Nach K. A. Eckhardt und H. Ludat Sohn des Grafen
Brun von Arneburg und der Frederuna,
Tochter von Graf
Volkmar I. vom Harzgau
Schölkopf Ruth:
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"Die sächsischen Grafen 919-1024. Studien und Vorarbeiten
zum Historischen Atlas Niedersachsens 22. "
Graf Brun wurde durch seine Klostergründung
in Arneburg selber bekannt. Zusammen mit seiner Gattin Frideruna
errichtete er dort ein Mönchskloster. Er dotierte es reich
mit Besitz, und zwar mit einem halben Besitzanteil an Arneburg selber und
dem ganzen dazu gehörenden Eigentum, ferner mit Gut in Sewerowinkel,
Thormaka (Dorfmark Kr. Fallingbostel), Heretburun, Wunna, Rondesdorf und
in Weddingen. Die Neugründung erhielt erst nach 980 - also zu einem
Zeitpunkt, als
Graf Brun nicht mehr unter den Lebenden weilte -
die Bestätigungsurkunde, die OTTO
II. während seines Italienzuges vom Papst erwirkte.
Ein Teil der vergabten Güter tritt in einem Diplom HEINRICHS
II. zutage, der 1006 seinem Kaplan Dietrich unter
Vorbehalt des Rückfalles bei seinem Tode oder bei Erlangung eines
Bistums Besitzungen in Rodensleben im Nordthüringgau, in Altenweddingen
und Börnecke (Kr. Blankenburg) im Harzgau und in Thormarka (Kr. Fallingbostel)
im Leinegau schenkte. Diese Schenkung muß mit den Arneburger Dotationsgütern
im Zusammenhang gesehen werden. Sie beweist, dass die schon im Harz-, Nordthüring-
und Leinegau begüterte Familie, ihr Allod durch königliche Schenkung
auszubauen verstand.
Aus dem gleichen Jahre datiert eine Urkunde, die der
erzbischöflichen Kirche in Magdeburg den Ort Arneburg mit 160 Hufen
Land als Eigentum übertrug. Der König hatte diesen Besitz von
seinem Kleriker Ziazo, den die Urkunde filius Brunonis comitisnannte,
und Graf
Unego erworben. Der Erbanteil an Arneburg und die königliche
Schenkung in einem Gebiet, wo die Familie schon nachweisbar Eigentumsrechte
besaß, sind ein Beweis dafür, dass
Ziazo Sohn des Grafen Brun von Arneburg war. Ziazo
wurde unter HEINRICH II. Kanzler
für Italien. Er ist als solcher in der Rekognition nachweisbar.
Ferner liegen mehrere Testate von ihm vor. Sein gutes Verhältnis zum
König ergibt sich aus der Bezeichnung noster dilectus cacellarius
und familiares.
Weinfurter Stefan: Seite 118,148
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"Heinrich II. Herrscher am Ende der Zeiten."
Nach dem Wechsel des ARIBONEN Pilgrim 1021 auf den Kölner
Erzbischofsstuhl übernahm der Kapellan Dietrich die Aufgaben
des Kanzlers für Italien. Er gehörte zur Familie der
Grafen von Walbeck [71 Lippelt, Thietmar von Merseburg, Seite
46-58. Stammtafel in: Thietmar von Merseburg, Chronik, hg. von Werner Trillmich
(Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters 9),
Darmstadt 1957, Seite XIII.] und war einer der jüngeren Söhne
Liuthars, des Markgrafen der sächsischen Nordmark (+ Januar
1003). Dietrich stammte also aus einer Familie alter Getreuer des Königs.
An der Magdeburger Bischofskirche stieg er unter seinem Förderer,
dem Erzbischof Tagino, auf und wurde dessen Kappelan und Domkanoniker
[73 Lippelt, Thietmar von Merseburg, Seite 57.]. 1012 sollte er
zunächst selbst die Erzbischofswürde von Magdeburg übernehmen,
aber HEINRICH II. zog es vor, ihn als
Kapellan
an den Hof zu nehmen, wo er ihm bald wichtige politische Missionen
anvertraute. 1021 übertrug er ihm schließlich das
Kanzleramt
für Italien. In mehreren Gerichtsurkunden erscheint Dietrich
als "Kanzler und oberster Ratgeber des Herrn Kaisers" [74
MGH DD
H II 465 und 467: cancellarius et summus consiliarus domni imperatoris.].
In einer anderen Urkunde wird er familiaris noster
genannt, "unser
Vertrauensmann" [75 MGH D H II 474.]. 1023 freilich ist er
schon gestorben.
Als Walthard schon kurze Zeit später, nach 1012,
starb, waren die Magdeburger Domkleriker immer noch nicht bereit, die Lehre
aus den vergangenen Bischofserhebungen zu ziehen. Erneut nahmen sie ohne
Absprache mit dem König ihre Wahl vor. Sie fiel auf Dietrich,
der immerhin Kapellan und enger Vertrauter Erzbischof Taginos gewesen
war und beste Voraussetzungen mitbrachte. Diesmal blieb HEINRICH
II. unerbittlich. Er lehnte den Gewählten ab und setzte
seinen Kapellan Gero als neuen Erzbischof ein.
Partenheimer Lutz per E-Mail:
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Nach Wolfgang Podehl: Burg und Herrschaft, S. 21 f., hatte Brun - nach einer Papsturkunde von 983 (Benedikt VII.) mit seiner Gemahlin Friderun zu Arneburg ein Benediktinermönchskloster gestiftet, das Kaiser Otto II. auf Bitten der Gründerfamilie in seinen Schutz nahm, so daß es den Status eines Reichsklosters erhielt. Die Hälfte der Arneburg hatte Brun dem Kloster überwiesen, die (andere) Hälfte mit 100 dazugehörigen Hufen ist durch eine Königsurkunde von 1006 als Besitz von Bruns Sohn Ziazo, einem Kaplan König Heinrichs II., überliefert. Ziazo muß den Besitz damals gegen eine Entschädigung an den Herrscher abtreten.
Der Name ist sehr selten, aber es könnte natürlich dennoch andere Ziazos gegeben haben. Auf alle Fälle ist Arneburg nicht so weit weg von Mose (nördlich von Magdeburg, bei Wolmirstedt), wo Werner von Walbeck (Sohn des 1003 - wohl am Suff - gestorbenen Nordmarkgrafen Lothar von Walbeck) den Dedi erschlug und daraufhin das vom Vater übernommene Nordmarkgrafenamt verlor. Die frühen Wettiner scheinen also wohl da oben um 1000 Besitz gehabt zu haben. Aber das ist natürlich nur ein kleines Indiz dafür, daß Brun und Ziazo von Arneburg zu den frühen Wettinern gehört haben. Auf alle Fälle war Brun wohl vermögend, denn er überwies dem von ihm gegründeten Kloster Arneburg reichen Allodial-, also Eigenbesitz. Das und die Tatsache, daß sein Sohn Kanzler und Patricius Ottos III. war - wenn Ziazo von Arneburg und der Kanzler ein und dieselbe Person waren - spricht natürlich für eine bedeutende Familie - also möglicherweise die Wettiner.
Eckhardt Karl August: Seite 85-86
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"Genealogische Funde zur allgemeinen Geschichte."
Nach Thietmar V 3 war der jüngere
Rikbert ein avunculus Markgraf Liuthars, also ein Bruder
oder Vetter von dessen Mutter (und Thietmars eigener Großmutter)Mathilde.
Diese hatte eine Schwester Emnilde;
denn nach Thietmar IV 16 ließ Thietmars Vater den Sohn in Quidlingeburg
apud suam materteram nomine Emnildam erziehen. Die Quedlinburger
Annalen vermelden, daß Emnild filia Brunonis
gestorben sei. Dieser Brun war also auch der Vater Mathildes,
dies um so gewisser, als Thietmar einen Bruder Brun (+ 1049 als Bischof
von Verden) und einen Bruder Friedrich (Burggraf von Magdeburg) hatte,
deren Namen sonst in seiner Verwandtschaft nicht nachzuweisen sind. Gegen
die Identifizierung Bruns mit dem gleichnamigen Arneburger Grafen
könnte Thietmars Notiz zum 30. November 978 [78 Chronik II
8; vgl. R. Schölkopf, a.a.O. Seite 87f.] ins Feld geführt werden,
daß auf dem Kriegszug gegen König
Lothar Brun, comes Harneburggiensis,
miles per cuncta laudabilis, den Tod gefunden habe. Thietmar
hat also nicht darauf hingewiesen, daß es sich um seinen eigenen
Urgroßvater handelt, obwohl er sich solche Bemerkungen im allgemeinen
nicht entgehen läßt. Aber das hohe Lob "ein in jeder Weise preiswürdiger
Ritter" deutet doch wohl auf eine persönliche Beziehung. Es ist jedoch
letztlich für uns ohne Belang, ob auch Thietmar von Merseburg von
dem Arneburger Grafen abstammte oder ob seine Großmutter Mathilde
nur eine Halbschwester der Brun-Tochter Emnilde war. Wohl
aber ist wichtig für uns, daß laut einer oben bereits angeführten
Urkunde [80 D H II 111. - Vgl. oben Seite 69.] vom 7. April 1006
HEINRICH
II. 100 Hufen samt der Hälfte von Arneburg de
Ziazone, clerico nostro, filio Brunonis
comitis, 60 Hufen samt der anderen Hälfte von Arneburg ab Unecone
comite eintauschte, um sie an das Erzbistum Magdeburg zu schenken.
Graf
Uniko könnte ebenfalls ein Sohn oder auch ein Schwiegersohn
von Brun sein. Seine Grafschaft griff in den Nordwestzipfel des
Harzgaus hinüber, wo am 12. November 996 Wendilburgoroth [=
Wülperode] als in ihr gelegen bezeichnet wird [81 D O III 183.],
lag aber zur Hauptsache im angrenzenden Laragau, woselbst am 16. August
1010 VVerela [= Werla] in comitatu Vniconis comitis
erscheint [82 D H II 222.], vielleicht auch im Ostfalen- und Derlingau.
Noch in einer in Wallhhausen am 25. Dezember 1005 oder 1006 für Hersfeld
ausgestellten Privaturkunde wird VVnico comes als Zeuge genannt
[83 UB der Reichsabtei Hersfeld I, 1 (1936) 77.]. Daß Ziazo,
das heißt HEINRICHS II. Kaplan
Dietrich, ein Sohn des Graf Brun von Arneburg war, wird durch
die oben zitierte Urkunde vom 7. August 1006 und die dieser vorausgegangene
Tauschurkunde [84 D H II. 110. - Vgl. oben Seite 69.] unmittelbar
bezeugt. Man kann es unmöglich als Zufall abtun, daß Brun
einen
seiner Söhne Dietrich nannte und daß für diesen,
wie für Dietrichs
Sohn
Dedi I. die sonst nirgends nachweisbare Koseform Ziazo erscheint.
Bruns
Frau Frederuna [85 Vgl. Siegfried Hirsch, Jahrbücher
des Deutschen Reichs unter Heinrich II., I (1882) Seite 456.] war offfenbar
eine Schwester Friedrichs und Dietrichs, das heißt
ihre Tochter Mathilde war eine Base von Friedrichs Sohn Rikbert,
der daher mit Recht als avunculus von Mathildes Sohn Markgraf
Liuthar bezeichnet werden konnte.
Daß hier ständig Frauennnamen auftauchen,
die wir aus der Verwandtschaft der Königin
Mathilde kennen - außer Mathilde selbst noch
Bia,
Frederuna, Oda, Gerburg - deutet auf eine genealogische
Beziehung zum Königshaus; aber welcher Art sie war, vermochte ich
nicht zu ermitteln.
Literatur:
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Eckhardt Karl August: Genealogische Funde zur
allgemeinen Geschichte. Deutschrechtlicher Instituts-Verlag Witzenhausen
1963 Seite 85-86 - Schölkopf Ruth: Die sächsischen Grafen
919-1024. Studien und Vorarbeiten zum Historischen Atlas Niedersachsens
22. Göttingen 1957 - Weinfurter Stefan: Heinrich II. Herrscher
am Ende der Zeiten. Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1999 Seite 118,
148 -