Sohn des Waltaris von Fäsulä
Thiele, Andreas: Tafel 220
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen
Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser
Ergänzungsband"
MATASWINTHA
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†
oo 537
WITIGES
†
Witiges war Feldherr,
Herzog und wurde 536 gegen den unpopulären
Theodahad
König der Ostgoten, den er ermordete. Er trat die Provence
an die Franken ab und erhoffte dafür vergeblich deren Hilfe. Witiges
verlor letztlich ganz Italien an Belisar,
belagerte ihn 538/39 in Rom und kapitulierte 540 in Ravenna und wurde mit
der Frau nach Konstantinopel verschleppt.
Norwich John Julius: Seite 253
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"Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches."
Auf einer großen Zusammenkunft in der Nähe
von Terracina wurde König Theodahad
abgesetzt und, da keine Nachkommen von Theoderich
mehr lebten, der schon recht alte und nicht sonderlich profilierte Heerführer
Witiges zu seinem Nachfolger ernannt.
Der erste Befehl des neuen Goten-Königs war der zur Hinrichtung des
alten: Theodahad wurde in der Nähe
von Ravenna gefangengenommen und auf der Stelle getötet.
Mittlerweile marschierte Belisar auf Rom. So mancher
gotische Häuptling muß sich gefragt haben, ob man mit der Wahl
Witiges'
zum
König den richtigen Mann ausgesucht habe, als dieser erklärte,
er werde die Stadt nicht verteidigen, die Bevölkerung müsse sich
selbst helfen; er werde sich nach Ravenna zurückziehen, um dort die
Streitkräfte zu konsolidieren, eine Langzeitstrategie zu entwerfen
und - das klang noch irritierender - sich von seiner Frau zu trennen, um
Athalarichs
Schwester
Matasuntha
zu heiraten. Nun gab es in der Tat gewichtige politische Gründe für
eine solche Verbindung.
Witiges war
von niederer Herkunft und mußte seine gesellschaftliche Stellung
aufwerten; außerdem wußte er wohl, daß jeder andere Eheman
der jungen Frau ein potentiell gefährlicher Rivale für ihn war.
Schließlich mag auch die Überlegung eine Rolle gespielt haben,
Justinians Vorwand für ein Eingreifen in Italien würde
mit einer Enkelin Theoderichs
auf dem Thron hinfällig. Doch wie man sich vorstellen kann, stand
die Ehe von Anfang an unter einem unglücklichen Stern, und sie scheint
dem Ruf des alten Witiges denn auch
mehr geschadet als genützt zu haben.
Mitte März des Jahres 537 schloß Witiges
mit seinen Truppen Rom ein. Die Belagerung dauerte ein Jahr und neun Tage,
und es war eine qualvolle Zeit für Belagerer und Belagerte. Im November
begann sich mit dem Eintreffen von 5.000 Mann Reiterei und Fußtruppen
aus dem Osten die Waagschale zugunsten der Byzantiner zu neigen. Bald darauf
suchten die Goten um einen dreimonatigen Waffenstillstand nach und in dieser
Zeit boten sie Friedenverhandlungen an. Die Kunde, daß die Invasoren
nun eine wichtige Stadt (Ariminum) 200 Meilen in seinem Rücken und
nur 33 von Ravenna in ihrem Besitz hatten, reichte für Witiges
hin, die Belagerung Roms abzubrechen.
Witiges befand sich
in einer desperaten Situation, da die Byzantiner bis 540 fast die gesamte
Halbinsel verwüstet und eroberte hatten und die Bevölkerung wie
die Ostgoten Hunger litten. Witiges
gelang es, den Perser-König Chosrau
gegen Ostrom aufzuhetzen und Ende des Jahres 539 mußte Belisar
auf kaiserlichen Befehl die Belagerung von Ravenna aufheben. Kaiserliche
Gesandte schlossen mit den Goten einen Vertrag, nach dem diese, statt kapitulieren
zu müssen, die Hälfte ihres königlichen Schatzes und das
gesamte italienische Gebiet nördlich des Po behalten durften. Doch
Witiges
forderte Belisars Zustimmung zum Vertrag und bot ihm an, seinen
Thron aufzugeben und die Krone Belisar zu überlassen, sofern
jener sich zum Kaiser des Westens ausrufe. Daraufhin öffneten die
Goten die Tore Ravennas und ließen das byzantinische Heer einziehen.
Als die Goten sahen, wie die byzantinische Soldateska
ihren Königsschatz auf die Schiffe verlud und Witiges,
Matasuntha
und die anderen hohen Adeligen abgeführt wurden, müssen sie Belisars
Hinterlist
voll Bitterkeit gedacht haben.
Offergeld Thilo: Seite 87
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"Reges pueri. Das Königtum Minderjähriger im
frühen Mittelalter."
Schon Theodahad scheiterte
an seiner militärischen und politischen Führungsunfähigkeit,
als er 536 entthront und durch den erfolgreichen Heerführer
Vitiges, einen Nicht-AMALER,
ersetzt wurde.
Vitiges wurde vom Heer
bei gezogenen Schwertern more maiorum auf dem Schild zum König
erhoben; ähnlich deutlich zeigt auch das vier Jahre später in
verzweifelter Lange an den stammesfremden Feldherrn Belisar gerichtete
Königs-Angebot die genuin heerkönigliche Grundlage. Die
nachfolgenden Könige
Hildebad,
Totila
und Teja
sind, da mit Vitiges' Kapitulation
das gotisch-italische Königtum erlosch, wieder rein gentile Herrscher,
sie wurden sämtlich aufgrund ihrer militärischen Erfolge und
Fähigkeiten, ihrer Idoneität also, erhoben.
Gleichwohl spielten auch in diesem zwanzigjährigen
Überlebenskampf der Goten erbrechtlich-geblütsmäßige
Elemente, ja sogar die Berufung auf das AMALER-Tum,
weiterhin eine Rolle: Vitiges bezeichnete
sich aufgrund seiner an Theoderich
orientierten Politik als Verwandten des AMALERS
und heiratete Amalasuinthas
Tochter
Matasuntha. Auf
Matasuntha stützte nach Vitigis'
Tod auch ihr zweiter Ehemann, Justinians
Neffe
Germanus, seine amalisch-propagandistisch
begleiteten Herrscheransprüche. Der Neffe des Vitiges,
Uraias,
lehnte die ihm angetragene Königswürde unter Hinweis auf seine
Verwandtschaft mit dem unglücklichen König ab. Hildebads
Erhebung war wiederum durch seine Verwandtschaft zum erfolgreichen Westgoten-König
Theudis
mit motiviert; gleiches gilt für die seines Neffen Totila.
Und noch nach dem Tode Tejas, des letzten
Ostgoten-Königs, setzten einige ihre Hoffnung auf seinen Bruder
Aligern, der die königlichen Insignien in seiner Gewalt hatte.
Königs-Söhne standen freilich nicht mehr zur Verfügung [138
Vitigis
hatte keine Söhne von Matasuntha,
ein Sohn aus seiner ersten Ehe wurde vermutlich mit ihm nach Konstantinopel
deportiert, ebenso auch die Kinder seines Nachfolgers Hildebad;
vgl. Wolfram, Goten Seite 349; Pflug-Harttung, Ostgothen Seite 222. Von
Söhnen Totilas oder Tejas
verlautet nirgends etwas.], so daß es auch für einen etwaigen
Kindkönig keine Gelegenheit mehr gab.
518
1. oo Rauthgundis
†
537
2. oo 1. Mataswintha, Enkelin Theoderichs des
Großen
um 517/20† nach 540
Literatur:
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Browning Robert: Justinian und Theodora. Herrscher
in Byzanz. Manfred Pawlak Verlagsgesellschaft mbH, Herrsching 1988 Seite
27,64,145,148,151,154,157 - Dahn Felix: Die Völkerwanderung.
Germanisch-Romanische Frühgeschichte Europas. Verlag Hans Kaiser Klagenfurt
1977 Seite 63,65, 176,374 - Ensslin Wilhelm: Theoderich der Große.
F. Bruckmann KG München 1959 Seite 169,330 - Norwich John Julius:
Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf
und
München 1993 Seite 253 - Offergeld Thilo: Reges pueri. Das
Königtum Minderjähriger im frühen Mittelalter. Hahnsche
Buchhandlung Hannover 2001 Seite 87 - Riehl Hans: Die Völkerwanderung.
Der längste Marsch der Weltgeschichte. W. Ludwig Verlag 1988 Seite
269-271 - Schreiber Hermann: Auf den Spuren der Goten. List Verlag
München 1977 Seite 217,246,248 - Thiele, Andreas: Erzählende
genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische
Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband,
R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 220 -