IV. heiraten. Und Philipps Tochter Isabella, die zum Zeitpunkt des Vorschlages lediglich zwei Jahre alt war, sollte mit Edwards Sohn und Thronerben vermählt werden, sobald sie das heiratsfähige Alter von 12 Jahren erreicht haben würde. Sobald die beiden Königshäuser auf diese Weise miteinander verbunden waren, sollte die Gascogne wieder an England fallen. Der Vertrag von Montreuil des Jahre 1299 regelte die Details dieser Ehebündnisse [3 Weir, Seite 7f.]. Die Gascogne kam allerdings bereits 1303 wieder unter englischen Herrschaftseinfluss. Edward I. begann im Jahre 1303 nach einer anderen Braut für seinen Thronerben Ausschau zu halten. Philipp IV. musste fürchten, dass er neben den kriegerischen Auseinandersetzungen in Flandern erneut in einen englisch-französischen Krieg involviert werden würde. Der Vertrag von Paris bestätigte die Gascogne als französisches Kronlehen des englischen Königs bereits mit der offiziellen Verlobung der beiden Königs-Kinder, die im Jahre 1303 stattfand [4 dtv-Atlas Weltgeschichte, 2. Auflage 2001, ISBN 3-423-03000-3, Seite 191.].
Edward I. starb am 7. Juli 1307, ohne dass die Eheschließung zwischen seinem Sohn Edward und Isabella bereits erfolgt war. Hinderungsgrund waren fortgesetzte Streitigkeiten um die Verträge, die die Eheschließung begleiteten. Edward II. dagegen trieb seine Verehelichung mit Isabella dagegen energischer als sein Vater voran. Wie sein Vater in kriegerische Auseinandersetzungen mit Schottland verwickelt, bedeutete für ihn die Verehelichung mit der französischen Königs-Tochter, dass er auf einen längeren Frieden mit dem französischen Erzfeind hoffen konnte. Am 25. Januar 1308 wurden Edward II. und Isabella von Frankreich in der Kathedrale von Boulogne getraut. Es war eine ungewöhnlich prachtvolle Hochzeit, an der nicht weniger als acht Könige und Königinnen teilnahmen: Der Bräutigam Edward II., der Brautvater Philipp IV., Isabellas ältester Bruder Ludwig, der seit dem Tod ihrer Mutter im Jahre 1305 König von Navarra war, die französische Königs-Mutter Maria von Brabant, ALBRECHT I. und seine Gemahlin Elisabeth von Kärnten, Görz und Tirol, der sizilianische König Karl II. und die verwitwete Marguerite, gleichzeitig Edwards Stief-Mutter und Isabellas Tante [5 Die Hochzeit ist unter anderem in den Annales Londoniensis und den Annales Paulini beschrieben.].
Edward
II. und Piers Gaveston
Der königliche Favorit
Eduard II. war am 25. April 1284 geboren und war damit etwa 11 Jahre älter als seine junge Ehefrau. Edward war das vierzehnte Kind aus der Ehe von Edward I. mit Eleonore von Kastilien. Seine drei älteren Brüder waren bereits verstorben, bevor Edward auch nur das erste Lebensjahr abgeschlossen hatte. Auch von seinen Schwestern überlebten nur wenige ihre Kindheit und die überlebenden waren meist deutlich älter als Edward. Edward I. ließ daher seinen Sohn gemeinsam mit zehn weiteren jungen Männern erziehen. Zu diesen zählte ab 1300 der in der Gascogne geborene Piers Gaveston, dessen Vater an Edwards I. Seite in Frankreich und Wales gekämpft und dessen Wertschätzung gewonnen hatte [6 Weir, Seite 18f.]. Zwischen dem jungen Edward und Piers Gaveston entwickelte sich eine überaus enge Beziehung. Die meisten der zeitgenössischen Quellen bezeichnen sie nicht direkt als homosexuell, unterstreichen aber die Ungewöhnlichkeit der Beziehung [7 Zu den Quellen zählen unter anderem die Annalis Paulini, die Vita Edwardi Secundi, die Johanni de Trokelowe et Henrici de Blaneford Chronica et Annales, die Chronicle of Lanercost (die die Beziehung zwischen den beiden Männern als unangemessen bezeichnet) und die Chronicle of Meaux, die direkt von Sodomie spricht]. Isabellas Biografin Alison Weir kommentiert angesichts der Quellenlage, dass es einem heutigen Betrachter schwer falle, der Beziehung nicht wenigstens einige homoerotische Züge zuzusprechen.
Isabella von
Frankreich war von Beginn ihrer Ehe mit der
engen Beziehung zwischen ihrem Ehemann und Piers Gaveston konfrontiert.
Gaveston gehörte zu der
Delegation, die das junge Ehepaar begrüßte, als
sie am 7. Februar 1308 in Dover
anlegten. Die Begrüßung zwischen Gaveston
und Edward II. fiel
ungewöhnlich herzlich aus. Gaveston
trug wenig später nicht nur die
Juwelen, die Edward von
seinem Schwieger-Vater anlässlich der Hochzeit
geschenkt bekommen hatte, sondern auch einen Teil des Schmuckes, der zu
Isabellas Mitgift gehörte [8 Weir, Seite 29
und Seite 30f.].
Machtkampf mit dem englischen Parlament
Isabellas erste Ehejahre waren von dem Konflikt um Gaveston geprägt. Führend in diesem Konflikt um den königlichen Favoriten war jedoch nicht Isabella, sondern die englischen Barone [9 Die Bezeichnung „Baron“ weist hier nicht auf einen spezifischen Adelstitel, sondern auf die adeligen Großgrundbesitzer und Magnaten.]. Zu einem ersten großen Eklat kam es als anlässlich der Krönung von Edward und Isabella der erst vor kurzem in den höchsten Adelsrang erhobene Gaveston nicht nur in königliches Purpur gekleidet an der Prozession teilnahm, sondern in dieser auch noch die Krone von Edward dem Bekenner vorantrug [10 Der Vorfall ist unter anderem in den Annales Paulini beschrieben.]. Dieses Privileg hätte normalerweise nur einem der höchsten englischen Adeligen zugestanden [11 Die Annales Paulini vermerken auch, dass die französischen Adeligen, die der Krönung beiwohnten, mit der Nachricht an den französischen Königshof zurückkehrten, dass der englische König „die Couch Gaveston gegenüber der seiner Frau bevorzuge“.]. Diese und zahlreiche weiteren Bevorzugungen, die Gaveston durch Edward zuteil wurden, führten dazu, dass bereits am 3. März das Parlament [12 Das englische Parlament war zu diesem Zeitpunkt noch eine verhältnismäßig junge Institution. Ab 1259 tagten regelmäßig „Parlamente“, die aus Räten des Königs und gewählten Vertretern der baronialen Opposition bestanden. Nach 1265 gehörten auch Vertreter der Grafschaftsritter und der Städte zum Parlament. Im Laufe des 14. Jahrhunderts verstand sich das Parlament zunehmend als Forum, dass gegenüber dem König die Gesamtheit des Reiches vertrat und über wesentliche politische Fragen wie etwa die Erhebung von Steuern und Abgaben beriet und auch über Beschwerden über die Amtsführung des Königs entschied. Für eine ausführlichere Darstellung der Entwicklung des Parlaments in dieser Zeit siehe Krieger, Seite 170–172.] die Verbannung Gaveston forderte [13 Weir, Seite 43]. Zu den Unterstützern der Opposition gegen Gaveston unter anderem auch nur Edwards Stief-Mutter Marguerite, die die Kampagne mit 40.000 Pfund unterstütze, Isabellas Vater Philipp IV. und der englische Erzbischof Winchelsey, der mit der Exkommunikation Gaveston drohte, sollte er nicht England verlassen. Wenige Wochen später stimmte Edward II. der Verbannung Gaveston zu. Zur Verärgerung der englischen Barone übertrug er Gaveston jedoch die Regentschaft in Irland [14 Weir, Seite 46-48.].
Bis 1312 kehrte Gaveston dreimal aus dem Exil an Edwards Hof zurück und musste zweimal erneut in die Verbannung zurückgehen. Das Edward Gaveston mehrfach zurückholte, führte zu einer zunehmenden Entfremdung zwischen den Baronen und Edward. Das Parlament hatte bereits im Februar 1310 ein vernichtendes Urteil über Edwards bisherige Herrschaftsausübung gefällt. Edward wurde unter anderem vorgeworfen, den Krieg gegen Schottland nicht energisch genug voranzutreiben und üblem Rat zu folgen. Unter der Androhung, dass sie Edward ansonsten die Gefolgschaft aufkündigen würden, stellte das Parlament ihrem König 21 „Ordainers“ – bestehend aus Bischöfen und Baronen – an die Seite, die ihn beraten und seine Herrschaftsausübung kontrollieren sollten. Wenige Monate später hatte die „Ordainers“ eine vierzig Punkte umfassenden Forderungskatalog, die sogenannten „Ordinances“ ausgearbeitet [15 Krieger, Seite 175.]. Die 20. Forderung verlangte Piers Gaveston unter Androhung der Acht für immer zu verbannen, weil er Edward fehlgeleitet und schlecht beraten habe. Tatsächlich verließ Gaveston im Oktober 1311 das englische Herrschaftsgebiet. Bereits im März 1312 ließ Edward ihn jedoch wieder zurückberufen. Diese erneute Rückkehr in Missachtung der Forderungen des Parlaments ließ einige der Barone zu den Waffen greifen. Führend unter ihnen war Thomas, Earl of Lancaster, ein Cousin von Edward II. Ihnen gelang die Festsetzung von Gaveston. Am 19. Juni 1312 ließen sie Piers Gaveston hinrichten. Die Hinrichtung von Piers Gaveston ohne förmliches Verfahren spaltete jedoch das bislang geschlossen hinter den „Ordainers“ stehende Parlament, weil ein Teil der darin versammelten Mitglieder diese Handlung als recht- und gesetzlos einstufte [16 Krieger, Seite 176].
Isabellas Rolle im Konflikt um Gaveston
In den ersten Ehewochen hatte Edward II. mehr Zeit mit Gaveston als mit seiner Ehefrau verbracht. Erst Mahnschreiben Philipps IV. hatten dafür gesorgt, dass Edward Isabella überhaupt mit ausreichend finanziellen Mitteln versorgte, so dass diese ihren Haushalt führen konnte. In den Monaten nach Gaveston erster Verbannung verbesserte sich das Verhältnis zwischen den beiden Ehepartnern allmählich. Isabella begann ihren Mann auf seinen Reisen zu begleiten; Weihnachten 1308 verbrachten sie beide gemeinsam zusammen in Windsor. Auch Isabellas finanzielle Position verbesserte sich deutlich, nachdem Edward ihr die ihr zustehenden Einkünfte zu zahlen begann. Nach Gaveston erster Rückkehr aus dem Exil ist keine Beteiligung Isabellas an der Oppositionsbewegung gegen den königlichen Favoriten zu erkennen. Isabellas Biografin Weir vermutet, dass Isabella zunehmend erkannte, dass Gaveston ihre Position als englische Königin nicht gefährdete, das die noch sehr junge Isabella Gaveston möglicherweise sogar amüsant und charmant fand. Angesichts des Machtkampfes mit den englischen Barons entsprach es vermutlich auch Isabellas Selbstverständnis die Position ihres Mannes zu unterstützen. In Briefen wandte sie sich mehrfach an englische Barone, um sie im Sinne ihres Mannes zu beeinflussen [17 Weir, Seite 58f.]. An Gavestons Frau sendete sie Weihnachten 1311 wertvolle Geschenke. Welchen Eindruck die Hinrichtung von Gaveston durch englische Barone auf sie machte, ist nicht überliefert [18 Für eine sehr ausführliche Darstellung des Konflikts um Gaveston siehe Weir, Seite 29 – 68.].
Harmonische Ehe- und schwierige Regierungsjahre
Am 13. November 1312 brachte Isabella den Thronerben Edward zur Welt. Die Geburt festigte Isabellas Position und in den nächsten Jahren ersetzte kein anderer Favorit Gaveston an der Seite Edward II. Am 15. August 1316 brachte Isabella einen weiteren Sohn zur Welt, der wegen seines Geburtsortes John of Eltham genannt wurde. Am 13. Juni 1318 wurde Eleanor von England geboren. Drei Jahre später, vermutlich am 5. Juli 1321 gebar Isabella ihre letzte Tochter Joan im Tower of London. Es gibt Hinweise darauf, dass vor der Geburt von Joan Isabella eine Fehlgeburt hatte.
Es gibt keine Hinweise darauf, dass Edward und Isabella zwischen 1312 und 1322 ein unharmonisches Eheleben führten oder dass Isabella ihren Ehemann nicht loyal unterstützte. In den Zeiten, in denen sie getrennt waren, standen die beiden Ehepartner im Briefaustausch miteinander. In der Aussöhnung zwischen Edward und den Barons, die für die Hinrichtung Gaveston verantwortlich waren, übernahm Isabella eine vermittelnde Rolle. Ähnliche Vermittlungsrollen in Konflikten sowohl zwischen ihrem Mann und den Barons oder dem französischen Hof sowie zwischen den Interessen einzelner Städte und kirchlicher Institutionen sind mehrfach für diese Zeit belegt. Als Abgesandte ihres Mannes versuchte sie am französischen Hof englische Interessen bezüglich der Gascogne durchzusetzen [19 Weir, Seite 94f und 96ff.].
Isabella zog – wie für eine mittelalterliche Königin durchaus typisch – mit ihrem gesamten Tross zwischen den 28 königlichen Residenzen umher. Als gläubige Christin suchte sie auf ihren Reisen regelmäßig die englischen Pilgerstätten auf. Mehrfach hat sie für Kirchenbauten oder dem Unterhalt von Klöstern finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt. Zu ihrem Haushalt gehörten 180 Personen, darunter ein Almosengeber, ihr Beichtvater, ein Arzt, zwei Apotheker und vier Ritter, die für ihre Sicherheit zuständig waren. Solange ihre Schwieger-Mutter lebte, waren ihr noch nicht die Landgüter übereignet worden, deren Einnahmen traditionell in der Verfügung der englischen Königin standen. Die Güter, deren Einkommen ihr in der Zwischenzeit zukamen, befanden sich in Nordwales und in 17 englischen Landkreise und waren so umfangreich, dass sie sich mit den größten Landbesitzern unter den englischen Adeligen messen konnte [20 Für eine ausführlichere Darstellung der alltäglichen Lebensweise Isabellas zwischen 1312 und 1322 siehe Weir, Seite 68 – 90.]. Erst nachdem ihre Schwieger-Mutter am 14. Februar 1318 starb, erhielt sie die ihr als englische Königin zustehenden Landgüter. Ihren vorherigen Besitz wurde der englischen Krondomäne zurück übereignet.
Das offenbar harmonische Eheleben von Isabella und Edward
II. war begleitet von einer Reihe politischer und militärischer
Fehlschläge. In der Schlacht von
Bannockburn im Jahre
1314 unterlag Edward II. den Schotten unter der Führung von Robert Bruce. Das
Parlament unter Führung von Thomas,
Earl von Lancaster machte Edward
für diese Niederlage verantwortlich, warf ihm als Ursache dafür unter
anderem die Nichtbefolgung der „Ordinances“
vor und beschnitten seinen
Machtbefugnisse erneut. Schottische Militärkräfte fielen immer wieder
im Norden Englands ein, eroberten 1318 die strategisch wichtige
englische Festung Berwick und errangen militärische Erfolge auch in
Irland. Zwei verregnete Sommer führten zu einer der schlimmsten
Hungersnöte in der Geschichte Englands. Die zunehmende Unzufriedenheit
mit der Herrschaft des militärisch glücklosen und politisch
ungeschickten Edward II. ließen
mehrfach Gerüchte kursieren, er wäre in
seiner Kindheit vertauscht worden [21 Weir,
Seite
117f.].
Die neuen Günstlinge
Als Gegengewicht zum Parlament stützte Edward II. sich zunehmend auf einen neuen Kreis von Günstlingen in deren Zentrum die beiden gleichnamigen Hugh le Despenser standen. Der Vater – zur Unterscheidung gewöhnlich als Hugh le Despenser der Ältere bezeichnet – war stets ein loyaler Parteigänger Edwards gewesen. Hugh le Despenser der Jüngere hatte zeitweilig dem Haushalt Edwards angehört, als dieser noch Prinz of Wales war. Verheiratet war er mit Eleanore de Clare, einer der Nichten Edwards. Die Gunst Edwards nutzten Vater und Sohn, in dem sie immer mehr Einfluss auf den Herrschaftsapparat nahmen und durch Übereignung von Landgütern eine beachtliche Hausmacht vor allem im Grenzgebiet von Wales aufbauten [22 Krieger, Seite 176.].
Die Günstlings-Politik Edwards traf erneut auf
Widerstand
im Parlament und ein Teil der Barone schien im Frühjahr 1321 bereit, zu
den Waffen zu greifen, sollten die beiden Despensers nicht vom Hofe
verbannt werden. Von gemäßigten Vertretern im Parlament und den
englischen Bischöfen wurde Isabella
um Vermittlung gebeten. Berichtet
wird, dass sie auf Knien Edward um
die Verbannung der Despensers
bat [23 Weir, Seite
132,].
Edward gab zumindest kurzfristig den Bitten seiner Frau nach: Im Sommer
1321 verließen die Despensers
England. Die Verbannung der Despensers
allerdings währte nur kurze Zeit.
Der königliche Tyrann
Im militärischen Konflikt zwischen dem König und seinen Günstlingen auf der einen und der baronialen Opposition unter Führung von Thomas, Earl of Lancaster auf der anderen Seite kam Isabella die auslösende Rolle zu.
Die von einer Militäreskorte begleitete Isabella sollte auf Wunsch Edwards über Leeds nach Canterbury reisen. Auf dem Weg bat sie um Übernachtung im Leeds Castle, dem Sitz des zur Opposition gehörenden Bartholemew, Baron de Badlesmere. Badlesmere war nicht anwesend; seine Ehefrau Lady Badlesmere verweigerte der englischen Königin den Zugang zur Burg mit dem Hinweis, dass ihr Mann ihr die Aufnahme jeglicher Person untersagt habe. Als die Begleiter Isabellas mit Gewalt Einlass erreichen wollten, ließ Lady Badlesmere die Bogenschützen der Burg auf die Militäreskorte Isabellas schießen. Sechs der Begleiter Isabellas kamen dabei um. Edwards Reaktion auf die Verweigerung der Gastfreundschaft gegenüber der englischen Königin und den nachfolgenden Angriff war die Belagerung von Leeds Castle. Unterstützung fand er sowohl bei Teilen der Bevölkerung als auch bei einem Teil der englischen Adeligen. Nachdem die Burg eingenommen war, ließ er vierzehn Männer der Besatzung von Leeds Castle ohne Verhandlung vor den Toren der Burg hängen. Lady Badlesmere und ihre Familie wurden im Tower of London eingesperrt [24 Weir, Seite 133 – 135.]. Dieser erste militärische Erfolg, den Edward II. erringen konnte, markiert einen Wandel in der Herrschaftsausübung Edwards. Gemeinsam mit den nach England zurückbeorderten Despensers suchte er 1321 und 1322 offene militärische Auseinandersetzungen mit den Adeligen, die ihm bisher oppositionell gegenüberstanden. Der Höhepunkt der Auseinandersetzungen war die Schlacht von Boroughbridge vom 16. März 1322, in der Edward es gelang, seinen alten Widersacher Thomas, Earl of Lancaster gefangen zu nehmen. Lancaster war maßgeblich an der Hinrichtung des königlichen Favoriten Piers Gaveston beteiligt gewesen und wie Gaveston wurde er ohne Verhandlung am 22. März hingerichtet. Lancaster blieb nicht der einzige Hingerichtete – insgesamt wurden 118 Personen, darunter viele Barone und Ritter, auf Edwards II. Befehl entweder hingerichtet, eingesperrt oder verbannt. Einer noch größeren Anzahl wurden hohe Strafzahlungen auferlegt.
Edwards neue Regentschaft war zwar unter dem Einfluss der Despensers finanziell erfolgreich, sie war aber ohne Frage auch rücksichtslos und brutal.
Isabella hatte jedoch einen wachsenden Hass gegen ihren Mann und dessen unwürdiges Favoritenwesen genährt und beteiligte sich an verschwörerischen Umtrieben. Dort wurde sie die Geliebte von Eduards Feind, Roger Mortimer (1287–1330) Baron von Wigmore, der einer der wenigen war, denen es gelang als Gefangener aus dem Londoner Tower zu fliehen (1324). 1327 landete die Königin Isabella und ihr Günstling Roger Mortimer mit einer Invasionsarmee in Surrey an der Küste Englands. Unter den unzufriedenen Adligen und der Barone der Lancasterschen Partei fanden sie reichlich Unterstützung, so dass Eduard II. schnell gefangen gesetzt werden konnte. Mit an der Verschwörung war auch Eduards jüngerer Bruder, Herzog von Kent, beteiligt. Im Namen des Königs trat das Parlament zusammen und erklärte Eduard für regierungsunfähig. Nach der Absetzung wurde er in Berkeley Castle eingesperrt, von wo die Nachricht von seinem Tode verbreitet wurde. Isabella und Mortimer hatten angeordnet, dass er ohne äußerlich sichtbare Spuren einer Gewaltanwendung umgebracht werden sollte. Die einzige Methode war das Aufspießen von innen, wobei eine glühend heiße Eisenstange durch ein aufgesägtes Kuhhorn rektal in die Gedärme gestoßen wurde, die übliche Mordmethode für Homosexuelle in dieser Zeit. Isabella offenbarte einen gewissen Zynismus, als sie für ihren Gemahl ein glanzvolles Begräbnis in der Abtei von Gloucester, der heutigen Kathedrale St. Peter, anordnete.
Nach der Abdankung seines Vaters folgte der gemeinsame Sohn, Eduard III. Die Regentschaft übernahmen Königin Isabella und ihr Günstling. Nach Eduards Machtübernahme (1330) wurde Roger Mortimer des Verrats angeklagt und hingerichtet. Isabella wurde mit einer jährlichen Pension vom Hof verbannt. Sie zog sich nach Norfolk zurück, wo sie bis zu ihrem Tod lebte.
Nachkommen
- Eduard III. (* 13. November 1312; † 21. Juni 1377), König von England
- John (* 15. August 1316, † ermordet am 14. September 1336), Graf von Cornwall
- Eleonore (* 8. Juni 1318; † 22. April 1355), verheiratet mit Herzog Rainald II. von Geldern
- Johanna (* 5. Juli 1321; † 7. September 1362), verheiratet mit David II. Bruce, König von Schottland
Über Isabella waren Eduard III. und seine Nachkommen direkte Nachfahren Philipps des Schönen und damit der KAPETINGER. Als das französische Königs-Haus nach dem Tode Philipps und seiner männlichen Erben im Mannesstamm ausstarb, leitete Eduard III. aus dieser weiblichen Erbfolge einen Anspruch auf den französischen Thron ab, was zum Ausbruch des Hundertjährigen Krieges führte.
Literatur und Quellen
Primärquellen
- Annales Londoniensis (editiert von W. Stubbs in „Chronicles of the Reigns of Edward I and Edward II“, 2 Bände, Rolls Series, HMSO, London, 1882–1883)
- Annales Paulini (editiert von W. Stubbs in „Chronicles of the Reigns of Edward I and Edward II“, 2 Bände, Rolls Series, HMSO, London, 1882–1883)
- The Chronicle of Lanercost, 1272–1346 (2 Bände, editiert von J. Stevenson, Bannatyne Club, Edinburgh, 1839; editiert und übersetzt von Sir Robert R. Maxwell, Maitland Club, Glasgow 1913)
- Chronicle of Meaux: Chronica Monasterii de Melsa, a Fundatione usque ad Annum 1396, Auctore Thoma de Burton, Abbate. Accedit Continuato as Annum 1406 a Monacho Quodam ipsius Domus (3 Bände, editiert von E.A. Bond, Rolls Series, HMSO, London 1866–1868)
- Johannis de Trokelowe et Henrici de Blaneford Chronica et Annales (editiert von H.T. Riley, Rolls Series, HMSO, London, 1866)
- Vita Edwardi Secundi Monachi Cuiusdam Malmsberiensis: The Life of Edward II by the so-called Monk of Malmesbury (vermutlich von John Walwayn geschrieben; editiert von V. H. Galbraith und R.A.B. Mynors, Oxford, 1957)
Sekundärliteratur
- Karl-Friedrich Krieger: Geschichte Englands von den Anfängen bis zum 15. Jahrhundert, C.H. Beck, München 1990, ISBN 3-406-33004-5
- Alison Weir: Isabella – She-Wolf of France, Queen of England, Random House, London 2005, ISBN 0-7126-4194-7