Lexikon des Mittelalters: Band VI Spalte 628
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Milsener
(in den Q. Milczane, Milzieni und ähnlich), slavischer Stamm in der (Ober-) Lausitz um Bautzen.
Der Geographus Bavarus (Mitte 9. Jh.) zählte bei den Milsenern 30 Burgen (civitates). Neben Ackerbau haben die Milsener, wie eine Urkunde Kaiser Ottos I. von 971 erkennen läßt, Schweinezucht, Zeidlerei und Pelztierjagd betrieben und vom Handel mit Tuchen, Sklaven und Silber auf dem Handelsweg von Merseburg über Bautzen nach Krakau profitiert. Im Verlauf der Kriege gegen die Slaven östlich von Elbe und Saale zwang König Heinrich I. die Milsener 932 zu Tributzahlungen. Aber auch böhmischer Einfluß reichte in ihr Gebiet. Erst nach der Unterwerfung Boleslavs I. von Böhmen unter Kaiser Otto I. (950) wurde der 'pagus Milzsane' allmählich in die Marken- und Kirchenorganisation (Bistum Meißen, 968) des Reiches eingegliedert. Doch konnten die Milsener ihre 'Freiheit' (Thietmar von Merseburg, V/7) im Grenzgebiet des Reiches, Polens und Böhmens zunächst noch bewahren. Wahrscheinlich hat der senior Dobromir damals Herrschaftsrechte in der Lausitz wahrgenommen, dessen Tochter Emnild 987 Boleslaw I. von Polen heiratete. Offenbar als Folge damit verbundener Absprachen wurden die Milsener nun durch Markgraf Ekkehard von Meißen unterworfen. Nach Ekkehards Tod 1002 erhielt Boleslaw die Länder der Lusici und Milsener von König Heinrich II. zu Lehen, doch wurden sie in der Folge zum Zankapfel und Schauplatz der Kriege zwischen Heinrich und dem Polenfürsten. Zweimal (Friede von Merseburg 1013, Friede von Bautzen 1018) mußte der Kaiser die Regelung von 1002 bestätigen, und zuletzt wurde sie durch Boleslaws vierte Ehe mit Oda, einer Tochter Ekkehards, bekräftigt. Als die Herrschaft Mieszkos II. v. Polen 1031 zusammenbrach, wurde das Milsenerland in die Mark Meißen eingegliedert und damit den Ekkehardinern (Markgraf Hermann [3. H.]), dann den Grafen von Weimar und den Wettinern unterstellt, 1158 gelangte es als Land Bautzen als Reichslehen an die böhmischen Könige.
Chr. Lübke