Pätzold Stefan: Seite 69-84
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"Die frühen Wettiner. Adelsfamilie und Hausüberlieferung bis 1221  "

Von den beiden Söhnen Markgraf Ottos stand der jüngere Dietrich, dessen Geburtsdatum unbekannt ist, lange Zeit im Schatten des älteren Albrecht. Als im Jahre 1189 der gewaltsame Streit zwischen Albrecht und seinem Vater ausbrach, war Dietrich anscheinend nicht oder zumindest nicht maßgeblich am Geschehen beteiligt, obgleich seine Bevorzugung bei der Nachfolgeregelung die Kämpfe ausgelöst hatte. Er verließ Meißen noch vor der endgültigen Beilegung des Konfliktes und machte sich mit Kaiser FRIEDRICH I. auf den Weg ins Heilige Land. Das Pfingstfest 1189 verbrachte er zusammen mit BARBAROSSA in Preßburg. Nach dem Tod des STAUFERS im Juni 1190 gelangte er mit dem Rest des Kreuzfahrerheeres nach Palästina und kämpfte im folgenden Jahr vor Akkon. In der 2. Hälfte des Jahres 1191 kehrte er in das östliche Sachsen zurück, wo ihm noch die Regelung der Erbansprüche mit seinem Bruder Albrecht bevorstand, der Otto mittlerweile in der Würde des Markgrafen gefolgt war. Seitdem übte Dietrich Grafenrechte rechts der Saale in der Umgebung von Eisenberg und Weißenfels aus.
Bald darauf begannen die Auseinandersetzungen mit Albrecht, in deren Verlauf er Unterstützung bei Landgraf Hermann von Thüringen suchte, dessen Tochter Jutta er heiratete. Gemeinsam gelang es ihnen, den Markgrafen vorerst zu einem Ausgleich zu zwingen. Dieser beschuldigte jedoch kurze Zeit später den LUDOWINGER des Hochverrats. Auf den Hoftagen von Nordhausen und Altenburg, wo die Anklage im Oktober und Dezember 1192 verhandelt wurde, fand sich daher auch Dietrich ein. Danach ist er für drei Jahre nicht mehr in der Umgebung HEINRICHS VI. nachweisbar. 1195 mußte er sich dem Kaiser fügen, als dieser die Mark Meißen als erledigtes Reichslehen einzog, obgleich der WETTINER, Agnat der vorigen Amtsinhaber, einen Anspruch auf die Markgrafenwürde erheben konnte. Dennoch brachte Dietrich durch Schenkungen an das Kloster Altzelle, auf das er als Klosterherr Einfluß besaß und dessen Schutzvogtei mit dem Amt der Markgrafen verbunden war, zum Ausdruck, dass er nicht gewillt war, sich völlig aus dem Machtbereich seiner Vorfahren verdrängen zu lassen. An den 1196 beginnenden Verhandlungen über den Erbreichplan nahm der Graf allem Anschein nach nicht teil, obgleich ihn dessen Bestimmungen über die Erblichkeit von Reichslehen unmittelbar betrafen. Ebensowenig begegnet er unter den Teilnehmern der Fürstenversammlungen in Keuschberg und Erfurt. Lediglich im Dezember 1195 ist seine Anwesenheit auf dem Hoftag von Worms nachweisbar, wo er gemeinsam mit anderen Adligen die Teilnahme am geplanten Kreuzzug gelobte. Die Wahrscheinlichkeit, seinem Bruder Albrecht als Markgraf von Meißen folgen zu können, dürfte angesichts der Stärke der staufischen Königsmacht und des Durchsetzungsvermögens HEINRICHS VI. für Dietrich zu jenem Zeitpunkt gering gewesen sein.
Im Januar 1197 brach Graf Dietrich wohl gemeinsam mit Markgraf Konrad ins Heilige Land auf. In Akkon nahm er am 5. März an der Versammlung vieler Fürsten teil, die kurz vor ihrer Abreise aus Palästina der mit der Armen- und Krankenpflege betrauten Bruderschaft des Hospitals St. Maria zusätzlich zur Johanniterregel noch die Templerregel verliehen und sie so zum Ritterorden erhoben. Danach machte er sich mit der Mehrzahl der deutschen Adligen auf den Heimweg. Wahrscheinlich kam er Mitte Juli 1198 gemeinsam mit Landgraf Hermann in Sachsen an. Angesichts der durch den Thronstreit entstandenen Schwächung des Königtums nutzte er die Gelegenheit, Meißen mit Hilfe des LUDOWINGERS unter seine Herrschaft zu bringen. Ähnlich wie 1123 sein Großvater Konrad, okkupierte auch Dietrich, überzeugt von seinem Erbanspruch, mit der Zustimmung der regionalen Herrschaftsträger die Mark und urkundete bereits im November 1198 als Markgraf von Meißen. Wahrscheinlich folgte erst nach der faktischen Machtübernahme die lehnsrechtliche Absicherung durch eine Verständigung mit dem STAUFER, der sich gezwungen sah, die Unterstützung des WETTINERS durch Gunstbeweise zu erwerben. Die nachträgliche Belehnung mit der meißnischen Markgrafenwürde dürfte der Preis für Dietrichs Eintritt ins staufische Lager gewesen sein.
Die politische Annäherung des WETTINERS an den STAUFER ging allerdings zögerlich vonstatten: Zwar unterzeichnete Dietrich im Mai 1199 in Speyer gemeinsam mit seinen Vettern das Schreiben, mit welchem sie dem Papst PHILIPPS Wahl anzeigten; aber erst im Januar 1200 ist der Markgraf am Hof des Königs nachweisbar. Im Sommer desselben Jahres begleitete er den STAUFER bei dem Feldzug nach Sachsen und der Belagerung von Braunschweig. Dabei soll er PHILIPP zusammen mit anderen Fürsten zum vorzeitigen Abbruch der Unternehmung überredet haben. Im Januar 1201 beteiligte sich Dietrich am Protest der Fürsten in Halle und erscheint dann erst wieder im Frühjahr des folgenden Jahres am königlichen Hof in Altenburg. In dieser Zeit fand wohl auch der Übertritt von Landgraf Hermann und König Otakar auf die Seite OTTOS IV. statt. Dieser Vorgang wirft ein bezeichnendes Licht auf die schwierigen staufisch-böhmisch-wettinischen Beziehungen jener Jahre, denn zu den Gründen, die den PREMYSLIDEN zum Seitenwechsel bewogen hatten, dürfte unter anderem der jahrelange Streit um die Verstoßung von Dietrichs Schwester Adela gehört haben, die mit Otakar verheiratet gewesen war. In dessen Verlauf hatte sich der WETTINER anscheinend bei König PHILIPP sogar für die Entmachtung des PREMYSLIDEN eingesetzt und die Übertragung der Königswürde an Theobald III. von Böhmen, einen entfernten Verwandten, betrieben. Daher entwickelte sich Otakars Eheprobleme, welche seit 1198 die Beziehungen zu den WETTINERN belasten und einen langwierigen Scheidungsprozeß vor dem Papst hervorriefen, zu einem Politikum, das auch in den folgenden Jahren das Verhältnis zwischen PHILIPP, Otakar und Dietrich beeinflußte. So durchzog der PREMYSLIDE im Sommer 1203, als König PHILIPP gegen den Landgrafen Hermann, der von König Otakar unterstützt wurde, einen Feldzug unternahm, mit seinem Heer die Mark Meißen und richtete großen Schaden an.
Markgraf Dietrich hingegen nahm im folgenden Jahr an den Kämpfen vor Weißensee gegen den Thüringer und den Böhmen teil, wo sich sowohl der LUDOWINGER als auch der PREMYSLIDE schließlich der Übermacht des staufischen Heeres unterwerfen mußten, dem sich große sächsische Kontingente angeschlossen hatten. Zu den dort ausgehandelten Friedensbedingungen gehörte anscheinend auch, dass der Böhme seine verstoßene Gattin Adela wieder aufnehmen sollte. Dies legt den Schluß nahe, dass Markgraf Dietrich zeitweise über einen gewissen Einfluß beim König verfügte, der ihm erlaubte, seine eigenen Interessen mit der Sache PHILIPPS zu verbinden und daraus seine Vorteile zu ziehen. Dazu paßt ferner, dass Dietrich in den folgenden vier Jahren häufig am Hof erschien und mehrfach als Petent auftrat. 1206 wurde er bei Goslar in Kämpfe mit König OTTO um die Burg Lichtenberg verwickelt und fand sich schließlich im Oktober 1207 ein letztes Mal in der Umgebung des STAUFERS in Erfurt ein.
Danach wandelte sich jedoch anscheinend das politische Verhältnis zum STAUFER. Dem Bericht des Reinhardsbrunner Chronisten zufolge soll PHILIPP kurz vor seiner Ermordung im Juni 1208 eine militärische Strafaktion gegen den thüringischen Landgrafen und den meißnischen Markgrafen geplant haben, welche - wie der STAUFER meinte - zwar vorgäben, Freunde zu sein, in Wirklichkeit aber seine Feinde seien. Die Triftigkeit einer solchen Verdächtigung ist schwer zu überprüfen. Jedenfalls ist wahrscheinlich, dass das Verhältnis zwischen Dietrich und PHILIPP zunehmend durch die staufisch-böhmische Annäherung belastet wurde, die im November 1207 mit der Eheschließung zwischen PHILIPPS Tochter Kunigunde und Otakars Sohn Wenzel ihren sichtbaren Höhepunkt fand. Der böhmisch-wettinische Streit dauerte hingegen an, weil der PREMYSLIDE sein Versprechen, Adela wieder bei sich aufzunehmen, nicht eingehalten hatte. Ein weiteres Indiz für Dietrichs Abkehr von PHILIPP ist die eilfertige Bereitwilligkeit, mit welcher er nach dessen Tod den WELFEN unterstützte - ein Umstand, der zu der Vermutung Anlaß gibt, dass der WETTINER, schon frühzeitig begonnen hatte, sich politisch neu zu orientieren.
Als Innocenz III. im Sommer 1208 mehrere Briefe an die deutschen Fürsten sandte, in denen er sie zur Anerkennung und Unterstützung OTTOS IV. aufforderte, bedurfte es im Falle Dietrichs anscheinend keiner langwierigen Überredung mehr. Am 22. September gab er auf einer Versammlung sächsischer und thüringischer Fürsten in Halberstadt an dritter Stelle nach Erzbischof Albrecht von Magdeburg und Herzog Bernhard von Sachsen sein Votum für den WELFEN ab.
Knapp drei Wochen später, am 11. November, fand er sich in Frankfurt ein, wo OTTO einmütig als König im Reich anerkannt wurde. Dietrich, der im Gefolge des STAUFERS den WELFEN beinahe 10 Jahre lang bekämpft hatte, demonstrierte auf diese Weise nachdrücklich den Wandel seiner politischen Haltung. Die enge Verbindung zwischen König und Markgraf wird auch im folgenden Jahr deutlich. So fand sich Dietrich im Mai 1209, als OTTO nach längerer Abwesenheit wieder Sachsen aufsuchte, am Hof in Altenburg ein. Zu Pfingsten war er in Braunschweig, wo der WELFE, wie Arnold in seiner Slavenchronik ausdrücklich hervorhebt, nur seine Freunde und Vertrauten um sich versammelt hatte. Eine Woche später reiste er dann im Gefolge des WELFEN nach Würzburg. Dort wurde nicht nur der Romzug festgesetzt, sondern auch die Verlobung OTTOS IV. mit Beatrix, der Tochter seines verstorbenen Rivalen PHILIPP, gefeiert.
Als das Heer OTTOS IV. im Juli 1209 von Augsburg nach Rom aufbrach, war Dietrich nicht dabei; anscheinend gehörte er zu denjenigen Fürsten, die ihre Lehnsverpflichtungen finanziell abgalten. Dort wurde der WELFE am 4. Oktober 1209 zum Kaiser gekrönt. Anschließend wandte er sich entgegen allen Absprachen mit dem Papst nach Süden, um das Königreich Sizilien zu erobern. Deshalb suchte Innocenz III., der OTTO IV. im November feierlich bannte, Verbündete und rief die Reichsfürsten zum Widerstand gegen den WELFEN auf. So bildete sich spätestens im Herbst 1210 im Reich eine antikaiserliche Opposition, deren herausragende Persönlichkeiten die Erzbischöfe von Mainz und Magdeburg, sowie König Otakar und Landgraf Hermann von Thüringen waren. Auch Markgraf Dietrich soll an einem ihrer geheimen Treffen teilgenommen haben. Falls diese Nachricht jedoch nicht als solche zu verwerfen ist, wofür manches spricht, dürfte es bei der bloßen Kontaktaufnahme geblieben sein, weil nichts darauf hindeutet, dass es den Gegnern OTTOS tatsächlich gelang, Dietrich auf ihre Seite zu ziehen. Vielmehr setzte der WETTINER allem Anschein nach weiterhin auf das Bündnis mit den WELFEN. Dieser belehnte Dietrich nach dem Tod Markgraf Konrads im Mai 1210 mit der Ostmark. Zu einem solchen Schritt hätte sich OTTO IV. wohl nicht entschlossen, wenn der Lehnsmann nicht zuverlässig gewesen wäre.
Alarmiert von den Vorgängen im Reich, begab sich OTTO von S-Italien aus nach Deutschland und kam dort im Februar 1212 an. Im März hielt er in Frankfurt einen großen Hoftag ab, wo sich auch Markgraf Dietrich von Meißen einfand. Seine in dieser Zeit bewiesene Zuverlässigkeit gegenüber dem WELFEN wird in einem Spruch Walthers von der Vogelweide ausdrücklich gerühmt. In Frankfurt schlossen der Kaiser und der Markgraf einen Pakt, in welchem der WETTINER OTTO IV. unverbrüchliche Treue schwor und sich verpflichtete, ihn im Kampf gegen seine Feinde zu unterstützen, unter denen der Papst, König Otakar von Böhmen sowie Landgraf Hermann von Thüringen ausdrücklich genannt werden. Der Kaiser versprach seinerseits, dem WETTINER ein gnädiger Lehnsherr zu sein und ihm gegen jedermann beizustehen. Er sagte Dietrich ferner zu, Wratislaw, den Sohn der mittlerweile verstorbenen Adela, das Königreich Böhmen zu übertragen. Als Bürgen für die Einhaltung des Vertrages bot der WETTINER drei Grafen, 10 Edle sowie 13 Ministeriale auf und mußte überdies 13 Söhne seiner Dienstleute als Geiseln stellen; für den Kaiser beschworen 10 Adlige und Ministeriale den Pakt. Walthers Spruch dürfte also nicht das wirkliche politische Verhältnis zwischen OTTO IV. und Dietrich widergespiegelt haben, sonst hätte es zwischen den beiden keines solchen Vertrages bedurft. Vielmehr handelte es sich wohl um ein Zweckbündnis, das gegen denselben Gegner gerichtet war. Dem Kaiser diente es zur Stabilisierung seiner Position im östlichen Sachsen. Für Dietrich hingegen garantierte es den nötigen Rückhalt beim WELFEN angesichts der Einkreisung durch den Thüringer, den Magdeburger und den Böhmen.
Offensichtlich hielten sich beide Vertragspartner zunächst an die Vereinbarungen. Im Mai 1212 wurde Otakar in Nürnberg nach dem Urteil der Fürsten in Anwesenheit des WETTINERS die Königswürde abgesprochen und Wratislaw mit dem Königreich belehnt. Gemeinsam war es dem Kaiser und dem Markgrafen somit gelungen, sich eines bedeutenden Gegners vorerst zu entledigen. Als dann OTTO IV. im Juli 1212 eine Heerfahrt gegen den LUDOWINGER unternahm, hatte nun der WETTINER seinen vertraglichen Verpflichtungen nachzukommen und unterstützte den WELFEN bei der Belagerung thüringischer Truppen in Weißensee. Dort übernahm es Dietrich, mit den Gegnern einen Waffenstillstand auszuhandeln. In ihm wurde festgelegt, dass die Thüringer den Truppen des Kaisers die städtische Siedlung überlassen und sich auf die Burg zurückziehen sollten. Dafür gewährte man ihnen eine gewisse Frist, um vom Landgrafen neue Befehle beziehungsweise die Erlaubnis zur Kapitulation einzuholen. Diese Regelung erwies sich jedoch für OTTO als nachteilig, denn als in seinem Heer die Nachricht vom Tod der Kaiserin Beatrix verbreitet wurde, fühlten sich die Bayern und Schwaben nicht mehr zur Unterstützung des WELFEN verpflichtet und verließen das Lager, so dass es zur Eroberung der Burg Weißensee nicht mehr kam. Die Teilnahme an dieser Belagerung war anscheinend das letzte Mal, dass sich Dietrich offen für den Kaiser einsetzte. Die Ankunft FRIEDRICHS II., der im September 1212 Deutschland erreichte, warf wohl bereits ihre Schatten voraus. Der WETTINER trat zwar nicht sofort auf die Seite des STAUFERS über, hielt sich aber nunmehr gegenüber dem WELFEN zurück und wartete die weitere Entwicklung ab. Ein erster Hinweis auf Dietrichs Annäherung an FRIEDRICH II. liegt für 1213 vor. Als nämlich der STAUFER im September diesen Jahres einen Feldzug nach Sachsen unternahm, erschien auch der Markgraf von Meißen in dessen Umgebung. Mit dem Übertritt zu FRIEDRICH II. hatte Dietrich möglicherweise deshalb so lange gewartet, weil er sich erst von der Bindung durch den im März 1212 geschlossenen Vertrag lösen und die Freilassung der Geiseln erreichen mußte. Zudem hatte Otakar nach seiner Absetzung als König von Böhmen rasch Kontakt zum STAUFER aufgenommen und verfügte bei ihm bald über einen gewissen Einfluß. Der WETTINER bemühte sich demnach unter schwierigen Voraussetzungen um eine Kontaktaufnahme mit dem STAUFER, aber seine Anwesenheit an dessen Hof in Eger im Juni 1214 zeigt, dass sie ihm dennoch gelang.
Am 27. Juli 1214 kam es bei Bouvines in der Grafschaft Flandern zur entscheidenden Schlacht zwischen König Philipp II. von Frankreich und König Johann von England um den ehemals englischen Festlandsbesitz nördlich der Loire, bei der Johann von OTTO IV. und dessen Truppen unterstützt wurde. Die Niederlage, welche der WELFE dort zusammen mit den Engländern erlitt, entschied auch den staufisch-welfischen Thronstreit zu FRIEDRICHS II. Gunsten, obgleich dieser an dem Waffengang selbst nicht beteiligt war. OTTOS Machtbereich beschränkte sich von nun an im wesentlichen nur noch auf den welfischen Besitz in Sachsen. FRIEDRICH II. jedoch, dessen politische Position kaum noch zu erschüttern war, ging in den folgenden Monaten daran, seine Herrschaft im Reich zu festigen. Markgraf Dietrich von Meißen und der Ostmark hatte sich also gerade noch rechtzeitig für die richtige - das heißt: die erfolgreiche - Seite entschieden. Während er sich dann in den Monaten von Juli bis Dezember 1214 nicht in der Umgebung FRIEDRICHS II. einfand, der freilich den Westen und Süden des Reiches bereiste, hielt er sich, als der STAUFER im Januar 1215 nach Thüringen und Sachsen kam, mehrfach in dessen Umgebung auf, wo er neben Erzbischof Albrecht II. von Magdeburg, Bischof Engelhard von Naumburg und Landgraf Hermann von Thüringen zu den bedeutendsten Gefolgsleuten des Königs gehörte. Danach zeigte sich der WETTINER wiederum über mehrere Monate nicht am staufischen Hof und nahm auch nicht an der Krönung FRIEDRICHS II. im Juli 1215 in Aachen teil. Erst im September erschien er wieder in Würzburg in der Umgebung des Königs.
Seit seiner Rückkehr aus Würzburg begegnet Dietrich nurmehr im östlichen Sachsen. Dort war er im Laufe des Jahres 1215 in verschiedene gewaltsam ausgetragene Streitigkeiten verwickelt: Zum einen belagerte er - allerdings erfolglos - die an der Elbe gelegene Burg Aken, welche dem sächsischen Herzog Albrecht I. unterstand. Zum anderen geriet er mit dem Magdeburger Erzbischof in Konflikt, worauf dieser den Markgrafen exkommunizierte und ein Interdikt über die Diözesen Meißen und Merseburg verhängte. Hinzu kam gegen Ende des Jahres dann noch ein Aufstand markgräflicher Ministerialen, die nach einem fehlgeschlagenen Versuch, ihn zu ermorden, die Stadt Leipzig besetzte, sich mit den Einwohnern verbündeten und monatelang gegen den WETTINER kämpften. Dabei drohten sie wiederholt, die Stadt OTTO IV. oder Erzbischof Albrecht II. zu übergeben. Am 20. Juli 1216 wurde der Konflikt jedoch vorerst durch einen Vertrag zwischen dem Markgrafen und den Bürgern beendet, der auf Vermittlung des Erzbischofs von Magdeburg und des Bischofs von Merseburg zustandekam und den Leipzigern weitgehende Zugeständnisse gegenüber dem Stadtherrn einräumte.
Schließlich entbrannnte ebenfalls 1216 noch ein Streit zwischen dem Markgrafen und dem staufischen König, dessen Ursache unbekannt ist. Möglicherweise hing er damit zusammen, dass FRIEDRICH II. im Sommer Otakars jüngeren Sohn Wenzel als zukünftigen Nachfolger des Vaters anerkannt und dabei die Ansprüche von Dietrichs Neffen Wratislaw unberücksichtigt gelasssen hatte. So sorgte die langjährige Feindschaft zwischen WETTINERN und PREMYSLIDEN, die seit der Herrschaft König PHILIPPS das Handeln Dietrichs beeinflußt hatte, erneut für politische Verwicklungen. Der Konflikt wurde jedoch offenbar rasch beigelegt, denn bereits im September 1216 fand sich der WETTINER wieder am Hof des Königs in Altenburg ein. Wahrscheinlich in dieser Zeit unterstützte FRIEDRICH II. den Markgrafen dann bei der gewaltsamen Einnahme Leipzigs und der Wiederherstellung der wettinischen Stadtherrschaft. Angesichts der Anwesenheit OTTOS IV. in Sachsen dürfte dem König daran gelegen sein, die Machtgrundlagen seines Verbündeten zu festigen.
Dass von dem WELFEN, der im August 1215 in seinen braunschweigischen Gebotsbereich zurückgekehrt war, tatsächlich eine Bedrohung für die Gefolgsleute des STAUFERS ausging, zeigte sich 1217, als FRIEDRICH den östlichen Teil des Reiches erneut aufsuchen mußte, um Erzbischof Albrecht II. gegen OTTO IV. beizustehen, nachdem der WELFE gemeinsam mit dem Markgrafen von Brandenburg und dem Herzog von Sachsen magdeburgische Besitzungen im Elbegebiet angegriffen hatte. In diesem Zusammenhang gehören wohl auch die Kämpfe zwischen Dietrich und Herzog Albrecht I. um die askanischen Burgen Sindekume, Lippene und Aken. Ob der WETTINER darüber hinaus im September an der Belagerung Quedlinburgs beziehungsweise Braunschweigs durch FRIEDRICH II. teilnahm, ist nicht überliefert, aber durchaus wahrscheinlich, denn am Ende dieser Unternehmung erschien er im November am Hof des STAUFERS in Altenburg.
Obwohl OTTO IV. im Mai 1218 gestorben und damit eine wichtige Ursache der Auseinandersetzungen weggefallen war, vergingen auch die folgenden Jahre, die letzten in Dietrichs Leben, nicht ohne Konflikte. So mußte der Erzbischof von Magdeburg und die Bischöfe von Naumburg und Merseburg im Sommer 1219 auf Geheiß des Königs schlichtend in den Streit zwischen Abt Siegfried von Pegau und dem WETTINER um den Ausbau der Siedlung Groitzsch zu einem Marktort eingreifen. Im folgenden Jahr zerbrach dann das aus der gemeinsamen Feindschaft zu OTTO IV. erwachsene Bündnis zwischen dem WETTINER und dem Erzbischof von Magdeburg, weil Albrecht II. erneut markgräfliche Ministeriale unterstützte, die sich gegen Dietrich erhoben hatten. Dabei lag dem Magdeburger wohl weniger am Schicksal der Dienstmannen als vielmehr an seinem Einfluß das Gebiet um Leipzig, wo er in Taucha eine Burg bauen ließ. Dietrich gelang es freilich nicht mehr, die Auseinandersetzung zu seinen Gunsten zu entscheiden. Er starb am 17. Februar 1221. Die häufigen Fehden im östlichen Sachsen entsprangen also nicht allein der unterschiedlichen Haltung der Reichsfürsten im Thronstreit, sondern auch dem Streben, ihren Machtbereich auf Kosten der Nachbarn auszudehnen. Daneben bemühte sich Markgraf Dietrich nicht minder energisch, innerhalb seiner Marken die bereits vorhandenen Herrschaftsgrundlagen zu vermehren, räumlich zu verdichten und intensiver zu nutzen. Er tat dies einerseits, indem er bewährte Maßnahmen fortführte: Er ließ unbesiedeltes Land roden und erschließen, baute weitere Burgen, gründete mit dem Augustinerchorherrenstift in Eisenberg, St. Thomas in Leipzig sowie dem Kreuzkloster in Meißen neue geistliche Institutionen und betonte seine Rechte als Naumburger Hochvogt stärker. Andererseits begegnen zunehmend bisher selten erwähnte Herrschaftselemente. So gelang es dem WETTINER, seine Einnahmen durch Ausübung von Hoheitsrechten zu vergrößern, die üblicherweise dem König zustanden, und profilierte durch die Erhebung von Zöllen und Geleitgeldern, die Verfügung über Straßen und Brücken sowie die Prägung eigener Münzen. Überdies förderte er die Entstehung städtischer Siedlungen, von denen besonders Dresden, Weißenfels, Eisenberg, Camberg, Meißen, die Freiberger Bergmannssiedlungen, Zwickau, Grimma und allen voran Leipzig einen bedeutenden Auftrieb erfuhren. Mit seinen Maßnahmen zur Herrschaftsintensivierung rief Markgraf Dietrich allerdings auch den Widerstand der Beherrschten hervor: Die Ministerialen in den Marken wehrten sich gegen die Abgaben, welche ihren Bauern auferlegt wurden, und die Einwohner Leipzigs kämpften für die Gewährung größerer kommunaler Freiheiten. Diese Vorgänge lassen erkennen, dass während der Regierung Dietrichs in Meißen und der Ostmark diejenige Entwicklung einsetzte, welche im Laufe der folgenden Jahrzehnte zur Ausbildung der wettinischen Landesherrschaft im Gebiet zwischen Elbe und Saale führte.
Markgraf Dietrich von Meißen hinterließ mehrere Nachkommen. Die Genealogia Wettinensis nennt fünf Kinder: Otto und Konrad, die beide frühzeitig starben, Hedwig und Sophia sowie Dietrich. Die Mutter des zuletzt genannten Sohnes war jedoch nicht Jutta, die Ehefrau Dietrichs, sondern eine namentlich nicht bekannte "soluta". Auch Heinrich, ein weiterer Nachkomme des WETTINERS, der in der Genealogia Wettinensis nicht erscheint, war ein uneheliches Kind. Trotz dieses Geburtsmakels erreichten beide mit päpstlicher Dispens höhere geistliche Ämter. Im Jahre 12145 wurde Dietrich Bischof von Naumburg und Heinrich Propst von Meißen. Schließlich hatte Markgraf Dietrich noch mindestens einen anderen Sohn, von dem die Genealogie ebenfalls nicht berichtet: Heinrich, den Nachfolger seines Vaters in der Würde des Markgrafen.
Heinrich, der zwischen Mai und September 1218 geboren wurde, war noch keine drei Jahre alt, als sein Vater im Februar 1221 starb. Noch zu Lebzeiten hatte Markgraf Dietrich jedoch bereits Regelungen hinsichtlich der Vormundschaft für seinen Sohn, der Verwaltung des Allodialbesitzes und der Nachfolge in den von ihm bekleideten Ämtern und Lehen getroffen. So übertrug er fast den gesamten Allodialbesitz, der einen ungefähren Wert von 12.000 Mark hatte, seiner Frau Jutta. Der eigentliche Erbe war jedoch der junge Heinrich, als dessen gekorenen Vormund Dietrich anstelle des ältesten Schwertmagen den thüringischen Landgrafen Ludwig IV., den Stiefbruder Juttas, bestellte. Dieser sollte auch die vom Reich und von Kirchen zu Lehen gehenden Ämter und Güter für sein Mündel verwalten. Die Grafen von Brehna als Verwandte männlicher Linie spielten hingegen in Dietrichs Nachfolgeregelungen allem Anschein nach keine Rolle, zumindest werden sie nicht erwähnt.
Nach Dietrichs Tod mußte sich nun erweisen, ob seine Verfügungen durchsetzbar waren, und es lag an Ludwig IV., seinen Ansprüchen Geltung zu verschaffen. Dieser begab sich sofort nach der Nachricht vom Ableben des Markgrafen nach Meißen, wo er von der Witwe und seinem Mündel empfangen wurde. Mit Jutta, die als Heinrichs Mutter und Erbin umfangreicher Allodialgüter über eine wichtige Machtstellung im Markengebiet verfügte, konnte er offensichtlich rasch Einvernehmen herstellen. Die LUDOWINGERIN unterstützte ihren Stiefbruder in dem Bemühen, seine Herrschaft in den beiden Marken zu sichern, indem sie den "terrae maiores" auftrug, sowohl Heinrich als rechtmäßigen Erben als auch Ludwig in seiner Eigenschaft als Vormund einen Treueid zu leisten. Überdies mußten die Edlen und Ministerialen schwören, dass sie den Landgrafen zum Herren und Markgrafen wählen und ihm Treue halten würden, falls Heinrich sterben sollte, bevor er die Volljährigkeit erreicht haben sollte. Ludwig IV. suchte also die Anerkennung durch den Adel der Marken, dessen Unterstützung er bei der Verwaltung der ihm anvertrauten Ämter und Lehen brauchte. Dabei wird zugleich deutlich, dass der LUDOWINGER auch erste Vorbereitungen traf, die Mark Meißen und die Ostmark seinem Herrschaftsbereich einzugliedern, falls dem Mündel etwas zustoßen sollte. Tatsächlich erhob sich in den folgenden Jahren aus den Reihen der Edlen und Ministelialen kein Widerstand gegen den Vormund. Dasselbe gilt für die Grafen von Brehna. Während sich Friedrich II. im Frühjahr 1221 bereits auf dem Weg zum Kaiser nach Sizilien befand, demonstrierten seine Söhne Otto und Dietrich ihr Einverständnis, indem sie im Juni 1222 auf dem Landding in Delitzsch vor Ludwig IV. erschienen, um eine Schenkung ihres Vaters an den Bischof von Meißen zu bestätigen. Möglicherweise war der Grund dafür die Einsicht, dass den Grafen, die nicht zur Gruppe der Reichsfürsten gehörten, die vormundschaftliche Verwaltung von Reichs- und Kirchenlehen nicht ohne Schwierigkeiten übertragen werden konnte. Ebensowenig erhob der Kaiser, obwohl er weder ein Testierrecht der Vasallen über ihre Lehen anzuerkennen noch einen vom Vasallen bestimmten Lehensvormund zu akzeptieren brauchte, Einwände gegen die getroffenen Regelungen. Der STAUFER, der sich mittlerweile wieder im Königreich Sizilien aufhielt, dürfte auch kein Interesse daran gehabt haben, den Frieden in dem von seinem unmündigen Sohn König HEINRICH (VII.) unter Vormundschaft von Erzbischof Engelbert von Köln verwalteten Reichsteil nördlich der Alpen wegen der beiden ostsächsischen Marken zu gefährden, zumal er der Unterstützung des LUDOWINGERS bei der Durchführung des vom Papst immer energischer geforderten Kreuzzuges bedurfte. Weniger problemlos verlief hingegen die Verständigung mit den umliegenden Bistümern über die von ihnen zu Lehen gehenden Güter. Denn es gibt Anzeichen dafür, dass Ludwig in den folgenden Jahren in einen Konflikt mit Bischof Ekkehard von Merseburg geriet, der selbst das Recht beanspruchte, diese für Markgraf Heinrich zu verwalten. Ekkehard konnte erst durch hohe Gegenleistungen zum Nachgeben gebracht werden. Insgesamt aber war es Ludwig IV. gelungen, die Nachfolgeregelungen in die Tat umzusetzen sowie für sich und sein Mündel die Macht in den ostsächsischen Marken zu sichern. Die Geschicke der Adelsfamilie hingen von nun an vom Überleben des jungen Heinrich und der Politik seines ludowingischen Vormundes ab.