Athalarich                                      König der Ostgoten (526-534)
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516 2.10.534 vergiftet
        Ravenna
 

Einziger Sohn des Westgoten-Fürsten Eutharich und der Amalaswintha, Tochter von König Theoderich dem Großen
 

Lexikon des Mittelalters:
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Athalarich (Athalaricus), ostgotischer König
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* 516, 534

Sohn der Amalasuntha und des Westgoten Eutharich ( wohl 522). Athalarich hatte als Nachfolger Theoderichs ( 526) bis zu seinem frühen Tod die Herrschaft inne, wobei seine Mutter Amalasuntha für ihn die Regentschaft ausübte. Die Periode der nominellen Herrschaft des Athalarich ist durch Entgegenkommen gegenüber der römischen Oberschicht und Bevölkerung sowie dem katholischen Klerus gekennzeichnet, womit verstärkt an bereits unter Theoderich vorhandene Tendenzen angeknüpft wurde. Diese politische Orientierung kam auch in der rhetorisch-philosophischen Erziehung des Athalarich zum Ausdruck; sie rief den Widerstand des gotischen Adels hervor, dessen Opposition Amalasuntha ihrerseits durch Geheimverhandlungen mit Justinian, die eine Übergabe des Ostgoten-Reiches an Byzanz zum Ziel hatten, bekämpfte. Athalarich suchte sich in seinen letzten Lebensjahren, wohl unter dem Einfluß gotischer Großer, von der Bevormundung durch seine Mutter zu lösen; eine bedeutende Rolle hat er in den Auseinandersetzungen der beginnenden Krise des Ostgoten-Reiches nicht gespielt.

U. Mattejiet



Thiele, Andreas: Tafel 220
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

ATHALARICH
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    534 (ermordet?)

Athalarich regierte nie selbständig.



Seine Mutter führte für ihn die Regentschaft.

Jordanis: Seite 149
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"Gotengeschichte."

                                           LIX.

Als er im Greisenalter stand und sah, saß er bald von hier scheiden werde, rief er die Grafen [525] und Vornehmen seines Volkes zusammen und setzte den Athalarich, ein kaum zehnjähriges Kind, den Sohn seiner Tochter Amalaswintha, der seinen Vater Eutharich verloren hate, zum König ein.
Er kündigte ihnen als seinen letzten Willen an, sie sollten ihren König ehren, den Senat und das römische Volk lieben und den Kaiser des Ostreichs immer nächst Gott als gnädigen Freund sich bewahren.
Diesen Befehl beachteten sie, so lange der König Athalarich und seine Mutter lebten, in allen Stücken und lebten fast acht Jahre im Frieden, wiewohl jener den Franken, die von dem jungen König nicht viel erwarteten, ihn vielmehr tief verachteten und die Absicht hatten, ihn zu bekriegen, das, was sein Vater und Großvater von Gallien erobert hatten, zurückgab.
Der übrige Besitz wurde iin Ruhe und Frieden gewahrt.
Als Athalarich dem Jünglingsalter näher rückte, vertraute er sich, wie auch seine verwitwete Mutter, dem Herrn des Oströmischen Reiches an; aber bald schied der Unglückliche von frühem Tod erfaßte aus dem Leben.

Norwich John Julius: Seite 249
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"Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches."

Kurz vor seinem Tod im Jahr 526 hatte Theoderich die mächtigsten gotischen Häuptlinge an sein Krankenlager gerufen und ihnen als ihren künftigen König seinen acht Jahre alten Enkel Athalarich vorgestellt. Der Junge war der Sohn seiner einzigen Tochter Amalsuntha, die seit vier Jahren Witwe und wie Theodora ebenfalls eine bemerkenswertesten Frauen ihrer Zeit war. Kaum hatte sie nach ihres Vaters Tod anstelle ihres Sohnes die Regentschaft übernommen, bekam sie auch schon zunehmend die Abneigung um sich herum zu spüren. Diese vergrößerte sich noch, als sie darauf bestand, Athalarich eine ebenfalls gründliche Bildung angedeihen zu lassen, wie sie selbst sie genossen hatte. Knapp ein Jahr später ließen es einflußreiche gotische Adlige ihrerseits fast alles Analphabeten, auf eine Kraftprobe ankommen: Sie verlangten, daß Athalarich die Kriegskunst erlerne, anstatt seine Zeit mit grauhaarigen Grammatikern und Philosophen zu verschwenden, und entzogen dem jungen König ganz und gar dem Einfluß seiner Mutter. Athalarich geriet fast sofort in schlechte Gesellschaft und ergab sich, obwohl fast noch ein Kind, dem Trunk und der Ausschweifung, denen er noch vor seinem 17. Lebensjahr zum Opfer fiel.
Am 2. Oktober 534 starb der junge Athalarich in Ravenna, von seinem lasterhaften Leben erschöpft.
 
 
 
 

Literatur:
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Browning Robert: Justinian und Theodora. Herrscher in Byzanz. Manfred Pawlak Verlagsgesellschaft mbH, Herrsching 1988 Seite 35,37,123,125,207 - Dahn Felix: Die Völkerwanderung. Germanisch-Romanische Frühgeschichte Europas. Verlag Hans Kaiser Klagenfurt 1977 Seite 34,58, 118,176 - Ensslin Wilhelm: Theoderich der Große. F. Bruckmann KG München 1959 Seite 105,168, 179,195,231,239,264,268,301,307,317,320,324,328,340 - Gregorovius Ferdinand: Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter. dtv-Bibliothek 1978 Band I, 1 Seite 154,157,163 - Jordanis: Gotengeschichte. Phaidon Verlag GmbH Essen Seite 46,149 - Mann Golo: PROPYLÄEN WELTGESCHICHTE. Eine Universalgeschichte. Vierter Band. Rom Die römische Welt. Verlag Ullstein GmbH, Frankfurt am Main - Berlin, Propyläen Verlag 1986 Seite 597,620,629 - Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München 1993 Seite 249 - Offergeld Thilo: Reges pueri. Das Königtum Minderjähriger im frühen Mittelalter. Hahnsche Buchhandlung Hannover 2001 Seite 1,77-85,88-90,159,295-297,299,927,823,829 - Schreiber Hermann: Auf den Spuren der Goten. List Verlag München 1977 Seite 237,245-247 - Schreiber Hermann: Die Vandalen. Siegeszug und Untergang eines germanischen Volkes. Gondrom Verlag Bindlach 1993 Seite 338,342 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 220 -