Sohn des N.N.
Thiele, Andreas: Tafel 218
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen
Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser
Ergänzungsband"
THEUDIS
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arianischer Ostgote, jahrelang Waffenträger König
Theoderichs
des Großen, 507 durch ihn Statthalter-Regent
für dessen Enkel, Westgoten-König Amalrich;
stellt für diesen 511 die Reichseinheit wieder her und machte schon
491-493 die berühmte "Rabenschlacht" mit.
Er maßte sich bald königliche Allüren
an und weigerte sich auch, den Ostgoten weitere Tribute zu zahlen: schroffer
Gegensatz zu Theoderich; 531 König
durch Wahl, womit sich das westgotische Wahlkönigtum verfestigte;
religiös tolerant; behauptet gegen die MEROWINGER
die westgotische Nordgrenze, unternahm Feldzüge bis Afrika; hilft
531 nicht den Vandalen, später nicht den Ostgoten, obwohl sein Verwandter
Totila
König wurde.
Bezeichnend jedoch ist, daß Theoderich
auch nach Amalarichs Volljährigkeit
das Heft weiter in der Hand behielt und das Westgoten-Reich durch seine
Beauftragten, den Herzog Ibba und später den armigerTheudis,
regieren ließ.
Amalarichs Thronfolge,
bei der von Wahl keine Rede ist, war wohl weniger seiner balthischen
Legitimität
als den faktischen Machtverhältnissen geschuldet, denn die eigentliche
Kontrolle über das Reich lag zweifellos weiterhin unverändert
bei Theudis, der durch eine außerordentlich
reiche Heirat eine beachtliche Hausmacht erworben und sich schon während
Theoderichs Herrschaft eine gegenüber
Ravenna sehr eigenständige Position gesichert hatte [70 Prokop,
De bello Gothico I. 12.50-54, Seite 70. Auch die für die Westgoten
sehr günstigen Konditionen bei der Trennung der Reiche 526 (vgl. Thompson,
Goths Seite 10f.) dürften auf Theudis'
starke Position zurückzuführen sein; vgl. auch Heather, Goths
Seite 277f.].
Die Umstände seiner Ermordung sind nicht genau zu
klären, doch war Theudis, sein
ehemaliger tutor, daran sicher nicht unschuldig, als Nachfolger
auf dem Königsthron zog er auch den größtzen Vorteil daraus.
Mit Amalarichs Tod
war die balthisch-amalische
Dynastie
der Westgoten nach 113 Jahren und vier Generationen endgültig beendet.
Wenn auch die Herrschaft des Theudis
für
den Augenblick politische Kontinuität bedeutete und bis zu seinem
Tod 548 durchaus erfolgreich verlief, so eröffnete sie doch
langfristig gesehen eine anhaltende Schwächephase der westgotischen
Monarchie, während der der Adel wieder die Oberhand gewann und seine
Könige derart häufig gewaltsam beseitigte, daß Gregor von
Tours und Ps.-Fredagr vom Königsmord als dem morbus Gotorum sprechen
konnten [172 Gregor von Tours, Historiarum libri decem III. 30,
Seite 126; Fredegar, Chronicae IV. 82, Seite 163.].
Dahn Felix: Seite 39,69,118-119,120,375
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"Die Völkerwanderung. Germanisch-Romanische Frühgeschichte
Europas."
König Gelimer
machte inzwischen alle Anstrengungen, den so günstigen Gang des Krieges
zu wenden. Er hatte den Westgoten-König Theudis
im nahen Spanien um Hilfe gebeten. Allein dieser, durch ein rasches Handelsschiff
vom Fall Karthagos noch vor den wandalischen Gesandten unterrichtet, entließ
sie mit ausweichender Antwort.
Aber die Goten nördlich vom Po und von Ravenna eilten
nach Ticinum zu Witichis'
Oheim, Uraia, und forderten von ihm unter schmerzlichsten Klagen,
er solle sich an ihre Spitze stellen und sie in den Kampf der Verzweiflung
führen; auf seinen Rat wählten sie jedoch
Ildibad zum König, zumal weil dieser die Hilfe seines Oheims,
des Westgoten-Königs
Theudis,
gewinnen werde.
Als seinen Statthalter hatte er den Ostgoten Theudis
nach Spanien geschickt, auch Steuern bezog er aus dem Westgoten-Reich,
wie er über das Heer dieses Volkes die Kriegshoheit übte. Seitdem
jedoch Theudis eine der reichsten
Erbinnen des römischen Adels der Halbinsel gehiratet und dadurch
Verfügung über weiten Grundbesitz und zahlreiche Kolonien und
Schutzhörige erlangt hatte, umgab er sich mit einer Leibwache und
nahm tatsächlich die Herrschaft über Spanien in die eigene Hand.
Vergeblich lud ihn der König mit den höchsten Ehren nach Ravenna.
Theudis
ging nicht in die Falle; jedoch erkannte er der Form nach
Theoderichs Herrschaft an und entrichtet die Steuern regelmäßig.
Als Theoderich starb
(526), wagte Theudis nicht, den jetzt
vierundzwanzigjährigen Erben auszuschließen.
Nun schwang sich Theudis
(531-548) auf denn vielleicht nicht ohne seine Mitwirkung
bei jener Meuterei erledigten Thron. Da seine "Hausmacht" in Spanien lag,
überließ er das gallische Gebiet einem zu Narbonne sitzenden
Statthalter; er selbst weilte meist in Barcelona, um den Pyrenäenpässen
und der von daher stets drohenden fränkischen Gefahr nahe zu sein.
Auf dem raubbeladenen Rückzug hätten die Franken
in den Pyrenäenpässen von dem Feldherrn Theudigisel
vernichtet
werden können, wenn nicht der durch Geld Bestochene ihnen einen Tag
und eine Nacht unverfolgten Abzugs gegönnt hätte. Immerhin holten
die Goten, wohl vom König geführt, noch die Nachhut ein und rieben
sie auf. Bald darauf (544) unternahm Theudis
einen Feldzug in Afrika, der weniger Angriff als vorbeugende Verteidigung
bedeutte. Er hatte die Wandalen nicht gegen die überraschend schnelen
Erfolge Belisars
unterstützt. Karthago war bereits gefallen, als ihre Gesandten seine
Hilfe erbaten.
So beschloß er, selbst Ostgote und Verwandter
Ildibads,
vielleicht auch um den Seinen in Italien durch solche Beschäftigung
der Byzantiner im eigenen Land Luft zu machen, den kaiserlichen vor allem
den festen Brückenkopf der Meerenge auf afrikanischer Seite, die Hafenstadt
Ceuta, zu entreißen, was unter seiner persönlichen Führung
auch beim ersten Angriff gelang (542). Da nach seiner Rückkehr die
Festung wieder von den Kaiserlichen genommen wurde, schickte er nochmals
ein Heer nach Afrika. Als dies aber, während der Sonntagsfeier und
an solchem Tag keinen Kampf erwartend, gleichzeitig durch einen Ausfall
der Belagerten und einne byzantinische Entsatzflotte überfallen und
vernichtet wurde, gab er den Plan auf (544). Vier Jahre danch (548)
wurde er, wie so viele Westgoten-Könige vor und nach ihm, ermordet
(zu Sevilla): der Mörder heuchelte Wahnsinn.
Literatur:
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Dahn Felix: Die Völkerwanderung. Germanisch-Romanische
Frühgeschichte Europas. Verlag Hans Kaiser Klagenfurt 1977 Seite 39,69,118,119,120,375
- Offergeld Thilo: Reges pueri. Das Königtum Minderjähriger
im frühen Mittelalter. Hahnsche Buchhandlung Hannover 2001 Seite 87,96,97-99,298
- Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur
europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs-
und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994
Tafel 218 -