Geiserich                                        König der Wandalen (428-477)
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389 25.1.477
 

Illegitimer Sohn des Vandalen-Königs Godegisel
 

Lexikon des Mittelalters:
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Geiserich, König der Vandalen 428-477
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Geiserich führte 429 80.000 Vandalen über die Meerenge von Gibraltar nach Afrika, nach späteren Quellen von Bonifatius, dem comes Africae, zu Hilfe gerufen, aber wohl mehr vom Reichtum des Landes angezogen. Nach der Eroberung von Hippo, dessen Bischof, der hl. Augustinus, während der Belagerung verstarb, und einem Sieg über Bonifatius kam es 435 zu einem Foederatenvertrag (Foederaten), in welchem den Eroberern Numidien sowie Teile von Mauretanien und der Provinz Africa Proconsularis überlassen wurden. Nach Plünderungszügen in Sizilien gewann Geiserich 435 im Handstreich Karthago mit der dort stationierten römischen Flotte. Ein neuer Vertrag mit Rom (443) erweiterte die Herrschaft des Königs bis Ost-Numidien und Tripolitanien. Trotz dem Versprechen jährlicher Tributzahlung und der Entsendung seines Sohns Hunerich als Geisel nach Rom bedeutet diese Abtretung die Anerkennung der vollen Souveränität eines germanischen Herrschers auf römischem Reichsboden (Zählung nach Königsjahren, eigene Münzprägung). Nach dem Tode Valentinians III. (455) und der von dem Nachfolger gelösten Verlobung Hunerichs mit der Kaiser-Tochter Eudokia nahmen die Vandalen Rom ein; Papst Leo der Große konnte während der zweiwöchigen Plünderung lediglich Exzesse verhindern. Unter der reichen Beute befanden sich die Witwe Valentinians III., Eudoxia, und ihre beiden Töchter, von denen Geiserich die ältere, Eudokia, um 462 mit Hunerich vermählte. In den folgenden Jahren sicherte sich Geiserich die Balearen, Korsika, Sardinien und Sizilien, dagegen scheiterten mehrere römische Flottenunternehmungen, um die Vandalen aus Afrika zu vertreiben. Als diese sogar die Küsten Illyriens und Griechenlands plünderten, erkannte auch der oströmische Kaiser Leo den neuen Besitzstand in Afrika an (474). Odoaker konnte lediglich gegen Tribute Sizilien zur Kornversorgung Roms zurückgewinnen. Geiserichs Regierung war von scharfen Gegensätzen zwischen dem Arianismus der Vandalen und dem katholischen Bekenntnis der zahlreicheren römischen Bevölkerung Nord-Afrikas gekennzeichnet.

R. Klein



Thiele, Andreas: Tafel 221
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

GEISERICH
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* um 400, 477

Geiserich, Bastard-Sohn des Königs Godegisel, ermordete seinen Bruder Gunderich und dessen Söhne und folgte als König der Vandalen. Er wich den Westgoten aus und zog, gerufen vom Statthalter Bonifatius, 429 nach Nord-Afrika. Er wurde 435 von Kaiser Valentinian III. in Algerien/Numidien als Föderat angesiedelt, eroberte 439 Karthago und plünderte 437 erstmals Sizilien. Er errichtete von Karthago aus ein Reich, das weitgehend dem alten Punier-Reich entsprach. Balearen, Sizilien, Sardinien und Korsika wurden erobert, im Frieden von 442 bekam er auch Marokko zugestanden und beherrschte damit das westliche Mittelmeer. Er führte ständig Plünderungsfahrten im gesamten Mittelmeerraum durch und begann Rom zu beherrschen. Er plünderte 455 Rom aus Rache, da seine Gönner Aetius und Valentinian III. ermordet wurden. Der Begriff "Vandalismus" leitete sich daher ab. Er wurde von Papst Leo I. zur Mäßigung gegenüber der Bevölkerung bewogen, beherrschte zusammen mit dem "Kaisermacher" Ricimer die weströmischen Kaiser und verjagte unter anderem 456 Kaiser Avitus, der von Ricimer ermordet wurde, durch eine Seeblockade. Geiserich setzte 471 Olybrius, den Schwager seines Sohnes Hunerich, als Kaiser ein und verbündete sich mit den Sueben und dem Statthalter Syagrius von Neustrien. Er schlug 468 einen oströmischen Generalangriff zurück und erzwang 474 nach etlichen Plünderungsfahrten in der Ägäis seine Anerkennung durch Ostrom. Als Arianer stritt er ständig mit der christlichen Bevölkerung und dem Klerus, gestand letztlich freie Religionsausübung zu, trat 476 Sizilien an König Odoaker ab und behielt nur Lilybäum (Westspitze). Er befehdete ständig die Mauren und beherrschte den Küstenraum Marokko/Algerien nur formal und wandelte das Heereskönigtum in ein nach römischem Vorbild institutionalisiertes um, was zu Rebellionen führte, die er barbarisch niedermetzelte. Er setzte die Senioratsverfassung durch, was in der Folgezeit zu ständigen Thronwirren führte. Geiserich war der markanteste und fähigste Vandalen-König.



Unter Geiserichs Führung setzten die Wandalen (80.000 Menschen) 429 bei Julia Traducta (jetzt Tarifa) nach Afrika über und begründeten hier ein Wandalen-Reich. Sie gelangten bald in den Besitz der Kornkammer des Römischen Reiches. Ohne größeren Widerstand stießen sie bis nach Karthago vor (435). Zunächst  wurden sie als römische Föderaten angesiedelt. Mit dem Fall Karthagos (19.10.439) war die weitere Entwicklung des römischen Afrika entschieden. Geiserich wurde unumschränkter Herrscher über dieses römische Land. Kaiser Valentinian III. schloß mit den Wandalen Frieden und sprach ihnen das tingitanische Mauretanien, die Prokonsularprovinz (Zengitana in Karthago), das prokonsularische Nubien und die Provinz Byzacena zu. Nach der Niederschlagung eines Aufstandes des wandalischen Volksadels im gleichen Jahr war die innenpolitische Stellung Geiserichs so gefestigt, daß er als unumschränkter Herrscher regieren konnte. Den Tod Valentinians III. nutzten die Wandalen, von der Kaiserin Eudoxia herbeigerufen, zur Ausdehnung ihres Machtbereiches auf Italien. Am 2. Juni 455 zogen sie in Rom ein, das sie fürchterlich plünderten. Die 468 mit 1.100 Schiffen gegen Karthago aufgebrochene byzantinische Flotte wurde von Geiserich in einer nächtlichen Seeschlacht vernichtet. Erfolgreiche Auseinandersetzungen mit dem Oströmischen Reich führten 476 zur Anerkennung des Wandalen-Reiches durch den oströmischen Kaiser Zeno. Zum Reich gehörten jetzt auch Sizilien, Sardinien, Korsika, die Balearen und Pithynsen; die wandalische Macht hatte ihren Höhepunkt erreicht. Als Thronfolge führte Geiserich das Seniorat ein.
 
 
 

  oo N.N.
          
 
 
 
 

Kinder:

  Hunerich
  411/15 23.12.484

  Gento (Genza)
        vor 477 gefallen

  Theoderich
         479/81
 
 
 
 

Literatur:
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Browning Robert: Justinian und Theodora. Herrscher in Byzanz. Manfred Pawlak Verlagsgesellschaft mbH, Herrsching 1988 Seite 15,37,111,119,180 - Dahn Felix: Die Völkerwanderung. Germanisch-Romanische Frühgeschichte Europas. Verlag Hans Kaiser Klagenfurt 1977 Seite 19,20, 109,153 - Ensslin Wilhelm: Theoderich der Große. F. Bruckmann KG München 1959 Seite 31,70,80, 82,306 - Günther Rigobert: Römische Kaiserinnen. Zwischen Liebe, Macht und Religion. Militzke Verlag Leipzig 2003 Seite 83,84,87,91,93,94,95,101,104,146 - Offergeld Thilo: Reges pueri. Das Königtum Minderjähriger im frühen Mittelalter. Hahnsche Buchhandlung Hannover 2001 Seite 95, 106-115 - Quast Helmut W.: Geiserich. Vandale ohne Vandalismus. Casimir Katz Verlag Gernsbach 1987 - Riehl Hans: Die Völkerwanderung. Der längste Marsch der Weltgeschichte. W. Ludwig Verlag 1988 Seite 94,110,112,160,186,206,213-215,217-220,223,225-247,252,278 - Schreiber Hermann: Auf den Spuren der Goten. List Verlag München 1977 Seite 167,183,189,211,240 - Schreiber Hermann: Die Hunnen. Attila probt den Weltuntergang. Econ Verlag Wien-Düsseldorf 1990 Seite 213,215-218, 310 - Schreiber Hermann: Die Vandalen. Siegeszug und Untergang eines germanischen Volkes. Gondrom Verlag Bindlach 1993 Seite 10,100,132,136,174,217,225,236,239,246,250,253,258,260,279, 289,296,308,323,325,337,350,372,379 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 221 -