Theudis                                          König der Westgoten (531-548)
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um 470 548 ermordet
              Sevilla
 

Sohn des N.N.
 

Thiele, Andreas: Tafel 218
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

THEUDIS
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arianischer Ostgote, jahrelang Waffenträger König Theoderichs des Großen, 507 durch ihn Statthalter-Regent für dessen Enkel, Westgoten-König Amalrich; stellt für diesen 511 die Reichseinheit wieder her und machte schon 491-493 die berühmte "Rabenschlacht" mit.
Er maßte sich bald königliche Allüren an und weigerte sich auch, den Ostgoten weitere Tribute zu zahlen: schroffer Gegensatz zu Theoderich; 531 König durch Wahl, womit sich das westgotische Wahlkönigtum verfestigte; religiös tolerant; behauptet gegen die MEROWINGER die westgotische Nordgrenze, unternahm Feldzüge bis Afrika; hilft 531 nicht den Vandalen, später nicht den Ostgoten, obwohl sein Verwandter Totila König wurde.



Offergeld Thilo: Seite 97-99,298
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"Reges pueri. Das Königtum Minderjähriger im frühen Mittelalter."

Bezeichnend jedoch ist, daß Theoderich auch nach Amalarichs Volljährigkeit das Heft weiter in der Hand behielt und das Westgoten-Reich durch seine Beauftragten, den Herzog Ibba und später den armigerTheudis, regieren ließ.
Amalarichs Thronfolge, bei der von Wahl keine Rede ist, war wohl weniger seiner balthischen Legitimität als den faktischen Machtverhältnissen geschuldet, denn die eigentliche Kontrolle über das Reich lag zweifellos weiterhin unverändert bei Theudis, der durch eine außerordentlich reiche Heirat eine beachtliche Hausmacht erworben und sich schon während Theoderichs Herrschaft eine gegenüber Ravenna sehr eigenständige Position gesichert hatte [70 Prokop, De bello Gothico I. 12.50-54, Seite 70. Auch die für die Westgoten sehr günstigen Konditionen bei der Trennung der Reiche 526 (vgl. Thompson, Goths Seite 10f.) dürften auf Theudis' starke Position zurückzuführen sein; vgl. auch Heather, Goths Seite 277f.].
Die Umstände seiner Ermordung sind nicht genau zu klären, doch war Theudis, sein ehemaliger tutor, daran sicher nicht unschuldig, als Nachfolger auf dem Königsthron zog er auch den größtzen Vorteil daraus.
Mit Amalarichs Tod war die balthisch-amalische Dynastie der Westgoten nach 113 Jahren und vier Generationen endgültig beendet. Wenn auch die Herrschaft des Theudis für den Augenblick politische Kontinuität bedeutete und bis zu seinem Tod 548 durchaus erfolgreich verlief, so eröffnete sie doch langfristig gesehen eine anhaltende Schwächephase der westgotischen Monarchie, während der der Adel wieder die Oberhand gewann und seine Könige derart häufig gewaltsam beseitigte, daß Gregor von Tours und Ps.-Fredagr vom Königsmord als dem morbus Gotorum sprechen konnten [172 Gregor von Tours, Historiarum libri decem III. 30, Seite 126; Fredegar, Chronicae IV. 82, Seite 163.].

Dahn Felix: Seite 39,69,118-119,120,375
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"Die Völkerwanderung. Germanisch-Romanische Frühgeschichte Europas."

König Gelimer machte inzwischen alle Anstrengungen, den so günstigen Gang des Krieges zu wenden. Er hatte den Westgoten-König Theudis im nahen Spanien um Hilfe gebeten. Allein dieser, durch ein rasches Handelsschiff vom Fall Karthagos noch vor den wandalischen Gesandten unterrichtet, entließ sie mit ausweichender Antwort.
Aber die Goten nördlich vom Po und von Ravenna eilten nach Ticinum zu Witichis' Oheim, Uraia, und forderten von ihm unter schmerzlichsten Klagen, er solle sich an ihre Spitze stellen und sie in den Kampf der Verzweiflung führen; auf seinen Rat wählten sie jedoch Ildibad zum König, zumal weil dieser die Hilfe seines Oheims, des Westgoten-Königs Theudis, gewinnen werde.
Als seinen Statthalter hatte er den Ostgoten Theudis nach Spanien geschickt, auch Steuern bezog er aus dem Westgoten-Reich, wie er über das Heer dieses Volkes die Kriegshoheit übte. Seitdem jedoch Theudis eine der reichsten Erbinnen des römischen Adels der Halbinsel gehiratet und dadurch Verfügung über weiten Grundbesitz und zahlreiche Kolonien und Schutzhörige erlangt hatte, umgab er sich mit einer Leibwache und nahm tatsächlich die Herrschaft über Spanien in die eigene Hand. Vergeblich lud ihn der König mit den höchsten Ehren nach Ravenna. Theudis ging nicht in die Falle; jedoch erkannte er der Form nach Theoderichs Herrschaft an und entrichtet die Steuern regelmäßig.
Als Theoderich starb (526), wagte Theudis nicht, den jetzt vierundzwanzigjährigen Erben auszuschließen.
Nun schwang sich Theudis (531-548) auf denn vielleicht nicht ohne seine Mitwirkung bei jener Meuterei erledigten Thron. Da seine "Hausmacht" in Spanien lag, überließ er das gallische Gebiet einem zu Narbonne sitzenden Statthalter; er selbst weilte meist in Barcelona, um den Pyrenäenpässen und der von daher stets drohenden fränkischen Gefahr nahe zu sein.
Auf dem raubbeladenen Rückzug hätten die Franken in den Pyrenäenpässen von dem Feldherrn Theudigisel vernichtet werden können, wenn nicht der durch Geld Bestochene ihnen einen Tag und eine Nacht unverfolgten Abzugs gegönnt hätte. Immerhin holten die Goten, wohl vom König geführt, noch die Nachhut ein und rieben sie auf. Bald darauf (544) unternahm Theudis einen Feldzug in Afrika, der weniger Angriff als vorbeugende Verteidigung bedeutte. Er hatte die Wandalen nicht gegen die überraschend schnelen Erfolge Belisars unterstützt. Karthago war bereits gefallen, als ihre Gesandten seine Hilfe erbaten.
So beschloß er, selbst Ostgote und Verwandter Ildibads, vielleicht auch um den Seinen in Italien durch solche Beschäftigung der Byzantiner im eigenen Land Luft zu machen, den kaiserlichen vor allem den festen Brückenkopf der Meerenge auf afrikanischer Seite, die Hafenstadt Ceuta, zu entreißen, was unter seiner persönlichen Führung auch beim ersten Angriff gelang (542). Da nach seiner Rückkehr die Festung wieder von den Kaiserlichen genommen wurde, schickte er nochmals ein Heer nach Afrika. Als dies aber, während der Sonntagsfeier und an solchem Tag keinen Kampf erwartend, gleichzeitig durch einen Ausfall der Belagerten und einne byzantinische Entsatzflotte überfallen und vernichtet wurde, gab er den Plan auf (544). Vier Jahre danch (548) wurde er, wie so viele Westgoten-Könige vor und nach ihm, ermordet (zu Sevilla): der Mörder heuchelte Wahnsinn.
 
 
 
 

Literatur:
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Dahn Felix: Die Völkerwanderung. Germanisch-Romanische Frühgeschichte Europas. Verlag Hans Kaiser Klagenfurt 1977 Seite 39,69,118,119,120,375 - Offergeld Thilo: Reges pueri. Das Königtum Minderjähriger im frühen Mittelalter. Hahnsche Buchhandlung Hannover 2001 Seite 87,96,97-99,298 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 218 -