Eudokia                                          Königin der Vandalen
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um 438 nach 472
 

Älteste Tochter des Weströmischen Kaisers Valentinian III. und der Eudoxia Licinia von Byzanz, Tochter von Kaiser Theodosius II.
 

Thiele, Andreas: Tafel 484
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa"

EUDOXIA
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  oo HUNERICH, König der Vandalen in Nord-Afrika
             484



Quast Helmut W.: Seite 140,143,153-155
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"Geiserich. Vandale ohne Vandalismus."

Als erste Amtshandlung befriedigte der neue Kaiser dann sofort die allen Parvenüs eigene Sucht nach Anerkennung und Legitimität, indem er, selbst schon ein Mann in den besten Jahren, Valentinians Witwe Eudoxia zwang, seine Frau zu werden. Deren Tochter, die ebenfalls Eudoxia hieß, verkuppelte er mit seinem Sohn und Mitregenten Palladius. Letztere Eudoxia (die Jüngere) war dasselbe Mädchen, das seit nun gut zehn Jahren mit Geiserichs Sohn Hunerich als verlobt gilt...
Sollte diese germanische Rechtsauffassung in den Augen der Römer beider Imperien keine Verbindlichkeit besitzen, so gaben die Aktionen des Maximus dem geplanten Beutezug des Vandalen-Königs noch eine zweite, auch im römischen Recht wohl überzeugende Rechtfertigung an die Hand: Durch die von Maximus befohlene Zwangsverehelichung der Kaiser-Tochter mit seinem Sohn Palladius hat das Imperium als Vertragspartner von 442 ein wesentliches Element dieses Friedensschlusses, nämlich die Verlobung zwischen Geiserich-Sohn Hunerich und Eudoxia (der Jüngeren), verletzt.
Wenig Sympathie für Geiserich dürften auch jene Bürger Roms empfunden haben, die als unfreiwillige Passagiere auf den Vandalenschiffen mit nach Karthago gekommen waren. Unter ihnen befanden sich sich auch jene zwei Frauen, durch deren mysteriösen Hilferuf angeblich die vandalische Rom-Besetzung überhaupt erst angelaufen sein soll: Die beiden Edoxias, Mutter und Tochter.
Angesichts ihrer jetzigen Lage wirkt die Verschwörungs-Theorie zwischen Eudoxia (der Älteren) und Geiserich noch unglaubwürdiger. Es ist kein Indiz dafür ersichtlich, daß die nach dem gewaltsamen Tod des Maximus jetzt doppelte Kaiser-Witwe und ihre Tochter aus freien Stücken in Geiserichs unmittelbaren Machtbereich gekommen sind. Im Gegenteil: Es spricht alles dafür, daß man sie schlicht und einfach entführt hat. Irgendwo in den weitläufigen Räumen des römischen Kaiserpalastes werden beutesuchende vandalische Kommandos die Frauen aufgegriffen und ohne viel Federlesens auf ihre Schiffe gebracht haben. Und in Karthago wurden sie dann mit der gleichen ruppigen Bestimmtheit abgefertigt. Kurz und bündig forderte das vandalische Königshaus jetzt ein, was vor 13 Jahren ausgemacht wurde: Die Heirat von Eudoxia (der Jüngeren) mit ihrem Verlobten, dem vandalischen Königs-Sohn Hunerich.
Der Byzantiner Prokopius schreibt: "Die (Jüngere) Eudoxia nun vermählte Geiserich (!) mit seinem älteren Sohn Hunerich; ... und ihre Mutter schickte er auf Ansuchen des Kaisers nach Byzanz". Was Prokopius allerdings dezent verschweigt, ist, daß der Vandalen-KönigEudoxia (die Ältere), bevor er sie wegschickte, noch um einen beträchtlichen Teil ihres Vermögens erleichterte. Mit nach Byzanz ziehen ließ Geiserich Eudoxias zweite Tochter Placidia und ihren Gatten, einen römischen Senator namens Olybrius.
Die einzige, die auf dieses Glück noch 16 Jahre warten muß, ist die jüngere Eudoxia. Daß sie mit Freuden in die durch Geiserichs barsche Autorität im Handumdrehen arrangierte Ehe gegangen ist, kann mit Sicherheit ausgeschlossen werden. Dagegen sprechen allein die äußeren Umstände: Das Mädchen, zur Zeit der Eheschließung erst 16 Jahre alt, bekam mit Hunerich keinesfalls einen strahlenden Germanen-Prinzen zum Mann. Geiserich muß ziemlich genau um die 40 Jahre alt gewesen sein, als ihm Geiserich die blutjunge Römerin an die Seite schob!
Dazu hatte Hunerich bereits eine Ehe mit jener westgotischen Prinzessin hinter sich, deren kupierte Nase und Ohren ein Leben lang die Erinnerung an das recht brutale Ende dieser Verbindung wachhielten.
Erst Jahre später sollte es der jüngeren Eudoxia gelingen, sich der Fesseln zu entledigen und nach Jerusalem zu flüchten.

Schreiber Hermann: Seite 163,253
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"Die Vandalen. Siegeszug und Untergang eines germanischen Volkes."

Der Mörder, er hieß Maximus, zwang die Kaiserin-Witwe Eudoxia in sein Bett, während er die gleichnamige Kaiser-Tochter mit seinem Sohn Palladius vermählte.
Hinzu kam, daß bei dem brutalen Staatsstreich im Westreich hochgeborene Damen zu Schaden gekommen waren, so daß die Fürsten, soweit sie dazu in der Lage waren, sich aufgerufen fühlten, zum Schutz der Bedrängten einzugreifen.
Hunerich mußte für diese Vertrautheit mit der gegnerischen Welt auch einen hohen Tribut bezahlen, denn Geiserich nötigte ihm eine diplomatische Ehe auf, und zwar mit der katholischen Kaiser-Tochter Eudoxia. Damit diese Verbindung zustande kommen konnte, wurde die bestehende Ehe Hunerichs geschieden oder aufgelöst.
Eudoxia war die Tochter Kaiser Valentinians III. und der Licinia Eudoxia, vermutlich 439 geboren und schon als Kind, zwischen 442 und 445, dem Prinzen Hunerich verlobt worden. Als am 16. März 455 Kaiser Valentinian III. starb, zögerte seinn Nachfolger Petronius Maximus keinen Augenblick, sondern vermählte die inzwischen zur Jungfrau herangewachsene Prinzessin Eudoxia mit seinem eigenen Sohn Palladius - womit für Geiserich ein Kriegsgrund gegeben war. Die Eroberung und Plünderung Roms mit der Entführung der seinem Sohn versprochenen Eudoxia im Juni 455 wurde zum Jahrhundert-Ereignis. Dennoch steht seltsamerweise nicht fest, wann es dann zur Hochzeit zwischen Hunerich und Eudoxia gekommen ist, doch darf man annehmen, daß Geiserich ebensowenig Zeit verlor Petronius Maximus und seinen Sohn unmittelbar nach der Eroberung der Ewigen Stadt mit der auf so handfeste Weise an ihr Verlöbnis erinnerten Prinzessin vermählte. Dieses Jahr 455 würde auch als einzige der verschiedenen Hypothesen zu der Bemerkung des Theophanes (in seiner Chronik) passen, daß Eudoxia im Jahr 472 "nach sechzehnjähriger Ehe" aus Karthago entflohen sei.
Auch für Hunerichs Eudoxia muß mit Sicherheit angenommen werden, daß sie die Übersiedlung aus einer römischen Residenz, aus einer griechisch-römisch gebildeten Gesellschaft in die Atmosphäre des Vandalen-Hofes als eine Art Verbannung auffaßte, auffassen mußte. Ihr Verlobter Hunerich war wesentlich älter als sie, hatte bereits eine Ehe hinter sich und scheint nach allem, was er als Herrscher tat, ein düsterer, allzu ernsthafter, zu Grausamkeit und Härte neigender Mann gewesen zu sein, wenn auch seine Intelligenz und Tatkraft nicht angezweifelt werden können.

Dahn Felix: Seite 26,29
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"Die Völkerwanderung. Germanisch-Romanische Frühgeschichte Europas."

Die Höfe von Byzanz und Rom bemühten sich zunächst, die Freilassung der kaiserlichen Frauen zu erwirken, die in Karthago in Haft gehalten wurden. Zuerst forderte Kaiser Marcian (450-457) durch zwei Gesandtschaften die Freilassung der Kaiserin Eudoxia und ihrer Tochter Placidia. Die zweite Eudokia, hatte Geiserich mit seinem Hunerich vermählt.
Marcians Nachfolger in Byzanz, Leo I., erreichte endlich durch wiederholte Gesandtschaften im Jahre 462 die Freilassung Eudoxias und ihrer Tochter Placidia, gegen schweres Lösegeld und gegen Abtretung eines Teiles des Nachlasses Valentinians III. für dessen mit Hunerich vermählte Tochter Eudokia. Auch vom weströmischen Kaiser forderte Geiserich den im Abendland verbliebenen Nachlaß jenes Kaisers und überdies das Erbe des Aetius, offenbar für dessen in Karthago gefangengehaltenen Sohn Gaudentius.
Gleich nach seiner Thronbesteigung geriet Hunerich in Streit mit Byzanz wegen des Erbes seiner Gemahlin Eudokia, die schon im Jahre 472 aus Karthago und der aufgezwungenen Ehe entflohen und bald darauf zu Jerusalem in frommen Übungen der Andacht gestorben war.
 
 
 
 

  1. oo Palladius, Sohn des Petronius Maximus
                455 ermordet

  2. oo Hunerich König der Vandalen
           411/15 22.12.484
 
 
 
 

Kinder:
2. Ehe

  Hilderich
  456 533
 
 
 
 

Literatur:
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Dahn Felix: Die Völkerwanderung. Germanisch-Romanische Frühgeschichte Europas. Verlag Hans Kaiser Klagenfurt 1977 Seite 26,29 - Grant, Michael: Die römischen Kaiser. Von Augustus bis zum Ende des Imperiums. Eine Chronik. Bechtermünz Verlag Augsburg 1977 Seite 387,399 - Günther Rigobert: Römische Kaiserinnen. Zwischen Liebe, Macht und Religion. Militzke Verlag Leipzig 2003 Seite 90,91,93,94,95,101,104,146 - Offergeld Thilo: Reges pueri. Das Königtum Minderjähriger im frühen Mittelalter. Hahnsche Buchhandlung Hannover 2001 Seite 111 - Quast Helmut W.: Geiserich. Vandale ohne Vandalismus. Casimir Katz Verlag Gernsbach 1987 Seite 140,143,153-155 - Schreiber Hermann: Die Vandalen. Siegeszug und Untergang eines germanischen Volkes. Gondrom Verlag Bindlach 1993 Seite 163,253,323,326, 355,384 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 484 -