Schölkopf Ruth: Seite 128-133
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"Die sächsischen Grafen 919-1024. Studien und Vorarbeiten zum Historischen Atlas Niedersachsens 22."

17. Die Immmedinger

Eine grundlegende Darstellung der IMMEDINGER - des Geschlechtes, aus dem Königin Mathilde hervorging - legte zuletzt Sabine Krüger [8 Sabine Krüger, Seite 90ff.] vor. Sie verfolgte ihre Geschichte bis in die Mitte des 10. Jahrhunderts und ging auch auf ihre Besitzverhältnisse [9 Eggers, Seite 80f.] so umffassend ein, daß für das späte 10. Jahrhundert keine Ergänzung erforderlich ist.
Es kann im Rahmen dieser Arbeit nur ein Nachtrag über die Familie Bischofs Meinwerk von Paderborn (1009-1036) geboten werden, die Sabine Krüger nur in Bezug auf ihr Eigengut behandelte. Bischof Meinwerk erhielt wohl seinen Namen von demjenigen Meinwerk, der nach Widukinds [1 Vita Meinw., Kap. 11.] Bericht zusammen mit einem Immed auf dem Feldzug OTTOS DES GROSSEN gegen die Aufständischen den Tod fand. Sabine Krüger [2 Sabine Krüger, Seite 92.] ließ den Grad ihrer Verwandtschaft offen. Dieser Meinwerk könnte mit Graf Megenward verwandt gewesen sein, der unter HEINRICH I. als Graf über mehrere Komitate in Thüringen urkundlich bezeugt ist. Vielleicht setzte ihn HEINRICH I. erst auf Grund seiner Versippung mit den IMMEDINGERN in den thüringischen Interessengebieten der LIUDOLFINGER als Graf ein.
Eine Urkunde von 932 [3 DH. I. 33 von 932.] bezeugte Megenward als Graf in pago Languizza, in dem der Ort Hausen in seiner Grafschaft lag. Aus dem gleichen Jahr datierte eine Urkunde, die einen Tausch zwischen HEINRICH I. und dem Kloster Fulda rechstskräftig machte [4 DH. I. 34 = Cod. dipl. Fuld. 678.]. Tauschobjekte waren Tribur in pago Engilin und Ichstedt im Nabelgau, die beide zu den Grafschaftsbezirken Megenwards gehörten. Dazu umfaßte seine Herrschaftsgebiet einen Comitat im Westgau, aus dem die Orte Barchfeld und Frauen-Breitungen dem Kloster Hersfeld als Tauschgüter zugesprochen wurden [5 DH. I. 35 von 933.]. Eine zweite Tauschurkunde zugunsten des Klosters erwähnte Güter, die im Alt- und Westgau und in den Grafschaften der Grafen Meginward und Siegfried lagen. Der Amtsbereich Meginwards erstreckte sich also über Grafschaften im Altgau, Lanfwitzgau, Nabelgau, Englin und Westgau und somit über den größten Teil des inneren Thüringens mit Ausnahme der Randgebiete. Es gelingt nicht, ihn in irgendeine der bekannten thüringischen Grafenfamilien einzuordnen. Nur mit Vorbehalt möchte man ihn mit den IMMEDINGERN in Verbindung bringen.
Den gleichen Namen wie der thüringische Graf führte Bischof Meinwerk. Als seinen Vater bezeichnete die Vita [6 Vita Meinw., Kap. 2, Seite 6.] Graf Immeds, der eine Grafschaft im Gebiet der Diözese des Bistums Utrecht verwaltete, die ihm von seinen Vorfahren überkommen war. Immeds Gattin Athela [7 Der Name Athela stammt aus ihrer mütterlichen Familie, in die er über eine Frau gelangt war: Athela, die Tochter des Grafen Heribert von Vermandois, heiratete Markgraf Arnulf von Flandern.], die nobilis uxor de terra Saxonia genannt wird, schenkte ihm die Kinder Dietrich (Theodericus), Meinwerk, Glismod und Azela (Athela). Die Namen der Kinder spiegeln die Verwandtschaft der Eltern wider. Dietrich und Meinwerk waren Leitnamen der väterlichen Familie, Athela erhielt den Namen der Mutter, aus deren Familie auch der Name Glismod stammen mag. Zwei Kinder traten in den geistlichen Stand.
Meinwerk wurde zu Beginn seiner Laufbahn königlicher Kaplan, was das sicherste Sprungbrett war, um Bischof zu werden. Als Kaplan OTTOS III. wird er sowohl in der Vita [8 Vita Meinw., Kap. 5.] als auch in zahlreichen Urkunden erwähnt [9 DO III. 393 von 1001; DO III. 401 von 1001; DO III. 407 von 1001, die letztgenannte Urkunde bezeichnet ihn als sanctes Aquisgranis Ecclesiae cardinalis.]. Unter HEINRICH II. blieb er zunächst Kaplan [10 DH. II. 121 von 1006.]. 1009 wurde er zum Bischof von Paderborn geweiht [11 Ann. Hild. a. 1009.]. Die Vita hob sein Verwandtschaftsverhältnis zu HEINRICH II. hervor und sprach von einer propinquitas carnis [12 Vita Meinw., Kap. 9.]. Er hieß auch dilectus nepos sui [13 Vita Meinw., Kap. 132.]. Die Königsurkunden nannten ihn ebenfalls nepos noster [14 DH. II. 262; DH. II. 341.]. Die Vita betonte seine vornehme Herkunft regia stirpe genitus [15 Vita Meinw., Kap. 5.]. Seine Eignung zum Bischofsamt wurde begründet mit nobilum natalium magnitudine quam rerum et facultatem temporalium multitudine [1 Vita Meinw., Kap. 11.]. Die Verwandtschaft mit dem Kaiserhaus verstand er für Vergünstigungen seines Bistums auszunutzen. Thietmar erwähnte Bischof Meinwerk von Paderborn mehrfach in seiner Chronik, ohne ihn als Verwandten des Kaiserhauses zu kennzeichnen. So berichtet Thietmar unter anderem, daß Meinwerk 1010 an dem Zug der Markgrafen Gero und Hermann gegen Schlesien teilnahm [2 Vita Meinw., Kap. 6.]. Meinwerk beschloß sein Leben am 5. Juni 1036 [3 Ann. Hild., Ann. Necr. Fuld., Necrol. Merseburg., Necrol. Paderborn.].
Meinwerks Schwester Athela wurde Nonne in Elten [4 Vita Meinw., Kap. 2.]. Dieses Kloster war eine Stiftung Wichmanns, der schon 968 [5 DO. I. 358.] seinen umfangreichen Lehnsbesitz [6 Vgl. Guido Rotthoff, Studien zur Geschichte des Reichsgutes in Niederlothringen und Friesland während der sächsisch-salischen Kaiserzeit, Seite 88.] als Eigengut für sein Kloster zugewiesen bekam. Eine weitere Urkunde [7 DO. III. 235 von 996.] erwähnte, daß Wichmann das Kloster pro anime sue remedio suorumque parentum erbaute und dort seine Tochter Liutgard als Äbtissin einsetzte. Aus der Urkunde geht hervor, daß Athela, Immeds Gattin, seine zweite Tochter war, so daß sich die Einweisung ihrer gleichnamigen Tochter Azela in die Familienstiftung erklärt.
Graf Wichmann von Hamaland [8 Mathilde Uhlirz, Jahrbuch, Exkurs V, Seite 449, zur Frage der Genter Grafen und der Doppelvasallität an der flandrisch-deutschen Grenze.], Athelas und Liutgarts Vater, war von OTTO DEM GROSSEN aus Sachsen ins Gebiet der Rhein- und Maasmündung verpflanzt worden. Er war mit Liutgart vermählt, einer Tochter des Markgrafen Arnulf von Flandern. Die Familie des Markgrafen läßt sich schon zu Anfang des 10. Jahrhunderts in dieser Stellung nachweisen. Sie war vornehmer Herkunft, was ihre Versippung mit dem englischen Königshaus, den KAROLINGERN und den BILLUNGERN bestätigt.
Graf Wichmann war comes Gandavi portus, also Hafengraf von Gent, mit der Aufgabe, den Verkehr zu überwachen uund die Abgaben einzutreiben.
Azela tritt in der Vita ihres Bruders als Wohltäterin des Bistums Paderborn auf. Sie schenkte ihm cum consensu heredis sue iustissiome Glismod - worunter ihre Schwester zu verstehen ist - das Gut, das sie von ihren Erben Sicca und Vertherun [9 E. v. Uslar-Gleichen, Das Geschlecht Wittekinds und die Immedinger, Seite 89, hielt die Erben aus wenig stichhaltigen Gründen für Grafen von Goseck und damit für ihre Vettern.] in Engern und Ostfalen empfangen hatte [10 Vita Meinw., Kap. 46.]. Weder die Erben noch die Güter sind näher bekannt. Nach dem Tode ihrer Mutter wandte Athela die Masse des Erbgutes, in das sie sich mit dem Bruder geteilt hatte, dem Kloster Elten zu, während Meinwerk seinen Anteil Paderborn schenkte [11 Vita Meinw., Kap. 141.].
Die Behauptung E. v. Uslar-Gleichen [12 E. v. Uslar-Glleichen, a.a.O., Seite 90.], Athela sei aus dem Kloster wieder ausgetreten, um die Gemahlin des jüngeren Grafen Siegfried von Northeim zu werden, ist unhaltbar. Sie stützte sich einzig auf die Tatsache, daß Siegfried häufig für Paderborn testierte.
Außer Athela und Glismod hatte Meinwerk eine weitere Schwester, die bei der Aufführung der Kinder Immeds und der Athela nicht erwähnt wurde. Sie trat jedoch an anderer Stelle der Vita [13 Vita Meinw., Kap. 14.]  auf, ohne als Schwester des Bischofs gekennzeichnet zu werden. Diese Notiz übernahm der Verfasser der Vita von Adam von Bremen [14 Adam von Bremen, II, 80.], der sie Emma, uxor quondam Liutgeri comitis et soror Meginwerci episcopi nannte. Adam berichtete über ihre reiche Güterzuwendung an die Bremer Kirche. Dieser Besitz stammte aus billungischem Eigengut, wie Freytag [15 H.-J. Freytag, Die Herrschaft der Billunger in Sachsen, Seite 65.] nachwies. Ihr Gatte Liudger war eine Bruder Herzog Bernhards von Sachsen. Emma starb am 3. Dezember 1038. Ihr Sohn war vermutlich Immad, der von 1051 bis zum 3. Februar 1076 [1 Necrol. Paderborn. 3. Februar Imadus episcopus ob.] als Bischof von Paderborn amtierte und sororius Meinwerks genannt wurde [2 Vita Meinw., Kap. 160.].
Meinwerks Mutter Athela heiratete nach dem Tode ihres Gatten Immed einen Baldericum comitem, hominem fortem, divitem et potentem, non tamen eius matrimonio congruentem [3 Vita Meinw., Kap. 132.]. Er war schon 996 urkundlich als ihr Gatte bezeugt [4 DO. III. 235 von 996.]. In einer Urkunde von 1013 hieß er maritus et advocatus sui (sc. Athelae) Baldericus comes [5 DH. II. 263 von 1013.]. Seine Grafschaft lag nachweisbar im niederlothringischen Gau Drenthe [6 DH. II. 112 von 1006.]. Balderich rückte wahrscheinlich erst durch seine Heirat in diese Stellung auf. Er war das gefügige Werkzeug Athelas, die Thietmar als serpens antiqua [7 Thietmar, VII, 47.] charakterisierte. Athelas Leben erfüllte sich in dauerndem Kampf. Zunächst focht sie die Schenkung ihrer Familie an das Kloster Elten unter dem Vorwand an, sie seien ohne ihre Einwilligung geschehen [8 Math. Uhlirz, Jahrbuch, Seite 225.]. Als ihre Schwester Liutgart ihr Erbgut dem Eigenkloster zuwandte, setzte sich Athela mit Gewalt in den Besitz der Güter. Erst auf Veranlassung des Königs gab sie das Angeeignete wieder heraus [9 Alpertus, De diversitate temporum libri II, SS. IC, Seite 700ff.].
Als dieser Plan gescheitert war, stellte sie sich gemeinsam mit ihrem Gatten gegen Graf Wichmann aus der gräflichen Linie der BILLUNGER. Er wurde auf ihr Anstiften am 5. Oktober 1016 ermordet [10 Thietmar, VII, 47; Ann. Quedl.; Ann. Hild.; Necr. Nichaelis; Necr. Merseburg.]. Die Annalen von Quedlinburg nannten sie in dem Bericht über diese Tat callida, perfida et avara. Diese nachweisbaren Charakterzüge Athelas wurden von dem Verfasser der Vita um weitere vermehrt. Er ist der einzige, der ihr den Mord an ihrem eigenen Sohn Dietrich zur Last legte. Dietrich war nach dem Bericht der Vita [11 Vita Meinw., Kap. 2.] paterna dignitatis et facultatis heres designatus. Dietrich soll nun eius consilio ...VII. idus Aprilis Uplage, urbe munitissa iuxta Eltene (Burg Uplade, westlich vom Kloster Elten) ermordet worden sein [12 Vita Meinw., Kap. 132.]. Die Ermordung des Grafen Dietrich ist als unhistorisch zu verwerfen. Die wahrscheinlichen Gründe für das Zustandekommen dieser Ansicht werden von dem Herausgeber der Vita [13 Fr. Tenckhoff, Ausgabe der Vita Meinw., Seite 66, Anm. 5.] zusammengetragen, so daß sie hier nicht wiederholt zu werden brauchen. Vielleicht sollte die verworfene Mutter auch dem vorbildlichen Meinwerk wirkungsvoll gegenübergestellt werden.
Wenden wir uns nun noch der dritten Tochter Immeds und Athelas zu. Die Vita bezeugte, daß Glismod cuiusdem nobilis principis in Baioria matrimonio copulatur [14]. Der Verfasser der Vita erwähnt weder den Namen des Gatten noch ihre weiteren Lebensschicksale. Vermutlich waren ihm diie erforderlichen Nachrichten aus diesem entfernten Gebiet nicht zur Hand.
Nun berichtete der Stader Annalist [15 Ann. Stad., a. 1112.], daß Ida vonn Elsdorf [16 U. Heinrichsen, Süddeutsche Adelsgeschlechter in Niedersachsen, Seite 39f.], die Tochter Liudolfs von Braunschweig in erster Ehe mit einem Lippold, filius domine Glismodis vermählt war. Die Seltenheit des Namens Glismod erlaubt uns, in ihr eine Schwester Meinwerks zu sehen. Mit der Nachricht ihrer Heirat nach Bayern ist außerdem der Name ihres Sohnes vereinbar, der im bayrischen Gebiet üblich war.
Im Zusammenhang mit dieser Feststellung ist die Nachricht des sächsischen Annalisten und Ekkehards [17 Ann. Saxo, Eckehard, Chronicon universale, a. 1104.] zu betrachten, die 1104 den Tod eines Boto, cognomento Fortis verzeichneten. Boto und sein 1102 verstorbener Bruder Aerbo (Erbo, Aribo) waren dem Annalisten zufolge Söhne des Pfalzgrafen Hartwig vonn Bayern,, die sanguine Norice gentis antiquissimam nobilitatem trahebant. 1102 hieß es: nobilis de Carinthia princeps. Mütterlicherseits waren sie stemma de Saxonia, Immedingorum tribus egregia, que Ottonum inclite stirpe traditur. Als ihre Mutter wurde eine horum clarissimorum principum semine nobilis Friderun namhaft gemacht. Frideruna stammte a Retingo, filio Botonis, filii Retingi, item ex Botone nati. Frideruna war vermutlich mütterlicherseits IMMEDINGERIN, worauf ihr in Sachsen üblicher Name hinweist. Die Namen Reding und Bodo waren hier nicht gebräuchlich. Verständlicherweise erwähnte man ihre mütterliche Abstammung, weil diese Familie bekannter und berühmter war.
Hier bietet sich nun die Möglichkeit, Frideruna als Tochter der IMMEDINGERIN Glismod nachzuweisen, die dann mi jenem Reding vermählt gewesen sein muß, dem sie unter anderem die Kinder Frideruna und Lippold schenkte. An eine berühmte Familie wird wohl kaum zu denken sein, sonst wäre sie vermutlich dem Verfasser der Vita bekannt gewesen. Glismod starb am 5. Februar eines unbekannten Jahres. Zu diesem Datum wurde sie in dem Totenbuch des Klosters Addinghof als Glismod soror Meinwerci verzeichnet.
E. v. Uslar-Gleichen [1 E. v. Uslar-Gleichen, a.a.O., Seite 91f.] hielt mit weniger guten Gründsen Adalbero, den Herzog von Kärnten und Markgrafen von Steiermark und Verona aus dem bayrisch-kärntnischen Geschlecht der EPPENSTEINER [2 Vgl. H. Pirchegger, Landesfürst und Adel in Steiermark während des Mittelalters, Graz 1951.], für Glismods Gatten. Als ihre Kinder nannte er den schon erwähnten Liutpold und Frideruna. Man müßte jedoch dann die durch den Annalisten bezeugten Vorfahren Friderunas außer acht lassen, wozu kein Anlaß vorliegt.
Auf die Möglichkeit einer Ehe zwischen Glismod und Reding verwies schon G. Bode [3 G. Bode, Geschichte der Grafen von Wernigerode, Seite 41ff.]. Der für die bayrische Familie typische Name Bodo erschließt noch einen weiteren Zusammenhang mit Sachsen. Bodo soll auch der Vater des Grafen Altmann geheißen haben, der vermutlich aus Bayern stammte [4 Siehe Seite 115.].
Festzuhalten ist, daß eine enge Verwandtschaft zwischen der Familie des Grafen Reding und der des Grafen Altmann bestanden haben muß. Gerade in dieser Generation scheinen enge Beziehungen zwischen Bayern und Sachsen geknüpft worden zu sein, wobei Heiratsverbindungen von Süden nach Norden - wie bei Graf Altmann - und von Norden anch Süden - wie bei Glismod - geschlossen wurden. Als sichtbarer Ausdruck dieser Wechselbeziehungen kann der um 1000 in Sachsen auftretende Name Bodo betrachtet werden.
Ein Graf Bodo begegnete erstmalig in der Zeugenliste der Bestätigungsurkunde über die Beilegung des Gandersheimer Streites [5 DH. II. 255 von 1013.]. Der Unterzeichnende war wohl mit dem Grafen Bodo personengleich, dessen Grafschaft 1021 dem Kloster Gandersheim verliehen wurde [6 DH. II. 444 von 1013.]. Sein Amtsbereich erstreckte sich über die Gaue Gandesemigavvi, Frithenigavvi, Flenthigavvi, Augangavvi, Venzigavvi und Eriggavvi. Dazu wurde dem Kloster vergabt, was er im Suilber- und Ammergau an Eigenbesitz besaß. Es handelte sich somit um ein Gebiet zwischen den heutigen Kreisen Gandersheim, Alfeld und Einbeck. Außer im Flenithi, dem brunonischen Amtsbezirk, ist weder vorher noch gleichzeitig ein anderer Graf nachweisbar.
Die Geschichte des Klosters Gandersheim war eng mit den OTTONEN verbunden. Vielleicht erhielt Bodo [7 Vgl. Hildesheimer Totenbuch, das am 9. Januar, am 22. Juli und am 22. August je eines Bodo comes verzeichnet.], der vermutlich nichtsächsischer Herkunft war, die Gandersheimer Klostergrafschaft erst durch Begünstigung von Seiten der IMMEDINGER, mit denen er wahrscheinlich versippt war.
Nach einer späteren Quelle [1 Adam von Bremen, II, Kap. 47.] stammte auch Unwan, der 1013 vom königlichen Kaplan zum Erzbischof von Hamburg-Bremen aufstieg, aus dem berühmten Geschlecht der IMMEDINGER [2 Adam von Bremen, a.a.O.: clarissimo genere Immedingorum oriundus.]. Die Vita Meinwerci bezeugte, daß er als Paderborner Kanoniker durch Meinwerks Fürbitte ordiniert wurde [3 Vita Meinw., Kap. 18.]. Adam von Bremen bezeichnete Unwan als dives et largus, was sich an Hand der Urkunden bestätigt. Unwan schenkte nämlich dem König im Jahr 1013 seinen Eigenbesitz in Moringen [4 DH. II. 264 von 1013.], Bernshausen [5 DH. II. 265 von 1013.] und Hohnstedt (Kr. Northeim) [6 DH. II. 328 von 1015.], den dieser an Paderborn weitervergabte. Die Güter stammten vermutlich aus immedingischem Erbe, da sie unweit der Plesse liegen, einem Kernpunkt immedingischen Allod [7 Vgl. Sabine Krüger, Seite 93.]. Unwans Eltern sind unbekannt. Die Behauptung von E. v. Uslar-Gleichen [8 E. v. Uslar-Gleichen, a.a.O., Seite 78f.], Unwan sei der Sohn einer Schwester von Meinwerks Vater, die den Pfalzgrafen Dietrich (+ 995) geheiratet habe, ist ohne jegliche Beweismöglichkeit.
Unwan starb am 26. oder 17. Janaur 1029 [9 Ann. Hild. a. 1030.]