Menia                                             Königin der Thüringer
---------                                           Mutter des Langobarden-Königs Audoin
um 470/75 nach 510
 

Tochter des N.N. (Langobarde)
 

Offergeld Thilo: Seite 139,144
*************
"Reges pueri. Das Königtum Minderjähriger im frühen Mittelalter."

Der erste Thüringer-König ist mit Bisinus/Bisin zwar erst für die Zeit um 500 zweifelsfrei bezeugt, doch erscheint dieser bald als der Ausgangspunkt einer veritablen Königsdynastie mit weitgespannten genealogischen Vebindungen zu den Herrscherhäusern der Nachbarreiche: Bisins Frau war die langobardische Adlige Menia, die nach seinem Tode den Vater des späteren Langobarden-Königs Audoin heiratete. Bisins Tochter Radegunde wurde die Gemahlin des Langobarden-Königs Wacho, sein ältester Sohn Herminafried heiratete gar eine AMALERIN, Theoderichs Nichte Amalaberga.
Audoin war nicht nur ein mächtiger Adliger aus dem Geschlecht der GAUSEN, sondern über seine Mutter, die ehemalige Thüringer-Königin Menia, auch Schwager Wachos und somit durch verwandtschaftliche Nähe für den Regentenposten qualifiziert. Allerdings deuten Audoins thüringische Verbindungen - manches spricht dafür, daß er selbst Thüringer war - auf einen gewissen politischen Dissens zu Wacho, der durch seinen Abzug nach Pannonien und durch die Heirat seiner Tochter Wisigarda mit Theudebert I. den Franken den Weg zur Eroberung Thüringens freigemacht hatte.

Schneider, Reinhard: Seite 18
*****************
"Königswahl und Königserhebung im Frümittelalter. Untersuchungen zur Herrschaftsnachfolge bei den Langobarden und Merowingern"

Aus vornehmen Geschlecht stammte Audoin bestimmt, wenngleich nichts Näheres darüber bekannt ist. Es war jedoch mit dem alten langobardischen Königshaus und dem der Thüringer über Audoins Mutter versippt. Diese mit dem Namen Menia, war in erster Ehe mit dem Thüringer-König Bisin verheiratet, so daß Wachos erste Gemahlin Radegunde, die aus dieser Ehe stammte, Audoins Halbschwester war. Audoins Vater, den Menia in zweiter Ehe heiratete, ist namentlich nicht bekannt. Hinzugefügt werden kann, daß Audoin selbst Rodelinde zur Frau hatte, die vielleicht bayerischer Herkunft war. Aus dieser Ehe stammte Audoins Sohn und Nachfolger Alboin.
Auf Veranlassung des Kaisers heiratete Audoin in zweiter Ehe eine Tochter des Thüringer-Königs Herminafried, deren Vater einst  nach Italien geflohen und im Jahre 540 von Belisar zusammen mit dem gefangengenommenen Ostgoten-König Witiches nach Byzanz gebracht worden war. Audoins jetztige Frau war über ihre Mutter Amalaberga und Großmutter Amalafrieda, eine Schwester Theoderichs, mit dem Ostgoten-König direkt als seine Großnichte verwandt.

Jarnut Jörg: Seite 7
**********
"Agilolfingerstudien."

Das gleichzeitige Auftreten von AGILOLFINGERN im MEROWINGER- und Langobarden-Reich sucht er zu erklären, indem er annimmt, Alboins Vater Audoin, ein GAUSE, sei ursprünglich in Thüringen beheimatet gewesen, aber im Gefolge seiner Stiefschwester Radegunde, einer Tochter des Thüringer-Königs Bisin, die mit dem Langobarden-König Wachoverheiratet worden war, in das Langobarden-Reich gelangt [17 Wagner, Adelsfamilien Seite 35ff.]. Auch die Vorfahren der angeblich agilolfingischen Herzöge von Friaul seien nach dem Zusammenbruch des Thüringer-Reiches nach Italien gekommen, andere Mitglieder dieser thüringischen Familie seien hingegen "unter die Verfügungsgewalt der MEROWINGER geraten. Dazu ist anzumerken:
   1. Das Namensmaterial allein rechtfertigt keinesfalls die Auffassung, die Herzöge von Friaul seien
       AGILOLFINGER gewesen.
   2. Die Ansicht, daß Audoin aus Thüringen zu den Langobarden gestoßen sei, beruht auf der
       gänzlich unbeweisbaren Annahme, Menia, die in zweiter Ehe Audoins Vater heiratete, habe
       damit einen im thüringischen und nicht einen im langobardischen Stammesverband lebenden
       GAUSEN geehelicht.
 
 
 
 

  1. oo Bisinius König der Thüringer
              510

  2. oo N.N. (Langobarde)
               
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Herminafrid
          -

  Baderich
         -

  Berthachar
     

  Radegunde
             505

  oo Wacho Langobarden-König
               540

2. Ehe

  Audoin Langobarden-König
  um 515 561
 
 
 
 

Literatur:
-----------
Jarnut Jörg: Agilolfingerstudien. Anton Hiersemann Stuttgart 1986 Seite 7 - Offergeld Thilo: Reges pueri. Das Königtum Minderjähriger im frühen Mittelalter. Hahnsche Buchhandlung Hannover 2001 Seite 139,144 - Schneider, Reinhard: Königswahl und Königserhebung im Frümittelalter. Untersuchungen zur Herrschaftsnachfolge bei den Langobarden und Merowingern, Anton Hiersemann Stuttgart 1972 Seite 18 -