Mataswintha                               Königin der Ostgoten
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um 518/20 nach 550
 

Einzige Tochter des Westgoten-Fürsten Eutharich und der Amalaswintha, Tochter vom Ostgoten-König Theoderich der Große
 

Lexikon des Mittelalters: Band VI Spalte 375
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Matasuntha, ostgotische Königin seit 536
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Tochter Amalasunthas, aus politischen Gründen zwangsweise mit Vitiges verheiratet, kam 540 nach ostgotischen Kapitulation nach Byzanz, wo sie nach dem Tod des Vitiges mit Germanos, dem Neffen Justinians, verheiratet wurde. Der Ehe entstammte ein nachgeborener Sohn. 550 wurden in Byzanz Münzen mit dem Monogramm Matasunthas geprägt. Nachrichten über Verratsversuche an der gotischen Sache (538; Prokop, Got. 2, 10f.) müssen als fraglich gelten.

Literatur:
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RE XIV, 2180 H. Wolfram, Geschichte der Goten, 1990, 27,343.



Jordanis: Seite 152,153
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"Gotengeschichte"

Von hier war wenige Tage vorher Witiges fort nach Ravenna gezogen und hatte sich mit Mateswintha, der Tochter der Amalaswintha und Enkelin des früheren Königs Theoderich, vermählt. Während er sich dem Genuß der neuen Ehe hingab und in Ravenna Hof hielt, verließ das kaiserliche Heer Rom und griff die festen Plätze in beiden Tuszien an.
[540] Als er nun hier belagert wurde, ergab er sich ohne Zögern freiwillig dem Sieger mit seiner Gattin Matheswintha und den königlichen Schätzen.
Seine Gemahlin Matheswintha aber verband der Kaiser mit seinem Bruder, dem Patrizius Germanus.
[550] Ihnen wurde nach dem Tod des Vaters ein Sohn geboren, der gleichfalls Germanus heißt. In diesem hat sich das Geschlecht der ANIZIER mit dem Stamm der AMALER verbunden und berechtigt noch zu Hoffnungen für beide Geschlechter, wenn der Herr es verleiht.



Thiele, Andreas: Tafel 220
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

MATHASWINTHA
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  1. oo 537
           WITIGES
               

  2. oo GERMANUS
                     

Neffe und Thronerbe Kaiser Justinians, Patricius



Thiele, Andreas: Tafel 491
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

GERMANUS
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       550

Neffe Justinians I., genaue Filiationenn ist nicht greifbar

  1) oo Pessara N.
                  +

  2) oo MATHASWINTHA, Prinzessin der Ostgoten
                      +

Enkelin König Theoderichs des Großen, Tochter des Prinzen Eutharich, Witwe des Königs Witiges



Mataswintha wurde zur Ehe mit dem von der Heeresversammlung zum König erhobenen Vitiges gezwungen und war bereit, ihren verhaßten Gatten an die Byzantiner zu verraten. Nach der Einnahme von Ravenna im Jahre 540 wurde sie neben anderen Adligen und dem Kronschatz Theoderichs von Belisar nach Konstantinopel geführt.

Norwich John Julius: Band I Seite 254,257,266,295
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"Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches."

Witiges werde sich nach Ravenna zurückziehen, um dort die Streitkräfte zu konsolidieren, eine Langzeitstrategie zu entwerfen und - das klang noch irritierender - sich von seiner Frau zu trennen, um Athalarichs Schwester Matasuntha zu heiraten. Nun gab es in der Tat wichtige politische Gründe für eine solche Verbindung. Witiges war von niederer Herkunft und mußte seine gesellschaftliche Stellung aufwerten; außerdem wußte er wohl, daß jeder andere Ehemann der jungen Fürstin ein potentiell gefährlicher Rivale ihn war. Schließlich mag auch die Überlegung eine Rolle gespielt haben, Justinians Vorwand für ein Eingreifen in Italien würde mit einer Enkelin Theoderichs auf dem Thron hinfällig. Doch wie man sich vorstellen kann, stand die Ehe von Anfang an unter einem unglücklichen Stern, und sie scheint dem Ruf des alten Witiges denn auch mehr geschadet als genutzt zu haben.
Der byzantinische Feldherr Johannes hegte eigene Ambitionen; außerdem hatte er heimlich Verbindung mit Königin Matasuntha aufgenommen, die prokaiserlich gesinnt wie ihre Mutter, alles daransetzte, ihren nichtswürdigen Mann Witiges im Staub zu sehen.
Nach der Einnahme von Ravenna durch die Truppen Belisars wurde Matasuntha mit Witiges und anderen hohen Adligen nach Konstantinopel gebracht.
Germanos hatte vor kurzem Matasuntha geheiratet, die Witwe des glücklosen, ungeliebten Königs Witiges, der acht Jahre zuvor in der Gefangenschaft in Konstantinopel gestorben war. Es war zu erwarten, daß ihr als Enkelin des großen Theoderich die überwiegende Loyalität des gotischen Adels sicher war.

Wolf Gunther: Seite 41
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"Königinwitwen als Vormünder ihrer Söhne und Enkel"

Wie wichtig die "stirps regia AMALORUM" geworden war, erhellt sich daraus, daß nach Theodahads Tod Anfang 536 der Ende November 536 zum Goten-König erhobene Heerführer Witiges, nach Verstoßung seiner bisherigen Ehefrau nach Ravenna eilte und die einzige noch lebende Nachkommin Theoderichs, seine Enkelin Matasvintha (Matasu[u]ntha), heiratete [28 Matasvintha dürfte das jüngere Kind Amalasvinthas gewesen und etwa 518 geboren sein.]. Nach Witiges Tod (wohl 542) sicherte sich Kaiser Justinian I. durch die Heirat Matasvinthas mit seinem Neffen Germanus im Jahre 542 auch legitimistische Ansprüche auf das Gotenreich.

Dahn Felix: Seite 63,66,68,76
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"Die Völkerwanderung. Germanisch-Romanische Frühgeschichte Europas."

In Ravenna vermählte Witiches sich, trotz ihres Widerstrebens, mit Mataswintha, Athalarichs Schwester, in der Hoffnung, dadurch den Anhang der AMALER und Festigung seines Könnigtums zu gewinnen.
Inzwischen hatte ein kleines byzantinisches Heer, unter Führung des kraftvollen Johannes, Rom verlassen, Ulitheus, den Oheim des Königs, der mit einer Schar Goten entgegentrat, geschlagen und getötet, im Rücken die Verbindungen der Belagerten mit Ravennna bedroht und, nachdem Ancona und Ariminum gefallen waren, jene Haupstadt gefährdet, in der sich Mataswintha, von Witiches zum Ehebund genötigt und deshalb ergrimmt, ähnlich wie ihre Mutter und Theodahad, mit Byzanz in Verbindung setzte. Sie verhandelte heimlich mit Johannes über Verrat und Vermählung mit einem Byzantiner.
Belisar hatte Ravennaten zu dieser Brandstiftung, die auf Blitzstrahl zurückgeführt wurde, durch Geld gewonnen, auch die Königin Mataswintha soll die Hand im Spiel gehabt haben.
Dieser tüchtige Mann hatt sich mit Theoderichs Enkelin Mataswintha vermählt - Witiches war gestorben und vielleicht schon vorher die von ihm der Fürstin aufgezwungene Ehe für nichtig erklärt worden -, und so groß war immer noch die Bedeutung des AMALER-Geschlechts für das Volk Theoderichs, daß sehr viele Goten im Heer Totilas schwankten, ob siie gegen des AMALERS Großeidam fechten dürften.
 
 
 
 

    537
  1. oo 2. Vitiges König der Ostgoten
                    542

     548
  2. oo Germanus, Neffe des Kaisers Justinians I.
                 Herbst 550
 
 
 

Kinder:

  Germanus
  550/51 605
 
 
 
 

Literatur:
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Browning Robert: Justinian und Theodora. Herrscher in Byzanz. Manfred Pawlak Verlagsgesellschaft mbH, Herrsching 1988 Seite 27,35,64,151,156,182,223 - Dahn Felix: Die Völkerwanderung. Germanisch-Romanische Frühgeschichte Europas. Verlag Hans Kaiser Klagenfurt 1977 Seite 63,66, 68,76 - Jordanis: Gotengeschichte. Phaidon Verlag Essen Seite 46,152,153 - Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München 1993 Band I Seite 254,257,266,295 - Offergeld Thilo: Reges pueri. Das Königtum Minderjähriger im frühen Mittelalter. Hahnsche Buchhandlung Hannover 2001 Seite 87 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 220,491 - Wolf Gunther: Königinwitwen als Vormünder ihrer Söhne und Enkel. in: Wolf, Gunther: Kaiserin Theophanu. Prinzessin aus der Fremde - des Westreichs Große Kaiserin, Böhlau Verlag Köln/Weimar/Wien 1991 Seite 41 -