17. Die Immmedinger
Eine grundlegende Darstellung der IMMEDINGER -
des Geschlechtes, aus dem Königin Mathilde
hervorging
- legte zuletzt Sabine Krüger [8 Sabine Krüger, Seite
90ff.] vor. Sie verfolgte ihre Geschichte bis in die Mitte des 10. Jahrhunderts
und ging auch auf ihre Besitzverhältnisse [9 Eggers, Seite
80f.] so umffassend ein, daß für das späte 10. Jahrhundert
keine Ergänzung erforderlich ist.
Es kann im Rahmen dieser Arbeit nur ein Nachtrag über
die Familie Bischofs Meinwerk von Paderborn (1009-1036) geboten
werden, die Sabine Krüger nur in Bezug auf ihr Eigengut behandelte.
Bischof
Meinwerk erhielt wohl seinen Namen von demjenigen Meinwerk,
der nach Widukinds [1 Vita Meinw., Kap. 11.] Bericht zusammen
mit einem Immed auf dem Feldzug OTTOS
DES GROSSEN gegen die Aufständischen den Tod fand.
Sabine Krüger [2 Sabine Krüger, Seite 92.] ließ
den Grad ihrer Verwandtschaft offen. Dieser Meinwerk könnte
mit Graf Megenward verwandt gewesen sein, der unter HEINRICH
I. als Graf über mehrere Komitate in Thüringen
urkundlich bezeugt ist. Vielleicht setzte ihn HEINRICH
I.
erst auf Grund seiner Versippung mit den IMMEDINGERN in
den thüringischen Interessengebieten der LIUDOLFINGER
als Graf ein.
Eine Urkunde von 932 [3 DH. I. 33 von 932.] bezeugte
Megenward
als
Graf in pago Languizza, in dem der Ort Hausen in seiner Grafschaft
lag. Aus dem gleichen Jahr datierte eine Urkunde, die einen Tausch zwischen
HEINRICH
I. und dem Kloster Fulda rechstskräftig machte [4 DH.
I. 34 = Cod. dipl. Fuld. 678.]. Tauschobjekte waren Tribur in pago Engilin
und Ichstedt im Nabelgau, die beide zu den Grafschaftsbezirken Megenwards
gehörten. Dazu umfaßte seine Herrschaftsgebiet einen Comitat
im Westgau, aus dem die Orte Barchfeld und Frauen-Breitungen dem Kloster
Hersfeld als Tauschgüter zugesprochen wurden [5 DH. I. 35 von
933.]. Eine zweite Tauschurkunde zugunsten des Klosters erwähnte Güter,
die im Alt- und Westgau und in den Grafschaften der Grafen Meginward
und Siegfried
lagen. Der Amtsbereich Meginwards erstreckte sich also über
Grafschaften im Altgau, Lanfwitzgau, Nabelgau, Englin und Westgau und somit
über den größten Teil des inneren Thüringens mit Ausnahme
der Randgebiete. Es gelingt nicht, ihn in irgendeine der bekannten thüringischen
Grafenfamilien einzuordnen. Nur mit Vorbehalt möchte man ihn mit den
IMMEDINGERN in Verbindung bringen.
Den gleichen Namen wie der thüringische Graf führte
Bischof
Meinwerk. Als seinen Vater bezeichnete die Vita [6 Vita Meinw.,
Kap. 2, Seite 6.] Graf Immeds, der eine Grafschaft im Gebiet der
Diözese des Bistums Utrecht verwaltete, die ihm von seinen Vorfahren
überkommen war. Immeds Gattin Athela [7 Der Name
Athela stammt aus ihrer mütterlichen Familie, in die er über
eine Frau gelangt war: Athela,
die Tochter des
Grafen Heribert von Vermandois,
heiratete
Markgraf
Arnulf von Flandern.], die nobilis uxor de terra Saxonia
genannt wird, schenkte ihm die Kinder Dietrich (Theodericus),
Meinwerk,
Glismod und Azela (Athela). Die Namen der Kinder spiegeln
die Verwandtschaft der Eltern wider. Dietrich und Meinwerk
waren Leitnamen der väterlichen Familie, Athela
erhielt den
Namen der Mutter, aus deren Familie auch der Name Glismod stammen
mag. Zwei Kinder traten in den geistlichen Stand.
Meinwerk wurde zu Beginn seiner Laufbahn königlicher
Kaplan, was das sicherste Sprungbrett war, um Bischof zu werden. Als
Kaplan
OTTOS
III. wird er sowohl in der Vita [8 Vita Meinw., Kap.
5.] als auch in zahlreichen Urkunden erwähnt [9 DO III. 393
von 1001; DO III. 401 von 1001; DO III. 407 von 1001, die letztgenannte
Urkunde bezeichnet ihn als sanctes Aquisgranis Ecclesiae cardinalis.].
Unter HEINRICH
II. blieb er zunächst Kaplan [10 DH.
II. 121 von 1006.]. 1009 wurde er zum Bischof von Paderborn geweiht
[11 Ann. Hild. a. 1009.]. Die Vita hob sein Verwandtschaftsverhältnis
zu HEINRICH II. hervor und sprach von
einer propinquitas carnis [12
Vita Meinw., Kap. 9.]. Er hieß
auch dilectus nepos sui [13 Vita Meinw., Kap. 132.]. Die
Königsurkunden nannten ihn ebenfalls nepos noster [14 DH.
II. 262; DH. II. 341.]. Die Vita betonte seine vornehme Herkunft regia
stirpe genitus [15 Vita Meinw., Kap. 5.]. Seine Eignung zum
Bischofsamt wurde begründet mit
nobilum natalium magnitudine quam
rerum et facultatem temporalium multitudine [1
Vita Meinw.,
Kap. 11.]. Die Verwandtschaft mit dem Kaiserhaus verstand er für Vergünstigungen
seines Bistums auszunutzen. Thietmar erwähnte
Bischof Meinwerk
von Paderborn mehrfach in seiner Chronik, ohne ihn als Verwandten des
Kaiserhauses zu kennzeichnen. So berichtet Thietmar unter anderem, daß
Meinwerk 1010 an dem Zug der
Markgrafen
Gero und Hermann
gegen Schlesien teilnahm [2
Vita Meinw., Kap. 6.]. Meinwerk
beschloß sein Leben am 5. Juni 1036 [3
Ann. Hild., Ann. Necr.
Fuld., Necrol. Merseburg., Necrol. Paderborn.].
Meinwerks Schwester Athela wurde Nonne
in Elten [4 Vita Meinw., Kap. 2.]. Dieses Kloster war eine Stiftung
Wichmanns,
der schon 968 [5 DO. I. 358.] seinen umfangreichen Lehnsbesitz [6
Vgl. Guido Rotthoff, Studien zur Geschichte des Reichsgutes in Niederlothringen
und Friesland während der sächsisch-salischen Kaiserzeit, Seite
88.] als Eigengut für sein Kloster zugewiesen bekam. Eine weitere
Urkunde [7 DO. III. 235 von 996.] erwähnte, daß
Wichmann
das Kloster pro anime sue remedio suorumque parentum erbaute
und dort seine Tochter
Liutgard
als Äbtissin einsetzte. Aus der Urkunde geht hervor, daß Athela,
Immeds Gattin, seine zweite Tochter war, so daß sich die Einweisung
ihrer gleichnamigen Tochter Azela in die Familienstiftung erklärt.
Graf Wichmann von Hamaland [8 Mathilde
Uhlirz, Jahrbuch, Exkurs V, Seite 449, zur Frage der Genter Grafen und
der Doppelvasallität an der flandrisch-deutschen Grenze.], Athelas
und Liutgarts Vater, war von OTTO DEM GROSSEN
aus
Sachsen ins Gebiet der Rhein- und Maasmündung verpflanzt worden. Er
war mit Liutgart
vermählt, einer Tochter des Markgrafen Arnulf von Flandern.
Die Familie des Markgrafen läßt sich schon zu Anfang des 10.
Jahrhunderts in dieser Stellung nachweisen. Sie war vornehmer Herkunft,
was ihre Versippung mit dem englischen Königshaus, den KAROLINGERN
und den BILLUNGERN
bestätigt.
Graf Wichmann war comes Gandavi portus,
also Hafengraf von Gent, mit der Aufgabe, den Verkehr zu überwachen
uund die Abgaben einzutreiben.
Azela tritt in der Vita ihres Bruders als Wohltäterin
des Bistums Paderborn auf. Sie schenkte ihm cum consensu heredis sue
iustissiome Glismod - worunter ihre Schwester zu verstehen
ist - das Gut, das sie von ihren Erben Sicca
und
Vertherun
[9 E. v. Uslar-Gleichen, Das Geschlecht Wittekinds und die Immedinger,
Seite 89, hielt die Erben aus wenig stichhaltigen Gründen für
Grafen von Goseck und damit für ihre Vettern.] in Engern und Ostfalen
empfangen hatte [10 Vita Meinw., Kap. 46.]. Weder die Erben noch
die Güter sind näher bekannt. Nach dem Tode ihrer Mutter wandte
Athela
die
Masse des Erbgutes, in das sie sich mit dem Bruder geteilt hatte, dem Kloster
Elten zu, während Meinwerk seinen Anteil Paderborn schenkte
[11 Vita Meinw., Kap. 141.].
Die Behauptung E. v. Uslar-Gleichen [12 E. v.
Uslar-Glleichen, a.a.O., Seite 90.], Athela sei aus dem Kloster
wieder ausgetreten, um die Gemahlin des jüngeren Grafen
Siegfried von Northeim zu werden, ist unhaltbar. Sie stützte
sich einzig auf die Tatsache, daß Siegfried häufig für
Paderborn testierte.
Außer Athela und Glismod hatte
Meinwerk eine weitere Schwester, die bei der Aufführung der Kinder
Immeds
und der Athela nicht erwähnt wurde. Sie trat jedoch an anderer
Stelle der Vita [13 Vita Meinw., Kap. 14.] auf, ohne als Schwester
des Bischofs gekennzeichnet zu werden. Diese Notiz übernahm der Verfasser
der Vita von Adam von Bremen [14 Adam von Bremen, II, 80.], der
sie Emma,
uxor quondam Liutgeri comitis et soror Meginwerci episcopi
nannte. Adam berichtete über ihre reiche Güterzuwendung an
die Bremer Kirche. Dieser Besitz stammte aus billungischem Eigengut,
wie Freytag [15
H.-J. Freytag, Die Herrschaft der Billunger in Sachsen,
Seite 65.] nachwies. Ihr Gatte Liudger
war eine Bruder Herzog
Bernhards von Sachsen. Emma starb am 3. Dezember 1038. Ihr
Sohn war vermutlich Immad,
der von 1051 bis zum 3. Februar 1076 [1 Necrol. Paderborn. 3. Februar
Imadus
episcopus ob.] als Bischof von Paderborn
amtierte und sororius
Meinwerks genannt wurde [2 Vita Meinw., Kap. 160.].
Meinwerks Mutter Athela heiratete nach
dem Tode ihres Gatten Immed einen Baldericum comitem, hominem
fortem, divitem et potentem, non tamen eius matrimonio congruentem
[3 Vita Meinw., Kap. 132.]. Er war schon 996 urkundlich als ihr
Gatte bezeugt [4 DO. III. 235 von 996.]. In einer Urkunde von 1013
hieß er maritus et advocatus sui (sc. Athelae) Baldericus
comes [5 DH. II. 263 von 1013.]. Seine Grafschaft lag nachweisbar
im niederlothringischen Gau Drenthe [6 DH. II. 112 von 1006.]. Balderich
rückte wahrscheinlich erst durch seine Heirat in diese Stellung auf.
Er war das gefügige Werkzeug Athelas, die Thietmar als serpens
antiqua [7 Thietmar, VII, 47.] charakterisierte. Athelas
Leben erfüllte sich in dauerndem Kampf. Zunächst focht sie die
Schenkung ihrer Familie an das Kloster Elten unter dem Vorwand an, sie
seien ohne ihre Einwilligung geschehen [8 Math. Uhlirz, Jahrbuch,
Seite 225.]. Als ihre Schwester Liutgart ihr Erbgut dem Eigenkloster
zuwandte, setzte sich Athela mit Gewalt in den Besitz der Güter.
Erst auf Veranlassung des Königs gab sie das Angeeignete wieder heraus
[9 Alpertus, De diversitate temporum libri II, SS. IC, Seite 700ff.].
Als dieser Plan gescheitert war, stellte sie sich gemeinsam
mit ihrem Gatten gegen Graf Wichmann aus der gräflichen Linie
der BILLUNGER. Er wurde auf ihr Anstiften am 5. Oktober 1016 ermordet
[10 Thietmar, VII, 47; Ann. Quedl.; Ann. Hild.; Necr. Nichaelis;
Necr. Merseburg.]. Die Annalen von Quedlinburg nannten sie in dem Bericht
über diese Tat callida, perfida et avara. Diese nachweisbaren
Charakterzüge Athelas wurden von dem Verfasser der Vita um
weitere vermehrt. Er ist der einzige, der ihr den Mord an ihrem eigenen
Sohn Dietrich zur Last legte. Dietrich war nach dem Bericht
der Vita [11 Vita Meinw., Kap. 2.] paterna dignitatis et facultatis
heres designatus. Dietrich soll nun eius consilio ...VII.
idus Aprilis Uplage, urbe munitissa iuxta Eltene (Burg Uplade,
westlich vom Kloster Elten) ermordet worden sein [12 Vita Meinw.,
Kap. 132.]. Die Ermordung des Grafen Dietrich ist als unhistorisch
zu verwerfen. Die wahrscheinlichen Gründe für das Zustandekommen
dieser Ansicht werden von dem Herausgeber der Vita [13 Fr. Tenckhoff,
Ausgabe der Vita Meinw., Seite 66, Anm. 5.] zusammengetragen, so daß
sie hier nicht wiederholt zu werden brauchen. Vielleicht sollte die verworfene
Mutter auch dem vorbildlichen Meinwerk wirkungsvoll gegenübergestellt
werden.
Wenden wir uns nun noch der dritten Tochter Immeds
und Athelas zu. Die Vita bezeugte, daß Glismod cuiusdem
nobilis principis in Baioria matrimonio copulatur [14]. Der
Verfasser der Vita erwähnt weder den Namen des Gatten noch ihre weiteren
Lebensschicksale. Vermutlich waren ihm diie erforderlichen Nachrichten
aus diesem entfernten Gebiet nicht zur Hand.
Nun berichtete der Stader Annalist [15 Ann. Stad.,
a. 1112.], daß Ida
vonn Elsdorf [16 U. Heinrichsen, Süddeutsche Adelsgeschlechter
in Niedersachsen, Seite 39f.], die Tochter Liudolfs
von Braunschweig in erster Ehe mit einem Lippold,
filius domine
Glismodis vermählt war. Die Seltenheit des
Namens Glismod
erlaubt uns, in ihr eine Schwester Meinwerks
zu sehen. Mit der Nachricht ihrer Heirat nach Bayern ist außerdem
der Name ihres Sohnes vereinbar, der im bayrischen Gebiet üblich war.
Im Zusammenhang mit dieser Feststellung ist die Nachricht
des sächsischen Annalisten und Ekkehards [17 Ann. Saxo, Eckehard,
Chronicon universale, a. 1104.] zu betrachten, die 1104 den Tod eines Boto,
cognomento Fortis verzeichneten. Boto und sein 1102 verstorbener
Bruder Aerbo (Erbo, Aribo) waren dem Annalisten zufolge Söhne des
Pfalzgrafen Hartwig vonn Bayern,, die sanguine Norice gentis antiquissimam
nobilitatem trahebant. 1102 hieß es: nobilis de Carinthia
princeps. Mütterlicherseits waren sie stemma de Saxonia,
Immedingorum tribus egregia, que Ottonum inclite stirpe traditur.
Als ihre Mutter wurde eine horum clarissimorum principum semine nobilis
Friderun namhaft gemacht. Frideruna stammte a Retingo,
filio Botonis, filii Retingi, item ex Botone nati. Frideruna war
vermutlich mütterlicherseits IMMEDINGERIN, worauf ihr in Sachsen
üblicher Name hinweist. Die Namen Reding und Bodo waren hier
nicht gebräuchlich. Verständlicherweise erwähnte man ihre
mütterliche Abstammung, weil diese Familie bekannter und berühmter
war.
Hier bietet sich nun die Möglichkeit, Frideruna
als Tochter der IMMEDINGERIN Glismod nachzuweisen, die dann mi jenem
Reding
vermählt gewesen sein muß, dem sie unter anderem die Kinder
Frideruna und Lippold schenkte. An eine berühmte Familie
wird wohl kaum zu denken sein, sonst wäre sie vermutlich dem Verfasser
der Vita bekannt gewesen. Glismod starb am 5. Februar eines
unbekannten Jahres. Zu diesem Datum wurde sie in dem Totenbuch des Klosters
Addinghof als Glismod soror Meinwerci verzeichnet.
E. v. Uslar-Gleichen [1 E. v. Uslar-Gleichen,
a.a.O., Seite 91f.] hielt mit weniger guten Gründsen Adalbero,
den Herzog von Kärnten und Markgrafen von Steiermark und
Verona aus dem bayrisch-kärntnischen Geschlecht der EPPENSTEINER
[2 Vgl. H. Pirchegger, Landesfürst und Adel in Steiermark während
des Mittelalters, Graz 1951.], für Glismods Gatten. Als ihre
Kinder nannte er den schon erwähnten Liutpold und Frideruna.
Man müßte jedoch dann die durch den Annalisten bezeugten Vorfahren
Friderunas
außer
acht lassen, wozu kein Anlaß vorliegt.
Auf die Möglichkeit einer Ehe zwischen Glismod
und
Reding verwies schon G. Bode [3 G. Bode, Geschichte der Grafen
von Wernigerode, Seite 41ff.]. Der für die bayrische Familie typische
Name Bodo erschließt noch einen weiteren Zusammenhang mit Sachsen.
Bodo soll auch der Vater des Grafen Altmann geheißen haben, der vermutlich
aus Bayern stammte [4 Siehe Seite 115.].
Festzuhalten ist, daß eine enge Verwandtschaft
zwischen der Familie des Grafen Reding und der des Grafen Altmann
bestanden haben muß. Gerade in dieser Generation scheinen enge Beziehungen
zwischen Bayern und Sachsen geknüpft worden zu sein, wobei Heiratsverbindungen
von Süden nach Norden - wie bei Graf Altmann - und von Norden anch
Süden - wie bei Glismod - geschlossen wurden. Als sichtbarer
Ausdruck dieser Wechselbeziehungen kann der um 1000 in Sachsen auftretende
Name Bodo betrachtet werden.
Ein Graf Bodo begegnete erstmalig in der Zeugenliste
der Bestätigungsurkunde über die Beilegung des Gandersheimer
Streites [5 DH. II. 255 von 1013.]. Der Unterzeichnende war wohl
mit dem Grafen Bodo personengleich, dessen Grafschaft 1021 dem Kloster
Gandersheim verliehen wurde [6 DH. II. 444 von 1013.]. Sein Amtsbereich
erstreckte sich über die Gaue Gandesemigavvi, Frithenigavvi, Flenthigavvi,
Augangavvi, Venzigavvi und Eriggavvi. Dazu wurde dem Kloster vergabt, was
er im Suilber- und Ammergau an Eigenbesitz besaß. Es handelte sich
somit um ein Gebiet zwischen den heutigen Kreisen Gandersheim, Alfeld und
Einbeck. Außer im Flenithi, dem brunonischen Amtsbezirk, ist
weder vorher noch gleichzeitig ein anderer Graf nachweisbar.
Die Geschichte des Klosters Gandersheim war eng mit den
OTTONEN
verbunden. Vielleicht erhielt Bodo [7 Vgl. Hildesheimer
Totenbuch, das am 9. Januar, am 22. Juli und am 22. August je eines Bodo
comes verzeichnet.], der vermutlich nichtsächsischer Herkunft war,
die Gandersheimer Klostergrafschaft erst durch Begünstigung von Seiten
der IMMEDINGER, mit denen er wahrscheinlich versippt war.
Nach einer späteren Quelle [1 Adam von Bremen,
II, Kap. 47.] stammte auch Unwan, der 1013 vom königlichen
Kaplan zum Erzbischof von Hamburg-Bremen aufstieg, aus dem berühmten
Geschlecht der IMMEDINGER [2 Adam von Bremen, a.a.O.: clarissimo
genere Immedingorum oriundus.]. Die Vita Meinwerci bezeugte,
daß er als Paderborner Kanoniker durch Meinwerks Fürbitte
ordiniert wurde [3 Vita Meinw., Kap. 18.]. Adam von Bremen bezeichnete
Unwan
als dives et largus, was sich an Hand der Urkunden bestätigt.
Unwan schenkte nämlich dem König im Jahr 1013 seinen Eigenbesitz
in Moringen [4 DH. II. 264 von 1013.], Bernshausen [5 DH.
II. 265 von 1013.] und Hohnstedt (Kr. Northeim) [6 DH. II. 328 von
1015.], den dieser an Paderborn weitervergabte. Die Güter stammten
vermutlich aus immedingischem Erbe, da sie unweit der Plesse liegen,
einem Kernpunkt immedingischen Allod [7 Vgl. Sabine Krüger,
Seite 93.]. Unwans Eltern sind unbekannt. Die Behauptung von E.
v. Uslar-Gleichen [8 E. v. Uslar-Gleichen, a.a.O., Seite 78f.],
Unwan
sei der Sohn einer Schwester von Meinwerks Vater, die den Pfalzgrafen
Dietrich (+ 995) geheiratet habe, ist ohne jegliche Beweismöglichkeit.
Unwan starb am 26. oder 17. Janaur 1029 [9
Ann.
Hild. a. 1030.]